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28. Jahrgang.
Iul'öa, FrMg. den 2. August 1901.
JK 175.
, Veimmoertli-: ga« dt« XeMttten 3,1 B<»a, für 3*(e*ate 3. parzelie, tu S»l»a.
mit Nnterhallungs-Beilage „IkluArirte Sonnlags-Zeitung" "" P«tcMflag< n*. 1 rtMTDeattl. ,
Beweise nötbig sein, um Fräulein Forest's Stellung zu sichern, so sind dieselben zu erlangen, wenn man sich durch die .Times' in Verbindung setzt mit C. B."
„£) die doppelte, dreifache Verrätherin!" rief Ellinor, als sie zu Ende gelesen, und Zornes- röthe übergoß ihre Wangen. „Sie mag freilich E!le haben, von hier wegzukommen. Dies hat Niemand anders geschrieben, als Fräulein Bassett."
„Und wer mag diese durchtriebene Person sein?" fragte Herr Henderson.
„Diese Person, Sir," antwortete.der Doktor, in dessen treuherzigen Zügen sich ein grenzenloses Staunen malte, „ist eine Dame, die z. Z. noch in Westfields zurückgehalte» wird durch die Folgen eines schweren Unfalls, der ihr und meinem — ah — hm — ihrem Wagenlenker vor einigen Wochen zufiieß. Aber sie ist nun hinreichend wieder hergestellt, um uns Rede zu stehen. Ich schlage deshals vor, daß Herr Norris als der Anwalt der Familie, Sie, Herr Henderson, als Fräulein Forest's und ich selbst als Fräulein Grahams Berather sich unverzüglich zu ihr be- aeben, um eine volle Erklärung zu fordern. Sie, Fräulein Forest," wandte er sich in liebevollem Tone an Aimör, „bedürfen dringend der Ruhe, Wir wollen Sie deshalb ein Stündchen allein lassen."
Aimee gab sich olle Mühe, ruhig zu antworten, aber das EigenthÜmliche ihrer Lage überwältigte sie fast. Der Anblick des letzten Schreibens ihrer früh verlorenen Mutter hatte ihr den letzten Rest von Fassung geraubt.
«Ich kann nicht bleiben, Herr Wilson," sagte
© „Wucherzölle".
Die Sozialdemokratie rüstet sich zu einem neuen Feldzuge gegen die Zölle, die nuferer heimischen Arbeit Schutz unb Gedeihen erhalten unb sördern sollen. Daß sie nichts ausrichtet damit, wissen ihre Drahtzieher ganz genau. Aber darauf kommt es ja hierbei gar nicht an. Die Sozialdemokratie benützt nur wieder einmal die Gelegenheit, um sich selbst in Szene zu setzen und einen Stimmenfang im Großen zu betreiben mit ScheingrÜnden, die jeglicher inneren Berechtigung entbehren, und unmittelbar gegen die Interessen der Arbeiter, deren Interessen die Herren „Genossen" wahrzunehmen vorgeben. Denn wenn es nach der Agitation der Sozialdemokratie ginge, würde die deutsche Land- wirthschaft ruinirt, wenigstens der Ackerbau. Es würde Wald- und Wiesenwirthschaft an die Stelle des Ackerbaues in großem Maßstabe treten. Sehr zahlreiche Arbeitskräfte, die gegenwärtig von der Landwirthschast beschäftigt werden, würden ihre Arbeit verlieren unb würben massenhaft den Städten unb Jndustrie- bezirken zudrängen; baburch aber würden die städtischen unb industriellen Löhne gedrückt werden, und gleichzeitig würde bte Industrie in der Landwirthschast ihren besten Abnehmer verlieren. Die ganze Agitation der Sozialdemokratie gegen die angeblichen „Wucherzölle" geschieht also zum Schaden der Arbetter, nicht zu ihrem Nutzen; man kann sie deswegen so recht eine Spekulation auf die Dummen nennen. Diesmal sollen übrigens namentlich Frauen diese Agitation besorgen — ein neues Reklamemittel, da dir alten augenscheinlich nicht mehr recht verfangen wollen.
Wie steht es denn nun eigentlich mit diesen sogenannten „Wucherzöllen" ?
Daß die Getreidezölle erhöht werden müssen, wenn der deutsche Ackerbau nicht dem Verderben °anhetwfallen soll, braucht nicht von neuem bewiesen zu werden. Ebensowenig ist noch ein besonderer Hinweis auf die Thatsache nöthig, daß ohne Zollerhöhunq für Getreide neue Handelsverträge vom Reichstage nicht gut geheißen werden würden. Also auch derjenige muß wohl ober Übel mit bet Thatsache rechnen, der an ber Erhöhung biefer Zölle kein eigenes Interesse hat. Es geht nun eben nicht anders, unb in bas Unvermeidliche muß man sich fügen.
Sieht man sich nun weiter in den Zollvorschlägen ber Reichsleitung um, so finbet man, daß darin mehr Rücksicht genommen worben ist auf bie Verbraucher von Lebensrnitteln, als auf diejenigen, beten Arbeitserzeugnisse in Lebensmitteln bestehen, ober allerminbesteus ebenso viel Rücksicht; unb außerdem ersieht man aus diesen Vorschlägen, daß in anderen Ländern dieselben Lebensmittel viel höheren Zöllen unterliegen.
Aus den Kreisen der Landwirthschast heraus war wiederholt der dringende Wunsch ausgesprochen worden, einen mäßigen Kartoffelzoll eiuzusühren. In den Zolloorschlägrn der Regierung sieht man sich aber vergebens danach um. Kartoffeln sollen nach wie vor frei von jedern Zolle bleiben. Den Vortheil davon haben zum Nachtheil der Landwirthschaft bie Ka rtoffelverbraucher.
Die Namensschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
25 ------ (Nachdruck verboten.)
Die brutschen Gärtner wünschen seit Jahren sehnlichst einen mäßigen Einfuhrzoll für Gemüse herbei. Namentlich bie südbeutschen Gemüsegärtnereien haben seit Jahren ohne Verbienst gearbeitet, lediglich in der Hoffnung auf den neuen Zolltarif und auf die Hilfe, die ein mäßiger Schutzzoll ihnen bringen sollte. Die Hosfnung ist getäuscht. Zum großen Nachtheile der Gärtner, aber zum Vortheile der Gemüseverbraucher sollen nach den Vorschlägen der Reichsleitung alle frischen Küchengewächse frei eingehen. Daß getrocknete Küchengewächse einen Zoll von zehn Mark für den Doppelzentner zahlen sollen, ist gar nicht der Rede werth. Wer weiß, was für eine Menge ein Doppelzentner Dörrgemüse ist, der weiß auch, baß ein solcher Zoll nur eine kleine Spielerei ist — um ben Anschein zu erwecken, als geschehe etwas.
Genau so verhält es sich mit bem frischen Obste. Aepfel, Birnen unb Quitten sollen auch in der Zukunft vollkommen zollfrei eingehen zu Gunsten der Verbraucher, so daß nach wie vor die Obstzucht für ben deutschen Bauern kein lohnenbrr Nebenerwerb werden kann. In Frankreich beispielsweise ruht auf der Einfuhr von unverpackten Aepfeln und Birnen und frischem Gemüse ein Zoll, der nicht unbeträchtlich ist: und auch einen Kartoffelzoll hat Frankreich, der etwa 16 v. H. des Werthes aus macht. Die Agrarzölle aber sind in anderen Staaten nicht niedriger, sondern höher, als die neu vorgeschlagenen Getreidezölle für Deutschland. Wer das Gegenlhell behauptet, sagt entweder die Unwahrheit, oder kennt bie tatsächlichen Verhältnisse nicht. Der Beweis basür soll demnächst erbracht werden.
Die Einsuhr von Seefischen soll durch theilweise Befreiung vom Zoll erleichert werben. Die vorgefchlagene Verzollung beS Tabaks entspricht lange nicht ben Wünschen ber deutschen Tabakbauer, unb genau so verhält es sich mit dem vorgeschlagenen Zoll für Hopfen. Die vorgeschlaoenen Zölle für Zucker, Kaffee, Bier, Leuchtpetroleum, Rauchtabak und manches Anbere, was zum täglichen Verbrauche gehört, bleiben noch erheblich hinter den Einfuhrzöllen zurück, bie Oesterreich unb Frankreich für biefelben Gegenstände erbeben, oder gleichen ihnen vollkommen. Es ist deswegen vollkommen unverständlich, wieJemand behaupten kann, bie neu vorgeschlagenen Zollsätze glichen „Wucherzöllen".
Lügen haben kurze Beine. Die nachfolgenden Auseinanberietzungen über ben neuen Zolltarif in bet Presse unb im Reichstage werden der Verbreitung der Wahrheit dienen und das deutsche Volk davon überzeugen, daß die enuut von ben Sozialdemokraten unb in ihrem Gefolge von ben Freisinnigen versuchte Wühlerei gegen angebliche „Wucherzölle" auf vollkommen unhaltbarer Grundlage beruht. Diese Grundlage ist bie Unwahrheit. Unb nichts Unwahres kann Bestand haben!
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□ Das neue holländische Ministerium setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen, von denen sechs der protestantischen antirevolutio-
„Laffen Sie mich sehen!"
Ellinor ergriff den eng beschriebenen Bogen, den Herr Henderson seiner Brieftasche entnahm, und während sie dessen Inhalt studirte, reichte Herr Dr. Wilson ben kürzlich aufgefundenen Bries von Aimse's Mutter ben übrigen Anwesenden.
Die Botschaft, welche so geringe Aussicht gehabt hatte, je in Aim4e's Hände zu gelangen, lautete:
„12. August.
Eine Freundin in England, welcher Vieles aus Fräulein Forest's Leben bekannt ist, was diese vielleicht selbst nicht weiß, wünscht Sie hiermit zu benachrichtigen, daß ein bedeutendes Be- sttzthum in einer der östlichen Grafschaften Englands Ihr rechtmäßiges Sigenthum ist. Frau Graham vermachte dasselbe in ihrer Todesstunde ihrer „Enkelin und NamenSgesährtin Ellinor", welche Enkelin und Namensgefährtin Fräulein Ellinor Forest ohne Zweifel ist. In Folge eines Mißverständnisses ergriff eine andere Person von dem Vermächtniß Besitz. Aber wenn Fräulein Forest bei Herrn Norris, Rechtsanwalt in St. Giles Norwich ihre Identität beweist, wird sie zweifellos im Stande fein, ihren Ansprüchen Geltung zu verschaffen und vermuthlich mit ben einzigen überlebenden Verwandten ihrer Mutter zusammentreffen. Sollten noch ausführlichere
nären Partei, drei der katholischen Partei angehören. Die Zusammensetzung ist dem neuen Mlnisterpräfidenten Dr. Kuyper nicht ganz leicht geworden. Er hat mehrere Wochen der Unterhandlung dazu gebraucht. Aber jetzt kann man wohl sagen, daß ihm sein Unternehmen glänzend gelungen ist.
Ministerpräsident Kuyper selbst ist von Hause aus Theologe, unb hat sich trotz aller politischen Bethätigung bis zum heutigen Tage eine hervorragende Stellung auch als solcher zu bewahren gewußt. Dr. Kuyper ist kein junger Mann mehr: Er siebt im 65. Lebensjahre. Aber an feiner umfassenden und vielseitigen Thätigkeit hat das vorgeschrittene Alter noch nichts geändert; man betrachtet ihn als einen der ersten Theoloaen, Politiker. Redner und Schriftsteller der Niederlande. Er ist der Begründer einer ganz neuen kirchlichen Genoffenschaft, ber sogenannten „Delerrenden", bie sich im Jahre 1886 von ber „Niederländischen reformitten Kirche" trennte. Schon vorher im Jahre 1879, hatte er bem Prebigeramte entsagt unb mit seinem Freunde Jonkheer de Savornin Lohmann zusammen die Freie Universität gegründet, deren Rektor er seither stets gewesen lst. Außerdem leitet er mehrere Zeitungen, darunter namentlich sein Leibblatt ,De Stan- baatb'. Dr. Kuyper hat vorläustg persönlich bas Ministerium für Wasserbau unb Hanbel übernommen. Später will er an bie Spitze des neu zu schaffenden Ministeriums für Landwirthschaft und Arbeit treten. Dr. Kuyper plant einen besonderen Ausbau der Arbeüergesetz- gebung. Er ist ein ausgesprochener Buren- freund. Präsident Krüger von Transvaal erwartet von ihm eine lebhafte Unterstützung der Sache der unterdrückten südafrikanifchen Stammesgenossen. Es fragt sich nur, ob er seine Burenfreundschaft wird in die Tbat umfetz rn können. Eine Jnteroention zu Gunsten der Buren wird eben doch nach wie vor eine schwierige Sache fein.
Der katholischen Partei entnommen sind Finanzminister Harte van Tecklenburg, Justlzmtnister I. A. Loefs und der Kriegs- mimster General Berganfius. Der Finanzminister ist ein eifriger Befürworter kräftiger Schutzzölle; deswegen ist fein Eintritt in das neue Ministerium besonders bedeutungsvoll. Von dem neuen Jastizminister Loeff hegt man nicht nur bei feinen Freunden, sondern allgemein die besten Erwartungen, auch sogar bei den Liberalen.
Neben sozialpolitischen Reformen wird wohl zunächst auf dem innerpolitischen Programm des neuen Kabinets einen Hauptpunkt die Schul- ftage bilden, deren Lösung in kirchlichem Sinne ihm hoffentlich recht bald gelingen wird.
Deutsches Keich.
Berlin, ben 1. August.
* Dum Dolktarif. Es ist in der Prefle verschiedentlich ausgefallen, daß das offiziöse W o l f f' s ch e Telegraphen-Bureau mit emsigem Fleiße die Aeußerungen des Auslandes, welche sich gegen den Zolltarif wenden, sammelt. Heute schreibt
sie mit leiser, gebrochener Stimme. „Herr Norris wird alles Nöthige für mich ordnen, aber ich — muß gehen. Ich wäre nie hierher gekommen —" sie blickte zu ihm auf mit Augen, die zu fragen schienen: „Wissen Sie warum?" Aber bis wir hier vorfuhren, hatte ich keine Ahnung, wohin man mich brachte."
„Sie war von der Reise Übermüdet," schaltete Herr Henderson ein. „Und so ließ ich sie bei meinen Frauenzimmern im Hotel zurück, während ich mich aufmachte und mit Herrn Norris ihre Angelegenheiten verhandelte. Bei unserer Fahrt hierher konnten wir nicht viel Unterhaltung führen, und Fräulein Forest schien ganz erschrocken, als sie hörte, wem dies Haus gehöre unb wer barin wohne. Jungs Leute mit zarten Nerven haben oft so ihre eigenen Ideen, wie Sie wissen."
„O bitte, denken Sie doch noch nicht daran, hier wegzugehen, Koustne," sagte Ellinor. „Mein Vater trifft heute hier ein und er muß Sie doch sehen. Es ist auch noch so Vieles unaufgeklärt, worüber wir mit einander sprechen müssen. Und wenn ich — wenn ich Alles verlasse, was nicht mein ist, so muß ich Ihnen zuerst noch von unseren Arbeiten in Westfields und von Herrn Morgan —"
„Herr Wilson," unterbrach fie Aimvr tobten- bleich und wie Espenlaub zitternb, — „ich — ich — muß jetzt gehen. O bars ich gehen?"
„ES ist nicht nothwendig, baß Fräulein Forest biese Erklärungen erhält," sagte ber Doktor, Über Aimors Kopf weg aus bem Fenster blickend und in sehr zerstreutem Tone
hierzu die .Deutsche Tageszeitung': „Das Wolff'sche Bureau scheint seine Thätigkeit zum Zolltarif lediglich durch Mittheilungen von Aeußerungen fremder Blätter ausfüllen zu wollen, die völlig unkontrollir- bar und meist aus dem Zusammenhänge gertffen sind, um gegen Deutschland zu arbeiten."
* Profit Aavaikerie Ilev««ge», an denen sich die berittenen Abteilungen des ersten unb brüten Garbe-Feldartillerie-Regimentes beteiligen, finben vom 17. bis 22. August auf bem Exerzierplätze bei Loburg statt. Daselbst werden 10 Kavallerie-Regimenter zusammenaezogen, und zwar bie beiden Garde - Dragoner - Regimenter, das erste und dritte Garde-Ulanen-Regiment, die Brandenburger und die Halberstädter Kürassiere, die Ziethen- Husaren aus Rathenow und die dreiHusaren-Rsgi- mentet aus Merseburg, Wandsbeck und Schleswig.
* Utber die Berathungen und Beschlüsse der Konferenzen im Kultusministerium bezüglich der Lehrertzitdrmg ist mitzutheilen, daß Schulrat Pollack-Worbis dem Ministerium ein eingehendes schriftliches Gutachten mit praktischen Rathschlägen übersandt hat. Es handelt sich, wie verlautet, nicht um prinzipielle Aenderungen im Lehrerbjlbungs- wesen, wohl aber soll ein gesunder Fortschritt angebahnt werben. In der ber Konferenz gemachten Vorlage bes Kultusministers soll die Selbstänbigkeit ber Präp^ranben-An- ftalten, selbstverständlich unter entsprechender Verbinbung mit bem Seminar, ausgesprochen sein. Gewisse Unterrichtsgegenstände kommen in ihnen, im Gegensatz zu bet bisherigen ProxA zum Abschluß, so baß das Seminar im Interesse seiner eigentlichen Aufgabe entlastet wird. Eine fremde Sprache ist für Seminar unb Prä- parande obligatorisch. Das sind Fortschritte, bie überall, besonders in Lehrerkreisen, lebhaften Beifall finden werden. Wie im Heerwesen und in der Verwaltung besonders tüchtigen Elementen Gelegenheit gegeben wird, ihre wissenschaftliche Vorbildung zu vertiefen unb zu erweitern, so sollen in Zukunft auch geeignete Personen aus ben Kreisen ber Volksschullehtet sich burch eine höhere wissenschaftliche unb theoretische Ausbildung für bte höheren Stellen im Volksschuldienste, a so für die Kreisschulinspektion und für da« Lehramt an den Lehrerbildungsanstalten in besserem Maße vorbereiten, als dies bisher möglich war.
X Die Hewer« schäfte« «vd di- Sozialdemokratie. Die Leitung der sozialdemokratischen Partei betrachtet, wie bekannt, bte Gewerkschaften weniger als ein Mittel zur Unterstützung und Förderung der Lebensintereffen der Mitglieder derselben, als vielmehr als ein Mittel zur Vergrößerung und Festigung der sozialdemokratischen Partei. Die Gewerkschaften sollen nach ihrer Ansicht Hauptzugvieh sein vor dem sozialdemokratischen Parteiwagen; von „neutralen" Gewerkschaften spricht wohl manchmal Herr Bebel, aber er meint es eigentlich ganz anders. Die Hauptmasse der angeblich neutralen Gewerkschaften ist ja auch von jeher sozialdemokratisch bis auf die Knochen gewesen; aber neuerdings regt sich doch innerhalb dieser Körperschaften der Widerspruch gegen die willenlose Beugung unter die sozialdemokratische Parteileitung, und zwar theil-
sprechend. „Er wird ihr ganz bald Alles selbst sagen können. Mein Schwager," fuhr er zu Herrn Henderson gewendet fort, Aimse ganz ungalant den Rücken kehrend, „war nämlich in einer sehr schwierigen Angelegenheit abwesend. Er suchte eine Freundin, bie er nicht finden konnte. Erst kürzlich hatte er einen Unfall unb war ganz reiseunfähig. Ein vernünftiger Wnnb- arzt in Paris beorderte ihn nach Hause. Er kommt heute zurück — sogleich — ich glaube wirklich, ba ist er schon."
Unb in größter Aufregung eilte ber Doktor in bie Halle hinaus, getabe als sein eigener Wagen, bet ben Reisenden am Bahnhof abgeholt hatte, vorfuhr und Frau Wilson, von ihrer Besucherin endlich befreit, herbeistürmte, um den Bruder zu begrüßen.
„Nun, lieber Junge, nimm meinen Arm, sagte der Doktor. „Allmächtiger Himmel, wie geisterhaft Du ausstehst! Wie geht's, Jarns? Bitte, bringen Sie ben Wagen an bie anbere Thür. Unb jetzt — mit seiner Frau unb Richarb in bas Haus eintretenb — verhaltet Euch beibe so ruhig als möglich, nicht wahr? Aber ich muß sogleich mit ber Sprache heraus. Dort" — auf bie halbgeöffnete Thür beutenb — „ist Fräulein Forest mit ihren Begleitern."
„Aber Robert!" tief Frau Wilson in vorwurfsvollem Tone. Doch Richarb entwand sich bem festen Griffe des Doktors, der ihn zurück- halten wollte, und hatte mit wenigen schwankenden Schritten das Gemach erreicht, in welchem Alles vor seinen Augen verschwand bis auf das eine geliebte Gesicht, das er fo verzweifelt gesucht hatte.