28. Jahrgang.
Ml'öa, Mittwoch, den 31. Juli 1901
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DruK und Verlag der Auldae» KcNendruAeuM peteragag» kl». * (»anaeuk).
Die Aammsschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
'Die Zollvorjchläge und das Ausland.
Handelspolitik und Zollpolitik sind sehr handgreifliche Dinge der allernüchlernsten Wirksamkeit. Dabei ist jeder Theil nur auf seinen Vortheil bedacht. Was sonst dabei zu berücksichtigen ist, kommt erst in zweiter Reihe. Jeder Staat führt einen Kampf für seine Interessen und damit gegen die Interessen der anderen Staaten; denn jeder Staat möchte möglichst hohe Zölle für sich selbst und möglichst niedrige Zölle bei den anderen Staaten haben. Wenn also ein Staat seine Zollsätze für die Einfuhr fremder Maaren erhöhen will, so muß er unter allen Umständen darauf gefaßt sein, daß er deswegen vom Auslands her angegriffen wird, auch wenn das Ausland für sich diese Zollerhöhungen als ganz verständig und berechtigt anerkennt. Man erkennt im stillen die Berechtigung an, gibt das öffentlich aber um keinen Preis zu — kurz und gut: man handelt, mein feilscht um die Handelspolitik.
Das thut nun jeder in seiner Manier. Die Manier der Russen ist wenig fein; das wiffen wir nun schon aus den heftigen Angriffen der Preßorgane des Finanzministers von Witte vor mehreren Monaten. Schon damals sprachen die Petersburger Zeitungen von einem Zollkriege, den Rußland gegen Deutschland beginnen würde, wenn dieses Letztere seine Getreidezölle erhöhen wollte; es kann darum heute nur noch geringem Eindruck machen, wenn diese Drohung wiederholt wird, trotz der noch derber» Sprache im Vergleiche zu damals. Die russischen Blätter brüsten sich damit, daß Rußland finanziell von Deutschland unabhängig sei; das mag wahr sein. Aber das hat nichts mit den Verhandlungen über neue Handelsverträge zu thun. Und wenn von Petersburg jetzt von neuem die Versicherung ergeht, Rußland könne seine landwirth- schastlichen Erzeugniffe auch nach anderen Staaten äbsetzen und brauche Deutschland gar nicht als Ab- «ehmer, so klingt diese Renommisterei ganz einfach albern. Denn Rußland kann sich doch nur im Interesse seiner Landwinhschast sreuen, wenn es sich so verhält; und Deutschland ist wahrhaftig mit seiner Getreideversorgung nicht auf Rußland angewiesen. Deutschland wird es unter den geeigneten Be- Äingungen sehr bald dahin gebracht haben, seinen Bedarf an Brodgetreide selbst zu decken; und sollte es in Folge von Ausnahmezuständen einmal ausnahmsweise auf eine Zufuhr von außerhalb angewiesen sein, so gibt es außer Rußland doch noch Länder genug, aus denen es einen sol- -chen Ausnahmebedarf decken könnte: Nordamerika, Argentinien, Australien, Indien, Rumänien, Ungarn. Diese Drohungen sind so schwach, daß sie nicht den allergeringsten Eindruck machen und nichts anderes als ein bedauerndes Achselzucken Hervorrufen können. Daß unfire Händlerpreffe nichtsdestoweniger sich so weit erniedrigt, mit diesen und ähnlichen Drohungen rote mit wirksamen Mitteln zu arbeiten, versieht sich von selbst. Das war nicht anders zu ei wirten, und das war schon so, als es bei uns in Deutschland zum erstenmal galt, unserer heimischen Arbeit durch ge- geeignele Zölle einen Schutz gegen den Ansturm des Auslandes zu gewähren. Es ist nur zu verwundern, daß die Leute, die mit solchen Mitteln arbeiten, das nicht schließlich einmal satt be<
Aber eine so glückliche Lösung der augenblicklichen Schwierigkeiten war vorläufig nicht zu erwarten, und die arme Aimo: mußte ohne jede Aussicht auf Erleichterung ihr schweres Loos tragen. Die ersten Tage nach ihrer Abreise von Brüssel vergingen ihr wie ein Traum; aber es war ein qualvoller Traum, der sir keinen Augenblick das bittere Leid vergessen ließ, daS abermals ihr ■junges Leben betroffen hatte Ein fortwährender Kummer nagte an ihrer Seele; schlaflose Nächte und unruhige, aufreibenoe Tage spannten ihre Kräfte aus's äußerste an. Aengstlich besorgt, ihren Äntheil an dem Reisevertrage gewissenhaft zu erfüllen, übersetzte, erklärte und erforschte sie für Herrn Henderson, unterhandelte mit Juwelieren und Modistinnen für seine Frau, ergänzte Jse- bella'S wunderbares Französisch bei den langen ermüdenden Besichtigungen von Museen nndGe- mälde-Gallerien, und strengte ihre Kräfte dermaßen an, daß sie ihr plötzlich den Dienst versagten, ehe die erste Woche ihres Pariser Aufenthaltes zu Ende war. Sie gestand schüchtern zu, daß sie vielleicht „ein wenig übermüdet" sei, bat um eine kurze Ruhezeit und schlich auf ihr Zimmer, überwältigt von Mattigkeit.
Die Hendersons, in ihrer Art drei so gute Menschen, wie sie nur je zu einer Vergnügungstour Äber den Ozean kommen, waren sehr bestürzt, ihre
kommen. Als ob nicht die anderen Länder genau n demselben Maße und noch mehr als wir auf den Abschluß von Handelsverträgen angewiesen wären! — als ob nicht Rußland schon einmal einen Zollkrieg gegen Deutschland versucht und sehr bald eingesehen hätte, daß die Nachtheile des Krieges auf seiner Seite waren!
Wenn nun gar die amerikanischen Blätter eine gekünstelte Entrüstung gegen die deutschen Zallvorschläge zur Schau tragen, so ist das ganz und gar verkehrt. Diese deutschen Zollvorschläze bleiben doch wahrhaftig unendlich weit zurück hinter den Einfuhrzöllen der Vereinigten Staaten von Amerika; und gleichzeitig muß man sich stets an die alte Wahrheit erinnern, daß die Nordamerikaner für den Absatz ihrer Erzeugniffe viel mehr auf den deutschen Markt angewiesen sind, als wir in Deutschland auf den Absatz unserer Waaren in der nordamerikanischen Staatenvereinigung.
In Oesterreich - Ungarn richtet man sich ebenfalls auf eine Erhöhung der Schutzzölle ein. Ein freihändlerisches Blatt brachte erst in diesen Tagen wieder die Meldung von „gut unterrichteter Seite" aus Budapest, es herrsche in Oesteireich und Ungarn Einigkeit darüber, daß ein freihändlerischer Zolltarif unmöglich und daß den landwirthschaftlichen Erzeugnisfen ebenso wie denjenigen der Industrie ein ausreichender Zollschutz zu gewähren fei. Was man in Orstecreich-Ungarn als nothwendig erkannt hat für die eigenen Bedürfnisse, muß man unbedingt auch beim deutschen Reiche als berechtigt anerkennen. Im übrigen aber muß man stets daran denken, daß die im Generaltarif vorgeschlagenen Zollsätze nochgarnicht die Zollsätze im Handelsvertragstarif sind. Nur für die Getreidezölle hat die Reichsleitung eine untere Grenze vorgeschlagen, unter die nicht heruntergegangen werden soll. Für die Verzollung aller anderen Waaren ist eine solche feste Grenze nach unten hin nicht vorgesehen. Den Verhandlungen darüber ist also gar keine Schranke gefetzt, und wir in unserem deutschen Interesse können nur recht dringend wünschen, daß dem Ansturm von außen her recht kaltes Blut und recht nachhaltiger Widerstand entgegengesetzt werde.
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Hft leidet, beseitigen, nde Füße septische bei igenbr. 4.
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na(en Uebereinkommen über den Kisen- vuHnfrachtverkehr vom 14. Oktober 1890 ist, einer amtlichen Mittheilung in der .Zeitschrift für den internationalen Eisenbahntransports zufolge, am 10. d. M. ratifizirt worden und wird demnach am 10. Oktober d. I. in Kraft treten. Den Königlichen Eisenbahndirektionen wird von dem Minister der öffentlichen Arbeiten hiervon mit dem besonderen Auftrage Kenntniß gegeben, dafür zu folgen, daß, sobald die Veröffentlichung des Zusatzübereinkommens erfolgt sein wird, die durch letzteres abgeänderten F achlbriefformulare rechtzeitig hergestellt und aufgelegt werden. Außerdem sollen die Königlichen Eisenbahndirektionen schon jetzt in ausgiebigem Maße durch die Preffe und Mittheilung an die größeren Versender sowie durch Anschlag an den Gülerabfertigungrstellen bekannt machen, daß mit dem 10. Oktober d. I. neue internationale Frachtbriefe zur Einführung gelangen und die bisherigen, dem Uebereinkommeu über den internationalen Frachtverkehr vom Jahre 1890 entsprechenden Formulare nur noch bis zum 9. Oktober 1902 (einschl.) zugelaffen sind. Hierbei ist zum Ausdruck zu bringen, daß der letztgenannte Zeitpunkt unabänderlich ist.
X Die Rückbeförderung der nach Deutschland heimkehrenben ostastatifche* Grnppe« stellt in diesem Jahre an die deutsche Rh ederei noch größere Ansprüche, als im vergangenen Jahre die Hinausbesörde- rung. da die Rücktransporte zeitlich näher aseut« ander liegen. An ben RückrranSporten unserer Truppen ftnb beteiligt der Nordbeutsche Lloyd in Bremen mit 12 Dampfern, die Hamburg-Amerika-Linie mit 7 Dampfern, die Hamburg, südamenkanische Dampffchifffahrts- gesellschaft mit 2 Dampfern, die Rhederei von Rob. M. Sloman u. Co. in Hamburg mit einem Dampfer und endlich mit ebenfalls einem Dampfer der Oesterreichische Lloyd in Triest.
X Amtlich« Dahruugsmttter-Antttsnchung««. Im Monate Juni find in Berlin 294 Proben von Nahrungs- und Genußwitteln chemisch untersucht worden-beanstandet wurden insgcsammt 83Proben; ste betrafen Milch, Butter, Wein, Fleischwaaren rc. Im Einzelnen ist zu bemerken: Die Beanstandungen der Milch erreichten im Juni eine außergewöhnliche Höhe. Bon den öffentlich angekauften 40 Proben entsprachen nämlich 14 nicht den einschlägigen Bestnn» mungen, während von den auf Grund der Vorprüfung seitens der Milchkommissionen eingelieferten 5 Proben 4 als verfälscht zu beanstanden waren. Die Grunde der Beanstandungen waren geringer Fettgehalt, Entrahmung, Wässerung und Verdorbenheit. In entern Falle war die in einer Markthalle feilgehaltene Milch angeblich zum Zwecke der Konservirung mit unsauberem Brennnesselkraut behandelt. Während die vom AuS- lande eingegangene Butter in 13 zur Untersuchung gelangten Fällen keine Veranlassung zur Beanstandung bot, wurden bei 20 Proben aus hiesigen Detarl- geschäf'.en 10 Fälschungen beobachtet. W-ungleich diese immerhin hohe Ziffer der Beanstandung darauf zurückzuführen ist, daß die Einlieferung der Proben auf Grund von Verdachtsmomenten erfolgte, so hrgt doch der Schluß nahe, daß die Vermischung von Butter mit Margarine bezw. die Substituirung von Butter durch Margarine häufig vorkommt. Bezüglich der Fleischwaaren wurden auf Grund der neueren Kammer« gerichts-Entscheidung über Färbung und Mehlzusatz der Würste informatorische Untersuchungen veranstaltet, au8 denen sich ergab, daß 92 v. H. der entnommenen Dauerwürste künstlich gefärbt waren und 80 v. H. der Leber- würste Mehl enthielten. Bei Untersuchung dec vom Auslände (Holland)eingeführten K ä s e p r o b e n wurde wiederholt einFettnachgewtesen.das sich wesentlich von demButter- fett in Käsen anderer Produktionsgebiete unterschndet.
Blicke verriethen ihr deutlich, was ihre zu- nehmtttde Schwäche zu flüstern begann. Ihre Mutter war in jungen Jahren gestorben, unb ein tiefer Kummer, der an ihrem Herzen nagte, hatte ihr frühes Ende herbeigesührt, wie ihr Vater einst anbeutete. Konnte der Allgütige nicht auch sie frühzeitig zu sich rufen wollen?
In den stillen Stund;n der Nacht dachte sie Über diese Möglichkeit nach und fing an einzu- sehen, daß ste ihren gütigen Freunden nicht länger zur Last fallen dürfe. Wenn ihre Tage gezählt waren, konnte ste vielleicht doch bei ihrer mütterlichen Freundin oder wenigstens in deren Nähe ihre letzte Lebenszeit zublingen. Mlt Herrn Henderson's Zustimmung wollte sie gleich am nächsten Tage an Fräulein Osborne schreiben unb ihr Anliegen vorbringen.
Mit biefen Plänen beschäftigt, ging sie am Mittwoch Morgen, es war der 1. September, hinunter und fand Herrn Henderson und feine Frau in ihrem Prioatwohnzimmer, eine Mit» tbeilung studirend, die sie gerade von Frau Rochford erhalten.
„Hatte ttl eigener Angelegenheit nach Brüffel zu schreiben," erklärte der Herr, Aimöe in einiger Entfernung einen Stuhl anweisend, „unb hier ist auch ein Brief für Sie, Fräulein Forest, ber dem meinigen beigelt gen. J me Lehrerin kannte seither unsere Adresse nicht, konnte ihn also auch nicht früher befördern." Dann ging er wieder zurück, um in halblautem Tone mit seiner Frau zu berath schlagen, wann er am besten Fräulein Osborne aufsuchen würde, um über ihren frühem Schützling mit ihr $ä
dem Bundesrathe zugegangenen Tarifentwurfts trotz allen Geschreies der Freihandelspresse und der von ihr gegen die heimische Regierung gehetzten Auslandsstimmen schließlich doch noch auf den i. 1.18 d7 als richtig erkannten Standpunkt von sechs Mark zurück gesteigert werden.
X Derschacheruug des BjffUrif». Vielfach wird angenommen, daß oie veiftühte Veröffentlichung der Zollsätze für landwirthschaftliche Erzeugnisse in dem Stuttgarter Demokratenblatte die Veranlassung zu der Gesammt-Veröff-ntlichung der Entwürfe der Zolltarif-Gesetz; und des Zoll- tarifes gewesen sei. Diese Annahme scheint in» dessen falsch zu fein. Man hatte Kenntniß davon erhalten, daß ein Exemplar des Entwurfes ben Weg zu bem Berliner Vertreter eines Londoner Finanzblattes und von diesem in die Redaktion des Blattes selbst gefunden hatte, und daß diese letztere eine vollständige Veröffentlichung der Entwürfe vorbereitete. So wenigstens wird der.Voff.Ztg/ berichtet; und deswegen ging man entgegen ber ursprünglichen Absicht mit der Veröffentlichung vor. Ber dem Londoner Zeitungs- Vertreter ist eine Haussuchung abgehalten worden, über deren Ergebnisse Schrorigen beobachtet wird. Augenscheinlich handelt es sich aber nicht um ein politischeSVergehen.sondernumeinrVerschacherung ber Gesetzentwürfe aus lediglich gewirrnsüchtig er Absicht. Nichtsdestoweniger ist eine exemplarische Bestrafung des Schuldigen durchaus wünschenswerth. Von einer Untersuchung über die eigenthümliche Art unb Weise, wie die Zollsätze ihren Weg in die Redaktion des .Stuttgarter Beobachters' gefunden haben, hat noch Niemand etwas vernommen. — Nach der Meldung eines Berliner Blattes hat die Kriminal-Polizei in Berlin eine fehr eifrige Tätigkeit entwickelt, um festzustellen, auf welche Weise das anscheinend gestohlene Exemplar in's Ausland gelangen konnte. Es fanden bei verschiedenen Berichterstattern Haussuchungen statt, und es ist anzunehmen, daß ber Polizei die Korrespondenz in die Hände gefallen ist, die -sich mit dem Verkaufe des gestohlenen Exemplare-beschäftigt. Man sagt auch, daß eine größere Summe Geldes beschlagnahmt worden sei, und daß ein sehr eifriger Dep-schenwechsel zwischen ber allerhöchsten Stelle und dem Auswärtigen Amte in Berlin statifinde.
X A«s dem Mahttr-is- DnisSurg Mülheim liegt jetzt oas amtliche Wahlergebniß vor. Danach haben von 82869 eingetragene^ Reichstazswählern 63 957 ab gestimmt. Un« giltig waren 68 Stimmzettel. Es haben erhalten Dr. Beumer (natl.) 25 764, Oberlandes- kulturgerichtsprästdent R i n t e l e n (Centrum) 20 076, Fabrikant Renkhoff (freis.) 1090, Prioatbkamter Hengsbach (Sozd.) 14319, von Czarlinski (Pole) 2699 Stimmen. Außerdem waren 9 Stimmen zersplittert. Im Allgemeknen waren also die Wahlergebnisse vorher unzutreffend gemeldet worden. Am letzten Sonntag haben die Sozialdemokraten eine Ver- trauenSmännerDerfammlung abgehalten und in dieser Stimmenthaltung beschlossen. Es fragt sich aber, ob sich an diesen Beschluß alle Diejenigen binden werden, die im ersten Wahlgange für den Sozialdemokraten ihre Stimmen abgegeben haben. Nach den Erfahrungen in ähnlichen Fällen ist das zu bezweifeln.
(*) Das am 16. Juni 1898 in Paris abgeschloffene Zusatzübereinkommen zum int er nativ- „England liegt gerade auf der andern Seite des Wassers; sage Fräulein Forest, daß ich Geschäfte halber unfern Reiseplan ändern müsse. Mit Fragen wegen Fräulein Okbornes Aufenthaltsort wollen wir sie nicht erschrecken; ich telegraphire an Frau Rochford und diese kann umgebend antworten. Sorgt Ihr Damen nur, daß sie um die Mittagsstunbe reisefertig ist, dann wird Alles ganz gut gehen."
So erhielt denn Fräulein Forest wieder einmal freundliche Marschordre, und die kleine Gesellschaft verließ Paris, um sich nach London zu begeben. Hier verbrachte Aimöe in einem riesigen Hotel, mit der Aussicht auf die gewaltigen Löwen und sprudelnden Fontainen von Trafalaar Square einen traurigen Sonntag, ben ersten Tag ihrer Rückkehr nach England, die sie in Begleitung Richard's anjutreten gehofft hatte!
Der unaushörliche Schmerz, den ihr seine Untreue bereitete, hatte ihre Selbstbeherrschung so weit überwältigt, daß die Einbildung über die Vernunft zu herrschen begann und sie von der beständigen Angst gefoltert war, ihm hier, in feinem Vaterland, vielleicht an der Seite seiner zukünftigen Gattin zu begegnen. Diese Furcht quälte sie in den nächsten zwei Tagen in jeder Straße, bei jeder Sehenswürdigkeit, die sie mit den Hendersons aufsuchte. Sie stahl den letzten Rest von Farbe aus ihren Wangen und verlieh ihren dunkeln, traurigen Augen einen solchen Ausdruck angstvoller Erwartung, daß mancher Vorübergehende halb bewundernd das junge Mädchen betrachtete. Diese fremden
M iing klugttst. dlUM. ibarg. >a.
9 Uhr:
Deutsches Reich
Berlin, den 30. Juli.
-f- Die Hetreidezöils und die konservative Partei. Das leitenbe Blatt der konservativen Partei, die ,Kreuz-Zeitung', hat von Anfang an keinen Zweifel darüber bestehen lassen, baß sie die vorgeschlagenen Mindesizölle für Getreide für zu niedrig halte, um ber Land- wirihschaft die ihr nothroenbige Hilfs wirklich zu bringen. J-tzt hat sie bi-fe Anschauungsweise in bestimmter Weise noch einmal zum Ausdruck gebracht. Sie schreibt:
Der Ausblick ist trübe für die deutsche Land- wirthschaft. Ihre gewaltigen Fortschritte im Ackerbau wie in der Viehzucht während verletzten Jahrzehnte haben gezeigt, daß fie stets bestrebt ist, auch die ungünstigsten Verhältnisse durch gesteigerte Anspannung' der Kräfte auszugleichen. Und Opfer für die anderen Stände zu bringen, ist sie gewohnt . . . Aber auch die Opferfähigkeit der deutschen Landwirthschaft hat ihre Grenzen, und wir hoffen deshalb, daß die Sätze des schöne junge Dolmetscherin in solchem Zustande zu sehen unb beriechen eifrig, was man für sie thun könne. „Dagegen Hilst kein Essen und kein Trinken, obschon sie von ersterem wohl täglich ein paar Unzen mehr nehmen könnte, sagte der reiche Amerikaner. „Was ihr fehlt, ist eine gute Freundin, bei ber sie sich einmal recht aussprechen md ausweinen könnte. Ich würbe gleich barum telegraphüen, wenn ich nur wüßte, wo ein solcher Artikel zu finden wäre."
„Aber sie hat Niemand mehr, sie steht ganz allein, das arme Ding," sagte feine Frau. „O Ralph, so nett wie sie ist, waren wir nicht doch etwas voreilig, sie mit uns zu nehmen?"
„Kann ich nicht einsehen; übrigens läßt sich Geschehens nicht mehr ändern," war die etwas geschäftsmäßige Erwiderung. „Isabella, strenge Dein Gedächtniß an, kannst Du uns nicht auf eine Spur helfen?"
Fräulein Henderson überlegte einen Augenblick.
„Ja Fräulein Forest hat eine Freundin — jenes Fräulein Osborne, die Vorsteherin meiner Schule war, ehe Fräulein Rochso d kam. Ich denke wohl, fie würde sich ihrer annehmen."
„Für diesen guten Einfall sollst Du eine extra Fünf-Dollars-Note haben, Bella; wir müffen Fräulein Osborne ausfindig machen."
„Aber Ralph, fie ist ja in England," sagte Frau Henderson im klagenden Tone. Was kann sie uns da nützen?"
„Dummheit!" entgegnete ihr Gatte, dem auf feinen Reisen nichts lieber war, als ein triftiger Grund zu verzwickten Zick-Zacktouren.
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