28. Jahrgang.
IuL-a, Montag, den 29. Juli 1901.
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Mnige Stimmen der Presse zum vorgeschlagenen Zolltarif.
Man kann sich kaum schärfere Gegensätze Vorsteven, als diejenigen es sind, die bei den verschiedenen Beurtheilungen der Zolltarifvorschläge in der Presie hervortreten. Die Organe des Handelsvertragsvereins, will also sagen der grundsätzlichen Freihändler, stellen sich an, als ob die Vorschläge ungeheuer hoch in der Forderung an Schutzzöllen gingen. So stellt -sich die schon mehrfach in der „gulb. Ztg.' gekennzeichnete .Korrespondenzdes Handels» Vertragsvereins' dem äußeren Anscheine nach ganz wüthend an, indem sie schreibt:
„Die Sätze des Entwurfes übertreffen weitaus die schlimmsten Befürchtungen der Handelsvertrags- sreunde. Insbesondere aber muß die Thatsache, daß der Entwurf einen Doppeltarif für Getreide vorfieht, Seradezu als eine Verhöhnung der handelsvertrags- ceundlichen Kreise bezeichnet werden . . ."
Umgekehrt schreibt die .Deutsche Tageszeitung' des Bundes der Landwirthe:
„Wir glauben nicht, daß der ZÄltarif auch die bescheidensten Landwirthe befriedigen kann und sind ebenso überzeugt, daß die Industrie nach vielen Richtungen hin sehr peinliche Lücken und Verschiebungen zu beklagen hat. Ferner müssen wir es als ein ganz besonders befremdliches und geradezu unverständliches Vorgehen bezeichnen, daß die Regierung es nicht für nöthig gehalten hat, den deutschen Gerstenbau in irgend einer Weise zu schützen ... Es müffen alle Kräfte angespannt werden, um den völlig unzulänglichen Zolltarif in eine brauchbare Schutzwehr für die heimische Volkswirthschaft umzuwandeln ..."
Aus einigen Äußerungen der national- liberalen .Kölnischen Zeitung' ist Folgendes hervorzuheben:
„Drei Faktoren sind maßgebend für den Abschluß von Handelsverträgen: die deutschen Regierungen, das Ausland und der Reichstag. Will man wirklich Handelsverträge erreichen, so darf man keinen dieser Faktoren aus dem Auge verlieren. Nun ist darüber kein Zweifel möglich, daß ohne eine mäßige Erhöhung der Getreidezöste eine Retchstagsmehrheit für die Sandelsverträge nicht zu erzielen ist. Jeder einsichtige reund langfristiger Handelsverträge muß als Realpolitiker mit dieser unumstößlichen Thatsache rechnen, und die Industrie bat längst mit ihr gerechnet .... Deutschland stellt für die Völker einen so gewaltigen, so kaufkräftigen und so aufnahmefähigen Markt dar, daß eS sich wohl erlauben darf, sich zunächst über seine eigenen Bedürfniffe klar zu werden, ehe eS an das Ausland mit der Frage herantritt, wie auf dieser Grundlage handelspolitische Geschäfte zu machen sind . . . "
Der konservative .Reichsbote' ist mit den gemachten Vorschlägen zufrieden. Er schreibt:
„ ... ES ist mit herzlichem Danke anzuerkennen, daß die Regierung diesen verbefferten Schutz der llr- ^produktion ausgenommen und in diese Vorlage umge- goffen hat; der Schutz selbst geht nicht über das Maß desjenigen hinaus, dessen die Landwirthschaft unbedingt bedarf . . .“
Daß das leitende Blatt der konservativen Partei, die .Kreuzzeitung', mit den vorgeschlagenen Getreidezöllen nicht zufrieden ist, weiß man bereits. Daß das sozialdemokratische Berliner Crntralorgan sich anstellt, als hätte sich mit der Ausarbeitung dieser Zollvorschläge etwas Gräßliches ereignet, versteht sich von selbst. Das gehört bei ihm zum Geschäft. Das würde das „Centralorgan" in jedem Falle gethan haben, mochte nun der Vorschlag der Reichsleitung ausfallen, wie er nur immer wollte. Weil man daS weiß, läßt man
Die Mammsschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
------ (Nachdruck verboten.)
So war es in der That! Und wenn es schon Ellinor so schien, wie mußte es erst für Frau Wilson fein?
Die schreckliche Ueberzeugung drängte sich ihr auf, daß sie von einem thörichlen Jrrthum sich chabe leiten lassen, und sie saß eine Weile schweigend da, bis sie gleichsam zu ihrer eigenen Rechtfertigung sich zu der Frage zwang: „Sie wollten uns gewiß nicht irre führen, Fräulein Graham. Aber wirklich, ich und auch Andere bemerkten, daß Sie eine so große, eine so außerordentliche Vorliebe für meinen Bruder zeigten —"
„Und ich zeigte nur, was ich fühlte," vollendete Ellinor aufrichtig. „Er gefiel mir vom ersten Augenblicke an. Ich glaube, nach Papa und natürlich lange, lange nach Alex ist er der netteste Mann, den ich je kennen lernte. Und er ist auch so gescheidt und so hilfreich, wie ich Ihnen schon früher sagte; mit meinen Arbeitsleuten wußte er so gut umzugehen, daß ich ihn stets zu fragen und nach seinem Rath zu handeln Wünschte. Aber etwas Anderes für ihn fühlen? O, niemals. Mein Gott, er ist so ernst und kam mir auc 'stets schon ganz alt vor — beinahe wie vierzig. Alex ist zwei Monate jünger al« ich."
Frau Wilson seufzte tief auf, als ein Miß- verständniß nach dem andern sich aufklärte. So niedergeschlagen sah die arme Dame aus, daß Ellinor nun ihrerseits die Trösterin machte.;
sich aber auch nicht von solcher Radaupolitikum eben Preis imponireu.
Die .Freisinnige Zeitung' des Herrn Abg. Eugen Richter endlich glaubte sich etwas Besonderes leisten zu müffen, indem sie sofort ausrechnen wollte, wie viel Mehrerträge an Zöllen ein Gesetz nach den vorliegenden Vor- chlägen bringen würde. Da hat sie aber eine lästige Entgleisung erlitten. Am Schluffe der ersten Spalte eines unendlich langen Aussatzes »erechnet sie diese Mehrerträge auf 150 Mil- innen; am Ende der dritten Spalte aber ist der Zritungspegasus bereits dermaßen mit ihr durch- j egangen, daß dasselbe Recyenexempel bereits j 00 Millionen mehr, also 250 Millionen Mark ergibt. Und solche Leute wollen ernst genommen werden? Herr Eugen Richter wird alt!
<1 Wohnungselend.
Die Bemühungen, künstlich in den östlichen preußischen Provinzen, namentlich in Westpreußen, eine Großindustrie hervorzurufen, sind oft genug gekennzeichnet worden. Uebrigens soll sich sogar der neue preußische Handelsminister nichts weniger als entzückt von diesen Bemühungen ausgesprochen ’ laben, nachdem er die vorliegenden Thatsachen an Ort und Stelle kennen gelernt hatte. Wie außerordentlich wenig vorbereitet Danzig auf die Aufnahme zahlreicher Arbeiter und Arbeiterfamilien ist, kann man au« dem letzten. Jahresberichte der westpreußischen Gewerbe-Aussicht ersehen. Noch weit schlimmer sieht es in Elbing aus. Dort fehlt es so sehr an geeigneten Wohnräumen, daß die Mehrzahl der besichtigten Arbeiterwohnungen aus einem einzigen Raume besteht, während „auf einem Steinpfeiler im Flur in der Weife längst vergangener Zeiten mit offenem Feuer gekocht werden muß". Und eine solche Wohnung kostet alljährlich bis hundert Mark Miethe, obwohl der Wohnraum selten die Höhe von zwei Metern Übersteigt und nicht einmal hinreichend für Trinkwasser gesorgt ist. Die Leute, die in solchen Wohnungen Hausen, müssen sehr häufig dar Wasser des sumpfigen Elbing-Flusses genießen. Die Häuserneubauten aber werden zumeist für größere Wohnungen eingerichtet, nicht für Arbeiterbehaufungen.
In Ostpreußen ist es nicht anders. „Die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter — so liest man in dem entsprechenden Berichte — lassen noch immer sehr zu wünschen übrig, und die MiethSpreise sind verhältnißmäßig hoch. E» is nicht selten, daß der Arbeiter ein Viertel seines Jahresverdienstes und mehr als Miethszins für feine Wohnung hingeben muß.." Dieselben Klagen liest man aus Oberschlesien: „Der ... zu Kattowitz . . . gewonnene Einblick in die Wohnungen von Bauarbeitern und sorst- wirthschaftlichen Arbeitern ließ schwere gesundheitliche und sittliche Schäden erkennen und ein lebhaftes Bedauern in dem Aufsichtsbeamten wach werden, daß hier eine Handhabe . . . zum Einschreiten .noch fehlt... Die Besichtigung der Wohnungen für die in Ziegeleien und Steinbrüchen thätigen Campagne-Ardeiter (vorübergehende Arbeiter) gab ju zahlreichen Beanstandungen Veranlassung. In achtzehn solchen Unterkunftsräumen der Inspektion Kattowitz waren den Arbeitern
„Jetzt, da Sie «Wine Herkunft kennen," sagte sie demüthig, „werden Sie bald ganz froh fein, daß ich nicht Ihre Verwandte werde. Und Herr Morgan wird weniger betrübt fein, wenn er überhaupt betrübt ist. Senn, Frau Wilson, ich glaube nicht, daß er jemals daran dachte, mich zur Frau zu wählen. Das hätte ich doch sicher auifinbig gemacht! Gewiß, Sie waren in einem Jrrthum befangen, ich hoffe sehnlich st, baß es so fein möge."
Ob sie bas Gleiche hoffte oder nicht, hätte bie arme Frau kaum zu sagen gewußt. Aber auch sie wäre beinahe in Thränen auSgebrochen, und ihre Gedanken wirbelten so durcheinander, das; sie eine Aussprache mit ihrem Bruder gleichzeiti herbersehnte und fürchtete. Sie erhob sich mi einer Miene aufrichtiger Betrübniß und sagte gepreßt: „Ich fühle, ich muß jetzt zu Richard gehen; und nicht wahr, Fräulein Graham, Sie werben meinen thörichten Jrrthum vergessen unb mit Herrn Alex — Alex —"
„Boyd," sagte Ellinor, „eristeinSchottlänber."
„Mit Herrn Alex Boyd viele Jahre in unserer Nachbarschaft wohnen, hoffe ich. Gern will ich Ihnen über bie kleine Schwierigkeit hinweghelfen, bie Sie mir anvertraut haben, und schließlich werden wir über unsere heutige Unterrebun noch mit einander lachen."
Aber Beiden schien das Weinen näher als daS Lachen, als sie sich jetzt zum Abschiede bie Han > reichten. Ernst unb traurig rubette Ellinor nach Westfields zurück, währenb Frau Wilson in unbeschreiblicher Gemüthsoerfaffung das Zimmer ihres Bruders aufsuchte.
Run hatte gerade an diesem Tage Richard nac । langen inneren Kämpfen einen weifen Entschluß
keine oder zu wenig Bettstellen, vereinzelt noch nicht einmal Strohsäcke oder Stroh zur Verfügung gestellt."
Und dieselben Klagen liest man in ganz ähnlicher Tonart in fast allen Berichten. Daß es ebenso schlimm mit den Arbeiterwohnungen n den Mittelpunkten von Wohlstand und Intelligenz bestellt ist, erfuhr man ersi in diesen Togen aus dem Jahresberichte bet Armenverwaltung in Charlottenburg bei Berlin, wo es seit Jahren eine ständige Erscheinung geworden ist, daß bie Armenverwaltung Arbeiter- amilien unterbringen muß, obwohl ber Ehemann tänbige unb gut bezahlte Arbeit hatte. Die MiethSpreise sür bie kleinen Wohnungen sinb eben unerschwinglich geworden. Und in dasselbe Kapitel gehört die Einquartirung von Arbeiterfamilien in Hamburg in die noch vorhandenen Cholerabaracken, weil man sie lurchaus nicht auf andere Weise unterbringen konnte.
Noch fürchterlicher als so kann die Wohnungs- noth nicht gekennzeichnet werden. Und dennoch kümmern sich die Stadtgemeinden wenig unb gar nicht barunt — abgesehen von vereinzelten rühmlichen Ausnahmen, bie sich vorläufig aber noch an ben Fingern aufzählen lassen. Die stäbtischen Vertretungen bestehen aus Haus- befitzern. Die Hausbesitzer siehen sich nicht schlecht, wenn sie kleine Wohnungen unverhält- nißmäßig hoch bezahlt bekommen; unb so geschieht eben nichts gegen bie bestehende Noth. Der Wohnungswucher nimmt seinen Fortgang. Noch ganz kürzlich hat auch der hannoversche Städtetag eine ihm unterbreitete Entschließung abgelehnt, die in sehr zurückhaltender Weife auf die Verpflichtung bet Städte hinwies, gegen bie bestehende unb immer mehr zunehmende Woh- nungsnoth einzuschreiten.
Ein rühmenswrrthes Ausnahme-Beispiel hat die Stadt Calbe an ber Saale geliefert: ber Magistrat von Calbe hat einen Bebauungsplan für ein größeres Gelände anfertigen taffen, das mit Anschluß von jeglicher Spekulation durchweg mit Arbeiterwohnhäusern bebaut werden soll. Den Arbeitern soll durch Stiftungen der Stadt und durch erleichterte Darreichung von Hypotheken der Erwerb von Häusern so viel wie nur irgend möglich erleichtert werden.
So lange der Staat nicht eingreift auf diesem Gebiete, wird es mit den durchaus nöthigen Reformen nicht vorangehen. Den Gemeinden darf dieses Gebiet auf keinen Fall auf bie Dauer überlassen werden, wenn man ernstlich den bestehenden und theilweise geradezu entsetzlichen Mißständen zu Leibe gehen will. Auch mit Ministeroerfügungen allein ist ausreichende Abhilfe nicht zu schaffen; und so lobenswerth die Fürsorge mancher Großindustrie-Firmen für ihre Arbeiter ist, so bedeutet auch das nur ein winzig kleines Maß von Hilfe im Vergleiche zu der Unsumme des herrschenden WohnungselendeS. Der Staat Württemberg ist mit den nöthigen und geeigneten Maßregeln durch bie Einrichtung einer georbneten Wohnungsaussicht vorgegangen. Wo bleiben bie anbeten Bundesstaaten?
gefaßt. Es war jetzt Mitte August, und feine arme kleine Braut in Brüssel hatte seit 14 Tagen keine Nachricht von ihm erhalten. ES konnten aber noch Wochen vergehen, ehe er im Stande sein würde, seine Hand zu gebrauchen. So durfte es unmöglich noch langer weiter gehen. Wenn es ihn auch bie größte Ueberroinbung kostete, er mußte die Zurückhaltung ablegen, bie er wie einen Panzer um feine Gefühle getragen hatte. Er mußte feine Schwester in's Vertrauen ziehen unb mit ihrer Hilfe Aimöe seinetwegen beruhigen.
Den ganzen Morgen hatte er hin und her überlegt, wie er beginnen, wie er, ohne seine Schwester zu kränken, fein bisheriges Schweigen erklären sollte. Er konnte ihr doch unmöglich sagen, daß er, in Erinnerung an frühere Meinungsverschiedenheiten, hauptsächlich iyretwegen Aimöe'« Briefe sich postlagernd erbeten hatte; und als Frau Wilson jetzt hinauskam und sich an feinem Lager niedersetzte, war seine eigene Befangenheit so groß, daß ihr bestürztes Aussehen ihm völlig entging.
„Ich möchte Dir etwas mittheilen, Jessie," begann er, mit der einen abgezehrten Hand seine Augen bedeckend. „Ich hoffe, Du wirst Dich nicht verletzt fühlen, daß ich eine für mich wichtige Sache feit meinem Hiersein geheim gehalten habe. Es handelt sich um eine — eine Person, die Du hoffentlich eines Tages sehr lieb gewinnen wirst.
Frau Wilson rang nach Äthern. Sollte dieser neue Schlag der härteste von allen sein?
„Ich sehe ein, daß ich Dir früher hätte davon sprechen sollen, fuhr Richard fort. „Aber wir sind so viele Jahre getrennt gewesen, und mir ist es zur zweiten Natur geworden, meine Angelegen-
Deutsches Keich»
Berlin, den 27. Juli.
x Herr Aa«s Koutze«, verantwortlicher Redakteur der .Germania', der wegen Beleidigung der Justizbehörden durch die Presse anläßlich des Konitzer Mordes zu 1 Monat Ge- fängniß verurtheilt worden war, ist vom Kaiser zu 14 Tagen Festungshaft begnadigt worden.
+ Die Stichwahl im Wahlkreise Memel- Aeybekrrrg am letzten Samstag hat zu einem glänzenden Siege des konservativen Litauers M a t s ch u l l geführt. Dieser hat den sozialdemokratischen Wahlbewerber Braun um beinahe dreitausend Stimmen überflügelt. Die Mehrzahl der Stimmen, bie bem Freisinnigen in ber Hauptwahl zufielen, sinb augenscheinlich in ber Stichwahl auf Herrn Matschull übergegangen, trotz ber wüsten Agitation, bie im entgegengesetzten Sinne von Berlin aus betrieben würbe. Der Abgeordnete Dr. Barth von ber freisinnigen Vereinigung hatte auf eine Anfrage au8 dem Wahlkreise die charakteristische Antwort gegeben: „Thun Sie, was Sie können, um dem Sozialdemokraten in ber Stichwahl zum Siege zu verhelfen."
+ Iür die Landtagsersatzwahl in dem durch den Tod des Abgeordneten erledigten Wahlkreise Neuß-Grevenbroich und Krefeld- Land ist die Wahl der Wahlmänner auf den 21. September, diejenige des Abgeordneten auf den 30. September d. I. gnberaumt worden. Wahlkommissar ist der Landrath Brüning von Grevenbroich.
X Genirum und Mole«. Auch die gemäßigten Polenblätter werden allgemach von ihren radikalen Schwestern angesteckt. Auch der ,Kuryer Poznanski' in Posen, dem Beziehungen zu der nächsten Umgebung des ErzbischofeS Dr. von Stablewski nachgesagt werden, stellt sich jetzt auf den verkehrten Standpunkt, daß das Centrum manches unterlassen habe, das zu thun es den Polen angeblich schuldig gewesen wäre. Der,Kuryer' sagt von der Duisburger Wahl, dieselbe sei „ein Beweis, daß das polnische Volk allein den Schutz seiner katholischen und nationalen Interessen in die Hano genommen" habe, welche „bisher ihre Bundesgenossen vernachlässigt hätten . . . Bei der Stichwahl werden bie rheinischen Polen jedoch zu einem Kompromiß mit dem Centrum bereit fein . . . Vom Centrum hängt es ab, ob dies rheinische Beispiel sich in den ö stlichen Bezirken wiederholen werde . . ." Go der.Kuryer Poznanski'. Wenn derselbe mit diesen Ausführungen Eindruck machen will, muß er zunächst darthun, mann und wo das Centrum angebliche Pflichten vernachlässigt haben soll.
* In der Zeit vom 1. April 1901 bis zum Schlüsse des Monats Juni sind im Deutschen Reiche folgende Gi««ahme« (einschließlich der kredrtirten Beträge) an Zölle« und gemeinschaftliche« Derörattchs-Slen-r«, sowie an- bete Einnahmen zur Anschreibung gelangt: Zölle 115,054,906 M. (gegen das Vorjahr — 94,337 M.), Tabaksteuer 2,519,744Mk.(—14,980 Mk.),Zucker- heiten für mich zu behalten. Allein die Wahrheit ist, ich wünschte — ich möchte — mich verheb rathen."
„O Richard! '
„Ich begreife, daß Du erstaunt bist, Jessie, und wahrscheinlich wirst Du auch anfangs nicht sehr erfreut sein, denn meine liebe Braut besitzt noch weniger Vermögen als ich. Darum sprach ich auch nicht gern davon, bis ich es selbst zu einem genügenden Einkommen gebracht hätte. Aber wenn Du sie kennst, wenn Du-sie siehst," — er nahm seine Hand von den Augen weg, um stolz und glücklich zu ihr aufzublicken — „bann wirst Du finden, daß sie viel, viel zu gut für mich ist. Aber jetzt, während ich hier festgebannt bin, möchte ich, daß Du mir einen großen Gefallen erzeigtest und an meiner Stelle ein paar Zeilen an „Aimöe" - „Airnöe Forest" schriebest. Nun, Jessie, was ist Dir?"
Es war zu viel! Die arme, wohlmeinende Unheilstifteritt nahm ihr Taschentuch heraus unb schluchzte laut.
„O Richard," sagte sie, „ich habe schon an sie geschrieben und keines von Euch Beiden wirb mir dies je verzeihen können!" Dann legte sie ihrem Bruder ein offenes Geständniß ab. Sie sprach von ihren eigenen Wünschen, von dem unglückseligen Jrrthum, in dem sie befangen gewesen, der sie zu dem verhängnißvollen Schritt getrieben und wiederholte genau, was sie in der letzten halben Stunde mit Ellinor gesprochen. Es waren die schrecklichsten Minuten ihres Lebens, wie sie ihrem Gatten später wiederholt versicherte. Richard hatte sich auf seinem Ruhebette halb aufgertdjtet und lauschte ihren Worten mit tödtlichem Schrecken.