Einzelbild herunterladen
 

FuldaerMZeitung

M 170.

JuL-a, Samstag, dm 27. Juli 1901.

28. Jahrgang.

»huednngerlohn Mttb Bestellgeld in Fulda unb cur- Ltrt«lM.5SPs.

Rauml5Pfg.,R» 1 Hamen die Petit» geile 26 Pfg.; M Wiederholungen wird entsprechend» Rabatt gewLHM

ftr 3. P»f Stile» ta Jelto. mit Zlnterhaltungs -Anlage „Iklukrirte Sonntags-Zeitung"

Der neue Zolltarif

-oder richtiger gesagt: der Entwurf eines neuen .Zolltartfgesetze« ist gestern (Freitag) Abend als „besondere Beilage" des .Reichsanzeiger«" ver­öffentlicht worden. E» ist ein umfangreiches Akten­stück von 167 Seiten. Der neue Zolltarif zerfällt in 19 Abschnitte, von denen jeder wiederum in

eine Reihe von Unterabtheilungen zerfällt.

Bei Beurthetlung des Entwurfs wird man

vorweg zu berücksichtigen haben, baß er die Be- rathungen des Bundesraths noch nicht durchlaufen hat, und daß also auch weder die Vorschriften des Gesetzes noch die Sätze des Tarif» schon unab­änderlich als Grundlage für die Bersthungen des Reichstages feststehen. Die Reichsleitung wird sich deshalb auch, wie die ,Nordd. Allgem. Ztg." zu melden weiß, in der weiteren Behandlung der Sache vor der Oeffentlichkett möglichste Zurück­haltung auferlegen, um den Berathungen des Bundesraths nicht vorzugreifen und der Stellung des Reichskanzlers gegenüber AbänderungSanträgeu und deren Begründung nicht zu präjudiziren.

Von wesentlichen Abweichungen gegenüber dem 'bisherigen RechtSzustande, zu denen ein Doppel­tarif für die landwtrthfchaftlichen Zölle gehört, heben wir Folgendes hervor:

Bei den Hauptgetreidearten sollen die Zölle durch Handelsverträge nicht unter gewiffe Be­träge, und zwar bei Roggen nicht unter 5 Mk., bei Weizen nicht unter 5.50 Mk., bei Gerste nicht unter 3 Mk., bei Hafer nicht unter 5 Mk. heruntergesetzt werden. Nicht nur die Seeschiffs- werften, sondern auch die Flußschiffswerften dürfen Schiffsbaumaterialten und Ausrüstungsgegenstände -zollfrei aus dem Ausland beziehen. Die Kampfmaß- regeln für den Fall von Zollkriegen sind verschärft.

Während in der Veröffentlichung des .Reichs- anzetgers' lediglich die Zollsätze des neuen Tarifs enthalten sind, gibt die .Nordv. Allgem. Ltg." zum Vergleich mit dem bisherigen Tarif die besonders wichtigen Positionen des Tarifentwurfs unter Beifügung der jetzt gelten­den autonomen und der Bertragssätze wieder. "Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich in Be­treff der landwirthschaftlichen Zölle, um -die sich das Hauptintereffe dreht, Folgendes:

Ivezeithnung der Waare

Mk.

Mk.

Mk.

Zollsatz

■B-tTf.,«, des bis- Bisheriger

G«1- herigen BertragS- «.«rfs ""Ammen f<*

Itoggen..... 6

Metze»......6,50

Geest....... 4

Aafer...... 6

Matz aus Gerste . . 6,25

5

5

2,25

4

4

3,50

3,50 2

2,80

3,60

Nkerd«

im Werthe bis 300 Mark......

von mehr als 300 biS 1000 Mark . . . . von mehr als 1000 biS 2500 Mark . . von mehr als 2500 Mark......

fürl Stück für 1 Stück für 1 Stück 30 \

I t bis zu 2

75 20 Mk.) J-K-n

150 t )

' ältere 20 300

Die Namensschwestern.

Drei «ach dem Englische« von Clara Rheinau.

20 ------ (Nachdruck verboten.)

„Aber dies ändert ja Alles," bemerkte Dr. Wilson mit vergnügtem Schmunzeln. „Ich habe mich förmlich wie ein Tyrann gegen das arme Paar benommen und muß meine Behandlung jetzt gründlich ändern. Mir scheint nun, daß ein Plauderstündchen mit Fräulein Ellinor eine be­ruhigende Wirkung auf meinen Patienten aus­üben wird. Gratuliren darf ich ihm wohl noch nicht, aber doch ein wenig auf den Zahn fühlen, nicht wahr?"

„Ganz entschieden nicht," versetzte Frau WUson, denn sie wußte, wie außerordentlich deutlich diese Prozedur vermuthlich ausfallen würde. „Schweige noch eine kleine Weile; ich .glaube nicht, daß Du lange zu warten haben wirst."

Mit folgsamem Nicken entfernte sich der Doktor in vortrefflichster Laune und überließ es seiner Frau, ihre junge Nachbarin von West- stelds zu begrüßen.

Gllinor's Miene war so ümwölkt, daß Frau Dr. Wilson schlimme Nachrichten darin zu lesen glaubte.

„3fi Fräulein Bassett kränker geworden?" fragte sie besorgt und fühlte sich erleichtert bei ihrer raschen, wenn auch etwas gleichgiltigen Antwort:

„O nein, danke. Es geht ihr bester, sagt

M«d»r«tz für 1 Stück für 1 Stück für 1 Stück

Bullen (Stiere) und Kühe...... 25 9 9

Jungvieh .... 15 6 5

ALlver..... 4 3 3

für 1 dz für 1 Stück fürlStück • Lebend­gewicht

Ochse»..... 12 30 25,50

Bullen von Höhenvieh dürfen innerhalb der ersten sechs Jahre der Geltung dieses Tarifs zu Zuchtzwecken nach näherer Bestimmung des BundeSraths zum Zollsatz von 9 Mark für 1 Stück eingelassen werden.

-chmeine......

kkeisch, einschl. Speck, unter Wegfall derZoll- be«ünstigung für die Grenzbewohner

- frisch, auch ^froren

für 1 dz Lebend­gewicht 10

• für 1 Stück

6

30 20

— einfach zubereitet (etngesalzen geräuch.) 35 20

— zum feineren Tafel­

genuß zubereitet. . 75 60

Schmatz von Schweinen 12,50 10

Nulter, ««1er Weg­fall der IollvegS«- skig««g f. d. Grenz-

Sewohner .... 30 20

ASfe........ 30 20

Hier........ 6 3

Margarine..... 30 20

Margariaekäf«... 30 20

Kunstfpeifefett .... brutto 12,50 10

für 1 Stück 6

( Speck —

1 Schweine- ( fletsch 17

J Anderes

f Fleisch 15

l Speck —

’ Schwetne-

I u. anderes ' Fleisch 17

60

16

Hartkäse in Laiben Strac- chino, Gor­gonzola, Parmesan 15

Andere

Käse 20

2 16 20 10

Zu eingehenden Erörterungen über die ein­zelnen Positionen des Tarifs werden die nächsten Tage hinreichend Gelegenheit bieten.

0 Spanien.

Durch die wüsten Ausschreitungen in Zara­goza und durch die entsetzlichen Straßenkämpfe, di« damit verbunden waren, sind die Augen der Welt von neuem auf Spanien gelenkt worden. Die kirchenfeindlichen Kundgebungen begannen unter dem Regiments des konservativen Mi- nisteriums des Herrn Stlvela und wurden leb­hafter unter dessen ebenfalls konservativem Nach­folger Azcarraga. Die Königin-Regentin mochte wohl hoffen, die Hetzer gegen Religion und Kirche würden sich beruhigen, wenn ein liberales Kabinet an bet Spitze der Re gierung treten würde; und so übertrug sie nach dem Rücktritte Azcarragas die Kabinetsbildung wieder einmal dem alten Liberalensührer Sa- gasta. Aber unter de» Einfluffe dieses Mi­nisteriums ist das Gegentheil von dem ringe- treten, was man erhofft hatte: in Barcelona herrscht die alte Unruhe, die Kirchenhetzer aber sind ungestümer und frecher geworden, als zu­

vor, und die von ihnen hervorgerufenen Straßen­unruhen erinnern in ihrer Wildheit und Blutig, kett an die wüsten Auftritte während der letzten spanischen Revolution. Genaue Einzelheiten darüber, wie eS in Zaragoza zuging, hat man gar nicht erfahren; die Drahtmeldungen darüber scheinen einer Zensur durch die Regierung unter­worfen zu sein. Aber gleich die ersten Tele­gramme, die darüber einliefen, klangen geradezu schauerlich. Mord und Brand müffen auf'S Wildeste in der geängsteten Madt gewüthet haben.

Woher mag eS kommen, daß die Geister unter der Landesverwaltung des liberalen Ministeriums in noch wildere Gärung geriethen, als zuvor? Man kann dafür eine ganz wahr­scheinliche Erklärung geben: Die Hetzer hatten unter der Herrschaft der konservativen Minister Silvela und Azcarraga nicht die Frei­heit, die ihnen von dem gegenwärtigen liberalen Kabinet für ihre Volksverführungen gelassen wird; man sah ihnen mehr auf die Finger.- Jetzt können sie zügellos schalten und walten nach Wohlgefallen, und die böse Frucht der Volksvechetzung sind die schrecklichen Auf­tritte in Zaragoza, die die voraufgeqangenen noch erheblich an Scheußlichkeit übertrifft». Die Zustände find dermaßen gefährlich, daß auch verständige Leute auS dem liberalen Lager den Kopf zu schütteln anfangen und die ganze Lage äußerst bedenklich finden. Man beginnt die Be- sorgniß zu hegen, daß die Erhaltung des innern Landesfriedens nicht möglich sein werde; und somit finden auch die Zeitungsmeldungen ihre Erklärung, daß man an ein noch langes Leben dieses neuen liberalen Ministeriums Sagasta auch in vielen liberal! n Kreisen nicht mehr recht glauben wolle. Jedenfalls findet der neue Minister des Innern, Alfons Gonzalez, so außerordentlich schwierige Verhältnisse vor, daß fie noch schwieriger kaum sein könnten, ohne eine Revolution in aller Form hervor- zurufen. Der erste Minister in diesem Kabinet hat, wie berichtet, das Präfidium in der Abge­ordnetenkammer übernommen.

Die Berathungen des Parlamentes find ge­schloffen worden, ohne daß auch nur eine der schönen Versprechungen erfüllt worden wäre, mit denen Herr Sagasta das Mintsterpräfidium über­nahm ; namentlich von den in Aussicht gestellten Ersparnisse» im Staatshaushalte hat Niemand mehr ein Sterbenswörtchen vernommen. Ver­sprechungen werden zwar von neuem durch die Regierungspreffe gemacht. Man redet und schreibt von umfaffenden Reformen politischer und wirthschastlicher Art, die von den Ministern während der ParlamentSferien vorbereitet werden sollen; aber mit bloßen Versprechungen läßt sich das spanische Volk nicht mehr Hinhalten, und diese Ungeduld kann man ihm kaum ver­argen. Bisher deutete auch nicht ein einziges Anzeichen auf daS Vorhandensein wirklich ernst­hafter Reformbestrebungen bei der Regierung.

Zunächst bedarf Spanien einer starken Hand, die fest und ohne Scheu in daS Wespennest hineingreift und die gefährlichen Elemente zur Ruhe bringt, die unter der Maske der Kirchen­feindschaft zu öffentlichen Unruhen aufwiegeln und dann für ihre besonderen Zwecke im Trüben

fischen wollen. Wie aber kann daS der Minister des Innern eines liberalen KabinetS? Diese- hat verkündet, daß e» den angeblichen, in Wahr­heit natürlich gar nicht vorhandenen Ueberqriffe« der geistlichen Orden und der Klöster steuern wolle; daS liberale Ministerium hat ja also selbst bei seinem Amtsantritte die Kirchenhetze in sein Programm ausgenommen. Wie kann e- nun in wirksamer Weise vorgehen gegen die Leute, die sich öffentlich anstellen, als befände« sie sich ihren Grundsätzen nach in Ueberein- stimmung mit dem Ministerium?

Wenn Herr Gonzalez dieses Kunststück fertig bringen sollte, dann müßte man seiner Geschick- lichkeit eine gewiffe Bewunderung zollen. Ver­muthlich aber wird er eS nicht können und daS bedauerns werthe spanische Land wird unter dem Einfluffe der liberalen Herren Sagasta und Ge­noffen noch weit mehr Leiden auszustehen haben, alS bisher; bis dann wieder ein konseroative- Ministerium an die Spitze der Regierung treten und mit Nachdruck Ordnung schaffen wird.

Deutsches Deich»

Berlin, bat 26. Juli

* Auch der deutsche Aeichekauzler Graf vo* Külow hat, wie die »Norddeutsche Allge­meine Zeitung' offenbar in offiziösem Auftrage an hervonagender Stelle mittheilt, dem Präsi­denten Krüger »ach dem Tode seiner Ge­mahlin durch den deutschen Gesandten im Haag seine herzliche Theilnahme aussprechen laffen. Präsident Krüger hat dem Reichskanzler hierauf deu Gesandten Leyds seinen herzlichsten Dank übermittelt.

+ Der ItScktritt des Staatssekretärs »Ott Dttttkamer bildet noch immer den Gegen­stand von lebhaften Auseinandersetzungen in der Preffe. In einigen Blättern war die Meldung aufgetaucht, Herr von Puttkamer sei „ad aadiendam verbu n“ nach Berlin berufen worden — auf deutsch: um sich über irgend Etwas zu verant­worten. Da« kann aber nicht zutreffen. Denn Herr von Puttkamer hätte nur vom Staatssekretär Grafen PosadowSky als dem Stellvertreter des Reichskanzlers empfangen werden können, und da» ist nicht geschehen. Daß die amtlichen Kreise in Straßburg von dem Rücktrittsgesuche des Staats­sekretär» überrascht wurden, ist bereits allgemein bekannt. Da» Gleiche scheint auch bei den amt­lichen Kreisen in Berlin der Fall gewesen zu sein. Leider erhalten sich noch immer die Gerüchte, Oberpräsident von Köller solle der Rachfolger in dem wichtigen Straßburger Amte werden, ob­wohl sehr deutlich Anzeichen dafür vorliegen, daß diesem nur sehr geringe Sympathien in Elsaß- Lothringen entgegengebracht werden. E» würde schwerlich eine kluge Taktik der Regierung, viel­mehr eine recht wunderliche „BersöhnungrpolUtk"" sein, den Elsaß Lothringern einen Staatssekretär aufzudrängen, den fie nicht haben wollen, unb ebenso könnte ein solche» Zwangsverfahren Herrn von Köller selbst unmöglich angenehm fein.

+ Die Wahl im Wahlkreise Dttis-ttr-- WÜIheim hat den erwarteten Erfolg gehabt: Stichwahl zwischen dem Wahlbewerber des Een- trumS und dem Kandidaten der Nationalliberale«. Dieser Letztere hat über 3000 Stimmen Bar­

man mir. Frau Dybell berichtete gestern Abend, sie habe ganz vernünstig gesprochen — etwas über den Unfall gefragt, glaube ich."

„Die Aermste!" sprach Frau Wilson be­dauernd. „Robert sagte, sie werde ihr ganzes Leben schrecklich entstellt bleiben. Sie haben die Kranke noch nicht gesehen?"

„Nein," antwortete Ellinor mit einem energischen Kopfschütteln. „Und halten Sie mich nicht für ganz oerabscheuungswürdig, wenn ich sage, ich möchte e» überhaupt nicht! Sie hat drei Wärterinnen und drei Aerzte gehabt, und fie hätte die doppelte Zahl haben können, wenn eS nöthig gewesen wäre, und natürlich bin ich in einer Art auch ganz froh, daß es ihr beffer geht. Aber ich habe nicht das geringste Ver­langen, sie jemals wieder zu sehen oder zu sprechen."

„Aber liebes Fräulein!" — rief Frau Wilson ganz entsetzt über diese lieblose Rede.

„Nein, es ist wirklich fo. denn —" platzte Ellinor heraus, ergriff ihre Freundin am Arme und zog sie auf eine Gartenbank neben sich nieder — „ich konnte sie nie leiden! Ich weiß auch jetzt, ich weiß es seit dem Tage, an dem der Ünsall vorkam, warum sie mich so be­handelte, mir einen Augenblick schmeichelte und mich den nächsten wieder tadelte und mir stets mit solcher Freude in ihrer widerwärtigen glatten Art zu zeigen suchte, daß ich viel zu ungebildet sei für die englische Gesellschaft. Ihr war Alles bekannt über mich, waS ich leider nicht wußte, und fie dachte ein gutes Geschäft mit mir zu mache», was ihr aber nie, nie gelingen soll!"

„Ihr war Alles bekannt über Sie, was Sie nicht wußten? Und fie versuchte ein Geschäft — ei, mein liebes Fräulein Graham" — rief die erstaunte Zuhörerin dieser unverständlichen Worte — „waS meinen Sie damit?"

„Ich meine," entgegnete Ellinor, sich gerade aufrichtend und sehr rasch sprechend, „daß ich, obschon ich natürlich ich selbst und Frau Gra- -ams Enkelin bin, und der ganze Brfitz da drüben mein gehört, doch gleichsam wie eine Art — lebendiger Betrug herumgehe. Wenigstens würde» die hochnäfige» Herrschaften hier so ägen!"

„Ein Betrug--!"

„Ja," — antwortete Ellinor mit aller Hast, um eine Unterbrechung zu verhüten — „denn meine Mutter war nur ein einfaches Dorf­mädchen ; Sie hatten vielleicht von ihr gehört: Dora Stirling. Ich habe meine Großmutter aufgesucht, fie ist ein gutes, altes Geschöpf und wohnt in einem entsetzliche» Loch. Und so bin ch also die Enkelin und Nichte von Männern, »eten Verwandtschaft mich vermuthlich auS jeder bessere» Gesellschaft hier auSschließe» würde. So, nun wissen Sie Alles!"

Zwei große heiße Tropfen rollten über ihre Wangen unb ihre Unterlippe schmollte und । itterte, wie die eines Kindes. Ehe Frau Wilson ich nur so weit sammeln konnte, um zu fragen und zu beruhigen, brach Ellinor in einen Strom von Thränen aus, schmiegte sich an ihrer Freundin Schulter an und schluchzte laut: „Und s würde mir ja nichts daran liegen — nicht :>atb so viel — aber — ich muß eS noch einem

Andern sagen! Jemand, den ich so liebe. Und würde es ihm — einen Unter — Unterschied machen, wenn auch er mich liebt? O, meine« Sie?"

Sofort hatte Frau WilsonS lebhafter Seist die Sachlage erfaßt und zu ihren Gunsten ge- reutet. Ellinors niedere Herkunft von mütter­licher Seite war allerdings nicht ihre Schuld, aber für ihren Vater doch sicher ein Grund mehr, eine angesehene Heirath seiner Tochter zu wünschen und bei ihrer Wahl die ungleiche» Bermögensverhältniffe zu übersehen. Roch war )ie peinliche Sache ein Geheimniß, und Fra» Wilson wollte schon Alles so einrichten, daß fie eS auch bleiben würde. Trotz alledem war Ellinor eine wünschens werthe Partie für ihre« Bruder. So zögerte fie denn auch keine» Augenblick, sondern schlang ihren Arm um da» erregte junge Mädchen und antwortete mit Wärme:

„Haben Sie nur keine Angst, Liebling, alle» ogleich zu sagen. Ich kenne meinen Bruder jut genug, um zu wisse», daß diese Nachricht »urchaus feinen Unterschied in seinen Gefühlen ür Sie mache» wird, wenn er Sie liebt, wie ch nicht bezweifle."

Mit einer heftigen Bewegung, die ihre reundliche Trösterin bald auS dem Gleichgewicht brachte, machte Ellinor sich loS:

„Kein Unterschied für Ihren Bruder," rief te auS, „wenn er mich liebt! Allmächttger )immel, Frau Wilson, Sie glauben doch nicht, daß ich ihn meinte, als ich von Jemand sprach, »en ich — den ich liebte?"