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FuldaerMZeituna

M 169.

JutSa, Freitag, den 26. Juli 1901.

28. Jahrgang.

RaumlvPfg.,R- . Namen die Petit« teile LS Pfg.; bot Wiederholungen wird entsprechend Rabatt gewähr

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mit AnierZatlungs -Meitage „Ikkullrirte Sonntags-Zeitung"

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»hnevrinaerkoh» grab Bestellgeld in Aalda und auS- Ltrt«l«r.S6Pf.

O Kinderarbeit.

Eine neue gesetzliche Regelung der Kinder­arbeit ist ein dringendes Bedürfniß und als solche- längst anerkannt, von den Volksver­tretungen ebenso wie von den Regierungen. Den Polizeibehörden steht zwar das Recht zu, einzelne Mißbräuche in der Ausnützung der Kinderarbeit zu untersagen, und in manchen Städten ober Bezirken ist von diesem Rechte auch Gebrauch gemacht worden. Aber erstens reicht die Befugniß der Polizeibehörden nicht weit genug; und zweitens ist eine durch das ganze Reich gleichmäßige Regelung dieser Frage unumgänglich nothwendig. Und deswegen kann den herrschenden Mißbräuchen nur durch ein Reichsgesetz ein Ende gemacht werden. Man dars ja nicht glauben, daß diese Mißbräuche nur in großen Städten und in Industrie- bezirken ihr Unwesen treiben; das würde eine ganz falsche Auffassung fein. Sie machen ihren schädlichen Einfluß auch in anderen Gegenden geltend, in denen nur kleine Städte und länd­liche Berhältniffe vorhanden sind, nämlich dort, wo hausindustrielle Beschäftigung in starkem Maße betrieben wird: und gerade bei dieser letztem wird die Äinberarbeit vielfach in unge­heuerlicher Weise gemißbraucht.

Ein grelles Schlaglicht auf biefe Verhältnisse haben bie Ergebnisse ber Erhebungen geworfen, die im Jahre 1897 vom Reichsamte des Innern eingeleitet wurden. Es hat zwar etwas lange gedauert, bis man erfuhr, wie diese Ergebnisse ausgefallen seien, nämlich bis zum Herbste des letzten JahreS; aber man muß anerkennen, daß die maßgebenden Regierungsstellen sich danach alsbald an die Arbeit gemacht haben, um bie Vorschläge für eine gesetzliche Regelung ber ge­werblichen Kinberarbeit auszuarbeiten. Durch ein halbamtliches Berliner Organ stnb wir nun­mehr Über den hauptsächlichen Jchalt dieser Vorschläge unterrichtet worden.

Die Zahl derjenigen Kinder unter vierzehn Jahren, die außerhalb der Fabriken gewerblich beschäftigt werden, betrug im Jahre 1897 im ganzen Reiche 532 283; in den Großstädten und in ber thüringischen und sächsischen Hausindustrie ist bie gewerbliche Kinderarbeit besonders stark vertreten. Schon Rinber in bem zarten Alter r>on sechs Jahren hat man gewerblich thätig ge­funden; je noch mehr: in manchen Gewerbs« zweigen werden die Kinder bereits vor dem schulpflichtigen Alter zu leichteren Arbeiten heran- gezo^en. In der thüringischen Spielwaaren-Ju- bustrie kommt es vor, namentlich in ber Zeit vor dem Weihnachtsfeste, baß Rinber bis tief in die Nacht hinein arbeiten müssen, mitunter sogar bie ganze Nacht hindurch, bas übertrifft noch an Abscheulichkeit bie Unsitte, in großen Städten beispielsweise schulpflichtige Knaben bis Mitter­nacht in ber Gastwirthschast Kegel aufsetzen zu laffen und ihnen nichtsdestoweniger zuzumuthen, Man früh um 5 Uhr wieder Zeitungen ober Backwaaren auSjutragen. Eine rechte Reform muß hier auch in bie Familie selbst, in das Mecht ber Eltern über ihre Rinber eingreifen; unb deswegen ist eS mit großer Freude zu be- grüßen, daß die vom Reichsamte des Innern auSgearbeiteten Vorschläge nicht vor ber Familien-

Die Namensschwestern.

Frei nach dem Englische« von Elara Rheinau. 29 ------ (Nachdruck verboten.)

AiwSe wußte selbst nicht, was sie antrieb, aber ihre Antwort kam augenblicklich: „Wenn Sie mich haben wollen und ich ihnen nützlich fein kann, so will ich kommen . . ."

„Unb mit bem Zimmermädchen französisch sprechen unb die Läden unb Straßen für uns ausfinbia machen!" jubelte Isabella, „o baS ist herrlich !"

„Aber können Sie auch wirklich mit uns reifen, Fräulein Forest?" fragte ihre Mutter besorgt. „Sinb Sie kräftig genug? Wir gehen nach —"

„Paris, Neapel, Berlin, London," zählte ihr Gatte eifrig auf. „Unb dazwischen noch an jeden andern Ort, wo es uns gefällt. Sie reden für bie Gesellschaft und ich zahle für sie, so ist's richtig, nicht wahr? Und wenn wir uns die alte Wett genug angesehen haben, dann kommen Sie über den Ocean mit uns und bringen meinen kleinen Krabben gute Manieren bei und lehren sie singen, wie Sie es können, für fünfundzwanzig Dollar« den Monat — hm? Frau Rochford er­zählte uns gestern Abend Ihre Geschichte, also bedarf e« keiner wettern Erklärung. Sind Sie einverstanden?"

Von tiefstem Weh gefoltert, ohne Heim, ohne Freunde, ohne irgend welche Aussicht, würde Aimöe «eit unangenehmeren Vorschlägen zugestimmt haben.

thür Halt machen: in solchen Betrieben, für bie bie Beschäftigung fremder Kinder untersagt wird, soll auch bie Verwenbung ber eigenen Rinber verboten sein. Die gewerbliche Kinberarbeit soll ganz unb gar untersagt werben bei Bauten aller Ärt, im Betriebe von Ziegeleien, Steinbrüchen unb Gmben, unb ebenso in einer Reihe von Werkstätten, in denen gesundheitsschädliche Stein- und Metallarbeiten verfertigt werden, in Werk­stätten für Gmnmispielwaaren, in Buchdruckereien und anderen Betrieben, deren Verzeichniß zu vervollständigen der BundeSrath befugt fein soll. Ausnahmen — unb das ist eine ebenso heil­same Bestimmung! — sollen unbebingt ausge­schlossen sein.

Erst Kinder von minbestens zwölf Jahren sollen mit gewerblicher Arbeit beschäftigt werden dürfen, und zwar nicht länger als vier Stunden täglich in der Zeit zwischen 8 Uhr Morgens und 8 Uhr Abends. Die Beschäftigung schulpflichtiger Mädchen in Gastwirthschaften und Schenkwirth- schaften soll vollkommen auSgeschloffen werden. Die Regelung der Beschäftigung der eignen Kinder in Gastwirthschaften soll den Ortspolizeibehörden üderlaffen bleiben. Eine Altersgrenze von nur zehn Jahren ist angenommen für das Austragen von Waaren, an Sonntagen unb Festtagen da­gegen soll eine gewerbliche Beschäftigung von Kindern Überhaupt nicht stattfiuden dürfen.

Vollkommen einverstanden kann man mit dem leitenden Grundsätze sein, von dem die Regierungs­behörden bei ber Ausarbeitung ihrer Vorschläge auSgegangen sind: eine mäßige Beschäftigung von Kindern hat insofern ihre Berechtigung, als sie geeignet ist, die Rinber an geistige und körperliche Thätigkeit zu gewöhnen, den Sinn für Fleiß unb Sparsamkeit zu erweck.n unb sie vor Müßiggang unb anderen Abwegen zu bewahren. Ein Ein­schreiten der Behörde soll dagegen überall da geboten sein, wo Rinber in zu jugendlichen Alter zu gewerblichen Arbeiten herangezogen werben, wo bie Art ber Beschäftigung für Rinber nicht geeignet ist, wo bie Arbeit zu lange währt, unb »o sie zu unpassender Zeit unb in ungeeigneten Räumen stattfindet. Nur um gewerbliche Kinder- arbeit soll eS sich handeln, b. h. um solche Arbeit, bie im Sinne ber ReichS-Gewerbe-Orbnung als gewerblich avzusehen ist. Häusliche Dienstleistungen unb landwirthschaftliche Handreichungen sollen verständigerweise von den neuen Vorschriften nicht betroffen werden.

Nochmals sei eS gesagt: ein Vorgehen gegen den Mißbrauch in der AuSnÜtzung der gewerb­lichen Rinderarbeit ist auch auf bem Verwaltungs­wege möglich. Aber gleichmäßig unb -durchgreifend kann nur reformirt werden durch ein Reichsgesetz, unb auch nur durch eine reichsgesetzliche Regelung kann dem Mißbrauche ber Arbeit der Rinber durch bie eignen Eltern vorgebeugt werden. Man kann deswegen nur dringend wünschen, daß bie Verbündeten Regierungen diese Frage in Gemein­schaft mit dem Reichstage regeln, und zwar je eher, desto bester!

Deutsches Deich.

Berlin, den 25. Juli

* De« ^Berliner .Neuesten Nachrichten* schreibt bie ,Krenzzeitung' heute Abend Fol- Ihr ganzes Sehnen ging dahin, dieser entsetzlichen Gegenwart entrinnen zu können, und so versetzte sie leise: „Ich bin mit Allem einverstanden. Aber, bitte, wollen Sie mir sagen lassen, wann Sie meiner bedürfen? Gerade jetzt habe ich ent­setzliche Kopfschmerzen."

„Morgen um diese Zeit werden Sie von uns hören," schloß Herr Henderson die Unterredung. „Legen Sie sich zu Hause gleich ein wenig nieder und schlafen Sie sich au«. Da« wird Sie wieder in die Höhe bringen, hoffe ich. Und sollte dies nicht der Fall sein" — fügte er zu seiner Frau bei, al« Aimöe sich entfernt hatte — „fo wird da« Reisen mit un« ihr gut thun. Sie hat sich mit ihrem Liebhaber gezankt, ihm vielleicht den Laufpaß gegeben."

„Oder er ihr," schaltete Fran Henderson ein.

„Dann wäre er der größte Narr," entgegnete ihr Gatte mit großer Bestimmtheit.

Fran Rochford ärgerte sich gewaltig, als Aimöe ihr de« Abend« in aller Kürze ihren Ent­schluß mittheilte.

»Und Ihre Heirath?" rief sie aus.

,Jst aufgegeben," versetzte Aimöe mit kaum vernehmbarer Stimme.

„Und so gedenken Sie bei den Kindern dieser Leute Gouvernante zu fein ? Das ist etwas ganz Anderes, al» eine» derselben hier zu haben. Ich glaube kaum, daß Fräulein Osborne Ihr Vor- haben billigen würde. Die Hendersons sind nicht« Anderes als reiche Geschäftsleute, ohne jede feinere Bildung."

„Sie sind gut," antwortete Aimse, „darum nehme ich dankbar ihr Anerbieten an. Fräulein

o«nd«s ins Stammbuch: „Die Berliner.Neuesten Nachrichten* beklagen eS schmerzlich, daß baS Zentrum für bie heute stattfinbende Reichs- tagSersatzwahl in Mülheim-Duisburg- Ruhrort keine Einigung mit ben an­deren nationalen Parteien gesucht, son- bern ohne Rücksicht auf bie sozialderno- kratische Gefahr einen eigenen Kan- bibaten aufgestellt habe. Die Berliner .Neuesten Nachrichten' werden sich nicht wundern dürfen, wenn sich das (Zentrum demgegenüber auf das Recht des Stärkeren beruft, der min­destens ebensogut hätte verlangen können, daß bie National!beralen mit ihm eine Einigung gesucht Härten. Doch können wir ja bie Aus­einandersetzung h erfiber den streitenden Parteien selbst fibettaffen Anlaß zu einer Bemerkung bietet uns nur noch der Schluß des Artikels der Berliner,Neuesten Nachrichten'. Er heißt da:

So lange das Centrum sich nicht dazu versteht, im Kampfe gegen die Sozialdemokratie den nationalen Parteien Hilfe zu schaffen, so lange darf es sich nicht wundern, wenn man zu feiner Zugehörigkeit zu den nationalen Parteien nicht voll über­zeugt ist. Wie die Verhältnisse liegen, handelt esfich in der Hauptsache auch im Wahlkreise DuiSburg-Mül- heim-Ruhrort wieder um einen Kampf der staatSer- haltenden Parteien gegen dir Sozialdemokratie. Wo sollte da wohl der Platz des Centrums sein?

Es scheint uns doch nickt gerecht, dem Zentrum immer nur ollem Mangel an na­tionalem Sinn vorzuwerfen, wenn es, ohne Rück­sicht auf bie sozialdemokratische Gefahr, mit eigenen Kandidaten vorgeht. Die Freisinnigen in Mülheim - Duisburg -Ruhrort haben doch das­selbe gethan, und wie oft haben selbst Nationalliberale bie Umsturzpartei für baS kleinere Nebel gegenüber ben Agrariern erklärt. Den Berliner «Neuesten Nachrichten wirb die Haltung, bie national­liberale Organe, wie.Nationalzeitung', .Ham­burger Korrr.' unb andere zur Stichwahl in Memel-H-ydekrug einzunehmen für gut befunden haben, doch ebenso wenig entgangen sein, wie uns. Sie werden uns also schon gestatten müssen, baS wir ihr Urtheil über bas C-utrum in Mfilheim-Duisburg-Ruhrort auch auf jene nationalliberalen Blätter übertragen, bie sich nickt haben bazu verstehen können, in Memel- Heybekrug den im Kampf gegen die Sozial­demokratie stehenden nationalen Parteien Hilfe zu schaffen."

* Jet Kickt be»Neichsck«1s des Inner« fir 1902, ber wie alle übrigen Reichsressort- etatS in Vorbereitung begriffen tst, wird, wie bie ,B. P. N.' erfahren, in verschiedenen Punkten Aenderungen gegenüber dem laufenden Etat unterworfen werden. Unter ben Ein­nahmen sollen bie Positionen ber Patent- Musterschutz- u. s. w. Gebühren sowie bie Gebühren aus bem Kaiser-Wilhelmkanal Ansatzerhöhungen erfahren. Die Einnahmen aus ben letzteren haben sich in ber Wirklichkeit bekanntlich so gehoben, baß sie nahezu schon einen völligen Ausgleich für bie JtaxalauSgaben barstellen. Bei ben Au?gabeerhöhungen wird besonberS erheblich auch diesmal wieder bie Steigerung beS ReickSzuschus seS für bie JnvaliditätS- unb Altersversicherung ins Gewicht fallen. Allzu sehr von der dies- jährigen Steigerungsfumme wirb auch die

Osborne wird mich nicht tadeln, wenn sie hört, warum ich es gethan habe."

Der letzte Brief ihrer guten alten Freundin lag noch immer unbeantwortet da — Aimöe hatte stets gehofft, ihr gute Nachrichten mittheilen zu können. Sie fühlte, daß sie mit ihrer Antwort jetzt nicht länger zögern dürfe, und doch konnte sie es nicht über sich gewinnen, von dem Treubruche zu schreiben, der ihr fast das Herz gebrochen hatte. Dazu würde ja später immer noch Zett fein.

Sie raffte alle ihre Kräfte zusammen, nm bie verlangte Antwort, um Richard seine Freiheit zu geben. Aber an chn selbst schrieb sie, nicht an feine Schwester, unb ihr Briefchen enthielt nur zwei kurze Zeilen. Allein Bänbe hätten ben Schmerz nicht aus drücken können, ben biefe ein­schloffen.

Müde von ber burchwachten Nacht, in trost­loser Stimmung, erhob sie sich am nächsten Morgen unb hörte, baß in vierundzwanzig Stun­den die Reise beginnen sollte.

Ihre wenigen Habseligkeiten waren bald zu Frau Werlö gebracht, die diese in gute Obhut zu nehmen versprach. AIS Aimöe zuletzt noch mit eigener Hand die beiden kleinen Bttder, die letzten Werke ihres Vaters dahin trug, fuhr ein Wagen an ihr vorüber, dessen Insassen ihr aus dem Fenster fröhliche Grüße zuwinkten. ES waren bie Elliots, bie in bester Stimmung von ihrer Schweizer Reise zurückkehrten.

„Besuchen Sie uns bald!" rief Herr Elliot, aber Aimve verneigte sich mit verstörter Miene, daß er sofort errieth, eS müsse etwas nicht in Ordnung fein.

künftige nicht abweichen, fo daß schon mit 1902 bie für bie JaoalibttätS- unb Altersversicherung festgesetzte Leistung beS Reichs bie Summe von etwa 38 Millionen Mark erreicht haben wirb. Eine ganz neue Abtheilung wird sich in bem Etat bes Reichsamts beS Innern für bas Auf­sicht» amt für baS Privatversiche­rungswesen geschaffen werben, besten Mittel bisher burch Nachtragsetat bewilligt sinb. Eine ganz neue Position wirb sich im Etat beS Reichsamts beS Innern in Folge bes An­schlusses des deutschen Reiches an bie intet« nationale Union zum Schutze bes ge­werblichen EigenthumS nöthig machen. Das Reich wirb sich an ber Deckung der an­der Union entstehenden Kosten mit beteiligen müssen. Der Posten wirb aber bie Höhe von einigen Tausend Mark nicht übersteigen.

+ „Mit einem Doppeltarif unb mit einem 5,50 Mark-Zoll macht man keine Handels­verträge, bie auch nur irgendwie ber deutschen Industrie den Absatz auf ben Auslandsmärkten erleichtern könnten .... Ein Doppeltarif für Getreide bedeutet für die deutsche Industrie die traurige Erkenntniß, daß ihre Export-Interessen . . . für die Regierung quantite negligeable find usw." — so kritistrt bie .Korrespondenz des HanbelSvertragsvereins" bie angeblich vorge­schlagenen Zollsätze für lanbwirthschastliche Er­zeugnisse. Das klingt tragisch. Aber es ist nicht tragisch aufzufassen, benn unter ber Maske bei sogenannten HanbelsoertragsvereinS verbergen sich bie Politiker, bie aus befonberem eigenem Interesse grundsätzlich bem Freihandel ergebe« find unb am liebsten bie gesummte nationale Arbeit zu Gunsten ber einseitigen Händler- Interessen beS ZollschutzeS überhaupt berauben möchten. Die Industrie selbst steht bekanntlich auf einem ganz anderen Standpunkte. Diese will ausreichende Schutzzölle, für die Lanbwtrth- schäft genau ebenso, wie für sich selbst; unb bie Jnbustrie muß doch selbst am allerbesten wissen, was ihr noth thut. Diese Handlungsweise der Herten vom „HanbelsvertragSvrrein" ist also nicht gerade das, waS man nobel zu nennen pflegt. Geradezu jammervoll ist das Gebaren mehrerer deutscher Zettungen, bie uns bange machen wollen mit bem Zorne ausländischer S'aaten, z. B. ber Vereinigten Staaten von Amerika. Hunbertmal ist nachgewiesen, baß biefe mehr von uns abhängen, als wir von ihnen. Jedes polttische Kinb weiß, büß gerabe biefe mit Zollschranken sich umgürtet haben, gegen bie diejenigen bei uns wahres Kinderspiel find. Nichtsdestoweniger bringt es jetzt beispiels­weise die frankfurter Zeitung' fertig, die Haltung ber amerikanischen Zeitungen zu ben angeblich vorgeschlagenkn deutschen Getreibezöllen als Grabmeffer dafür herbeizuholen, was wir unS an solchen Zöllen leisten dürfen ober nicht. WaS mögen bie Amerikaner benken unb sagen, wenn sie Kenntniß von solchen Erbärmlichkeiten in Deutschlanb erhalten? Die beutschen Zölle müssen nach ben beutschen Bedürfnissen bemessen werden, nicht nach den Wünschen ber Amerikaner ober Russen ober Rumänen!

X Da» neue Merstchernngraml, also baS Aufsichtsamt für bie Privatverstche« rungen, haben sich bisher Viele vorgestellt als

„Fräulein Forest sieht ganz veränbert auS,“ sagte er zu seiner Frau. „Du mußt Dir morgen Zett nehmen unb sie aufsuchen."

Aber als Frau Elliot am Abenb beS nächsten TageS im Marienhause vorsprach, hörte sie nur, baß Frau Rochford nicht zu Hause und Fräulein Forest für immer weggegangen fei.

10. Kapitel.

Unsere Freunde in Bridgeham befanden sich unter oeff en alle in recht unbehaglicher Stimmung.

Nach Absendung ihres verhängnißvollen Briefes fühlte Frau Wilson doch einige Ge­wissensbisse. sich fo ohne Weitere- in die intimsten Angelegenheiten ihres Bruder- eingemischt zu haben, unb in ber Tiefe ihres Herzens zitterte sie vor ben Folgen ihrer raschen That. Ohne baß sie dieselbe gerabe ungeschehen wünschte, erhoffte sie inbrünstig eine Antwort von jener jungen Person, bic ihren Schritt hmreichenb rechtfertigen würbe.

Der gute Doktor beunruhigte sich Aber bie auffallenb langsame Besserung seine- Patienten unb über störenbe Fieberanfälle, bie nach seiner Ansicht bei einem so kräftigen unb mäßigen Manne, wie Richarb, nicht hätten vorkommen bütfen. Aber das Fieber war einmal da unb hatte zur unm'ttelbaren Folge, daß von bem Kranken noch strenger jeder Besuch fern gehauen werden mußte; selbst ber ehrliche Harris hatte keinen Zutritt mehr.

Auch Ellinor fühlte sich mtt jeder Stunde mehr bedrückt. Ihrer aufrichtigen Natur wider­strebte es, da- Geheimniß von ihrer Mutter Hex«