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mit Ilnterhatümgs -Meikage „Issultrirte Sonntags-Zeitung

JB 168.

Mutöa, Donnerstag, dm 25. Juli 1901

28. Jahrgang.

18

------ (Nachdruck verboten.)

»nur ee» vmlaa 6#t Ael»«, Xdteelfn*NI pdmaofl« tti. * (Dorewtit).

Brüssel in meinem Hause, und obschon er Ihrer nie bei mir erwähnte, habe ich doch auf Umwegen erfahren, daß Ihre gegenseitigen Beziehungen einst mehr als freundschaftlich waren. Mein Bruder ist von Natur so zu­rückhaltend, daß ich unmöglich mit ihm selbst über die Sache sprechen kann, obschon ich deut­lich sehe, wie sehr ihn der Gedanke daran quält und martert. Ich fühle eS deshalb al« eine Pflicht, in Ihrem beiderseitigen Interesse Ihnen zu sagen, daß er alle Ursache dazu hat. Sine Hetrath ohne Liebe ist für jede! Frau ein beneidenswerthes Loos, und ich habe sichere Beweise, daß er Ihnen, wie auch einst seine Gefühle für Sie sein mochten, nicht mehr die Neigung entgegenbringen kann, ohne die eine glückliche Ehe nicht denkbar ist. Ob ver­schiedene Gründe diese Aenderung seiner Ge­fühle verursachten, kann ich nicht sagen; aber einen Umstand darf ich nicht unerwähnt lasten. Ich selbst, sowie viele Andere haben die Be. merkung gemacht, daß eine Dame in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, auf deren Besitzung mein Bruder seit seiner Rückkehr beschäftigt ist, eine warme, lebhafte Neigung für ihn zeigt. Ich glaube fast, daß er diese Neigung er­widert und seine Erklärung nur aufschiebt, weil er das Band noch nicht gelöst hat, das ihn en Sie bindet. Diese peinliche Aufgabe möchte ich hiermit zu erleichtern suchen. Ich bedauere unendlich, wenn ich Ihnen Schmerz j bereiten muß. Aber ich denke sicher, daß seine i eigenen Briefe Sie schon einigermaßen darauf vorbereitet haben. Ich hoffe zuversichtlich, daß Zeil und Entfernung Ihre Gefühle für!

* Lotterte und Motte. Der ,Frkf. Ztg.' wird gemeldet: In seltsamer Weise scheinen mit­unter die Flottenvereine um Beiträge zu werben. Bei der letzten Ziehung der hessischen Landeslotterie fielen auf die letzten 5 Gewinne von 400 Mk. je 40,000 Mk. Prämie. Die Lotterie-Kollekteure, in deren Kollekte diese Prä­mien fielen, erhielten nun von dem Vorfitzenden des Flottenoereins von Bad Nauheim ein Schrei­ben, in welchem dieser um einen Beitrag ersucht, weil er der indirekte Urheber des Glückes der Lotterieeinnehmer bezw. deren Spieler sei. Der Schreiber habe s. Z. die Neuregelung der Prä- micnvertheilung ter Lotteriedireklion in Darm- stadt vorgeschlagen, mithin könnten die „glück­lichen Kollekteure" auch etwas für die Flotte ! thun! Bis jetzt sind die „glücklichen Kollekteure", wie wir höre», dem Wunsche des Briefschreibers und „Organisator- der neuen Prämienvertheilung" noch nicht nachgekommen.

* Ma» ««» die Streik» im »orige« Katzre gekostet hake«, berechnet die ,Natl. Ron.': Sie kommt auf Grund der von den ge­werkschaftlichen Centralverbänden geführten Streik- statistik zu einem Kostenaufwand von 2,936,030 Mk. Aus der Zusammenstellung ergibt sich, daß die Holz ar beit er ausstände mit 844,649 Mk. die größte Summe verschlangen, dann kommen die Maurer mit 419,130 Mk. die Metallar­beiter mit 396,148 Mk. Die geringsten Kosten erforderte ein Seemannsstreik (300 Mk.), dann kommt ein Barbierstreik (430 Mk.), ein Maschinisten- und Heizerstreik (707 Mk.) u. s. w. Die Kosten wurden aufgebracht aus der Verbandskaffe in Höhe von 2,487,853 Mk., durch freiwillige Bei­träge der Mitglieder in Höhe von 232,932 Mk., durch Sammlungen in Höhe von 150,036 Mk., durch Beiträge anderer Gewerkschaften in Höhe

I am stärksten in der Provinz Schlesien mit 14 und in den hohenzollernschen Landen mit 16 vom Hundert. Das bedeutet da- Doppelte des Te- fammtdurchschnitteS, der 6,41 v. H. beträgt. Diesem Durchschnitte entsprechen die Fcheikommiffe ungefähr in den Provinzen Brandenburg, West­falen, Schleswig-Holstein, Pommern und Posen; hinter dem Durchschnitte bleiben die übrigen Pro­vinzen, namentlich die Rheinprovinz mit 2,62 und Hannover mit 1,95 v. H. Der Zuwachs | der Fideikommisse ist nicht gerade bedeutend. Er beträgt für daS Jahr 1899 insgesammt rund 18,500 Hektare im preußischen Staatsgebiete. Dieser Zuwachs entfällt hauptsächlich auf die Provinzen Schlesien, Posen, Pommern, Branden­burg und SchleSwig-Holstein. Ganz neu errichtet wurden 14 Fideikommisse, erweitert wurden 45 Fideikommisse, davon in Schlesien allein 16. Die neuen Fideikommisse umfassen eine Gesammtfläche von rund 12,500 Hektaren und vertheilen sich so, daß je eines entfällt auf die Provinzen Rhein­land, Hessen-Nassau, Westfalen, Hannover, Schles- wig-Holsiein, Schlesien und Brandenburg, je zwei in Ostpreußen und Pommern und drei in der Pro­vinz Pofen liegen. Von großer Bedeutung find die Fideikommisse für die Erhaltung eines genügenden Fortbestandes. Die Gesammtfläche der Fidei­kommisse ist zu einem weit größern Bruchtheile mit Wald bestanden, als die übrige landwirth- schastltche Fläche des Staates.

nieder, vergrub ihr Gesicht in beide Hände und sandte ein stummes Gebet zum Himmel empor, ein Gebet um Kraft und Stärke, diese Bürde z» tragen — sich selbst zu vergessen, wenn ee so sein mußte — ihm, den sie liebte, den Weg zum Glücke frei z» geben.

Zum Glücke — ohne sie? O, war eS so? konnte sie mit diesem Bewußtsein weiter leben? Hatte sie vielleicht in ihren Träumen von irdischem Glück, in ihrem Sehnen danach da8 höhere Ziel aus dem Auge verloren, de« Geber alles Guten durch Undank beleidigt und war dies ihre Strafe dafür?

Aimse stellte eine ernste Selbstprüfung an. Aber sie durfte sich sagen, daß seit ihrer Ver­lobung mit Richard Morgan kaum ein Tag verging, an dem nicht ein warmes Daukempfinde« aus ihrem Herzen emporgestiegen war.

Doch nun war Alles vorüber — alle Freude der Vergangenheit, alle Hoffnung für die Zu­kunft. Sie erinnerte sich mit bitterm Schmerze, wie oft Richard davon gesprochen hatte, daß er die Armuth fürchte — um ihretwillen; wie sein letzter Brief so kurz, so zurückhaltend und von den Worten feiner Schwester beleuchtet, so kalt gewesen; wie zum ersten Mal seit sedier Abreise eine volle Woche vergangen war, ohne ein Lebenszeichen von ihm zu bringen.

In trauriger Reihenfolge drängten sich diese Erinnerungen auf. Aber was Allem die Krone aufsetzte, war der Gedanke an jene Andere, die ihren Platz in Richard's Herzen eingenommm hatte und nur auf ihre Einwilligung wartete, um seine Frau zu werden.

Ihre Schläfen hämmerten, ihre Auge«

Das Alles klang so, als hätte man bereit» die glänzendsten Erfahrungen mit den Unterseebooten gemacht, als bliebe nun keiner Kriegsflotte mehr etwas Anderes übrig, als den französischen Spuren zu folgen und nun auch schleunigst mit dem Bau von Unterseebooten voran zu gehen. In Wahrheit verhalt es sich aber nicht so. Die Manöver mit dem „Gustave Zede"find durchaus nicht so glänzend ausgefallen, wie es nach den ersten Zeitungsbe- richten den Anschein hatte. Im Gegentheil scheinen die Manöver, wenigsten« im Hafen von Ajaccio, mit einem kräftigen Mißerfolge geendet zu haben. ^„Erstens ist es nicht richtig, daß der „Gustave .gebe allein von Toulon nach Ajaccio gefahren ist. Er ist vielmehr von dem Dampfer „Utile" bis vor die Küste von Ajaccio geschleppt und erst dort, etwa drei Stunden von der Küste entfernt losgeiaffen worden. Der Seegang war gerade hoch, sodaß in Folge dieses Umstande« das Unter­seeboot wirklich unbemerkt an die Fiotte im Hafen von Ajaccio herankommen und gegen das Ltnien-

Es mag sein, daß die Unterseeboote nichts destoweniger eine große Zukunft haben. Aber vorläufig befinden fie fich noch auf einer niedrigen Stufe der Entwickelung, und d-r deutsche Steuer­zahler braucht vorerst seine Träume noch nicht beunruhigen zu lassen durch die Vorstellig gen von neuen großen Flottenforderungen für die Schaffung von Unterseebooten.

Ji» »u Matti« 3tf. »«■*, ti» 3ei««tt 3. »ewatUti t»

Die Namensschwestern.

{frei nach dem Englische» von Clara Rheinau.

rX Unterseeboote.

Kürzlich durchliefen die deutsche Presse Mit- theilungen über angeblich große Erfolge des fran- Mchen Unterseebootes „Gustave Zödäund über umfangreiche Neubauten von anderen Unter­seebooten für die französische Kriegsflotte. Bei den Seemanövern, die von zwet vereinigten Ge­schwadern , Nordgeschwader und Mittelmeer- Geschwader, in den Gewässern zwischen Toulon und der Insel Korsika ausgeführt wurden, sollte angeblich das genannte Unterseeboot vom Hafen von Toulon aus unbemerkt zwischen die Kriegs­flotte hineingelangt sein, die im korsischen Hafen von Ajaccia ankerte, gegen daS Linienschiff „Jauräguiberrp" einen Torpedo verfeuert und daS Schiff, das fich eben in Bewegung setzte, schwer getroffen haben. DaS klung ohne Zweifel sehr interessant, und mancher Zeitungsleser bei unS sah im Geiste berettS eine neue Marinevor­lage für den Reichstag aufsteigen mit umfang­reichen Geldforderungen für den Bau einer Reihe von Unterseebooten auch für die deutsche Kriegsflotte. Diese Vorstellung wurde noch ver­stärkt durch die Thatsache, daß daS franzöfische Marinemmisterium den Auftrag zum Bau weiterer Unterseeboote gab. Für dieses Jahr waren im Etat nur acht Unterseeboote in Aus- ficht genommen gewesen. Es war dem Marine- Minister aber die Freiheit gelassen, noch weitere Fahrzimge in Auftrag zu geben, die zusammen eme Wasserverdrängung von tausend Tonnen nicht überschreiten sollten; und der Minister hat von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht, indem er statt der anfänglich geplanten acht Untersee­boote deren zwanzig bestellte. Alle diese zwanzig Fahrzmge sind nach einem und demselben Modell gebaut: sie werden 23'/, Meter lang, 2,66 Meter breit und erhalten bei einer Wafferver- drängung von 68 Tonnen einen Tiefgang von 2,41 Metern. Außerdem aber sollen demnächst »och drei weitere Unterseeboote in Angriff ge- nommen werde» von anderer Bauart und größerem Umfange. Noch mehr: bis 1906 sollen »m ganzen genommen nicht weniger als 68 Unterseeboote für die ftanzöstsche Kriegsflotte fertig gestellt werden.

Herrisches Keich.

Berlin, den 24. Juli

* Iür di- Stichwahl i» Memel- Heydekrug habe», wie „Wolffs Bureau" meldet, die freisinnigen Vertrauensmänner in einer Versammlung am Mittwoch eine be- stimmte Parole nicht erlassen. Die Entscheidung soll danach in die Hände der Wähler gelegt sein, ob sie für den Sozialdemokraten Braun oder den Lithauer Matschull stimmen wollen. Damir erscheint die Wahl deS letzteren gesichert.

+ Iideikommiste in enge«. Der .Reichsanzeiger' hat in diesen Tagen in zwei Aufsätzen sehr ausführliche Mittheilungen gemacht über den Stand der Fideikommisse in Preußen und über die Veränderungen in demselben wäh­rend der letzten Zeit. Der -Anthril der Fidei- kommiffe an der Gesammtfläche des Landes ist

Die erste Post des folgenden Tages brachte Aimoe wieder nichts. Aber als sie um elf Uhr das Haus verließ um sich womöglich bei Frau Werls em Unterkommen zu sichern, wurde ihr der Tyür ein Brief eingehäadigt. Sie er- blickte die englische Marke, und ihr Herz schlug hoch auf, als sie ihren Schatz in die Tasche schob und weiter eilte, um ein ruhiges Plätzchen rm Park aufzusuchen, der um diese Stunden nur von einigen weißbehaubten Kindermädchen und deren Schützlingen belebt war. Ein Ausruf der Uebenaschung entfuhr ihren Lippen, ehe sie nur e»n Wort gelesen hatte. Sie betrachtete nochmals die zerrissene Briefhülle und bemerkte jetzt, was ihr zuerst entgangen war: weder Brief noch Adresse waren von Richards Hand. Die Schrift­züge schienen ihr nicht ftemb, fie mußte dieselben schon einmal gesehen haben. Mit erbleichenden Wangen und angehaltenem Athem laß fie fol- gende seltsame Mittheilung:

„Bridgeham, 9. August.

Werthes Fräulein!

Obschon wir einander nicht persönlich be­kannt find, muß ich doch den sehr ernsten Schritt thun. Ihnen über eine Angelegenheit zu schrei­ben, die für mich und wohl auch für Sie von tiefstem Interesse ist. Mei, Bruder, Herr Richard MorMm, wohnt feit seiner Abreise von I

I schiss „Charles Märtel" einen Torpedo verfeuern konnte. Gleich darauf aber, al« es wieder an die Oberfläche kommen mußte, wurde e« von der Ar­tillerie diese» Schiffes und des „Jauröguiberry" so hart bedrängt, daß es schleunigst wieder unter­tauchte, um sich zu retten. Dabei gerieth es in den Kurs des letztgenannten Linienschiffes und würde von diesem ohne Zweifel überfahren worden sein, wenn dasselbe nicht noch im allerletzten Augenblicke ganz hart backbord gedreht hätte. Im ernstlichen Kriegsfall würde das Unterseeboot vernichtet worden sein, und thatfächlich ist auch der „Gustave ZLdö" bei diesem Manöver durch den Schtedsrichterspruch für vernichtet erklärt worden. Aber damit nicht genug: nach erfolgter Prüfung wurde der Tor- prdoschuß des Unterseebootes gegen den „Charles Märtel" als unwirksam bezeichnet. Außerdem scheint aus den verschiedenen Berichten hervorzu­gehen, daß die Kriegsschiffe, die im Jnnenhafen von Ajaccio lagen, gar nicht auf die Möglichkeit eines Angriffes durch Unterseeboote aufmerksam waren, weil nach dem Manöverplane dieser Jnnen­hafen als unzugänglich für feindliche Fahrzeuge gelten sollte. Hätten diese Kriegsschiffe eine solche Möglichkeit im Auge gehabt, dann würde ver- muthlich der „Gustave Zods" gar nicht so unbe- mertt an fie herangekommen fein. Fachleute find der Ansicht, daß die Unterseeboote der französi­schen Kriegsflotte ohne die Begleitung eines Torpedobootes gar nicht fahren können. Durch eine solche Begleitung verliert aber die ganze Idee ungemein an Werth; denn wenn ein Unter­seeboot von einem Torpedoboote begleitet werden muß, um manövrierfähig zu fein, wird sofort der Gegner aufmerksam darauf. Und doch soll natürlich der Hauptwerth gerade darauf gelegt sein, daß die Unterseeboote möglichst unbemerkt den feindlichen Fahrzeugen sich nähern können.

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von 59,607 Mk. aus dem Auslande in Höhe von i 5800 Mk.

1 „ * Ms« Mei«ha«dek. Wie man der,Pol. Korr.' aus Rom schreibt, sind einem Berichte ! des italienischen Oenotechnikers in Berlin über den Weinhandel in den ersten vier Monaten de» laufenden Jahres im Vergleich zu derselben Periode des Vorjahres folgende Angaben zu entnehmen: Die Einfuhr von Weine» zum direkten Verbrauche hat fich auf 209,035 Hektoltter mit einer Zunahme von 5534 Hektoliter gestellt. Die Einfuhr aus Frankreich ist um 12,564 Hektoliter, aus der Türkei um 1725 Hektoliter und auS Algier um 553 Hektoliter gestiegen. Alle anderen Staaten verzeichnen eine Verringerung ihrer Ein­fuhr, u. A. Oesterreich-Ungarn um 1868 Hekto­liter und Italien um 2301 Hektoliter. Die Ein- fuhr von Verfchnitt-Rothweinen betrug 37,687 Hektoliter, um 3722 Hektoliter weniger als im Vorjahre, was beweist, daß Deutschland im vorigen Jahre eine gute Weinernte hatte. Spanien ist derzeit daS hauptsächlichste Exportland in diesem Artikel. Es hat seine Ausfuhr um 10,114 Hekto- liier vermehrt, während fich die Ausfuhr Italiens um 10,006 und Oesterreich-Ungarns um 284 Hektoliter verringert hat.

X A« d-« „veruachkäsfigte« Zweige« d-r L-«d«»rrtHfchaft" rechnet Sohnrey's Weg­weiser für ländliche Wohlfahrts- und Heimath- pflege mit Recht den Obstbau. Während der Obstkonsum in Deutschland wie bisher voraus­sichtlich für längere Zeit steigen wird, bringen die Landwirthe im Großen und Ganzen, mit AuS- nähme der vorzugsweise obstbautreibenden Ge­genden, der Zucht von Berkaufsobst geringes Interesse entgegen, und verwenden noch weniger Arbeit darauf. Die Wahl der Sorten und der Standorte wird vielfach verfehlt. Das junge Bäumchen bleibt fich selbst überlassen, ohne zweckgemäße Düngung und Pflege. Licht und Luft gehen ihm ab. Die überflüssigen und schädlichen Aeste werden nur fetten herausge­schnitten, die Rinde vermoost und verdorrt, die Zweige verkrüppeln. Von einer Reute dieses Obstbaues kann natürlich keine Rede sein. Da­bei fehlt für die Erträge jede BerkaufSorganisa- tion. Hat man fie unter Malträtirung deS Baumes gewonnen, so werden fie unsortirt dem ersten besten Liebhaber losgeschlagen. So ist eS erklärlich, daß der ausländische Produzent und »er Einfuhrhändler den Nutzen von der steigen­den Nachfrage nach Obst in unseren Großstädten und Arbeiterrevieren hat. Nach den statistischen Angaben betrug die Einfuhr in Deutschland a» rischem Obst im Jahre 1898 27 Millionen Mark und an getrocknetem Obst 22 Millionen, während die Ausfuhr in diesen Artikeln unbe­deutend ist. Die Einfuhr stieg 1899 auf 36 »ezw. 21 und betrug im letzten Jahre noch 21 bezw. 25 Millionen Mark. Von der Einfuhr des JahreS 1900 entfallen unter frischem Obst auf Aepfel 7,9 Mill. Mk., auf Birnen 3,4, auf Kirschen 1,6 Mill., aus Z wetschen 886 000, auf anderes Steinobst 3,1 Mill. Mk. Günstiger egen die Einfuhr- und AuSsuhrverhättniffe von Fru chtsästen und Obstwein. Hier zeigt stch eine starke Steigerung der Ausfuhr, wenn auch diese muptsächlich unseren Kolonien zu Gute kommt.

ihn hinreichend beeinflußten, um Sie geneigt zu machen, auf Ihre Ansprüche zu verzichten. Möge die Zukunft fie reichlich dafür entschä- digen, daß Sie ihm eine Heirath ermöglichen, die in jeder Hinsicht so außerordentlich passend für ihn ist. Mit der Bitte um gütige Ant­wort verbleibe ich, verehrtes Fräulein

Ihre ergebene

Jeffie Wilson."

Einige Minuten lang saß Aimoe wie gelähmt. Die grausamen Worte verschwammen in entsetz­lichem Wirrwarr vor ihren Augen. „Richard liebt sie nicht mehr! er wartete nur auf seine Be- freiung von ihr, um einer Andern seine Neigung zu erklären!" Ihre ganze Seele bäumte sich gegen eine solche Möglichkeit auf.

„©« ist eine Lüge, eine Lüge! Er kann nicht | falsch fein, während ich ihm treu bleibe", ries es in ihr, und all ihre Liebe, all ihr Vertrauen wallten noch einmal leidenschaftlich in ihrem Herzen auf. Jede Fiber an ihr erzitterte in namenlosem Schrecken, und ein unsägliche« Weh drückte sich in ihren feinen Zügen au«. Ein vorüberlaufendes Kind deutete mit dem Finger auf sie.

„Mamsell ist krank", rief es seinen Kameraden zu und voll Angst davor, noch wettere Aufmerk­samkeit zu erregen, erhob Aimöe sich fast taumelnd und überlegte, wo ste fich vor der blendenden Sonne und den neugierigen Augen der Menschen verbergen könne.

Da ertönte das Angelusgeläute von St. Gudnlas Thürmen. Es klang wie ein Ruf an das arme Kind, in den heiligen Hallen be» Gotteshauses feine Zuflucht zu suchen; Aimöe folgte dem Rufe, kniete in einem der wohlbekannten Kapellchen

■ Fuldaer