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M 167. Jutöa, Mittwoch, den 24. Juli 1901. 28. Jahrgang.

G Eine „Wahlprobe" in Frankreich.

Im Frühling des nächsten JahreS werden in Frankreich allgemeine Neuwahlen zur Abge­ordnetenkammer stattfinden. Als eine Art Baro­meter für den Ausfall dieser Wahlen möchten manche Leute den Ausfall der Neuwahlen für die Generalräthe ansehen. Ein Generalrath bedeutet soviel wie beispielsweise in Preußen ein Provinzial­landtag oder in Bayern ein Landrath; nur werden in Frankreich die Generalrathswahlen allgemein und im ganzen Lande an einem und demselben Tage vorgenommen. Deswegen glaubt man fie als einen Gradmesser für die Volks­stimmung ansehen zu dürfen, und jetzt triumphiren die Anhänger des Ministeriums Waldeck-Rousseau, weil diese Generalrathswahlen am letzten Sonn­tag ihnen verhältnißmäßig gute Erfolge gebracht haben. Auch wenn von den 85 Stichwahlen, die noch stattfinden müffen, die Mehrzahl den Gegnern des Ministeriums zufalle» sollte, würden diese keinen Gewinn aus den Neu­wahlen zu den Generalräthen zu verzeichnen haben.

Manche Umstände sprechen für die Berech­tigung der Anschauung, die Generalrathswahlen al« Vorzeichen für den Ausfall der Kammer- wählen zu deuten. Denn es sind zum großen Thell dieselben Männer, die im Senate oder in der Abgeordnetenkammer und auch in den Generalräthen Sitz und Stimme haben. Nicht weniger als 214 Parlamentsmitglieder find es diesmal gewesen, die sich um die Wiederwahl in die Generalräthe bewarben, welche letztere zur Hälfte erneuert werden mußten.

Andere Umstände aber sprechen dagegen. Zunächst weiß man hinlänglich genau, daß Frankreich daS klassische Land der Ueberraschungen ist. Von jetzt bis zum Frühling des Jahres 1902 kann die Stimmung nicht nur einmal, smrdern noch weit öfter als einmal umschlagen; und außerdem erregen die Wahlen für die Ge­neralräthe doch lange nicht das allgemeine Bolks- intereffe so sehr, wie Neuwahlen zur Abge­ordnetenkammer. Die Betheiligung an den Generalrathswahlen ist darum im allgemeinen erheblich schwächer, als die Betheiligung an den Neuwahlen zur Kammer; und dies trifft äugen- scheinlich ganz besonders diesmal zu, well die hochsommerliche Zeit mit der ungewöhnlich hohen Temperatur dieses Jahres durchaus nicht zur leb­haften Wahlbethelligung ermunterte. Man konnte deswegen in den Wahlauftufen schon im Voraus immer und immer wieder die bewegliche Ermahnung lese», sich doch ja nicht durch die Hundstagshitze zur unzeitigen Bequemlichkeit und zum Fernbleiben von der Wahl verleiten zu laffen. Die Ermahnungen haben augenscheinlich wenig geholfen, und aus dieser ganzen Wahl­bewegung ist auch nicht ein irgendwie bedeut­sames Ereigniß zu verzeichnen.

Die Gegner der Kirche nützen nun aber diesen Ausfall der Generalrathswahlen noch in ihrer ganz besonderen Weise auS: sie wollen daraus Den Beweis herleiten, daß das Gesetz gegen die Orden und Kongregationen in der Bevölkerung gar keinen Eindruck hervorgerufen

Die Namensschwestern.

Frei »ach dem Englische» vo» Clara Rheinau.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

9. Kapitel.

All die langen heißen Sommertage hindurch wartete Aimäe Forest geduldig auf das Ende ihrer Leidenszeit. Ihr Aufenthalt im Marienhaufe wurde mit jedem Tage unerträglicher, denn Frau Rochfoid, der die aufgedrungene Hausgenoffin zur Last war, kannte keinerlei Rücksicht, wo e» nicht ihr eigenes Jntereffe galt. Sie hatte Aimve deut­lich erklärt, daß sie ihren Vertrag mit Fräulein Osborne buchstäblich erfüllen und ihr erlauben wolle, bis zum einundzwanzigsten August zu bleiben, dann aber müsse sie sich selbst und ihre wenigen Habseligkeiten anderswo unterzubringen suchen.

Die Nachrichten von ihrer alten Freundin in England lauteten noch immer traurig D.e Nichte, zu deren Pflege diese hingeeilt war, war gestorben; eine jüngere Schwester lag an der gleichen Krankheit schwer darnieder. Richard's letzter Brief war kürzer und verstimmter gewesen al» die vorher­gehenden. „Schreibe mir in den nächsten Tagen nicht," hatte er gebeten. „Im Laufe einer Woche muß wegen Westfields und Norwich endgiltig ent­schieden werden. Dann komme ich hinüber, um Dich zu besuchen, noch kann ich nicht sagen — Dich abzuholen.

Da« eigene Heim schien demnach noch immer in welle Ferne gerückt, und der kleine Geldvorrath, den Fräulein Osborne ihr zurückgelassen hatte,

habe als höchstens den, daß das Gesetz eine all- emeine beifällige Aufnahme finde. Diese Schluß- ordrrung ist sicherlich vollkommen verftÄht. Bis- et ist noch nicht daS Geringste geschehen zur lusführung des kirchenfeindlichen Gesetzes; bis- >er weiß man noch nicht einmal, was die ein- elnen Orden und Kongregationen dazu zu agen haben werden. Die Stimmung im Volke wird erst dann sich äußern, wenn über diese verschiedenen Punkte Klarheit herrschen wird; und sollten die Folgen dieses Gesetzes die Formen eines Kulturkampfes einnehmen, dann würden sie dem Ministerium des Herrn Waldeck- Rouffeau ohne Zweifel auch sehr gefährlich werden. Es könnte ja aber auch sein, daß rieses Ministerium seinen radikalen und sozial- demokratischen Freunden wohl dieses Gesetz als Opfer darzubringen sich genöthigt fühlte, daß es aber auf der andern Seite schon jetzt die Ein- icht erhalten hat von der Gefährlichkeit einer leberspannung der Gegensätze, und daß es also rei der Handhabung des Gesetzes die mildesten Saiten aufziehen wird. Und dann würde na­türlich die Gefahr eines Kulturkampfes auf fran- zösischem Boden ganz erheblich verringert und auch die Volksstimmung in weniger starkem Maße durch da« Ordensgesetz beeinflußt werden.

Man kann getrost sagen, daß diesmal der Ausfall der Generalrathswahlen keine, oder aller­mindestens sehr schwache Anhaltspunkte bietet ür die Beurtheilung des Ausfalles der nächsten Neuwahlen zur Abgeordnetenkammer ; und daß )ie Nationallisten diesmal eine recht kräftige Niederlage erlitten haben, kann uns Deutschen m Jntereffe der Erhaltung der guten Bezie­hungen zwischen Deutschland und Frankreich zweifellos nur angenehm sein.

Dentfchrs Keich«

Berlin, den 23. Juli.

+ Snr Mahl iw Wahlkreise Memel- Aeydekrng. Die Freisinnigen schäm,» sich: Ihr lellendeS Blatt in Königsberg stellt weh- müthige Betrachtungen an über die F ruheit in der Betheiligung ihrer Mannen an h»r Wahl und über die Abnahme der freisinnigen Srimmen- zahl. „Wir stehen nicht an zu bekennen — schreibt die KöuigSb. Hart. Zeitung — daß wir für unsere Partei ein beffereS Ergebniß erwartet haben. Wir stehen sogar nicht an zuzugestehen, daß das Ergebniß für den Liberalismus ein beschämendes ist ... . Wenn das Bürgerthum in der Ver­tretung seiner wichtigsten Interessen so indolent sich zeigt, dann darf eS sich auch nicht beklagen, wenn die auf das Reale gerichtete Zeit über den im abgeschiedenen Kämmerlein träumenden Idea­listen zur Tagesordnung übergeht . . . ." Das freifinmge Königsberger Blatt gleicht selbst sehr stark dem „träumenden Idealisten"; denn die Wahrheit ist doch die, daß das Bürgerthum den Liberalismus satt bekommt und je länger desto weniger von ihm wiffen will. DaS Schlimme dabei ist nur, daß der sogenannte „Freisinn" neuester Richtung daS kleine Bürgerthum der­maßen verhetzt hat, daß eS bei Wahlen massen­haft sozialdemokratische Stimmzettel abqibt, nicht weil es zur Sozialdemokrie abmaschirt ist, sondern

war nahezu erschöpft. Aimee wußte, daß sie ihr kleine« Vermögen auf der Bank ohne Fräulein Osborne's Unterschrift n'cht erheben könne. Um diese aber zu erlangen, hätte sie Viele» erkläre» müssen, worüber sie lieber Schweigen bewahrte. Die Elliots waren fern von Brüssel auf einer Schweizer Reise. Selbst die alte Holländerin, die Pförtnerin des Hauses, in dem ihr Vater Jahre lang gewohnt hatte — eine gute alte Seele, die es sich zur Ehre gerechnet hätte, ihre „liebe kleine Engländerin" unter ihren Schutz zu nehmen — selbst sie hatte ihre Ersparnisse zusammengerafft und ihre Vaterstadt Antwerpen ausgesucht, um dort ihre Tage zu enden. Von den Künstlerbe- kanntschasten ihres Vaters wußte Aimee nur wenig; er hatte sie stets ängstlich besorgt von denselben ferngehalte». So kam es denn, daß in ganz Brüssel kaum ein junges Wesen zu finden gewesen wäre, das einsamer und verlassener da- gestanden hätte, als die arme Aimee.

Der einzige Plan, zu dem fie sich wider­strebend getrieben fühlte, war ein Vorschlag an Frau Rochford, gegen entsprechende Vergütung noch eine Zeitlang unter ihrem Doch zu bleiben. Aber Frau Rochford schlug ihre schüchterne 93Ute kurzweg ab. Sie wär zu sehr zur Eifersucht ge­neigt, und Aimäe'S Betiebtheit bei Schüler und Dienstboten schien ihr eine persönliche Beleidigung. Ihr Einschluß, das junge Mädchen los zu wer­den, stand unerschütterlich fest.

Die Hälfte ihrer drei letzte» Wochen war rasch vergangen, eine Entscheidung über ihre Zu­kunft ließ sich nicht mehr länger aufschieben. Richard hatte weder geschrieben, noch war er

nur um seiner Unzufriedenheit recht kräftigen Ausdruck zu geben. Die Gründe für die Ab­nahme der konservativen und lithautschen Stimmen sind noch nicht klar zu erkennen. Jedenfalls ist die Bethelligung an der Wahl im allgemeinen keine starke gewesen .... Man vermuthet, daß ein großer Theil derjenigen Leute, die jetzt frei» sinnig gewählt haben, in der Stichwahl ihre Stimmen dem konservativen Ltthauer geben werden. — Nach dem amtlich festgestellten Wahlergebniß erhielten bei der Reichstags-Ersatzwahl int Wahlkreise Memel-Heydekrug am 20. d. M. Mattschull (Lithauer) 7016, Braun (Sozialist) 4941, Schank (freisinnige Volkspartei) 2925 Stimmen. Die Stichwahl zwischen Matt­schull und Braun ist auf den 27. d. M. festgesetzt.

* Die SteKnug des Anstizminikers soll in Folge des Elberfelder Militär-Be­freiungs-Prozesses erschüttertsein.Nach der ,Tägl. Rundschau' ließ sich der Kaiser „aus- sührlichst über den Ursprung, Verlauf und Ende des Prozesses berichten, auch über die Person deS Untersuchungsrichters Spieß, über den der Justiz­minister äußerte, daß er ihn nur aus den Akte» kenne. Der Kaiser ordnete an, daß ihm nochmals Vortrag über die AngelegenhrÜ, und zwar er« chöpfender als beim ersten Male, gehalten werde. Die Stellung weiterer höherer Justizbeamter gilt vor wie nach für erschüttert. Der General, der den Düsseldorfer Stabsarzt Schimmel in Un­tersuchungshaft abführen ließ, soll den erbetenen Abschied inzwischen erhalten haben."

ii KhinasreiwiMge. Unter dieser Spitz­marke schreibt die halbamtliche.Berliner Kor­respondenz': Unter der Bezeichnung „die Chinafreiwilligen wider Willen" ver­öffentlichte ein Berliner Blatt vor einiger Zeit einen Artikel, in welchem ausgeführt wurde, daß zahlreiche Reservisten, die sich im Vorjahre für China gemeldet hatten, aber damals nur vorge­merkt wurden, jetzt durch eine schlimme Botschaft in Gestalt eines Gestellungsbefehles für die ost­asiatische Besatzungsbrigade überrascht worden seien. Kein M mn — hieß eS daselbst — habe Anspruch auf Zurückstellung. Im Anschluß an diese Mittheilung sprach das Blatt von einer „zwangsweisen Verschickung von Frei- willigen »ach China". Bald darauf wurde die Behauptung durch einen angeblichen Einzel­fall aus dem Landwehrbezirk Diedenhofen be­kräftigt, wonach zwei Chinafreiwillige, die der Einberufung keine Folge leisteten, unter sicherer Bedeckung vor die Behörde gebracht worden seien. Diese Angabe» sind unwahr, besonder» auch die über die zwangsweise Vorführung. Jeder Einzelne konnte seine Meldung ohne Weiteres zurücknehmen. In dem bktreffenden Korpsbezirk wurden die Leute, die sich seinerzeit gemeldet hatten, telegraphisch zur ärztlichen Untersuchung beordert mit dem Zu­satz „falls noch für China bereit". Zwei Mann von dem vorbezeichneten Bezirks­kommando sind zur Untersuchung nicht erschienen; sie sind aber in keiner Weise zur Verantwortung gezogen worden.

ft Empörung gegen Aerr« Kreger» Dichter. In dem demokratischen , Beobachter' zu Stuttgart regt es sich schutzzöllnerisch. Gegen die.Freis. Ztg.' des Herrn Eugen Richter schreibt daS genannte

selbst gekommen. Und eines Abends zählte Aimöe in trauriger Stimmung, in der ihr zugehörigen Ecke des großen Saales, ihre kleinen Schätze. Sie fragte sich gerade, ob wohl eine Tochter der alten Pförtnerin, eine Frau Werls, die In­haberin eines kleinen Putzgeschäftes in Brüssel, fie für eine Zeitlang aufnehmen könne, als Frau Rochford mit besonderer Höflichkeit sie an dar andere Ende deS SaaleS rief. Hier befanden sich einige Fremden, von deren Eintritt Aimse kaum Notiz genommen hatte. Da sie fönst ab­sichtlich von Bi facher» ferngehalten wurde.

„Dies ist Fräulein Forest, Herr Henderson," wandte sich Frau Rochford mit verbindlicher Miene zu einem stattliche», klug aussehenden Herrn, „und ich glaube, Frau Henderson" — damit stellte sie Aimse zwei Dame» vor, von denen die jüngere, ein etwa fünfzehnjähriges Mädchen, offenbar als Schülerin eintreten sollte. „Ich glaube, wenn Ihre Tochter in deren Fuß­stopfen eintritt und bei denselben Professoren Unterricht nimmt, so werden Sie mit dem Er­folge ihrer Musikstudien sehr zufrieden fein."

Herr Henderson, der nur den Mund zu öff­nen brauchte, um sich als Amerikaner zu kenn­zeichnen, betrachtete Aimöe's bleiches, hübsches Gesichtchen, als ob er den Umfang ihrer Stimme daraus ersehen könne.

„In Brooklyn habe» wir ein gutes Urthei in solche» Dingen," sagte er. „Und wenn unS die junge Dame eine Probe ihrer Gesangskunst geben will, so können wir bald sehen, welche Ansvrüche man hier macht"

Armee begriff nun, für was man ihrer be>

Blatt: Es könne sich nicht die Meinung aneignen, daß das Maß eines gemäßigten Schutzzolles das kriterium des demokratischen GlaubensbekenntniffeS ei. . . „Jedenfalls ist die Frage von 3 oder 4 Jt>. nicht so durchaus grundsätzlicher Natur, daß man nach ihr allein den politischen Freiheitsfinn achten könnte." Herr Eugen Richter aber bleibt tarr dabei, Schutzzoll und Liberalismus als un­vereinbar zu bezeichnen — der Parteiverderber!

X Die AeSettsnachweife erfreuen sich Dauernd wachsenden Zuspruches. Soeben ist ein Nachweis erschienen über die Zahl und über die Thätigkeit der Arbeitsnachweisstellen in Preußen, aus dem zunächst hervorgeht, daß auch während des letzten Jahres diese Zahl sich vermehrt hat, nämlich von 199 im Jahre 1899 auf 204 i. I. 1900. Ganz bedeutend ist aber die Zunahme der von Unternehmern und von Arbeitern einge­gangenen Gesuche um Vermittelung und der ver­mittelten Stellen. Die Gesuche vo» Arbeitgebern tnb von 145 321 i. I. 1897 auf 271405 . I. 1900 und diejenigen von Arbeitern während reSselben Zeitraumes von 176 auf mehr als 315 000 gestiegen. Die vermittelten Stellen wuchsen von 1897 bis 1900 von 104332 auf 185 437.

X Wohnungsfrage. Nach wie vor »leibt es im allgemeinen still und tobt auf dem Gebiete Der Wohnungsfürsorge der Städte — von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. DaS ist nicht nur ein Mangel an sozialer Hilft- Bereitschaft der zumeist liberalen Stadtverwaltungen und städtischen Vertreterschaften, sondern beruht augenscheinlich auch auf einem bedauerlichen Mangel an Einsicht für das, was dem eigene» Jntereffe dient. Sehr richtig ist in diesen Tagen n der Preffe auf die Thatsache hingewiesen worden, daß mit der Zunahme der Wohnungs- noth in einer Stadt auch die Ausgaben für die Stadtarmen beständig wachsen, und ein besonders kennzeichnendes Beispiel dafür ist der soeben erschienene Bericht der Armenverwaltung der Stadt Charlottenburg bei Berlin. Ge­rade dort fehft es seit einer Reihe von Jahren beständig an der ausreichenden Zahl von Woh­nungen für kleine Leute; in Folge dessen sind die Preise für diese kleinen Wohnungen allgemach so hoch geworden, daß sehr viele Arbeiterfamilien diese Preise nicht mehrerschwingen konnten, auch wenn immer ausreichende Arbeit vorhanden war. Die weitere Folge war, daß die Zahl der ob­dachlose» Familien ebenso beständig wuchs und damit auch die Ausgaben der Armenoerwaltung von einem Jahre zum andern größer wurden. Unter diesen obdachlosen Familien befanden sich verhältnißmäßig viele, bei denen der Mann bei gutem Lohne seit Jahren eine feste Arbeitsstelle hatte; aber die Miethen wurden eben so hoch, daß es ihm trotz des guten Ver­dienstes vollkommen unmöglich wurde, sie zu be­zahlen. Der Armenverwaltung erwuchsen nun Kosten nicht nur durch die Unterbringung der ob­dachlosen Familien, sondern auch durch die noth- wendigen Unterstützungen zur Abwendung drohender Exmissionen und zur Beschaffung neuer Woh­nungen. Hätte die Stadt Charlottenburg zu rechter Zeit einbegriffen mit der Fürsorge für die aus­reichende Zahl kleiner Wohnungen, dann würden ihr diese Ausgaben erspart geblieben sein. Die

durfte — sie sollte für die Schule Propaganda machen; und da auch die beiden Damen, die eine mit matter, die andere mit lebhafter Höf­lichkeit Herrn Hmderson's Bitte unterstützten, nahm Aimäe an dem Piano Platz und sang be­reitwilligst Alles, was man ihr vorlegte.

Ihre Stimme mochte vielleicht der gewohnten Festigkeit entbehren, aber niemals hatte sie süßer geklungen. Die Amerikaner gaben ihrem Ent­zücken lauten Ausdruck.

„So wirst Du auch singen, wenn Du zurück- kommst, Isabella," sagte Herr Henderson zu seiner Tochter. „Und dann darfst Du Dir selbst ein Geburtstagsgeschenk aus wähle»! Ich wünschte, Fräulein Forest, anstatt nach Hause zu gehen, wo dies nun auch fein möge." — Frau Rochford hatte bereits ihre eigene Fassung von Aimoe'S Geschichte zum besten gegeben, — „würden Sie über das Meer mit uns kommen. Ich habe noch drei Töchter zu Hause, und wenn Sie deren junge Stimmen der Ihrigen ähnlich schulen könn­ten, würde ich mich sehr erkenntlich zeigen. Nun, was sagen Sie dazu?"

„O, ich versichere Sie, Fräulein Forest hat ganz andere Pläne," schaltete Frau Rochford hnsttg ein. Die Aussicht, einiger Schülerinnen beraubt zu werden, war eine Folge deS Ge­sanges, auf die fie nicht gerechnet hatte. „Ich glaube nicht, daß Geldvortheile fie abwendig machen könnten von ihren — Träumen!"

Es war eine taktlose Anspielung, die Aimse , wohl verstand, denn Frau Rochford pflegte über ihre Verlobung, von der Fräulein OSborne sie in Kenniniß gesetzt hatte, stets ironische Bemer-