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M 165. JukSa, Montag, den 22. Juli 1901.28. Jahrgang.

G Finland.

Seit einer Reihe von Jahren bildet die Russischmachung Ftnlands einen Gegenstand stän­diger Betrachtungen in der Presse. Die Finländer sind ein hoch gebildetes Volk von liebenswürdigem Charakter und im allgemeinen von unerschütter­lichem Fleiße. Nur ein sehr kluges, wirthschaft- liches und fleißiges Volk kann dazu gelangen, dem ursprünglich sehr armen Boden ihres Heimath- landes einen solchen Wohlstand abzuringen, wie der ist, desien das Volk in Finland sich jetzt er­freut. Diese guten Eigenschaften der Finnen haben ihnen allgemeine Beliebtheit erworben. Und diese große Beliebtheit ist der Grund für die allge­meine Theilnahme, die man den Finländern ent­gegenbringt entgegen den russischen Maßregeln, die mit Gewalt im Handumdrehen aus den Finnen Nationalruffen machen wollen. Wie in solchen Fällen die moSkowitische Negierungsmaschine arbeitet, kennt man sattsam aus den russischen Ostseeprovinzen. Der Druck, den diese Maschine zur Erleichterung der erstrebten Zwecke ausübt, ist mitunter grauenhaft hart und rücksichtslos; und gerade weil die Welt das weiß, gestaltete sich nun die Theilnahme für Ftziland doppelt lebhaft.

Immerhin muß man bedenken, daß das Groß- fürstenthum Finland innerhalb des Zarenreiches bisher einen Staat im Staate gebildet hat mit eigenem Parlamente, eigner Regierung, eignem Heerwesen und eigner Sprache. Es ist thatsächlich den russischen Beamten vielfach nicht möglich ge­wesen, in Finland mit der russischen Sprache durch­zukommen, und auch die finnischen Soldaten ver­standen vielfach nicht die russische Sprache. In Oesterreich verlangt man mit Recht, daß von allen Angehörigen des Heeres die deutsche Heeres- sprache in ihren nolhwendigen Ausdrücken ver­standen wird, gar nicht erst zu reden von unseren eigenen Verhältnissen in Deutschland; was würden wir sagen dazu, wenn unsere Polen als Soldaten polnisch sprechen und das Polnische auch im Dienste anwenden wollten? Daß also die Russen ver­langten, es möge dafür gesorgt werden, daß man überall in Finland die Sprache des Zarenreiches verstehe, ist nichts Unbilliges. Unbillig und hart sind nur die Maßnahmen, mit denen die zarische Regierung plötzlich diese Wirkung hervorbringen wollte, während sie sich vorher eigentlich niemals recht um diese Dinge in Finland gekümmert hatte; die Gewaltmaßregeln, die im Handumdrehen aus dem alten Großfürstenthum Finland mit allen seinen nationalen Eigenthümlichkeiten und beson­deren Vorrechten eine russische Provinz machen wollten, die ebenso sein sollte, wie alle anderen russischen Provinzen auch.

Am schärfsten ging der Streit um das Heer­wesen. Aber wie im allgemeinen der Streit zwischen Russen und Finnen in der allerneuesten Zeit mildere Formen angenommen hat, so ist nun auch neuerdings auf diesem Gebiete eine Regelung mit gegenseitigem Einverständnisse erfolgt. Die Russen waren klug genug, ein wenig gelindere Saiten aufzuziehe»; und damit erzielten fie auch nachgiebigere Stimmung bei den Finnen. Nach dem finnländischen Wehrgesetze von 1878 hatte Finland mit seinen 2*/a Millionen Einwohnern eine Truppenmacht von 5000 Mann aufzustellev.

Die Aamensschwestern.

Frei nach dem Englische» von Clara Rheinau.

15 ------ (Nachdruck verboten.)

8. Kapitel.

Ohne zu bedenken, daß sie zu dem wichtigen Schrille, den fi* vorhatte, der Einwilligung ihrer Eltern bedürfe, eilte Ellinor, so rasch ihre Füße fie tragen wollten, nach Frau Stirlings Hütte in Bridgeham. Aus oer Verwirrung, in die Fräu­lein Baffett's Erzählung ihre Gedanken gebracht hatte, sonderte ihr warmes Herz als schwärzesten Punkt die Grauiamieit ab, die man der einsamen alten Frau angethan hatte, und die sie ohne Zeit­verlust wieder gut machen wollte.

Beim Durcheilen des letzten Gäßchens stolperte fie in ihrer Hast beinahe über ein kleines roth- wangiges Kind, das auf dem Boden faß und eifrig im Sande spielte.

„Aus dem Wege, keiner Wurm!" rief sie in scharfem Tone, kehrte aber nach wenigen Schritten wieder zurück und warf dem erstaunten Kinde all' die kleinen Münzen zu, die sie bei sich hatte.

„Wer kann wissen," sagte sie für sich, „ob ich nicht vielleicht oie Ehre habe, eine entfernte Verwandte dieses struppigen Ge,chöpfchenS zu sein! Vielleicht habe ich eine Menge derartiger Ver­wandten im Dorfe, ohne es zu wissen! O, mein armes, schönes Westfields" — wehmüthig blickte sie über das Wasser nach ihrem Heim, das ganz w Laubwerk «»gehüllt, kühl und friedlich in der Augusthitze dalag — „wird mich dies von Dir entfernen, oder werden wir Muth zum Bleiben

die niemals außerhalb der finnischen Landes­grenzen Verwendung finden sollten. Die Truppen- macht stand, wie man gerechterweise anerkennen muß, nach den Begriffen der Gegenwart in keinem richtigen Verhältnisse zu der Ziffer der Bevölke­rung, und in dieser richtige« Erkenntniß haben sich nunmehr die finnischen Stände bereit erklärt, diese Truppenmacht von 5000 auf 12,000 zu er­höhen ; und die weitere Folge dieser Maßregel ist wiederum eine Umgestaltung der finnischen Steuergesetze nach modernen Grundsätzen, um auch die Mittel zur Unterhaltung dieser bedeutend ansehnlicher« Heeresmacht zu erlangen. Das finnische Finanzwesen ist, nebenbei gesagt, von jeher in musterhafter Ordnung gewesen. Und von der andern Seite her hat die zarische Re­gierung den Finnen ein Zugeständniß gemacht, auf das oiese den allergrößten Werth legen: das finnische Heereskontingent bleibt bestehen als ge­sonderter nationaler Heereskörper. Die Peters­burger Regierung hat die ursprüngliche Forderung fallen gelassen, daß die jungen Finnen auch zu Regimentern in anderen Theilen des Zarenreiches ausgehoben werden sollten.

Das deutet an, daß der mildere Zug, der manche der russischen Regierungsmaßnahmen unter dem gegenwärtigen Zaren tm Gegensätze zu früheren Jahren kennzeichnet, auch der russischen Taktik in Finland einen weniger unfreundlichen und minder gehässigen Charakter als bisher ge­geben hat. Die Finnen, dürfen also wohl im Allgemeinen hoffen, daß sie von jetzt ab von Petersburg aus nicht mehr mit der rohen Ge­walt angefaßt werden, die noch kurz vorher das Kennzeichen der zarischen Regierungsgrundsätze war. Daß die Ruffen verlangen, es möge all­gemach auch in Finland das Russische als Amtssprache eingeführt werden, kann man ihnen nicht allzusehr verübeln. Nur dürfen sie nicht die Umwandlung von einem Jahre zum andern vornehmen wollen und nicht diejenigen Finnen ohne Weiteres mit harten Strafen belegen, die nicht sofort damit einverstanden sind.

Deutsches Keich«

Berlin, den 20 Juli.

* Der Staatssekretär des Ministeriums für Elsaß-Lothringen, Geheimrath vo« PrUtüaruer hat sein Abschiedsgesuch einzereicht. Vor wenigen Wochen hatte der Staatssekretär seinen 70. Geburtstag gefeiert. Bei dieser Gelegenheit waren in der reichsländischen und der altdeutschen Presse aller Parteirichtungen seine Verdienste um die Entwickelung Elsaß-Lothringens int deutschen Sinne lebhaft anerkannt worden, unter dem Aus­drucke des Wunsches, daß seine bewährte Kraft dem Lande noch lange Jahre erhalten bleiben möge. Unter diesen Umständen wird sein Rück­tritt um so größeres Aufsehen erregen, als all­gemein bekannt ist, daß er sich geistig und körperlich noch immer großer Frische und Rüstig­keit erfreut.

Als Sohn des LandrathS von Buttkamer am 28. Juli 1831 auf Groß-Nosstn in Pommern geboren, studirte Max von Puttkamer in Berlin und Bonn die Rechte.'An der Vollendung seines einjährig-freiwilligen Militärjahres verhinderte ihn eine schwere Augenkrank- VSSWMSSSSSMSSSSSSWWMSSS J U-L J L J haben? Er soll für uns entscheiden, ihm will ich Alles überlassen.«

Die bescheidene Heimstätte der alten Frau war bald erreicht. Eine strohgedeckte Hütte mit blei- gefaßten Fensterscheiben und sehr baufälligem Aus­sehen — die Wohnung ihrer nächsten Verwandten auf englischem Boden. Ein schmales Streifchen Garten trennte das Häuschen von der Landstraße, zwei üppige rothe Dahliensträucher wucherten zu beiden Seiten der Thür, umflattert von hübschen Schmetterlingen, die Ellinor beinahe um ihre sorg­lose Lebenslust beneidete, als sie auf ihr erstes Klopfen einige Sekunden warten mußte. Endlich hörte sie langsame, schlürfende Schritte näher kommen. Die Thür wurde geöffnet, und die alte Wittwe stand knixend vor ihr. Die trotz ihrer 70 Jahre noch lebhaften braunen Augen blickten zu der Besucherin auf mit dem geduldigen, halb schüchternen Ausdrucke, den Ellinor oft an ihrer Mutter gesehen hatte, wenn diese auf irgend eine Aeußerung ihres Vaters wartete.

„Darf ich eintreten?" fragte sie, plötzlich von einer nervösen Unruhe und der Luft zu weinen befallen. „Ich möchte mit Ihnen sprechen, Frau Stirling. Sind Sie ganz allein?"

„Ganz allein, Fräulein, und stolz auf Ihren Besuch," war die Antwort mit einem abermaligen Kaix. „Ich rechnete schon die ganze Zeit darauf, daß Sie wieder einmal zu mir kommen würden."

„Und die Frau, die bei Ihnen wohnt, wo ist sie?" fragte Ellinor, indem fie in die armselige, niedere Stube eintrat, die nur außerordentliche Reinlichkeit vor gänzlichem Verfall bewahrte.

„Sie ist zmn Arhrenlesen," war die Antwort. I „Man sagte mir, die Ernte wäre vorüber. Ge-

heit, die ihn dienstuntauglich machte. Mit 30 Jahren wurde er Kreisrichter in Fraustadt. In dieser kleinen Stadt der Provinz Posen lebte der junge Kreisrichter zehn Jahre, aber nicht ohne Zusammenhang mit der großen Welt, denn von 1867 an war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und des deutschen Reichstages. Bismarcks Aufmerksamkeit ward damals zuerst aus bett jungen Abgeordneten gelenkt und eS unterliegt keinem Zweifel, daß Herr von Puttkamer, wäre er in Preußen geblieben, das gemacht haben würde, was man eine glänzende Karriere nennt. Aber sein Geschick wies ihn auf eine andere Bahn. Im Jahre 1871 wurde er Appellationsgerichtsrath in Kolmar, 1877 Generaladvokat beim reichsländischen Appellhof, 1879 Unterstaatssekretär tm Ministerium für Elsaß-Lothringen in Straßburg, 1887 dienstthuender Staatssekretär, 1888 Wirklicher Geheimer Rath und 1889 Staatssekretär.

* Zur ReichStagSwahl int Wahlkreise WSlheim-DrUsvirrg wird der »Köln. Vztg.' aus Duisburg geschrieben: Sehr unangenehm em­pfinden wir es im hiesigen Wahlkreise, daß eine große Anzahl von Reservisten und Land­wehrleuten theils zum 11., theils zum 24. Juli einen Gestellungsbefehl für eine 14tägige Uebung erhalten haben. Die ersteren kommen erst am 25. Juli, also am Tage der Hauptwahl, zurück und wissen noch nicht, ob sie rechtzeitig wieder an Ort und Stelle sein können, um ihr Wahlrecht auszuüben. Diejenigen,. die am 24. Juli Weggehen, können weder bei der Hauptwahl, noch bei der Stichwahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Militärbehörde Maßnahmen träfe, die geeignet wären, jenen Männern die Möglichkeit zu sichern, ihrer staatsbürgerlichen Pflicht zu genügen.

* Die ,Germania' hielt dieser Tage dem Munde der Landrvirthe, der sich immerfort in allerlei Angriffen gegen das Centrum gefällt, einen Spiegel vor, indem sie über Vorgänge bei der dritten Lesung des Börsengesetzes vom Jahre 1896 wie folgt berichtete:

„Damals war auf Antrag der Centrumspartei das Verbot des börsenmäßigen Terminhandels in Getreide im Interesse der Landwirthschait in zweiter Lesung be­schlossen worden. Bet der dritten Lesung machte ein sozialdemokratischer Abgeordneter einem Führer des Bundes der Landwirthe den Vorwurf, daß dieser selbst die so sehr verpönten Börsen- disserenzgeschäfte in Getreide durch Vermittelung eines jüdischen Ba> kters noch vor ganz kurzer Zeit ge­macht habe. Um die volle Schwere dieses BorwurfS zu würdigen, muß man bedenken, daß das „Börsen- differen,Geschäft im Getreide" noch kurz vorher in den „Bundes"blättern und Flugschriften als eines der ver­werflichsten Mittel, mit welchem seitens der Börsen­jobber der Landwirth utn die Frucht seiner im Schweiße des Angesichts geleisteten Arbeit gebracht werde, ge- brandmarkt worden war. Man hätte also wohl er­warten dürfen, daß der Bundesführer sich gegen einen solchen Borwurf in glänzender Weise rechtfertigen würde. WaS aber geschah zum allgemeinen Erstaunen? Der angegriffene Retter der Landwirth- schaft gab klein bei, entschuldigte sich damit, daß es nur einigemale vorgekommen sei, und daß es sich um keine großen Beträge ge­handelt habe. Die Thatsache, daß er selbst dem Börsendifferenzgeschäft in Getreide gefröhnt, also an „bet Ausbeutung bet Lanbwitthschaft durch bas Termingeschäft« mitgearbeitet habe, konnte et in keiner Weise bestreiten. Es würbe bamals in Reichsta^skreisen erzählt, baß bet betreffenbe sozial- bemokratische Abgeotbnete in bet Lage gewesen wäre, noch eine ganze Reihe von Bunbesmitgliebern, die eifrige Terminspekulanten in Getreide waten, namhaft zu machen; er beschränkte fich darauf, nur den im Reichs­tage anwesenden Führer zu nennen, weil diesem Ge­

sehen äabe ich dieses Jahr nichts davon, denn viele Schlitte kann ich nicht mehr machen."

All da« Leben eines Gesichtes, das vor einem halben Jahrhundert fchöu gewesen sein mußte, lag nun in den fragenden Augen der Frau Stirling. Sie sah so entsetzlich schwach und gebrechlich aus, daß Ellinor unwillkürlich ihre Hilfe anbot, um sie an ihren Stuhl zurückzu- führen. Befriedigt bemerkte sie, daß sowohl die hagere, braune Hand, die auf ihrem Arme ruhte, als auch jeder Faden des dürftigen Kleides von peinlicher Sauberkeit war.

Mit vielen Dankrsworten nahm die alte Frau ihren Platz vor einem runden Tische wieder ein. „Seit letztem Winter", beme-kle sie traurig, „als mich der Rheumatismus erfaßte, bin ich hier festgkbannt. Nur manchmal krieche ich hin­aus in die warme Luft, sonst fitze ich fast den ganzen Tag allein hier."

Sie sprach ohne Klage. Aber es lag etwas Rührendes in diesem letzten „allein", das Ellinor zum Sp-echen drängte. Für sich selbst zog diese einen Schemel heibei. schob den Hut von ihrer erhitzten Siirn zurück und fragte:

„Müssen Sie allein sein? Kann Niemand von den Ihrigen bei Ihnen bleiben?"

Frau Stirling schüttelte traurig ihr graues Haupt. „Fast alle die Memigen siid tobt, Fräulein. Unsere drei Männer liegen droben bet der Kirche begraben, und meine Jungen hinterließen Niemand."

„Aber Sie hatten — eine Tochter? Wo ist diese?"

„Ach, wenn ich es wüßte — ach, wenn ich es wüßte! Ost denke ich, ich wäre froh,

legenheit geboten war, sich zu vertheibigrn. Wenn nun bie Agitatoren beS „Bunins" heute baS Centtum vetbächtigen, es nehme sich bet lanbwirth« schaftlichen Interessen nicht warm genug an, jo möchten wir bie Frage an sie richten, welches sinb beim bie wahren Freunde der Lanbwitthschaft? Diejenigen, welche bett Antrag stellten, bett schädlichen Börsenterminhandel in Getreide zu verbieten, und dieses Verbot auch durchsetzten, ober biejenigen, welche biefen Hanbel, dessen Schädlichkeit für die Lanbwitthschaft sie kannten unb öffentlich verkündigten, im Geheimen selbst getrieben haben? Mögen sich die betreffenden Herren diesen Fragen-Spiegel Vorhalten und zusehen, welches Bild der Selbsterkenntniß ihnen aus demselben ent« gegenstrahlt."

4- Die Kinder der DigenverSauden sind im Kreise Herford in Westfalen auf den An­trag des Landrathsamtes mit der Zustimmung des Amtsgerichtes den Zigeunern weggenommen und in Fürsorge-Erziehung gegeben wor­den. Das neue Fürsorge-Erziehungsgesetz gibt die Handhabe dazu, namentlich für schulpflichtige Kinder. Man kann nur wünschen, daß daS Herforder Verfahren recht bald und recht viele Nachahmer finden möge. Der preußische Minister des Innern hat bereits die Behörden, die die Wandergewerbescheine austheilen, darauf auf­merksam gemacht, daß den Zigeunerfamilien das Mitführen von schulpflichtigen Kindern unbedingt zu verbieten ist auf Grund deS Fürsorge-Erziehungsgesetzes.

* Nofireferertdar nrrd Posta ffeffor. Die Wünsche, welche die Beamten der höheren Post- laufbahn zur Erlangung der Titel Postreferendar und Postasseffor geltend gemacht haben, scheinen ausfichtsooll zu fein. Die kommissarischen Be- rathungen der betreffenden Ressorts haben, der ,Magd. Ztg/ zufolge, Anfang dieses MonatS im Reichspostamt stattgefunden und bisher einen für die petitionirenden Beamten günstigen Ver­lauf genommen. Ueber die Bestimmungen, unter denen später Anwärter für die höhere Laufbahn eingestellt werden sollen, ist volle Einigkeit erzielt worden. Die Veröffentlichung der neuen Be­dingungen ist jedoch zunächst nicht zu erwarten, da zur Zeit der Bedarf von Anwärtern noch auf Jahre hinaus gedeckt ist.

* Kirre Il-gekrmg des Weldewescns für den ganzen Umfang der Monarchie wird vom Minister des Innern geplant, weil die gegen- wättigen verschiedenartigen Bezirks - Polizeiver­ordnungen keine genügende Kontrolle der flut« tuirenden Bevölkerung ermöglichen. Es handelt fich darum, nicht nur für die Verlegung deS Wohnsitzes oder dauernden Aufenthalts die An- und Abmeldung vorzufchreiben, fondern auch eine vorübergehende An- und Ab­wesenheit meldepflichtig zu machen. Hierdurch sollen namentlich Gesinde, Handlungs- und Ge­werbegehilfen, Lehrlinge; Fabrikarbeiter und ländliche Arbeiter, die irgendwo in Beschäftigung treten, zur Meldung verpflichtet werden, während für Reisen zum Vergnügen, zum Be­suche, zu Heilzwecken, zu wissenschaftlichen und geschäftlichen Zwecken keine Meldepflicht beab­sichtigt ist.

* Die ZSetrieSseiurrahme» der preu­ßischen Staatsbahnen sind im Monat Juni 1901 mit 111406000 Mk. gegen die Einnahmen des Juni 1900 um 6 403 000 Mk. zurückgegangen. Die Einnahmen auf 1 Kilometer betrugen 3615

wenn ich sie sicher da droben bei den Uebrigen wüßte."

So mitleiderregend war der Anblick der zu- sammengrsunkenen Gestalt, ein solch herzbrechen­der Kummer klang durch diese Worte, daß Ellinor die Wahrheit nicht länger zurückhalten konnte. Ueber den Tisch hinüber reichend, legte sie ihre krästige, junge Hand auf die zitternde Rechte der alten Frau.

„Ich kann Ihnen sagen, wo Ihre Tochter ist; in Marypint in Australien und sie ist — meine Mutter!"

Ein seltsamer, fass erschreckter Schrei entfuhr der armen Alten. Emen Moment erfaßte sie Ellinor's Hand, gab sie aber sofort wieder frei. Sie wagte ihrer. Ohren nicht zu trauen, aber an allen Gliedern zitternd, wiederholte sie leise: „Ihre Mutter! Fräulein Grahams Mutter? O nein, nein, Fräulein, es ist nicht wahr, eS kann nicht wahr sein!"

„Aber es ist wahr," beharrte Ellinor und erzählte nun aus's genaueste Alles, was sie von Fräulein Bassett erfahren hatte, ohne deren Namen zu verschweigen. Verwirrt, wie aus einem Traume erwachend, saß dir Zuhörerin da, ohne sie bis zum Ende auch nur einmal zu unterbrechen. Dann sagte sie:

„Gott sei gelobt! Meine Tochter ist eine ehrliche Frau!" Damit wandte sie ihren Kopf zur Seite, um vor ihcem vornehmen Enkelkinde die Gemüthsbewegung zu verbergen, die fich in Thränen Luft zu machen suchte.

Ellinor blieb noch fast eine Stunde tn der kleinen Hütte. Da sie nun selbst ruhiger ge- worden war, fühlte fie sich im Stande, die