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Iur-a, Samstag, den 20. Juli 1901.
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28. Jahrgang.
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Worten spricht!
Der Landtag vonSchwarzburg-S onderS- ssausen hat ein neues Vereinsgesetz angenommen. Danach sollen Vereine verboten sein, die nach ihren Bestimmungen „den Staat oder die gesetz- ftche Ordnung zu untergraben geeignet find". In dem Entwürfe der Regierung hieß es: die die „reli- । ösen, sittlichen oder gesellschaftlichen Grundlagen des i Staates zu untergraben geeignet find". Diese Fassung wurde indessen abgelehnt. Das Gesetz erinnert em wenig an das sogenannte kleine Sozialistengesetz des rühern preußischen Minister- des Innern von der Recke, das keine Annahme im preußischen Abgeordnetenhause finden konnte.
Mit dem Streikpostenstehen bat fich ote Bürgerschaft von Bremen besaßt. Von der Bremer Polizei waren die einzelnen Streikposten von der Straße weggewiesen worden, und zwar auf Grund einer Bestimmung der Polizeiordnung, wonach den zur Erhaltung der Sicherheit und Bequemlichkeit auf öffentlichen Wegen usw. ergangenen Aufforderungen der Aufsichtsbeamten unbedingt Folge zu leisten ist. Die Sozialdemokraten stellen nun den Antrag, die Bürgerschaft möge andere Anweisungen sür die Polizei beschließen; dieser Antrag wurde indessen nebst einigen anderen, die daffelbe Ziel verfolgten, abgelehnt. Es ist also bei der alten Polizeiverordnung geblieben, wonach die ausgestellten Streikposten von der Polizei entfernt werden dürfen.
Das Urtheil des Oberkriegsgerichtes und dann des Reichsmilitärgerichtes gegen den frühern Oberleutnant Rüger, der in der Trunkenheit in Mör- dj in gen den Kaufmann Adams erschossen hatte, ist vom Kaiser bestätigt worden. Danach hat nun Rüger sechs Jahre Zuchthaus abzubüßen. Er ist zur Abbüßung der Strafe der Civilbehörde überwiesen
Ueberhandnehmen des britischen Einfluffes in Folge der verfrühten Abreise. Hoffentlich haben sie unrecht! ________
Zwei Mrstche.
Seit fünfundzwanzig Jahren hatten wir uns nicht gesehen. Unsere Jugendjahre hatten wir in demselben Pensionate verlebt, aber das Leben hatte uns auseinandergebracht, ich hatte die Uni- Dersiläl und er — nun, er war tn irgend ein Kontor als Lehrling eingetreten, um in demselben Kontor seine Tage als Buchhalter zu beschließen. Konnte es denn anders sein? Oft hatte Weicker mir erzählt, daß schon sein Großvater auf einem Kontor beschäftigt gewesen sei, daß sein Vater dieselbe Laufbahn etngeschlagen habe, daß für ihn selbst also gar keine Veranlassung vorliege, einer anderen sich zuzuwenden. Welcker war überhaupt ein stiller, zurückhaltender Bursche, deshalb schien uns allen die gewählte Laufbahn die beste zu sein.
Nun trafen wir uns nach 25 Jahren in der Hauptstadt bei einem Festessen wieder. Die Begrüßung war ungemein herzlich, aber ich fuhr fast zurück. War der Mann da vor mir mit dem gebräunten Gesicht, dem krausen Bart, den blitzenden Augen und der lauten fröhlichen Stimme mein alter Freund? Er bemerkte mein Erstaunen und fragte lächelnd:
„Du wunderst Dich wohl über die Veränderung, die mit mir vorgegangen ist?"
„In der Thal, ja!" entgegnete ich. „Bist Du denn nicht mehr im Kontor?"
„Nein, mein Junge, ich bin jetzt ehrlicher Landmann, besitze eine Meile von hier ein Gut und baue mein Korn und brenne meinen Schnaps.
Zählt doch die alte Sachsenstadt der Jahre schon über elfhundert, und darf sie ihren Ursprung auf den großen Kaiser Karl zurückführea. Schwere Stürme, die im Laufe der Zeiten über unser Gemeinwesen hereinbrachen, find stegreich überwunden, und hat Osnabrück namentlich in den letzten drei Jahrzehnten einen glänzenden Aufschwung genommen. Große Männer, deren Namen zu den ersten in Deutschland zählen, lebten und wirkten am Gttande der Haase. Vor allem aber dürfen wir jenes bedeutenden Mannes nicht ver» geffen, beffen Wiege in der Nähe Osnabrücks stand, und der seine Werdejahre in unserer Stadt verbrachte: Ludwig Windihorst. An dem Feste des heiligen Ludwig beginnt die General- Versammlung. Möge dieser Umstand sür de» Verlauf deS Ganzen von guter Vorbedeutung fein!
Osnabrück ist durch den denkwürdigsten aller FriedenSschlüffe als Stadt des Friedens vor der ganzen Welt gekennzeichnet. Im Geiste deS Friedens wird^^^^>i^jLhri^G«terä^ gibt ja ein großes Essen. Anna sagt, die schönsten Delikatessen seien schon hingebracht worden und Pfirsiche, das Stück zu drei Mark. Wenn Du recht, recht lieb fein willst, bringst Du mir einen Pfirsich mit, Du weißt, ich esse sie so gern."
„Aber, Kind", entgegnete ich, „ich kann doch nicht gut einen Pfirsich nehmen und in die Tasche gleiten lassen!" ,
„Weshalb denn nicht?" warf sie ein. „Andere Leute machen es auch so, und dann dort in der Gesellschaft, wo so viele Leute kommen und gehen. Nun, Liebling, versprich mir, daß Du eine mit- hriitnß f"
Was sollte ich machen? Ich liebte sie viel zu sehr, um ihr die Bitte abschlagen zu können, des- halb murmelte ich zuletzt etwas wie ein Versprechen und ging. Schon wollte ich die Hauslhür schließen, als ich noch einmal die Stimme meiner Frau vernahm, die mir nachrief: „Du hast ums doch versprochen, nicht wahr?"
I« Hause meines Chefs war Alles »er» sammelt, was irgend auf Bedeutung Anspruch machen konnte. Die Offiziere, die Spitzen der Behörden und viele vornehme Kaufleute waren vertreten. Der Chef hatte nichts gespart, um einen vollen Erfolg zu erzielen, und Frau und Tochter machten die Honneurs in tadelloser Weise. Als zur Tafel gebeten wurde, folgte ich dem Schwarm mit klopfendem Herzen. Das Erste, was ich erblickte, waren die Pfirsiche, die an dem Ehrenplätze der Tafel prangten.
Aber sie schienen nur sür die vornehmsten Gäste bestimmt zu sein, denn nur dann und wann
Zweites ^MKUtM
daraus ist mir die Ueberzeugung geworden, daß bte Presse in Bezug auf Dankbarkeit und Zuverlässig- 1 t eine Ausnahmestellung einnimmt." Das ist der i Makler eines wahren Edelmannes, der aus diesen
worden. .....
Zu den fleißigsten Parlamenten gehört dasMige von Belgien. Die belgische Kammer steht trotz der sengenden Hitze, die auch im westlichen Europa in schwerer Weise sich sühlbar macht, mitten in hochwichtigen Berathungen, zuletzt über die Kongo- Vorlage der Regierung. Es handelt sich dabei um den grundsätzlichen Beschluß, daß Belgien den Kongostaat zu übernehmen das Recht haben soll, und man hofft, daß die Vorlage mit guter Mehrheit von der Volksvertretung werde gebilligt werden. Die Sozialdemokraten sind Gegner der Vorlage. Außerdem handelt es sich wiederum um daS belgische Schmerzenskind, die Heeressrage. Die Regierung scheint gesonnen zu sein, fich auf den Standpunkt der Mehrheit der Kammer zu stelle«, nämlich das Loskaussrecht beizubehalten und die Dienstzeit auf achtzehn Monate herabzusetzen. ES ist nicht ausgeschlossen, daß der Kriegsminister, General d' Alkemade, in Folge dessen von seinem Amte zu-
Einladung
mr 48. Sraml-versᯮlaa, Irr Liihslikea
Veatschlruls ia VsaabM 1901.
Deutsche Katholiken!
In den Tagen vom 25. bis 29. August d. J. hat Osnabrück, die älteste Blschoststadt deS Sachsenlandes, die Ehre, die General-Ver- sammlung der Katholiken Deutschlands in ihren Mauern beherbergen zu dürfen.
Mehr als ein halbes Jahrhundert ist ver- flössen, seidem diese großartige Kundgebung ka- tholischen Geistes und Wirkens im goldenen Mainz ins Leben trat. Oft richteten sich unsere Blicke fast mit einem gewissen Neidgesühl auf die Stätten der Generalversammlungen. Konnten wir doch kaum hoffen, jemals dieser Ehre thetl- hastig zu werden. Schon zwetmal tagte bte Generalversammlung in unserer Nahe, tn der Schwesterstadt Münster. Erst als durch Er- richtung emeS in seiner Art in Deutschland einzig dastehenden Bauwerkes, des „Osnabrücker Ver- einshauses", den Vertretern des katholischen Deutschlands eine würdige Stätte bereitet war, durften wir den vertrauensvollen Schritt wagen, dieselben in unsere Stadt einzuladen.
Wir find uns dabei wohl bewußt, daß wir vor einer schweren, unsere Kcast fast übersteigenden Aufgabe stehen. Wir vertrauen aber dem echt katholischen Sinn der Emwohner unserer Diözese in den Nordischen Missionen. Wtr hoffen auf den gut katholischen Geist unserer Landbevölkerung, welche ohne Z veif-l m Scharen herbeieilen wird. Wir erwarten von den uns stammverwandten Söhnen der rochen Erde, ba| sie uns in aüwestfältscher Treue ourq ihr zayr- reiches Erscheinen zu Hilfe kommen werden, Wir setzen endlich unsere Zuversicht auf das ka- tholische Deutschland, welches uns in diesen Tagen viele seiner besten Söhne senden wird.
Die große geschichtliche Bedeutung unserer Vaterstadt läßt ebenfalls erhoffen, daß wir hier zahlreiche Gäste von Nah und Fern begrüße«
baar und die mit 2800 Franken jährlich auSgestattete 1 Stelle eines Steuereinnehmers in Nanterre belemmert. । Die Frau war aber damit nicht zufrieden. Sre ' hatte schon einmal im vorigen Jahre Todesdrohungen gegen Delcaff in Nizza ausgestoßen, war deswegen verhaftet, aber bald wieder freigelaffen worden.
Was die verfch. k i r ch l i ch e n O r d e n in Frankreich thun'werden, ist noch nicht bckannt, chnen selbst wohl auch nocht nicht vollkommen klar. Angeblich wollen bte Franziskaner, Jesuiten, Assumptionisten und Redemptoristen gar nicht erst um die Genehmigung bei der Regierung einkommen. Von den Benediktinern und Dominikanern nimmt man an, daß sie um Bestätigung bei der Regierung vorstellig werden wollen.
Die unvermeidliche Krise »in dem liberalen spanischen Ministerium des alten Herrn Sagasta hat sich zugespitzt; der Rücktritt mehrerer Minister ist unvermeidlich; der Minister des Innern, Herr Morat, hat bereits die auf ihn gefallene Wahl zum Kammervorsitzenden angenommen. Herr Sagasta befindet sich in großer Verlegenheit, und eS kann sein, daß sein ganzes Ministerium an dieser Klippe Schiffbruch erleidet. ,
In dem herrlichen Salzburg tn Oberosterreich ist ein Denkmal für die verstorbene Kaiserin Elisabeth enthüllt worden. Kaiser Franz Joseph und zahlreiche Mitglieder des Habsburger und Wittelsbacher Herrscherhauses haben an der Feier theilgenommen, die einen ausgezeichneten Verlauf genommen hat. Von Neuem haben bei dieser Gelegenheit die Kundgebungen der Presse bewiesen, daß die ermordete Kaiserin nicht nur als solche, sondern namentlich auch als Frau einen hervorragenden Platz in den Herzen der Oesterreicher eingenommen hat. . ,
Böse Ernte-Nachrichten kommen aus Rußland und aus Sibirien. Die Dürre dieses Jahres hat überall den Getreidefeldern mächtigen Schaden zugefügt, und man beschäftigt sich bereits mit der Frage, ob man vollkommen vorbereitet sei auf die Bekämpfung etwa entstehender Hungersnoth. ! Leider ist auch ein großer Theil Rußlands tn Folge der andauernden Trockenheit mit vollkommenem Mangel
Die Kaiseryacht „Hohenzollern" kreuzt m den nordischen Gewässern. Nach Odde hat wieder die uralte norwegische Handelsstadt Bergen den Vorzug gehabt, den Kaiser innerhalb ihrer Mauern zu sehen. 'Die „Hohenzollern" hat in Bergen Kohlen eingenommen, so daß der Ausenthalt dort ein wenig ausgedehnt wurde. Die eigenartig hohe Wärme der jüngsten Tage hat ihre Wirkung bis hoch hinauf nach den nordischen Breitegraden geltend gemacht.
Kurz vor seiner Abreise hat der Kaffer eine Entscheidung getroffen, die eine weitläufige Auseinandersetzung in der Presse hervorgerufen hat. Berlin braucht an Stelle des verstorbenen Herrn Brinkmann einen zweiten Bürgermeister. Der Ausschuß der Berliner Stadtverordneten-Versammlung hatte sich zwischen zwei Bewerbern sür Dr. Dove entschieden. Dieser sand aber keine Gnade vor dem Plenum der Versammlung, in dem vielmehr die äußerste Linke unter der Führung des sozialdemokratischen Abgeordneten Singer für den Stadtrath Kaufs mann sich entschied. Dieser hat indessen nicht die kaiserliche Bestätigung erhalten. In dem amtlichen Schriftstücke, das darüber dem Berliner Magistrat vom kaiserlichen Civilkabinet durch Vermittelung des Ministeriums des Innern und des brandenburgischen Oberpräsidiums zugegangen ist, ist kein Zweifel darüber gelassen, daß die Verweigerung der Bestätigung auf einer bestimmten Willensäußerung des Monarchen beruht; und nachträglich wird bekannt, daß man schon gleich bei der Wahl innerhalb der Stadtverordnetenversammlung Zweifel an der Bestä
tigung derselben hegte. Jetzt, nachdem diese Zweifel als begründet sich erwiesen haben, haben die freisinnigen und demokratischen Berliner Blätter einen Heidenlärm deswegen angeschlagen. Alle möglichen abenteuerlichen Vermuthunge«, die damit verknüpft wurden, haben sich indessen als unrichtig erwiesen. Namentlich die eine Behauptung hat sich nicht halte können, daß die Entscheidung des Kaisers gegen die Meinung des Reichskanzlers und Ministerpräsidenten Grafen Bülow und gegen einen gemeinsamen Bor- fchlag des preußischen Staatsministeriums gefallen sei. Das Staatsministerium hat sich mit dem Falle gar nicht beschäftigt und Graf Bülow ist nach zuverlässigen Mittheilungen ebenfalls der Ansicht, daß .Berlin keinen Bürgermeister von Herrn Singer's Gnaden zu haben braucht. Es ist übrigens hier zum ersten Mal geschehen, daß eine Berliner Bürgermeisterwahl keine Bestätigung gefunden hat.
Vom Fürsten Hohenlohe, dessen sterbliö Ueberreste jetzt neben denen seiner Gattin Maria der Grabkapelle des Stammschlosses Schillingsfürst ruhen, ist nachträglich ein hübsches Wort bekannt geworden. Einmal kam die Rede auf das Verhältniß rdeS Fürsten zur Presse. Dabei sagte er: „Ich glaube im Allgemeinen nicht sehr an die menschliche Dankbarkeit, aber eine Ausnahme habe ich immer bei der Presse beobachtet. Ich habe mir stets Mühe gegeben, die Presse anständig zu behandeln und bin mit ihr fast immer in sehr guten Beziehungen geblieben. Namentlich zeigte sich das dann, wenn mich die Pre se bekämpfte. Ich habe dann immer gesehen, mit welchem Widerstreben sie zu Angriffen gegen mich und meine Politik vorging, wie sie mich immer persönlich aus dem Streite herauszuhalten suchte und wie es ihr offenbar int Innern schmerzlich und Pein- lich war, gegen mich austreten zu müssen ... Ich habe das bei Blättern aller Richtungen gesehen, und
an Biehfutter bedroht. , t ~
Ein russischer Gast beglückte tn diesen Tagen Bulaarien und Rumänien: Großfürst Alexander Michajlowitsch. Der Gwßfürst hat bei einem Festessen in Burgas von der Waffenbrüderschaft Bulgarie ns und Rußlands, der Religionsgemeinschaft derr Länder und der Jdeegemeinschast in den beiden orthodoxen Staaten gesprochen, so daß seine Rede dadurch einen ganz krästigen panslavisttschen Beigeschmack erhalten hat. Dem Koburger Ferdinand mag bei dem Besuche nicht ganz wohl gewesen sein. In Rumänien ist der Großfürst von dem Kronprinzen empfangen und auf dem rumänischen Kreuzer „König Karol" mit einem guten Früh
stück bewirthet worden. Der Großfürst erschien nämlich an der Spitze eines russischen Geschwaders.
Das serbische Königspaar wird doch das Glück haben, vom Väterchen Zar empfangen zu werden. Die Abreise von Belgrad ist für den 10. September in Aussicht genommen worden.
Der chinesische Prinz Tschnn ist auf die Reise nach Deutschland gegangen. Er führt wie bekannt, die Gesandtichaft, die beim deutschen Kaiser Sühne leisten soll für die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn von Ketteler in Peking. Merkwürdigerweise haben die deutschen und andere amtliche Größen in China dem Prinzen einen Abschied bereitet, als gelte es einem Triumphzug, nicht aber eine Reise zu dem Zwecke, Abbitte zu leisten. Die chinesische Gesandtschaft wird zur See bis Genua reisen und von dort auf dem Landwege ihre Reise nach Berlin fortsetzen. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß deutsche Kreise in Ostasien die Abreise des Generalfeldmarschalls Grafen Waldersee sür eine verfehlte Maßnahme halten. Man befürchtet
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aber sollten sie ihre gute Meinung Über mich ändern.
Ich heirathete, doch nicht das allein, sondern ich heirathete ein Mädchen, das zwar hübsch war, aber — kein Geld hatte. Da bet einem richtigen Kaufmanns auch das Heirathen ein Geschäft ist, wurde ich mitleidig angesehen. In der ersten Zett hatten wir genug zu thun, um mit dem nicht allzu glänzenden Gehalte auszukommen, auch bekam ich von Jedem zu hören, ich sei ein großer Narr gewesen, der sich selbst in die Patsche hineingebracht habe, aber endlich fand man sich in das Unvermeidlich«, die Gesellschaft ließ sich sogar herbei, mir den Verkehr mit ihr nicht ganz zu untersagen.
Mein Chef war ein reicher Mann, und machte ein großes Haus, deshalb gab er häufig Diners und Abendgesellschaften. Zu einer dieser Gesellschaften wurden auch wir eingeladen, ungefähr ein Jahr nach unserer Hochzeit. Da meine Frau sich in einem Zustande befand, der sie verhinderte, der Einladung Folge zu leisten, wäre auch ich gerne zu Hause geblieben. Aber ich durfte nicht, denn mein Chef verzieh eine nicht angenommene Einladung nie.
Ich hatte große Toilette gemacht, nun über« flog meine Frau noch einmal meinen Anzug, tupfte hier ein Stäubchen fort und strich dort eine Falt- glatt. Dabei plauderte sie unaufhörlich und ermahnte mich, auf Alles Acht zu geben, um es ihr wieder erzählen zu können.
„Ach, da fällt mir ein", rief sie aus, als ich mich schon zum Gehen wenden wollte, „Dein Chef
rücktrttt.
Herr B au di n, der französische Arbeitsminister, ist durch einen Jrrthum der Gegenstand eines Revolverattentates geworden. Als er Dienstag Vormittag zum Ministerrath fahren wollte, feuerte an der Ecke der Avenue Martigny eine Dame, die ein Kind auf dem Arme trug, einen Revolverschuß gegen Baudin ab, der aber zum Glück fehl ging. Die Dame, Gräfin Olczewska, erklärte sofort nach ihrer Verhaftung, daß sie das Attentat nicht aus Herrn Baudin gemünzt habe, sondern auf Herrn Delcass« den Minister des Aeußern. Die Dame war nicht befriedigt durch die Abfindung, die man ihrem Ehemanne für gewisse Dienste gegeben hatte, deren Natur nicht klar ist. Graf Olczewska war einmal wegen Spionage in französischen Diensten in Italien längere Zeit verhaftet gewesen und hatte dann später 10 000 Franken ^SS«SM«»WMNWWW»SSSSSMSSSSSNS Du kannst Dich überzeugen, wenn Du mir eines Besuch machen willst."
„Aber, wie ist denn das alles gekommen?" fragte ich, da ich mich von meinem Erstaunen noch immer nicht erholen konnte.
„Kleine Ursachen, große Wirkungen, lieber Freund. Bei mir haben zwei Pfirsiche die Umwälzung veranlaßt!"
„Zwei Pfirsiche?" rief ich in Hellem Erstaunen aus.
„Ich sehe schon, Deine Neugierde ist aufs Höchste erregt. Laß uns Kaffee nehmen und dann hinausschlendern auf mein Besitzthnm. Wir können auch fahren, aber der Weg hinaus ist reizend, der Wagen kann uns ja einholen. Unterwegs erzähle ich Dir meine Erlebnisse."
Ich war einverstanden, und bald befanden wir uns auf dem Wege nach dem Gute meines Freundes.
„Wie Du weißt", begann er feine Erzählung, „stamme ich aus einer Kaufmannsfamilie. Nichts war deshalb natürlicher, als daß auch ich den Be- ruf meines Großvaters und Vaters ergriff und als Lehrling in ein großes Geschäftshaus eintrat.
Da ich ein fleißiger, eifriger Arbeiter war, wurde ich bald von meinem Vorgesetzten beachtet und erklomm die erste Stufe zu meinem Glücke. Dies geschah, als ich 25 Jahre alt war. Ich glaube aber, der Vorsteher unserer Abtheilung hatte mich in sein Herz geschlossen, denn er wies mir sogar einen Platz in seinem Privatkontor an. Alle Angestellten priesen mein Glück und malten mir meine Zukunft in rosigstem Lichte aus. Bald
Wochen-Wunöfchau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 20. Juli.