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mit Mnlerhattnngs -Beilage „Zssustrirte Sonnlags-Zeitung" — p«tme«8* N». * Cfcaeweuul.
Jli 162.
28. Jahrgang.
Iutöa, Donnerstag, den 18. Juli 1901.
6, Charitastag in Aachen. (Unberechtigter Nachdruck verboten.)
C.P.C. Aachen, 17. Juli 1901.
Die zweite berathende Versammlung, die um 4 Uhr im Kurhause begann, stand im Zeichen der F r a u e n f r a g e. Fabrikbesitzer Albert Kern-Aachen sprach über die hauSwirthschaft- liche Unterweisung schulentlassener Mädchen auS dem Arbeiterstande. Pflicht aller Wohlgesinnten ist es, die Helligkeit der Familie zu schützen. Kirche und Staat vermögen nicht ohne die freie LiebeS- thätigkeit diese Aufgabe zu erfüllen. Eine unfähige und sorglose Hausfrau ist sehr der Grund einer Störung des Familienglücks. Daß es solche in so großer Zahl gibt, liegt an den sozialen Verhältnisien, die eine Vorbereitung des jungen Mädchens zur Hausfrau so ganz außer Acht ge« lasten haben. Wir müsten systematisch mit dieser Thätigkeit vorgeheri? In den Industriestaaten ist das Vedürfniß nach Haushaltungsschulen das Dringendste. Es wäre Sache des Staates, mit ihrer Errichtung vorzugkhm; darüber sind sich alle Sozialpolitiker einig. Die private Liebes- thätigkeil hat schon manche Haushaltungsschule für Arbeiterinnen begründet; edle Frauen haben sich in großer Zahl darum bemüht, insbesondere auch die verstorbene Kaiserin Augusta, deren Ziel eine Zentralisation aller Bestrebungen auf diesem Gebiete war. Die jetzigen Einrichtungen find aber zu eng begrenzt und genügen bei weitem nicht dem Bedürfniß. Eine zentrale Organisation ist sehr wohl möglich. Dabei muß darauf gesehen werden, daß die Einrichtungs- und Unterhaltungskosten möglichst gering find; ein Lohn- aussall für die Mädchen darf nicht eintreten; es empfiehlt sich die Unterrichtszeit auf die Muse- stunoe» nach gehöriger Erholung von der Arbeit zu verlegen. Der Aachener Verein für VolkS- wohlfahrt glaubt das Richtige mit der Errichtung von Sonntags-Vorrnittags-Haushaltungkschulen (10—2) getroffen zu haben. Aachen hat 6 solche Schulen mit 720 Schülerinnen. Die Thrilnahme am Unterrichte ist völlig kostenlos; das Material stellt der Verein zur Verfügung; die Arbeiten werden den Schülerinnen als Prämie gegeben. Die Mädchen lernen nähen, stricken und das Zu- schneiden von Kleidungsstücken, nebenbei werden sie zum Sparen angehalten. Geleitet wird die Schule von einem Kuratorium angesehener Damen, die so erziehlich veredelnd in echt charitatioen Sinne auf die arbeitenden Mädchen einwirken. Den Unterricht erthnlen Volksschullehrerinnen und Ordensschwestern. Die Verlegung deS Unterrichts auf den Sonntag hat sich durchaus bewährt. Kardinal Krementz hat bereitwilligst feine Zustimmung zu der Sonntagsarbeit in den Schulen ertheilt. Koch- und Bügelkurse von 2—3 Monaten schließen fich an den Haushaltungsunterricht an. Die Erhaltungskosten der Schulen betragen abgesehen von den Gehältern der Lehrerinnen rund 4000 Mark pro Jahr. Die Lehrkräfte besoldet die Stadt; sie stellt auch die Lokale zur Verfügung und unterstützt in jeder Weise die Bestrebungen des Vereins. In allen Lehrklaffen werden die Mädchen durch Plakate und Belehrungen auf die Haushaltungsschulen hinge« wiesen, ebenso werden in allen größeren Fabriken
Die Mammsschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
12 ------ (Nachdruck verboten.)
Aber zu ihrem größten Kummer schien er hierzu durchaus keine Lust zu haben. Nothge« drungen stimmte er Fräulein Graham's Vorschläge zu, und da er noch immer ohne feste Antwort von H-rrn Barker war, fühlte Richard sich durch diesen Stillstand in den Geschäften aufs äußerste niedergedrückt. Ein paar liebe Worte seiner tapfern Aimsr, ein vertrauender Blick aus ihren treuen Augen würden seine Unruhe gedämpft, ihn geduldig gemacht haben; aber von solchem Balsam war er weit entfernt, und den schriftlichen Gedankenaustausch empfand er nur als einen armseligen Ersatz für die ersehnte Wiedervereinigung. „Wie oft schon," schrieb er einst, „habe ich gewünscht, daß wir, unabhängig von Andern, in St. Petersburg unser Glück probirt hätten. Nun steht uns noch ein Monat banger Trennung bevor; aber was uns deffen Ende bringen wird, wage ich.kaum aukzudenken, aus Furcht vor neuen Enttäuschungen. Mit August muß und wird dieser Stand der Dinge ein Ende nehmen. Mein einziger Trost ist, daß Du bis dahin in guter Obhut bist.«
Ein trauriger Trost wäre es für ihn gewesen, wenn er gewußt hätte, waS fich in der letzten Zeit in Brüssel zugetragen hatte. Im Anfänge des Juli hatte die arme Aimär, deren schmerzliche Sehnsucht nach dem Verlobten immer stärker wurde, ein neuer unerwarteter Kummer betroffen.
entsprechende Plakate ausgehängt. Der Verein hat diese Resultate nur dadurch erzielen können, daß er in so naher Verbindung mit den städtischen Behördm steht. Der Vincenz- und Elisabethen- verein sollte Überall in bett Familie darauf dringen, daß die Töchter in Haushaltungsschulen geschickt werden. Nur eine allseitige energische Förderung dieser Schulen zusammengefaßt in eine systematische Organisation kann uns die Familie gesund erhalten. Deutschland muß auch hinsichtlich der Erziehung der weiblichen Jugend zu Hausfrauen, wie auf anderen Gebiete der praktischen Sozialpolitik, an der Spitze der Nationen stehen. Möge der Charitastag dies Ziel weiter fördern.
Fräulein Breuer-Neuß verbreitete sich hierauf als Vertreterin deS katholischen Lehrerinnenverbandes über die HauShaltungSkurse der katholischen Lebrerinnenvereine. Der gegenwärtige Lehrstoff und Lehrplan sei leider nicht genügend darauf hingerichtet, weibliche Tugend und Arbeit zu fördern; ohne ministerielle Verfügungen abzuwarten, haben mehrere Lehrerinnen sich bemüht, den Unterricht so zu gestalten, wie es für das Volksmädchen notwendig sei. Jn- tereffante Winke in dieser Hinsicht gebe eine vom Bezirksoerband Esten herausgegebene Broschüre, Haushaltungskunde und Naturlehre, die bereits in vielen Schulen im Gebrauch fei. Ein erlösendes Wort für die Lehrerinnen sei es, daß jetzt überall die Einrichtung von Haushaltungs- schulen verlangt werde. Die Lehrerinnen hieben, die Unterweisungen im Haushaltungsunterrichte während der Schuljahre für sehr wohl möglich, habe man doch vielerorts mit diesem Systeme schöne Erfolge erreicht. Die Beschäftigung der Schulkinder nebenher im Haushalte sei durchaus löblich; denn die Praxis habe gezeigt, daß diese Kinder die gesündesten bleiben. Da eS in den modernen Haushaltungen fast Überall Waffer- leitungen gebe, könnten die Kinder fast alle Hausarbeiten thun und so zur Beseitigung der Dienstbotennoth vielfach beitragen. Rednerin empfiehlt die Einrichtung praktischen hanswirth- schastlichen Unterrichts der schulpflichtigen Kinder während deS letzten Jahres des Dlksschul- Unterrichts. Der eigentliche Echv nterricht werde durch den Haushaltungsunterrir1 überaus gefördert. Die Eltern begrüßten fit« raß die Kurse, da ste für diesen Unterricht ein größeres Interesse hätten, als für die Lehre vom Pendel, vom freien Fall rc. (Heiterkeit). Das Volks- schulmädchen, das auS diesen Schulen hervorgehe, fei befähigt, sofort Stellungen als Magd bei Herrschaften anzutreten. Alle Lehrerinnen deS Verbandes wünschten dringend, daß die Gemeinden mehr und mehr zur Einrichtung der Kurse übergingen. Der Verband seinerseits habe in diesem Frühjahre einen Kursus in Boppard für Lehrerinnen, die fich für den HanShaltungS- unterricht vorbilden wollen, eingerichtet; errichte jetzt an den Charitasverband die Bitte, seine Bemühungen zu unterstützen, tüchtige Personen als Lehrerinnen für Haushaltungsschulen auSzu- bildcn und Musteranstalten zu schaffen, die ähnlich wie das Pestalozzi, und daS Fröbelhaus in Berlin das gefammte weibliche Erziehungswesen lehren von der Kinderkrippe bis zur Fortbildungsschule. Zunächst sei eS nothwendig, in
Gerade als Fräulein Orborne ihre Vorbereitungen zur Abreise von Belgien begann, gerade als ihre englische Nachfolgerin im Marien- hause eintraf, um durch ste in ihre neue Stellung eingeführt zu werden, kam ein dringender Ruf nach „Tante Lisa« aus dem Heim ihrer oerwitt- weten Schwester in Sarny. Dort war die jüngste Tochter lebensgefährlich erkrankt und verlangte unabläsfig nach der gütigen Tante, deren Lieblingsnichte sie stets gewesen war. Die geängstigt- Malter sandte eine Depesche nach der andern, and Frl. Osborne sah sich gezwungen, hastig das Nöthigste zu ordnen und Heim, Schule und Aimäe ihrer Nachfolgerin, Frau Rocheford, za überlaffen und anzuempfehlen.
„Ich wage eS nicht. Sie mit mir zu nehmen, Kind," sagte sie bei ihrem hastigen Lebewohl, „denn Ellen'S Krankheit ist sehr ansteckend; aber ich habe mit Frau Rocheford Alles genau verabredet. DieS wird Ihr Heim bleiben, bis der August Sie zu einem bessern führen wird. Schreiben Sie mir oft und erzählen Sie mir, wie eS mit Ihrer Angelegenheit steht."
So blieb denn die arme Aimäe einsam und verlaffen zurück; und wenn sie auch hoffte, daß ihre Prüfungszeit nicht von langer Dauer fein werde, so hatte sie doch sehr bald Ursache, daS Weggehen ihrer mütterlichen Freundin bitter zu beklagen.
Ja jeder Beziehung war Frau Rocheford daS gerade Gegentheil von Fräulein Osborne und ließ deutlich erkennen, daß sie Aimse nur als ein lästiges Anhängsel betrachtete. Selbst sprachgewandt, tüchtig in Haushalt und Schule, bedurfte sie des jungen Mädchens Hilfe in keiner
allen Industriestädten HauShaltungSkurse einzurichten, wie sie in der geschilderten Weise in Neuß und einigen anderen Städten schon beständen.
Nach diesem Bortrage fand eine Pause statt.
Hierauf referirteFreifrauDorette v. Schenk zu SchweinSberg in Niederofleiden Über das Thema: „Wirthschaftliche Frauenschulen zur Heran- bilbung von Frauen unb Jungfrauen für soziale HilfSarbeft.« Kein Beruf, so führte bie Referentin etwa auS, fei so vielseitig wie ber ber HauSftau; eine gründliche wirthschaftliche Ausbildung ber Hausfrau sei bie Vorbedingung und die Grund- lage eines glücklichen Familienlebens, und deshalb fei die Forderung durchaus berechtigt; jede Hausfrau muß ein Einjährig - Freiwilligen - Jahr in einer wirthschaftlichen Frauenschule durchgemacht haben. Eine solche gründliche Vorbildung, wie sie in diesen Schulen gewährt werde, sei auch ein werthvoller Beitrag zur Lösung der Dienstbotenfrage, denn die Hausfrau, die in Küche und Keller, in Haus und Garten Bescheid wiffe, sei auch im Stande, den Werth der Dienstboten-Arbeit richtig zu scdätzen. DaS heutige, durch ein Uebermaß von Geselligkeit verbrauchte Geschlecht sei aber nicht im Stande, den hohen Anforderungen des Hausfrauen - Berufes Genüge zu leisten; deshalb müßte die Losung ausgegeben werden: Ihr Männer, macht eine gründliche wirthschaftliche Ausbildung zur Bedingung, ehe ihr eine Ehe eingeht, und ihr Mädchen, macht ein Einjährig Fceiwilligen-Jahr durch in einer wirthschaftlichen Frauenschule. (Lebh. Beifall.) Im Anschlüsse hieran gab die Referentin eingehende Mittheilungen über den Lehrplan, die llnlerrichtS- M-thode und die Erfolge der von ihr gegründeten unb geleiteten wirthschaftlichen Fraue»schule in Nitzderofleiden.
In ber sich hieran anschließenden Diskussion stellte Rektor Neumann zum Beweise beffen, was auf bem Wege privater Vereinbarung geschaffen werben könne, fest, baß Aachen zuerst und allein von allen Städten Deutschlands für bie Textil Arbeiterinnen bett zehnstündigen Mcx mal- Arbeitstag burchgeführt habe (Beifall), währenb er gesetzlich 11 Stunden betrage. Andererseits sei durch die vom Centrum veranlaßte Bearbeitung der Fabrik nipektoren- Berichte die bedauerliche Thatsache fe iaest-llt worden, daß in Aachen ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz v-rheiratheter Frauen in Fabriken beschäftigt sei; dem gegenüber müffe daS Streben dahin gehen (das Centrum werde dafür eintreten), die verheiratheten Frauen allmählich ganz aus den Fabriken herauSzubringen. Endlich und vor Allem aber müffe für eine bessere und gründlichere hauSwirthschaftliche Ausbildung der weiblichen Jugend, speziell der unteren Stände, gesorgt werden, und zu dem Zwecke müßten, allerdings in gewiffen Grenzen, obligatorische Fortbildungs-Schulen errichtet werden. (Lebh. Beifall und Zustimmung.)
Es referirte hierauf Landesrath Brandts- Düffeldorf über die Ausbildung ländlicher Krankenpflegerinnen. Redner legte dar, wie viele Orte auf dem Lande stundenweit von Arzt und Apotheke liegen unb wie durch Un« wiffenheit häufig noch in ber Krankenpflege auf bem Lande gesündigt werde. Vielerorts gelte
Weise unb wies j-bes derartige Anerbieten mit beleidigender Schroffheit zurück. Gegen Ende Juli war Aimse's Stellung im Hause, denn auch wirklich unhaltbar geworden, und dennoch enthielt fich bas arme Kinb in seinen Briefen an Fräulein Osborne jeder Klage. Noch weniger aber durste Richard ahnen, daß sie in anderer al« glücklicher Stimmung auf ihn warte; er hatte ohnehin schon Sorgen genug!
Welche Gefühle würben Aimse's Herz bewegt haben, wenn ste gewußt hätte, baß die Dienerschaft Westfields ihren Richard bereits als zu- künftigen Gutsherrn zu betrachten begann?
„Wir werden über kurz ober lang ein Hoch- zeitseffen haben," hatte erst in ben letzten Tagen ber Verwalter lächelnd zu einem ber Arbeiter gesagt. „Unb mir scheint, Fräulein Graham hätte keine bessere, vernünftigere Wahl treffen körnen. Ich wüßte Niemand, den ich mir lieber als Herrn Morgan zum Gutsherrn wählen würde."
7. Kapitel.
Trotz ihres frischen, lebhaften WesrnS und ihrer stets heitern Laune war es Ellinor Graham im Lause des Sommers nicht gelungen, festen Fuß in ber Gesellschaft zu fassen, in die sie so unerwartet eingeführt worben war.
War es nun aus einer gewissen Prahlerei ober nur auS reinem Muthwillen — fie reizte bnrch ihre Stichelreden die Leute beständig auf. Jetzt scherzte sie über eine, durch den Brauch geheiligre Sitte; dann wieder spöttelte sie über althergebrachte gesellschaftliche Ueberlieferungen und machte, wie Oberst Mellin sich ausbrückte, in ber Unterhaltung fortwährend „Känguruh-
noch für ben besten Wundoerband em Spinngewebe. Für Rheinland, Westfalen und Hessen- Nassau stimmen nicht die Behauptungen, daß bie SterblichkeitSztffer auf dem Lande geringer fei, als in ben Städten. Ganz einflußlos von bem Abströmen ber ländlichen Bevölkerung in bie Stäbte würde eine Hebung ber Wohlfahrtspflege sicher nicht fein. In erster Linie kommen dabei bie Krankenpfleger rn Betracht. Der Charitas- verband habe sich in dieser Richtung in erfreulicher Weise betätigt, indem er Kurse für länd- liche Krankenpflegerinnen eingerichtet habe. Hervorragenden Dank verdiene Rektor Kinn in Stenberg dafür, daß es gelungen sei, diese Einrichtung zu treffen. Die Praxis habe gezeigt, - daß man Personen aus zu kleinen Verhältnissen nicht zu bem Berufe nehmen könne. Die P-r- sonen müßten ba8 Amt als Nebenthätigkeit ausüben, und nicht gewöhnliche Krankenpflegerinnen fein, bie ben ganzen Tag bei ben Kranken bleiben. Die Thätigkeit ber Pflegerinnen muß Unentgelt« lich fein; denn dort, wo sie am nöthtzstrn ist, wie in den armen Gebirgsgegenden, können die Leute nichts dafür bezahlen, auch fehlt es nicht an Personen, die bemittelt genug sind, tn Neben- thätigkeit den Beruf zu Üben. Allein für einen Kursus hatten sich aus bem südlichen Theile der Rheinprovinz 150 Personen gemeldet, während nur 58 angenommen werden konnten.
Die Kurse finden zu Aren berg bei Ehren- breitstem statt. Hier ist der Uaterrichl während 14 Tage lang theoretisch, dann werden bie Mäachen zu je zwei auf Krankenhäuser ver- theilt, wo fie währenb vier Wochen praktisch auSgebilbet werden. Die Sache funktronirt jetzt 3 Jahre;esfindllOMädchenausgebildet worben, davon find ausgescdieden 18. Die meisten und besten Pflegerinnen befhbea fich in den ärmsten Kreisen, im Landkreise Trier, in M yrn, Daun und auf dem Westerwald, lieber 82 Mädchen sind em« gehende Berichte von brn Lmdräthen unb Bürgermeistern eingeforbnt. Die Berichte find zum weitaus größten Theile durchaus günstig; hie Pflegerinnen find in der ambulanten Kranken- pflege sehr stark in Anspruch genommen. Nur in einem Bericht heißt es, dieAerzte befürchteten von den Pflegerinnen Konkurrenz; da einzelne Berichte heroorhoben, daß Dienstmädchen zu arm seien, unentgeltlich die Pflege auszuüben, hat das Komitee beschlossen, keine Dienstmädchen mehr auszubilden. Sie Berichte konstatiren all- gemein die Uneigennützigkeit und Berufsfreudig- teit der Pflegerinnen. In anschaulicher Weise schildert Redner ihre Thätigkeit. Die anfängliche Befürchtung, es würden auS den Pfleger- innen mit der Zeit Kurpiuscherinnen werden, habe fich alS unbegründet erwiesen, rote aus allen Berichten hervorgeht. Bevölkerung, Aerzte unb Behörben seien mit ber Einrichtung überaus zu- fritben. Sehr sorgfältig müffe mit ber Wahl der Orte vor gegangen werden, damit die Pflegerinnen auch Beschäftigung haben: in der Nähe von Städten ist die Einrichtung nicht noch- wendig. Das Verbandszeug bezahlen zumThnl die Gemeinden, zum Theil die Raiffeisen'schen Darlehnskuffen. Die Ausbildung kostet 150 Mark pro Person; die P ooinz unb viele Kreise geben regelmäßige Beihilfen. So haben die
gleiche Sprünge, die Leute dabei auf ihre empfindlichsten Zehen tretend!" ,. „
„Aber es ist unmöglich, ihr bös zu sein, bemerkte er zu seiner Frau, die nach Frauenart ihr eigenartiges Wesen weit härter beurtheilte, als die Herrenwelt Frau Mellin beschrankte ihren Verkehr mit Westfields aus einen förmlichen Besuch, wobei Ellinor, die gerade von der Heu- Ernte heimkehrte, fie zu ihrer großen Ertrüstung in ganz unter geordneter Tollette unb mit einem riesigen hölzernen Rechen in der bloßen Hand empfing.^rau bie Ellinor aufrichtig liebte, zeigte fie sich stets sehr liebenswürdig. Dagegen gewährte eS ihr ein besonderes Vergnügen, Fräulein Baffett, die fie ebenso aufrichtig verab- scheute, in Schrecken zu versetzen. Die Eine sah in ihren Fehlern nur mädchenhafte Launen, die im Ehestände rasch vergehen würden. Die An- bete dagegen betrachtete ihre Verkehrtheiten als fortgesetzte Beleidigungen, für welche sie sich zu rächen gedachte, sobald die richtige Zeit gekommen sein würde.
Herrn Dr. Wllson zeigte fich Ellinor stets von ber besten Seite. Dankbar für alle bie Mühe, bet er fich ihretwegen unterzog, wiber- sprach fie ernstlich bagegen, daß er in seiner Lieblingsbeschäftigung noch länger durch fi- gestört werde. Herr Morgan konnte jetzt Alles für fie besorgen, und fie wollte nun ihrerseits bem Doktor helfen bei seinen „Einheimischen Vögeln", wovon jedoch keiner, wie fie behauptete, sich mit der wunderschönen Eister Australiens vergleichen konnte. Als große Naturfreundin hatte fie stets auch ber gefiederten Weit ihre Be-