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M 160.

6. Charitastag in Aachen.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

C.P.C. Aachen, 15. Juli 1901.

Der Einladung zum CharitaStage nach Aachen, der „an Heiligthümern und ehrwürdigen Erinnerungen so reichen ehemaligen Residenz­stadt Karls deS Großen, des mächtigen Förderers der Charitas" find auS allen Thrtlen des Reiches zahlreiche hervorragende katholische Männer gefolgt.

Die Verhandlungen begannen am Montag Nachmittag 3 Uhr mit einer Sitzung bei westdeutschenMäßigkeitS auS schu ssei des CH aritasverdan des "im Burtscheider Kurhause. Die Berathungen sollten sich auf die Frage, wie von kirchlicher Seite dem Mißbrauch geistiger Getränke gesteuert werden könne, er­strecken. Dabet wurden auch die Mittel und Wege erörtert, wie der Staat, die Gemeinden und die freie LiebeLthätigkeit die Alkohol- bekämpfung wirksam fördern würde. Der Sitzung präfidirte der Vorsitzende des Aus­schusses Geheimer Regierungsrath Landcsrath Klausener; anwesend waren weiter u. A. Mszr. Werthmann-Freiburg, Rektor Klein Aachen, P. Bellmann - Falkenberg, Pastor Fink-Essen, Dechant G-sberg-Werden, Propst Hrrkort- Bochum, Rektor Neumann-Honnef, Rektor Lenzen-U st, P. Prior Camiiltanus Vido Vaals bei Aachen, Prof ffor Wiener - Aachen. Ge­heimer Rach Klausener gab an der Hand statistischer Erh düngen einen U-berblrck über die furchtbaren Schäden des Aikodolmlßbrauchs. Allein die Rheinprovinz muß alljährlich einen Betrag von rund l1/» M llioaen für Leute aus« geben, die dem Alkoholmißdrauch anheim gefa llen ft d. Nach dem übereinstimmenden Urthetle sämmtlicher Direkioren der sechs großen m der Rreinprovinz best»henden Irrenanstalten seien 3Qo/o der GeisteLkrankheiten auf den Alkoholmiß­brauch zurückzuführen. Bei einer Umfrage in der Arbritsa-istalt Brauweiler haben 62 pCl. der Insassen unumwunden zugestanden, daß sie durch den Alkohol in die Arbeitsanstalt gekommen seien. Gegenüber diesen furch, baren Schäden sei es an der Zeit, mehr als bisher dem Alkoholismus auch prophylaktisch entgegen» zuarbeiten. Da sei es vor allem die Pflicht des Staates, durch eine scharfe Besteuerung des Alkohols und auch Einschränkung der Konzession dem Umstchgreisen des Alkoholismus entgegen­zutreten! Auch die Schule müffe durch geeignete Belehrung der schulpfl.chtigen Jugend in den Dienst dieser Bestrebungen gestellt werden. Auch die Gemeinden fö.uten durch den Erlaß geeig­neter Polizeiverordnungen, durch die u. A. die Verabreichung geistiger Getränke während der Morgenstunden, speziell während bei Haript- golteidienstes verbot n würde, außerordentlich segensreich auf diesem Gebiete wirken. Endlich und vor Allem aber sei e§ Ausgabe der heutigen Konferenz, sich darüber schlüssig zu werden, ob und wie auch die Kirche noch mehr als bisher an der Bekämpfung des Alkoholismus Mitarbeiten könne.

In der sich hieran anschließenden anregenden Disku fion wurde u. A. das Bedenken geltend gemacht, ob eine Einschränkung der Schank-

Die Namensschwestern.

Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.

10 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ich verstehe die Anspielung," versetzte sie lächelnd. „Aber," sich mit den andern Damen erhebend — „es ist ein Unterschied zwischen offenen Feldern und der Grenze eines Privatgartens. Ich überlasse Ihnen meine Vertheidigung, Herr Mor­gan." In fröhlichster Laune verließ sie mit den Andern das Zimmer, in ihrer srifchen Jugend und reichen Toilette wie eine Blume in dem Damen­quartett aussehend.

„In Westfields wird nun vrrmuthlich ein ganz anderes Regiment beginnen," bemerkte der Oberst mit sehr ergötzter Miene, als fich die Thüre geschloffen hatte. „Wenn Fräulein Baffett die einzige Beschützerin dieser jungen Dame ist, wird ihr Amt kein leichtes sein."

„Ich fürchte, fie paßte beffer zu Frau als jetzt zu Fräulein Graham," meinte oet Doktor. Aber da fie hier mit dem Orte und den Leuten so bekannt ist, hielten wir es für das Beste, daß fie bleibe, um Fräulein Ellinor in ihre neue Stellung einzuführen. Ich gestehe jedoch, '»aß ich täglich einen Auftritt befürchte. Unsere junge Erbin pflegt kein Hehl aus ihren Abneigungen zu machen. Und doch wüßte ich nicht, wer Frl. Baffett's Stelle aus füllen sollte."

„O, Sie dürfen fie nicht gehen taffen,“ tief Herr Poi^ „Ich sagte ihr eben noch, fie solle doch Frl. Graham darüber aufklären, wie sehr

Iuköa, Dienstag, den 16. Juli 1901.

Konzesfionrn nicht ein großes Benefizium sür die bestehenden Schankwirthschaften bedeuten würde; dagegen bestand volle Uebereinstimmung darüber, daß die Verabreichung geistiger Getränke während des Haupt-GottesdiensteS unbedingt verboten werden müffe. Propst Harkort trat unter Hinweis auf einen gleichlautenden Beschluß des Westfälischen Städtetags für einen früheren Schluß der Schankwirthschaften — spätestens 11 Uhr — ein. Msgr. Werthmann gedachte der Gründung der ersten katholischen Trinker­heilanstalt in Norddeutschland durch den Orden der Kamillianer (in Werden-Heidhausen an der Ruhr). Für äußerst wichtig bezeichnete er die Gewinnung von Gesellschasts- und Unterhaltungs­lokalen ohne Trinkzwang und verwies dann mit Worten herzlichsten Dankes auf die Bestrebungen der Bischöfe zur Bekämpfung des Alkodols. Rektor Neumann betonte, daß durch eine Volksbewegung ge gen den Alkoholmißbrauch ein Druck aus die kommu­nalen und staatlichen Behörden ausgeübt werden müffe, um fie zu einem Vorgehen ihrerseits zu vrranlaffen. Bis jetzt fei die Mäßigkeits­bewegung in den katholischen Landestheilen leider noch nicht so lebhaft wie in manchen anderen Gegenden. Die kirchlichen Behörden würden die Gründung von lokalen Mäßigkeitsvereinen zweifellos überall mit Freuden begrüßen. Auf eine Anreguno, das Centrum möge den Antrag des Grafen Douglas zur Bekämpfung deS Alko holmißdrauchs unterstützen, bemerkte Landesrath Klausener, diesem Anträge ständen oersaffungs- rechtliche und andere Bedenken gegenüber, deren Beseitigung eine schöne Aufgabe der Centrums« abgeordnetkn fein würde. Lebhaften Beifall fand der Vorschlag, an die Gemeinden heranzutreten, um fie zu veranlassen, Gesellschaftshäuser ohne Trinkzwang für die lokalen Vereine zu bauen. Mit Anerkennung wurde die Thatsache konstatirt, daß die Stadt Düsseldorf den Bau von K ffeehäusern an den von den Arbeitern frequeniirten Straßen an den Häsen rc. fördert. Pastor Fink-Effen konstatirte, man sei darüber einig, daß die Ergebnisse einer höhe-en Be­steuerung des Branntweins zu sozialen Zwecken verwendet werden müßten, er empfehle hier be­sonders die Wittwenoersorgung.

Rektor Neumann forderte im A-ffliluß an einen ausführlichen Bericht über die bi?beuge Thätigkeit des Mäßigkeitsausschuffes, welcher die ihm von der großen Aachener Volksversammlung vom Jahre 1896 zunächst gestellten Aufgaben (Begründung einer katholischen Heilanstalt sür katholische Trinker, Begründung neuer Mäßig- keitsoereine, Herausgabe eines katholischen Mo­natsblattes zur Bekämpfung der Trunksucht) ge­löst habe, daß auf dem nächsten Charitastage de: Mäßigkeitsfrage ein halber Tag zur Ver­fügung gestellt werde und regte an, um Miß­verständnisse im Publikum vorzubeugen, dem Charitastage die Annahme der vom Weltkongreß tu Wien angenommenen zwei Thesen zu em­pfehlen, welche lauten: 1) Die Enthaltsamkeit von allen geistigen Getränken ist für alle Alko­holkranke, sowie >ür solche, bte sich mit ihrer Heilung beschäftigen, absolut nothwsndig. 2) Der Gebrauch von gebrannten Getränken darf grund­sätzlich nicht als schlicht und verwerflich bezeichnet werden. Schließlich texte Redner noch an,

sie ihr verpflichtet sei. Sie verdankt ja thaisäch- lich ihr gutes Glück nur Fräulein Baffett."

„Wie ist dies zu verstehen?" fragte Oberst Mellin, und auch Richard Morgan blickte ge- fpa. nt auf.

„Hm, das ist eine seltsame Geschichte," ver­setzte Doktor Pott. „Einem Herrn Kollegen er­zählte ich sie schon. Sie erinnern fich vielleicht, daß der junge Gutsherr stets sehr freundlich gegen mich war, und als er Bridgeham verlassen hatte, schrieb er mir mehrmals von Australien aus. Anfangs bemerkte er nur, daß es ihm gut gehe; später erwähnte er auch Frau und Kinder, letztere in einer Weise, die mir eine weichere Stimmung gegen feine Mutter zu verrathen schien. Kurzum, ich setzte es mir in den Kopf, daß eine Versöhnung mit der alten Dame möglich sei und machte ihatsächlich einen Versuch dazu. Aber wie hatte ich mich geirrt! Frau Graham schien anfangs ganz erstarrt über meine Kühnheit, dann aber wurde fie kreideweiß vor Wuth und verab­schiedete mich in einer Weise, die einem morali­schen Hinaus werfen glich. Ich gelobte mir da­mals, nie wieder bei ihren Lebzeiten dieses Haus zu betreten. Später glaubte ich bei Fräulein Baffett Interesse für den unglücklichen Sohn zu bemerken. Sie fragte nach seinen Kindern und ich erzählte, daß er deren vier besitze, und seine zweite Tochter nach der Großmutter Ellinor ge­nannt habe. Dabei sprach ich die Hoffnung aus, daß sie gelegentlich ein gutes Wort für die Kinder einlegen möge. Und sie mußte es gethan haben, denn auf keine andere Weise konnte Fräulein Ellinor im Testament ihrer Großmutter als Uni»

dafür einzutreten, daß in die Hausordnungen der Arbeiter-Kolonieen eine Bestimmung aufgenommen werden möchte, wonach die Leiter wie die Jn- f aff en dieser Anstalten keinerlei geistige Getränke genießen dürfen.

Rektor Reumann legte größtes Gewicht darauf, festzustellen, daß die katholischen Mäßig­keitsvereine (Kreuzbündniffe) nicht völlige Ent­haltsamkeit vom Alkohol durchaus verlangen, sondern auf einem gemäßigten Standpunkte stehen. Msgr. Werthmann bemerkte, die Mäßigkeitsblätter würden mit Freuden von dieser Eiklärung Kenntniß nehmen, ba dadurch auch der Schein eines Konfliktes beseitigt werbe.

Schließlich genehmigte bie Versammlung ble folgenden vom Vorsitzenden formulirten Thesen: „Der CharitaStag spricht die Ueberzeugung aus, daß dem Mißbrauch geistiger Getränke vorbeugend am geeignetsten entgegengewirkt werden kann, 1) seitens des Staates auf dem Wege der Gesetzgebung, 2) seitens der Provinzen, der Kreise und Gemeinden auf dem Wege von Polizeiverordnungen, 3) seitens der prioaten Tätigkeit (Vereinsbruderschaften) durch Errich­tung zweckentsprechender Veranstaltungen, Grün­dung von Vereinen und Unterstützung der Preffe, und er beauftragt den Westdeutschen Mäßigkeits- Ausschuß, in dieser Richtung anregende Schritte zu thun. Dann spricht der Charitastag seine Freude und Anerkennung darüber au?, daß es dem Ausschuß gelungen ist, eine H-ilanstalt für Trinker katholischer Konfession m Heidhausen (Werden) unter der Leitung der Patres aus dem Orden der Camillianer zu errichten; endlich dankt der Charitastag den Hochwürdigsten Bischöfen und dem hochw. Klerus für alle aufopfernde Timiigkeit und bittet dieselben um ihre Unter­stützung in Zukunft! Auch bie von Rektor Ne um ann vorgeschlagenen zwei Thesen ge­langten zur Annahme mit ber Maßgabe, daß sie inhaltlich von Profeffor Wes euer in seinem morgigen Vorirage: „bie Bekämpfung ber Trunksucht in ihrer charitatioen und sozialen Bedeutung" ergänzt bezw. erweitert werden sollen.

„Edlere Herzen werden wohl schwerlich bei einer Versammlung zusammen kommen, wie dies bei den Charitastaqen der Fall ist; es gibt ja in allen Kreisen und in allen Schichten der Bevölke­rung edle Herzen; die edelsten Herzen die schlagen für die Charitas." Mit diesen Worten begann der Vorsitzende des Ortsausschuffes Ehrenstifts- herr Metzmacher feine Begrüßungsansprache heute Abend im Kurhause an die aus allen Theilen des Reiches und von jenseits der Grenze herbei­geeilten Mitglieder und Freunde des Charitas- verbandes. Hervorragende Männer aus allen Kreisen find zur Theilnahme an den Verhand­lungen erschienen. Die Staatsbehörden vertritt zu­nächst der Oberpräsident der Rheinprovinz Rasse, daneben Regierungspräsident v. Hartmann, Landrath Pastor, Landrath Wallraf. Die städtischen Behörden repräsentiren Oberbürger­meister Veli mann und Bürgermeister Tal bot. Von Parlamentariern nehmen an den Verhand­lungen Thcil die Abgg. v. Grand Ry, Sittart und Klausener. Der hoheAdel ist vertreten durch den Grafen Droste-Erbdroste Vischering aus Münster, ber hohe Klerus durch den Domkapitular Rüping- SSSSSSWSWSWWMMWWMo-MWM.......... WSW

oerfalerbin bezeichnet werden. Die alte Dame hätte ihrer Gesellschafterin wohl ein paar Tausend hinterlassen können; ich glaube, sie verdiente es."

„Sie hatte stets ein sehr hohes Gehalt, wie Frau Graham's Bücher beweisen," sagte Dr. Wilson; „also kann sie doch nicht so Übel d'ran sein. Ihnen, Port, hätte aber eigentlich eine be­sondere Belohnung gebührt für Ihre werthvolle Auskunft in jenen Tagen. Wären auch Sie nicht im Stande gewesen, mir Arthur Gcaham's Adreffe zu geben, als Fräulein Baffett mich an Sie ver­wies, so hätte ich vielleicht monatelang nach der Erbin suchen müssen — Australien ist ein großes Land."

Obetft Mellin lenkte jetzt die Unterhaltung in andere Bahnen, und der Herrin von Westfields wurde nicht mehr Erwähnung gelhan, bis die Herren sich wieder im Salon den Damen zuge­sellten. Frau Wilson begrüßte ihr Erscheinen mit wahrer Erleichterung, beim es war ihr gänzlich mißlungen, ihre drei Gäste auch nur zu einem leiblichen Einvernehmen zu bringen. Mit einem merkwürdigen Mangel an Takt hatte die sonst so gutherzige Ellinor sich förmlich in Eifer ge­redet über bie, wie sie es nannte, Albernheiten von Rang und Ansehen in ber englischen Gesell­schaft. Sie gedachte ganz nach Belieben ihren Umgang zu wählen, erklärte sie. Die nette Krämersfrau aus dem Dorf wollte fie manchmal zum Thee einladen — warum auch nicht? Und in diesem halb muthwilligen, halb ironischen Tone ging es weiter, bis Frau Mellin, eine Dame, bie von Geburt an bie Lehre von ben Siandes- unterschieden gleichsam als einen besondem

28. Jahrgang.

Münster, ber P. Prior ber Camillianer Vido, Prälat BelleSheim, Dechant Stoff-Kassel. Von ben zahlreichen bekannten Namen, ble bte Präsenz­liste zieren, seien noch erwähnt Lanbesrath Klau­sener unb bie Justizräthe Gatzen unb Theisen, sowie Oberbürgermeister a. D. Geh. Rath P ltz-r, p. Helmig-Paris. P. Bonaventura-Berlin, ber als Referent angelflnbigt war, ist leiber per« hindert, an seiner Stelle wird P. Dalmatiu?« Venloo das Referat über die Frage der Aus­übung der Charitas durch Unbemittelte über­nehmen.

Aachen kann fich ganz hervorragender Stätten zur Abhaltung großer Versammlungen rühmen. Das städtische Kurhaus in Burtscheid-Aachen, an einem herrlichen Park gelegen, sah die heutigen Borversammlungen in s.inen schönen Räum n. Für bie großen allgemeinen Versammlungen in ben nächsten Tagen ist bie große Giashalle bes Zoologischen Gartens hergerichtet, ein wirklich imposanter Versammlungsraum, ber (an Tischen plazirt) bequem 3000 Personen faßt und somit den größten Räumen in Deutsch­land an die Seite gestellt werden kann. In Verbindung mit dem Zoolog schen Garten steht überdies der große Aachener Zikus — es sind also alle Vorbedingungen zur Ausnahme eines großen Kongreffes vorhanden. Die heut'ge Be- grüßungSoerfammlung im Kmhaufe konnte sich, was die Bethe l gung der Aachener betrifft, längst nicht mit der im vorigen Jahre in Berlin messen; denn hier sah man 3000 Theilnehmer; heute Abend vielleicht den 10. Theil.

Mit glühender Begeisterung begrüßte Stifts- domherr Metzmacher bie Gäue und ihre Arbeit Im Dienste bet C laritas. Prälat Dr. Werth­mann, der Vorsttzenbs des Caaritasverbandes, feierte Aachen als beste Schule der Charitas uno bedauerte, daß aus M.-Gladbach vom Arbeiter­wohl unb von bem Volksverein für das katho- l.fche Deutschland, die dem Verbände bei seiner Schöpfung Vater und Mutter gewesen seien, noch Niemand ba sei. Die Stimmung der Fest» Versammlung würbe weiterhin besonders gehoben du ch künstlerische Gesangvorträge bes Kirchen« chors von St. Foiian. Die eigentlichen Der- Handlungen beginnen Dienstag Morgen.

Deutsch«. D«ich.

Berlin, den 15. Juli

+ Die Aerttuer Bürgermeister frage ist von der .Freisinnigen Zeitung', wie diese selbst zugeben muß, in ganz übertriebener Weise behandelt und aufgebauscht worden. Jetzt hat die ,Freis. Ztg.' selbst zugeben müssen, daß der Minister des Innern den Berliner Oberbürger­meister mündlich von der Verweigerung der Bestätigung unterrichtet, dieser nachher durch die amtliche Benachrichtigung auf schriftlichem Wege durch das Oberprästdium also nichts Neues mehr erfahren hat. Auch von ber „Militär-Affäre" spricht bie ,Freis. Zig.' nicht mehr. Inzwischen ist bereits an ben Berliner Magistrat die amt­liche Aufforderung deS Ministeriums des Innern ergangen, bei der Berliner Stadtverordneten­versammlung die Neuwahl eines Bürgermeisters zu beantragen. Von den Gründen ber Be­stätigungsverweigerung ist auch in biefem Schrift-

Glaubensartikel betrachtet hatte, sprachlos vor Entrüstung in ein eisiges Schweigen versank. Fräulein Baffett verhielt fich ebenfalls sehr still, und bie arme Frau Wilson fing gerabe an, ernst­lich zu bereuen, bie junge Australierin so ohne Weiteres bei bet einflußreichsten Dome der Gegend eingeführt zu haben, als die Ankunft des männ­lichen Elements ber peinlichen Sage ein Ende machte. Während bie ältere Gesellschaft durch die Bemühungen des guten Dr. Wilson nun bald in eine Unterhaltung gerieth, hatte R cha-d auf einen Wmk seiner Schwester den leeren Platz neben Ellinor eingenommen. Diese begrüßte ihn als alten Bekannten und plauderte in ihrer fri­schen Weise von Diesem und Jenem, bis fie schließlich auch mit kindlichem Vergnügen der Ju­welen ihrer Großmutter erwähnte, die chr später noch zufallen würden.

„So find dieselben noch nicht in Ihrem Be­sitz?" fragte Richard.

„Nein, und es ist hart für mich, ihnen fern zu bleiben. Gleich nach Großmamas Tod ver­schloß Herr Dr. Wilson den ganzen Schmack in ein Pult im Ankleidezimmer und drückte zwei große, rothe Siegel auf das alte Möbel. Natür­lich durste ich sie erbrechen, aber Frl. Baffett sagte, das Pult habe einst Papa gebärt und sei stets verschlossen gehalten worden. So dachte ich denn, er verwahre vielleicht werthvolle Andenken darin unb beschloß, es nicht zu öffnen, bis er herüber käme, ober mir schriftliche Erlauvmß da­zu gäbe. Aim-r Papa! Es macht ihm vielleicht Freude, wenn dies kleine Befitzthum unberührt bleibt. Ich glaube. Sie würden sich gut mit ihm