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mit Zlnterhattungs -Meilage „Illustrirte Sonntags-Zeitung"

KSI

JuLöa, Samstag, den 13. Juli 1901.

M 158.

28. JahrgMg.

r Zweites WKrtt.

Wochen-Wunöschau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 13. Juli.

Am 6. Juli ist ein Mann in die Ewigkeit abbe­rufen worden, dem jetzt im Tode mehr und wärmere Anerkennung gezollt wird, als wahrend seiner letzten Lebenszeit: Fürst Chlodwig zu Hohenlohe- Schillingsfürst. In dem Schweizerbade Ragaz hat er ferne letzten Athemzüge gethan, nachdem er -vorher nach einem kurzen Aufenthalte in Paris seinem Sohn Alexander in Colmar einen Besuch gemacht hatte. Wohl war der Fürst nicht verschont geblieben on Schwächen des Greisenalters; der Verblichene stand ja auch schon im 83. Lebensjahre. Aber an ein so rasches Hinscheiden hatte nichtsdestoweniger vorher Niemand gedacht und seine Familie ist über­rascht worden von dem Ableben des Fürsten. Sein Kammerdiener hat ihn am Morgen des 6. Juli ent­seelt im Bett vorgefunden. Sein Tod ist jedenfalls ruhig unv sanft gewesen. Herzschwäche hat das ärzt­liche Urlheil als Todesursache angegeben. Die sterb- lichen Ueberreste des Fürsten, der noch im hohen Greisenalter die schwere Bürde des deutschen Kanzler­amtes auf sich nahm, sind in dem Erbbegräbnisse seines Stammschlosses Schillingsfürst beigesetzt worden, in der von ihm neu hergerichteten Grabkapelle an der Seite seiner im Tode ihm kurz voraufgegangenen Gattin Maria. Im Leben ist das Fürstenpaar stets treu vereint gewesen. So ist es nun auch im Tode nicht anders.

Die Beileidsbezeugungen sind der Familie des Fürsten IN überaus reichem Maße zugeflossen, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Auslande. Der Kaiser war mit seinem Beileidstelegramm wohl wieder der Erste am Platze. Nachher kamen alle deutschen Bundesfürsten, der Kaiser von Oesterreich, der König von Italien, der Präsident der Republik Frankreich — und nur ein Ton herrscht in allen diesen Kundgebung n: der Ton warmer aufrichtiger Herzlichkeit. Nicht anders sah es in der Presse aus. Mit nur sehr wenigen Ausnahmen zollten alle Blätter, einige demokratische und sozialdemokratische Zeitungen ausgenommen, dem Dahingeschiedenen ihre uneingeschränkte Anerkennung und Dankbarkeit. Die Heldenthat allein, mit 75 Jahren noch das Reichs- kanzleramt zu übernehmen, fordert diese Anerkennung. Und daß Fürst zu Hohenlohe trotz seiner hohen Jahre als Reichskanzler mehr gethan und geleistet hat im Dienste des Reiches, als viele seiner Zeitgenossen wohl annahmen, wird, die Geschichte beweisen.

Der Fürst hat während seines ganzen Lebens Denkwürdigkeiten ausgezeichnet, von denen man sagt, daß sie bereits in druckfertiger Form vorliegen. Hoffentlich zögert man nicht zu lange mit ihrer Ver­öffentlichung. Dem dritten Kanzler des Reiches aber bewahrt das gesmnmte Volk der Deutschen aus vollem und aufrichtigem Herzen ein ehrendes An­gedenken !

Eine hoch wichtige Kundgebung hat der Papst an die Oberen und Generale der Orden und geistlichen Anstalten gerichtet. Daß diese Kundgebung veranlaßt worden ist durch das soge­nannte Vereinsgesetz in Frankreich, versteht sich von selbst. Ein Ausnahmegesetz nennt es richtig das Rundschreiben des hl. Vaters: „Gerade in diesen Tagen — so schreibt der Papst — sind bei einem Volke, dem der Papst ganz besonders seine Sorge widmet, Ausnahmegesetze^ gut geheißen worden,

er-

hoben hatte . . . Der wahre Grund des Vorgehens gegen die religiösen Orden und Institute ist der Haß gegen die Kirche, das wahre Ziel, womöglich die wohlthätige Wirksamkeit Christi aus der Gesellschaft zu bannen . . ." Klarer und schärfer kann das ver­derbliche Gesetz nicht verurtheilt werden. Dennoch meinen noch immer manche Leute, der hl. Stuhl werde alles gehen lassen, wie es nur eben gehen wolle, werde sich ruhig in alles fügen, was die mo­dernen Kirchenhasser in Frankreich gegen die Kirche ersinnen werden. Das darf ja aber der Papst gar nicht! Er sagt es in seinem Rundschreiben auch selbst: , „Der Papst hat die Pflicht, nach dem Bei­spiel semer berühmten Vorgänger diese Gesetze zu mißbilligen, die dem natürlichen Rechte, dem Evange­lium und der Uebcrlieferung wiedersprechen. Diese Gesetze widersprechen ferner auch dem Rechte, das dec Kirche zusteht, nämlich dem Rechte, religiöse In­stitute zu gründen, die ausschließlich von der Kirche abhängen." Man hat also schweigendes Geschehen­lassen vom Vatikan durchaus nicht zu erwarten. Aber was der Vatikan thun wird, kann er heute selbst noch nicht wissen. Vorher muß abgewartet werden, wie die Machthaber in Frankreich bei der Ausführung dieses kirchenfeindlichen Gesetzes sich ver­halten werden.

Im Deutschen Reiche ist selten eine Berkehrs- angelegenheit eifriger besprochen worden, als die Verlängerung der Giltigkeit der Rückfahr­karten. Diesmal hat die preußische Staatseisenbahn angefangen und zuerst diese Giltigkeit auf 45 Tage verlängert. Herr Minister von Miquel darf sich in seinem traulichen neuen Heim in Frankfurt am Main nicht darüber ärgern, daß man diese wohlthätige Neuerung zusammenbringt mit seinem Rücktritte; denn er war immer so äußerst fiskalisch, daß man ihm die Zustimmung zu einer so freundlichen Maßregel nicht mehr zutraute. Womit nun Preußen anfing, damit mußten die anderen Staatsbahnen nachkommen, und mit überraschender Schnelligkeit hat die 45tägige Rückfahrkarte ihren Siegeszug durch ganz Deutschland gehalten.. Vivat sequens!

Der Kaiser hat seine Norsdlandsreise angetreten. Vorher hatte er in Potsdam noch zwei wichtige Handlungen zu vollziehen. Prinz Eitel Fritz, der zweite Sohn des Kaiserpaares, trat als Offizier dem Brauch gemäß beim ersten Garde­regiment in Potsdam ein und leistete den ersorder- lichen Eid. Nachher empfing der Kaiser die besondere Gesandtschaft desSultans vonMarokko, die sich ganz besonderer Auszeichnungen zu erfreuen hatte. Der Sultan von Marokko läßt um die Freundschaft des Deutschen Reiches bitten und hat durch seine Abgesandten vom Kaiser nunmehr die Zusicherung erhalten, daß Deutschland freundschaftliche Gesinnungen für Marokko hegt und die guten Be­ziehungen, die zwischen beiden Ländern bestehen, zu befestigen und zu entwickeln gesonnen ist. Frankreich muß sich eben den Appetit auf den guten Bissen Marokko noch für eine lange Weile vergehen lassen — vermuthlich sogar für immer.

Einiges Aufsehen hat die Thatsache hervor­gerufen, daß der zum zweiten Bürgermeister von Berlin gewählte Stadttath Kauffmann im kaiserlichen Zioilkabinet nicht bestätigt worden ist, und zwar namentlich deswegen, weil im Staats­ministerium augenscheinlich keine Zweifel an der Be­stätigung obgewaltet hatten. Herr Kauffmann ist ein radikaler Freisinniger. Man gibt als Grund für die Nichtbestätigung an, daß Herr Kauffmann nach den Vorschriften der Hofetikette nicht hoffähig sei, als Bürgermeister von Berlin aber hoffähig sein müsse. So müssen die Berliner Stadtverordneten von neuem zur Bürgermeisterwahl schreiten.

Ein recht kräftiges Beispiel für die schofele Gesinnung der Sozialdemokrat ie hat das

sogenannte Witzblatt dieser Partei geleistet, das sich „Der wahre Jakob" nennt. Die Heimkehr unserer Truppen aus Ostasien begrüßt dieses Blättchen mit einer Reimerei, deren Schluß folgenden Wortlaut hat: „Unsere Hunnen kehren wieder — Schlapp von Sengen, Brennen, Morden — Und' ne Viertelmilliarde — Sind wir dabei los geworden". Gemeiner sind deutsche Truppen noch niemals beschimpft worden. Hey mann heißt der Wackere, der das Blatt redigirt.

In Frankreich hät das Parlament nunmehr auch seine Sommerpause begonnen. Am 6. Juli find beide Häuser desselben geschloffen worden. Vor­her sind die neuen Steuergesetze erledigt worden. Außerdem ist aus den letzten parlamentarischen Vor­gängen als interessant ein Antrag des Abgeordneten Gaulret zu erwähnen, der unvermählten großjährigen Mädchen und geschiedenen Frauen das Wahlrecht für alle parlamentarischen Körperschaften zuwenden will. Der Antrag hat zunächst noch keine Erledigung ge­funden. Die Regierung hat indeffen versprochen, Berichte darüber einholen zu lassen, ob eine solche Neuerung empfehlenswerth sein würde. Was nicht ist, kann also noch werden.

Die liberale Partei in England krankt, wie der Liberaüsmus in allen Ländern, an einem schlimmen und unheilbaren Leiden, an dem Leiden der inneren Zersetzung. Die englische liberale Partei hat schon mehrfach den Abmarsch ganzer Flügel nach rechts erleben müssen. Diesmal handelt es sich um tiefe Meinungsverschiedenheiten wegen des südafri­kanischen Krieges, den die Mehrheit der Liberalen be­endet zu sehen wünscht ohne gewaltsame Unter­drückung der Buren, während die Minderheit mit ihren imperialistischen Ansichten ganz im Wasser des Herrn Chamberlain schwimmt. Am letzten Dienstag ist der Riß noch einmal mit vieler Mühe äußerlich verkleistert worden: Die Liberalen können tm Parla­mente über Kriegsangelegenheiten sprechen und stimmen, wie sie wollen. In Wirklichkeit hat also nichts stattgefunden, das irgendwie so aussähe wie eine wirkliche Ausgleichung der bestehenden scharfen Gegensätze.

Den Buren aber geht es so gut, wie es ihnen unter den obwaltenden Umständen nur gehen kann. Sie dringen immer weiter im Kaplande vor und sind genau das Gegentheil von dem, was man sonst als nutzlos zu bezeichnen pflegt. Die Engländer haben durch Lord Kitchener dem Burengeneral Botha Frieden und Amnestie anbieten lassen unter der Bedingung, daß die Buren die britische Ober­herrschaft anerkennen. Das aber haben die Buren abgelehnt: Sie wollen unabhängig bleiben oder sterben int Kampfe bis auf den letzten Mann. In der britischen Kapkolonie herrschen bereits so heillose Zustände, daß das Parlament des Kaplandes nicht mehr zusammentreten konnte, die britische Regierung vielmehr eine Diktatur ohne Parlament einführen mußte.

Im britischen Hause der Lords hat eine inte­ressante Auseinandersetzung stattgefunden über den Eid, den der König auf die Verfassung abzulegen hat. Es bestand bis jetzt noch die alte Formel aus der Zeit der erbitterten Kämpfe zwischen Protestanten und Katholiken, in denen diese Letzteren, wie bekannt, so fürchterlich und grausam bedrückt wurden, wie in keinem andern Lande der Welt. In dem Krönungseide nach der alten Formel kommt nämlich eine Stelle vor, in der gesagt ist, daß der Kronenträger die Anrufung der Jungfrau Maria und das heilige Meßopfer für abergläubisch und götzen­dienerisch erk'ärt und nicht an eine Verwandlung von Brot und Wein im Sakramente des Abend­mahls glaubt — wie man sieht, eine schnöde Ver­höhnung alles dessen, was den Katholiken heilig ist. Das Oberhaus setzte eine Kommission ein, dis die

Frage wegen der Ausmerzung dieser alten Forme prüfen sollte. Man ist indeffen noch nicht zu irgend! welchen Beschlüffen gelangt. Der anglikanische Erz­bischof von Canterbury beantragte, die Kommisfio- möge ihre Berathungen nochmals aufnehmen. Aden auch nicht einmal darüber konnte man zu einem Ber schluffe gelangen, und eS kann nichts beschämende- sein für das angeblich „freie" England, als dieses engherzige Feilschen um Dinge denkbar schlimmster Glaubensgehässigkeit!

Die Agitationsarbe t des Bundes der Landwirthe.

Der mißlichen Lage unserer Landwirthschaft kann die genossenschaftliche Selbsthilfe nicht mehr allein abhelfsn. Da muß die Staatspolitik mit eingreifen. Daher baden auch die Landwirthe einen stärkeren Einfluß auf di« Gesetzgebung zu gewinnen gesucht und sie müssen es jetzt um so mehr, als die Freihändler, diese Söhne der liberalen Fceihandelspoltlik, ihrer Matter, aus der sie geboren sind und die sie genährt hat, wieder dir alte unbeschränkte Herrschaft zurück- aew nnen wolle». Die katholischen Landwirthe sind hierbei der klugen, besonnenen Ver­tretung ihrer Standesinteressen durch das Centrum nach ihren bisherigen Er­fahrungen auch für die Zukunft gewiß, und die unermüdliche, praktische und hilfskräflige Arbeit der Centrumsfraktion lohnt das Vertrauen ihrer ländlichen Wähler bisher und auf die Dauer besser, als die Agttationsarbeit, auf welche es dem Bunde der Landwirthe hauptsächlich nur ankommt.

Agitation oder in der Sprache des Groß­pächters Ruprecht von Ransern, der die Gesster des Bundes in kalter, östlicher Wmternacht aus der Tiefe rief: „wir müssen schreien", ist nach § 2 der Satzungen der durchsichtige Zweck des Bundes der Landwirthe, der Agitation sollen die drei Mittel des Bundes dienen: Versammlungen, Einwirkung auf die Wahlen, Beeinflussung der Oeffentlichkeit durch die Presse (§ 3 des Statuts), und auf Agitationstauglich« kett ist auch in erster Linie das Organisations- Gerippe geprüft, das der BundeSgeist sich aebavt und unter der Zauberkraft seiner Wünsche in kurzer Frist mit Haut und Fleisch umgebe« hat. In jede preußische Provinz, in jeden Bundesstaat, in jeden Reichstags Wahlkreis und in jeden Bezirk eines solchen reckt der tausend- fingerige Bund ein Glied, auch wenn daselbst die Interessenvertretung der Landwirthschaft i« wirthschaftlicher und politische? Beziehung besser bestellt ist, als der Bund sie bestellen kann, Eine derartige schrankenlose, aufdringliche und fast gewaltsame Agitation geht auf ein bedenk­liches Maß selbstgefälligen Unfthlbarkeitsglanbens in wirthschaftspolttischen Dingen zurück. Ihr Schaden für die gute Suche des Bauernstandes lag oft genug so klar zu Tage, daß sie vom landwirthschaftlichen Standpunkte aus unbe­greiflich erschien, selbst von Bundesfceunden ge­tadelt wurde und es den Anschein erwecken mußte, eS werde nur agitirt um der Agitation willen. Das ist ein Symptom volitischer Krankheit. Der westfälische Bauernverein hat darum mit Recht dem Bund die Thüre ge-

In der Sommerfrische.

Humoreske von P. Saget.

Frau Wittw? Humpelmeier befand sich mit 'ihrer Tochter Amanöa seit mehreren Wochen in der Sommerfrische. Schon zehn Jahre lang pflegten die Beiden im Sommer ihren Aufenthalt am Rhein zu nehmen; theils um dem „guten Ton" zu genügen, der die Sommerfrische für eine unbedingte Norhwer-digkeit hält, theils um nach einer — angemessenen Parthie für Amanda Ausschau zu halten, da sich für das schon etwas alternde „Kind" in dem Heimathstädtchen nichts „Paffendes" finden ließ. Amanda, eine lang- geschoffene Blondine mit un verkenn barer Anlage zur Schwärmerei sehnte fich nach einem liebenden Herzen, das ihr „Stütze und Stab" auf dem Lebenswege fein konnte uns wollte, aber jedes mal kehrte fie mit ihrer Mutter in stiller Be- trübniß heim aus der Sommerfrische, da der „Rechte" fich ihr noch nicht gezeigt hatte.

Endlich sollte ein „Hoffnungsstern" für sie aufgehen. An einem schönen Sommertage, als Amanda im Siebengebirge herumradelte, h^tle ste da» Unglück, mit ihrem Stahlroß zu stürz?», yn demselben Augenblick, in welchem sie zu Fall ram erschien auf dem Wege ein Radfahrer, der ote Dams in ihrer Bedrängniß sah und ihr be- « Egst Hisse leistete. Amanda schaute ihm wtl dankbarem Blick in die vertrauen rw-ckenden ««gen, und sofort fühlte sie sich von Amors Psetl tn ihr ltebebedürftiges Herz getroffen. Frau Humpelmeier drückte bewegt die H?rd des Retters ^tet Tochter und lud ihn zu einer Pfüsichbowle

ein. Der Rrdler nahm dre Einladung gerne an: denn einer seiner Grundsätze lautete, drm Guten und Angenehmen nie aus dem Wege zu gehen. Gemüthltch plaudernd saßen die Drei bald aus der Veranoa des gastlichen Heimes, das Frau Humpelmeier und Tochter im „deutschen Nizza" gefunotn hatten. Herr Grünbach, der sich als „Kölner Kind" vorgestellt, erwies sich als ein äußerst liebens würdiger Gesellschafter. Die beiden Damen dachten im Süllen bei fich, daß er der rechte Mann sei, ein vorzüglich r Gatte und trefflicher Schwiegersohn zu werden. Wie schade, daß er schon am Abend nach Köln zurückmußte! Aber Herr Grünbach gab beim Abschiede das Versprechen, am nächsten Sonntag wieder zu komm m.

„E'm prächtiger Mann," meinte Frau Humpel- m-.er, als er auf seinem Rade daoonfuhr, und manda sang den ganzm Abend leise vor fich hra: „Glücklich allein ist die Seele, die liebt." Die gonzs Woche hindurch träumte fie nur von dem Wiedersehen, und als Herr Grünbach Sonn- tags wirklich wiederkam, begrüßte sie ihn mit einem herzlichen Willkommen. Ach, waren das elige Stunden für sie, die sie an diesem Tage in der Gesellschaft des ft leien Kölners verlebte: Wenn fie nur die Stunden zu Tagen, zu Mo­nate», zu Jahren hätte machen köniien! Leider ging das nicht. Der Tag war eben nur ein Tag, und Abends entführte das Stahlroß wieder den trefflichen Mann. Warum war es doch nicht all? Tage Sonntag, und warum mußte Herr Grünbach eine ganze Woche in Köln bleiben?

Amanda führte jetzt stets eifrige Gespräche

mit ihrer Mutter wegen der Aursteuer; denn das war ja sicher, daß der Augenblick der offi- Stellen Lieoeserklmung seitens des Herrn Grün­bach nahe bevorstand. Beide malten sich das Glück d r Zukunft in den glänzendsten Farben aus. „Herr Grünbach," sagte Frau Hmrrpel- meier, „ist ein feingebildeter Mann, er wird ge­rn ß ein Doktor, ein Regirrungsrath oder so etwas Lehnliches sein. Kind, welch ein Glück, daß Du mit dem Rade gestürzt bist!" Amanda nickte selig lächelnd und bemerkte, „jetzt bin ich ge­rechtfertigt, Mama; denn Du wirft mir darin ^stimmen, daß das Radfahren ein vorzüglicher

Bei dem vierten SonntagSbesuch des Herrn Grünbach trat das ein, was Amandas ahnungs­volle Seele als fiher erwartet hatte. Der tSele Kölner erschien diesmal per Wagen und in tadellosem schwarzen Gcsellschaftsanzuge mit malerisch über die Schulter geworfenem Sommer­mantel. Frau Humpelmeier hatte einen Extra- äffee bestellt und Herr Grünbach schlug eine Fahrt ins Gebirge rach dem idyllisch gelegenen ^eisterbach vor. Amanda strahlte vor Wonne. Ihr Herz pochte in schnelleren Schlägen; sie üdlte es, daß der Augenblick der Entscheidung nahte. Als glückliche Braut mußte sie Abends nach Hones zurückkehren. Wie staunten morgen oder übermorgen die Freunde und Bekannten in dem Heimathstädtchen, wenn sie dir Verlobungs­anzeige lasen.

Herr Grünbach war die Liebenswürdigkeit selbst; alle Augenblicke hatten die Damen eine neue Aufmerksamkeit von seiner Seite zu be­

wundern. Er kaufte Ansichtspostkarten, zierliche Blumensträußchen für Amanda und ihre Mutter, deklamirte Liebesgedichte und fang Lieder, dabei verstohlen Amandas Hände drückend und einen zärtlichen Blick mit ihr austaufchend. AIS in Heisterbach der alte Klosterpark besichtigt wurde, und Frau Humpelmeier, Müdigkeit vorschützend, auf eine Bank sich niederließ und zurückblieb, dachte Grünbach mit Schillers Tell: „Hier vollend' ich's, die Gelegenheit ist günstig", und wo die hohen Buchen an dem ehemaligen Fisch­teiche der Abtei st-hen, wo feierliche Stille herrscht, ergriff er plötzlich AmandaS beide Hände und sagte ihr, daß sie das Glück seines Lebens werden müßte. Sie lauschte Himmel- hochjauchzend seiner stürmischen Werbung, aut- wartete mit einem reizenden Augenaufschlag und einem jungfräulichen ..Ja", woraus bann beide mit einem innigen Kusse den geschloffenen HerzenSbund besiegelten. Hand in Hand kehrten sie zur Frau Humpelmeier zurück. Diese erhob ich mit jugendlicher Elastizität und ging freude- Zahlend dem Paare entgegen. „Kinder", sagte re, während eine Thräne der Rührung in ihren Augen glänzte, „das ist der schönste Tag meines Lebens. Werdet glücklich, recht glücklich mit- einander!"

„Das wollen wir werden, nicht wahr?" lötete Amanda, sich an den gewonnenen Bräu­tigam anschmiegend.

„Gewtß, gewiß!" versicherte Grünbach, „und die liebe Mama solls auch werden."

Abends wurde die Verlobung mit einer extra feinen Pfirstchbowle gefeiert und die Absendung