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28. Jahrgang.

Isuköa, DimStag, dm 9. Juli 1901.

(Nachdruck verboten.)

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Die Namensschwestern.

Frei nach dem Englische» von Klara Rheinau.

wie die Besorgniß hervor, daß der Zerfall der alten liberalen Partei der Anfang vom Ende aller alten englischen Parteiverhältnisse sein, und daß der Zusammenbruch der großen konservativen Partei dem Bankrotte der Liberalen nachfolgen werde. Lord SaliSbmy hat augenscheinlich Be­sorgniß vor dem Ueberwuchern der Elemente vom Schlage Chamberlain's. Derlei kann nicht von langen Dauer sein, weil es unmenschlich, ungesund und also unhaltbar ist. Und darum gerade ist diese Kundgebung deS alten britisch n Staatsmannes und konservativen Führers so außerordentlich bemerkenswerth. Der Zerfall der Liberalen aber geht nicht nur diese selbst an, sondern ist möglicherweise der Anstoß zu einer Umbildung des ganzen englischen ParteilebenS von Grund aus.

raglrch, «i. Ausnahme der Sonn- und Feier­tage. Biertesiährl. K,rüg,preis vhneBringerlohn gnb Bestellgeld in Sulda und aus« Laris 1M.S0 Pf.

Der konservative,Reichsbote' rühmt die natio­nale Treue und die milde und menschliche Ge­sinnung de» Verstorbenen. Die ,Berl. Neuesten Nachrichten' schreiben u. A.:

„Fürst Chlodwig zu Hohenlohe war hervor­ragend dazu berufe«, an der Einigung Deutsch­lands mitzuarbeiten ... Er ist nacheinander ein unverbrüchlich treuer Diener der Kronen Bayern und Preußen gewesen, aber mit dem alten Rerchs- sreiherrn von Stein und im höhern Wortfinn als dieser konnte er das stolze Wort sprechen: Ich habe nur ein Vaterland, und das ist Deutschland."

In sein Prioatleben, so meint auch die-natio­nalliberale ,Nattcnal-Zeitung', folgte ihm nur die allgemeine Anerkennung seiner durch viele Jahr­zehnte reichende» Verdienste um die nationale Sache und die gerechte Würdigung des Opfers, i das er dem Vaterlande noch als Greis durch die Uebernahme und ruh'ge Führung des Reichr- kanzleramtes brachte.

[] Die englischen Liberalen.

Als Gladstone mit seinem Homerule, mit seinem Heimrecht für Irland auf den Plan trat, erfolgte der erste Abmarsch aus dem Lager der britischen Liberalen nach rechts. Jetzt steht die englische liberale Partei vor einer zweiten schweren Krise, und das hat der Krieg in Südafrika mit seinen wüsten Ausschreitungen gethan. Ein großer liberaler Parteitag, der vor etwa sechs Wochen in Bradford abgehalten wurde, hat das Vor­handensein der herrschenden Krise offenbar ge­macht. Es kam zwar noch einmal zu einem EinigungSdeschlusse dabei; aber auch politische Kruder konnten diesem Beschluffe ansehen, daß । er nur Sand in die Augen der Welt sein, daß er der letzte schüchterne Versuch sein sollte, den klaffenden R ß noch einmal oberflächlich zu ver­kleistern.

Vor fünfzehn Jahren schieden 75 liberale Parlarmntsmttglieder aus drr großen liberalen Partei aus. Sie bildeten eine besondere Gruppe, die sogenannten liberalen Unionisten. Ihren Namen führten sie deswegen, weil sie im Gegen­sätze zu den Gladstoneanern die Einheit, die | Union der drei vereinigten Königreiche England, Schottland und Irland auf jeden Fall aufrecht erhalten wollten. Zu ihnen gehörte auch Herr Chamberlain, jetzt britischer Kolonialminister. I Er, der ehedem ein Mitglied der radikalen Gruppe war und sich angestellt hatte als Einer, der nur für soziale Reform lebe und stürbe, fühlte schon damals den „imperialistischen" Zug in seinem Herzen, der nach und nach so vollkommen seiner Herr wurde, daß von dem ehedem radikalen, nachher liberalen Manne auch nicht eine Spur übrig blieb und die hervorstechendste Figur derer aus ihm wurde, die heute das Gegentheil von oem ausmachen, was man sonst als Liberalismus zu sehen gewohnt ist. Gerade die Politik des Greater Britain, des größer« Britanniens, die imperialistische Eroberungs- und Beutepolitik, die ohne Rücksicht auf Kriegesgreuel und vergossenes Menschenblut nur daS eine Ziel der Vergrößerung und Bereicherung des Mutterlandes im Auge hat, hat in dem ehemaligen Radikalen und

erlaube, sie anzureden. Da legte sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter, und eine heitere Stimme rief: „Bist Du es wirklich, alter Junge? Ich traute mein«« Augen kaum, als ich Dich so urplötzlich vor mir auftauchen sah. Was führt Dich hierher in die belgische Hauptstadt?"

Etwa» zerstreut blickte der Angeredete auf und in das Gesicht seines Jugend- und Studienfreundes Elliot, den er seit fünfzehn Jahren nicht mehr ge­sehen hatte. Beide freuten sich herzlich des uner­warteten Wiedersehens, und Morgan will'gte gerne ein, den Freund nach Hause zu begleiten, um befielt Gattin kennen zu lernen.

In gemüthlichem Geplauder vergingen rasch einige Stunden. Georg Elliot frischte alte Jugend­erinnerungen auf und erzählte dann, daß er seit nun sechs Jahren die Stelle eines Professors der englischen Sprache in einem Knabeninstitut be­kleide und sich sehr wohl in seinen gegenwärtigen Verhältnissen fühle.

„Und Du, alter Freund," schloß er seinen Bericht, „wat hast Du bisher getrieben? Ist es Dir gelungen, Dein Glück zu machen?"

„Nicht im Geringsten," lachte der Andere. Mein Beruf al» Ingenieur ist schlecht geeignet, Schätze zu sammeln."

„Also nicht verheirathet?"

„Bewahre, dazu wollte es bis jetzt nicht reichen. Im Augenblick bin ich ohne Stelle, und da ich keine besondere Lust verspürte, nach England zu­rückzukehren, kam ich in diese Gegend. Ich habe Empfehlungsbriefe an einen Herrn Colville hier, der mir vielleicht neue Arbeit zuweisen kann."

„Also warst Du eine Zeit lang im Auslande?"

Die sterblichen Ueberreste des ehemaligen 'Reichskanzlers Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe- - Schillingsfürst werden in dem Erbbegräbnisse des Schlosses Schillingsfürst beigesetzt Werden. Die Uebersührung derselbe» von Ragatz nach .Schillingsfürst erfolgt an diesem Dienstag. Trotz der körperlichen Beschwerden, die der Verstorbene «ährend und nach der Reise von Paris nach Ragatz empfand, hatte doch niemand aus seiner Umgebung verrauchet, daß der Tod so bald ein­treten werde. Die Athembrschwerden, die den Fürsten bedrückten, hatten sogar nachgelassen, so daß er sich am Freitag verhältmßmäßig wohl fühlte. Samstag früh fand dann der Kammerdiener feinen Herrn zu aller Ueber- raschung als Leiche vor. In Folge einer Herz- lähmung, so lautete das ärztliche Urtheil, war er sanft entschlafen.

ES ist ein gutes Zeugniß für den Verewigten vnd seine politische Tüchtigkeit sowie persönliche Beliebtheit, daß auch die Pariser Zeitungen ihm sehr warm gehaltene Nachrufe widmen. Fürst Hohenlohe, der bekanntlich durch eine Reihe von Jahren deutscher Botschafter in Paris war, hatte sich dort in weiten Kreisen aufrichtige Sympathien erworben; und ohne Zweifel ist es auch seinem Wirken mit zu verdanken, daß die Stimmung zwischen Paris und Berlin allmählich | eine weniger schroffe zu werden begann. Fast alljährlich stattete seitdem der Fürst der franzö­sischen Hauptstadt einen Besuch ab, und so auch in diesem Jahre, bevor er zu seinem Sohne nach Colmar und alsdann nach Ragatz reiste. Ganz besonders hebt in seinem Nachrufe der Pariser.TempS' hervor, daß Fürst Hohenlohe als Statthalter von Elsaß-Lothringen denselben friedliebenden und versöhnlichen Geist bekundet habe, wie auf dem Pariser Botschafterposten. Kaiser Wilhelm und alle anderen deutschen Bundesfürsten haben der Familie unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Todes des Fürsten auf dem Drahtwege ihr innigstes Beileid aus­gesprochen. Fürst' zu Hohenlohe-Schillingsfürst ist nunmehr der älteste Sohn des Entschlafenen, 'bisher Prinz Philipp Ernst.

Nur einige demokratische Zeitungen haben in ihren Nachrufen tadelnde Kritik für den Fürsten Hohenlohe und für seine Thätigkeit als Reichs­kanzler. Alle übrigen deutschen Blätter stimmen vollkommen überein in Aeußerungen der Aner- Mmung und der Dankbarkeit; und namentlich ein Zug geht durch alle, diese Aeußerungen der Presse hindurch: die Hervorhebung der großen Verdienste, die Fürst Hohenlohe um die Gründung des neuen deutschen Reiches sich erworben hatte. So läßt sich die ,Deutsche Tageszeitung' de» Bundes der Landwirthe vernehmen:

„Es ist heute noch nicht angebracht, das Facit des Lebens zu ziehen, das jetzt beendet ist ... . Das können wir aber schon heute sagen, daß Fürst Hohenlohe damals (als bayerischer Minister) in einer mnthigen und entschlossenen Weise da» Panier de» noch nicht gegründeten deutschen Reiche« hoch­hielt. Dieses Eintreten hat viel dazu beigetragen, die Bahnen für die Zukunft z» ebnen. Das fei

O Zum Tode des Fürsten Hohenlohe.

««SMSSSS—W

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„Und dies Geld gibt ihnen das Recht, unver­schämt zu fein, wie mir scheint," bemerkte der Engländer, aus seiner gewohnten Zurückhaltung aufgerüttelt.

Der Pförtner zuckte die Achsel: „Was läßt sich da thun, Monsieur, sie bezahlen fürstlich. Zwei schwarze Diener führen sie mit sich und be­nehmen sich gerade, wie in ihrem eigenen Lande, wo ihnen vermuthlich Alles zu Gebote steht."

Mit diesen Worten eilte der Pförtner weg, und auch Richard Morgan begab sich trotz Sturm und Regen auf dir Straße hinaus, um bei einem kleinen Spaziergange seine Entrüstung über des brasilianischen Millionär» hochmüthiges Gebühren niederzukämpfen und bei der angenehmen Erinne­rung an da» süße traurige Gesichtchen zu ver­weilen, das er sehnlichst wieder zu sehen wünschte. Schon der nächste Tag sollte seinen Wunsch er­füllen. Bei herrlichem Wetter ging er auf den belebten Boulevard» spazieren und bemerkte plötz­lich seine junge Bekannte von gestern, die in Be­gleitung einer ältern Dame ihm gerade entgegen kam. Er fühlte sich merkwürdig befriedigt, al» bei seinem ehrerbietigen Gruße eine Helle Röthe da» liebliche Antlitz übergoß und ein sonniges Lächeln die feinen Züge verklärte. Al« sie vor­über war, blieb er eine» Augenblick unentschlossen Oehen, ernstlich überlegend, ob die gute Sitte ihm

ihm unvergessen, und dieser Lorbeer soll ans sein Grab gelegt werben."

Gladestone-Manne Chamberlain ihren ersten Ver­treter gefunden; und gerade dieser „Imperialis­mus" ist es, der unter der Führung desselben Charnberlach von neuem einen Abmarsch aus dem Hauptlager der englischen Liberalen veranlaßt.

Und dennoch darf man nicht annehmen, daß die Krise gänzlich und vollständig auf der Meinungsverschiedenheit in der südafrikanischen Frage beruhe. Die Krise steckt tiefer und ist Litern Ursprunges. Immer von neuem ist sie während der letzten fünf oder sechs Jahre er­kenntlich an äußeren Anzeichen gewesen. Es bandelte sich angeblich immer nur um persönliche Abweichungen einzelner liberaler Parlamentarier, wie des Lords Rosebery, Hareonrt's, des Lord At q itth oder Campbell Bannermann's. In Wahr- heit aber ist die alte liberale Partei längst schon nicht mehr vorhanden. Dieselbe ist vielmehr seit lavMr Zeit schon bis in das Innerste ihres W^enS hinein geklüftet durch Verschiedenheiten der Grundsätze — mit einem Worte auch in Großbritannien kracht das morsch gewordene Ge­bäude des alten Liberalismus in allen Fugen.

Deutsches Deich»

Berlin, den 8. Juli

X Inr Mahk imWatzkÜr-is-Duisvnrs- Msilheim. Der Rath eines Posener PolenblatteS vorn radikalen Flügel, der ,Praca', die Polen im Wahlkreise Duisburg - Mülheim möchten einen eigenen Kandidaten aufstellen, um „dem Centrum das Messer an die Kehle zu setzen" und durch »as Centrum die Abhaltung polnischer Gottes­dienste zu erzwingen, wird auch im Lager der Polen selbst gemißbilligt, und zwar genau in l emselben Sinne, in dem dies bereits vor einigen Tagen an dieser Stelle geschehen ist. So räth »er,KuryerPoznanski' ganz entschieden von der ?lufsteltungeiner besonder«Polen-Kan« didatur ab und schreibt u. A. Folgendes: „Die Vermehrung der polnischen Predigten ist eine rein irchliche Angelegenheit, die CentrumS- partei als solche hat damit nichts zu thun. Die Ausstellung eines eigenen polnischen Kandidaten n Duisburg-Mülheim wäre, abgesehen von allem Andern, sehr verkehrt." Der .Kuryer Poznanski' pflegt in solchen Dingen die Ansichten wiederzu- leben, die im Hause des Herrn Erzbischofs von Pofen-Gnesen als die richtigen angesehen werden. Hoffentlich verschließen die Polen im Duisburger Wahlkreise nicht ihr Ohr dieser wohlgemeinten Warnung. Es würde nur ihr eigener Nachtheil sein, w.n i sie der Verhetzung der.Praca' erliegen wollten.

+ Bürgermeister Kauklmanu in Ker- litt ist nicht bestätigt. Die kurze Nachricht haben wir bereits gebracht. Nach langer Qual war die Wahl der Stadt Berlin zum zweiten Bürgermeister auf den Sbüdtrath Kauffmann gefallen. Die Wahl erfolgte am 25. April. Außer ihm war der Syndikus Dr. Dove in Betracht gekommen. Herr Kauffmann erhielt 67, Herr Dc. Dove 59 Stimmen. Diese letzteren gehörten den mehr gemäßigten Ele« menten des B-rliner Freisinns an, die vorher beschlossen hotten, für den Syndikus Meubrink eirzutreten, sich aber nachher auf Dr. Dove vereinigten, ta Meubrink die Kandidatur ab« lehnte und sich außerdem auch zum Oberver­waltungsgerichte anmeldete. Nach der Bürger­meisterwahl kam die Krise im preußischen Staatsministerium, von der bekanntlich auch das Ministerium deS Innern betroffen wurde. W.-nn

Richard Morgan vernahm die» mit heimliche« Frohlocken, fragte aber kühl: „Hat sie ihren Wohnsitz in Brüssel?"

„Vorläufig, ja. Sie ist halb Pensionärin, halb Gouvernante bei einer Dame, die wir sehr gut kennen, der Vorsteherin einer unserer vor­nehmsten englischen Schulen. Da» arme Mädchen . ist recht zu bedauern."

,.Zu bedauern? warum?"

„Weil ihre Lage eine sehr traurige ist. Ihr Vater war ein Künstler — Engländer natürlich ein fein gebildeter, ein sehr begabter Mann, wie ich hörte. Er muß sehr viel Geld verdient haben. Er besaß nur dies eine Kind und hatte ein hübsche« Sümmchen für sie zurückgelegt, al« er durch eine verkehrte Spekulation sein ganze« Vermögen verlor. Dieser Schlag traf ihn ver« gangenen Juli, als seine Gesundheit ohnehin nicht die beste war. Ein heftige« Fieber erfaßte ihn, und nach Verlauf einer Woche war er tobt.'

„Seine Tochter ganz mittellos zurücklafsend?

„Nahezu wenigstens; sie hatte nichts al« einige tausend Franken, die man ihrem Vater , noch schuldete. Ich weiß nicht, was ans dem > armen Kind geworden wäre, wenn Frl. Osborns, die bereits erwähnte Dame, sich ihrer nicht an­genommen hätte. Die Forrest's stammten au« l einer guten Familie au« Devonshire, haben aber keine näheren Verwandten. Wo lerntest Du Fräu­lein Forrest kennen?'

Richard Morgan erzählte hierauf die Ge- schichte de« vergangenen Abend«, erwähnte ttlec seine eigene Rolle bet den häßlichen Vorgängen nur kurz. Aber der Freund erriech doch, was er

DaS alte Haus ruht nur noch auf den Stützen ; der Ueberlieferung und der Gewohnheit; der । Grund ist unterwühlt, und vor einem einzigen 1 mach'vollen Stoße muß es in Trümmern zu- ämmenstürzen.

An diesem Dienstag wird vermuthlich die Entscheidung fallen, oder allermindestens vorbe­reitet werden. Beide Richtungen der Liberalen ,allen für den Abend dieses Tages Zusammen­künfte veranstaltet, so daß jede Gruppe ihre Mannen dabei zählen kann. Die Führer der ileralen „Imperialisten" sind namentlich Lord Asquith, Lord Brassey, Griy, Fowler, Treoelyan; die Gegner der Kriegspolrtik marschiren unter »em Kommando von Harcourt, Morley, Labuchöre und Anderen. Campbell - Bannermann möchte noch in letzter Stunde ein neues Kompromiß zwischen den feindlichen Brüdern zu Stande »ringen. Aber er hat sehr schlechte Aussichten auf Erfolg, und die große Wahrscheinlichkeit ist die, daß am Dienstag eia starkes Drittel der gegenwärtigen liberalen Partei von dieser ab» schwenkt und unter der Führung von Lord Asquith die neue Parteigruppe der liberalen Imperialisten bildet. Sogar Sir Henry Campbell-Bannermann, der der Führer der zurückbleibenden Rumpfpartei werden würde, hat es nothwendig gehalten, die Orffentlichkeit auf die Möglichkeit der Spaltung aufmerksam zu machen: in Southampton hat er vor einigen Tagen in einer Versammlung ge­äußert, es nütze nichts, die kritische Lage der Partei zu bemänteln; es erscheine jetzt fast un- möglich, die Einigkeit der Partei aufrecht zu er­halten.

Man sollte meinen, bei den britischen Konser­vativen herrsche Helle Freude Über diesen neuen Zwiespalt im liberalen Parteilager. Nun, di« Neukonservativen von dem Schlage der Chamber­lain und Genossen mögen ja nur und ausschließ­lich Freude darüber empfinden. Aber die Konser­vativen vom alten Schlage, die Männer von den Ge­sinnungen des Ministerpräfidenten Lord Salts- bury denken anders darüber. Lord Salisbury hat das ganz unumwunden vor einigen Tagen in einer Rede ausgesprochen, die starkes Aufsehen heroorgerufen hat. Aus ihr blickte so etwas

„Fünf Jahre in Holland. Dort gibt es ja in meiner Branche stet« viel zu thun, wie Du weißt. In letzter Zeit beschäftigten mich die neuen Pläne für die Zuyder See, und ich glaubte wirklich, einmal etwa« von Dauer gefunden zu haben."

„Und warum war es nicht so?"

„Hm, da« läßt sich schwer erklären. Au unserem Bureau gingen Dinge vor, die durchaus, nicht nach meinem Sinns waren, genau wie au: meiner ersten Stelle in Liverpool, die ich damals voll Widerwillen aufgab. Ich kann eben durchaus nicht einsehen, daß jedes Mittel erlaubt sein soll, um schnell reich zu werden. Aber es scheint, meine Ansichten find veraltet, wenigsten» stehen sie mir Überall im Wege."

„Herr Colville hat einen guten Ruf", ent­gegnete Elliot. „Ich glaube nicht, daß Du in dieser Hinsicht etwa« bei ihm zu befürchten hättest. Also, mein lieber Freund, werde ich Dich nun für die nächste Zeit al« hier ansässig betrachten und Dich, wenn Du es wünschest, mit einigen Familien unserer englischen Kolonie bekannt machen. Du wirst eine Menge Landsleute hier finden."

„Ah, ich sah heute Morgen eine Engländerin", begann Richard Morgan mit einem bei ihm un­gewöhnlichen Eifer, brach aber dann ärgerlich über sein eigene« Ungestüm kurz ab, und fügte mit ge­machter Gleichgiltigkeit bet: „es war eine ganz hübsche junge Dame in Schwarz; sie tarn gerade an mir vorüber, al« Du mich einholtest. Weißt Du vielleicht, wer sie ist?"

„Ah, ich erinnere mich, D» mußt Frl. Forrest meinen. Sie ist mit meiner Fra» nahe be­freundet."

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