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JuLöa, Montag, den 8. Juli 1901.
28. Jahrgang.
tragen, um die man. den Bauern in den heißen
fte dem Erzherzog mit
dem Peitschenstiele auf die Achsel und sagte:
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Gestaltung, die der ungarische Bauernstand im raufe der verfioffenen Jahrhunderte durchgemacht at, blieb nicht auf Aeußerlichkeiten beschränkt.
alt seine- Gleichen und behandelt ihn darnach. Als sich der verstorbene Erzherzog Albrecht ein. mal mit einem Adjutanten von einem Bauern« kutscher durch ein Dorf fahren ließ, deffen Be«
___"_______________| lehen von einer Viertelmillion Gulden baar gab, Juli« und Augusttageu beneiden kann. Die Um-1 dabei aber in so einfacher Kleidung umher ging, daß er einmal als Landstreicher verhaftet und in das Szegediner Gefängniß geführt wurde.
Der da!" Einem anderen Mitgliede des
Herrscherhauses, dem Erzherzoge Joseph, bot einmal ei« Bauer eine Pfeife „Jungferntabak"
an, d. h. solchen Tabak, der im Tabakmonopol- laado Ungarn hinter dem Rücken der Finanzbehörde gebaut und zubereitet wurde, und sagte dazu: „Aber erzählen Sie es um HimmelSwillen nicht Ihrem Schwager in Wien (dem Könige), sonst muß ich Strafe zahlen!" MitZ seinem deutschen „Schwager" verträgt sich der Ungar aus dem Volke sehr gut, er hegt sogar eine gewiffr Achtung vor ihm und gibt zu, daß^der Deutsche ihm vielfach überlegen sei.
noch heute hört man im Vorsaale des Magnaten- Hauses fast ebenso viel deutsche als ungarische Worte. Der niedere Ndel, der in Ungarn sehr groß ist — gibt e« doch Dörfer, in denen jeder Einwohner bi« auf den letzten Schweinehirten stolz auf seinen Adelsbrief ist — und der im staatlichen und politischen Leben de» Lande« eine führende Rolle spielt, hat sich etwa« reiner erhalten, aber auch hier kommen in den Stammtafeln der einzelnen Familien viele fremdklingen- den Namen vor. Im Bürgerstand ist da« magyarische Element verhältnißmäßig am geringsten, denn die Bewohner der großen, reinmagyarischen Bauernstädte können kaum zum Bürgerstande gezählt werden; sie find Bauern, die zufällig in größerer Zahl beieinander wohnen. Gan reiner Raffe ist nur der ungarische Bauer.
E« ist nicht leicht, in da» Herz de» ungarischen Bauern Hinein zu blicken. Er ist verschloffen, schweigsam und mißtrauisch ; den Fremden gegenüber kehrt er gern auch seinen Nationalstolz hervor. Der tief melancholische Grundzng de» ungarischen Volk-charakter« trägt gleichfalls dazu bei, daß der ungarische Bauer unzugänglich und wenig mittheilsam ist. Die Demuth und Unterwürfigkeit, die man bei den niederen Klaffen vieler halbgebildeter Völker antreffen kann, fehlt bei ihm vollständig, seine etwa« verschrobene Denkart läßt sich schwer verfolgen, er lebt in einer ganz eigenen Welt. Wie die Laudleute überall, so liebt auc> der ungarische Bauer da» Althergebrachte. Ge z und Habgier ist im ungarischen Bauern weich ausgebildet, eher könnte man ihm den Vorwur machen, daß er mit dem Geld« zu verschwenderis« umgehe und auf Putz und Zterrath zu große« Gewicht lege. Besonders in der neueren Zeit nimmt dieser Fehler stark überhand. In der ersten Hälfte des verflossenen Jahrhundert« war die Kleidung selbst bet den wohlhabenden Bauern äußerst einfach. Im Winter trugen sie au« Schaffell angesertigte Hosen und ärmellose Röck« au» demselben Stoff, im Sommer bestand ihre Trach au» einem ganz kurzen, groben Leinwandkittel. Jetzt sind die Verhältnisse andere geworden. Erst gab man den kurzen Hemdkittel auf, der in den sechziger Jahren schon ganz verschwunden war. Heute ist die ^mS dunkelblauem Tuche verfertigte, verschnürte und mit »roße« Metall- knöpfen versehene Kleidung mit den enganliegen- »en, in hohen Stiefeln steckenden Hosen allgemein üblich, im Sommer werden jedoch noch immer oie bequemen, weite« Leinwandhose» ge-
wolle da» bleiben. Auch für seine Kinder könne er die Adelsverleihung nicht für erwünscht erachten. Seine beiden Töchter würden, wenn sie unverheirathet ’ »lieben, bei ihren geringen Mitteln voraussichtlich Peine Vortheile von dem Adelsprädikat haben, zuveilen wohl auch Unannehmlichkeiten. Heiratheten sie, o ginge ihr Name doch in den Rainen ihres Mannes auf, und sein einziger Sohn habe daS große Glück gehabt, im Gardefüsilierregiment Offizier zu werden. Er wisse, daß sein Sohn stolz darauf sei und eine Adelsverleihung nicht wünsche. Dieses Gespräch berichtete Fürst Bismarck dem Kaiser, der über die Geradsinnigkeit erfreut war, aber doch entgegnete: „Der Sohn kann er doch brauchen". Völlig überraschend sowohl für Falk als für den Sohn erfolgte alsdann die Kabinetsordre, die dem Sohn den Adel verlieh. ES wurde dann bei dem Sohn angefragt, wie er die Adelsurkunde wünsche, ob einfache kostenlose Anerkennung oder ein mehr oder minder kostbares Diplom. Der Sohn erbat die einfache Anerkennung und reichte den Entwurf eines Wappens ein, in dem ein auffliegender Falke, die deutschen Farbe» und die preußischen Adlerflügel enthalten waren. Am Weihnachtsabend 1879 sandte ihm der Kaiser daS Diplom in kostbarer Ausführung als Geschenk.
* Seelenmörder in Paris. Die Franziskanerinnen des Klosters in der Rue de la Sänke zu Paris erziehen arme Mädchen. Unter ihren Zöglingen befand sich die jetzt fünfzehnjährige Lueie Leovar, eine Waise. Lucie hat eine ältere Schwester Adele, deren Besuche von bett Nonnen nicht gern gesehen wurden, weil diese Adele für leichtfertig galt. Die Nonnen pflegen ihre Schutzbefohlenen jeden Morgen um halb sechs Uhr in eine gegenüber liegende Kapelle zu führe». Als die jugendliche Schar gestern über die Straße ging, stieg Adele aus einem Fiaker, näherte fich ihrer Schwester und sagte, fte sei gekommen, um von ihr Abschied zu nehmen, sie reise ab. Plaudernd führte sie Lucie bis zum Fiaker, und hier wurde die Klosterschülerin von vier kräftigen Händen, welche Arbeitern zu gehören schienen, hineingehoben. Adele sprang nach, und der Fiicker fuhr davon.
• Einsichtsvoll. Kannibalen - Häuptling: „Da nützt teilt Reden, Fremdling! Gefressen wirst Du. Aber damit Du siehst, daß Du es nicht mit Unmenschen zu thnn hast, gebe ich Dir zwei Stunden Zeit, die Du benützen kannst, um Deinen Freunden im Lande der Weißen — „Ansichtskarten" zu senden."
. i, * Ludwig XIV. als Dichter. Ludwig XIV. zeigte Boileau Verse von seiner eigenen Komposition und befragt ihn um seiner Ansicht über dieselb»». „Sire, "entgegnete Boileau, „Ihrer Majestät ist nichts unmögl'ch. Sie versuchten es, schlechte Verse zu machen, und der Versuch ist meisterhaft gelungen." —
• Zwangslage. Erster Prüfungskommissär (während weibliche Kandidatinen geprüft werden leise zum zweiten): „Diese reizende Kandidatin kann man doch unmöglich durchfallen lassen ... I" — Zweiter Kommissär: „Und die andere, häßliche . . .?" — Erster Kommissär: „Die noch weniger^— sonst kommt daS Scheusal noch einmal . . ."
* Abgerissen. Bummler (zu seinem Kollegen): „Aber Mensch, Du siehst ja aus wie ein Abreißkalender am 31. Dezember."
kämen in zweiter > Linie, während nicht geleugnet werden könne, daß die englische Maschine am schlimmsten nieder gebrochen sei; es fei aber zu hoffen, daß mit der Zeit auch die englischen Bauer ebenso gute Maschinen bauen lernten wie die Franzosen und Deutschen. Die Hauptsache sei, Wagen zu bauen, die für allen praktischen Gebrauch wirklich nützlich seien, solche Maschinen müßten leicht und ohne Ratteln gehen, und auch der unangenehme Geruch müsse beseitigt werden. Endlich müsse der Preis niedriger werden, vorläufig sei es nur etwas für reiche Leute.
• Welchen Vorzug daS Adelsprädikat für Offiziere hat, darüber gibt in charakteristischer Weise Aufschluß eine Episode, die wir einer soeben erschienenen biographischen Skizze über den früheren Kultusminister Adalbert Falk von Dr. Hans Fischer entnehmen. Bekanntlich war Falk, als er 1879 aus dem Dienst ausschied, der Adel angeboten worden. Der wirkliche Hergang hierbei, so erzählt der Verfasser, war folgender: Als Fürst BiSmarck Falk mitthellte, der König beabsichtige, ihm den erblichen Adel zu verleihen, bat Falk davon Abstand zn nehmen. Er sei im ganzen Vaterlande als Dr. Falk ehrenvoll bekannt geworden und
Der rm-arischr Kauer.
Die Fremden, die Ungarn besuchen, dringen nur selten bis in die Gegenden vor, in denen die Eigenart des ungarischen VolksschlageS voll zu Tage tritt. Der Reisende pflegt fich in der ungarischen Hauptstadt aufzuhalten, er stattet vielleicht auch der einen oder anderen Provinz, stadt einen Besuch ab oder macht einen AuSflug in die Karpathen; in das Herz Ungarns aber, in die ungarische Tiefebene, begibt sich selten jemand, der dort nicht geschäftlich zu thun hat. Landschaftliche Reize im gewöhnlichen Sinne des Wortes sucht man hier vergebens; und bringt man auch noch so weit ix das „Llföld", die ungarische Tiefebene, vor, so findet man kaum mehr, als man auch aus den Ferstern des Eisenbahnwagens sehen kann, endlose Weizen- u»d Maisselder, Sandwüsten, weite Sümpfe und halb ausgetrocknete Wasseriümpel, dürftige Dka- zienwälder, die in großen Entfernungen von einander die Einförmigkeit der Gegend etwas mil dem. Früher, als noch RLuberzestndel, die gefürchteten „BetyLren", die Gegenden unficher machten, ohne sich viel um die Gendarmen und Soldaten zu kümmern, die zu Hunderten auf ihre Spur gehetzt wurden, umgab di« ungarische Tiefebene ein romantischer Reiz, der manchem Fremden anlockte. Bismarck machte eine Spazierfahrt durch diese Ebene, selbstxerstäsdl'ch »«ter starker militärischer Bedeckung, ungefähr so, wie man heutzutage in Albanien trift. Seit drei Jahrzehnte» ist der Schein der Romantik »er- schwanden und heute ist die Tiefebene nicht mehr und nicht weniger als sie von Natur au8 ist: die Fruchtkammer Ungarn», die man bei all' ihrem Reichthum doch nur daun aufsucht, wen» man muß. Und doch kann man dm magyarischen Volksschlag in seiner ganzen Urwüchsigkeit nur hier unter dem Baueruvolk des Alsöltz, kennen lerueu. In de« gebildete« Klasse» findet man in bw selteste» Fälle» rein- magyarisches Blut, am wenigsten in den aristokratischen Familien. Noch vor 100 Jahren war der ungarische Hochabel ganz beuisch, sodaß der größte Theil der ungarischen Aristokraten nicht einmal der ungarischen Sprache mächtig war, und
die Töchter keinen Grundbesitz erben konnten, . . . . _
sodaß materielle Interesse» bei den «Heu nicht wohner gern erfahre» hätten, wer vo» de» beide» mits»ieltex. Jetzt hat das aufgehört und der Herren der Erzherzog sei, wandte sich der gesellschaftliche Unterschied zwischen Arm und Kutscher einfach um, klopft _ „
Reich ist in diesen Gegenden ebenso scharf aus- I dem Peitschenstiele auf bi geprägt, wie in den älteste« Kulturländern, die
Nrrmifchtrs»
C) Kkeiu« AachrkHte«. »armen. Die Stabt« verordneten-Bersammlung beschloß einstimmig, die Besteuerung der Grundstücke nach dem gemeinen Werth vom 1. April 1902 an vorzunehmen. — Münster. In Bestwig find bei einem Neubau vier Maurer in Folge Gerüstbruche» abgestürzt. Siner war sofort tobt, drei waren schwer verletzt und wurden in» Krankenhaus gebracht. — Beuthen (Ober- schlefien). Der Mädchenhändler Meyerowitsch wurde von der hiefigeu Strafkammer wegen versuchter schwerer Kuppelei zu drei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust und zu Stellung unter Polizeiaufsicht verurttzeilt. — Mannheim Der Mitinhaber eine» hiesigen FabrikgeschästeS ist seit einigen Tagen verschwunden, wie e» heißt, unter Mit- nähme de» größten Thelle» de» Vermögen» seiner jungen Frau, angeblich 70 000 Mark. — Darmstadt. Für die Zeit vom 1. September 1901 biS 31. August 1902 wurde der Seh. Hosrath Dr. Schering vom Groß- Herzog zum Rektor der hiesigen technischen Hochschule ernannt. — Leipzig. Der hier «überbauende Sen- tralbahnhof, über dessen Ausführung zwischen dem preußischen und sächsische» SisenbahnfiSkuS, sowie der Stadtgemeinde in einer mehrtägigen Konferenz volles Sinverständniß erzielt wurde, wird nach Frankfurter Muster all Kopfstation eingerichtet mit 20 Sinfahr- aeleifen. — München. Der Kunstmaler Lang- Hammer ist gestorben. — Innsbruck. Im Weingarten BoScarolliS in Schloß Rametz bei Meran wurde die Reblaus koustalirt. Unter den Weinbauern herrscht die größte Aufregung. Tirol war bisher reblauSfr« — Peking. Dem jetzt im dritten Ostafiatische« Infanterie-Regiment dienenden Oberleutnant B e r l a ch ist in China eine ganz eigenartige Auszeichnung zu theil geworden. Rach Landessitte verlieh ihm nämlich eine Gemeinde für die Rettung eine» Shinesen vom Tode der Ertrinkens einen Ehren- fchirm au» prachtvoller Seide. Der Offizier hat diese Auszeichnung seinem früheren Regimente, dem Regiment „Königin" in FlenSbur, geschenkt.
• Kifeutzahuweltfatzrte«. Die drei großen Bahnlinien, die von London »ach Sdinburg gehen, hielte» am 1. Juli ein Proberennen at>. Die Midland Bahn sowohl wie bte West Coast und die East Sooft Bahn versuchten, sich gegenseitig in der Geschwindigkeit zu i schlagen. Die Midland Bah» hatte angeordnet, daß ihr Expreßzug den Londoner Bahnhof 6t, PancraS um 9 80 am Morgen verlassen und um 6.05 in Ebinburg eintreffen sollte. Die beiden anderen Bahnlinien ließen ihre Züg« um 10 Uhr in London abgeheu und beide soyten um 6.15 i» der schottischen Hauptstadt etntreffeu. In Ediuburg hatten fich bereits lange vor 6 Uhr, großeSchaaren von Neugierigen im Bahnhof versammelt, um daS Einlaufen der Züge abzuwarten. Zuerst, und zwar zwei Minuten nach 6 Uhr, kam der East Toast Zug in der Halle a», er war 18 Minuten früher an« gekommen, als berechnet worden war. Die Beamte» wurden mit Hurrarufen von der Menge empfangen. Der Zu« der Midland Bahn kam mit einer Minute Verspätung um 6.06 an, er war aber eine halbe Stunde früher von London abgefahren. Der West Coast Zug kam mit 19 Minute» Verspätung an. Die Cast Coast Route hat allerdings den Vorihell, daß fi» die kürzeste und auch ebenso die geradeste vo» de» dreien ist.
* Eine englische Stimme über die Automobilfahrt. Der Standard' bespricht in einem Leitartikel die Ergebnisse des Motorwagenrennens von Paris nach Berlin. DaS Blatt meint, die Automobile fei vorläufig nichts weiter als ein Luxusartikel für die Reichen, man dürfe nicht vergessen, daß eine wirklich gute, nach den besten Prinzipien gebaute Maschine immerhin so viel koste als zwei Paar gute Pferde, außerdem verlange eine solche Maschine die fortwährende Beaufsichtigung durch einen theuren Ingenieur, mit einem gew ähnlichen Fahrer könne man nicht sehr weit kommen. Billigere Maschinen seien weder sicher noch sei eS ein Vergnüge» auf denselben zu fahren. Di« Franzosen hätten unzweifelhaft bewiesen, daß sie I die besten Automobilen bauten, und die Deutschen
Ausgleichung dieser Gegensätze ist sogar ein Problem geworden, das die Staatsmänner des Landes ernstlich beschäftigt. Selbstverständlich sind e« die Besitzlosen, die den Wechsel der Zeiten am empfindlichsten verspüren. Diese Leute sind heute "ast ausschließlich auf den Erwerb angewiesen, den hnen die Erntearbeiten gewähren, nur wenige finden außerdem noch bei Flußregelungen, Sttaßen- inb Bahnbauten Beschäftigung. Die Ecntearbeiten tnb naturgemäß auf wenige Tage im Jahre be- chränkt; an diesen Tage» aber leisten dieMrbeiter ast Uebermenschliche«. Lange vor Tagesanbruch inb sie auf dem Felde und erst spät nach Sonnenuntergang kehren sie wieder heim. Aber obgleich eine 16- bis 18stü»dtge Arbeitszeit in den heißen Juli- ober Augusttagen keine Kleinigkeit ist, hängt der ungarische Bauer doch mit ganzer Seele an ihr, und die Rekruten, die diese Zeit zum ersten Male außer ihrer Heimath zubringen, fühlen gerade in diesen Tagen da« Heimweh am meiste». Die Ernte hat jedoch schon viel von den ursprünglichen Reizen verloren, die im ungarischen Volkslied so vielfach besungen werden. E« wird immer mehr mit Maschinen gearbeitet, und auch wo dies nicht der Fall ist, ist die Beschäftigung eine mechanischere geworden, die Arbeit ist gethetlt und wird fieberhaft fortgesetzt, bantit fich ein Glied dem anderen anschließen kann, zu Liedern und helleren Gesprächen bleibt da wenig Zeit Übrig. Es gibt denn auch kein Volkslied, in dem von der Dreschmaschine gesungen würde. Die Einseitigkeit in der Ausbildung der ungarischen Arbeitskräfte ist «in großer Fehler. Der ungarische Bauer ist ein vorzüglicher Schnitter, taugt aber sonst zu gar nicht«. Wer ihn nicht zufällig zur Erntezeit steht, kommt leicht auf den Gedanken, daß er träge sei, und in der That gibt er fich mit nicht landwirthschaftlichen Arbeitern nur widerstrebend ab. Andere Beschäftigungen find gewissermaßen unter feiner Würde.- Von dem Grafe» Stephan Szöchenyi, der sich fein ganzes Lebe» lang abmühte, die neuen Errungenschafte» des Auslandes nach Ungarn zu verpflanzen, und der schließlich, als nach de» Freiheitskriege alle seine Pläne in die Brüche gingen, in der Döblinger Irrenanstalt seinem Leben selbst ein Ende bereitete, erzählt man, daß er einmal auf einem feiner ungarischen Güter den Bauern einen Vortrag darüber gehalten habe, welches Wohlstandes fich in Deuffchland, Frankreich und England die Leute ihres Standes erfreuten, weil sie fleißig und sparsam seien, das ganze Jahr hindurch arbeiteten und nicht all ihr Geld ins WirthShaus trüge». Gespannt darauf, zu erfahre», welchen Eindruck seine Worte wohl gemacht hätte», fragte der Graf sm Ende: „Run, war.sagt ihr dazu?* Die Bauern, die staunend zugehört hatte», als ob ste Märchen vernommen hätte», sahen einauber erst schweigend an; endlich faßte der eise bett Ein- »ruck, de» die Worte Szächenyis auf ihn und feine Kameraden gemacht hatte», in dem Ausruf zusammen: „Die Armen, wir bedauern sie."
ES gibt mehr als eine» Bauern, der zu den Höchstbefieuerte» seines Komitats gehört, dabei aber das blaue Tuchgewand Zeit seines Lebens nicht ablegt und jeden Abend vor dem Thore in Hemdänneln seine Pfeife raucht. Selbst Millionäre kommen unter den Bauer» vor, aber auch diese unterscheiden sich von ihren Knechten äußerlich höchstens durch die größere Reinlichkeit ihrer Kleidung. Einige von biefen sind auch berühmt geworden. So der Hüdmerö-Väsär- helyer Bauer Andreas Johann Nagy, der einmal vor dem Bürgermeister erschien und ihm mit vollkommener Gelassenheit 200,000 Gulden St die Bohrung eines zweite» artefischen runnenS auf de» Tisch zählte; ober der Szenteser Bauer Johan» Bagi, der einem Grafen KLrolyi mit der größte» Leichtigkeit ei» Dar-
Die Beifitzenden und die Dienstleute haben fich in zwei streng von einander abgesonderte Klassen geschieden. Vor der Entlastung des Boden? in )tr ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, ebten Bauern und Dienstleute wie eine Familie. Sie wuchsen zusammen auf, arbeitete» zusammen und nahmen auch ihre Mahlzeiten gemeinschaft- ich ein: der einzige Unterschied war vielleicht der, daß der Bauer zuerst in die Schüssel griff und die übrigen Familienmitglieder und Dienst- eure erst nach ihm an die Reihe kamen. Auch Ehen zwischen den beiden Klaffen kamen häufig vor, um so mehr, als nach damaligem Rechte
Die großen Vermögen find aber selten von großer Dauer. Dasselbe wird bei dem Der« hältnißmäßig großen Kindersegen im ungarischen Bauernoolke aufgetheilt, und die Söhne find dann meistens weidlich bemüht, ihre» Antheil so bald als möglich durchzubringe». Viele belustigende Histörchen find im Umlauf, um die naive Respektlosigkeit zu beleuchten, die der ungarische Bauer den höher- und höchstgestellten Personen gegenüber an de» Tag zu lege» pflegt. Der ungarische Bauer betrachtet Jedermann
Literarisches.
Kenryk Sieukiewkcr „Wil Ikener n«d Schwert". Vaterländischer Roma». 1. Lieferung, vollst, in 14 Lieferungen tz 60 Pf.). Verlag von O. Grack- lauer, Leipzig.
Niemand wird dem hinreißende« Feuer farbenprächtigen Schilderungen seine Bewunderung versagen. Niemand fich dem Zauber der Sprache entziehen können. Der Roman „Mit Feuer u»d Schwert" spielt im 17. Jahrhundert und schildert die blutigen Kosakenaufstände unter Bogdan Chmielnitzki, deren Beweggründe eine gewisse Verwandtschaft mit den Strömungen unserer Zeit aufwetsen. Bedrückt von ihren polnischen Herren, versuche» die krtegstüchtigen Bewohner der Ukraine das Joch abzuschütteln, kenne» aber dabet weder Maß noch Ziel. Ihr Führer Chmielnitzki überragt in geistiger Hinsicht sein Volk um Haupteslänge, Eine persönliche Rache wird die Ursache des blutigen Krieges. Dies ist der Hintergrund, auf dem Sienkiewicz ferne Gestalten vorfuhrt. Mitten durch die Wirren des Kampfes zieht fich das anmuthige LiebeSverhältniß zwischen SkrzetuSki und Helene, unterbrochen vo» den heiteren Episoden, die Sagloba, ei» Sette»stück zu Shakespeare's Fallstaff, durch seine Ränke u»d Listen Herbeiführt. Wir können unter gewisser Resere unser» Lesern nur empfehlen, fich mit den Schöpfungen des Dichters bekannt zu machen.