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28. Jahrgang.

Iuwa, Montag, den 8. Juli 1901.

M 153

--(Nachdruck verboten.)

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Ieraatw.: S»t die Srdrkltsn t. v. La v l Schall«»-.

Pi» Inserat« X P«»S»lUf tn Sitte.

Die Iammsschwefiern.

Frei nach dem Englische» von Clara Rheinau.

Ihr kohlschwarzes Haar und ihre dunkle Haulfarbe kennzeichneten sie als Südländer, und ihre laute Unterhaltung wurde in einem Sprach­gemisch geführt, das sehr wenig europäisch klang. Der jugendliche Theil der Familie vergnügte sich in besonders geräuschvoller Weise mit Klavier­spiel, Singen und Tanzen. Die kleinen Kinder tobten und schrieen, und die ganze Gesellschaft verführte einen ohrenzerreißenden Lärm. Nur der Vater, ein kleiner untersetzter Mann mit schwarzen unruhigen Augen, und seine stattliche juwelenfunkelnde Gattin verhielten sich ruhig und schienen sich, eifrig mit ihren Zahnstochern be­schäftigt, von dem Getöse nicht im Geringsten belästigt zu fühlen.

Anders war es mit unserem schweigsamen Engländer Mr. Morgan. Ihm erschien das Ganze wie eine Gerne aus einem Irrenhaus, und er überlegte, ob er auf der nassen Straße »der im Rauchzimmer bis zur Stunde des Mahles sich die Zeit vertreiben sollte. Als er den Saal verlassen wollte, lenkte aber eine Ge­palt, die er unter der lärmenden Menge bisher übersehen hatte, seine Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine junge Dame an dem Tische in der Mitte, d.ren bleiches feines Gesicht sich im Profil ihm zuwanvte, während sie fich über den -Jüngsten dieser halb wllden Rotte neigte, ängst-

Ende gesetzt wurde, die Aufhebung des Jesuiten­gesetzes in Aussicht stellte. Seine Entlassung am 17. Oktober vorigen Jahres, die wohl schneller kam, als er erwartet haben mochte, hat ihn ver- jindert, seine Zusicherung zur That reifen zu lasien und die kraftvolle Initiative in dieser Angelegen- jeit zu ergreifen.

Mag man seine Kanzlerschaft auch nicht der Größe und Bedeutung der ersten gleichstellen timten, so scheiden wir doch von dem Altreichs­kanzler Fürst Hohenlohe als von einem Manne, >er fich um die Macht und den Frieden des deutschen Reiches hohe Verdienste erworben, und ressen Namen in den Blättern der deutschen Ge- chichte einen hervorragenden und ehrenvollen Platz einnehmen wird.

G Fürst Chlodwig zu Hohenlohe- Schillingssürst t*

Samstag früh 5 Uhr ist in dem Schweizer- chade Ragaz der dritte Kanzler des Deutschen Reiches, Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillings- sürst, sauft entschlafen.

Sein Tod ist überraschend gekommen trotz des hohen Alters des Verewigten. Denn noch am 16. Juni hat er mit dem äußern Anscheine vollkommener Frische der Enthüllung des Bis­marck Denkmals vor dem Reichstage in Berlin beigewohnt. Einen großen Theil des letzten rauhen Winters hatte er in Meran zugebracht; dann erst war er nach Berlin in das neue Heim gekommen, das für ihn in der Hauptstadt eingerichtet worden war, und nur wenige Monate hat er also dieses neuen Heimes froh sein tömien; Am 19. Juni hatte er Berlin verlassen, um eine Sommerreise anzutreten. Am 27. Juni nahm er noch Theil an einem Fest­mahle in der deutschen Botschaft zu Paris. Von dort reiste er zu seinem Sohne nach Kolmar und von Kolm ar nach Ragaz — und da nun hat sein Erdenwallen ein unerwartetes Ende gefunden.

Der Tod erfolgte in Folge von Herz­schwäche. Es stellten sich seit Mittwoch Er­scheinungen ein, die Schlimmes befürchten ließen. Doch erholte sich der Fürst von Zeit zu Zeit wieder, und noch Freitag gab es Momente, in denen er sich anscheinend munter fühlte. Am Samstag Morgen jedoch zwischen 4 und 5 Uhr trat die Katastrophe ein. Am Sterbebette des Fürsten befanden sich seine einzige ihn über­lebende Tochter und treue Pflegerin, die Prinzessin Elisabeth, und seine Enkelin die Gräfin von Schönborn-Wiesentheid. In fein Stammschloß Schillingsfürst, in dem er für die zweite Hälfte dieses Sommers Aufenthalt nehmen wollte, kehren nur seine sterblichen Ueberreste zurück, um Ruhe zu finden in der von dem Eatschlafenen erbauten Grabkapelle.

Fürst Chlodwig hat ein Alter von mehr als 82 Jahren erreicht. Er war ein Mann von bereits 75 Jahren, ein Mann, der schon ein langes Leben voll Mühe und Arbeit hinter fich hatte, als er die ungeheure Bürde auf sich nahm, gleichzeitig Kanzler des deutschen Reiches und preuß scher Ministerpräsident zu sein. Vorher war er drei Jahre lang bayerischer Minister­präsident, elf Jahre deutscher Botschafter in Paris und neun Jahre, nämlich von 1885 bis 1894, Statthalter von Elsaß-Lothringen — eine bedeutungsvolle Kette großer politischer Aemter, umfassender Leistungen. Und schwierig und ver­wickelt sondergleichen waren die innerpolitischen Verhältnisse, als Fürst Chlodwig nach dem Ab­gänge des Grafen v. Caprivi die Kanzlerschaft übernahm. Es herrschte eine außerordentlich ge­reizte Stimmung. Aber gerade deswegen war Fürst Hohenlohe der geeignete Mann; denn das muß man ihm zum Ruhme nachsagen, daß er

Sonn-und Feier- tage. Bierteljährl. zezngeprei» ohne Bringerlohn jntb Bestellgeld in «ulda und auS- VtrtSlM.öOPf.

es meisterlich verstanden hat, diese bittere Gereizt­heit anS der inneren Politik so viel wie möglich iu beseitigen und zu besänftigen. Und während »er sechs Jehre feiner Kanzlerschaft ist Großes geleistet worden. Man braucht, um sich dessen !lar zu werden, nur an das Zustandekommen »es Bürgerlichen Gesetzbuches zu denken und an )ie Umgestaltung der deutschen Kriegsflotte — der Reichskanzler Fürst Hohenlohe darf, wenn hm Gerechtigkeit werden soll, nicht nach seinem äußeren Auftreten in den Parlamenten beurtheilt werden. In der Stille seines Arbeitszimmers hat er auch noch als hochbetagter Reichskanzler mehr geschaffen und geleistet, als man int all­gemeinen wohl anzunehmen geneigt ist. Die Geschichte wird ihm gerecht werden. Daß er nicht in allen Dingen das Rechte traf, versteht fich von selbst; denn er war doch auch ein Mensch. Und namentlich in wirthschaftlichen Dingen übte noch mitunter der frühere liberale bayerische Ministerpräsident einen ungünstigen Eir fluß aus auf den nachmaligen deutschen Reichs- kanzler.

Immerhin hat er viele seiner früheren Jrr- thümer eingesehen und diese unumwunden als Jrrthümer preisgegeben, als er das Kanzleramt übernahm — auch auf kirchenpolitischem Gebiete: „Sie Z iten haben sich geändert" — so sagte er am 11. Dezember 1894 im Reichstage. — „Die Gegenwart bringt andere Pflichten. Unsere Zeit weist mehr als je daraus hin, daß es nöthig ist, einfreundliches und verständnißvolleS Zusammenwirken der staatlichen und kirchlichen Autoritäten zu pflegen und zu fördern." In dieser Erklärung hat der Reichskanzler Fürst Hohenlohe den früheren bayerischen Politiker Fürst Hohenlohe der Vergangenheit überantwortet, und wenn uns dieses der Mühe überhebt, diese Vergangenheit einer Kritik zu unterziehen, so können wir um so freudiger dkm nun verewigten Altreichskanzler das dankbare Lob ertheilen, daß seine sechsjährige Reichskanzlerschaft dem Friedensprograrnrn beim Antritt derselben im Wesentlichen entsprochen hat. Allerdings hat er, obwohl im Allgemeinen bestrebt, „ein freundliches, verständnißvolleS Zu­sammenwirken der staatlichen und kirchlichen Autorität zu pflegen und zu fördern", auch unter seiner Kanzlerschaft das gehässige Ausnahme- Gesetz gegen den Jesuitenorden noch fortbestehen laffen. So weit wir unterrichtet sind, befürchtete er, man werde feine Haltung vom Jahre 1872, wo er als Abgeordneter fflu. das Jesuitengesetz gewesen war, mit der Haltung des Reichskanzler s, der für die Auf­hebung des Jesuitengesetzes im Bundesrath stimmt, nicht in politischen Einklang bringen können. Anderseits aber ließ er sich doch davon überzeugen, daß er die politische Verantwortlichkeit de» Reichs­kanzlers höher zu bewerthen habe, als die politische Privatansicht des Parlamentariers vor dreißig Jahren, zumal er ja selbst in feiner program­matischen Erklärung vom 11. Dezember 1894 mit seiner kirchenpolitischen Vergangenheit amtlich und öffentlich gebrochen, auch anerkannt habe: „Die Gegenwart bringt andere Pflichten." Der Zufall hat es so gefügt, daß Fürst Hohenlohe gerade vor Jahresfrist bei einem Besuche in dem­selben Bade Ragaz, wo jetzt seinem Leben ein

lich bemüht, den kleinen Schlingel von ernstem Unfug zurück mhalten. Mit unendlichem Geschick vereitelte die junge Dame verschiedene Versuche, daS Schachbrett umzustoßen, mit dem seine Brüder spielten, zog ihn von der angenehmen Beschäftigung zurück, das Tintenfaß über die umherliegenden Bücher ankzuleeren und that ihr bestes, ihn festzuhalten, als es ihm ein herrlicher Zeitvertreib schien, seine geschmeidigen Glieder vom Stuhl auf den Tisch zu schwingen und seinen freien Sitz mit lautem Gepolter uwzu- floßen. Das erstemal lachten die beiden Jungen am Schachbrett helllaut auf und überließen es der Gouvernante ihres ungezogenen Bruders, den Stuhl aufzuheben. Als dies geschehen war, er­griff das junge Mädchen rasch eine illustrirte Zeitung und versuchte, den Kleinen für die hübschen Bilder zu interesfiren, um ihn von seinem plumpen Spiel abjuletlen. Doch ver­gebens ! Wie eine Feder schnellte die kleine Gestalt in die Höhe und der schwere Stuhl polterte abermals zur Erde. Aber diesmal eilte der fremde Herr herbei, um ihn an seinen Platz zu stellen.

Mit glühenden Wangen, aber noch immer ruhig und gelassen, hielt die junge Dame den Knaben jetzt gewaltsam auf feinem Sitze fest und begann in französischer Sprache eine Straf­predigt, die jedoch völlig unbeachtet blieb. Wie ein Aal glitt der ungezogene Junge hin und her, um sich ihrem Griffe zu entwinden; bann drehte er sich plötzlich um, preßte ihr Hand­gelenk mit aller Gewalt und neigte sich schließ­lich herab, um seine weißen Zähne hinein zu

Deutsches Deich«

Berlin, den 6. Juli

X Der »Aeichs- «»d Staatsanzeiger' widmet dem verstorbenen Alt - Reichskanzler Fürsten Hohenlohe in feiner Samstagsnummer folgenden Nachruf:

Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schil­lingsfürst, der dritte Kanzler des Deutschen Reiches, ist heute früh 5 Uhr in Ragaz sanft entschlafen. In allen deutschen Landen wird diese Nachricht die auf­richtigste Trauer erwecken, denn mit dem Fürsten Hohenlohe ist ein Mann ausgezeichnetster Verdienste um Reich und Staat dahingegangen. In allen Stellungen, als bayerischer Ministerpräsident, als deutscher Botschafter in Paris, als Statthalter von Elsaß-Lothringen und endlich als Kanzler des Deutschen Reichs bewährte er jene hohen Eigenschaften, auf­opfernde Hingebung und unermüdliche Pflichttreue, die Seine Majestät der Kaiser in dem Handschreiben beim Abschluß seiner langen und ehrenvollen Dienstlaufbahn vor noch nicht dreiviertel Jahren dankbar hervorhob. Wie seine staatsmännische Wirksamkeit die warme Anerkennung aller patriotischen Kreise fand, so schätzte Jeder, dem es vergönnt war, ihm persönlich näher zu treten, seinen hohen Sinn, sein einfaches, klares und freies Wesen und eine immer gleiche vornehme Liebenswürdigkeit. So wird die dankbare Verehrung für ihn, den klugen Staatsmann den tapferen Deutschen und den edelen Menschen, die Trauer an seinem Grabe überdauern!

* Bum ^räftbenfeu des kaiserlichen Anfstchkamtes für Srivatversichernng hat der Kaiser wie jetzt der .Reichsanzeiger' mitlheilt, den Direktor im Reichsamt des Innern Dr. von Woedtke unter Verleihung des Ranges als Raih erster Klasse und unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Ober« Regierungsrath, ferner bei dieser Behörde den Senatsvorsitzenden im Reichs-Verficherungsamt, Geheimen Regierungsrath Jaup zum Direktor, die Königlich preußischen RegierungSräthe K l e w i tz in Münster i. W. und Dr. Broecker in Berlin sowie den Königlich preußischen RrgierungS- Assessor Wagener in Trier zu Kaiserlichen Regierungsräthen und ständigen Mitgliedern er­nannt.

• Die «uvefugleWeröffeutttchuug kaiser­licher Aenßerungeu über die Kaiser rede im Kasino des 2. Garderegimentes hatte be­kanntlich eine Untersuchung zur Folge, Über deren Erg ebn iß die ,Tägl. Rundschau' „zuver­lässig" mittheilen kann, „daß kein Angehöriger des Offizierkorps den Vertrauensbruch begangen hat." Im Anschluß an diese Mitthei- lung gibt die,Tägl. Rundschau' dem Bedauern bohren, eine .Rohheit, die der jungen Dame einen leisen Schmerzensschrei entlockte.

Dies war mehr, als einer der Zuschauer er­tragen konnte. Da von zuständiger Seite keine Strafe erfolgte, nahm der Engländer die Ver­thei bigung seiner jungen Landsmännin — als solche hatte er sie an ihrer Aussprache erkannt! — in feine eigene Hand, erfaßte den kleinen Tyrannen beim Gürtel und schüttelte ihn, daß ihm Hören und Sehen verging.

Em zorniger Ausruf entfuhr Madame, und selbst der phlegmatische Vater sprang rasch auf die Füße. Die verschiedenen ©nippen stellten ihr Geplapper ein und lauschten ergötzt, als der Fremde in kurzen Worten den Eltern, die ihn nicht eine einzige Silbe verstanden, seine Meinung sagte.

„Empörend I" wiederholte der wüthende Vater mit finsteren Blicken, bald den stattlichen Eng­länder, bald das junge Mädchen betrachtend, das sich, obschon bleich vor Schmerz und Angst, doch durch feine Anwesenheit beschützt fühlte. „Em­pörend! ich verstehe das Wort nicht. Mamsell," fuhr er auf französisch fort, „sagen Sie mir, was er meint. Rasch, rasch!"

Stockend und in möglichst schonender Weise Übersetzte die Gefragte die Worte ihres Schützers. Aber Madame unterbrach sie mit einem herrischen Befehl, den ihr Gatte augenblicklich ausführte.

„Basta!" rief er ungeduldig aus, fuhr mit der Hand in die Tasche und brachte einige Dutzend Goldmünzen zum Vorschein, von denen er zwei über den Tisch hinüber schleuderte: „Für Ihre Dienste, Mamsell — und" — ein drittes Gold­stück nachschiebend — „als Entschädigung."

Ausdruck, daß der unlautere Ursprung ber Mittheilung des ,Berl. Lokal-Anzeigers' (die fach' liche Richtigkeit wird damit nicht mehr in Zweifel gestellt) nicht habe ausfindig gemacht werden können. — Man kann dem gegenüber an die ,Tägl. Rundschau' die Frage richten, woher gerade sie allein Über daS Ergebniß einer militärischen Untersuchung ihrer eigenen Angabe nach „zuverlässig" unterrichtet sein könnte, wenn diese Information nicht von einem ihrer Freunde ebenfalls unter Vertrauens- Mißbrauch ihr berichtet worden wäre? Wer für die,Tägl. Rundschau' einen militärischen Ber- trauensbruch erlaubt hält, sollte fich doch über einen außer - militärischen VertramuSbruch im ,Berl. Lokal-Anz.' nicht beklagen.

* Kine deutsch fraizS fische Aommisfion tritt in ber nächsten Woche in Paris zusammen behufs Regelung einzelner, noch strittiger Grenz­punkte zwischen Togo undDahomey. Deutsche Mitglieder ber Kommission sind der Gouverneur von Togo Koehler, der Legationssekretär Dr. von Miquel und Oberleutnant Preil; französische Mit­glieder sind der Subdirekior im Ministerium des Aeußern Lecomte, der Direktor im Kolonialministe­rium Binger und Major Plö.

-f-Nrentrfiener-DergStttKge«. Die.Nord« deutsche Allgem. Ztg.' schreibt: „Der Bundes- rath hat in seiner letzten Sitzung am 29. Juni beschlossen, daß für den nach dem 15. Juli 1901 ausgeführten, zurEssigbereitungv rnvertheten oder vollständig benaturirten Srannt« wein Brennsteuer-Vergüiungen nicht mehr zu gewähren sinb." — Dieser Dwfpatete Nachtrag beweist von neuem, daß neuerdings die Bericht­erstattung über die Sitzungen des BundesratheS nichts weniger als vorzüglich arbeitet.

• lieber einen vlntige« Dorsalk im Ka­merungebiete berichtet das »Westfälische Volks­blatt'. Das genannte Blatt entnimmt aus einem Privatbriefe vom 2. Juni folgende Nitizen: „Die schwarzen Schurken haben im vorigen Monat in meiner Nähe wieder ein verruchtes Werk fertig gebracht. Den guten Bezirkshaupt- mann Meyer haben sie im Urwald trotz 15 Soldaten Bedeckung Über fallen. Meyer erhielt einen Streifschuß an der Stirn, einen Schuß in die Oberlippe und einen in den Rücken. Der Utztere war mit Eisenstücken rc. geladen gewesen, und es haben zwei Stücke gut durchgeschlagen bjz zur vorderen Bauchwanb. Sie sitzen noch in der Bauchhöhle. Meyer lebt weiter, muß aber mit dem nächsten Dampfer nach Deutsch­land, um dort opeiirt zu werden. Zwei Sol­daten wurden auf der Stelle todtgeschossen, ein dritter starb bald nach einer schweren Verwun­dung." An der Zuverlässigkeit dieser Angaben ist nicht zu zweifeln. Es ist aber auffällig, daß amtlich noch nichts darüber verlautbart ist. Bon anderer Seite wird berichtet, daß der kaiserliche GouvernementSbaumeister Drees in Kamerun, welcher feit. mehr als 20 Jahren in Afrika weilt und f. Z. auch die Durchquerung Afrikas mit Stanley mitmachte, vom Schwarzwafferfieber befallen ist und nach Europa zurückkehren muß.

* Kim Archiv AVer bett Khittasekbztt- will ber Große Generalstab ber Deutschen Armee sammeln. Der Generalstabschef Graf Schlieffen hat an die Truppen- und Bezirks-

Das junge Mädchen erröthete, nahm ihre Be­zahlung an, ließ aber die goldene „Salbe" un­berührt. Kein Wort kam über ihre Lippen, aber ihre Augen füllten sich mit Thronen. Ihr bis­heriger Dienstherr ließ sich schwer auf daS Sopha neben seine Gattin niederfallen und setzte seinen Zahnstocher wieder in Thätigkeit, während die fiebrigen unter Scherzen und Lachen den Vorgang besprachen, ohne noch die geringste Notiz von der jungen Dame zu nehmen, die so summarisch ihre ©tttlaffung erhalten hatte.

Erzürnt und doch ernstlich befürchtend, durch sein Einmischen Unheil angerichtet zu Haben, be­obachtete Herr Morgan scyweigend, wie die junge Engländerin unter dem Stoße kostbarer Kleider, die man achtlos auf Den Boden geworfen hatte, ihren eigenen einfachen Hut und Mantel hervor« zog. Als sie beides angelegt hatte, verneigte sie sich zuerst sehr schüchtern vor ihrem Retter, bann mit einer ruhigen Würde vor ber ausländischen Gesellschaft, die ihren Gruß vollständig Übersah, und verließ den Saal.

Einen Augenblick zögerte Herr Morgan, dann folgte er. Sie stand auf der äußern Treppe der Halle, gegen den Wind änkämpfend, der ihren Regenschirm zu zerbrechen drohte, als er sich ihr eilends näherte, um feine Entschuldigung vorzu­bringen.

„Ich muß um Verzeihung bitten," sagte er, „baß ich mich eingemischt habe, wo ich mich viel­leicht Keffer ruhig verhalten hätte. Es thut mir aufrichtig leid, dieses Zrrwürfniß herbeigeführt zu haben."

Ein ernstes, aber sehr einnehmendes Gesicht»

mit Anterhattungs-Aeilage „Iwtfirirte Sonntags-Zeidmgt' pet«r*zaS« Ur. 8 (fcarmoniti.

FuldaerMZeitung W