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28. JahrgMg.
Iutöa, Samstag, den 6. Juli 1901.
M152
Untren mglim, m. Ausnahme de, Soun- und Feier» tage. Lierteljahrl. Kejugepreis ohNeBrmgerlohn und Bestellgeld in «ulda und aus» LärtSlM.bOPf.
der Erzdiözese aufgefordert wird. Innerhalb der Ministeriums find Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen über die Behandlung der Kirchenfrage; man erwartet eine theilweise Ministerkrise deswegen.
Die italienischen Abgeordneten find nun auch in die S o m m e r f e r i e n gegangen. Ganz ungewohnt klingt die Meldung, daß es mit den italienischen Staatsfinanzen gut stehe, daß daS laufende EtatSjahr mit einem Ueberschufie von etwa 30 Millionen abschließen werde. Noch zuletzt gab eS einen furchtbaren Lärm, den die Sozialisten deswegen verursachten, weil in der Provinz Ferrara nothgedrungen die bewaffnete Macht gegen Ausschreitungen von Ausständigen hatte einschreiten müssen. Die anwesenden Minister würden persönlich beleidigt, den Kriegsminister nannte man einen Strolch, so daß die Sitzung aufgehoben werden mußte!
X Gegen das Duell.
Die traurigen Begebenheiten und die schreienden Ungerechtigkeiten, welche durch die Duelle und die hiermit verbundenen falschen Ehrbegriffe in letzter Zeit sowohl in Oesterreich als auch in Deutschland stch ereigneten, haben bekanntlich den Jnfanten Don Alfons von Spanien veranlaßt, im vorigen Jahre mit ritterlichem Muthe diesem verkehrten und verwerflichen Vorurtheile bezüglich der Duelle öffentlich entgegenzutreten. Auf seinen Wunsch hin hat es Fürst Karl zu Löwenstein übernommen, in Deutschland diese Bestrebungen zu unterstützen. Neuerdings hat er stch a» die „Alten Herren" der katholischen Studenten-Kor- porationen gewandt, und in der .Akademia', sowie in de« ,Akadem. Monatsblättern' einen Aufruf erlaffen. Er sagt darin:
Ts handelt sich nach meiner Ansicht vor Allem darum, erstens zu zeigen, daß neben der falschen, unchristlichen öffentlichen Meinung in der Duellfrage bei der überwiegend große» Mehrheit aller christlich, rechtlich und vernünftig denkenden Menschen die klare Einsicht und Ueberzeugung besteht, daß die Duelle unmoralisch und durchaus kein geeignetes Mittel find, um Ehre zu wahren oder wiederherzustelle», zweitens Schritte zu thun, daß durch Reichs- oder Landesgesetzgebung Ehrengerichte errichtet und überhaupt die Ehre in entsprechender oollkommener Weise geschützt und Beleidigung und Ehrenkränkunq gebührend bestraft werden. — Wenn dieses erreicht sein wird, dann entfällt der für Duelle noch immer bestehende scheinbare RechtsertigungSgrund der Noth- weh r. Die Duelle werden dann in ihrer Unwür- dtgkeit und Verwerflichkeit nackt dastehen alS Akte des Rachegefühles oder als Akte armer Menschen- furcht, welche die innere beffere Ueberzeugung und die Pflichten gegen Gott verleugnet und einem unvernünftigen Vorurtheile zum Oofer bringt.
Zunächst habe ich mich an die Mitglieder deS „Vereins der katholischen Edelleute" und an die „Deutsche AdelSgenoffenschaft" gewandt und eine schöne Anzahl von Zustimmungen erhalten. Es ist klar, daß Kundgebungen aus denjenigen Kreisen, wo leider das Vorurthril noch vielfach fest eingewurzelt ist, von besonderem Werthe stad. Dann aber gebührt es, daß diejenigen zu Worte kommen, welche schon vom Jünglingsalter an in edlem Sinne und mit wahrem, hohem Muth Gott und sein Gesetz höher achtend alS alle weltliche Ehrbegriffe, sich in katholischen Studentenkorporationen zusammen ge- schaart haben und dieser ihrer Gesinnung im ferneren Leben treu geblieben sind.
An die geehrten alten Herren des Lrien- standes richte ich daher die Bitte, ihre Zustimmung in der von dem Jnfanten verfaßten Erklärung durch Unterschrift (recht deutlich mit Wohnungsangabe) zu bekunden und baldgefälligst an mich nach Kleinheubach zu senden.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
„Die Gefertigten bezeugen hiermit öffentlich ihre grundsätzliche Verwerfung des DuellS als einer Einrichtung, welche der Vernunft und dem Sewiffen, den Forderungen der Zivilisation und den bestehenden Gesetzen, dem Wohle der Gesellschaft uno des Staates zuwiderläuft.
Im gesellschaftlichen Verkehr wie im öffentlichen Leben wollen fie nach Kräften thätig sein für Beförderung der Bewegung, welche die endliche und gänzliche Abschaffung des Duells zum Zwecke hat
Sie erklären ei für ein leeres, ung-rechtes Bor-
Weg wandeln, wie die Buchdrucker in Gera. Und olche Dinge sind es, über die fortan bei den sozialdemokratischen Parteitagen hinter verschlossenen Thüren verhandelt werden sollen.
In Friedberg in Heffen hat am letzten Sonntag der Obrrhessische Katholikentag tattgefunden. Der Centrumsabgeordnete Pfarrer Gerstenberger sprach dabei in überzeugender Weise von der Nothwendigkeit und Nützlichkeit der landwirthschaftlichen Schutzzölle und wies nach, daß diese Zölle durchaus nicht die Vertheuerung deS Brodes für das verbrauchende Volk bedingen. Zahlt doch auch der Bauer Zoll, wenn er die Erzeugnisse der Industrie kauft, die durch Einfuhrzölle geschützt sind; und was dem Einen recht ist, ist de u Andern billig. Der Verlauf der Versammlung legi? beredtes Zeugniß ab für die Einmüthigkeit unter den oberhessischen Katholiken.
Die österreichischen Alldeutschen laffen nun einmal das Mausen nicht. In Innsbruck hat man eine Sonnenwendfeier veranstaltet, und dabei hat man nach der Art der Alldeutschen stehend die „Wacht am Rhein" gesungen als das bekannte Kampf- und Trutzlied der Herren. Ein Mitglied des Innsbrucker Gemcinderathes wollte dabei nicht aufstehen, sondern meinte sehr richtig: „Wir sind ja noch in Oesterreich" — wo man also, so meinte er, stehend die Kaiserhymne singen sollte. Aber damit ist er schlecht angekommen: Der wackere Mann, der noch etwas auf seinen Kaiser hält, ist zum Verlassen des Festplatzes gezwungen worden!
Ueber den Narren Ugron, der durchaus mit dem französischen Präsidenten eine Verschwörung gegen den Dreibund anzetteln wollte, ist man im ungar ischeu Reichstag nachdrücklichst zur Tagesordnung übergegangen. Auch seine nächsten politischen Freunde haben sich sehr kräftig dagegen verwahrt, mit Herrn Ugron gemeinsame Anschauungen über den Dreibund zu haben.
Die Tage des Herrn Pobed onoszew, des Oberprokurators der Heiligen Synod, scheinen gezählt zu sein. Lange Jahre hindurch hat er seine große Macht im Zarenreiche ausgeübt, und zwar meist in unheilvollem Sinne gewaltiamen Rückschrittes; jetzt, so wird berichtet, soll es im Verlaufe einer Audienz beim Zaren so weit gekommen sein, daß er um seinen Abschied gebeten habe. Hoffentlich lügt das Gerücht nicht, sondern leitet nur die wünschenswerthe Thatsache des wirklichen Abschiedes ein.
Die Stichwahlen zur Abgeordnetenkammer in Holland haben den Liberalen noch 19 ihrer früheren Sitze wiedergebracht. Aber mit ihrer Mehrheit und Herrschaft ist es trotzdem vollkommen aus, sodaß die Ernennung eines konservativen Ministeriums nicht mehr lange auf sich warten laffen wird. Man erwartet von diesem als eine seiner ersten Maßnahmen die Einführung einer kräftigen Schutzzollpolitik.
DaS ordensfeindliche Vereinsgesetz in Frankreich ist zur Thatsache geworden. Am letzten Dienstag ist es bereits durch den Pariser Staatsanzeiger.Journal offiziel' verkündet worden. Die gewaltsame Eigenthumsberaubung der Kongregationen ist zwar, wie bekannt, aus dem Gesetze entfernt worden. Dasselbe enthält aber noch immer so viele harte und ungerechte Bestimmungen gegen die kirchlichen Genossenschaften, daß an eine Zustimmung des heiligen Stuhles zu diesem Gesetze nicht zu denken ist. Der Papst hat das bereits früher in einem offenen Schreiben an Kardinal Richard in Paris ganz klar und unzweideutig ausgesprochen.
Geradezu wüste Formen nimmt die kirchenfeindliche Bewegung in Spanien an: In Balenzia griffen Volkshaufen eine Kirche während einer Andacht an, zertrümmerten die Kirchenfenster und griffen eine Prozession an, die aus der Kirche herauskam; in Gijon fand man einen Aufruf in den Kirchen angeschlagen, in dem zur Niederbrennung aller Kirchen
Wochen-Wunö schau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 6. Juli.
Beinahe gleichzeitig hat man in Berlin und Prag „Vive la France“ — „Es lebe Frankreich" — gerufen und die Marseillaise gespielt; denn in beiden Städten galt es, französische Gäste zu be- wirthen. Und doch wie außerordentlich verschieden war der Sinn beider Kundgebungen! In Berlin wurden bei prächtiger Veranstaltung im Hotel Kaiser- hof die französischen Automobilfahrer be- wirthet, die von Paris nach Berlin gekommen waren in ihren Fahrzeugen; und man legte dieser Veranstaltung nicht geringe Bedeutung bei als einem bedeutungsvollen Anzeichen der Wiederannäherung zwischen Frankreich und Deutschland. Auch die Berliner Regierung war dabei vertreten durch eine ganze Reihe von Staats-Sekretären und preußischen Ministern. Sie ließ sich dabei vernehmen durch Herrn Möller, den neuen preußischen Handelsminister, der nach einer sehr beifällig aufgenommenen Rede fein Glas leerte auf das weitere Blühen und Gedeihen der gemeinschaftllchen Betriebe Frankreichs und Deutschlands; und der Kaiser sandte von Kiel aus einen Drahtgruß, in dem er dem französischen und dem deutschen Automobil-Klub seinen Dank aussprach für die Meldung von der glücklichen Beendigung der Fernfahrt von Paris nach Berlin. Nun, ganz glücklich kann man die Veranstaltung dieser Fernfahrt in
einem Sinne nicht nennen, denn es sind ihr eine ganze Reihe von Menschenleben zum Opfer gefallen, Fahrer sowohl als auch Ueberfahrene; deswegen find auch die ftanzösischen und die deutschen Behörden einer und derselben Meinung, daß derlei nicht wieder vorkommen dürfe. Diese Fernfahrt war, für sich allein betrachtet, ein grober Unfug. Nichtsdestoweniger ist dabei im Hotel Kaiserhof zu Berlin und auch vorher während ihrer Fahrt den ftanzösischen Gästen recht deutlich kundgethan worden, daß in Deutschland
urtheil, daß, wer stch nicht im Zweikampf schlägt, darum den Borwurf der Feigheit verdiene, und betrachten denjenigen, der ein Duell aus Ueberzeugung aas- schlägt, als einen Ehrenmann, dem sie ihre volle Achtung zollen.
In unverkürzter Aufrechterhaltung ihres Rechtes jedoch, Beleidigungen auf jede gesetzmäßige Weise von sich abzuwehren und, wenn die Umstände eS erheischen, für dieselben Termgthuung zu verlangen, erachtensiedieEinrichtung von Ehrengerichten für unbedingt geboten, deren Entscheidung dem Beleidigten wirkliche Genugthuung verschafft, so daß derselbe nicht mehr verleitet wird, stch dieselbe selbst au zweifelhafte mrd unerlaubte Weise mit der Waffe zu suchen."
Man darf bei dem gesunden Sinn unserer katholifchen Studenten-Korporationen hoffen, daß die Zustimmung zu diesem Vorgehen recht zahlreich einlaufen werden.
Stupinigi bei Turin.
Auch der Vatikan wird nunmehr theilweise Ferien machen. Die Mitglieder der diplomatischen KorpS haben bereits mit ihrer Abreise begonnen und einzelne Kardinäle und Monsignori dürften bald nachfolgen. Die Audienzen bei Leo XIII. werden auf das allernothweudigste eingeschränkt werden und Se. Heiligkeit wird wahrscheinlich bald sein LommerhäuSchen im historischen Thurme Leo IV. im vatikanische« Garten beziehen, wo er die heißen Tage zuzubringen pflegt. Hier gönnt Leo XIII. sich insofern einige Ruhe, alS er während der Mittagsstunden sich in einem kleinen, kühlen Seitengemache deS ThurmeS ein etwas längeres Mittagsschläfchen zu halten pflegt, als im Vatikan - Paläste selbst. — Vor wenigen Tagen wurde Leo XIII. die neue Medaille überreicht, welche (wir alljährlich) mit dem Bildniffe Sr. Heiligkeit geprägt wird. Die Rückseite derselben zeigt diesmal die sehr gelungene Wiedergabe deS vonLeo XIII. dem Papste Jnnocenz III, errichteten Grabmonumentes mit den entsprechenden Inschriften. Das erste Exemplar dieser Medaille in Gold erhielt der Schöpfer deS am Frohnleichnamstage in den Loggien des Vatikans aufgestellten Christus-Standbitdes, der bekannte Bildhauer Cäsar Aureli. — Unser gelehrter Landsmann P. Ehrle, Präfekt der vatikanischen Bibliothek, überreichte Leo XIII. einige besonders werthvolle Münzen aus der berühmten Sammlung des verstorbenen Kardinals Randi, welche kürzlich vom Vatikan angekauft wurde. Allgemeine Befriedigung, namentlich bei alle« Denjenigen, welche mit der päpstlichen Kanzlei und mit der Datarie zu thun haben, hat ein Handschreiben Leo XIII. an den Kardinal-Staatssekretär hervorgerufen, welcher durchgreifende Reformen in den dort bis jetzt geltenden Taxen und Gebühren anordnet. Er wurde eine eigene Kommission eingesetzt, welche untersuchen soll, in wie weit verschiedene „Vacabilisten" überhaupt zur Empfangnahme solcher Gebühren berechtigt find. Die Titulare beider vorgenannten Behörden, der Vizekanzler Kardinal Parocchi und der Pro- datar Kardinal Aloifi-Masella wurden der Sorge in Betreff dieser Angelegenheiten enthoben, welche Leo XIII. persönlich übernehmen will. Die Zahlungen der genannten Taxen sollen bereits mit dem heutigen Tage eingestellt werden. Diese energische Maßregel zeigt, ia welcher eifrige« Weise der 91jährige Greis auf dem Stuhle Petri bemüht ist, den Geschäftsgang seiner höchsten Behörden dem Fortschritt der Zeiten und den Be- dürsniffen der Gegenwart anzupaffen.
DaS Peter- und PaulSsest wurde wie immer in Rom besonders festlich begangen. Dieser Festtag hat von seiner ehemaligen Volksthümlich- keit fast nicht» eingebüßt; der eingeborene Römer v^kehrt im Apostelfürsten gleichzeitig den Gründer seiner alten glorreichen Herrscher-Dynastie. I«
Der Minister des Innern hat sich als Freund der Arbeitskammern bekannt, und er hat bei dieser Gelegenheit seine Ueberzeugung in dem Sinne ausgesprochen, daß wir im Deutschen Reiche solche Arbeitskammern bekommen werden. Aber das hat er ungewiß gelassen, ob Württemberg in diesem Sinne bahnbrechend im Bundesrathe vorgehen solle. Auch gegen die Vermehrung der Beamten der Gewerbe- Aufsicht durch Einstellung von Gehilfen, die aus den Arbeitern selbst hervorgehen, hat der Minister nichts einzuwenden — vorausgesetzt natürlich, daß fie ihre Stellung nicht zu polittscher Agitation mißbrauchen.
Von großem Interesse ist der Austritt der Buchdrucker in Gera aus dem sozialdemokratischen Gewerkschaftskartell. Das sozialdemokratische Berliner Zentralorgan hat sich so angestellt, als habe es nur Hohn und Spott dafür; es sprach von einem „gleichgiltigen Vorgänge", der „keinen Menschen außerhalb der reusischen Residenz an der Weißen Elster interesfivkn könnte." Mit solchen Redensarten kommen die Herren Obergenoffen aber nicht durch. Die Umstände, unter denen jener Austritt sich vollzog, find gar zu bedeutsam, zunächst und vor Allem die Begründung, daß das Kartell nicht neutral, sandern streng sozialdemokratisch sei; aber davon hat das Berliner Zentralorgan kein Wörtchen weitererzählt, auch nicht von der Stelle in der Erklärung der Buchdrucker in Gera, wo es heißt: „Wer sich nicht den sozialdemokratischen Machthabern beugt, ist ein „Lump", ein „Schuft"; wer eine eigne Ansicht hat und vertritt, ist ein „gemeiner Kerl", und wer stch erlaubt, auf Ungehörigkeiten in der sozialdemokratischen Kaffenführung aufmerksam zu machen, nicht reif für die moderne Arbeiterbewegung u. f. w., u. s. w." ES werden wohl mit der Zeit noch Andere denselben
Den Hauptinhalt der meisten italienischen Zeitungen dieser vergangenen Woche bildete« die Kommentare zu der letzten Abstimmung in der Deputirtenkammer und welche sich, je nach der Parteiauffaffung in Aeußerungen deS Jubels, der Befriedigung, der Ueberrafchung, der Enttäuschung, deS Schmerzes und der Wuth Lust machen. Im Allgemeine« herrscht-indessen die Ansicht vor, daß ein „monarchisches" Ministerium in den Hände» und der absoluten Gewalt der ausgesprochenen Feinde der königlichen R-gieruugS- form ein Unding ist und daher nur von kurzer Dauer sein kann. Viele Blätter stellen die einzelnen Fälle von „Bekehrungen" fest, welche daS Ministerium — wie es den Anschein hat — mit verschiedenen zweifelhaften und unsichere« Abgeordneten durch Versprechungen von Beförderungen und Ordensverleihungen vorgenommen hat. Sehr böses Blut im Parlamente selbst, wie auch i« den rein politischen Kreisen und in der Bevölkerung macht die Absetzung des Abgeordnete« Tedesco von seinem Posten als Generalinspektor der Eisenbahnen im Ministerium der öffentliche» Arbeiten, weil er als Depulirter — gegen das Ministerium gestimmt hatte. Damit hat auch ür Italien eine Aera gemaßregelter Landräthe regonnen. —- Die blutige Unterdrückung deS Streikes der Feldarbeiter bei Ferrara macht der Regierung viel zu schaffe» und der Kriegsminister mußte sich die höchsten Schimpfworte im Parlamente sagen lassen. — Im Üebrigen fangen die Abgeordneten an, mehr an sich selbst, als an's Land zu denken und beeilen sich, in die Sommerferien einzutreten, denn ersten- ist die Hitze bereits eine sehr drückende und zweitens gibt's, vor der Hand wenigstens, nichts zu stürze». Auch unser KönigSpaar, die Minister und UnterstaatSsekretäre werden bald ihre Villeg- giatucen aufsuchen. Die Königin Margaretha befindet sich bereit« in ihrer Sommerfrische
auch nicht eine Spur vorhanden ist von Franzosenhaß. Der Deutsche hat die Feindschaft von 1870 und 1871 längst in das Meer der Vergessenheit versenkt.
In Prag dagegen wurde das slavische Sokolfest gefeiert, ein großes Turnerfest, an dem Vertreter aller slavischer Stämme theilnahmen, das schon aus diesem Grunde einen durchaus panslavistischen Charakter an sich trug. Wo aber der Panslavismus obenauf ist, gibt es keine Freundschaft für Deutschland, und am allerwenigsten in der Prager Hochburg des deutschfeindlichsten aller Slavenstäinme. Und doch sandte die Stadt Paris offizielle Vertreter zu diesem sogenannten Turnerfeste nach Prag! Schon daraus kann man ersehen, auf wie schwacher Grundlage die Bemühungen noch ruhen, Frankreich und Deutschland wieder miteinander zu versöhnen und den Gedanken der Wiedervergeltung endlich und endlich aus den Herzen der Franzosen zu vertreiben.
Jetzt ist auch der B u n d e s r a t h in die Sommer« fetten gegangen. Vor Thoresschluß hat er noch einer ganzen Reihe von Gesetzen seine Zustimmung gegeben: darunter namentlich auch der heiß angefochtenen Novelle zum Gewerbegerichts-Gesetze nach dem Beschlüsse des Reichstages vom 13. Mai. Aber von dem Anträge des Reichstages auf Beseitigung des Jesuit en gesetzes ist im Bundesrathe noch immer nicht die Rede gewesen. Wer kann es den Katholiken verdenken, daß sie sich empfindlich getroffen fühlen durch diese geringschätzige Behandlung ihrer dringendsten Wünsche; und wie kann der Bundesrath es rechtfertigen, daß er mit derselben Geringschätzung den immer wiederholten Beschluß des Reichstages behandelt?
Ueber die Besetzung des Bischofsstuhles von Metz ist noch immer nichts entschieden. Ganz neuerdings ist auch der Abt von Maria-Laach, B enzler, unter denjenigen genannt worden, die für das hohe Amt ausersehen fein sollen. Daß der Kaiser dem Abte von Maria-Laach persönlich ganz besonders gewogen ist, weiß man ja. Das Gerücht hat also ohne Zweifel viel Wahrscheinliches an sich.
Einen Ministerw echsel hat das Groß- herzogthum Baden zu verzeichnen. Der Staats- minifter Dr. Nokk ist aus dem Amte geschieden. Der bisherige Minister des Auswärtigen von Brauer wurde zum Präsidenten des Staatsministeriums ernannt, Oberstaatsanwalt Freiherr von Dusch zum Minister des Unterrichts und der Justiz, und Domänendirektor Reinhard zum stimmberechtigten Mit- flliebe des Staatsministeriums. Bei den einzelnen Ministerien sind also Aenderungen nicht eingetreten, und Äenderungen in den politischen Tendenzen der Regierung find als Folge dieser Ministerverschiebungen Bund gar nicht zu erwarten. Herr Minister ist beinahe siebzig Jahre alt. Sein Bedürfniß nach Ruhe ist also vollkommen natürlich. Freiherr An Dusch, der neue Mann innerhalb der badischen Regierung, gilt als konservativ.
Die württembergische Abgeordneten- mm er ist trotz Hitze und Hochsommer noch immer lieißtg. Erst in diesen Tagen hat sie wieder einen interessanten Tag gehabt bei der Berathung über sozialpolitische Anträge des Centrums und oer Ratwnalliberalen. Es handelte sich dabei nament- „9.um Erweiterung der Gewerbeaufsicht
Ei« Errichtung von Arbeitskammern,
^^.^bschluß ist noch nicht gefaßt worden; die An- orh«e<>i^»rkfn vielmehr an die Kommission der Abge- «enfammer für innere Verwaltung verwiesen.
mit Zlnterhaltungs -Anlage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung"
Römische Briese.
XXIII.
lD Rom, 1. Juli 1901.
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Rabatt gewahrt.