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M 152.
Jul^öa, Samstag, den 6. Juli 1901.
28. Jahrgang.
O Zollpolitik und Auswanderung.
Wenn man die Ziffern miteinander vergleicht, bie die Auswanderung aus Deutschland während der letzten dreißig Jahre kennzeichnen, dann ifindet man bekanntlich im allgemeinen ein sehr starke Anwachsen dieser Auswanderung während der siebziger Jahre, nachher eine allmähliche, aber ganz regelmäßige Abnahme. Während der allerletzten Zeit ist die Auswanderung aus dem .Deutschen Reiche so erfreulich niedrig gewesen, wie während der ganzen letzten dreißig Jahre nicht. Vor nicht langer Zeit sind die amtlichen Liffern, die genauen Aufschluß über die Aus- wanderungsbewegung geben, eingehend in den Leitungen besprochen worden.
Wer auswandert, kann dies aus verschiedenen -Gründen thun. In manchen Gegenden reißt mitunter so etwas wie ein Auswanderungsfieber ein. Derlei hat man mehrfach erlebt, so in Thüringen und im Schwarzwalde. Alsdann wandern auch so manche Leute aus, die selbst nicht recht wiffen, warum sie das eigentlich thun. Aber das Auswanderungsfieber reißt schwerlich in Gegenden ein, in denen die Bevölkerung durch die Bank eines guten Wohlstandes und einer angenehmen Behäbigkeit sich erfreut. Und damit kommt man auf einen weiteren Grund zur Auswanderung: er besteht in unerquicklchen Hei- mathsoerhältniffen. Wo solche bestanden, da erschienen früher die berüchtigten Leute, die sich ein Kuppelgeld von Schiffsgesellschaften verdienen wollten. Diese agitirten planmäßig für die Auswanderung, indem sie den mit ihrer Heimath unzufriedenen Menschen paradiesische Schwindelbilde c entwarfen von den Reichlhümern, die sie in irgend einem überseeischen Lande erwerben könnten. Dieser Bande ist das Handwerk so Ziemlich gelegt worden. Außerdem ist es heutzutage nicht mehr so leicht wie früher, weitere Volkskretse über die wahren Zustände in anderen Ländern zu täuschen. Aber unter den Gründen, die zur Auswanderung treiben, muß als dritter Haup'grund der Wunsch angeführt werden, in einem anderen Lande Reichthümer zu erwerben, auf deren Erwerb man in der Heimath nicht rechnen kann, obwohl man sonst auch mit den Verhältniffen in dieser im allgemeinen nicht unzufrieden ist.
neten v. Siemens, der einmal sagte: „Wenn die Getreidezölle derart erhöht werden, daß die Getreide-Einfuhr zur Unmöglichkeit wird, dann würden in Deutschland, da die deutsche Landwirthschaft Nahrungsmittel nur für 48 bi« 49 Millionen Menschen beschaffen kann, 6 bis 7 Millionen Menschen nicht ernährt werden können, sondern zur Auswanderung gezwungen werden."
Zunächst fehlt der Beweis für die Behauptung, daß die deutsche Landwirthschaft die deutsche Bevölkerung nicht ernähren könne. Umgekehrt aber kann man gerade das Gegentheil beweisen, daß die deutsche Landwirthschaft unter geeigneten Ber- hältniffen die Bevölkerung des deutschen Reiches sehr wohl ernähren kann. Damit fällt schon die Grundlage dieser Beweisführung. Dann aber hat auch der allerüberzeugteste Schutzzöllner oder Agrarier noch niemals daran gedacht, durch die Zölle dem Reiche die Einfuhr von außerhalb her abschneiden zu wollen. Nur so viel sollen die Zölle bewirken, daß der deutsche Fleiß selbst einen Lohn finde und die deutsche Arbeit nicht ruchtlos und vergeblich werde. Die deutschen Auswanderer aber stammten zu allen Zeiten vorwiegend aus ländlichen Verhältniffen. Da nun gerade die Landbevölkerung zu allerletzt von schädlichen Wirkungen der Getreidezölle betroffen werden könnte, vorausgesetzt nämlich, daß solche Einwirkungen sich überhaupt feststellen ließen, stellt es sich vollends als ein verkehrtes Beginnen dar, die stärkere oder schwächere Auswanderung mit der steigenden oder fallenden Höhe der Getreidezölle in Zusammenhang zu bringen.
Dann aber kommt die Hauptsache. Die Auswanderung aus dem deutschen Reiche war am stärksten in den siebziger Jahren, das heißt in den Jahren, als bei unS in Deutschland der Freihandel am Ruder war. Die Auswanderung hat beständig, mit nur ganz vorübergehenden Abweichungen, von dem Zeitpunkte ab sich verringert, an dem bei uns die Grundsätze des Schutzzolls zur Geltung kamen. Man kann also nach allen vorliegenden Erfahrungen und Verhältniffen zwischen Handelspolitik und AuS- wanderungswesen nur und allein den Zusammenhang entdecken, daß in der Zeit drS Freihandels die Auswanderung cm stärksten war, aber unter dem Einflüsse oder zu oet Zeit der Schutzzölle beständig adgenommen hat. ES gehört schon ein kräftiges Maß von llnkenntniß der chatfüchlichen Verhältnisse oder aber von „politischer Brunnenvergiftung" dazu, um die Behauptung aufstellen zu können, daß di« Politik des Schutzzolles die Gefahr einer Vermehrung der Auswanderung in sich berge.
Die Freihändler arbeiten aber jetzt mit einem
ganz neuen Mittelchen für ihre rückständige oder aber eigensüchtige WirthschaftSpolitik. Sie haben die Idee ausgeheckt, die Auswanderung aus Deutschland würde wiederum ungeheuer anschwellen, wenn die Politik des deutschen Reiches nicht aus den Bahnen des Schutzzolles abgehen und sich den Grundsätzen des Freihandel» wieder zuwenden würde. Vor allen Dingen sollen erhöhte Getreide- zölle solche Gefahren in sich bergen. „Die Leute «andern aus — meint die nationalsoziale ,Hilfe, — nicht weil das Getreide zu billig, sondern weil « zu theuer ist." Und damit stimmt sie überein mit einem Ausspruche de» freisinnigen. Abgeord-
Deutsches Keich.
Berlin, den 5. Juli.
* Kaiser Wilhelm II. wird neuerdings das Mittleramt zwischen England und Transvaal zugedacht. Die.Tägliche Rund- schau' läßt sich nämlich darüber aus London melden: „In hiesigen Hofkressen verlautet, König Eduard habe in den letzten Tagen in lebhaftem Depeschenwechsel mit Kaiser Wilhelm in Kiel gestanden, ebenso auch die beiderseitigen Auswärtigen Aemter.
Die Namensschwestern.
Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.
2 ------ (Nachdruck verboten.)
„Um eines solchen Mädchens willen? DaS scheint mir sehr unglaublich, Harris."
„Und doch war es so, Herr! Dora Stirling war ein schönes Mädchen und die einzige Stütze ihrer Mutter, die Männer gaben nicht viel ab. Die beiden Frauen waren brav und ehrlich und grämten sich nicht wenig über das Treiben der schlechten Sippe."
„Und was wurde aus dem Mädchen?"
„Das weiß Niemand! Sie verschwand einet! Tage- und ließ nichts mehr von sich hören, daS arme Ding!"
Während der Doktor noch über diese ihm neuen Eröffnungen nachdachte, hatten sie Best- fields erreicht und ein Diener geleitete den sehn- lichst Erwarteten schleunigst in das Gemach seiner Herrin.
Ein einziger Blick sagte ihm, daß der dritte gefürchtete Schlaganfall wirklich gekommen war.
Bei vollem Bewußtsein, aber unfähig, sich zu beweaen, ruhte Frau Graham, halb liegend, halb gestützt von einer Dienerin, auf einem niederen Divan.. Das bleiche, schöne Gesicht «ft den harten Zügen schien ganz eingeschrumpft; «S war, als ob nur der Wille allein noch das Leben darin zurückhielte. Die langen schmalen Hände, die Fräulein Baffett durch unaufhörliches Reiben zu erwärmen suchte, waren ganz hilflos
und die dünnen Lippen, einst der Typus unbeugsamen Willens, bemühten sich peinlich, einige Worte heroorzubringen.
„Was wünschen Sie, Frau Graham?" fragte der Doktor, als er den bekümmerten Blick bemerkte und ihre kalte Hand in die feinige nahm. Ein schwaches Zeichen lenkte seine Aufmerksamkeit auf ein geschloffenes Kouvert, das zwischen ihren Shwals und Kiffen lag. „Dies?" fuhr er fort, „soll ich es öffnen?" Ein kaum vernehmbarer Laut bejahte seine Frage. Als er das in Frau Grahams deutlicher Handschrift eng beschriebene Dokument entfaltete, murmelte^ die Kranke mit schmerzlicher Anstrengung:
„Voll—enden. Lesen."
Der Doktor erfüllte ihren Wunsch. Großes Staunen malte sich in seinen Zügen, während sein Auge die Zeilen dieses Testamentes, korrekt in der Form bis zu seiner letzten Silbe, rasch überflog. Fräulein Baffett stand neben ihm, und aus ihrem dunklen, häßlichen Gesicht sprach die lebhafteste Neugier.
„Eine Feder, bitte," sagte der Doktor, einen schwachen Laut der Kranken richtig deutend. Die Feder war augenblicklich zur Hand, und mit einer letzten gewaltigen Anstrengung setzte Frau Graham ihren Namen unter das Dokument, ihrer Gesellschafterin und Dienerin durch ein Zeichen bedeutend, das Gleiche zu thun.
In dem einen Augenblicke, da daS Testament vor ihr lag, erfaßte Fräulein Bassetts scharfes Auge dessen Inhalt, und eS war mehr als bloße Enttäuschung, es war Zorn, ja BoS- heil, waS sich in ihren Zügen auSdrückte. Sie
ES soll sich um eine etwaige Vermittelung n Südafrika handeln." Der Wortlaut läßt vermnthen, daß König Eduard dabei den ersten Schritt gethan und den deutschen Kaiser um die Friedensvrrmittelung angegangen habe, — wenn die Nachricht der .Täglichen Rund- chau' richtig ist. Vorläufig wird man aber noch >ie Bestätigung derselben abzmvarten haben.
* An das «tue AeichsawfsiHtsaml für Wri»a1»erßcherimse« werden außer den »ereitS genannten Herrn, der Deutschen Ber- icherungszeitung zu Folge, noch berufen werden fisenbahndirektor Klewitz in Münster als Mitglied und Stellvertreter deS Direktors, iegierungsaffeffor Wagner in Trier als Mitglied und RegierungSrath Dr. Bro eck er als ständiges Mitglied deS Amtes. Ferner eien die Herren de Riem und Dr. Brillat vom Berliner Polizeipräfidtum und Herr Weymann vom ReichSoerficherumgsmnt als Ber- lcherungSreossoren in Aussicht genommen worden.
h Ai- Insel Iernaudo yo im Meerbusen von Guinea, die jetzt den Spaniern ge- ! ,ört, soll wie in der gestrigen Nummer der .Fuldaer Zeitung' kurz erwähnt worden ist, nach einer Mittheilung der .Kolonialen Zettchrist' der Gegenstand neuer Vereinbarungen wischen Spanien und Deutschland fein. Deutsch» and soll nämlich von Spanien das Berkauss- recht auf die Insel eingeräumt erhalten haben. Diese Vereinbarung ist indeß nicht neu, sondern nldet einen Theil des Abkommens, das zwischen beiden Staaten über den Ankauf der Karolinen und Marianen abgeschlossen wurde und bekannt- ich schon längst die Zustimmung des Reichs- ages erhalten hat. Außerdem gewinnt die Vereinbarung erst dann praktische Bedeutung, wenn die Spanier die Insel überhaupt verkaufen wollen, was vorläufig gar nicht der Fall zu sein scheint. Die Lage der kleinen Insel macht diese sür Deutschland wichtig. Dieselbe gehört zum Gelände von Kamerun. Da Deutschland aber schon das Recht hat, eine Kohlenstation auf der Insel zu unterhalten, und außerdem auch einen Platz zur Anlage eines guten Hafens, besitzt es eigentlich schon das, worauf es ihm in der Hauptsache ankommen muß. Die Engländer wollten in früheren Jahren die J-isel kaufen. Die Verhandlungen darüber zerschlugen sich aber wieder.
+ KiseuvaHuvanten. Vergebens hatte, wie man weiß, der preußische Landtag während seiner letzten Tagung auf die übliche Nebenbahnvorlage gewartet. Jetzt wird in halbamtlicher Tonart versichert, diese Vorlage hätte unmittelbar nach der Erledigung des Etats dem Landtage zugehen sollen; die Verwirklichung dieser Absicht sei aber daran gescheitert, daß nachträglich von einer thüringischen Regierung Veränderungen einer Bahnlinie gewünscht worden seien, die in der Vorlage enthalte» gewesen sei. Nachher sei durch den verfrühten Schluß des Land- tages die Vorlage des EtsenbahngesetzeS unmöglich geworden. Man braucht nun diese Entschuldigung nicht wörtlich nehmen; aber es bleibt doch immer so etwas wie eine Entschuldigung. Wichtiger als diese ist die gleichzeitige Ankün- bigung, daß nunmehr in der nächsten preußischen Eisenbahnoorlage auch die Mittel für neue
Hauptbahnen verlangt werden würden, die die jetzt verkehrsreichsten Linien entlasten sollen, namentlich für eine Verbindung zwischen BreS- lau und dem oberschlesifchen Bergwerksbezirke.
X 48. H-«-ralv-»fa«mkrmg de» Kaltzo- kiär« Deutschlands. Dank der eifrige« Thätigkett der Kemmssfionen schreiten die Vor- bereitnngen zu dem großen Katholikentage rüstig voran. Am Dienstag Abend fand wiederum im Bundessaale des Osnabrücker Vereinshauses eine Vorstandssihung des Lokslkomitees statt, in welcher die Vorsitzenden der einzelnen Kommissionen über den Fortgang der Arbeiten berichteten. Seitens der Feftkommiffion wurde der Entwurf zu dem Programm der Generalversammlung vorgelegt, der, wie gestern bereits gemeldet, alsbald veröffentlicht werden wird. Im Allgemeinen schließt sich daS Programm dem der früheren Versammlungen an, und wir brauchen auf dasselbe hier nicht näher einzugehen. Aus den Vorarbeiten der Bau- und Ausschmückungs-Kommission wollen wir erwähnen, daß zu den Festtagen vom Hauptbahnhofe ab die Straßen in Fest- kraßen verwandelt werden sollen. Unsere lädtische Behörde, daS wollen wir mit Dank merkennen, ist auf die Anträge der Kommission n zuvorkommendster Weise ein gegangen, waS n unserer katbolischen Bevölkerung angenehm berührt hat. Sehr freundlich haben sich auch die Vorsteher der hiesigen großen Jndustriewerke zu der Generalversammlung gestellt, indem sie »ereitwillig für diejenigen Besucher, welche sich ür industrielle Anlagen tutereffire», den Besuch >er Werke gestattet haben. Die Festkommisfion hat unter Anderm für den Mittwoch Morgen auch eine Fahrt nach der Georgmarienhütte in Aussicht genommen, wo auf dem Plateau im Klubhause mit dem Ausblick auf die grünen Bergeshöhen sich ein fröhliches Leben entfalten wird. Auch andere Punkte unserer schönen Umgegend werden auf manchen Besucher der Generalversammlung ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Besonders »erben wir eS uns auch angelegen fein lassen, den Gästen der letzten Tage des August unsere Familienkleinodien zu zeigen, wenn wir die Schätze unserer Kirchen rc. fo nennen dürfen, soweit sie die Stürme der Z-it überdauert haben. EinzuverläffigerFührer durch die Sehenswürdigkeiten in der Stadt und außerhalb ist in Vorbereitung und wird um Ende August im Verlage der Ptllmryerschen Buchhandlung (I. Jon scher) erscheinen, und kann mit seinen fast neunzig sauberen Abbildungen die Besucher von auswärts schon vorher mit den Stätten der achtundvierzigsten Generalversammlung bekannt machen. SBte die ganze katholische Bevölkerung unserer Stadt und darüber hinaus, so sieht auch der katholische Arbeiterstand den festlichen Tagen der Generalversammlung mit besonderem Interesse entgegen. Er empfindet eS als ein Be- dürfniß, während derselben seiner christlichen Gesinnung und seiner Solidarität mit den anderen Berufsständen öffentlich Ausdruck zu geben und zu beweisen, daß der Geist der Eintracht die katholischen Arbeiterkreise erfüllt, der sie stark macht, für die Hochhaltung ihrer Prinzipien ein-
wandte rasch ihr Gesicht zur Seite, es sollte nicht zum Verräther an ihr werden.
Der Doktor bat jetzt die Jungfer, einen Augenblick in das Nebenzimmer zu treten und sagte bann zu Fräulein Baffett: „Bitte, richten Sie die Dame ein wenig auf, ich möchte, wenn möglich, ein Wort bet Erklärung von ihr hören — langsam, langsam," fügte er hastig bei, als die Gesellschafterin in seltsam schroffer Weise die kleine Dienstleistung vollzog.
„Ohne Zweifel," redete et bann langsam und deutlich seine sterbende Patientin an, „ist Ihnen Alles so klar, daß es deS fehlenden Wortes nicht bedarf. Aber es ist nothwendig, daß ich, dem sie ihr Vertrauen schenken, aufS Genaueste unterrichtet bin. Also Sie hinter» lassen Westfields und Ihr ganzes persönliches Besitzthum Ihrer Enkelin: Ihrer NamenS- gefährtin Ellinor — El—linor?" Fragend hielt der Doktor inne. Die Sterbende suchte etwa- zu sagen, aber vergeblich. Der schwache Athem entrang sich nur noch stockend bet keuchenben Brust.
„Ellinyr--?" wiederholte Dr. Wilson
langsam.
Zu spät, die Sttmme versagte. Die Augen, die sonst so stolz und selbstbewußt geblickt hatten, erhoben sich flehend zu der Gesellschafterin, der Vertrauten so vieler Jahre.
„Graham," ergänzte diese mit eigentümlicher Betonung, und ihre ohnehn schon abstoßenden Züge nahmen einen harten, ja grausamen Aus- druck an.
„Die fast leblose Gestatt in ihren Armen
zitterte und machte eine verzweifelte Anstrengung, sich umzuwknden.
„Pst! kein Wort mehr!" flüsterte hasttg bet Doktor, Vx sich die furchtbare Aufregung nicht zu erklären vermochte. Ein Schauder ging durch den Körper der Sterbenden, Todtenbläffe bedeckte ihre verfallenen Züge und tiefe Bewußtlosigkeit umfing ihre Sinne. So verging eine Stunde und bann kam daS Ende eines Lebens, das sich lange trüb und freudlos dahingeschleppt, hart und stolz seinen Kummet vor gemeiner Neugierde verborgen und auch theilnehmender Freundschaft keine Rechte zugestandeu hatte.
Die Nachricht, die Dr. Wilson ferner ängst- lich harrenden Gattin brachte, roirtte sehr niederschmetternd auf die gute Dame; aber nachdem sie die halbe Nacht wach gelegen hatte, fügte sie sich in das Unabänderliche und beruhigte sich endlich mit dem festen Entschluß, ihre Enttäuschung Niemanden merken zu lassen. Auch Katoline Bassett verbrachte eine schlaflose Nacht, So plötzlich ihre schönsten Pläne durchkreuzt zu sehen, brachte ihr Blut in stürmische Wallung. Tausenderlei Gedanken wälzten sich in ihrem Hirn; aber ehe sie mit Tagesanbruch ihr Sager aufsuchte, betrachtete fie lächelnd ihr fahles Gesicht im Spiegel und warf den Kopf zurück mit einer Geberde, die deutlich verrieth, daß sie über eine schwierige Sache mit sich ins Reine gekommen -sei. „Also sei es so," murmelte fie vor sich hin. „ES bleibt mir immer noch viele Hoffnung. Ich will warten, bis Ellinor Graham hierherkommt."