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jnfttat« J. p a r 3 ci 11 r a f(mit Nnterhaktungs -Aeikage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" petctSäÄÖe llr. 2 Cfcarmonk).
M 151.
Iu0öa, Freitag, den 5. Juli 1901.
28. Jahrgang.
£ Neue Militärvorlage in Sicht?
Wenn ein ehrlicher Mann einem andern ehrlichen Manne verspricht, er wolle etwas Bestimmtes nicht thun, dann kann er eS auch nicht thun, ohne daß der Ändere ihn seines Versprechens entbindet. Die Regierung und der Reichstag befinden sich zur Zeil in dieser Lage «it der Frage von einer erneuten Erhöhung der Friedensstärke des HeereS. Kriegsminister von Goßler hat gesagt, die zweijährige Dienstzeit bei den Fußtruppen habe sich nicht bewährt, und unter dieser Voraussetzung find Regierung und Reichstag bei der Feststellung des Reichs- heereS nach der letzten Heeresoorlage nach langen und recht mühsamen Verhandlungen einig geworden. Die Regierung ließ es sich gefallen, daß von der geforderten Friedensstärke des Heeres rund 7000 Mann gestrichen wurden. Sie erhob auch keinen Widerspruch gegen die Annahme einer Entschließung durch de» Reichstag, daß diese 7000 Mann nur dann nach- bewilligt werden sollten, wenn sich eine Beibehaltung der zweijährige» Dienstzeit als unmöglich erwiese. Und bis heute hat man noch nichts davon vernommen ans dem Munde eines militärischen Regierungsorrtreters, daß die Beibehaltung der unvollständige» Regimenter mit nur zwei Bataillonen eine Unmöglichkeit wäre. ES ist also keine Voraussetzung dafür erfüllt, daß jetzt schon wieder die Regierung zu der Forderung einer Vermehrung der Heeresstärke berechtigt wäre; und wenn ihr daran liegt, die Rolle deS ehrliche» Mannes gegenüber dem Reichstage zu spielen, so kann sie jetzt nicht an diese» mit einer Vorlage herantreten, um von Neuem die Friedenspräienz zu erhöhe», wen» nicht etwa der Reichstag selbst vorangehev, und der Regierung diese HeereSvrrmehruug aus dem Pcäsentirteller darbieten will.
An den Versuchen der Stimmungsmacherei dafür fehlt es nicht. Es ist die .Deutsche Volkswirths Gastliche Korrespondenz', die seit einiger Zeit Stimmung in diesem Sinne zu machen sucht. Diese Korrespondenz brachte vor einiger Zeit die Behauptung auf, e» bestehe bei den Verbündeten Regierungen die Absicht, dem Reichstage in dessen nächster Tagung eine neue Militärvorlage vorzulegen, in der die Vervoll- ständigung der Regimenter mit zwei Bataillonen angeblich gefordert werden sollte, und mit großer Lebhaftigkeit erfaßte die ,Freis. Zeitung' des Abgeordneten Eugen Richter diese Gelegenheit beim Schopfe, um sie in bekannter Manier als Sensationsstück auszunützen für den Abonnenten- fang vor dem Quattalswechsel. Erst durch die Tamtamschläge der freisinnigen und sozialdemokratischen Presse ist eine allgemeine Auseinandersetzung über dieses Thema zu Stande gekommen, das von der Deutschen VolkSwirthschaftl. Korr.' auf« Tapet gebracht worden war.
Jetzt erscheint diese mit einer neuen Darlegung vor der Oeffentlichkeit, in der zunächst die völlig unbewiesene Behauptung von Neuem aufgestellt wird, daß die Ausbildung der Hauptmasse unseres Heeres unter der Einführung der zweijährigen Dienstzeit leibe. Außerdem sollen die Regimenter mit den zwei Bataillonen denselben verhängniß- volle» Einfluß ausüben und aus allen diesen un-
Die Namensschwestern.
Frei nach dem Englische» von Clara Rheinau.
------ (Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Ein milder, stiller Septembertag ging zur Neige, ein Tag, der mit seiner warmen, einschläfernden Luft den entschwundenen Sommer vortäuschte, bis der scharfe Wind, der sich am Abend erhob, daran erinnerte, daß man einer andern traurigen Jahreszeit entgegen gehe.
I» einem Dorfe in der englischen Landschaft Norfolk — Bridgeham mit Namen — hatte sich in den hohen Ulmen, die die Kirche umstanden, eine Schaar Krähen niedergelassen und ein eintöniges Abendlied angestimmt. Hie und da schimmerte ein Licht durch die rasch hereinbrechende Dunkelheit. Die Stille der kommenden Nacht legte sich über die einfachen Heimstätten, Menschen und Thiere gaben sich der wohlverdienten Ruhe hin.
Eine volle Stunde herrschte tiefes Schweigen in dem Dörfchen. Da schreckte plötzlich daS Rollen von Wagenrädern auf der Landstraße fast sämmtliche Bewohner auf. Neugierige Gesichter erschienen an den kleinen Fenstern, jeder wollte sehen, wer die späten Reisenden wären.
„Es ist «m graue» Pferd und ein leichter Wägelchen, sagte Wittwe Brunton zu der alten Frau, die ihre Hütte mitbewohnte. „Gewiß von Westfields! Frau Graham wird schlimmer geworden sem, die arme Seele!"
„Meinetwegen!" war die scharfe Entgegnung
bewiesenen Voraussetzungen heraus gelangt das genannte Organ zu dem nachfolgenden Schlüsse:
„Wenn die Heeresverwaltung mit der Forderung „der Aufstellung der dritten Bataillone im „nächsten Herbst hervortritt, so thnt sie nicht» „Anderes, als daß sie einen für die Ausbildung „und Schlagfertigkeit des Heere« unerträglichen „Mißstand zu befestigen trachtet . . .*
im Ganzen würde nach der Berechnung der .Deutschen VolkSwirthschaftl. Korr.' die entsprechende HeereSvermehrung „nur" 25000 Manu betragen.
Wessen Anschauungen vertritt die genannte Korrespondenz? Man kennt fie allgemein als ein Organ der größte» Großindustrie, welche sich ja viele Organe der Presse geschaffen und dienstbar gemacht hat. Forscht man also nach dem Ursprünge dieser Stimmungsmacherei für erneute Vsrmchrung des deutschen Friedensheeres, so findet man ihn in denselben Streifen, die vor Kurzem gar nicht genug darin thun konnten, sür immer wertere Flotteavergrößerunge» die Reklame- Trommel zu rühre», die letzte Marine - Vorlage als vollkommen ungenügend za bezeichnen und den Untergang des Vaterlandes als Schreckgespenst an die Wand für den Fall malen, daß die ReichS- regierung auch gar noch ihre Einwilligung zu der damals vorgeschlagenen und dann auch durchgeführten Streichung von Auslands-Fahrzeugen der Kriegsflotte geben sollte. Mit der Marine ist augenblicklich auf keine» Fall etwas zu mache». Also kommt wieder einmal das Landheer an die Reihe, von dieser Scharfmacherzunft zur Zielscheibe ihrer Umtriebe gemacht zu werden.
Es ist nicht anzunehmen, daß die Heeresverwaltung selbst ol» Drahtzieher im Hintergründe st-ht. Der CentrumSabgeordnete Müller- Fulda hat eine Versammlung, die vor kurzem in Fulda stattfand und über die wir ausführ lich Bericht erstatteten, als willkommene und geeignete Gelegenheit benützt, um der Annahme zu widersprechen, daß man es hier beretts mit Plänen der Regierung selbst zu thun haben könnte. Er bezeichnete daS ganze Manöver als eine Hundstagsversicherung, die also besonderer Beachtung nicht werth sei; und augenscheinlich trifft diese Kennzeichnung den Nagel auf den Kopf. Wir brauchen uns demnach nicht aufregrn zu lassen durch die Darlegungen derjenigen, die eine neue Vermehrung des Friedensheeres für nothwendig halten oder für nothwendig zu halten vorgeben. Die Regierung wird sich mtt dem Klugen be- .rathen und auf solche Forderungen zunächst selbst verzichte», da fie auf eine Mehrheit dafür im Reichstage nicht rechnen kau», so wenig unan- genehm ihr auch die Versuche sein möge», die öffentliche Meinung für eine erneute Erhöhung der Friedeuspräsenz zu gewinnen.
Dorrt schr» Keich.
Berlin, den 4. Juli
h NeichsKauzker Graf MSlorv hat sich nach dem Nordseebabe Norderney begeben, begleitet von bem Geheimen Legatiousrathe von ßinbenau. An diesen Aufenthalt an der Nordsee soll sich eine Sommerfrische in seiner holsteinischen Heimath anschließen, so daß vorläufig an eine Reise des Kanzlers nach Petersburg wohl nicht zu denken ist.
der Alten. „Viele werde» sich nicht nm sie grämen, ich wenigsten« nicht."
„Aber sie that Niemand etwas zu leide, wenn fie sich auch nicht viel um uns kümmerte," fuhr die jüngere Frau fort, das erlöschende Feuer noch einmal anfachrnd. „Traurig ist'S doch, so verlaffen da zu liegen, im letzten Stündchen Niemand von seinem eigenen Fleisch und Blut bei sich zu haben."
„Sie ist nicht verlaffener als ich," versetzte die Ändere hart, und eine solche Bitterkeit sprach aus ihrer Stimme, daß Frau Brunton schnell das offenbar gefährliche Thema abbrach.
Inzwischen war daS Fah^eug, das die Bewohner von Bridgeham in solche Aufregung versetzte, an dem bescheidenen Hüttchen vorübergefahren und hielt jetzt vor dem Thore eines stattliche» Hauses an. Der Kutscher stieg eilends ab, zog heftig die Schelle an und schickte dem Hausherrn eine Botschaft, die diesen rasch von dem soeben begonnenen Mahle aufschreckte.
„Es ist nicht zu ändern, meine Liebe," sagte Dr. Wilson, nachdem er mit dem Boten Rücksprache genommen .hatte. „Frau Graham hat einen neuen Schlaganfall erlitten und ich muß sofort zu ihr. Der Verwalter ist selbst herüber gefahren; er glaubt, Fräulein Bassett verstanden zu haben, daß man auch wegen geschäftlicher Sachen meiner bedürfe. Speise nur ruhig weiter, ich komme so bald wie möglich zurück."
„Wie entsetzlich unangenehm!" rief Frau Wilson ganz niedergeschlagen. „Die ersten Rebhühner und die letzte» Pfirsiche des Jahres und man läßt sie Dich nicht einmal genießen!"
* Zum Höerpräsideuten von H Spreu her, als Nachfolger des verstorbenen Grafen Wilhelm Bismarck ist der »Köln. Ztg.' zufolge Regierungspräsident F reih er rv. Richthofen in Köln in Aussicht genommen.
Freiherr Hugo v. Richthofen wurde am 16. August 1842 als Sohn bei 1896 verstorbenen Generalmajors Freiherrn von Richthofen zu Neisse geboren und trat 1860 in die Armee, und zwar beim Regiment der Gardes du Korps, ein. Nach dreijähriger Dienstzeit als Offizier nahm er 1863 auS Gesundheitsrücksichten feinen Abschied und widmete sich dem juristischen Studium. Er war dann alS Referendar bei den Regierungen in Wiesbaden nnd Koblenz thätig, wurde 1874 Assessor und nachdem er einige Zeit bei der Landdrostei Aurich thätig gewesen war, im Jahre 1876 Landrath in Ottweiler und 1883 Landrath des Kreises Saarbrücken. In den Jahren 1885 und 1889 war er zur Uebernahme des KabinetSministeriums im Fürstenthum Lppe beurlaubt und 1889 erfolgte feine Ernennung zum Oberregierungkrath und Stellvertreter des Regierungspräsidenten zu Potsdam. In den Jahren 1892 und 1893 war er während der Cholera-Epidemie zum ReichSkommtssar für die Gesundheitspflege im Elb- stromgebiet ernannt. Am 1. Juni 1894 erfolgte seine Ernennung zum Präsidenten der Regierung zu Köln, als Nachfolger deS in de» Ruhestand getretenen Herrn v. Sydow.
* Die A«sfüHrttvgsvefiimmunge« zum IkeifchSeschaugefeh werben binnen Kurzem ben Bunbesregierunge» zugesandt werden, so daß der Bundesrath nach seinem Wiederzusammentritt im Herbst alsbald sich darüber schlüssig machen kann. Voraussichtlich werde» schon demnächst die die ausländische Einfuhr betreffenden Befiimmungen in Kraft gesetzt werden. Da« Einfuhrverbot des Büchsenfleische« unb von Wurst ist bekanntlich schon seit dem 1. Oktober vorigen Jahres in Kraft. Laut Mtionallib. Korresp.' sollen die Bestimmungen über die ausländische Einfuhr von Pökelfleisch vielleicht zum 1. Januar oder J. April nächsten Jahres in Kraft treten.
* Irrrmussrveserr. Der Centralausschuß der vereinigten JnnungSverbände Deutschlands erläßt soeben in Sachen der JnnungSauSschüsse ein Dankschreiben an die höheren Verwaltungsbehörden, in bem er anerkennt, daß seitens der Regierung und ihrer Vertreter, auf da« Ersuchen dr« CentralauS- schuffe« vom Mai d. I. hin, der Bildung von Jnnungsausschüffen die weitgehendste Förderung zu thetl wurde. Leider habe ein Theil der in Frage kommenden Handwerksmeister weder genügendes Interesse noch Verständniß für den Ausbau der Organisation gezeigt. Schließlich werden die Behörden «rsucht, sich auch fernerhin der Innungen anzunehmen unb bett Handwerkerinteressen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die enbgtltige Schaffung einer ständigen allgemeinen Handwerkervertretung soll auf dem vom 8. bi« 10. September in Gotha staltfindenden Allgemeinen deutschen Jnnungstage erfolgen, zu dessen Beschickung der Centralausschuß sämmtliche deutschen Innungen dringend auffordert.
+ Kroßer KouKurs tu Drossel. Nun ist auch über das Vermöge» der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel der Konkurs„eröff»et. Herr Herman» Sumpf, der Vorsitzende des AussichtsratheS, ist verhaftet. Der Direktor des Unternehmens, Herr Schmidt, ist verreist. Die genannte Aktiengesellschaft hat, wie bekannt, in der Hauptsache den Leipziger Bankkrach veranlaßt. (S. Kassel. D. Red.)
X Ao« her deutsche« Aechtschretö««-. In der,Nordd. Allgem. Ztg.' findet sich eine
„Sie werden sich halten." versetzte ihr Gatte leichthin, und knöpfte seinen Ueberrock zu. „Aber erwarte mich nicht, ich muß vielleicht bis nach Mitternacht bleiben, wenn sonst Niemand dort ist. Lebe wohl!"
Ja voller Hast eilte er weg und überließ seine Frau ihrem Grübeln. Diese beschäftigte fich weniger mit der medizinischen Krisis — diese war lange vorauSzusehe»! — als mit den gesetzlichen Bestimmungen dieser vielleicht letzten Stunde: mit anderen Worten, mit der möglichen Verfügung über Frau Grahams prächtiges Be- fitzthum, ein Gegenstand der Neugierde für Mele und des ganz besonderen Interesses für Frau Dr. Wilson.
Denn, überlegte sie für fich, die arme alte Dame schien wirklich vom ersten Tage ihres Hierseins an eine Vorliebe für uns zu fassen, obschon wir uns gewiß nicht um ihre Gunst bewarben. Sie war meinem Manne so dankbar, daß er ihre Behandlung übernahm, obschon er fich eigentlich bereits zur Ruhe gesetzt hatte. O, wen» fie wüßte, daß er das ärztliche Honorar stets seinem armen Kollege» Polt überläßt! Ich glaube, ihr Sohn ist tobt, oder wenigstens enterbt; so würde ich mich nicht wundern — ich würde mich wirklich nicht wundern, wenn--
Es schienen in der That sehr angenehme Gedanken zu fei», die der guten Dame durch den Sinn gingen; denn ihre Miene drückte große Befriedigung auS. Das Erbauen von Lust- schlöffern war ihre Leidenschaft und half ihr, im Verein mit einem lebhaften Interesse für anderer Leute Angelegenheiten — böse Zungen nannten
längere Darlegung über dir Kämpfe, die um b deutsche Rechtschreibung seit drei Jahrzehnte» und länger geführt wurden. Die ersten Reformvorschläge liegen viel weiter zurück. Bereits vor fünfzig Jahren fühlte man theilweise das Unerträgliche der herrschenden Rechtschreibung«- wirrniß, und damals war eS der preußische Kultusminister von Raumer, der zuerst mit einer Reformvorlage vortrat, aber nicht damit durchdrang. Seine Arbeit war indessen nicht vergebens gewesen. Im Jahre 1879 ging auf der Grundlage dieser Arbeit Bayern vor mit der Einführung einet allgemein giftigen Schulrechtschreibung, und im Jahre 1880 folgte Preußen. Da aber war es bekanntlich kein Geringerer, als der Reichskanzler Fürst Bismarck, der der weitere» Ausbreitung der einheitlichen Rechtschreibung einen Riegel vorschob. „Es ist bekannt — so heißt eS in der Darlegung des genannten offiziösen Blattes — daß durch einen Machtspruch des Fürsten Bismarck diese Schulorthographie von dem amtlichen Schriftverkehr der Reichsbehörde» und aller preußischen Behörden ausgeschlossen wurde, so daß alle in eine amtliche Laufbahn eintretenden junge» Leute die Rechtschreibung nicht anwenden durste», die sie auf Befehl der Regierung hatten lernen müssen. Dennoch hat diese neue Rechtschreibung rasche Fortschritte gemacht. Im Jahre 1899 find nach de» Ermittelungen des Börsenvereins der deutschen Buchhändler über fünf Sechstel aller Bücher und beinahe drei Fünftel aller Zeitschriften in der Schulrechtschreibung gedruckt worden. Was nun eigentlich die jüngst ftattgefunbene Rechtschreibungskonferenz beschlossen hat, darüber schweigt auch die Darlegung der ,Nordd. Allgem. Ztg.'. Dieselbe beschränkt fich darauf, festzustellen, daß „allem Anscheine nach die Verständigung über die noch vorhandenen Abweichungen der Schreibung nicht nur zwischen den verschiedenen deutschen Bundesstaaten unter einander, sondern auch zwischen diesen und Oesterreich vollständig gelungen ist". Die Schweiz hat schon feit fast zehn Jahren für den amtliche» Verkehr die preußische Schulorthographie angenommen, und wo man in den überseeischen Ländern deutsch spricht und schreibt, besonders in Nordamerika, gilt längst die preußische — nun- mchr deutsche! — Schulorthographie als maßgebend.
* Hs«aörü«k, 4. Juli. Zur Generalversammlung der Katholiken Deutschlands find die Vorbereitungen soweit gediehen, daß der Entwurf des Aufrufs an die Katholiken Deutschlands und das Festprogramm bereits eorliegt und in aller Kürze die Einladung und das Festprogramm offiziell in die Oeffentlichkeit gelangen werden.
* Aerkin, 4. Juli. Der Kaiser »ahm heute Morgen auf der Saßnitzer Rhede de» Bortrag de« Chefs des MilitärkabinetS, Generalmajors Grafe» von Hülsen - Haeseler entgegen. — Der Kaiser wird übermorgen auf Station Wildpark eintreffen und sich nach dem Neuen Palais begeben; später wird er die marokkanische Gesandtschaft empfangen. — Seine diesjährige Nord la n dSreise, die am 8. d. M. ihren Anfang nehmen soll, wird der Kaiser vo» Swinemünde auS mitteten. Dem Kommandanten der Hosyacht „Hohenzollern", Grafen von vaudissin, find für die Dauer der Reise diesmal sechs Schiffe und Fahrzeuge unterstellt. — Der König und die
es „Einmischen" — über manche einsame Stunde leicht hinweg. Aber diesmal hatte ihre Phantast« fie in die Irre geführt; die Rückkehr ihre- Gatte» sollte fie hierüber belehre».
Während Dr. Wilson mit dem Verwalter durch das stille Dörfchen fuhr, erkundigte er sich, waS wohl de» neuen Anfall der Dame herbeigeführt haben könne und hörte, daß Fräulei» Baffet, die Gesellschafterin, ihn einer Erkältung zuschreibe.
„Sehen Sie, Herr Doktor," erzählte der Man» treuherzig, „Frau Graham hat ihre» eigenen Kopf. Sie blieb Abends zu lange draußen, als es schon kühl und nebelig wurde. Aber da hilft kein Einreden, sagen läßt fie fich nichts, daS wissen wir alle. So hatte fie den» ihren Willen und muß jetzt dafür büßen — wie es früher schon oft gegangen," fügte er nachdenklich bei. „Mehr als einmal hat sie ihre» Wille» durchgesetzt und wie theuer mußte sie es bezahlen! Sie erinnern fich unseres jungen Herr» nicht mehr, Sir?"
„Nicht gut möglich, Harris. Wir sind feit achtzehn Jahren in Bridgeham und er ist weg seit — zwanzig, nicht wahr?"
„Seit fünfundzwanzig Jahre», Sir. ES war eine unglückselige Geschichte, ich muß es sagen, obschon fie mir eine gute Stelle eintrug. Fra» Graham hätte keinen Verwalter gebraucht, wen» sie ihren Sohn zur Seite gehabt hätte. Er war ein gescheidter Herr, unser Herr Arthur, unb so gut und so angenehm in seinem ganzen W.s-n, aber so eigensinnig wie — nun, wie seine atme Mutter, besser läßt fich's nicht ausdrücken. 68