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28. Jahrgang

IrrLöa, Donnerstag, den 4. Juli 1901

J5 150.

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-Erscheint täglich, tn. Ausnahme Dir Sonn- und Feier­tage. Bierteljährl.

Kk,ug,prrtr ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und aus­wärts 1 M.5O Pf.

Werantw: 54t die Redaktion t. v. Larl Schaffer, für Inserate J. parzeller tu Fulda.

G Die Bevölkerung der Staaten Europas.

An der Jahrhundertwende haben fast alle europäischen Kulturstaaten Volkszählungen ver­anstaltet. Ihre Ergebnisse regen zu sehr in- tereffanten Betrachtungen und Vergleichen an.

Einige volkswirthschaftliche Professoren suchten «ns Deutschen Furcht einzuflößen vor der starken Bevölkerungszunahme unseres Reiches. Deutsch­land sollte angeblich vor der Gefahr stehen, sich nicht mehr selbst ernähren zu können, sondern in -seiner Ernährung auf die Zufuhren auS dem Auslande dringend angewiesen zu sein. Nun ist eS richtig, daß während des Jahrzehntes von 1870—1880 die Vermehrung der deutschen Be­völkerung eine sehr starke war. Die Zahl der Geburten betrug im Jahresdurchschnitte sür dieses Jahrzehnt mehr als 42, und wenn die Volksoermehrung in diesem Verhältniffe immer weiter gehen würde, dann könnte man freilich annthmen, daß hundert Jahre später die deutsche Berölkerungszlffer das Doppelte des heutigen Standes betragen würde. Die Volksvrrmehrung geht aber nicht so weiter. Die Zahl der Ge­burten, die im Jahresdurchschnitt auf 1000 Ein­wohner entfallen, ist während deS letzten Jahr­zehntes bereits wieder auf 37 zurück gegangen. Die Geburtsziffer der siebziger Jahre war in ihrer Höhe eine Ausnahme. Wir brauchen da­rum nicht zu befürchten, daß es uns so gehen würde wie den Chmesen, daß wir in unserer eigenen unheimlichen Bevölkerungszunahme er­sticken könnten. Allerdings war die Vermehrung der deutschen Bevölkerung gerade während der letzten fünf Jahre stärker als jemals zuvor; sie benug während dieser Zeit tm Jahresdurch­schnitte nicht weniger als 800000 Seelen. Aber daS ist der ausnahmsweise starken Zuwanderung aus dem AuSlande zuzuschreiben, die ihrerseits wiederum zusammenhing mit der ungeahnt starken Entwickelung der Industrie.

Vergleicht man indeffen die Zunahme der deutschen Bevölkerung mit derjenigen in Oester­reich-Ungarn, Italien, Frankreich, Großbritannien und Rußland, dann findet man, daß wir uns freilich einer recht kräftigen Volksvermehrung erfreuen. Unter allen Kulturstaaten, die Ver­einigten Staaten von Nordamerika mit ein­gerechnet, steht das Deutsche Reich mit seiner Bevölkerung! zffer von mehr als 56 Millionen an dritter " Stelle. An der Spitze steht das europäische Rußland mit mehr als hundert Millionen, an zweiter Stelle die nordamerikanische Staatenunion mit über 76 Millionen. Nach Deutschland folgen Oesterreich-Ungarn mit 45, Großbritannien und Irland mit 41, Frankreich mit kaum 39 und Italien mit 32 Millionen Einwohner. Vor fünfzig Jahren waren die Unterschiede nicht so groß. Damals folgte Frankreich mit 35 Millionen an zweiter Stelle hinter dem europäischen. Rußland mit 66 Milli­onen. Deutschland folgte nach Frankreich und Italien zählte damals nur 24 Millionen E n- wohner.

Frankreich ist also ganz auffallend mit seiner Bevölkerungsz'ffer hinter den anderen Kultur­staaten zurückgeblieben. Während der letzten

„Nein." versetzte seine Mutter ruhig, „sie liebt ihn nicht."

Um keinen Preis hätte sie Klara's Geheimniß verrathen. Aber es lag etwas in ihrem Tone, daS ihren Sohn überrascht ausblicken ließ.

„Vielleicht wird sie niemals Jemand lieben," bemerkte er. „Es gibt wohl solche Mädchen?"

„Ich glaube im Gegentheil, daß sie Jemand liebt und zwar seit Jahren schon."

Mit diesen Worten erhob sich Ella und ver­ließ den Garten. Sie staunte immer, daß Rudolf mit einem so liebenswürdigen Mädchen wie Klara, unter einem Dache leben und Tag für Tag mit ihr verkehren konnte, ohne ihr seine Liebe zu schenken. In ihren Augen war Klara das Ideal eines jungen Mädchens, und wenn sie ihrem Sohn überhaupt hätte zürnen können, so hätte sie ihm seine Blindheit in dieser Be­ziehung förmlich verübelt.

Als sie Rudolf verlaffen hatte, tönten ihre Worte noch lange in feinen Ohren nach. Er fragte sich, ob sie richtig gesehen habe, ob Klara wirklich Jemand ernstlich liebe? Wer mochte dieser Jemand sein?

Er erinnerte sich, wie gütig und freundlich sie stets gegen ihn gewesen war seit ihrer ersten Begegnung in Leadale — wie sanft und theil- nehmend, als daS große Weh ihn getroffen — wie oft ihr süßes Gesichtchen ihn getröstet hatte, wenn ihm so schwer ums Herz gewesen war.

Ec wurde sich plötzlich klar, daß das Weg­gehen Klaras von WernerShof eine große Lücke sür ihn sein würde. Sie war, ihm selbst un­bewußt, gleichsam ein Theil seines Lebens ge- worden.

Zwei Mnge.

Frei nach dem Englischen von A. Mich ola.

86 ------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Rudolf Nugent war auch in den so glänzend Veränderten Verhältniffen seiner geliebten Kunst treu geblieben. Stolz auf des Sohnes Talent, hatte sein Vater ihm ein herrliches Atelier in WernerShof einrichtrn lasten; er hatte auch darau bestanden, daß Rudolf nochmals ein paar Monate bet den besten Meistern in Rom studire, und der junge Künstler war freudig auf des Vaters Wünsche eingegangen. Er hatte seinen Namen weit über die Grenze» des Landes berühmt ge­macht; auch die strengsten Kritiker waren voll deS Lobes über seine Werke.

„War Rudolf glücklich? Hatte er endlich ver­gessen gelernt?" Seine Mutter stellte fick oft diese Frage, wenn sie in deS Sohnes edles Ant­litz blickte. Während Miriam's seltener Besuche in WernerShof war Rudolf stets höflich und auf­merksam gegen sie — sie suchten oder mieden einander nicht absichtlich, sie verkehrten wie Ver­wandte oder gleichgiltige Freunde. Von jenem Abend an wurde der Vergangenheit zwischen ihnen nie mehr Erwähnung gethan.

Ella tröstete sich mit der Hosfnung, daßRudol «ach diesem Sturme von Leid und Kummer end­lich den Frieden gefunden habe und «achte im Stillen ihre Pläne für ihn.

Eines Morgens hatte sich eine hübsche Gruppe .auf dem Rasenplätze son WernerShof eingefunden.

fünf Jahre hat es eigentlich gar nicht mehr zu- genommen. Denn seine Bevölkerungszunahme ott 1895 bis 1900 um das Drittheil einer Million ist der Hauptsache nach auf die Ein­wanderung von außen her zurückzuführen; ver- mehrt hat sich während dieser Zeit in Frank- reich nur die Bevölkerung derjenigen Landes- theile, in denen große Städte liegen. In ganz Europa hat eine Bevölkerungszunahme statt- lefunden, wie man sie vordem nicht gekannt »at. Nur Frankreich ist mit seiner Bevölkerung nicht von der Stelle gerückt. Zieht man das Seine-Departement mit Paris und seiner Zu­nahme von der ganzen französischen Zunahme üc die letzten fünf Jahre ab, dann schmilzt diese auf ganze 40000 Köpfe zusammen!

Er hat eine Zeit gegeben, in der man sich in Frankreich über den Stillstand der BevölkerungS- itffer freute. Man pries laut und lebhaft den üorztkg, daß die meisten Familien nur zwei Kinder besitzen. Aber jetzt ist man anderer Ansicht ge­worden: man beginnt einzusehen, daß man auf riese Weise in die Gefahr gerathen kann, eine Staatsmacht untergeordneten Ranges zu werden; denn die Wehrkraft eines Volkes leidet natur­gemäß außerordentlich unter dem Einflüsse einer geringen Bevölkerungszunahme. Und wenn nun gar die ländlichen Bezirke ärmer an Etnwohner- ahl werden, diejenigen Landestheile, auf denen -auptsächlich die Wehrkraft eines Staates beruht, ann sieht es mit dieser erst recht windig aus. Jlan gibt sich darum in Frankreich jetzt gewaltige Mühe, den Franzosen klar zu machen, daß sie sich unbedingt wieder stärker vermehren müssen. Man >at sogar „Wiederbevölkerungsvereine" gegründet, reren Aufgabe diese Art der Volksaufklärung ist. Ob das etwas helfen wird? In Frankreich ist gar zu sehr das System der kleinen Rentner heimisch geworden. Man spart und spart und richtet alles darauf ein, um nur ja mit 50 ober 55 Jahren nicht mehr arbeiten zu brauchen; in dieses System passen Familien mit reicher Kinderzahl schlecht hinein. Zunächst werden wohl also die „Wieder- bevölkerungsvereine" nur geringen Erfolg mit ihren Volksausklärungen erzielen.

-V- -»

mit Ilnterhaktungs Beilage „Ilkustrirte Sonntags-Zeitung" petersgail« Br. 8 (Bermenk).

reifen sollte, klingt vollkommen unwahrscheinlich. Das würde ebenso auSsehen wie ein „Gang «ach Canossa", und den tritt der deutsche Reichskanzler sicherlich nicht an. Außerdem ist och für solche Verhandlungen nicht eher eine Grundlage vorhanden, bevor nicht Bundesrath und Reichstag über den Entwurf des neuen Zolltarifgesetzes berathen haben.

x Tagegelder für die Mitglieder des Reichstage». Zu den Angelegenheiten, die der Bundesrath vor dem Beginne seiner Sommerferien nickt erledigt hat, gehört auch der von Neuem gefaßte Beschluß deS Reichstages, seinen Mit­liedern zum Ausgleiche ihrer persönlichen Ans­agen Tagegelder zu bewilligen. „Den Kerls auch noch Diäten!" sollte angeblich eine sehr einfluß­reiche Persönlichkeit gesagt und damit ihren festen Willen kundgethon haben, in die Zahlung von Tagegeldern an die Mitglieder deS Reichstages niemals zu willigen. Und so nahm man bereits »ier und da an, der BundeSrath wolle eS mit diesem Beschlüsse des Reichstages fortgesetzt genau o machen, wie mit dem andern Beschlüsse über >ie Aufhebung des Ausnahme-Gesetzes gegen die Jesuiten. Diese Annahme scheint erfreulicherweise nicht zuzutreffen. Im Gegentheil ist zu hoffen, daß der Bundesrath nach seiner Sommerpause mit dieser Angelegenheit sich beschäfttgen und viel­leicht auch dem Beschluffe des Reichstages bei­treten werde. Dieser letztere ist auch bis jetzt nicht völlig unberücksichtigt geblieben, sondern als­bald, nachdem er vom Reichstage gefaßt worden war, dem zuständigen Ausschüsse des Bundesrathes überwiesen worden. Man sagt wohl nicht mit Unrecht, daß der Reichskanzler Graf Bülow der Bewilligung der Tagegelder nicht abgeneigt sei. Von dem Staatssekretär Grasen Posadowsky kann das mit Bestimmtheit behauptet werden.

* Zum Zfrasidettte» des Aeichsattf- stchtsamtes für das Arivatversicherungs- wtftu ist nunmehr, wie die ,Kreuzzeitung' er­fährt, der Direktor im Reichsamte des Innern Dr. von Woedtke ernannt worden. Auch die Stelle des Direktors genannten Instituts soll besetzt und der Geheime Regierungsrath Jaup dazu ausersehen sein. Dr. v. Woedtke steht im 54. Lebensjahre. Der Geheime Regie­rungsrath Jaup stand früher in hessischen Diensten, wurde alsdann al» Hilfsarbeiter in dar Reichs­amt des Innern berufen und bckleivet zur Zeit die Stelle eines Senatsvorfitzenden im Reichrver- sicherungsamt. Seilens des Bundesrathes sind der bayerische Ministerialdirektor Ritter v. Herr­mann und der sächsische Ministerialdirektor Dr. Fischer zu Mitgliedern des Amtes gewählt worden.

* I«r Iürsargefür die Aitttervlie0e«e» »Ott Kolks schaK-Hrern wird gemeldet: Nach­dem in den Staatshaushaltsetat für 1901 der Fonds zur Unterstützung von Wittwen und Waisen der vor dem 1. April 1900 verstorbenen Volksschullehrer gegen das Vorjahr um 150000 Mark erhöht eingestellt worden ist, so daß er zur Zeit 300000 Mark beträgt, find durch mi­nisterielle Anweisung für die einzelnen Bezirks- regierungen erhöhte Beiträge zu dem angegebenen Zweck überwiesen worden. ES steht bemnadi sicher zu erwarten, daß in diesem Etatsjahr gegen daS Vorjahr eine größere Zahl von

Deutschs» Keich«

Berlin, den 3. Juli.

h AeichsKarrzker Graf Aulow sollte nach einer Meldung der Petersburger ,Nowoje Wremja' die Absicht haben, noch im Laufe dieses Monats nach Petersburg zu reifen, und zwar in der Absicht, über den neuen Handelsvertrag zwischen Deutschland und Ruß­land zu verhandeln. Der russische Finanz­minister von Witte habe deswegen die von ihm beabsichtigte Reise nach der Mandschurei bis zum nächsten Frühjahre verschoben. Ein Besuch des Reichskanzlers in der russischen Hauptstadt würde ja weder vollkommen unge- wöhnlich, noch auch unerfreulich sein — im Gegentheil! Er würde ein neues Zmzniß dafür sein, daß daS Verhältniß zwischen Berlin und Petersburg fortdauernd ungetrübt und gut ist. Aber, daß der Reichskanzler wegen des künftigen Handelsvertrages nach Petersburg Rudolf saß zeichnend unter der hohen Ceder, Klara hatte ihm gegenüber Platz genommen und las aus einem Buche vor; Frau Nugent war mit einer feinen Handarbeit besckäftigt und Albert erschien öfters, um ein paar Worte mit seinen Lieben za wechseln. Die Sommersonne schien hell und warm, ihre goldenen Strahlen zitterten durch die Crdernzweige und umwoben Klara's blondes Köpfchen wie mit einem Glorien­scheine.

„Willst Du eine Minute zu mir kommen, Kind? Ich habe mit Dir zu sprechen."

Klara legte rasch ihr Buch nieder und eilte zu der Muitet.

„Klara," sagte diese ernst, „ich habe Lor» Larry Deine Botschaft ausgerichtet, aber er wil nur von Deinen eigenen Lippen sein Urtheil an« nehmen."

Das junge Mädchen sah tief bekümmert aus.

„0 Mama, trenn er mir nur dies ersparen wollte!" tief sie. „Ts thut mir so weh, ihm Schmerz bereiten zu müssen."

„Er will es nicht anders, Kind; gehe sogleich, mit dem Ein-Uhr-Zug verläßt er uns wieder."

Traurig schritt Klara dem Hause zu; Frau Donovan begleitete sie nicht. Sie hatte Lord Larry gern, und eS that ihr leid, daß Klara ihm weh chun mußte.

„Ich kann errathen, waS dies bedeutet," sagte Ella zu ihrem Sohne. „Klara wird heute Mor­gen wieder grausam fein müssen. Alle drei oder vier Monate erneuert Laf y seinen Antrag, er ist so gut und treu."

„Und doch liebt sie ihn nicht?" fragte Rudol gedankenvoll.

Wittwen und Waisen solcher Volks sckullehrer- tie vor dem 1. April 1900 verstorben find, mit aufenbett Unterstützungen neben der ihnen gesetz- ich zustehenden Wittwen- und Waisenpenfion bedacht werden können.

* Die chewervegerichts Novelle, welche unter dem 30. Juni die kaiserliche Sanktion er» »alten hat unb gestern im .Reichsanzeiger' ver« ffentlicht wordeu ist, enthält folgende wichtige Bestimmungen:

Hinter § i deS Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. Juli 1890 wird als § 1» eingeschaltet:

Für Gemeinden, welche nach der jeweilig letzten Volkszählung mehr al» zwanzigtausend Ein­wohner haben, muß ein Sewerbegericht errichtet werden. Die Landes-Centralbehörde hat rrforderluhen- allS die Errichtung nach Maßgabe der Vorschriften >es § 1 Abs. 5 anzuordnen, ohne daß es eines An­trags betheiligter Arbeitgeber oder Arbeiter bedarf.

Dem § 5 wird folgende Vorschrift alS Absatz 2 hinzugefügt: Schiedsverträge, durch welche die Zu- tändigkeit der Sewerbegerichte für künftige Streitig« ieiten ausgeschlossen wird, find nur dann rechtSwirksam, wenn nach dem Schiedsvertrage bei der Entscheidung von Streitigkeiten Arbeitgeber und Arbeiter in gleicher Zahl unter einem Vorfltzenden mitzuwirken ’ laben, welcher weder Arbeitgeber oder Angestellter eines Oetheiligten Arbeitgebers, noch Arbeiter ist.

Der tz6i erhält folgende Fassung: Das Gewerbe­gericht kann bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern über die Bedingungen der Fortsetzung oder Wiederaufnahme deS ArbeitSverhältniffes alS EinigungSamt angerufen werden.

Hinter § 62 werden folgende neue Paragraphen eingestellt:

§ 62 a. Erfolgt die Anrufung nur von einet Sette, o soll der Vorsitzende dem anderen Theile oder dessen Stellvertretern oder Beauftragten Krnntniß geben und zugleich nach Möglichkeit dahin wirken, daß auch dieser Theil sich zur Anrufung deS Einigungsamts bereit findet. m

§ 62 b. Auch in anderen Fällen soll der Vor­sitzende bei Streitigkeiten der im § 61 bezeichneten Art auf die Anrufung des Einigungsamtes hinzuwirken suchen und dieselbe den Betheiligten bei geeigneter Veranlassung nahe legen.

§ 62 c. Der Vorsitzende ist befugt, zur Einleitung der Verhandlung und in deren Verlauf an den Streitigkeiten beteiligte Personen vorzuladen und zu vernehmen. Er kann hierbei, wenn daS Eini­gungsamt gemäß § 62 oder § 62 a angerufen worden ist, für den Fall des Nichterscheinens eine Geldstrafe bis zu einhundert Mark androhen. Gegen die Festsetzung der Strafe findet Beschwerde nach den Bestimmungen der Civilprozeßordnung statt. Eine Vertretung betheiligter Personen durch deren all- a-meine Stellvertreter (§ 45 der Gewerbeordnung), Piokunsten oder Betriebsleiter ist zulässig.

Der § 63 erhält folgende Fassung: Das Gewerbe­gericht, welches als Einigungsamt thätig wird, besteht neben dem Vorsitzenden auS Vertrauensmännern der Arbeitgeber und der Acbeiter in gleicher Zahl.

Im § 64 erhält der zweite Satz des Abs. 1 fol­gende Fassung: Das Einigungsamt oder, im Falle deS § 62 a, der Vorsitzende des Gewerbegerichts ist befugt, zur Aufklärung der in Betracht kommenden Verhält­nisse AuskunftsPersonen vorzuladen und,n v ernehm en.

h Aar Misst«« in Lüdinghausen hatte der Landrath Graf von Wedel in L. eine Er­klärung veröffentlicht, die den Anschein erwecken sollte, als trage allein Pfarrer Weffelinck in L. die Schuld an dem unliebsamen Vorkommnisse. Dieser Letztere wiederlegt diese Annahme in einer sehr wirksamen Gegenerklärung. Aus dieser ist zu entnehmen, daß die bischöfliche Behörde es war, die die Einstellung der Mission der Jesuiten- vatres anordnete, und daß Herr Pfarrer Wefse- linck vorher vergeblich sich bemüht halte

In der nächsten Minute stieg eine heiße Röthe ihm in8 Gesicht, und der Zeichenstift ent- fiel seiner Hand. Konnte es möglich sein, fragte er sich, daß er es war, den Klara liebte — er, der Liebe und Leben einer Einzigen geweiht und anderen Frauen niemals Beachtung geschenkt hatte? Die Idee, nun einmal gekommen, ließ sich nicht mehr vertreiben; tausend Erinnerungen erwachten, die sie zu bestätigen, ihr die größte Wahrscheinlichkeit zu verleihen schienen. Konnte eS wirklich fein — konnte ihm noch die Liebe einer edlen Frau, das Glück, eine Familie zu gründen, beschieden sein?

Als Klara am Abend dieses Tages im Park sich erging, gesellte sich Rudolf ihr zu.

„Klara," begann er saust, „ich bin ge­kommen, um eine Frage an Dich zu richten. Könntest Du — trotzdem Du die Geschichte meiner früheren unglücklichen Siebe kennst — könntest Du Dich entschließen, mir Herz und Hand zu schenken?"

Ihre Antwort ist nicht schwer zu errathen, : und als Rudolf, hoch beglückt, der geliebten Mutter die Tochter zuführte, flüsterte jene, chn । umarmend:

i „Du bist mehr als fünf Jahre blind ge- wesen, mein thörichter Sohn."

Rudolfs erste Sorge war es nun, die k"ch- . liehe Dispens für die Berwandtschaftsehe nach- zusuchen, und nachdem diese gewährt war, lag > kein Grund mehr vor, die Hochzeit aufzufchieben; i Albert Nugent gestaltete sie zu einem Freusen- . feste für Jung und Alt, dessen man noch nach > Jahren dankbar gedachte.

Rudolf ist Sir Rudolf jetzt — das Ver,

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