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mit Ilnterhaktungs -Beilage „Zlkugrirte Sonntags-Zeitung" -* "»«umaäi

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© Die Ausführung der fran­zösischen Bereinsgesetze.

Die französische Abgeordnetenkammer hat das sogenannte VereinSgesetz unverändert in der Fassung der SenatSbeschlüffe angenommen, und unmittelbar danach, nämlich an diese« Dienstag, ist das Gesetz durch das Pariser Amtsblatt ver­öffentlicht worden, zusammen mit einer Ver­fügung deS Ministerpräsidenten Waldeck Rousseau. In dieser Verfügung werden die Formen vorge» schrieben für die Gesuche um die Genehmigung von Kongregationen. Diese Formen sind um­ständlich. Zunächst müssen dem Gesuche die Verzeichnisse der Mitglieder und deS Vermögens der Kongregation beigefügt werden. Dann müssen die Satzungen mitgetheilt und es muß der Nachweis darüber erbracht werden, daß diese Satzungen vom Bischof genehmigt find. Außerdem müssen die Kongregationen die aus­drückliche Verpflichtung eingehen, sich der ordent­lichen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen. Das Ganze muß beim Ministerium des Innern ein­gereicht werden.

Die Bestimmung von der Unterwerfung unter die ordentliche Gerichtsbarkeit ist wohl nur ein Scheinmanöver, berechnet auf eine kleine Täuschung der öffentlichen Meinung, als ob die Kongregationen bisher der ordentlichen Gerichts­barkeit Widerstand geleistet hätten. Davon kann aber doch im Ernste nicht die Rede sein. Im übrigen bleibt es dabei, daß das ganze Gesetz ein Faustschlag ist gegen die kirchliche Freiheit, und daß es wimmelt von Ungerechtig­keiten gegen die religiösen Orden.

Das natürlich muß man anerkennen, daß die rohe EigenthumSberaubung der Kongregationen, wie sie in dem Regierungsentwurfe vorgeschlagen war, nicht zum Gesetz erhoben worden ist. Da­mit ist aber wirklich nur der allergewaltthätigste Charakterzug aus dem Gesetze entfernt worden. Es bleibt auch so noch genug übrig an Willkür und Gewaltthat und Ungerechtigkeit und an gesetzgeberischen Widersprüchen. So ist ein be­sonderes Gesetz, also die Zustimmung des Par­lamentes erforderlich zur Zulassung einer kirch­lichen Gesellschaft. Aber die Auflösung einer solchen Gesellschaft kann ohne Weiteres erfolgen durch eine Verfügung der Regierung. Wann wird wohl jemals bei der gegenwärtigen Zu­sammensetzung der französischen Abgeordneten­kammer diese ihre Genehmigung ertheilen zu der Errichtung eines neuen religiösen Ordens in Frankreich? Und daß durch die Neuwahlen im Frühling deS nächsten Jahres die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer eine wesentlich andere werden sollte, ist kaum av zunehmen. Auf jeden Fall wird in Wirklichkeit der Erfolg dieses Ge­setzes der sein, daß neue Kongregationen nicht mehr genehmigt werden, über den bestehenden aber stets die Gefahr der Auflösung schwebt; und diese Lage der Dinge kann man unmöglich !——■

Iwei Mnge.

Frei nach dem Englischen von A. Mich ola.

84 ------ (Nachdruck verboten.)

„Dich geht die Sache sehr nahe an, Lieb­chen I" fuhr Lord Norton fort. Denn Du kannst nun nicht mehr die Erbin von Werners Hof werden. Aber was liegt daran, ich bin reich, und Alles, was ich in der Welt besitze, ist Dein. Du wirst Dich wegen dieses Verlustes nicht unglücklich fühlen?*

„O nein," versetzte Miriam in leisem, träumerischem Tone. Das wird mich nicht be­kümmern."

„So erwartete ich es von meiner klugen Frau. ES hätte mir wehe gelhan, wäre es anders gewesen. Doch wir müssen diesen Brief beantworten — wir müssen die neuen Ver­wandten willkommen heißen. Willst Du eben­falls schreiben?"

„Gewiß heute Abend. Ich freue mich, daß Onkel Albert glücklich ist — er verdient es; er hat ein edles Hirz"

Als Frau Donovan und Klara auf ihrem Wege zum Bahnhof noch einmal vorsprachen trug Miriam ihnen alles aus Liebe für die neugefun­denen Berwandren auf. Kühl und ruhig sprach sie über die ganze Sache und hörte mit Interesse zu, als ihre Mutter von der sanften Tante Ella erzählte, die im Hause ihres Onkels Erzieherin gewesen war. Doch als der Abend herankam. bat sie Lionel unter dem Vorwand der Ermüdung, sie vom Besuch der Oper zu befreien. Sie sehnte

Jutta, Mittwoch, bett 3. Juli 1901.

28. Jahrgang.

in Uebereiustimmung bringen mit den einzig richtigen Grundsätzen kirchlicher Freiheit. Wo diese Freiheit wirklich hoch geachtet und durch- geführt wird, beispielsweise in Holland oder in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, hat noch niemals Jemand sich beklagt oder überhaupt Grund zur Klage gehabt über ungünstige Ein­wirkung kirchlicher Orden auf das öffentliche Leben. Auch das liberale Regiment, das bis jetzt in den Niederlanden am Ruder war, hat niemals Veranlassung dazu gefühlt.

Diejenigen Orden, die für ihr Fortbestehen die staatliche Genehmigung erhalten, dürfen nach wie vor Unterricht ertheilen. Aber nach der be­kannten Verfügung, die dem Vereinsgesetze voran­gegangen ist, müssen die jungen Leute, die zum Heere oder zum Staatsdienste übergehen wollen, eine Staatsschule besucht haben. Dem bisher all­gemein anerkannten Zustande in Frankreich ist also auf jeden Fall eine ganz erhebliche Aenderung zu- gesügt, auch in den Unterrichtsverhältniffen der­jenigen Orden, die die staatliche Anerkennung finden. Es ist deswegen auch schwer zu begreifen, wie man versuchen kann, zu behaupten, die ftan- zösischen Bischöfe und der hl. Stuhl in Rom hätten nichts weiter einzuwenden gegen das sog. Vereinsgesetz in seiner neuen Fassung. Der Papst hat in seinem offenen Schreiben an Kardinal Richard, den Erzbischof von Paris, seine ab­lehnende Haltung gegen dieses ganze Gewaltgesetz so klar und so urchveideutig ausgesprochen, daß es einer zweiten päpstlichen Kundgebung in diesem Sinne wahrlich nicht bedarf.

„Religion ist Privatsache" — schreiben die Sozialdemokraten auf ihr Aushängefchild. Aber zu den Tausenden von Beweisen dafür, daß fie gar nicht daran denken, auch nach diesem Satze zu handeln, haben sie soeben einen neuen hinzu- gefügt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Allemane hat noch in letzter Stunde im Pariser Parlamente einen Gewaltstreich ganz besonderer Art gegen die Kongregationen versucht: er hat am letzten Montag den Antrag eingebrocht, es sollten sofort alle Kongregationen arsgehoben und ihre Güter von Staatswegen eitg-zogen werden. Natürlich ist er damit nichr durchge­drungen. Der Antrag ist mit 375 ge en 130 Stimmen von der Tagesordnung abgefitzt wor­den. Aber er ist ein neues herrliches Beispiel für das, was die Herren Genossen unter „Freiheit" verstehen. Gott behüte uns für alle Zeiten vor der Herrschaft dieser Herren Genossen — vor der gemauserten genau ebenso wie der unge­mauserten !

Deutsches Keich.

Berlin, den 2. Juli

* Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht in seiner heutigen Nummer das Gisch zur Abänderung deS Gesetzes betreffend die chewervegerichle vom 29. Juli 1890.

X Ke«tr«m und Kokett. ..Sehen wir dem Centrum das Messer an die Kehle!" — Diese liebenswürdige Aufforderung richtet Me Posener „Praca" an ihre polnischen Landsleute im Wahlkreise Duisburg-Mülheim. In dem

sich allein zu sein, um ihre Gedanken zu ordnen, über diese merkwürdige Fügung nachdenken zu können.

Also Rudolf war der Erbe von Wernershof, um dessen willen sie ihn aufgegeben hatte! Weil er arm war, hatte sie seine Liebe von sich ge­stoßen, und nun kam gerade er in den Besitz jener Reichthümer, wegen deren sie sein Herz gebrochen hatte! Es schien Miriam wie eine Ironie des Schicksal«, aber auch wie eine gerechte Vergeltung ihres schweren Unrechts. Sie empfand es als eine Erleichterung, sich ungestört so recht von Herzen ausweinen zu können.

Endlich versiegte die Thränenquelle, und nach­dem sie sich ein wenig gefaßt hatte, schrieb sie einen langen, herzlichen Brief an ihren Onkel, ein liebenswürdiges Billet an die neue Tante und trug beiden Grüße und Glückwünsche für Ru­dolf auf.

Als Lord Norton aus der Oper kam, lagen die Briefe vollendet da, und jede Spur von Er­regung war aus den schönen Zügen verschwunden.

26. Kapitel.

Die romantische Geschichte von Albert Nugent'S Jugendliebe hatte die Runde durch die Blätter gemacht und war viel besprochen und umstritten worden. Man bedauerte die jungen Damen, be­sonders Klara, für die das Ausfinden des Sohnes eine so gewaltige Veränderung brachte. Dieser selbst, der schöne, junge Elbe von Wernershof, war der Gegenstand lebhaftesten Interesses ge­worden, und Mütter heirathsfähiger Töchter schmie­deten im Stillen herrliche Pläne.

Endlich war der Tag gekommen, für den die

Wahlkreise, so rechnet dar genannte Posener Blatt, sollen sich mindestens 5000 bis 6000 polnische Wähler befinden; und so glaubt die ,Praca', daß diese Polen eS dahin bringen könnten, das Zünglein an der Waage zu bilden und den Ausschlag zu geben zwischen dem CentrumS-Kandidaten und dem Mtsch-Masch- Kandidaten der übrigen bürgerlichen Parteien. Auf jeden Fall müßten fie für die Hauptwahl einen eigenen polnischen Wahlbewerber auf­stellen . . . .: „Setzen wir dem Centrum das Messer an die Kehle. Verhilft uns dasselbe nicht zu den nothwendigen polnischen Predigten in Rheinland-Westfalen, so dürfen die Polen in der Stichwahl nicht für den Centrumskandidaten stimmen, sondern müffen fich der Abstimmung enthalten . . . .* Das würde die Politik der vollendeten Unvernunft sein. Was würden denn die Polen davon haben, wenn fie dem nationalliberalen Kandidaten zum Siege ver­helfen würden durch ihre Stimmenthaltung gegen den Centrumsmann — Schaden oder Nutzen? Nur Schaden. Deswegen werden fie es fich wohl noch recht genau überlegen, bevor fie dem heißspornigen Rathr aus Posen folgen. Im Uebrigen hat doch wahrhaftig die Centrums­partei keine Gewalt über innere Angelegenheiten der Seelsorge. Es würde nebenbei auch eine sehr große Ungerechtigkeit fein, wenn die Polen nach den Rezepten der .Praca' handeln wollten, ganz abgesehen davon, daß diese letztere augen­scheinlich den Einfluß ganz bedeutend überschätzt, den die polnischen Wähler in dem Duisburger Wahlkreise ausüben können.

-4- Zur verlängerte« chikligkeit der ZtzSekfahrkarte« im Gebiete der preußischen und hessischen Staatsbahnen hat das offiziöse Berliner Drahtbureau eine Meldung des .Chemnitzer Tageblattes' weiter verbreitet, wo­nach jetzt Verhandlungen mit den anderen deutschen Eisenbahnverwaltungen eingeleitet sein sollen zu dem Zw'cke der Verallgemeinerung der Maßregel über das ganze deutsche Reich. Das klingt an sich gonz wahrscheinlich. Der.Reichs­anzeiger' hat abir bei der Verkündigung dieser Maßregel ausdrücklich hervorgehoben, daß ein Einverständniß unter den deutschen Regierungen sich nicht habe erzielen kaffen. Danach muß man doch ohne Zweifel annehmen, daß zunächst an eine allgemeine Einführung dieser vortrefflichen Maßregel leider nicht zu denken sei. Und dennoch melden nun auch die »Dresdener Nach­richten', daß die Einführung derselben Maßregel für das Gebiet der sächsischen Staats­bahnen unmittelbar bevorstehe. Sollte Süddeutschland dann wirklich hinter Preußen und Sachsen zurückbleiben wollen? In Süd­deutschland, namentlich in Württemberg und Baden, eilte man sonst mit Eisenbahnreformen den norddeutschen Bahnverwaltungen gewöhnlich voraus!

♦ DieZlrriLormtrrmg der Zfrivst-MufiK- Kap eklere behandelt ein Erlaß des Ministers deS Innern, der für die ganze Monarchie kürzlich in Kraft getreten ist. Danach haben die Ctvrl-Kapellen in ihrer Bekleidung Alles zu ver­meiden, was zu einer Verwechselung mit den in der Armee eingeführten Uniformen Anlaß geben

Familie Nugent ihre Ankunft in Wernershof ge­meldet hatte, wo ein großartiger Empfang ihrer wartete. Es war ein köstlicher Abend im Mai, die Luft war weich und balsamisch, Alles blühte und duftete den Ankommenden entgegen.

Ella's süßes Antlitz erröthete, als sie des prächtigen Herrenhauses ansichtig wurde. Ihr Gatte bemerkte es mit liebevollem Lächeln.

„Ella," sagte er, „zum ersten Mal sieht mir dies wie ein Heimkommen aus. Rudolf, mein Sohn, willkommen daheim."

Jetzt hielt der Wagen an, von lautem, weit­hin schallendem Hurrahrufen begrüßt. Stimmt» liche Pächter und Gutsangehörige hatten sich ein« gefunden, um den Gutsherrn willkommen zu heißen; über dem prächtigen Triumphbogen flatterten dis Fahnen in der leicht bewgten Lust, die Musikkopille ließ ihre frohen Weifen ertönen, die Glocken der alten grauen Kirche läuteten „Willkommen", und die untergehende Sonne über­goß das Ganze mit ihren goldenen Strahlen.

Albert Nugent war ein Mann von starken Nerven. Aber als er jetzt an der Seite seiner neu gefundenen Lieben auf den Stufen stand und diese große Menge theilnehmender, freudig er­regter Gesichter überblickte, füllten seine Augen sich mit Thräneu. Er entblößte fein Haupt und nahm Ella'S Hand in die feinige.

„Meine Freunde," sagte er, mit vor Er­regung heiserer Stimme, „ich danke Euch für Eure htrzliche Begrüßung. Ich stelle Euch meine geliebte Frau vor, die ei» barmherziger Gott mich wiedersinden ließ, nachdem ich sie zwanzig Jahre als tobt betrauerte. Sie wird Euch Alle warm im Herzen tragen — Euere Wünsche, Euere Be-

könnte. Auch die häufig angewendeten Bezeichn nungen: Militär - Mufikschule, Militär-Mufik Vorschule rc. find unzulässig.

* Never N««g «nd MelverhättMe der Kreisärzte wird nachstehender königlicher Erlaß vom 18. Juni d. Js. veröffentlicht:

Auf den Bericht vom 16. Juni d. IS. bestimme ich, waS folgt: 1. Die Kreisärzte gehören zur fünften Rangklaffe der höheren Piovinzialdearnten; 2. ein Theil der Kreisärzte, jedoch nicht über die Hälfte der im Staatshaushaltsetat vorgesehenen Stellenanzahl, sofern sie mindestens ein zwölfjähriges Dtenstalter seit der Anstellung als Kreisarzt (Kreisphyfikus) erreicht haben, kann mir zur Verleihung des Charakters als „Medi­zinalrath- mit dem persönlichen Range als Räthe vierter Klasse vorgeschlagen werden; 8. ein Theil der zu Meoizinalräthen ernannten Kreisärzte, sofern sie ein weiteres Dienstalter von in der Regel zehn Jahren seit ihrer Ernennung zum Medizinalrath erreicht haben, kann mir zur Verleihung deS Charakters als „Geheimer Medizinalrath- vorgeschlagen werden; 4. denjenigen Kreisärzten, welche gegenwärtig den Titel „Sanitäts­rath- oder „Geheimer Sanitätsrath- führen, wird vom Tage der Verkündung dieses Erlafles ab der Charakter als „Mediztnalrath- bezw. „Geheimer Medizinalrath" hierdurch beigelegt.

Gegeben an Bord meiner Jacht „Hohenzollern", Cuxhaven, den 18. Juni 1901. Wilhelm.

Studt.

+ Kaltes Kkttir Manche Leute legen den Kundgebungen bei dem Empfange der Pariser Automobilfahrer in Berlin ganz übertriebene Be­deutung bei. Daß der Empfang überhaupt statt­gefunden hat, und zwar so stattgesunden hat, wie es der Fall war, das ist ja an sich ohne Zweifel recht erfreulich. Aber von da bis zu einer fran­zösisch-deutschen Verbrüderung ist noch ein sehr weiter Weg. Zur Abkühlung erhitzter Automobil- Gemüther möge die Thatsache dienen, daß auch recht gemäßigte Pariser Zeitungen sehr spöttisch über den Empfang in Berlin uitheilen. Ein Ver­treter des sehr maßvoll gehaltenen ,Echo de Paris' befand fich auf dem Fahrzeuge des Barons van Zuylen, des Vorsitzenden des französischen Auto- mobil-Klubs, und zog mit diesem in Berlin durch das Brandenburger Thor ein. Der Herr schildert die Empfindungen, die er dabei hatte, in seiner Zeitung mit folgenden Worten: „Ich habe keinen Grund, die Grüße, die uns dargebracht werden, nicht zu beantworten. Aber • in meinem Innern verspüre ich die Gewissensbisse eines Mannes, der seine Frau betrügt . . . ." Das klingt sicherlich nichts weniger als begeisterungsvoll. Nun muß man aber erst die höhnische und zum Theil un­mittelbar feindselige Tonart derjenigen Blätter kennen lernen, die nicht geflissentlich das Ver- hältniß zwischen Frankreich und Deutschland sanft und friedfertig behandeln. So hetzt der radikale, also durchaus nicht etwa nationalistische,Rappel' wacker weiter in dem alten Revanche-Tone: „Wer weiß, ob wir nicht eines garstigen Tages durch Verweichlichung und Erschlaffung dahin gelangen werden, alle Wünsche Kaiser Wilhelm'« zu erfüllen? Frankreich und Deutschland — einig und ver­bündet ! — da haben wir's! Vielleicht wird man es erleben. Aber hoffentlich werden wir vorher gestorben sein . . .!" Und sogar der ,Figaro' leistet fich eine ähnliche Tonart. Ander» geht es beim panslavistischen Turnerfeste in Prag zu. Dort hat der Präsident des Pariser Gemeinde- rathes, Herr Dausset, als Geschenk für die Stadt Prag eine Vase aus Sövres-Porzellan überreicht.

dürfniffe, Euere Freuden wird sie zu ihren eigenen machen. Ich stelle Euch auch meinen Sohn und Erben vor, den Manche von Euch schon kennen werden. Wenn er dereinst meine Stelle ein» nehmen wird, so seid für ihn, was Ihr mir ge« wesen — mehr verlange ich nicht."

Ein hundertstimmiges Hurrah war feine Ant- wort, und Albert Nugent trat nun mit den Seinen in das Haus, wo Frau Donovan und Klara mit einem langen Gefolge von Diener­schaft ihrer warteten. Ella glaubte zu träumen, ihr war, als fei sie plötzlich in ein Feeenland versetzt.

Nachdem auch hier die Begrüßung vorüber war, geleitete Albert durch eine Reihe pracht­voller Gemächer Ella in die eigens für sie be­stimmten Räume. Er hatte sich ihrer Lieb­habereien noch gut erinnert: Herrliche Blatt- pflanzen, farbenprächtige Blumen, seltene Vögel mit glänzendem Gefieder — nichts wat vergessen. Ella blickte halb freudig, halb beklommen um sich.

„All dies für mich, Albert?" fragte fie leise.

„All dies für mich?"

Als Antwort führte er fie zu einem kleinen Sessel von rothem Sammet, damit sie darin auSruhe.

„Für meine liebe Frau ist nichts zu fchön," sagte er zärtlich. „O Ella, mir fehlen die Worte, mein Glück auszusprechen. Laß uns Gott ge­meinschaftlich dafür danken!"

Am nächsten Tage statteten Lord und Lady Norton ihren Besuch in Wernershof ab, und Ella sah nun zum ersten Mal die „ungekrönte Königin" — die stolze Nichte, die ihrem Sohn so unendliches Herzeleid zugefügt hatte. Sie