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mit Anlerhattungs -Meilage „Issustrirte Sonntags-Zeitung!' *"* “XJ“.

M 147.

Julöa, Montag, den 1. Juli 1901.

28. Jahrgang.

O Arbeitersekretariate.

Zuerst stnd Arbeitersekretariate von den So­zialdemokraten eingeführt worden und haben durch ihre Thätigkeit neben anderen Einrichtungen der sozialdemokratischen Partei sehr viele neue Anhänger zugeführt. Das ist eine unleugbare Thatsache, und es liegen auch gar keine ver- nünftigen Gründe vor, sie zu leugnen. Die Thatsache lehrt, daß die Einrichtung im In« teresse der Arbeiter sich bewährte, daß die Ein­richtung an sich gut war. Auch daS zu leugnen, ist überflüssig; man würde es mit Erfolg ja auch gar nicht leugnen können.

Der Anfang mit den Arbeitersekretariaten war also auf der Grundlage eines einseitigen und verwerflichen Parteistandpunktes gemacht worden. Die ersten Arbeitersekretariate ar­beiteten durchweg im Interesse der sozialdemo­kratischen Partei. Wenn es darauf ankam, die Sozialdemokratie in ihren Grundursachen zu be­kämpfen, nicht nur mit Gewalt vorübergehend mit dem Knüppel zu erschlagen und unter der Oberfläche das Gift der alten Unzufriedenheit weiter fressen zu lassen als gefährliche Vorfrucht einer späteren Revolution, der mußte den wach­senden Einfluß der sozialdemokratischen Arbeiter- sekretariate mit der gleichen Waffe bekämpfen, der mußte dem einseitig sozialdemokratisch wir­kenden Arbeitersekretariat die gleiche Ein­richtung, aber auf besserer Unterlage aufgebaut, entgegensetzen. Der Erfolg lehrt, daß dieses Verfahren richtig war und stets richtig bleiben wird in dem besonderen Sinne einer wirksamen Bekämpfung der Sozialdemokratie. Aber viel richtiger dabei ist der andere Punkt, dem Ar­beiterstande dadurch einen wirksamen und greif­baren Nutzen zu erweisen.

Zu dieser Einsicht stnd zuerst katholische Arbeitervereinigungen gelangt; und der Anfang damst ist in M.-Gladbach gemacht worden. Gerade in diese» Tagen hat in Köln ein Dele- girtentag der katholischen Erzdiözese Köln statt­gefunden, und dabei ist wiederum die Noch- wendigkeit, katholische Arbeitersekretariate zu errichten, ganz besonder« stark betont worden. Das ist durchaus naturgemäß und richtig. Aber verschiedene Zeitungen, die das einseitige Inte­resse der industriellen Unternehmerschaft vertreten, namentlich dem bekannten Zentralverbande dienen, regen sich gewaltig darüber auf und schlagen ein langes Lamento deswegen an, weil der Arbeitersekretär Giesberts aus M.-Gladbach bei der genannten Versammlung in Köln vor inter­konfessionellen Arbeitersekretariaten gewarnt und vielmehr die Nothwendigkeit hervorgehoben hat, daß diejenigen Arbeitersekretäre, die von den katholischen Arbeitervereinen angestellt werde«, auch zu allererst für die katholische Sache, für die Sache des Christenthums bei Wahlbewe­gungen und ähnlichen Anlässen eintreten. Aber auch das versteht sich doch von selbst. Warum sollte der von katholischen Arbeitervereinen ange­stellte Sekretär bei Wahlen stumpf und theil- nahmslos daheim sitzen bleiben und die Hände in den Schooß legen, während es doch gilt, die gute Sache mit allen Kräften im Kampfe gegen die schlechte Sache zu vertheidigen? Dadurch würde er nur der Sozialdemokratie Vorschub leisten 1

Es ist schwer, diese Haltung der gekenn­zeichneten Presse zu verstehen. Wenn christliche Gewerkvereine auch über den Rahmen eines bestimmten Glaubensbekenntnisses hinaus An­schluß suchen bei anderen Vereinigungen zum Zwecke der gemeinsamen Vertheidigung gleicher Interessen, so wird ihnen bei jeder neuen Gelegenheit von derselben Presse aufs Neue vorgehalten, daß sie sich auf einer abschüssigen Bahn befinden, die schließlich zur Sozial­demokratie führen müsse. Und wenn katholifche Arbeitervereine von einem Sekretär, den sie anstelle», in außerordentlich selbstverständlicher Weise verlangen, daß er in allen Partei­kämpfen zunächst ihre eigene Sache vertrete — mit anderen Worten: Stellung gegen die Sozialdemokratie nehme — dann fällt wiederum dieselbe Presse über sie mit Vorwürfen her, weil sie für sich selbst und vornehmlich für ihre eigene Sache eintreten wollen.

Aus dieser Art, diese Frage zu behandeln, geht zweierlei sehr klar hervor: dem indu­striellen Unternehmerthum fehlt es zum großen Theile noch immer in höchst bedauerlichem Maße an der nothwendigen Erkenntniß der modernen Entwickelung der Dinge, und es fehlt ihm zum Theil auch sehr an dem nöthigen Wohlwollen für die Arbeiter. Man mag nun diese moderne Entwickelung bedauern oder freudig

begrüßen, so bleibt doch eins sicher, daß man weder durch Trauer, noch durch Freude auf- halten oder auch nur beeinflussen kann. Be­einflussen kann man sie nur dadurch, daß man die Dinge nimmt, wie sie sind, daß man sich mitten in sie hineinstellt und nun in zeitgemäßer Weise eingreift, wo man eingreifen kann, und sich ihnen anpaßt, wo man sich an- passrn kann. Das Unternehmerthum sollte that- sächlich nur Freude darüber empfinden, daß die Organisation der christlich gesinnten Arbeiter immer weiter um sich greift. Denn die berufs­mäßige Organisation der industriellen Arbeiter im Allgemeinen läßt sich nicht mehr auf die Seite schieben oder unterdrücken; und es liegt — ab­gesehen von allem Ander» — ohne allen Zweifel im Interesse des Unternehmerthum« selbst, wenn der Einfluß der sozialdemokratischen Arbeiterver­einigungen vermindert wird durch das wachsende Ansehen christlicher Körperschaften. Im staat­lichen und im allgemeinen Interesse liegt das auf jeden Fall. Deswegen sollte endlich auch der Centralverband der Industriellen die Augen aufmachen und die Dinge sich ansehen, wie sie wirklich sind, und nicht noch immer gewaltsam eingreifen wollen in das unaufhaltsam rollende Rad der Zeit. Denn er schadet ja gerade da­durch dem guten Einvernehmen zwischen Unter­nehmer und Arbeiter mehr, als sich sagen läßt, während umgekehrt die Thätigkeit christlicher Arbeitersekretariate der Förderung dieses Ein- vernehmens nur vom besten Nutzen sein kann.

All sititßtt Md dtt SchmWltt.

Eine Erzählung aus den Lagen der französischen Revolution.

Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts lebte im Süden von Frankreich an der Grenze von Spanien der Markgraf von Bajak, der Besitzer weit ausgedehnter Ländereien. Das Schloß und das Herumliegende Land gehörte seit undenk­lichen Zeiten seiner Familie. Unter der Re­gierung Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. hatte der Schmuggelhandel sich hier nicht allein ein­genistet, sondern auch erschrecklich ausgebreitet. Ebinso wie im gebirgigen Westen Italiens waren auch im äußersten Süden Frankreichs nicht wenige adelige Gutsbesitzer zu finden, die mehr oder weniger den Schmuggelhandel begünstigten. Der Markgraf von Bajak ließ die Schmuggler nur einen geheimen Bergpfad hinter seinem Schlosse benutzen, weiter ließ er sich mit ihnen nicht ein, aber schon hierfür allein erhielt er eine reichliche Vergütung. Als er nun kurz vor der Thronbesteigung Ludwigs XVI. kinderlos starb, gingen seine ausgedehnten Landgüter über in den Besitz seines Neffen, den er trotz der Ver­schiedenheit in ihrem Charakter stets aufrichtig beliebt hatte.

Jakob von Bajak, der neue Eigenthümer des Schlaffes, hatte Abscheu gegen den geheimen Handel, den sein Oheim begünstigt hatte.

Kaum hatte er denn auch Besitz ergriffen von seinem Erbgut, als er auch schon den Schmugg­lern zu verstehen gab, daß sie weder Hilfe noch Schutz von ihm zu erwarten hätten. Dagegen bemühten sich der Markgraf und besonders auch seine Frau, den Armen, die in der Umgegend wohnten, Hilfe und Beistand zu leisten. Der erste Widerwille, den einige Leute gegen den neuen Landesherrn wegen seines Auftretens gegen den alten Schmuggelhandel gefaßt hatten, war denn auch bald überwunden. Jakob von Bajak war bald sehr beliebt und geachtet von allen, die mit ihm in Berührung kamen. Der brave Markgraf und seine Gemahlin fanden bei der Verrichtung guter Werke einen eifrigen und liebevollen Theilnehmer an ihrem Sohne. Sie hatten schon früher, als dieser den Wunsch zu erkennen gab, Priester zu werden, keinen Augen­blick gezaudert, ihn dem lieben Gott zu weihen. Mit ihrem Segen und ihrer vollkommenen Zu­stimmung hatte er sich dem heiligen Dienst ge­widmet.

Sobald Jakob von Bajak dem alten Mark­grafen als Eigenthümer des Schlosses und der zugehörigen Güter gefolgt war, hatte er den Bischof ersucht, seinen Sohn zum Pastor der Pfarrei zu ernennen. Der Kirchenfürst will­fahrte dieser Bitte.

Der Pfarrer und seine Eltern waren die Wohlthäter der Gemeinde. In diesen einsamen Gegknden, die nur sehr mangelhafte Verbindung mit der Hauptstadt hatten, hörte man nur sehr wenig von den politischen Wühlereien mit ihren traurigen Folgen für das königliche Haus. Die Bewohner des Schlosses wußten noch weniger von der Revolution als irgend JMand, da sie sich von dem Umgänge mit den Schmugglern fern hielten. Erst mehrere Wochen nach der Ein­kerkerung des Königs Ludwigs XVI. und der Königin Marie Antonette wurden sie bekannt mit all den Zügellosigkeiten und Greueln der Revo­

lution. Aber da kam denn auch bald darauf das Ende für das glückliche, friedliche Leben der Familie Bajak.

Einer von den Schmugglern, der wegen des entzogenen Schutzes des gräflichen Schlosses am meisten erbittert war, weil er sich dadurch in seinem Schmuggelhandel benachtheiligt glaubte, klagte die Familie des Markgrafen als aristo­kratisch und als staatsgefährlich bei den Umsturz­männern an.

Als der Markgraf und feine Gemahlin an einem schönen Sommerabend auf einer Terrasse saßen, um das herrliche Schauspiel des Sonnen­unterganges zu genießen, wurde» sie plötzlich durch eine Bande Soldaten der „vorläufigen Re­gierung" umzingelt und wirklich in das Gefäng- niß zu Toulouse geführt. Die Edelleute standen bald vor einem Blutgericht. Da man den ver­leumderischen Aussagen des Anklägers einfach Glauben schenkte, so wurden die beiden Edelleute verurtheilt, obschon mlkn gegen sie keine Beweise von staatsgefährlichen Handlungen erbringen konnte. Die Umsturzmänner sprachen das Ur- theil: Am folgenden Tage sollte der Markgraf und seine Frau öffentlich hingerichtet werden. Obschon der Pfarrer um die Gunst gebeten hatte, mit seinen Eltern sterben zu dürfen, blieb er den­noch im Kerker zurück, selbst noch, als seine Eltern, bereits guillotintrt waren.

In diesen traurigen Zeiten war das Gefäng- niß in Toulouse so überfüllt, daß viele Zellen in zwei mußten abgetheilt werden, um mehr Ge­fangene aufnehmen zu können.

An dem Abend des schrecklichen Tages der Hinrichtung seiner Eltern ging der fromme Priester in bitterem Schmerz in seiner Zelle ans und ab. Plößlich bleibt er horchend stehen: er hörte ein heftiges Stöhne» und Seufzen. Er lauscht auf­merksam und hört die Laute von neuem, und et bald, woher die Saute an sein Ohr bringen. Er hält den Mund gegen den hölzernen Bretter­verschlag und fragt in mitleidigem Tone nach der Ursache des heftigen Leidens, das feinen Mitgefangene» zu quälen schien.

„Rann ich Ihnen auch von Diensten sein?" frug der Priester.

„Ach I Niemand kann etwa- für mich thu» I" lautete die Antwort.

„Ist Ihr Leiden denn so schrecklich! Hat man Ihnen besondere Qualen angethan?" frug der Priester wieder.

„O, wenn Ihr wüßtet, ich bin zum Tode verurtheilt!“

„Wohlan, bester Freund, behalten Sie Muth. Wir stnd LeidenSgenoffen. Lassen Sie sich von mir trösten; sollen wir zusammen beten? Der Himmel wird uns ruhig machen."

„Hören Sie auf! Es gibt für mich keine Hoffnung mehr, weder hier noch jenseits!" rief der Unglückliche, fast Verzweifelnde.

Sie mögen verzweifeln," sagte der Priester, „an der Erhaltung des zeitlichen Leben-, aber für die Ewigkeit gibt es noch Rettung, jeder Seufzer aus herzlicher Reue wird Gnade finden bei Gott!"

„Für mich ist keine Hoffnung mehr," ant­wortete die Stimme, und sein lautes Schluchzen zeugte von der Übermäßigen Traurigkeit, die ihn befalle» hatte.

„Ich habe stets über die Religion geschimpft," fuhr der zum Tode Verurtheilte fort, „die Priester der Kirche verhöhnt und eine besondere Miffethat begangen! Und jetzt hat man mich noch der Ge­legenheit beraubt, vor einem Priester niederzu- knieen und mich mit Gott auszusöhnen. Ich habe Verrath geübt an der unglücklichen Familie Bajak, und das allein deshalb, um aus altem Groll mich ju rächen. Mit all diesem auf dem Gewiffe» habe ich keine Barmherzigkeit zu hoffen."

Der Priester zitterte vor tiefer Rührung. Er sank nieder auf den Boden und flehte innig die Hilfe desjenigen an, der für seine Mörder am Kreuze gebetet hat. In dem Bewußtsein seines erhabenen Berufes erhob er sich bald wieder mit dem festen Entschluß, dem Beispiel des Erlösers zu folgen.

„Bester Freund," sprach er mit leiser, aber doch deutlicher Stimme, „bester Freund, vertrauen Sie auf Gott! Er erweiset Ihnen eine außer­ordentliche Gnade; ich bin Priester und will Ihnen die Hilfe geben, deren Sie beraubt zu fei» glaubten. Knieen Sie nieder vor dem Angesichte Gottes und erwecken Sie einen Akt herzlicher Reue."

Mit Absicht verschwieg der Priester vor dem Unglücklichen, daß er selbst Priester Bajak sei, den er verrathen, um sein Seelenleiden nicht noch zu vergrößern.

Rach einer herzlichen Ermunterung des Priesters, sich nicht der Verzweiflung zu überlaffen, machte der elende Sünder nach wiederholter Ermahnung ein aufrichtiges und reumüthiges Bekenntniß feiner Miffethaten, und eine halbe Stunde später war er mit Gott versöhnt.

Im Himmel war Freude Über die Rückkehr des Sünder«, der Buße that. Mit den Engeln jubelten sicher auch die Eltern de« Priester« in der Ewigkeit über die Großmuth ihres Sohne«.

Der Ankläger der Familie Bajak, der ein Schmuggler war und nur au« Rache über die ver­sagte Unterstützung de« Schlöffe« das schändliche Werk aurgesührt hatte, fühlte sich nach der Beichte herzlich froh und voll Dank gegen Gott und den Priester. Mit Rührung bat er den Priester, noch einige Zeit mit ihm zu beten und in seiner letzten Stunde auf dem Schaffst ihm beizustehen. Der Priester versprach, al« letzt« Gunst von den Machthabern zu erbitten, daß er zugleich mit ihm enthauptet werde.

Raum hatte der Priester diese« Versprechen gemacht, al« sich die Thür seiner Zelle öffnet« und Jemand hereintrat. E« war für die Gefangenen die Zeit, ihr Abendbrod zu essen. Der Püester drehte deshalb den Kopf kaum um, aber blickte doch unwillkürlich auf. Wie groß war nun fein Erstaunen, al« er einen feiner besten Freunde vor sich sah. Er wollte gerade seinen Namen nennen, aber der eben Eingetretene legte rasch den Finger an die Lippen und flüsterte:

„Schnell, schnell, lieber Freund, komm mit; es Ist keine Zelt zu verlieren; alle Maßregel» für Deine Flucht sind schon genommen. Zieh schnell diese Kleider an, die ich hier in diesem Paketche» bei mir habe."

„Unmöglich", erwiderte der Priester, „ich mag nicht gehen". Sofort erzählte er in großen Zügen, was geschehen war, welche Bekenntnisse der Mit, gefangene gethan, und wie er ihn infolgedessen auf die Beichte vorbereitet und darnach da« Ver­sprechen gegeben habe, mtt ihm nach dem Schaffst zu gehen. Er erklärte auch, daß er, so sehr auch die Schrecken de» Tode« ihn quälten und ängstigten, sich doch später nie würde trösten können, wenn er, um sei» eigene« Sehen zu erhalten, den armen Mitgefangenen würde verlassen, der dann noch In Verzweiflung fallen könnte.

Der Freund kannte de» festen Charakter de« großen Priester«. Weinend verließ er die Zelle in tiefer Rührung ob so vieler Liebe und Selbst­aufopferung.

Die beiden Gefangenen blieben die Rächt hin­durch gemeinsam in andächtigem Gebet. M« am folgenden Morgen die Soldaten kamen, um den unschuldigen Priester und bett schuldigen Schmuggler nach dem Richtplatz zu führen, waren beide bereit, ihnen zu folgen.

Der Schmuggler war der erste, der da« Schaffot besteigen mußte. Nur wenige Augen­blicke nach dem Verscheiden de« Schmuggler« wurde auch seine Seele au« der Mitt« der Bos­heiten hinweggeführt. Wir wollen hoffen, daß der Schmuggler ein gnädige« Urthetl gefunden, und daß der Priester eine herrliche Krone im Himmel erhalten hat.

Uermifchte».

• Amerikanische Zollkuriosa. Die Newyorker Zollbehörde hat in letzter Zeit einige interessante Klassifizirungen von Einfuhrartikeln vorgenommen. Daraus geht zum Beispiel hervor, daß falsche Zähne keine Zähne sind, sondern „Maaren, die ganz oder hauptsächlich aus erdigen oder Mineralsubstanzen bestehen," was den Importeuren gewiß recht sein wird, da natürliche Zähne mit einem Zoll von 50 v. H. belegt find, die erwähnten Substanzen aber nur mit einem Zoll von 35 v. H. Das Haar von Eichhörnchen galt bislang als „Wolle" und mußte als solche verzollt werden, jetzt ist es aber als „Haar von Pferden, Rindern und anderen Thiereu" klaffifizirt und passirt zollfrei. Getrocknete Eidechsen, ein Handelsartikel, der im chi­nesischen Viertel von San Franzisko bedeutenden Ab­satz findet, figuriren jetzt als medizinisches Präparat, während sie früher als „Verschiedenes, sonst nicht spezifizirt" mit 10 v. H. rubrizirt Waren. Die chi­nesischen Importeure, die überschlau sein wollte», weigerte» sich, die 10 v. H. zu bezahlen, weil sie ge­hört hatten, daß kanadische Frösche zollfrei herein kämen. Als aber die Abschätzer der Zollbehörde die Sache in die Hand bekamen, erklärten sie, daß die besagten getrockneten Eidechsen, die sich bislang in anonymem Zustande eines Zolles von 10 v. H. er­freut hatten, nunmehr 25 v. H. bezahlen müßten, da sie bei den chinesischen Zauberern als Mittel zur Aus­treibung böser Geister oder auch zur Bereitung einer nervenstärkenden Medizin verwendet werden. Frösche, die als Nahrungsmittel gelten, und Kröten, die als Kuriositäten figuriren, kommen in Amerika auch fürderhin frei durch. Hummern gelten amtlich als Fische, obschon sich die Ichthyologen über den Fall noch nicht klar sind; da aber ein hohes englisches Tribunal einmal entschieden hat, daß die Schildkröte ein Insekt sei, so können die Hummrrn sich kaum über ihre Klassifizirung beklagen.

* Ein Kenner. Versicherungs-Agent (einem Kun­den die Police einhändigend): „Ihr Hau» ist also mit 30,000 Mark versichert." — Kunde: „WaS bekomm' ich, wenn das Haus morgen schon abbrennt?" — Versicherungsagent (trocken): „Höchstens drei Jahre Zuchthaus l"