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M 147.

Versammlungen der Centrumspartei des Wahlkreises

Fulda-Gersseld-Schlüchtern.

Herr Reichstags-Abgeordneter Herold, der 'fett 3 Jahren unser« Wahlkreis im Reichstage vertritt, hatte schon seit längerer Zeit den Wunsch geäußert, seinen Wahlkreis zu besuchen, um einen persönlichen Meinungs-Austausch mit seinen Wäh­lern herbeizuführen. Diese Absicht ist nun in diesen Tagen verwirklicht worden, indem am Samstag (Peter und Paul) eine Versammlung der CentrumSpartei in H i l d e r S und am gestrigen Sonntag eine solche hier in Fulda im Stadt­saale abgehalten wurde, an die sich heute Nach­mittag eine dritte Versammlung in Salmünster anschließen wird.

Die Versammlung in Kilders war recht gut besucht, eS waren über 200 Männer aus allen Ort­schaften der Umgegend erschienen. Zum Vorsitzenden murde von der Versammlung Herr Dechant Helfrich. Batten durch Zuruf gewählt.

Herr Abg. Herold erstattete Bericht über die Tdätigkeit dir TentrumS-Fraklion des Reichs­tages in den letzten 3 Jahren. In klarer und lichtvoller Darstellung gab er eine Uebersicht über die zahlreichen Gesetzesvorlagen, die in dieser Zeit berathen wurden, wobei besonders die für die ländliche Bevölkerung wichtigen Vorlagen eingehend behandelt wurden. Zum Schluffe sprach Redner über die großen Aufgaben, die demnächst im Reichstage der Lösung harren; vor Allem find daS auf idealem Gebiete der sogen. Toleranz-Antrag und auf materiellem Gebiete der Zolltarif und die neuen Handelsverträge. (Von der Wiedergabe der einzelnen Ausführungen können wir hier absehen. Weil in dem unten folgenden Berichte über die Fuldaer Versammlung dieselben Angelegenheiten ausführlich erörtert find. Die Red.)

Die Versammlung gab durch langanhalten, ben Beifall ihre Zustimmung zu den Ausführungen ihres Abgeordneten und zugleich dem Danke für seine lehrreichen Worte lebhaften Ausdruck. Der Vorsitzende sagte dem Redner noch insbe­sondere herzlichen Dank für seine aufopferungs­volle Thättgkeit im Reichstage.

Der Landtagsabgeordnete des Wahlkreises GerSfeld-Hünfeld, Herr Oberförster Kaute- Burghaun besprach sodann daS Verhält«iß deS Bundes der Landwirthe zum Cent rum. Wiewohl letzteres jede Gelegenheit wahrnehme, auf Beseitigung der nicht zu leugnen­den Noth der Landwirthschaft hinzuwirken, geige trotzdem der Bund der Landwirthe sich stets und überall als erbitterter Gegner des EentrumS. Er warnte die katholischen Land­wirthe eindringlich vor dem Beitritt zum Bund der Landwirthe, welcher die berechtigten An­sprüche der Landw!rthschaft Überspanne, diese daher in Verruf bringe und durch unnöthige Erbitterung der Gegner die Durchdringung des Erreichbaren erschwere. — Zu der in diesem

Iwei Winge.

Frei nach dem Englischen von A. Mich ola.

Ä2 ------ (Nachdruck verboten.)

Albert Nugent achtete seines Sohnes Wunsch und schwieg über die Sache, die ihm so sehr am Herzen lag. Er konnte Geschehenes nicht unge­schehen machen, aber er konnte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln danach streben, seines Sohnes Glück zu begründen.

„Wird meine schöne Nichte sehr unglücklich sein, ^aß Du uns gefunden hast, Albert?" fragte seine Frau, und er antwortete fest:

„Ich glaube nicht. Wenn ich ihre Miene gestern Abend richtig deutete, so wird sie im Gegenthell über Rudolf'S gutes Glück sich freuen. Doch dies erinnert mich, meine Schwester wird sehr besorgt um mich sein. Willst Du ihr schreiben, Rudolf, und sie bitten, ohne Verzug mit Klara hierher zu kommen? Beunruhige sie nicht, sage ihr, ich sei wohl, werde aber durch Geschäfte hier zurückgehalten. Schreibe auch in meinem Auf- trage an Lord Norton, theile ihm mit, daß Alles gut gegangen sei, und daß ich ihm bei unserer ersten Begegnung nähere Aufklärung geben werde."

Die Briefe wurden geschrieben und abgesandt. Der lange, glückliche Sommertag neigte sich seinem Ende zu, ohne daß alle Fragen erschöpft und be­antwortet werden konnten. Ella erkundigte sich natürlich nach der liebenswürdigen Helene Nugent und freute sich, sie bald als Schwester begrüßen zu können. Albert mußte ihr viel von chr und seinen schönen Nichten erzählen.

Iutöa, Montag,

Jahre eingeführten Medizinalreform über­gehend bedauerte Redner die Einziehung der Kreisarztstelle in GerSfeld, auf deren Wieder­errichtung im Jntereffe der Bevölkerung hinge­wirkt werden müffe. — Sodann besprach Redner die Eisenbahnwünsche des Kreises und hoffte, daß der zur weiteren Aufschließung deS Kreises «öthige Ausbau der Strecke« Tann- Geisa und GerSfeld-BischofSheim in absehbarer Zeit zur Ausführung gelangen werde. (Lebhafter Beifall.)

Nachdem der Vorsitzende auch diesem Redner den Dank der Versammlung ausgesprochen, nahm Herr Reichstagrabg. Müller-Fulda das Wort, um hervorzuheben, daß der Wahlkreis Fulda- Gersfelip Schlüchtern in Herrn Herold einen aus­gezeichneten und hervorragenden Vertreter ge­funden habe; er sei stolz darauf, dem Wahlkreise, den er selber früher vertreten habe, einen solch tüchtigen und thatkräftigen Mann al« seinen Nach­folger empfohlen zu haben. Redner gab dann noch einige Zusätze und Erläuterungen zu de« Mittheilungen über die Reichstagsverhandlungen und forderte schließlich alle katholischen Männer auf, fest und treu zur Fahne des Centrums zu halten, weil nur da ihre materiellen und ihre idealen Interessen in gleich vortrefflicher Weise gesichert und gewahrt seien.

Herr Pfarrer Breitung-Hilders sprach in humorvollen Worten über die vom Vorredner er­wähnte afrikanische Centralbahn, an der gerade Hilders ein besonderes Interesse habe, und er­suchte die Herren Abgeordneten, auch für diese Bahn, wenn die Eisenbahnschmerzen der Rhön einmal gestillt seien, ein gutes Wort einzulegen.

Nachdem dann noch einige Herren au« der Versammlung verschiedene Anfragen über lokale Angelegenheiten an die Herren Abgeordneten ge­richtet und deren Antwort entgegengenommen hatten, brachte Herr Rob. Kircher-Fulda ein Hoch auf die Träger der beiden höchsten Gewalten, auf Papst und Kaiser au«, woraus die Versamm­lung vom Vorsitzenden geschlossen wurde.

Die Versammlung in Irrtda begann gestern Nachmittag 3*/» Uhr und mar ebenfalls — be­sonders von den ländlichen Wählern — gut be­sucht. Der Vorsitzende des Centralwahlkomitees, Herr Robert Kircher, eröffnete diese erste poli- tische Versammlung in unferm schönen Stadt­saale mit einer herzlichen Begrüßung aller Er­schienenen. Auf den Vorschlag des Herrn Abg. Geh. Rath Dr. Goebel wurde Herr Kircher durch Akklamation zum Vorsitzenden der Ver- sammluvg ernannt und zu Beisitzern die Herren Pros. Dr. Leimbach und die Dechanten Wiegand- JohanneSberg und Z i m m e r-Oberbimbach berufen.

Der Vorsitzende wieS zunächst den von den Gegnern erhobenen Vorwurf, die CentrumSpartei fei nicht national, nicht patriotisch gesinnt, in kurzer entschiedener Form zurück und brachte dann ein Hoch auf Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. und Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. auS.

Nachdem die brausenden Hochrufe verklungen, nahm Herr ReichStaqSabgeordneter Herold das Wort. Derselbe berichtete über die Thättgkeit de« Reichstage« während der letzten drei Jahre und über die Stellungnahme des Centrums bei der

„Und nun mußt Du mir noch etwas erklären," bat er am Abend. „Wie kam e«, daß Du Deinen Namen ablegtest und Dich „Blanche" nennen ließest?"

„Anfangs kam es ganz zufällig," versetzte sie. „Die Leute, unter die ich verschlagen wurde, nannten mich Blanche — Madame Blanche — weil ich, ihnen ganz unähnlich, helle« Haar und weiße Hautfarbe hatte. Später versuchte ich e«, fte meinen richtigen Namen zu lehren — Deinen Namen, Albert — aber ich konnte dessen Klang nicht ertragen. Ich hielt Dich für tobt, und ich sah keinen Grund, warum ich mir da« beständige Weh bereiten und meinem Knaben seinen wirk­lichen Namen sagen sollte. Auch fürchtete ich, die Marchmoni« könnten uns auf die Spur kommen und meinem Sohn ein Leid zufügen, weil sie feiner Mutter nicht gewogen waren. Die« war schließlich mein stärkster Beweggrund."

„Vielleicht hätte es auch anders nicht viel Unterschied gemacht," bemerkte er gedankenvoll. „Wenn ich den Namen „Rudolf Nugent" gehört hätte, so würde ich doch nur an einen merk­würdigen Zufall gedacht haben — an nichts weiter."

Zwei Tage später traf Frau Donovan mit Klara ein, Albert holte sie selbst am Bahnhof in Thyrlow ab und erzählte ihnen dort feine Geschichte. Mit freudiger Theilnahrne hörten sie ihm zu, aber Helene ließ nicht rnrrken, daß sie einen Theil des Grheimnifles schon früher ge­kannt hatte.

„Also Rudolf Blanche, der mit vom ersten Augenblicke an so sympathisch war, ist Dein

bat 1. Juli 1901.

Berathung der einzelnen Gesetzvorlagen, die alle unter wesentlicher Mitwirkung des Centrums zu Stande gekommen find. Das neue Postgesetz und das Fernsprechgesetz haben dem Verkehr wesentliche Erleichterungen gebracht; das Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz hat sowohl für den Produzenten wie für den Konsumenten bedeutende Vortheile ge­schaffen. Der von agrarischer Seite gegen das Centrum erhobene Vorwurf, bei der Berathung dieses Gesetzes habe das Centrum der Regierung zuviel Entgegenkommen gezeigt, sei durchaus un­berechtigt. Mit der Aufhebung des Verbotes der Verbindung zwischen politischen Vereinen sei eine langerstrebte politische Freiheit errungen, und bei der Berathung des letzten Flottengesetzes habe das Centrum dafür Sorge getragen, daß nicht mehr al« da« unbedingt Nothwendige bewilligt wurde und die Kosten der Flottenvermehrung hauptsäch­lich auf die tragfähigen Schultern der Interessenten und der wohlhabenden Klassen gelegt wurden. Auf idealem Gebiete habe der Reichstag weniger Erfolge zu verzeichnen. Die Aufhebung des Jesuitengesetzes sei zwar zum vierten Male vom Reichstage beschlossen worden, aber die Verbündeten Regierungen hätten noch keinen Beschluß darüber gefaßt. Bei der Berathung der sogen. Ivx-Heinze hatte das Centrum zwar eine Reihe von Verbesse­rungen der ursprünglichen Vorlage durchgesetzt, aber in Folge der Obstruktion der linken Seite de» Hauses und der schwächlichen Haltung der Konservativen habe man, um wenigstens etwas zu retten, sich mit einem halben Erfolge zufrieden ge­geben. Arn 15. Mai wurde dann der Reichstag vertagt. Große Aufgaben stehen ihm demnächst bevor, insbesondere die Berathung einer neuen Zolltarif«. Hierüber führte Redner ungefähr Folgende« au«:

Einen weiten Umfang haben in den Debatten schon die Auseinandersetzungen über den zukünftigen Zoll­tarif eingenommen und im kommenden Winter wird dieser den wichtigsten Berathungsgegenstand bilden.

Zunächst ist dabei in's Auge zu fassen, daß das zu erstrebende Ziel der Abschluß von Handelsverträgen sein muß, welche für die Entwickelung unserer Industrie dringend wünschenswerth sind, und auch langjährige Verträge, damit die Industrie sich darauf einrichten kann. Je länger die Frist bemessen wird, um so wich­tiger ist aber auch, daß die Verträge sich für uns günstig gestalten. Wenn aber in der handelsvertrags­freundlichen Presse die Sache häufig so dargestellt wird, als wenn das Bedürfniß für Verträge bei uns größer sei, als bei den Nachbarstaaten, so trifft das nicht zu. Jeder Zollkrieg ist von Nebel, alle Länder werden da­durch geschädigt, und denselben zu vermeiden, haben die anderen Staaten mindestens dasselbe Interesse, wie Deutschland. Dem Zustandekommen von Handels­verträgen wird durch solche Auseinandersetzungen aber auch kein Dienst erzeigt. Wenn jemand vom Nachbar ein Haus oder ein Grundstück zu kaufen wünscht und fügt bei der Erkundigung nach dem Preise sogleich bei, „haben muß ich dasselbe unter allen Umständen, es ist für mich unentbehrlich", dann könnte die Forderung doch so hoch ausfallen, daß der Kauf unmöglich wird. Aehn- lich liegt es bei den Ausführungen der Presse oder handelsvertragsfreundlichen Personen mit der Betonung der unbedingten Nothwendigkeit für Deutschlands wirth- schaftliche Entwickelung.

Der zunächst festzusetzende Zolltarif soll bei den Verhandlungen über die zukünftigen Handelsverträge zu Grunde gelegt werden. Eine wichtige Frage ist nun, ob ein einfacher Generaltarif festgesetzt wird oder ein Doppeltarif, der dann einerseits die untere Grenze be­stimmt, unter die beim Abschluß von Verträgen unter keinen Umständen herabgegangen werden darf, anderer­seits einen Höchstsatz, der dann Anwendung findet, wenn kein Vertrag zu Stande kommen sollte.

Sohn!" rief sie. „Diese Nachricht macht mich ganz vnendlich glücklich."

Mit feuchte« Auge« blickte sie zu ihm auf und Albert fragte bewegt: „Du wirst auch meine Frau lieben, Helene?"

„Sieben!" rief Frau Donovan. „Warte und sieh'. Ich hatte niemals eine Schwester — sie soll mir die liebste, tbeuerfie fein. Klara, kannst Du Dir eine Tante Ella, einen Vetter Rudolf vorstellen? Es ist alles so wunderbar. Wären wir nur schon dort!"

Albert Nuaent fühlte, daß nun nichts mehr zu feinem Glücke fehlte. El hatte ein wenig ge- bangt, wie feine Schwester und igre Kinder die Nachricht aufnehmen würden. Helenens Worte hatten ihn dieser Besorgniß überhoben.

Als der Wagen am Quellenhof anfuhr, er­blickten sie inmitten der Blumenpracht eine garte, liebliche Frauengestalt mit einem Lächeln des Willkommens in dem schönen Antlitz, aus welchem jede Spur von Traurigkeit geschwunden war.

„Ella!" rief Frau Donova«, „meine ge­liebte Schwester I Ich konnte kaum glauben, daß ich Dich, die Totgeglaubte, wiedersehen sollte!«

Sie küßte zärtlich das süße Gesicht und sprach liebevolle, herzliche Worte der Begrüßung, für welche ihr Bruder sie hätte umatmen mögen. Dann trat Klara herzu:

„Wirst Du auch für mich ein wenig Liebe übrig habe«, Tante?" fragte sie fanft, und Ella, die aus ihre« langen, warmen Briefen a« Ru­dolf ihr Geheimniß errathen halte, schloß daS junge Mädchen liebevoll in die Arme.

28. Jahrgang.

Das Richtige wird sein, wenn durchweg nur ein Generaltarif aufgestellt wird, um der Regierung der den Verhandlungen eine möglichste Bewegungsfrechert zu gestatten. Für die wichtigsten landwirthschaftlrchen Erzeugnisse ist aber undedmgt ein Minimal- um> Maximal-Tarif erforderlich, einmal, um der Landwirth­schaft unter allen Umständen Mindestzölle zu sichern, dann aber auch, weil auf diesem Wege Handelsverträge leichter zu erreichen sind. Mit den Exportstaaten für landwirlhschaftliche Erzeugnisse wird der Hauptkamps sich um diese Produkte abspielen. Besteht aber eine gesetzlich festgelegte Grenze, unter die nicht herabgegangen werden kann, so werden unzweifelhaft die Verhand­lungen dadurch erleichtert. Nur ist nothwendig, daß die Spannung zwischen dem Mindest- und Höchstsatz hinreichend groß ist, damit die Staaten wiederum von vorn herein wissen, daß, wenn keine Verträge zu Stande kommen, diese höheren Zölle eingeführt werden. Um diese aber zu vermeiden, wird man für industrielle Produkte angemessene Zugeständnisse machen.

Was nun die Höhe der landwirthschaftlichen Zölle anlangt, so befindet sich die Landwirthschaft durch dre niedrigen Preise in einer solch gedrückten Lage, daß eine wesentliche Steigerung der bestehenden Zollsätze durchaus nothwendig ist, und sie kann auch erfolgen, ohne daß für die konsumirende Bevölkerung eme zu wert gehende Bertheuerung des Getreides stattfinden wurde.

Es muß verlangt werden, daß die Zollsätze über den bestehenden autonomen Zolltarif, also nicht nur über den BertragStarif hinaus gehen. Ein Zolltarif ohne gesetzliche Feststellung der Mindestsätze über den autonomen Tarif hinaus wird im Reichstage mit Sicherheit keine Annahme finden.

In besonderem Maße bedürfe« auch die Zölle für Vieh einer Steigerung. Zur Zeit besteht au8 sanitären Gründen ein Einfuhrverbot gegenüber fast allen Ländern, um die Einschleppung von Seuchen zu verhindern. Dasselbe läßt sich aber nur aufrecht erhalten nach den Verträgen, so lange als die Gefahr der Verschleppung von ansteckenden Krankheiten auS den betreffende« Ländern besteht. Der jetzige Zustand ist naturgemäß wirksamer, alS der höchste Zoll. Es zeigt sich aber durch die gemachte Erfahrung, daß ohne eine nennen«« werthe Auslandseinfuhr eine Bertheuerung von Vieh nicht eingetreten ist, dieselbe also auch nicht durch eine starke Zollsteigerung zu befürchten ist.

Durchaus unrichtig ist die so oft aufgestellte Be­hauptung, daß die Zollerhöhung nur den Gutsbesitzer« zu Gute komme. Die entschiedene Stellungnahme der verschiedenen Bauernvereine, welche sich doch sonst aus­schließlich auS kleinen Besitzern zusammensetzen, beweist das doch nur zu deutlich. Bei der Industrie nimmt man einen anderen Standpunkt ein. Es hat z B. noch niemand behaupt, daß die Eisenzölle nut im Interesse der Großindustrie, etwa um die 15 Mill. Reineinnahmen deS Herrn Krupp zu vermehren, eingeführt seien. Die Zölle bestehen, um den zahlreichen Arbeitern und Be­amten Beschäftigung und lohnende Löhne zu ermöglichen, durch deren Konsumtion finden aber wiederum eine große Anzahl anderer Personen ihren Unterhalt. Bei lohnenden Preisen ist der Bauer in der Lage, seinen Leuten ausreichende Bezahlung zu gewähren, so daß dieselben nicht vor solchen Ursachen zur Industrie über­gehen und hier nun wieder durch starkes Angebot die Löhne drücken.

Um aber für etwaige Bertheuerung einen Ausgleich zu gewähren, hat die CentrnmSfraktion schon jetzt daz« Stellung genommen, daß die Mehreinnahmen auS den gesteigerten landwirthschaftlichen Zöllen im Jniereffe der Arbeiter für sozialpolitische Zwecke verwerthet werden sollen, wodurch der Arbeiterschaft großen Nutzen ge­währt werden kann. Die Summen können leicht mehr betragen, alS die jetzigen Auszahlungen der Staaten für die Invalidenversicherung. Sie ersehen hieraus, wie die Fraktion bemüht ist, allen Berufsständen nach Möglichkeit gerecht zu werden und für deren Interessen zu wirken.

Die hohe Bedeutung des landw. Berufsstandes für das Gemeinwohl ergibt sich aber aus dem Theil der Gesammtbevölkerung, welcher trotz der Zunahme der industrielle« und städtischen Bevölkerung immer die Landwirthschaft noch einnimmt, indem er 1895 35,7 •/• bei rüg. Der landwirthschastliche Stand wirkt immer kräftiger, ermunternd und verjüngend für die Stabt«

Jetzt eilte auch Rudolf herbei, um die neu« gefundene« Verwandten zn begrüße«; er sah wohler und heiterer aus, als feit vielen Monaten — Albert Nugent war überglücklich.

Die nächsten Tage vergingen der kleinen Familie in ungetrübter Freude, dann aber begann man von der Zu'unft zu sprechen Frau Donovan war die erste, die dieses Thema zur Sprache brachte. Sie sagte ihrem Bruder, daß sie mit Klara rach Leadale zurückkehren wolle, da nun natürlich seine Frau die Herrin von Wernershos sein müffe. Aber weder Albert noch Ella wollten von ihrem Weggehen hören.

„Du mußt barmherzig gegen uns sein, Helene," sagte ihr Bruder. „Bedenke, meine Frau und ich sind so viele Jahre getrennt ge­wesen; ehe wir heimkehren, möchte ich ihr die schöne Welt noch zeigen. Halte Du Haus für uns, damit wir nach Belieben herum reisen können. Ueberhaupt wollen wir unS nie mehr von einander trennen, nicht wahr, Ella?"

„Wir bedürfen unserer Schwester, um unser Heim vollkommen zu machen," sagte die sanfte Stimme, „der Schwester fowohl wie der Nichte. Es darf keine Trennung mehr geben."

„Ich möchte, daß Du und Klara in WernerShof weilet, während ich mit Ella und Rudolf in der Welt umherschweife. Ich muß jeden Ort sehen, wo mein Suhling wohnte; Jeden, der ihr irgendwie behilflich war, muß ich reich belohnen."

So war denn Alles geordnet. Sie verbrach­ten eipe glückliche Woche im Quellenhof, dann kehrte Frau Donovan mit Klara nach Hause zurück, Albert Nuzent reiste mit Frau und