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JuLöa, Donnerstag, den 27. Juni 1901.
G Der Attentäter Weiland.
Der Arbeiter Weiland, der am 6. März das Leben des Kaiser» in Bremen durch den Wur mit einem schweren Eisenstücke gefährdete, ist nach einem Spruche des ersten Strafsenate« des Reichsgerichte« außer Verfolgung gesetzt worden — so meldete am letzten Dienstag ein Telegramm des amtlichen Drahtbureaus. Der Strafsenat hat die Eröffnung des Hauptverfahren« abgelehnt und den angeklagten Arbeiter Weiland außer Verfolgung gesetzt, und zwar in Ueberetnstimmung mit allen übrigen Aeußerungen und Gutachten, die in dieser Sache abgegeben worden sind. Der Gerichtrho befindet sich mit seinem Urtheil in - Uebereinstim- mung mit der Anklagebehörde. Der Geisteszustand Weilands war zuerst durch mehrere Bremer Aerzte beobachtet worden. Man erklärte ihn für unzurechnungsfähig. Nachher wurde der Mann durch verschiedene hervorragende Irrenärzte beobachtet, und daraufhin wurde seine geistige Verfassung bc- urtheilt durch die Preußische wissenschaftliche Deputation für Medizinalwesen, di« höchste begutachtende Behörde im preußischen Staate. In allen Fällen fiel das Prüfungsergebniß dahin aus, daß man den Angeklagten nicht verantwortlich machen könne für feine Strafthat. Der Angeklagte ist ein vollendeter Epileptiker und zur Zeit eine« Anfalles seiner Sinne nicht mächtig.
Rechtlich kann also nicht die Rede sein von einer verbrecherischen That gegen da» Leben des Kaisers. Der Kaiser war das Opfer von Umständen und Eretgniffen, für die kein Mensch verantwortlich gemacht werden kann. Daß nichts destoweniger das ganze Volk das unglückselige Ereigniß vom 6. März auf tiefste und lebhafteste bedauert und sich in dem herzlichen Wunsche vereint, daß niemals ein ähnliches Ereigniß von neuem daS Leben des Kaisers in Gefahr bringen möge, versteht sich von selbst.
Damit aber, daß Weiland durch den Spruch des Reichsgerichtes strafrechtlich außer Verfolgung gesetzt wurde, ist durchaus nicht bewirkt, daß der gefährliche Epileptiker nunmehr wieder frei und ungehindert überall sich bewegen kann. Auf den Antrag des Ersten Staatsanwaltes in Bremen hat die zuständige Medizinal- behörde in Bremen beschlossen, den Welland zwangsweise als einen gemeingefährlichen Geisteskranken in die Irrenanstalt zu überführe». Die Ueberführung ist bereits DtenS- tag Abend erfolgt, also unmittelbar nach der Fällung des UrtheilS durch den Ersten Strafsenat deS Reichsgerichtes. Augenscheinlich waren im voraus schon alle Vorbereitungen für diese Uebersührung in daS Irrenhaus getroffen, so daß dem wettern Beschluffe die That auf dem Fuße folgen konnte.
Diese Art der Behandlung deS Arbeiters Weiland ist ohne Zweifel die einzig richtige. Bestraft kann er nicht werden, we,l es offenbar ist, daß er die Unthat in einem Zustande begangen hat, in dem er von sich selbst und von seinen Thaten nicht- wußte. Aber eS ist gefährlich, einen solchen Menschen frei umherlaufen zu kaffen; deswegen bringt man ihn kur, entschlossen in ein JrrenhauS, um ihn dennoch unschädlich ,u machen, um die menschliche Gesellschaft von einem «SSSSS^SSSS^SNSSSSSSSSS^SS
Zwei Hlinge.
Frei nach dem Englischen von A. Mtchola.
80 ------ (Nachdruck verboten.)
»Still! still!" mahnte er sanft. „Ich komme ganz unerwartet, um meine Mutter auf etwa zwei Tage zu besuchen. Sie darf nicht erschrecken; wollen Sie ihr vorsichtig beibrtngen, daß ich hier bin?"
Während dar Mädchen eilig die Treppe hinauf lief, trat er durch die Küche in da« sonnige, kleine Wohnzimmer, wo das Frühstück schon bereit stand. Er hatte kaum zwei Minuten hier gesessen, al« seine Mutter herein eilte, nicht beunruhigt, wie er gefürchtet, sondern ihm fteudig beide Hände entgegen streckend.
„Mein lieber Junge," rief sie, „welch' eine Ueberraschung! Ei, Du mußt dir ganze Nacht gereist fein, um so frühe hier einzutreffen. Und zwei ga»zr Tage willst Du mir schenken, wie Susanns sagte. Wie lieb von Dir, an mich zu denken!"
Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und barg ihr zartes Gesicht an seiner Brust. Als sie wieder aufblickte, setzte sie der seltsame Ausdruck in seinen Augen in Erstaunen.
„Es ist doch nichts vorgefalleu?" tief sie, jetzt erst geängstigt. „Sage eS mir rasch, Ru- dols, waS gibt eS?"
„Nichts, Mutter," entgegnete er mit gelungenem Lächeln. „Was sollte es auch geben? Ich hatte nur feine Zeit mehr. Dir meine An- kunft anzuzetgen."
ihrer Mitglieder zu befreie», daS ihr gefährlich werden kann. DaS ist durchaus folgerichtig gehandelt. Aber handelt man ebenso folgerichtig in allen ähnlichen Fällen, wo der Betroffene nicht auf einem so erhabenen Punkte steht, wie hier? Leider thut man daS nicht.
In den Gegenden, die von der Schnapspest befallen sind, gibt es,, wie ja leider jedermann weiß, sehr viele Leute, die nach erneutem Genuffe von Branntwein in Zustände verfallen, in denen sie ebenso gemeingefährlich find, wie der Arbeiter Weiland während eines epileptischen Tobsuchtanfalles. Dahin gehören namentlich die sogenannten Quartalssäufer. DaS sind Leute, die vier, fünf oder sechs Wochen hindurch nicht ein einziges Mal sich betrinken, nüchtern und fleißig und ordentlich und vielleicht die besten Familienväter von der Welt find, aber geradezu zu reißenden Bestien werden, wenn der SchnapS- teufe! wieder einmal für eine Reihe von Tagen die Oberhand über fie gewinnt. Sie ge« rathen in Delirien, schlagen und stechen und schießen 'um sich, und namentlich den Mitgliedern ihrer Familie und ihren Haus- genoffen werden sie im höchsten Grade gefährlich. Daß die betreffende Ehefrau, wenn eine solche vorhanden ist, am allermeisten unter diesen Anfällen der Gchnapstobsucht zu leiden hat, liegt auf der Hand. Man hört und liest häufig von schrecklichen Mißhandlungen, die Frauen durch solche schnapstobsüchtige Männer auszustehen haben; aber tn den allermeisten Fällen kümmert fich niemand darum, und zwar sehr häufig aus dem Grunde, weil die fragliche Gemeinde sich keine Kosten machen will wegen eines solchen Menschen, unbekümmert um die Gefahr für Menschenleben, die daraus entsteht.
Für alle solche Fälle sollte die gerechte und folgerichtige Behandlung deS Epileptikers Welland in Bremen ein nachahmenSwerthes Vorbild werden. Solche Leute gehören inS Irren- Haus, ob sie nun ab und zu Tobsuchtanfälle bekommen infolge von epileptischen Zuständen oder Eäuserwahn; denn sie find beide in ganz gleichem Maße gemeingefährlich.
Deutsches Deich.
Berlin, den 26. Juni.
X Ale preußische Aarraloorkage bl eibt, wie sie ist — das ist der Kernpunkt in einer Darlegung, die dir,Eisen-Zeitung' aufGrund von «enntniffen bringt, die sie angeblich auS bester Quelle geschöpft hat. „An der großen Kanalvorlage — so heißt es in dem genannten Blatte — hält die Regierung unerschütterlich fest und wird dieselbe nach Erledigung des Zolltarifs (int Reichstage) sofort wieder (im preußischen Landtage) einbringen. Da man in leiten- den Kreisen mit der Möglichkeit rechnet, daß die Berathung der Zolltarifvorlage im Reichstage vielleicht nur wenige Wochen in Anspruch nehmen wird, so ist eS nicht ausgeschlossen, daß die gefammte Kanalvorlage noch im nächsten Winter dem Landtage wieder zugeht." Dies zu bewirken oder nicht zu bewirken i4 ja ganz und
„DaS war «ich nicht nöthig, liebes Kind, die Ueberraschung macht mich ganz glücklich. Doch, nun muß ich meinen lieben Gast auch be- wirthen. Ich kann nicht erwarten, daß Du frühstückst wie ich: Früchte, Honig re. Susanne soll Dir etwas Kräftigere» bringen. WaS wünschest Du?"
Rudolf setzte fich an daS offene Fenster nieder und sah zu seinem Schrecken den Schatten eines MatmeS langsam die Gartenmauer dahergleiten. Er begriff nun, daß Albert Nugent seine Ungeduld nicht länger bemeistern konnte und daß er rasch zum Ziele kommen müsse.
Er blickte seine Mutter an und bewunderte ihre liebliche, zarte Schönheit, die durch das lichte Sommerkleid, das fie trug, noch gehoben wurde.
„So oft ich Dich sehe, Mutter, flehst Du länget und schöner an»," begann er plötzlich. „Wie schön mußt Du erst als Mädchen gewesen sein!"
Ihr Gesicht wurde traurig, wie immer, wenn man ihre Vergangenheit berührte. Sie erwiderte nichts, und Rrcholf suchte verlegen nach Worte», denn er wußte nicht, wie er seine Sache eiuleiten sollte.
„Mutter, ich habe Lady Norton gesprochen," agte er ganz unvermittelt. „Wir find Freunde, -Du brauchst nicht- mehr befürchten. So ost wir einander trafen, sprach ich das kleine Gebet, das Du mich gelehrt."
Sie trat dicht zu ihm heran und blickte ernst und forschend in seine Augen. Mnter ihr sah er den Schatten langsam näher ommen.
gar Sache der preußischen Staatsregierung, deren Kopf fich andere Leute darüber nicht zu zerbrechen brauchen. Aber wunderlich würde eS immerhin sein, wenn die preußische Regierung so handeln wollte, wie die .Eisen- Zeitung' mit ihrer Nachricht aus angeblich bester Quelle ihr nachsagt. Genau dieselben Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses können doch über genau dieselbe große Kanalvorlage nur genau dasselbe denken und sprechen, was fie nun schon sattsam gedacht und zum Ausdrucke gebracht haben. Die preußische Regierung würde also besser daran thuu, die große Kanalvorlage noch mehrere Jahre ruhen zu lassen. Und außerdem ist etwas ungerecht in dieser Handlungsweise. Diese große Gesammtvorlage hat mehrere Theile, die vollständig den Charakter von Nothstandsvor- lagen für einzelne bestimmte Gegenden an sich tragen. Wodurch haben diese Gegenden die schnöde Behandlung verdient, daß die Abstellung ihrer offenbaren und allgemein alS vorhanden anerkannten Noth abhängig gemacht wird von der Bewilligung des Mittelland-Kanals. Der preußischen Staatsregierung und ihrem Gerechtigkeitsfinne würde es nur zumRuhme gereichen, wenn die angeblich beste Quelle der .Eisen- Zeitung' in Wirklichkeit eine recht trübe Quelle fein würde.
h LeVensver sichern« gen. Der Stand der Sparkassen-Einlagen wurde sonst immer als ein Zeichen für den Grad des Wohlstandes der Bevölkerung angeführt. Ein ebenso kennzeichnendes Merkmal ist die Menge der abgeschlossenen Lebensversicherungen. Nach einer amtlichen Statistik, die kürzlich eröffnet worden ist, befindet sich jeder elfte Deutsche im Besitze einer Kapital - Versicherung, und die gefammte Versicherungs- Summe ist im deutschen Reiche im Laufe des letzten Berichtsjahres von 7,18 auf 7,6 Milliarden Mark gestiegen. Gleichzeitig ist der Durchschnitts - Betrag gestiegen, der auf die einzelne Versicherung entfällt, nämlich von 4356 auf 4394 Jfc. Zur Steigerung der abgefchloffenen rebenSverficherungen während der lebten Jahre hat ohne Zweifel der Umstand viel beigetragen, daß im Staate Preußen bei der SelbsteinfchStzung zur Einkommensteuer der Betrag der jährlichen VerficherungS-Beiträge bis aufwärts zu 600 Jk. in Abzug gebracht werden darf. Im Verlaufe der letzten zehn Jahre hat fich die Gefammtzahl der abgefchloffenen Kapital-Berficherungen fast verdoppelt.
* In einer Unterredung, die der Staatssekretär de« Reichspostamt«, Äraeile, einem Au«frager gewährte, erklärte er unter Andern», daß die Zeit zu große« Meforme« int Dosttarifweser, noch nicht gekommen sei. Ein Vergleich des Ausfall» an Einnahmen, den die Postverwaltung durch die jüngsten Ermäßigungen der Portosätze erfahren hat, sei erst mit der Zeit zu erwarten. Eine weitere Schmälerung der Einnahmen der Reichspost- und Telegraphenverwaltung verbiete die finanzielle Lage de« Reiche». Die Verwaltung könne die zahlreichen Wünsche auf Ausdehnung der Ortsbriestaxe nicht erfüllen, da jede Erweiterung de« Rachbarort-verkehr« eine Einbuße von Taufenden von Mark bedeute. In Bezug auf da«
„Ich traf auch ihren Onkel neulich, und denke nur, Mutter," fuhr er. fich fast überstürzend, fort, „ich hatte keinen Handschuh an und er agte, daß er diesen Ring erkenne — Deinen Ring mit dem Rubinhe^, den Du mir schenktest; ich hielt eS für unmöglich."
„Es ist ganz unmöglich," war die ruhige Entgegnung, „einen solchen Ring gibt eS nicht mehr in der Welt. SS wurden nur zwei Exemplare angefertigt."
„So sagte auch er, und dies fei einer von den beiden. Er behauptete es so bestimmt, daß ich ganz erstaunt darüber war; ja, so bestimmt, daß et erklärte, er wolle nach Deepdale kommen und Dich fragen, von wem Du den Ring erhieltest. Ich kann eS nicht verstehen."
Der Schatten an der Manet kam immer »Sher — so nahe, daß Rudolf Überzeugt war, >et Lauscher draußen müsse die nächsten Worte feiner Mutter verstehen. Frau Blanche war sehr bleich geworden.
„ES muß Jemand gewesen fein, der mich vor Jahren kannte," sagte fie traurig. „Einem Fremde» kann nichts daran liegen, zu erfahren, wer mir jenen Ring gab.“
„Aber, " sagte Rudolf, „es scheint sich ein Gehednniß, eine Geschichte daran zu knüpfen. Mutter, wenn jener Herr ausdrücklich nachDeep- >ale käme, um Dich danach zu fragen, so würdest Du ihm genaue Auskunft geben, nicht wahr?"
Der Schatten war jetzt dicht neben dem Fenster, zwischen dem Laubwerk hindurch sah Rudolf Albert Nugent'S Geficht.
Seiner Mutter Stimme klang klar und weich in die frische Morgenluft hinaus:
28. Jahrgang.
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Bestellgeld für Poflpackete, da« fich gegenwärtig nach der Klasse der Bestellpostämter richtet, hält der Staatssekretär Verbesserungen für möglich, wenn auch gewisse finanzielle Opfer damit verbunden find. Den Kartenbrief erklärte der neue Chef der deutschen Reichrpost für ein tobte» Kind, so lange er nicht 5 Pfennig koste, und eine derartige Ermäßigung verbiete fich wieder durch die Finanzlage de» Reiche». Und wenn wir mehr Geld haben, meint dazu die ,Deutsche TageSzig.', so ist da« Reich auf die Ueberschüsse angewiesen, wie Herr Kraetke selbst sagt. Also: man kann alle Hoffnung fahren lassen, daß zunächst ein frischerer Zug in da« Postwesen komme.
+ Die Leipziger Bank. Es ist nicht nach den Wünschen der Geschäftsleitung der Bank gegangen: der AufsichtSrath der Bank hat am heutigen Mittwoch beschlossen, beim Amtsgerichte in Leipzig die Eröffnung des Konkurses zu beantragen. Den Todesstoß hat die Leipziger Bank erhalten durch eine unheilvolle Verquickung ihrer Interessen mit einer industriellen Unternehmung, die von Anfang an die öffentliche Kritik in starkem Maße herausgefordert hatte, nämlich, wie wir schon in der gestrigen Nummer der ,Fuld. Zig.' mittheilten, mit der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel. Leider scheint nun auch die Leitung der Leipziger Bank nicht mit der erforderlichen Gewissenhaftigkeit vorgegangen zu fein, und die Einwirkung des Leipziger Bankkraches auf die wirthschaftlichen Verhältnisse, namentlich natürlich im Königreiche Sachsen, wird vermuthlich von erheblicher Tragweite fein. Der Zusammenbruch der vorher genannten Kasseler Aktiengesellschaft wird aller Voraussicht nach dem Leipziger Krach auf dem Fuße folgen. Noch am 24. ds. Mts. stand der KnrS der Aktien der Leipziger Bank 140 bezw. und Geld. Heute ist er gestrichen, und damit ist ein Börfenwerth von mehr als 67 Millionen Mark Werth vom Erdboden hinweggefegt. Im besten Falle werden nur unansehnliche Bruch- theile auS dem Zusammenkrachen dieser alten Bank sich retten lassen, die allgemein bisher in hohem Ansehen stand. Die Leipziger Bank ist durch Aktienbesitz auch verbunden mit der Leipziger Hypothekenbank. Diese veröffentlicht eine Erklärung, dir die öffentliche Meinung über ihre eigenen Verhältnisse beruhigen soll. Man kann nur wünschen, daß diese Erklärung der Leipziger Hypothekenbank auf guter und gesunder Grundlage beruhen möge. Denn wir habe» nun wahrhaftig genug Bankkrach gehabt. Aber die ganze Sachlage bei uns wird doch am besten dadurch gekennzeichnet, daß man sagt: Ein Theil unserer Banke» hat feine eigentliche Aufgabe vergessen und Hut fich auf das böse Fest» des SründungSschwiudelS begebe». Das fftid immer erneute Warnungen vor Aeuderunge» des Börsengesetzes auf dem Gebiete der Termingeschäfte; denn alle Maßregel», die eine erneute Erweiterung dieses Letzteren herbeisühren würden, müßten ohne Frage die vorhandenen schlimmen Zustärche verschlimmern, beileibe aber nicht besser».
. Statin, 26. Juni. Äuf Befehl de» Kaiser« führte gestern der Oberleutnant von Hülsen vom Kaiser
„Es ist nichts GeheimnißvolleS mit dem Ri»g," sagte fie. „Dein Vater ließ zwei an- fertige» — einen für fich selbst und eine» für mich. Er trug den feinen, alS — als er ertrank! Ich habe den meinigen aufbewahrt. Rudolf. waS ist Dir?" rief fie erschreckt, denn mit einem markerschütternde» Schrei war er aufgesprungen und stand nun bleich und zitternd, nach Athem ringend, vor ihr.
„Mein Vater gab Dir den Ring?" keuchte er hervor, „und er trug den andern? O, Mutter, hättest Du mir dies schon früher gesagt!"
Beunruhigt blickte sie auf, den» ihr sonst so starker Sohu zitterte wie Espenlaub. Draußen raschelte eS in den Rosensträuchern, welche daS Fenster umrankten und unter der offenen GlaS- thür erschien die hohe Gestalt eines RanneS.
„Mutter," rief Rudolf, „ein schrecklicher Irr- thum ist vorgekomme»! Sieh' — blicke auf —* Aber sein Satz wurde nicht beendigt. Geisterbleich, mit förmlich erstarrter Miene, trat Albert Nugent auf die zitternde, halb ohnmächtige Dome zu, die nur des Sohnes kräftige Arme vor bem Umstvken geschützt hatten.
Und so trafen die Schiffbrüchigen einander wieder, die fich vor mehr al« zwanzig Jahre», unter dem Heulen de» Sturme», dem Brause» und Rauschen der Wogen getrennt hatten!
Ella blickte zu Albert Nugent auf, ihre Auge» senkten sich ineinander, aber keine» von Beiden vermochte zu sprechen. Drei bange, schreckliche Minuten dauerte diese» stumme, staunende, ungläubige Anblicken; kein Laut unterbrach die Todtenstille, die ganze Weft schien still zu stehen.