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M 144.
Jutöa, Mittwoch, den 26. Juni 1901
28. Jahrgang.
U Die Vergewaltigung der kirchlichen Genoffenschasten in Frankreich.
DaS sogenannte Vereinsgesetz ist nach der Annahme durch den Senat an die ftanzöfische Abgeordnetenkammer gegangen, die ohne Zweifel die vom Senat vorgenommenen Aenderungeu gutheißen wird. Es ist also anzunehmen, daß dieses Gesetz gegen die kirchlichen Genossen- schäften schon im Monat Juli verlautbart werden wird.
Im Verlaufe der lange» Berathungeu in der Abgeordnetenkammer und im Senat find manche Milderungen an dem ursprünglichen Entwürfe vorgenommen wotden. Namentlich die anfäng« lich geplante Vermögensberaubung der Orden und Kongregationen soll nicht in so vollkommen gewaltthätiger und staatsräuberischer Weise durchgeführt werden, wie der erste Entwurf bestimmte. Nach der ursprünglichen Absicht des Ministeriums Waldeck - Rousseau sollten die Vermögen der nicht vom Staate an- erkannten kirchlichen Genossenschaften durch den Staat eingeheimst werden; aber schon die Ab- geordnetenkammer hat sich geschämt, diesen räuberischen Absichten die gesetzliche Geltung zu verschaffen, und der Senat hat eine weitere Abschwächung beschlossen. Nach den Bestim- mungen des Gesetzes in der Form der Senat«, beschlösse soll das Vermögen derjenige« Orden, die vom Staate nicht als Körperschaft anerkannt und gestattet werden, nach bestimmten Vorschrift ten entweder den Ordensmitgliedern zu Gute kommen oder an die Stifter zurückgehen.
Die Hauptsache ist und bleibt der Unter, richt. Denn man muß immer daran denken, daß bte Unterrichtsanstalten der verschiedenen geistlichen Orden und Kongregationen in' Frankreich eine ganz andere Rolle bisher gespielt haben, als bei uns in Deutschland jemals während der letzten Jahrhunderte. Ja dem Schulwesen der geistlichen Orden hat bisher der größere Therl der ganze» gebildeten französischen Jugend feine Ausbildung erhalten, und diese Schulanstalten sind in stets ganz vorzüglicher Weise geleitet worden, das müssen auch die Gegner der Kirche anerkennen, und vor allen Dingen zeichnen sich die Erziehungsanstalten der Jesuiten durch ihre ausgezeichnete» Einrichtungen a«S. Diese Anstalten stellten in ihrem Fache stet« den Fortschritt dar im Gegensätze zu den staatlichen und städtischen Anstalten mit ihren rückständigen Einrichtungen; und jetzt erst geht man in Frankreich daran, auch diese letztere» «ach dem Vorbilde der Ordensschulen zu reforrniren. Der unparteiische Beurtheiler muß, ob ihm persönlich das gefällt oder nicht, ohne Weiteres zugeben, daß die Ordensschulen in Frankreich die vortrefflichsten Erfolge in der Erziehung und im Unterrichte aufzuweisen wen. Aber die modernen Freigeister Haffen die Orden. Und so hat man die Mär erfunden, die Jesuiten und andere Orden benützten ihre
männlichen Unterrichtsanstalten dazu, den Zög. folgen Feindschaft gegen die Republik an. zuerziehen. Dafür soll nun in den neuen staatlichen Anstalten kein einziger Schüler mehr genöthigt fein, dem Religionsunterrichte bei. zuwohnen; das nennt man religiöse „Freiheit" in der Schule. Aber gerade daraus kann man ersehe«, was eigentlich hinter dieser ganzen sogenannten Vereinsgesetzgebung steckt: nämlich Haß gegen daS Christenthuml
Die Jesuiten und die Affumptioniste« werden schon im Voraus als solche Orden be- zeichnet, die vom Staate nicht anerkannt werden sollen. Gerade diese beide« Orden leiste« aber Vorzügliches im Erziehungsfache! Wird ihnen die Anerkennung versagt, dann bedeutet das so viel, daß sie als geschloffene Körperschaften nicht mehr in Frankreich auftreten dürfen, wohl aber als einzelne Personen. Jedoch ist dann auch diesen einzelnen Personen verboten, an Schulen Unterricht zu ertheile«. Vergnügt ruft ein kulturkämpferisches deutsches Blatt aus: „Damit soll dem blühenden klerikalen Privat- schulwese», das seine Herrschaft über einen sehr großen Theil der geblldeten französischen Jugend erstreckt, die Axt an die Wurzel gelegt werden." Ja, das ist eS: Den Erziehungsgrundsätzen des politischen Chriflenthums wird von einer Uebermacht der Vernichtungskrieg erklärt!
Aus diesem Grunde klingt eine Behauptung der diplomatisch-offiziösen.Politischen Korrespon« btnj' sehr zweifelhaft, wonach „daS Verhaltniß zwischen dem Vatikan und Frankreich keine Ver- schiebung durch das neue Beceinsgesetz erfahren werde", und wonach ferner „die Beurtheilung des Vereinsgesetzes in der kirchlichen Welt . . . allmählich viel mildere Formen angenommen haben soll". Der Ministerpräsident Waldeck- Rousseau stellt sich nämlich so an, als sei er ein ganz besonderer Freund der Weltgeistlichkeit, und als sei eS ein ganz besonderer Gewinn für diese letztere, wen« „der Wettbewerb der Kongregationen" aufhöre. Alberne Heuchelei! AIS ob die Weltgeistltchkeit, als ob ein Katholik oder überhaupt ein positiver Christ sich darüber freuen könnte, wenn solchen Schulen die auf gut christlichem Boden stehen, die DaseinSmöglich- feit genommen und an ihre Stelle ein Schulsystem gesetzt wird, daS nicht einmal die Ver- pfltchtung zur Thellnahme der Zöglinge am Religionsunterrichte anerkennt!
Zwei Winge.
Frei nach dem Englischen von ». Michola.
------- (Nachdruck verboten.)
, Und ich schwöre feierlich," erklärte Albert Nugent, „daß ich diesen Ring seit mehr al» Manzig Jahren Tag und Nacht in meinem Verwahr hatte."
Eine Todtenstille trat ein, in größter Be- Mrzung blickten die Anwesenden einander an.
„Könnte e» möglich sein," fragte Miriam, --aaß e» zwei solche R nge gibt — dieser hier und ?? anderer, der, wie ich eben zum ersten Mal mit dem Schmuckkästchen gestohlen wurde?" w. k:,'" entgegnete ihr Onkel, „einen Ring, •m.h» « ' gibt er auf der ganze» Welt nicht eitrig »xt Manche, würden Sie mir jetzt noch
-8e »ragen beantworten? Nach Ihrer Aussage gaben Sie diesen Ring vor zwei oder drei Jahren meiner Nichte, darf ich wissen, von wem Sie denselben ursprünglich erhielten?"
tflA,,$0^,melner MMter," versetzte Rudolf ein- k e vertraute ihn mir als ihr theuerstes an' a(s ich vor vier Jahren Abschied «an chx nahm."
-i». et diesen Worten ging mit Albert Nugent
-würdige Veränderung vor. Leichenbläffe die e ^ficht, er griff mit den Armen in ftüht, fiVt8 06 ” nach einem Halt suche und den Dnrdn?a’kntmit beiden Händen schwer auf m n°r ihm sehenden Tisch.
„•üon Ihrer Mutter?" rief er, während
-Beilage „Zlluflrirle Sonnlags-Zeilung" •" ptlmgaSt a>. s flberewnk).
Deutsches Deich.
Berlin, de« 35. Juni.
X Kin «euer KanK-Krach. Die Leip, ziger Bank veröffentlicht eine Erklärung, in der sie mittheilt, daß sie genöthigt ist, im In. tereffe ihrer Gläubiger zeitweilig ihreZah- lungen einzustellen. Als Grund dieses Verfahrens wird der Zusammenbruch der Kredit- anstatt für Industrie und Handel in Dresden angegeben. Die Leipziger Bank ersucht alle Br« theiligten, durch ruhige- Zuwarten eine gedeihliche Entwickelung der Angelegenheit zu unterstützen. Sie glaubt versprechen zu können, daß „bei sachgemäßer Abwickelung ihrer Geschäfte nicht nur jeder Verlust für die Gläubiger ausge. große Schweißtropfen auf seiner Stirne perlten. Wie kam sie zu diesem Ringe? Um des Himmels willen, martern Sie mich nicht länger — wer ist Ihre Mutter? Sprechen Sie rasch, ich komme von Sinnen!"
„Meine Mutter ist eine Engländerin — eine Wittwe", sagte Rudolf sanft. „Ich weiß wenig von ihrer Geschichte, denn eS erschüttert sie stet-, davon zu spreche». Mei» Vater starb vor meiner Geburt."
„Und wie starb er? keuchte Albert Nugent. „Was wissen Sie von ihm?"
„Ich glaube, er ertrank bei einem Schiff- bruche. Meine Mutter wohnte viele Jahre allein an der felsigen Küste Spaniens, wo ich geboren wurde."
»Und Sie können dies beschwören, Rudolf Blanche?"
«Ich spreche die reine Wahrheit, Herr Nugent."
„Dann möge Golt mir gnädig sein!" tief liefet außer sich, „mir ist, als ob ich den Verland verlieren müsse. Ihre Mutter — Ihre Mutter mit meinem Ringe! Beschreiben Sie mir, wie sie ausfieht, aber sprechen Sie rasch, ch glaube, meine letzte Stunde ist gekommen."
„Meine Mutter ist zart und blond," entgegnete Rudolf weich, „mit feinen, traurigen Zügen; aus ihren blauen Augen scheint ein iberirdisches Licht, ihre Stimme klingt wie die üßeste Musik. Ihr Herz — o Herr Nugent, was soll ich noch weiter sagen? Wenn die Menschen von Engel» sprechen, dann denke ich an sie."
Stadtgemeinden heranzuziehen, und außerdem den Gemeindeverwaltungen durch vorherige Ver» öffentlichung der Gesetzentwürfe Gelegenheit zu geben, sich zu denselbm zu äußern". Ein zur Prüfung dieser Fragen tn Hamburg eingesetzter Ausschuß hat sich mit großer Mehrheit für das Erbbaurecht ausgesprochen und der Bürgerschaft folgenden Antrag zur Annahme vorgeschlagen: „Die Bürgerschaft beschließt und ersucht den Senat um seine Mitgenehmigung, daß zur Erleichterung der Herstellung von kleinen Wohnungen versuchsweise geeignete Fläche« StaatSgrundes unter näher festzusetzende« Bedingungen ... in Erbbaurecht vergeben werden." In Hamburg herrscht gegenwärtig so außerordentlicher Mangel an kleinen Wohnungen, daß eine Anzahl von Familien in den Baracken untergebracht werden mußte, die noch von der Cholerazeit her stehen. Ein wenig appetit« licher Zufluchtsort!
+ Das nette Ileichaversichernngsamt soll nach einer Meldung der .Berliner National- Zeitung' als Leiter de» Geheimerath Dr. von Woedtke erhalte», jetzt Direktor im Reichsamte des Innern. Der genannte Beamte wurde im Vorjahre recht häufig genannt in Verbindung nut der sogenannten 12,000 Mark-Affäre. Für denselben bedeutet die Ernennung zum Leiter de» neuen Amtes keine Beförderung, weder im Range, noch im Einkommen. Sein Abgang aus de« Reichsamte des Innern soll zurückzuführen sein auf das gespannte Verhältniß, da« zwischen dem Staatssekretär Grafen Posadowsky und ihm seit jener „Affäre" besteht.
* Der Falk Weiland hat vor dem Reich«, gericht seine enbgiltige Aburtheilung erfahren. Der erste Strafsenat hat in seiner gestrige« Sitzung die Eröffnung des Haupt- verfahrens abgelehnt und den angtllagten Arbeiter Weiland außer Verfolgung ge- setzt. Der Gerichtshof befand sich hierbei in Uebereinstimmung mit dem Anträge der Anklagebehörde. Wie diese und der Gerichtshof übereinstimmend annehmen, liegt eine verbrecherische Thal nicht vor. Ein unglückseliges Zusammen- treffen von Umständen hat unfern Kaiser der schweren Gefahr ausgesetzt, nicht der frevelhafte W lle eines Verbrechers. Der Geisteszustand de» Angeklagten ist zunächst durch ein Kollegium Bremer Aerzte und dann durch die preußische wiffenschaslltche Deputation für Medizinalwesen, die höchste in derartigen Fragen begutachtende Behörde des preußische« Staates, geprüft morde«. Das Ergebniß ist übereinstimmend so ausgefallen, daß der Angeklagte strafrechtlich für feine That nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte.
[:] Die Löhne der Bergarbeiter. I». tereffante Mittheilungen bringt der .Reichsanzeiger" über die Gestaltung der Bergarbeiterlöhne im ersten Viertel dieses JahreS. Danach sind in allen Kohlenrevieren die Löhne der Arbeiter gesunken, zum Theil in nicht unbeträchtlichem Maße, am stärksten in Niederschlesien. Der im Durchschnitt auf eine« Arbeiter und auf eine Schicht entfallende Loh« ist zurückgegange» im Vergleiche zu dem letzte« Vierteljahre 1900 in Niederschlefie» um 12 Pfg., im Bezirk Dortmund um 8. in Aachen um 7, in noch andere diesem nachgkblldet worden fei«. Aber ich muß Ihre Mutter sehe« und aus ihrem eigenen Munde erfahren, woher sie jenen Ring hatte. Ich hörte schon sellsame Geschichte« do« einer Beraubung der Todten und Sterbende«, ich muß die Wahrheit erfahre«. Wo wohnt Ihre Mutter?"
„In Deepdale in Leicestershire."
„Dann will ich ohne Zeitverlust mich dahin begeben. Lionel, feien Sie mir behilflich. Sie sind mir wie ein Sohn und dies ist meine Stunde der Noch. Schaffe« Sie einen Fahrplan herbei. M.eine Kleidung kann ich nicht mehr wechseln, aber mein langer Ueberrock wird mich hinreichend der neugierigen Blicken schützen. Ich möchte sofort abreifen."
„Aber nicht allein," tief Miriam. „Sieh, Onkel, Du kannst kaum auf den Füßen stehe». Du darfst nicht allein gehen."
„Darf ich Sie begleiten, Herr Nugent?“ fragte Rudolf. „Auch meiner Mutter wegen bitte ich darum; sie ist nicht stark, und Ihr plötz- liches Erscheinen könnte sie erschrecken; sie sieht so wenig Fremde."
„Ja, gehen Sie mit mir, Herr Blanche, um das Geheimniß de» Ringes aufzuklSren."
„ES bedarf derAufklärung!" war Rudolfs ernste Entgegnung. „Ich kann eS nicht begreifen."
Als Lord Norton die Thür öffnete, drangen die Töne der Ballmufik in das stille Gemach und Alle schraken förmlich zusammen; sie hatten bei ihrer aufregenden Unterhaltung ganz vergessen, wo sie sich befanden. Nach einigen Minuten kehrte der junge Lord mit dem Fahrplan zurück.
schloffen fein, sondern auch ein günstiges Ergebniß für die Aktionäre sich erzielen lassen werde". Die Leipziger Bank besteht feit dem Jahre 1839 und besitzt gegenwärtig ein Aktienkapital von 48 Millionen Mark und nach ihrer letzten Bilanz Reserven in der Höhe von 16 Millionen Mark. Die Wechsel der Leipziger Bank sollen das Doppelte deS Aktienkapitals betragen, so daß sie nicht mehr diSkontirt wurden. „In der Bilanz vom 31. Dez. sind die Vrrbind- lichketten der Bank, so schreibt der ,Börsen- Kourier", mit 90 Millionen aufgeführt, worin sich große Veränderungen nicht vollzogen haben solle«. A» greifbare» ober wenigstens realisir- baren Werthen stehen neben de» aktiven Werthen bet Kasseler Trebertrocknungsgesellschaft, welche be« Hauptbetrag der Masse bilbe», etwa 70 Millionen gegenüber. Von ben in der Bilanz aufgeführten 95 488000 Mk. Debitoren werden 35 Millionen als gut und sicher angesehen. Nach Angabe der Verwaltung sind die von den Debitoren vom Ende vorigen JahreS ungefähr 83 Millionen gedeckt, doch bestand diese Deckung wahrscheinlich meistentheils aus Trebertrocknungs- werthen, die weiteren 35 Millionen hofft man auS Wechselbeständen und Effekte« realifiren zu können. Das Aktienkapital der Bank wird für verloren gehalten."
+ Do« der Dommersche« Aypotheüe«- Aktie«Sa«k. Die von der Aufsichtsbehörde veranlaßte GeschSstsreoiston der Pommerschen Hypothekrn-Aktienbank hat die Annahme bestätigt, daß vielfach Grundstücke viel höher bestehen worden sind, als dies nach reelle« Geschäfts grund- sätzen hätte geschehen sollen. Die Sachverständigen der Bank bleiben inbeffen dabei, daß daS nicht der Fall gewesen sei. Es muß deswegen eine wettere Prüfung darüber erfolge«, welche der beide« Schätzungen die richtige ist, die voraufgegangene Schätzung durch die Sachverständigen der Bank, oder die spätere Schätzung durch die RegierungSkommisfio». Die übrige genaue Unter- suchung des Geschäftsstandes der genannten Bank hat ergeben, daß Ursache zu einer Beunruhigung der Pfandbriefbesitzer nicht vorhanden ist, weil die Hypothekenpfandbriefe auch dann gedeckt sein werden, wen« — wie vorauszusehen — die SchätzungSergebniffe der Prüfungskommission als die richtigen sich her- ausstellen werden.
x Int Wohrmngsreform. Der Han- novet'fche Städtetag hat, wie unlängst berichtet, eine so kühl abweisende Haltung zu der Frage der Wohnungsreform eingenommen, daß man daraus unliebsame Schlüffe ziehen konnte auf den Mangel an Eckenntniß dessen, worauf eS bei der ganzen Sache ankommt, und leider auch auf den Mangel an gutem Willen, an dieser höchst nothwendigen Reform miizuarbetten. Deswegen ist eS höchst nothwendig, daß hier der Staat vorangeht und durch Gesetze ben Kommunen vorschreibt, was sie zu thun haben. Aber eine anbete Forberung ist berechtigt, die soeben in einer gefaßten Entschließung der in Tilsit versammelt gewesene ostpreußische Städtetag angenommen hat. In dieser Entschließung wird die preußische Regierung gebeten: „zur Berathung über die bevor- stehenden Wohnungsreform-Gesetze Vertreter von
Albert Nugent erwiderte nichts; er war vor dem Tische nieder gesunken und hatte sei« Gesicht in beiden Händen verborge« — lautes, bitteres Schluchzen erschütterte seine kräftige Gestalt. Lord Norton suchte ihn zu beruhigen, Miriam und Rudolf blickten bestürzt auf die schmerzliche Szene. Endlich erhob er ein wenig den Kopf.
„Sprecht nicht mit mir," rief er fast wild, „ich kann es nicht ertragen, Ich bin halb von Sinnen, ich höre das Heulen des Sturme«, da« Rauschen und Brausen der Wogen und dazwischen taucht ein liebes Frauenantlitz vor mir auf; zarte Arme umschlinge» meinen Hals, eine Stimme, die ich nie wieder höre» werde, ruft: „Albert, Albert, laß mich mit Dir sterben," und sie starb — ohne mich: sie ertrank. Ich habe meinen Kummer in mir verschlossen, bis er mir fast das Herz gebrochen hat. Lionel, Miriam, helft mir oder ich sterbe!"
Es war et« furchtbarer Anblick, den starke« Man« sich in Seele« quälen winden zu sehen. Aber der lange zurückgedrängte, leidenschaftliche Schmerz so vieler Jahre mußte sich Luft machen. Die Umstehenden waren tief ergriffen, sie ath- meten auf, als die Natur sich endlich selbst er« chöpft hatte und daS herzbrechende Stöhnen allmählich nachließ.
Nach einer Weile wandte er sich mit leiser, matter Stimme zu Rudolf:
„Sie haben ein Wesen beschriebe», wie ich eS vor vielen Jahre» geliebt und verloren habe — die Erinnerung machte mich schwach. Aber es ist unmöglich, daß Ihre Mutter meinen Ring getragen habe; es müsse», ohne mein Wissen,
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