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f»* Julerat. X Parzelle» t» Salto. "* mit Zlnterhaltungs -Anlage „Zlluflrirte Sonntags-Zeitung"

M 140.

Jutöa, Freitag, den 21. Juni 1901.

28. Jahrgang.

£ Das Syndikat hat gesiegt.

Das Kohlensyndikat im Ruhrrevier spielt mit der Allgemeinheit der Kohlenverbraucher, bestimmt die Preise nach Belieben, schränkt die Förderung ein, wenn die Preise zu sinken drohen, verkauft Kohlen im Auslande billiger, al« in Deutschland, und unter der Herrschaft dieses Kohlenunternehmer­ringe« ist es schon vorgekommen, daß die kleinen Leute mitten im Ruhrrevier selbst mitten im bitterkalten Winter keine oder doch nicht genug Kohle für ihre Hausfeuerung erhalten konnten. Daß das tadelnswerthe, ungesunde Zustände sind, daß auf diese Weise durch das Kohlensyndikat ein künstlicher Druck ausgeübt wird auf den ganzen Verkehr mit Kohlen, kann nur derjenige zu leugnen versuchen, der an demselben Jntereffenstrange wie die Syndikatleute selbst zieht; und das Lob, das dem Syndikate mitunter vom Regierungstische aus gezollt wird, ist recht schwach. ES läuft immer nur auf das Eine hinaus, daß man den Syndikaten die Anerkennung zollen müsse, sie könnten es ja noch schlimmer treiben, wenn sie wollten. Dar Kohlensyndikat treibt er, wie satt­sam bekannt ist, schon schlimm genug. Und darin gerade liegt eine weitere große Gefahr, daß das Syndikat, wenn es will, es noch schlimmer treiben kann. E« gibt keine Bürgschaft dagegen, daß es das niemals thun werde; denn das Syndikat ist auf seinem Gebiete allmächtig. Und in der All­macht einer Unternehmergruppe liegt immer eine Gefahr, zumal dann, wenn es sich dabei um so unumgänglich nothwendige Gebrauchsgegenstände handelt, wie Kohlen oder Petroleum und dergl.

Alle diese Verhältnisse find während des letzten Winters mehrfach und zum Theil recht ausführlich m den Parlamenten besprochen worden, und all­gemein war man der Anficht, daß es von dem besten Einflüsse und so etwas wie eine Abwehr gegen die Allmacht des Ruhrkohlensyndikate« sein würde, wenn der Staat in dem Gebiete des letz­teren ebenso Kohlenfelder erwerben und bebauen würde, wie die« auch in Oberschlesien und an der Saar der Fall ist. Staatliche Kohlenbergwerke können als Waffe benützt werden gegen allzu aus­beuterische Machenschaften der privaten Unter­nehmer; gleichzeitig sind das gute und gesunde Unternehmungen, die dem Staate ohne wirth- schaftlicheS Wagniß Geld bringen — kurz und gut, alle Umstände sprachen durchaus für die Ver­wirklichung der Absicht, staatlichen Bergbau auch im Ruhrbezirke zu betreiben.

Der damalige preußische Handel-Minister Brefeld sagte mit Recht, er könne keine Aus. kunft darüber geben, ob der Staat Kohlengruben im Ruhrbezirke erwerben werde. Er konnte diese Auskunft natürlich nicht -eben. Denn hätte er der Wahrheit gemäß diese Frage bejaht, hätte er gesagt, daß ein solcher Erwerb in seiner Ab. ftcht liege, dann würden di« Leute vom Syndikat sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um die Ausführung des Planes zu vereiteln. Denn einen solchen Hecht in ihrem Karpfenteiche zu haben, lag und liegt gar nicht in ihren Wünschen.

Deswegen war eS sehr auffällig, daß sofort nach dem Bekanntwerdrn des Rücktrittes des Ministers Brefeld in der Presse die Notiz er­schien, derselbe habe Unterhandlungen eingeleitet wegen Ankaufes von Kohlengruben im Ruhrreoier

Zwei Hiinge.

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Frei nach dem Englischen von A. Michela.

------- (Nachdruck verboten.)

Wenige Tage nach dieser peinlichen Be­gegnung befand sich L,rd Norton eine» Morgens bei Albert Nugent in einem Zimmer, daS dieser ausschließlich zu seinem eigenen Gebrauche be« stimmt hatte, wo er nach Belieben rauche», lesen und arbeiten konnte. Hier wnr es auch, wo er seine Juwelen oufbewahrte, und dieser Schätze «egen hatte er Lronrl zu sich gebeten; er wollte zu dem bevorstehenden großen Ball bei der Herzogin von Brendon seine Nichte mit einem neuen, kostbare» Schmuck überraschen.

«I t'”tn Wand stand ein großer pult- awjfifr, ^rant' den er jetzt mit eine» zierlichen Schlüffel, de» er keine Minute von sich gab, be­dachtsam öffnete. 1 w B '

, f "Och ^be schon öfters gedacht, dies sei kein be^nders sicherer Platz für solche Werthsachen", ^»brkle er. „Aber die Thür hat ein sehr kunst.

Lautes Schloss. Niemand außer mir kann gmmet betreten. UeberdieS wird sich schwerlich Jemand träumen lassen, daß ich hier mR "aWer, eiserner «eidschrank würde mehr Verdacht erregen " ,®r öffnete mehrere zierliche Schubladen und ^rnahm einer derselben ein altes Schmuckkäst- -iWle t* WaX 9°n Scholz mit Perlmutter

für den preußischen Staat. DaS klang gerade wie ein WarnungSruf für die Leute vom Syn­dikat: seht euch um, — der Plumpsack geht rum GS dauerte auch gar nicht lauge bis zu der wettern Meldung, daß die Firma Krupp oder die Firma Stumm — man wußte daS nicht gleich genau! — ebenfalls in Unterhandlung stehe wegen Ankaufes der Kohlenfelder, die der Minister Brefeld ins Auge gefaßt hatte; und jetzt ist die Sache abgemacht: die Firma Stumm hat sie ge­kauft, das Syndikat hat gesiegt. Denn das Kohlensyndikat steht im engsten Zusammenhänge mit dem Centraloerbande der Industriellen, zu dem die Firma Stumm natürlich mit Haut und Haaren gehört ; und so wird auch hier eine Krähe der andern die Augen nicht aushacken. Herr Möller aber, der neue Handelsminister, wird ganz im geheimen Innern seines Herzens sich freuen darüber, daß er nun nicht mehr den Hecht in dem Karpfenteiche des Syndikates zu spielen braucht, zu dem er, ebenso wie zu dem Central- vrrbande der Industriellen, so lange in vortreff­lichen Beziehungen gestanden hat.

Daß der ganze Vorgang die Kritik heraus- fordert, fühlen diejenigen, die es etwas angeht, sehr genau. Man entschuldigt sich so: Die Be­sitzer der fraglichen Kohlenfelder hätten baldigen Abschluß oder doch eine unbedingte Verpflichtung wegen des Ankaufes durch den Staat verlangt; eine solche sei aber im Hinblick auf die Vrrfaffung nicht möglich gewesen, da die Zustimmung des preußischen Landtages erst in der nächsten Tagung hätte eingeholt werden können. Die Besitzer hätten sich nicht begnügen wollen mit der Wahrscheinlich­keit der parlamentarischen Genehmigung, und so hätte der Staat weichen müffen vor den privaten Kauflustigen....

Die Autflüchte find ja ganz schlau ersonnen. Aber man sollte doch meinen, daß das, was Minister Brefeld machen konnte, auch Minister Möller hätte machen können. Warum sind denn alle diese Schwierigkeiten erst mit dem Amtsantritte des Herrn Ministers 'Möller entstanden? Die nachträgliche parlamentarische Genehmigung war doch nicht nur wahrscheinlich, sondern voLtommen gewiß.

Derrtfches Keich.

Berlin, den 20. Juni.

• Staatliche Kotzkengrnöen im revier? Die nationalliberale Berliner.National- Zeitung' glaubt versichern zu können, daß dem preußischen Landtage in seiner nächsten Tagung im Etat eine Forderung vorgelegt werden solle für den Ankauf von Kohlenfeldern für de» Staat. „Der Staat — so schreibt das genannte Blatt — hat sich den Besitz von ca. 50 31 üben» feldern gesichert, auf denen in absehbarer Zeit bereits 12 bis 15 Zechen errichtet werden können. Der nächste Etat wird eine Forderung nach dieser Richtung enthalten." Wenn es nur wahr ist! Angeblich sollten ja nur noch einige ganz bestimmte Organe benützt werden zur Ver­öffentlich von offiziösen Mittheilungen, und zu diesen Organen gehört das genannte Blatt natür» lich nicht.

* Der frühere Reichstags- und Landtagsab- geordnete Rentner Arnold Lotzr-n ist am 18

»Dies enthält Steine von fast unschätzbarem Werth," sagte er: „einen Rubin, der Krone eines Rajah entnommen, einen Opal, der einst dem Sultan gehörte, Smaragde, die zu den Schätzen eines indischen Palastes zählten."

Die beiden Herren nahmen am Tische Platz und Albert Nugent öffnete da« Kästchen. DaS Innere desselben bestand aus zwei »btheilungen, deren eine buchstäblich mit Juwelen vollgrpftopft war; die andere enthielt nichts als eine blonde Haarflechte und einen kleinen Ring von alt­modischer Form, ein Kran, von Vergißmeinnicht mit einem Rubinherz in der Mitte.

Albert Nugent »erfärbte sich auffallend, als sein Auge auf diesen beiden Gegenständen ruhte. Er nahm die lange Flechte heraus und berührte sie mit seinen Lippen; Lord Norton blickte rücksichtsvoll zur Seite; er sah, daß hier tiefere Gefühle im Spiel waren und respektirte sie. Nun ergriff Albert den kleinen Ring

„Sehen Sie, Lionel, fünfzehn Jahre lang trug ich diesen Rin« Tag und Nacht: er ist mir zu eng geworden, aber »ch kann mich nicht ent- schließen, ibn ändern zu lassen."

Lord Norton nahm den Ring in feine Hand und betrachtete ihn aufmerksam, er las die In- schrift auf der Innenseite und wandte sich dann lebhaft zu Herrn Nugent:

„Einen Ring wie diesen habe ich schon irgendwo gesehen und »war ganz kürzlich." sagte er; „ich weiß eS gewiß, ich erinnere mich genau der Türkisen — Vergißmeinnicht"

Albert Nugent schüttelte den Kopf.

Juni nach langen Leiden in Berlin gestorben. Herr Lohren war am 15. Januar 1839 zu Kre­feld geboren und gehörte dem Reichstage von der fünften bis siebenten Legislaturperiode (1881 bis 1890) als freikonseroatioer Vertreter von Niederbarnim an. Im Parlamentsalmanach hat der Verstorbene selbst sich als katholisch be­zeichnet, nach der Todesanzeige wird derselbe jedoch auf dem protestantischen alten Heiliggeist­kirchhofe in Potsdam begraben.

+ Der,MorrvSr1s« und der ZSnnd der Aa«dwir1He. Der »Vorwärts', daS sozial­demokratische Berliner Zentralorgan, hatte be­kanntlich die Behauptung ausgestellt, mehrere Mitglieder auf der rechten Seite des Reichs­tages erhielten Geldunterstützungen aus der Kaffs des Bundes der Landwirthe. Zunächst war es wunderbar, daß über diese angebliche Thatsache gerade der.Vorwärts' sich aufregte; denn die Unterstützung von Abgeordneten mi Geld ist ja bei der Sozialdemokratie längst fester Brauch. Dann wurde als einer der „subventionirten" Abgeordneten der konservative württembe» gische Abgeordnete Schrempf genannt, worauf dieser kurz und bündig den Leiter des sozialdemokratischen Blatte-, das diese wettere Behauptung aufgebracht hatte, der Verleumdunf und Ehrabschneidung zieh und die ganze Er­zählung von Anfang bis zum Ende als Lüge brandmarkte. Nun war der »Vorwärts' wieder an der Reihe zu reden. Etwas mußte daS sozialdemokratische Zentralorgan sagen. Aber was es nun gesagt hat. ist sehr erbärmlich. Der .Vorwärts' kneift nämlich, nennt nach wie vor keine Namen, sondern empfiehlt allen Neu­gierigen, sie möchten doch „die Bundeshäupter direkt befragen, an einer Stelle, wo es nicht möglich ist, sich hinter die Hoffnung des Unbe­weisbaren zu verschanzen . . ." Die ganze Se- schichte war also Schwindel!

+ Die Avv»ttd««g -er Nnterafsiztere ist ein schon mehrfach besprochenes Thema. In verschiedenen parlamentarischen Körperschaften ist wiederholt die Forderung erhoben worden, es möchte den Unteroffizieren eine bessere Ausbildung zu Theil werden, damit sie nach Beendigung ihrer Dienstzeit geeignete Posten bekleiden Wunen. Diese Frage soll, wie eine vereinzelte ZettungS- Meldung wissen will, in ausführlicher Weise den Reichstag währeno seiner nächsten Tagung be- schäftigen. Vom Reichstage sollen Geldmittel verlangt werden, damit der Lehrplan der Militärschulen aufgebeffert werden kann, und zwar durch die Bildung neuer Klaffen, Heran­ziehung wissenschaftlicher Lehrer und Beschaffung des nothwendige» Lehrmaterials. Nachher — so soll angeblich der Plan der Regierung sein — sollen für die Anstellung im höheren Beamtendienst nur solche Anwärter zugelaffen werde», die gewisse Prüfungen abgelegt haben.

tl Mesnch de» Aaren. Neuerdings wird bestätigt, daß der Kaiser von Rußland die Ein- aduug des Kaisers angenommen habe, den großen Manöver« bei Danzig beizuwohnen. Groß- ürstin Olga, die jüngste Schwester deS Zaren, wird im Anfänge des MonrtS August mit dem Prinzen Peter von Oldenburg Hochzeit halten. Nachher wird der Zar den großen russischen Manöver« beiwohnen und alsdann zu Schiff nach Kopenhagen reisen. Von Kopenhagen aus will

„Unmöglich, Lionel," sprach er ernst, „dies war ganz meire eigene Idee. Ich ließ zwei Ringe anfertigen, dies ist einer davon — der andere — o Lionel — der andere liegt unter den rauhen Wogen der Bucht von Bitcaya be­graben. Kein menschliches Auge wird thn je wieder erblicken. O mein Gott, warum öffnete ich nur dieser Kästchen. Ich würde lieber meinen ganze« Reichthum verliere«, als diese« Ring; aber ich kann seinen Anblick nicht er­tragen."

Aus seinen Auge», aus feiner Stimme sprach ei» so gewaltiger Schmerz, daß Lord Norton um eine Antwort verlegen war. Noch immer hielt er den Ring in der Hand.

„Ich hin fest überz-ugt» Herr Nugent," sagte er, „daß ich entweder diesen Ring früher schon gesehen habe oder den gleichen. Ich sehe im Geist sogar noch die Hand vor mir, die ihn trug — eine schlanke, weiße, wohlgeformte Männerhand. Wessen Hand ma,; es nur ge­wesen fein?"

Lord Norton strengte vergeblich fein Gedächt- niß an, allein Albert Nugent lächelte traurig.

„Sie müssen ei geträumt haben, Lionel, den zweiten Ring steckte ich selber an den Finger einer Frau, er ist für ewig verloren. Doch wir wollen nicht mehr davon sprechen, es macht mich schwach."

Lionel sah, wie er den Ring und die Haar­flechte wieder an ihren ftührren Aufbewahrungs­ort legte und beide sorgfältig bedeckte.

„Und nun zu den Perlen," sagte er. „Ich

der Zar zu den Manöver» bei Danzig komme« und hinterher mit seiner Gattin zum Besuche von deren Verwandten nach Wolfgarten sich begeben. Amtlich, so wird außerdem berichtet, ist noch nichts von einem Besuche bei deutschen Kaisers in Rußland aus Anlaß der großen russische« Manöver bekannt.

h Zkeßkav- Srancht chekd. Die bereits vor einigen Wochen umlaufenden Gerüchte waren richtig, wonach Rußland mit Frankreich wiederum wegen einer Anleihe in Unterhandlung treten wolle. Diese Unterhandlungen find nach neueren Meldungen zwischen der russischen und der fran­zösische« Regierung bereits im Gange. Es soll sich danach um eine neue russische Anleihe im Betrage von 125 Millionen Rubel handeln. Nach einer Pariser Meldung der ,Berl. Reuest. Nachr.' werde« diesmal die Verhandlungen direkt von Regierung zu Regierung geführt und streng geheim gehalten. Die neue Anleihe soll danach in etwa sechs Monaten aufgelegt werden; bis dahin hofft man dis kürzlich abgeschloffene An­leihe vollständig untergebracht zu haben. Nun können die Franzosen wieder Betrachtungen da­rüber anstelle«, wer der gebende und wer der nehmende Theil im Zweibunde fei. Unsere deut­schen Anleihen können wir leichter unterbringen, als die Russen die ihrigen.

* Der Der ei« für Sozialpolitik hält seine diesjährige Generalversammlung in München vom 23. bis 25.September ab. Zur Verhandlung gelangt die Wohnungsfrage und die „Wirkung der gegenwärtigen und Ziele der künftigen Handelspolitik". Zu Referenten für die Wohnungsfrage sind die «ationalöko- »omischen Professoren Fuchs in Freiburg und o. Philippoich-Wien bestellt, sowie Landesrath Brandts-Düsseldorf, der Über die Thätiqkett de­in dem Wohnungserlaß des preußischen Minister- als Muster hingestellten rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens berichte« wird. Ueber die Handelspolitik werden die Pro­fessoren Lotz-Münche«, Pohle-Frankfurt und Schuhmacher, der Studiendirektor der neuen Handelshochschule in Köln, referiren. Der De­batte Über die Handelspolitik werden zwei Tage gewidmet. Von den diesjährigen Schriften de- BereinS, die den Verhandlungen der General­versammlung zu Grunde gelegt werde», haben u. a. noch zwei Bände der „Beiträge der neuesten Handelspolitik", sowie drei Bände Über die Wohnungsfrage zu erscheinen.

+ Die Ausführung -es Jürforge-Kr- ziehmegsgefetzes betreffend ist in letzter Zeit mehrfach die Befürchtung ausgesprochen worden, daß Kinder, welche auf Grund diese» Gesetze» Familien auf dem Lande überwiesen werden, auf die Landkinder einen verderblichen Einfluß ausüben könnten. Bei Kindern, welche bereit» verwahrlost sind, mag diese Befürchtung nicht unbegründet sein. Aber e» ist nicht zu übersehen, daß nach § 1 Ziffer I de» Gesetze« schon jene Kinder der Fürsorge-Erziehung überwiesen werde« können, welche nur in Gefahr find, durch Schul­ler Eltern zu verwahrlose». Wenn der Vater dar Recht der Sorge für die Person de« Kinde» mißbraucht, da« Kind vernachläffigt oder sich eine» ehrlosen oder unfittlichen Verhalten« schuldig macht, kann schon diese Erziehung eintreten. Wenn in solchen Fällen früh genug eingeschritten wird, wird da» Kind glaube kaum, daß cs in England einen Rubin zibt, der an Glanz und Größe diesem hier gleich käme. Ich würde au8 diesen Perlen ein Halsband unfertigen lassen und den Rubin in die Mitte fassen."

„Aber diese Juwelen find so werthvoll," agte Lord Norton zögernd und ein wenig ver­legen.

„Sie find für Miriam bestimmt, mag sie sich etzt schon damit schmücken.

Lord Norton dankte erfreut und beobachtete »ann Onkel Albert, wie er die Steine wieder n das Schmuckkästchen legte unv dieses in dem Schranke sorgsam verschloß.

Den ganzen Tag über war Albert Nugent n Gedanken versunken; der kleine Ring schwebte hm beständig vor Augen, um schließlich sogar eine Nachtruhe zu störe». Er träumte, daß er im Meere-ufer flehe und daß Ella langsam aus >e« Wogen zu ihm emporsteige, den kleinen Ring in ihrer Hand kältend. Er griff danach und fand zu seinem Entsetze», daß daS Rubin- -erz ein Tropfe» rothes Blut sei, das seine finger befleckte. Eine plötzliche Dunkelheit legte ich über Wasser und Land, Ella verschwand und zu seinen Füßen rauschte« die Woge«.

Der Traum beunruhigte ihn. Er erhob sich >eS Morgens mit der feste« Absicht, be« Ring ndern zu lassen und stets am Finger zu tragen. Iber als er b#e Schublade öffnete, wohin et >as Schmuckkästchen am vergangenen Tage ge- lellt, war sie leer. Er durchsuchte aufs sorg- ältigste das ganze Möbel, Alles vergebens —