28. Jahrgang
Inwa, Mittwoch, den 19. Ium 1901.
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N.cht nur bei den Wahlen für die Abgeordnetenkammer hat das Volk der Niederlande für positives Christenthum und für die Politik ausreichenden Zollschutzrs gegen das Ausland sich entschieden. Genau dieselbe Entscheidung ist unmittelbar vorher bei den Wahlen für die Provinz stände gefallen. Auch bei diesen Wahlen haben die Liberalen eine vollkommene Niederlage erlitten, und zwar nicht etwa in den ländlichen Wahlbezirken, sondern auch in großen Handelsstädten, die sie brSher als ihre ganz sicheren Domänen betrachteten, so beispielsweise in Amsterdam. Nur dort können bei den Stichwahlen die Liberalen noch auf einige Sitze rechnen, wo sie in die Stichwahl mit Demokraten oder Sozialdemokraten gekommen find; denn in solchen Fällen erhalten sie die Unterstützung der Katholiken und der protestantischen Konservativen, also nach holländischer Bezeichnung der Antirevolutionäre.
Die Provinzstände haben die Verwaltung ihrer Provinz zu führen. Dazu gehört die Aufsicht über die Gemeindeverwaltungen, die Verwaltung der Wege, Wasserstraßen und Zölle. Schon deswegen stad auch die Wahlen für diese Prooinzstände wichtig. Dazu aber kommt noch etwas Andere«. Die Provinzstände haben nämlich au« fich heraus die Mitglieder der ersten Kammer zu wählen. Wenn also die Provinzstände in ihrer Mehrheit au« liberalen Leuten bestehen, dann wird auch die erste Kammer eine liberale Mehrheit aufweisen. Ist aber der entgegengesetzte Fall eingetreten, dann wird aus Neuwahlen zur ersten Kammer ebenfalls eine antiliberale Mehrheit hervorgehen. Das neue Ministerium, das die Nachfolge des liberalen Kabinets Pierson antreten wird, wird nun auf keinen Fall mit der gegenwärtigen ersten Kammer weiter wirthschaftrn. Dieses neue Ministerium wird vielmehr auch die erste Kammer auflösen, in der gegenwärtig die Liberalen eine Mehrheit haben, und von den neu gewählten Provinzständen auch eine neue erste Kammer wählen lassen, die alsdann eine Mehrheit von Katholiken und Antirevolutionären haben wird. Und dann wird der Liberalismus als MehrheitSpartei mit einem Schlage aus allen Körperschaften verdrängt sein: aus dem Ministerium, aus, b >r ersten Kammer, aus der zweiten Kammer und aus den Provinzständen. Das Volk der Niederlande hat sein Urtheil gesprochen über den Liberalismus. Er verschwindet in der Versenkung, genau ebenso wie in anderen Ländern.
Und welche Parteigrupptrung tritt an seine Stelle? Ein Bund zwischen den Katholiken und den Antirevolutionären, das heißt, in deutsche Verhältnisse übertragen, die verbündeten Konservativen und Centrumrmänner. Bei den romanischen Völkern machen die zersetzenden Elemente der Liberalen, Radikalen und Demokraten Fortschritte. Die germanischen Völker besinnen sich zuerst wieder auf das, war noch rhut. Die Germanen sind der wahre Hort christlichkonservativer Anschauungen!
19. Kapitel.
An einem klaren September-Morgen saß Rudolf Blanche im Schatten einer hohen Ulme, eifrig beschäftigt, die vielfarbige Pracht des herbstlich gefärbten Laube« auf die Leinwand zu bannen. Sein Gesicht sah bleich und verfallen aus, es zeigte tiefe Schatten um die schönen Augen, ernste Linien um den festgeschlossenen Mund.
Man las in seinen Zügen, daß er schwer gelitten hatte an Leib und Seele, daß aber der seelische Schmerz bei weitem der härtere gewesen war.
Rudolf'- Hände waren schmal und abgezehrt, sie vermochten den Pinsel nicht mehr mit so festem Griffe zu halten, wie in frühern Tagen. Und doch fühlte er in der Ausübung seiner Kunst eine Befriedigung, die ihn zeitweise alles Uebrige vergessen ließ. Dann aber kamen wieder Stunden, wo die Erinnerung W quälte, der Pinsel seiner matten Hand entfiel und seine Augen mit träumerischem Ausdrucke in's Leere starrten.
An diesem schönen Morgen trat Frau Blanche aus dem Hause, eine Nummer der Londoner ,Time»' in der Hand haltend. Sie sah bleich und bekümmert aus, als sie zu ihrem Sohne herantrat und zärtlich ihren Arm um seine Schultern legte.
„Rudolf," sagte sie mit einem schmerzlichen
Aber ihrem Aerger darüber, daß die katholische Kirche und die Polen etwas thun, woran sogar sie nichts auszusetzen wissen, müssen sie doch auf irgend eine Weise Luft machen; und so drehen sie die Sache so, al« thue da« die katholische Kirche nur bei den Polen und mit der Absicht, die Polen „ durch ein neues Mittel zu stärken in ihrem wirtbschaftlichen Kampfe gegen die Deutschen ..." Zwischen den Zeilen liest man: lieber wäre es uns, den hakattstischen Menschenfreunde», wenn alle Pole« zusammen der Schnapsteufel holen wollte; nun muß natürlich die katholische Kirche kommen und ihren besonderen Schützlingen, den Polen, diese Gunst erweisen, uns aber um die schöne Hoffnung bringen . . . Gemeiner Haß und Unkenntniß sprechen gleichzeitig aus solchen Schreibereien. Die Kirche nimmt überall dieselbe Stelle zur Mäßigkeitsbewegung ein, natürlich nicht nur bei den Polen. Das sollte Jeder wiffen, der sich auf das Gebiet einer solchen öffentlichen Kritik
I wagt. Die Kirche würde ihre Pflicht nicht erfüllen, wollte sie rheilnahmslos an dem Krebsschaden der Schnapspest vorübergehen, bei den Polen oder anderwärts. Das sichtliche Bedauern darüber, daß auch die Polen dieses Segens der Kirche theilh astig werden, ist der Gipfelpunkt aller hakatistischrn Gehäsfigkeit. Wer wundert fich nach solchen Erfahrungen noch
I darüber, daß die leidige Gegnerschaft zwischen \ Deutschen und Polen in den Ostmarken des | Reiches von einem Jahre zum andern an
Schärfe zunimmt? Es kann ja leider gar nicht anders sein!
4- Aemkxrsstatiftik. Nach der vorläufigen Mittheilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur KonkurSstatistrk gelangten im ersten Vierteljahr 1901 im Deutschen Reich 2663 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2266 im ersten Vierteljahr 1900. Es wurden 281 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Mangels eineS auch nur die Koste» des Verfahrens deckenden Maflebetrages abgewiesen und 2382 Konkursverfahren eröffnet; von letzteren hatte der Gemeinschulduer in 1524 I Fällen ausschließlich die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im ersten Vierteljahr 1901: 1604 (1. Vierteljahr 1899: 1392) Konkurs- verfahren, und zwar durch Schlußoertherlung 1105, durch Zwangsvergleich 347, in Folge allgemeiner Einwilligung 41 und wegen Massemangels 111. In 562 beendeten Konkursoer- fahren war ein G'äubigerauSschuß bestellt.
Lächeln, „die meisten Heilmittel find biiter; ich habe Dir eines von großer Bitterkeit gebracht."
Ueberrascht blickte Rudolf auf, eine Ahnung der Wahrheit durchzuckte ihn.
„Ich werde es tapfer zu nehmen wiffen, liebe Mutter."
„Aber ich muß Deinem Wunsche entgegen handeln, mein Sohn," fuhr Frau Blanche in ihrer ernsten, liebevollen Weise fort, „und einen Namen nennen, den Du nie mehr hören wolltest. Ich bringe Dir hier den Bericht über die Vermählungsfeierlichketten von Miriam Donovan. Es ist beffer, wenn Du davon erfährst, so lange ich bei Dir bin, um Dich zu trösten."
Rudolf war bi« auf die Lippen erblaßt. Bei ihren ersten Worten schrak er zusammen, als ob er einen Dolchstich erhalten hätte. Dann legte er ruhig seinen Pinsel nieder; aber trotz aller Selbstbeherrschung konnte er ein leises Stöhnen nicht unterdrücken — einen Laut, der das Mutterherz durchbohrte.
„Ich hatte keinen Grund, es anders zu erwarten," sagte er leise» „Wer ist es, Mutter, der nun besitzt, was einst mein war?"
Ein langes, erwartungsvolles Schweigen trat ein; ihm war, als ob die Sonne zu scheinen, die Vögel zu fingen aufgehört hätten.
„Dies wird Dich am meisten schmerzen, mein Kind," erwiderte der Mutter sanfte Stimme. „Es ist Lord Norton von Elverstone, Dein Freund und Patron."
Rudolf fuhr auf, sein Antlitz erglühte, seine Stirnabern schwollen an. Er ballte die Fäuste
Iwei Hlinge.
Frei nach dem Englischen von A. Michola.
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„Um es vielleicht später zu bereue»," erwiderte Klara, „dann hätte Alles noch viel schlimmer kommen können."
Und mit diesem schwachen Tröste mußten sich Miriams tief betrübte Angehörige zufrieden geben.
Etwa zwei Wochen später nach den geschilderten Virfällen theilte Lord Norton den Damen wit, daß Rudolf Blanche gefährlich erkrankt im Hause seiner Mutter in Deepdale liege. Frau Donovan und Klara sprachen ihr herzliches Bedauern über diese Kunde aus, nur Miriam gab lein Zeichen von Thetlnahme. Selbst Lord Norton wunderte sich über ihre Gleichgiltigkeit gegen den Mngen Kürstler, mit dem die Familie doch immer« $ ” ™ freunblidjen Beziehungen gestanden hatte.
»Ich ^e die Absicht, ihn zu seiner Erholung mach Elverstone einzuladen," fuhr er, zu Frau Donovan gewendet, fort. „Ich hege eine Hochschätzung für Blanche, die an Freundschaft grenzt."
Miriam blickte bei diesen Worten leicht er- röthend auf, enthielt sich aber jeder Bemerkung, und obschon sie Lord Nsrton täglich sprach, erkundigte sie sich nicht ein einziges Mal nach Rudolfs Befinden. Klara jedoch sandte im Namen ihrer Mutter einen Brief voll zarter Theilnahme und ängstlich liebevoller Beiorgniß nach Deepdale ab. Sie ahnte nicht, daß sie dabei ihre Gefühle werrikth, daß Rudolfs Mutter ihr Geheimniß
Stimme', einer von den deutschen Benediktinern I! herausgegebenen Zeitschrift, bringt noch nach- . träglich einen genauen Bericht über den Besuch des Kaisers in der Abtei Maria-Laach, der die voraufgegangenen Berichte in manchen, recht interessanten Einzelheiten ergänzt. Abt Benzler versicherte dem Kaiser, daß die Klostergemeinde an dem offenen Bekenntnisse des christlichen Glaubens durch den Kaiser in Bonn sich sehr erbaut habe, worauf der Kaiser erwiderte: „Ja, das thue ich. Ich habe das schon gestern in Bonn auf dem Kommers der Studenten gesagt und habe ihnen die christlichen Grundsätze einzuschärfen gesucht. Ich halte es für nöthig, daß ihnen das von oben gesagt wird." Als der | Kaiser die an der Kopitelwand verzeichneten „Stufen der Demuth" las, machte er bei der vierten Stufe (in darin et asperia patientiam amplecti — in schwierigen Verhältnissen sich in Geould fassen) die Bemerkung: „Das ist auch etwas für mich." Bei dem Anblicke sehr schöner, kräftig gehaltener Zeichnungen des Paters Andreas sagte der Kaiser: „Das ist recht, daß man wieder zurückgeht auf die alten Meister. So habe ich es gern, das ist viel schöner, als so manches moderne Zeug."
+ Die Aieichsarrgetzörigkeit der Deut- scher» im Anstande ist eine Frage, die in neuerer Zeit bereits mehrfach besprochen worden ist. Außer den gewöhnlich ihm vorgelegten Be- rathungsstoffen soll fich der Kolonialrath bei feiner bevorstehenden Zusammenkunft auch mit dieser Frage beschäftigen, und zwar in der Gestalt eines besoudern neuen Gesetzentwurfes darüber. Ver- muthlich wird der Entwurf später auch dem Bei- rathe für das Auswanverungswesen zur Begutachtung vorgelegt werden.
ft I-r A-ich»ta«saösesrd«-te Schrempf sollte nach den Behauptungen eines süddeutschen Sozialdemokratenblattes Unterstützungen vom Bunde der Landwirthe empfangen für seine parlamentarische Thätigkeit. Nach einer sehr entschiedenen Erklärung des genannten Abgeordneten ist die Behauptung unwahr.
+ WitztgSe!tsSefireS«vge« Sei de« Note». Der Schnapsteufel spielt überall eine böse Rolle. In ganz besonderem Maße ist da» aber der Fall bei der polnischen Bevölkerung im östlichen Deutschland, sodaß im Interesse dieser Bevölkerung nicht« freudiger zu begrüßen ist, als ein Kreuzzug gegen diese männermordende Schnaps- pest. Jeder Menschenfreund ohne Unterschied de« Volkrstamme-, dem er gehört, muß dieser Ansicht fein. Aber unsere Hakatisten hören auf, Menschenfreunde zu fein, wenn es sich um die Polen handelt. Da« ersteht man auf« Neue aus folgendem Bei- fpiel. In der Provinz Posen macht die Kirche mobil gegen den Schnapsteufel. Erzbischof Dr. von Stablewski hat am letzten Sonntag an den Posener MäßigkeitSverein ein Schreiben gerichtet, in dem er mit Bevollmächtigung des Papstes kirchliche Gnaden demjenigen zufichert, der erfolgreich an diesen Mäßigkeitsbestrebungen sich be- theiligt — kann e« etwa» Vortrefflichere» geben, al» wenn die Kirche auch In dieser Weise ihre Kulturmission zu erfüllen bestrebt ist? An diesem Streben selbst können nun sogar die kultur- kämpferischen Hakatisten nichts tadeln; sie würden sich sonst der allgemeinen Verurtheilung ausfetzen.
Erscheint «glich, «. Ausnahme der Soun-und Feiertage. «iertellährl. z,,ug,prrt, ohne Bringerlohn und Bestellgeld in «ulda und aus- LärtSlM-SOPf.
• Ende der liberalen Herrschast in Holland.
MitfrohenHoffnungen waren diesmal dieGegner derL beralen in den Niederlanden in den Wahlkampf gezogen. Aber, daß es den Liberalen so schlecht dabei gehen würde, rote es ihnen gegangen ist, das hatten auch Ihre Gegner nicht zu hoffen gewagt. Um sich die Größe dieser Niederlage richtig vor- zustellen, muß man sich noch einmal die Ziffern des Wahlaussallks ins Gedächtniß zurückrufen, die bewndern Eindruck machen, wenn man sie vergleicht mit der Zusammensetzung der letzten Kammer.
Alte Kammer: 47 Liberale, 23 Katholiken, 21 Antirevolutionäre, 4 Radikale, 4 Sozra- . listen und 1 Christlich'Historischer.
Neue Wahlen: 9 Liberale, 23 Katholiken, 23 Antirevolutionäre, 2 freisinnige Demokraten, 1 Christlich-Historischer, 42 Stichwahlen. Bei diesen Stichwahlen kommen im Ganzen genommen nut 27 Liberale in Betracht, außerdem 11 Katholiken, 26 Antirevolutionäre, 9 Sozialisten, 9 freisinnige Demokraten und drei Christlich-Historische.
Die Katholiken, Antirevolutionären und Christlich-Historischen unterstütze» einander. Di? letztgenannten beiden Gruppen stehen auf dem Bode« der orthodoxen Protestanten, die zuletzt aufgeführte hat außerdem kulturkämpferische Neigungen. Diese letztere Gruppe ist eine besondere Erscheinung in der Stadt Utrecht und in deren Umgegend. Diese drei Gruppen haben neben dem positiven Christenthum noch einen gemeinsamen Charakterzug: Sie sind Schutzzöllner und streben unter der Anführung der katholischen Politiker namentlich einen kräftigen Zollschutz für die landwirthschaftlichen Ezeug- uiffe an. Drr Führer der Katholiken ist der bekannte Professor Dr. Schaepman, der Leiter der Antirevolutionäre ist Dr. Kuyper, Von diesem Letztem wird angenommen, daß er die Neubildung des Ministeriums übernehmen werde; denn das liberale Kabinet Pierson ist durch den Ausfall der Neuwahlen vollkommen unmöglich geworden.
Nicht nur die Liberalen nach altem Zuschnitt haben eine völlige Niederlage erlitten. Die neu- gegründete Partei der freisinnigen Demokraten, mit der man dem verrotteten Liberalismus einen neuen Aufschwung geben wollte, hat ebenfalls gar keine nennensroerthe Erfolge zu verzeichnen, so daß durch diese Neuwahlen zur holländischen zweiten Kammer dem Liberalismus im Ganzen genommen ein vernichtendes Uriheil gesprochen ist. Ader auch der Sozialdemokratie ist es schlecht gegangen, wie aus den Ergebnissen der neuen Wahlen zu ersehen ist. Die holländischen Sozialdemokraten konnten in der Hauptwahl nicht einen einzigen ihrer vier Kammersitze behaupten ; ihr Führ erTroelstrahat seinen Wahlkreis unwiederbringlich verloren.
D Meimrrrischer Landtag.
Weimar, 18. Jnm.
Die außerordentliche Tagung des Landtags, zu welcher derselbe auf den 17. ds. einberufen worden war, gilt auSschltehlich der Erledigung von Eifenbahnprojekten.
Die Regierungsvorlage und der ihr beigefügte, mit Preußen einstweilen getroffene Etaatsvertrag besagen, daß die Preußische Regierung fich bereit erklärte, folgende Eisenbahnen für eigene Rechnung $« bauen;
1) von Eisenberg nach Porstendorf.
2) von Gerstungen über Berka a. SB., Vacha, Eiterfeld »ach Hünfeld mit Abzweigung von Wenigentaft nach Geisa.
3) die schmalspurigen «inien Salzungen—Vacha und Dorndorf—Kaltennordheim (Feldabahn) zu de» Anlagekosten von 1108 897 Mk. 65 Pfg. zu erwerben und murmelte eine Verwünschung zwischen den bleichen Lippen.
Da neigte sich die Mutter über ihn: „Nicht so, mein Sohn, o nicht so," mahnte sie liebevoll. „Die Rache ist mein, ich will vergelten!" — spricht der Herr."
„Nur einmal," tief et wild, „nur einmal muß ich sie verfluchen, die mich umgarnte; die Falschheit, die Lüge, die mich mit Füßen trat! Mein Hirn steht in Feuer — nur einmal laß mich sprechen, Mutter, dann rotil ich verstummen!"
Es mar bet bittere Aufschrei eines tief Der« mundeten Hetzens, bas seine Marter nicht mehr schweigend zu ertragen vermochte. Mit sanften, liebevollen Worten suchte bie Mutier ihn zu beruhigen, ihm seine Selbstbeherrschung roieber zu geben.
„Möge Gott mir vrrzühen!" sagte er enb> lich, „unb auch Du, Mutter, vergib mit; ich schäme mich dieser heftigen Aufwallung, ich bereue sie. Sieh', ich bin jetzt ganz ruhig, das Fieber der Leidenschaft ist erloschen — laß mich
I selbst den Bericht in der Zeitung lesen."
Et nahm das Blatt aus ihrer Hand und las langsam Wort für Wort die ausführliche Beschreibung >det HochzeitSfeiet; bann legte et es ohne jede Bemerkung zur Seite.
„Die Zeit bringt Linderung für jedes Leid," | tröstete die Mutter. „Der liebe Gvtt wird Dir seinen Trost nicht vorenthalten. Du stchst nicht allein in der Welt, Du hast Deine Kunst."
„Und Dich, Mutter; Du weißt, wie ich Dich liebe, hatte mich nicht für unbantbar, weil ich I mich so vergessen konnte — eS wat nut für
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W . _ . . . einspaltige Petit-
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U11U11 O bs«
U H |i |R HM »-'le 25 Pfg.; bei
BL, Bk, ■L/SBL Wiederholungen
Wr ÖA wird entsprechend.
A > Rabatt gewährt
Deutsches Deich.
Berlin, den 18. Juni
-V Aochmals der Kaiser in Maria- Laach. Das Juniheft bet ,Gt. Benediktus- rimil—l' I lipil »Hilf >111 »Ml M—■ aus jeder Zeile las und den innigen Wunsch hegte, ihr Sohn hätte diesem liebenswürdigen jungen Mädchen, da» seiner stolzen Schwester so wenig zu gleichen schien, feine treue Neigung zugewendet.