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Jß. 136. Jutöa, Montag, den 17. Juni 1901. 28. Jahrgang
rötreten.
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- bet beiden an» n kann, immer.
nachher die Zeit der Reue kommen — jenizen Reue, die zu spät erscheint u»'< gerichteten Schaden nickt mehr ausglei Drermal ist die ftnliensche Abgrordnet^ ebenso wie in den Jchrrn vorher, v
alte und untergeordnete Stellung zurückstnken. In Italien wechseln die Ministerien beinahe von kmer Kammertagung zur andern, in der Zusammensetzung der Personen und auch in deren Parteistellung. Aber ein italienische- Ministerium wie dar andere hält fest am Dreibünde, weil die genauere Kenntniß der Tbatsachen augenscheinlich vollkommen überzeugend wirkt; und Herr Prinetti mit seiner Sinne-Wandlung kann all ein vortreffliches Beispiel dafür gelten, wie stark diese überzeugende Wirkung für diejenigen fein muß, die Gelegenheit dazu haben, Bücke hinter die politischen Touliffen zu lhun.
ES gab einmal ein italienischer Ministerium, dal wollte ganz selbständige italienische Politik treiben und bildete sich ein, el könne auS I allen eine Großmacht herauSdrechseln, die ohne Anlehnung an andere Mächte den politischen Wettbewerb mit den übrigen Großmächten aufnehmen könne. Das war das Ministerium Cairoli. Der Grsßmannsdünkel bei Herrn Cairoli aber hat den Italienern Tunis gekostet, das die Franzosen fich nahmen, und daS Deutsche Reich hat sich ohne Bündniß mit Italien genau so wohl befunden wie nachher, mit diesem Bündn>ffe. In demselben Verhältnisse zu Italien steht Oesterreich-Ungarn Natürlich ist beiden, sowohl dem Habsburgerreichs als auch unier<-m Deutschland, der Dreibund mit Italien von Ratzen. Wenn das nicht der Fall wäre, würde der Dreibund ja gar nicht von Dauer sein. Aber der größere Nutzen ist auf der Seite der Italiener, nicht bei Deutschland und bei Oesterreich; und deswegen ist es ein außero-deutlich thörichtes Belangen mancher italienischen Politiker, daß ihrem Lande dessen Anschluß an den Dreibund noch besonders belohnt werden soll durch allerhand Zugeständ» Riffe der Handelspolitik, die nicht auf Gegen- seitigkeit beruhen.
Italien ist für seinen Anschluß an den Dreibund erlohnt durch diesen selbst. Sollte einmal eine Zeit kommen, in der eine Mehrheit in I allen dal nicht mehr anerkennen und dem Dr-irMde untreu werben will, so würde auch s?' r bald
Zwei Winge.
Frei nach dem Englischen von A. Michola.
------- (Nachdruck verboten.)
Mit wahrer Ehrerbietung sprachen die einfachen Leute von der feinen, zarten Dame, bis* in ihrer Mitte ihr Heim aufgeschlagen hatte. Man sah sie nie bet den verschiedenen Dorf- festlichkeite«, man erwartete sie auch gar nicht dabei. Aber wo Trauer in einem Hause ein« kehrte, wo ein Kranker auf seinem Lager in Schmerzen fich wand, wo an dem verwaisten Herde die Mutter fehlte, da war Frau Blanche zu finden — mit hilfreicher Hand, mit tröstendem Worte war sie den Leidenden nahe. Die Kinder liebte fie leidenschaftlich und jedes rosige Gefichtchen in der Dorfstraße lächelte ihr zu. Ähre feinen, vergeistigten Züge mit dem melancholischen Ausdruck, die klaren, blauen Augen, in denen fich der Himmel zu spiegeln schien, machten sie den Kindern fast zu einer überirdischen Erscheinung, und auch die Erwachsenen betrachteten fie als ein engelhaftes Wesen, das mit den gewöhnlichen Sterblichen nur wenig gemein hatte.
Frau Blanche sprach nie von ihrer 93er- Amgenheit, fie versuchte zu oergeffen, in den Änterefsen ihrer Umgebung aufzuqehen, aber und Nacht verfolgten fie die Erinnerungen ?? lhr verlorenes Glück. Es gab Zelten, da Energie sie gänzlich verließ, da sie in laut« 1ew Jammer zusammenbrach, es war dann.
guter
Mehrheit der Dreibunöpoiitik der Regierung bet-
• Gegner des Dreibundes.
Wir Deutschen schwärmen im Allgemeinen ganz und gar nicht für die Magyaren der gegenwärtigen Zest; schon de-wegen nicht, weil das magyarische Regierungssystem seit Jahrzehnten dem Deutschlhurn in Ungarn feindlich gegenübersteht. Es gibt auch »och andere Umstände, die bei aller Anerkennuna der Vorzüge und Liebenswürdigkeiten der Mapyaren uns diese weniger angenehm machen, und dennoch wird deswegen Niemand bei uns in Deutschland diese- Gefühllverhältniß auf daS Gebiet der hohen Politik übertrage« wollen und dem Gedanken der engen Vereinigung mit Oesterreich «Ungarn untreu werde». Genau so verhalten fich mit verschwindend wenigen Ausnahmen die Magyaren selbst. Sie lieben das Deutschthum nicht; doch daS Bündniß mit dem Deutschen Reiche fthen fie gern. Und nun gar erst unsere kräftigsten nationalen Gegner in Böhmen, die Tschechen: fie würden nicht trauern, wenn eine Pest die Deutsche» in Böhmen und Mähren befiele und sie hmwegraffte in einer Nacht. Aber gegen daS Bündniß mit dem Deutschen Reiche haben auch sie nichts mehr eir zuwenden, denn sie haben ein- sehen gelernt, daß dasselbe ihnen dauernden Vortheil bringt; und politische Bündnisse, auf dieser Grundlage aufgebaut, stehen fester als irgendwelche andere.
In Jollen ist das Bewußtsein von den Vortheilen bei Dreibundes nicht so allgemein. Jahr für Jahr gefällt fich bei der Berathung deS auswä't'gen Etats eine Kammerminderheit in Angriffe gegen den Dreibund, der Italien an« gc blich auibeuten anstatt ihm nützen soll; und da der g^pmwärlige Minister des Aeußeren, Herr Prinetti, ehedem selbst zu dieser Minderheit gehörte, kann man fich ohne Weiteres vorstellen, daß er nicht der geeignete Mann ist, um diesen Sretbunigegnetn im italienischen Parlament sonderlich zu imponiren. Herr Pnnetti wurde diesmal von verschiedenen Seiten daran erinnert, daß er ja selbst im Jahre 1891 eine Rede gegen den Dreibund gehalten habe, und er hat von den eigentlichen Dreibundgegneim auf der linken Seite des Hauses nur höhnisches Gelächter als Antwort bekommen, als er darlegte, daß die bessere Kenntniß der Thatsachen bei ihm eine andere Ansicht hervorgerufen habe. Herr Prinetti meinte, vor zehn Jahren habe er den Eindruck gehabt, als lege der Dreibund dem Lande Italien große militärische Lasten auf und unterwühle die Handelsbeziehungen zwischen Italien und Frankreich; aber man habe das Gegentheil davon erfahren, nämlich den Dreibund als einen Hort des Friedens kennen gelernt und sich davon überzeugt, daß fteusdliche Beziehungen zwischen Italien und dem geistesverwandten Frankreich Sif ganz gut mit dem Dreibünde vertragen, nd so ist Herr Prinetti aus einem Dreibund- gegner ein F-eund des Dreibundes geworden.
Was näre Italien ohne den Dreibund? Dieselbe Macht dritten Ranges, die eS vorher war, ehe es zum Dreibunde gehörte. Erst durch den Dreibund ist Italien in die Reihe der Großmächte eingetreten. Würde es diesem Bündnisse mit Oetterreich-Ur>garn und Deutschland den Rücken kehren, bann würde es sehr bald in feine
Deutsches Aeich«
Berlin, den 15. Juni.
XDie KnIHSlktms des
Maks hat heute Mittag 12 Uhr stattgesmiden. Die Umgebung des Königsplatzes, der sich vor dem ReichstagigebSude anSbreitet und auf dessen westlicher Se te das Denkmal sich bifhbet, war von einer dichten Menschenmenge umsäumt. Um IV/i Uhr erschienen auf dem Denkwalsplatz, vom RelckstagSgedäude kommend, die Mitgl.-ver des Reichstages und de« Bundesraths unter Führung des Grafen Ballestrem und nahmen links vom Kaiserzelt Ausstellung. - Rechts vom Denkmal stellte« sich die Minister, aktive und inaktive auf. Unter den letzteren sah man den Fürsten Hohenlohe, den früheren Staatssekretär Bötticher nnd wenn sie von Rudolfs glänzenden Erfolgen las und sich fragte, warum es dem geliebten Gatten nicht vergönnt gewesen war, an feinem edlen, hochbegabte» Sohn sich zu erfreuen. An einem warmen Juniabend wandelte sie wieder in ihrem schönen Garten umher und betrachtete bewundernd die Rosen, die in voller BlÜthe standen, die weißen Sillen die zwischen grünen Blättern her- vorlutzten. Inmitten der Blumen setzte sie fich nieder und der Abendhimmel warf einen rosigen Schein auf ihr bleiches Gesicht. ES war leicht emporgerichtet, als ob ihr Auge die leichten Wölkchen zu durchdringen fich sehne.
Ein Geräusch an der GartenthÜre erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie wandte sich um und erkannte durch das dichte Laubwerk die hohe Gestalt eines ManneS. In der Meinung, daß ein Nothlsidender ihrer bedürfe, ging sie den Gartenpfad hinunter und theilte die dichten Zweige der Flledersträucher, um hinausblickeu zu können.
Ein leichter Schrei entfuhr ihr, ihr Gesicht wurde todtenbleich vor Schrecken. Zwei dunkle Augen, aus denen ein wilber, verzweifelter Kummer sprach, schauten Über die THÜre zu ihr herüber. ES war ihr Sohn, ihr Rudolf, der dort stand! Mit zitternden Händen öffnete sie und er trat ein. In namenloser Angst umschlang sie ihn mit beiden Armen. „Mein Kind, mein Sohn, was fÜhrt-Dich hierher? waS fehlt Dir? was ist Vorfällen?"
„Mutter," versetzte er, „wäre ich ein Schwächling, so würde ich antworten: „„Ich bin beim» gekommen, um zu sterben."" So aber sage ich:
den greifen Herrn von Delbrück. Ferner ver- sammelten sich zu beiden Serken die Mitglieder deS Magistrats und der Stadtverordneten, ausmittige Deputationen, v A. auch vier Halber- städter Kü asster-Offizlere. Hinter dem Denkmal war der Platz für dleKrlegetverelne, Schulkinder rc. Kurz nach 12 Uhr fuhr das Kaiferpaar vor, das auf dem Wege »om Schloß zum Denkmalsplatze mit lauten Hochrufen begrüßt wurde. Nachdem das Kaiferpaar das Kaiserzelt betreten hatte, begann die eigentliche Feier mit einem Gesang, auSgesührt von Schulkindern. Dann betrat der Vorsitzende drS Denkmal Komitees, der ehemalige Reichrtagsprästvent von Lroetzow das Podium und hi.lt eine kurze Ansprache, in der er daS Kaiserpaar, den Fürsten Herbert BiS- marck, die M tzlieder des Reichstages und deS BundeSraths rc. begrüßte. Alsdann übergab Herr von Lesetzow dem Reichskanzler das Denkmal, indem er eS unter fei en Schutz stellte. Graf Bülow feierte deu Fürsten Bismarck in längerer, häufig von lebhaften Bri- fallSrufen begle teten Rede, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Nachdem der Kaiser daS Zeichen gegeben halte, fiel um halb 1 Uhr die Hütte Der Kaiser legte alsdann am Fuße des Denkmals einen kostbaren Kranz nieder. Hierauf begann der Rundsarry. Nach der Besichtigung legte die Abo dnung der Hulber- städter Kürassiers und danach zahlreiche Deputationen von Vereinen Krärzr am Denkmal nieder. Nach einem Hoch, daS der P-äsident des Rstchstagrs, Gras von Ballestrem, ausbrachte, verließen um 12 Uhr 40 Mm. der Kaiser und die Kaiserin und die Übrigen Fürst- lichkeire« den Devkma'splatz.
Das Denkmal stellt ähnlich wie bas Kaiser Wilhelm- Denkmal aus dem Echloßplatzr eine große archi- tekkontsche Lnla«e dar, die bew weiten Platz vor dem Reichstage auSsüllt. Inmitten deS Platzes erhebt sich das eigentliche De 'mal fast bis zur Höhe deS Dach- giebels deS Reiche tazsgebäudes. Stufen führen ans allen Seiten bis zu dem Sockel aus braunem, dunkel gesprenkeltem Marmor hinan, in den Bronzereliefs ein- gckaffia sind. Auf diesen Gockel ist noch ein hohes Postament gestellt, ebenfalls aus Marmor und ebenfalls mit Bronzereri-fs. Auf den beiden von Reliefs freien Seiten des Postamentes find die- Inschriften angebracht. Die eine,. ans der dem Lhi-rgarte» zuzek-chrten Seite, enthärt nur da? eine Wort: „Bismarck". Die andere, nach dem Reichstage zu, tautet: „Dem ersten Reichskanzler da? deutsche Volk J901“. Bier gigantische Bconze- figuren haben auf dem Sockel ihren Platz. In ihnen wollte Begas das Wirken Bismarcks allegorisch ausdrücken. Hoch oben auf dem Postament ragt die bronzene Statue Bi marcks in die Luft. Der Kanzler, in Kürasfi.runifor», steht neben einem Sockel, über den der Mantel gebreitet ist. Auf diesem liegt ein Schriftstück, eine Staatsurkunde, und auf das Schriftstück stützt fich leicht Bismarcks rechte Hand. Die Linke umfaßt den Briff deS weit von der Hüfte abgerückren Pallaschs. Der etwas in den Nacken geschorene H.lm bedeckt das Haupt, in dem Bismarcks Züge mit großer Treue wieder gegeben find.
* Dieser Tage stellte tzie ,Voff. Ztg/ die Frage, wo denn der seit längerer Zeit von Wlenabwesende NatsHasler Ifirft IkHittpp H«le«str»rg welle. Gleich am folgenden Tage brachte der ,Reicheanzeiger' die Meldung, der kaiserliche Botschafter sei auf seinen Posten zurück- gekehrt und habe die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen. Die ,Voff. Zig/ bemerkt dazu: sie wolle abwarten,'wie lange Fürst Philipp
„„Ich will von Dir lerne», einen großen Kummer zu ertragen und weiter zu leben.""
Diese wenigen Worte schienen seine Kraft erschöpft zu habe», der starke Mann suchte an der zarte» Mutter eine Stötze. Sie geleitete ihn liebevoll durch den Garten in daS trauliche Wohnzimmer und bat ihn, auf dem bequemen kleinen Ruhefopha sich »iederzulegen. Dann kniete fie an feiner Seite nieder.
„Erzähle mir jetzt noch nichts davon," flüsterte fie, denn fie sah, wie feine bleichen Lippen bebten. „Nach und nach werde jch Alles erfahren. Sage mir nur, feit wie viel Stunden Du nichts genossen, nicht geschlafen hast."
„Seit mehr als 24 Stur den, liebe Mutter."
Sie trat an den Eckschrank, schenkte ein Glas Wein ein und hielt es ihm an die L ppm.
„Nun versuche zu rubes, mein Liebling," bat fie, nachdem er fich gestärkt hatte, „spater will ich Alles hören."
Wieder kniete sie neben ihm nieder und bettete fein müdes Haupt an ihrer Brust. Und was Kummer und Verzweiflung nickt zu Stande gebracht hatten, der mütterlichen Siebe war eS gelungen. In die stille Abendluft hinaus drang das schwere, tiefe Schluchzen eines Mannes — ein Schluchzen so bitter, so herzbrechend, als ob eS das Leben des Weinenden mitrehmen müßte. Die heißen Thränen deS SohneS rannen auf die gefalteten Hände der Mutter herab, welche stille betete, bis der leidenschaftliche SchmerzenSausbruch fich erschöpft hatte.
Endlich erhob Rudolf daS Haupt und blickte fie an. „Mutter," sagte er saust, „ich schäme
jetzt in Wien auehalte, nachdem er von den letzten 12 Monaten 9 außerhalb seine» Amtssitze« zugebracht habe. Da« Blait weist bann darauf hin, daß der Botschafter neben freier Wohnung ein jährliche« Gehalt von 120000 Mark beziehe. Wenn drei Viertel seiner Thätigkeit ein einfacher Boischaftrsekretär zu leisten vermöge, dann fette man da« Botschaftergehalt streichen und die Gehälter der drei Botschaftssekretäre- um ein paar Tausend Mark erhöhen. Im Uebrlgen kann der Vorstoß der,Voff. Zig/ al« Einleitung zu ver E.örterung betrachtet werden, welche die Angelegenheit im nächsten Winter im Reichstage bei der Berathung de« auswärtigen Etat« finden wird. Ohne Zweifel empfindet man auch im Reichr- kanzlerpalai» und im auswärtigen Amte die Sache sehr peinlich; sonst würde der ,Reichsanzeiger' nicht so p ompt die Meldung von der Rückk hr de« musikalischen Botschafter» nach Wien gebracht haben. Und man wird auch annehmen dürfen, daß seine „Gesundheit" jetzt so gekräftigt ist, daß fie einen auf Monate berechneten Aufenthalt in Wien aurhalten kann.
h Aarenve suche werden alljährlich vorn Beginne des Sommers an in deutschen 3<itungen angekündigt. Dieses altbekannte Spiel wiederholt sich auch in bteftm Jahre. Zuerst wurde berichtet, der Kai'er von Rußland habe dem deutschen Kaiser fein Erscheinen bei den F'ottenmanöoern vor Dan zig zuqesagt, die — nebenbei gesagt — erst im Herbste st t fi iden werden. I tzi wird gemeldet, am 14. August bei der Tr- ppenschau auf dem Großen Sande M Mainz würden b-r Zar und der König von England die Gäste des Kaisers sein. Nur eine von beiden Meldungen kann richtig sein. Vermuthlich aber verzeichnet keine von beiden Tatsachen, die bereit! seststehrn; denn über 9leif«n deS Zaren wird gar nicht so lange Zeit vorher Bestimmung getroffen.
0 Pie i»HpahMr«ise Ottweiler- St. Wendek hat neben sehr vielen unerfreulichen auch eine erfreuliche Seite: sie ist zu betrachten als eine großartige Kundgebung für die Grundsätze des Schutzzoll«, die um so werthvoller ist, als ja auch sehr oiele Arbeiterstimmen in diesem Sinne abgegeben wurden. Der Kandidat des Centrums und Ur nun gewählte nations Liberale Abgeordnete find beide ausgesprochene Schutzzöllner — also 30,000 Stimmen für und ... 107 Stimmen gegen bett Schutzzoll in einem ganz vorwiegend industriellen Wahl.reise! Wo bleiben denn nun die Freihändler mit ihrem Jubelgeschrei über den Sieg des freisinnigen Herrn Gothein im Wahlkreise Greisswald-Griyrmen?
X Spar kam Leit ist eine sehr schöne Sache, namentlich aber bei der Verwaltung von Staat«- finarzsn. Herr v. Zeysr, der württembergifch« Finanzminister, hat am fitzten Samstag in der Kammer der Standeeherren zu Stuttgart von der Berliner Ministerkonferenz gesprochen und geäußert: sämmtliche Minister seien einig gewesen in dem Grundsätze von der Schonung der Einzelstaaten. Die Berathungen seien aber noch nicht abgeschlossen, und so könne er nur mit« theilen, baß bei der Aufstellung des Reichsetats für 1902 auf da« Drängen aller Minister in allen Reichsressorts möglichste Spar-
mich meiner selbst. Wir haben den Platz gewechselt, Du und ich."
Sie legte ihre Wange an die feinige, wir sie eS in seinen Kindertagen so oft gethan hatte.
„Ich kann Deinen Kummer errathen, Rudolf," sprach sie liebevoll. „Morgen, wenn Du Dich wohler fühlst, wollen wir darüber sprechen. Du bist krank vor U bermüdung und Mangel an Schlaf."
Er dachte on feine letzte Nacht in dem thau- feuchten Grase des Londoner Parkes und dankte Gott, daß er in diesen schweren Tagen ein Heim habe, von der Liebe einer zärtlichen Mutter verschönt."
„Laß mich jetzt sprechen," bat er, „nichts würde mir größere Erleichterung bringen können."
Sie neigte sich über ihn und legte sanft ihre Hand auf fein üppiges Lockenhaar. Draußen fangen die Vögel ihr Abendlfid, die letzten Sonnenstrahlen drangen zum Fenster herein und woben einen Glorienschein um der Mutter blondes Haupt, während Rudolf die Geschichte seiner unglücklichen Liebe erzählte.
„Du kannst Miriam nicht beurtheilen wie jede- andere junge Mädchen," sagte er. „Sie suchte mir von Anfang an ihre Fehler nicht zu verbergen, fie gestand mir, daß sie Glanz und Reich- thum über Alles schätze."
„Aber wie konntest Du mit Deinem hochstrebendem Geiste, Deinem edlen Charakter ein Dir so unähnliches Wesen lieben?"
Rudolfs Wangen glühten, als er feurig erwiderte :
„Sie ist so schön, Mutter, so wunderbar schön; ich kann sie Dir nicht beschreiben. Ihre Stimme