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M 134.
Irrtöa, Freitag, den 14. Juni 1901.
28. Jahrgmg.
O Kaiser Franz Joseph in Böhmen.
Im Lande Böhmen war Kaiser Franz Joseph vor einigen Jahren, als dort die Kaiser» manöoer abgehalten wurden. Aber der böhmischen Hauptstadt Prag hat der Kaiser damals keinen Besuch abgeftattrt. ES handelte sich ja auch um die Besichtigung einer militärischen Veranstaltung, nicht um einen Besuch deS Landes Böhmen. Diesmal ist eS anders. Diesmal gilt der Besuch deS Kaisers dem Böhmer- lande, und so mußte folgerichtig da» erste Reiseziel die Landeshauptstadt Prag sein.
Damals, als der Kaiser zu den Manöver« »ach Böhmen kam, hat er ganz eigenthümliche Erfahrungen gemacht. Man hatte allgemach die Vorstellung in ihm erweckt, daß die habr- burgtreuen Leute in Böhmen nur bei den Tschechen zu finden, so ziemlich alle Deutsche» in Böhmen aber Landesoerräther seien — das war in der Zeit, als Graf Baden! österreichischer Ministerpräsident war. Kaiser Franz Joseph kam nach Böhmen, erhielt aber ben sehr lebendigen Eindruck vom Segentheil. Der Empfang gestaltete stch in überwiegend tschechischen Ortschaften meist schablonenhaft und förmlich; überall wehten dem Kaiser die weißrothen Tschechenfarben entgegen. I» deutschen Orten «ar eS anders : Da herrschte die schwarzgelbe Habsburgerfahne vor, die Empfänge trugen den Stempel unverfälschter und überquellender Herzlichkeit an fich. Graf Badeni war am längsten Ministerpräsident gewesen.
Diesmal werden die Eindrücke, die der österreichisch« Kaiser während seiner Besuches in Böhmen empfängt, schwerlich sehr viel ander- sein. Schon die Berichte über die Reise des Monarchen nach Prag und über seinen Einzu; in die alte Hauptstadt des Böhmerlandes legen diese Bermuthung sehr nahe; denn ganz äugen» fcheinlich kommt es den Tschechen bei der Art, wie sie den Reichsherrn empfangen, viel mehr darauf an, eine einseitig nationale Kundgebung ganz übertriebener Art damit zu verbinde», als dem Kaiser zu zeigen, daß die veranstalteten Empfänge und Festlichkeiten gemacht wurden, um chn zu ehren. In Tabor, einet Hochburg des tschechischen Nationalfanatismus, ist der Gesang des „«ott erhalte Franz den Kaiser" sehr bald übertönt worden durch die tschechische Nationalhymne „Kde domoT mtri"; und der Einzug des Kaisers in Prag hat vollkommen den Charakter einer tschechische» Massenkundgebung getragen. Schon die Vorbereitungen dazu find nicht «ohne Störungen abgegangeu. Er war nicht nöthig, daß die deutschen Studenten in Prag ihre »Lese» und Redehalle" mit schwarz-roth-gelben Fahnen ausschmückten. Die Herren hätten besser und taktvoller die Habsburger Farben schwarz und gelb gewählt. Das hätte besser zu dem Charakter der Festtage gepaßt; und außerdem mußten sie sich sagen, daß die" tschechische Bevölkerung die schwarz-roth-gelben Tücher sehr leicht als eine Herausforderung ihrer nationalen Leidenschaften auffaffen und demg-mäß behandeln konnte. So ist es auch gekommen. Die Ausschmückung war noch nicht beendet, al» sie auch schon von einer tobende» Menge mit Gewalt
wieder beseitigt war; und die Behörde hat ganz richtig damit gehandelt, daß sie weitere Versuche mit den schwarz-roth-gelben Farben auS Rücksicht auf die Person deS Kaisers und auS dringend nothwendiger Rücksicht darauf untersagte, daß die öffentliche Ruhe nicht gerade bei dem Kaiserbesuche durch gegenseitige nationale Herausforderungen mit aller Gewelt in Gefahr gebracht werde. Unter anderen Umständen gebührt natürlich den Deutschen dasselbe Recht, ihre Fahnen auszuhängen wie den Tschechen, wenn sie das weiß-rothe Tuch in der Lust flattern kaffen wollen.
Der Einzug de« Kaisers in Prag selbst ist sehr stürmisch verlaufen. ES hatte von überall her ein massenhafter Tschechenzuzug in die Stadt hinein stattgefunden, so daß das deutsche Volks- dement der Bevölkerung vollkommen in den Hintergrund gedrängt wurde. Augenscheinlich hatte man eine Agitation entfaltet zu dem Zwecke, möglichst starken Zuzug von außen her zu vet- anlaffeu; und zu dem weitern Zwecke, Prag als eine vollkommen tschechische Stadt erscheinen zu lassen. Namentlich an den Stellen, wo deutsche Vereine und Körperschaften fich aufgestellt hatten, ist die angebliche tschechische Monarchenbegeisterung in förmliche Wildheit ausgeartet, um mit den Slava - Rufen die deutschen Laute zu übertönen und zu ersticke». Ein solcher Empfang, der nur an sich und an die eigenen Ansprüche, nicht aber an die Person denkt, die empfangen werden soll, kann dieser Letztem natürlich nicht zu Herzen gehen. Und dar ist besonders dann nicht möglich, wenn in den Zurufen dem Kaiser fein Charakter als Kaiser abgesprochen und er als „König vo» Böhmen" angerufen wird. Das aber ist iu Prag bei dem Kaiserempfange ganz allgemein von den Tschechen so gehalten worden — eine Geschmacklosigkeit ohne Gleichen, um nicht einen schärfern Ausdruck dafür zu gebrauchen.
Mehrere Minister, an ihrer Spitze Ministerpräsident von Körber, haben den Kaiser nach Böhmen begleitet. Dadurch wird der ganzen Reise noch kräfttger der Stempel einer Reise mit politischem Hintergründe aufgedrückt. Ab-r ob ihr Zweck gefördert werden wird, nämlich eine weitere Anbahnung der nationalen Angleichung zwischen den beiden feindlichen Volke- ementen der Tschechen und der Deutschen, ist > ich den Erfahrungen bei dem Kaisereinzuge in P ag recht zweifelhaft geworden. Kanäle zu bauen, auch die allergrößten, ist leichter, als die tschechische Begehrlichkeit zu befriedigen, ohne die Deutschen mit Füßen zu treten! «
Deutsches Deich.
Berlin, den 13. Juni.
* Recht anmuthige Geschichten werden nachträglich noch über die chreifamaN-Grtmuw berichtet. Zu den Haupthelfern der vereinigten Liberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten haben (protestantische) Lehrer und Prediger gehört. Der,Kreuzztg.' wird geschrieben, daß auf dem Siegeskommer», den die Freisinnigen veranstalteten, ein Greifswalder Prediger gegen die „priesterliche Bevormundung der Schule" gewettert habe, im Munde eine» „Dieners am Wort" allerdings eine außergewöhnlich gediegene Phrase,
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Zwei Hlinge.
Frei nach dem Englischen von A. Michola.
------ (Nachdrock verboten.)
»Aber Miriam versprach doch, die Meine zu werden. Warum sollte sie mir ihr Wort nicht Mten? Sie wird, sie darf es nicht brechen! Mein Gott, Klara, wenn ich sie verlieren müßte — e6 würde mich von Sinnen bringen!"
„Sprechen Sie doch mit ihr selbst, Rudolf," sagte Klara eindringlich. „Ich bin überzeugt. Sie werden eine aufrichtige Antwort von ihr erhalten." . "Ich finde ja nie Gelegenheit, sie allem zu
\ Entgegnete er. „Tage lang folge ich ihr, 7»ne daß sie mich nur eines Wortes, eines Lächelns würdigt. Ich r^e mir ein, daß dies Zufall sei; hX 9m,e "ach Hause und versuche malen, aber rnd* Entfällt meiner Hand, meine Augen, E $ln0er' meine Denkkraft, alles scheint ge- Vm?lRe ^nst so fruchtbare Phantasie steht
Vir., ch schäme mich meiner Schwäche, aber & ,e8' mein Glück, mein Ruhm, ja mein ^ben stehe» auf dem Spiel!"
tief erschlaffe bedeckte sein Antlitz, Klara war sie S "'"Ihnen behilflich sein, Rudolf," sagte einem ^"Morgen Abend geht Onkel Albert zu 8nb»i-»9tr? parlamentarischen Mahle, und wir wird e« um1’ Nichts Besonderes vor. Natürlich verbringen t;?tt .Suchern nicht fehlen, "denn wir ich »erbe sr etRen Abend allein. Kommen Sie, fle tragen, daß Sie Miriam wenig»
sten« für eine halbe Stunde allein haben, ich verspreche ee Ihnen."
„O wie danke ich Ihnen, Klara!" rief Rudolf gerührt. „Cie find mir eine treue Freundin, Gvtt segne Sie!"
15. Kapitel.
Den ganzen nächsten Tag über befand sich Klara Donovan in fieberhafter Erregung. Sie zitterte bei dem Gedanken, daß es ihr vielleicht nicht möglich sein werde, Rudolf Wort zu halten, aber sie war entschlossen. Vieles zu wage», um ihm die ersehnte Unterredung mit Miriam zu sichern.
Der Zufall war ihren Plänen günstiger, als sie zu hoffen wagten, Lord Norton fand sich frühzeitig ein, konnte aber nicht lange bleiben, und mit seinem Weggehen hörte Miriam» Interesse für ihre Gäste auf. Sie war nicht gewohnt, Rücksicht auf andere zu nehmen, und fo wanderte sie denn, ein Buch in der Hand, rurch das Gewächshaus in das reizende kleine Gemach, das stch am Ende desselben befand. Sie nahm auf einem der prächtigen Ruhesessel Platz und war bald in tiefe Träumereien versinken. Ihre schönen Züge zeigten einen weicheren Ausdruck, als gewöhnlich. Ihre dunkeln Augen schimmerten feucht, ein Lächdn umspielte die stolzen Lppen. Welche Gefühle mochten wohl ihr Herz bewegen, welche Gedanken ihren Sinn durchziehen, um eine solche Veränderung lerDorgubtingen? Es war Rudolf, der ihren Heist befchästigtel Sie malte fich aus, wie herrlich es wäre, wenn er Lord Nortons Titel
ganz abgesehen davon, daß sie vollständig deplazirt war, weil preußische Schulangelegenheiten den Reichstag nicht« angehen. Ein Schullehrer fühlte fich durch ben schönen Spruch de« Predigers so angeregt, daß er sich Folgende« leistete: Die Lehrer feien für den Freisinnigen eingetreten, weil sie nicht hohlwangige Kinder mit ausgehungerten Gesichtem vor sich auf den Schulbänken sehen wollten. Den Vogel aber schoß ab der liberale Wahlverein zu Stettin, der „den wackern Mannen in Greifswald-Grimma, die den Agrarwolf muthig und kühn in heißem Ringen zu bannen vermocht, frohen Glückwunsch schickte. Ganz Deutschland soll Früchte davon haben". — Sonst kommt gewöhnlich nur vor der Wahl der unfreiwillige Humor zu feinem Rechte; e» darf aber al« ein erfreulicher Fortschritt betrachtet werden, daß er, wie das Beispiel zeigt, auch nach den Wahlen fortzuwirken scheint. Das ist ein sehr beachten«- werthe«, versöhnendes, die aufgeregten Gemüther beschwichtigendes Moment.
* Mi- fleht es mit dem Aesnitengesetz ? Diese da» katholische Deutschland so sehr in» teressirende Frage beschäftigt anläßlich deS bekannten Verbots einer Jesuiten - Mission in Lüdinghausen in einem längeren Leitartikel die,Köln. BolkSztg.'. Nachdem sie in kurzen Ausführungen »hervorgehoben, wie die „Vertretung des deutschen Volke»" an der Fortdauer der Ausnahmegesetzes gegen die Jesuiten keine Schuld treffe, wie aber trotz der wiederholten Beschlüsse des Reichstags da» Gesetz bisher nicht aufgehoben worden, da die „Vertretung der Verbündeten Regierungen" fich noch nicht bewogen gefühlt, dem Beispiel des Reichstages zu folgen, fährt fie fort: „Wo ist nun die Stelle, an der man den Widerstand gegen die Beseitigung und selbst gegen die Milderung des Jesuitengesetzes zu suchen hat? Kaiser Wilhelm II. ist ein großherziger und christlicher Monarch, der sich deS Oefteren zu den Grundsätzen deS Christenthums bekannt und den Katholiken deS Reiches mehr als einmal bei feierlichen Gelegenheiten Wohlwollen bekundet bat. Man kann doch unmöglich annehmen, daß ihm an dem Fortbestände eines Gesetzes gelegen fei, welches die Katholiken sarnrnt und sonders verl'tzrn muß, weil es der krasseste Ausdruck des Mangel- an Gleichberechtigung des katholischen VolkStdeileS ist. Auch der deutsche Reichskanzler Graf v. Bülow gilt als de» Ka- tholiken nicht abgeneigt, und als veranlwort- wortlicher Staatsmann muß er doch Berständniß dafür haben, daß eS dem Reiche nich' frommen kann, immer wieder die deutschen Katholiken vor den Kopf zu stoßen. Wir wissen ja, daß eS katholikenfeindliche Fanatiker im Deutschen Reiche gibt, welche von einer Aushebung be8 Jesuitengesetzes nichts wissen wollen und davon wer weiß welches Unheil mit gesträubten Haaren weissagen. Wenn das Gesetz aufgehoben wäre, fo würden diese Stimmen bald verstummen, und zweifellos rofitbe der konfessionelle Frieden viel weniger Störung erfahren, als heute unter der Herrschaft deS Ausnahme- gesttzes, welche- wie ein Pfahl im Fleische der deutschen Katholiken wirkt, weil eS von allen als eine Ungerechtigkeit empfunden wird." — Zum Schluffe ihrer Ausführungen verlangt
un) Reichthum besäße. Wie gerne, o wie gerne würde fie ihn dann willkommen heißen! Trotz ihres Stolzes, ihres Ehrgeizes, ihres unersättlichen Verlangens nach Reichthum liebte fie ihn, wie fie keinen anderen Mann je lieben konnte, und sie wußte die-. Es verdoppelte ihre Schuld, eS machte ihre Falschheit um so größer, daß sie ihrem eigenen Herzen diese Wahrheit stets zugefianb, aber trotzdem bereit war, Lord Nortons Werbung avzunehmen und auch diesen edlen, hochgesinnten Man» tteuloS zu hintergehen.
Mit einem leisen Schrei sprang sie auf, als sie den Gegenstand ihrer Träumereien plötzlich vor fich sah. Klara hatte ihr Besprechen gehalten und Rudolf zu dem Verstecke ihrer Schwester geleitet. Und in diesem feenhaft schönen Raum, dessen künstlerische Ausschmückung eine von Albert Äugents Liebhabereien gewesen, spielte fich a« jenem Abend eine erschütternde Szene ab — ein Kampf zwischen Liebe und Ehrgeiz, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Gut und Böse — und das Böse trug den Sieg davon.
Miriam war so flberrafd», daß sie Anfangs kein Wort über die Lippen bringen konnte.
Rudolf war der erste, der sprach.
„Miriam," sagte er, „ich sehnte mich nach einem solche» Augenblick, bi- die Sehnsucht mir >aS Herz fast sprengte. Vor Fremden bist Du kalt und stolz gegen mich, ich ertrage es nicht finger. Ich kann Dir jetzt ein Heim bieten, das elbst für Deine Schönheit kein unwürdiger Rahmen fein wird; willst Du eS mU mir
die .Köln. Volksztg.', man solle reine Bahn schaffen, die deutschen Katholiken müßte» endlich wissen, woran sie feien. Ja, jedenfalls haben fie ein Recht, von der Vertretung der Verbündeten Regierungen zu verlange», daß fie in der Jesuiten frage zu ben ReichstagsbeschlÜffen mit einem wohlbegrünbeten „Ja" ober „Nein" Stellung nimmt. Möge der Bundes- rath diesem Verlangen bald entsprechen; hoffentlich aber im Sinne der ReichStagsbeschlüffe.
+ Zer Mörseuansschutz hat MUiwoch Abend feine Berathungen beendet. Angesicht« bet Zusammensetzung bei Ausschusses war von vornherein anzunehmen, baß ein Beschluß in bem Sinne derjenigen zu Stande kommen werde, die die Grundlagen de« gegenwärtigen Börsengesetze» unterwühlen wollen. So ist es geschehen. Di- Anträge der Mitglieder de» Ausschusses, die auf dem Boden dieses Gesetze« stehen, find abgelehnt worden, auch solche Anträge, die den Ansprüchen der Börsenfpeknlanten auf halbem Wege entgegen kommen wollten, wie beispiel-weise die Anträge de» freikonservativen Abg. Gamp, der auch dem Börsenausschuffe angehört. Angenommen wurde dagegen ein Antrag, der von Direktor Kämpf und Genossen gestellt war. Danach soll da« vom Reichskanzler verlangte Gutachten in bem Sinne erstattet werden, „baß in erster Linie die Aufhebung de« Terminregister« erstrebt werden muß, baß minbestens aber, abgesehen von ben in ber Vorlage enthaltenen Vorschlägen, die Bestellung von Depot» unb die Abgabe von Anerkenntnissen ohne Fristbestimmung für rechtswirksam zu erklären sind". Die Billigung dieser Anträge ber Mehrheit des Börsen- ausschuffes würbe gleichbebeutenb fein mit einer Unterwühlung ber Grundlagen de» Börsengesetze»; deswegen ist nicht anzunehmen, baß im Reichstage eine Mehrheit für diese Anträge sich finden sollte. Da» Börsenregister, so behauptet die Spekulantenpartei, kann nicht burchgeführt werben. Warum kann es bas nicht? Die Börsenleute wollen nicht, da» ist die wahre Erklärung; sie streiken bagegen unb bamit gegen ein Reichsgesetz, weil da» nicht paßt in bem Rahmen ihrer gewinnsüchtigen und beutelustigen Pläne. Warum in aller Welt sollen sich benn Reichstag und Volksgesammtheit beugen unter die Vorschriften, bie die Gewinnsucht ber Börsenleute ihnen machen wollen? Gerecht und moralisch ist nur und einzig und allein da« Gegen» theil davon. Mögen die Spekulanten sehen, wie sie fich am besten mit den Gesetzesbestimmungen abfinden; da« ist ihre Sache ganz allein. Aber bie Bestimmungen bes Börsengesetzes zurückführen zu wollen auf einen „Haß" ober auf eine „Abneigung gegen ba» mobile Kapital", ist ganz einfach Unsinn unb eine flache Redensart, die fich durch nichts al« berechtigt erweisen läßt.
+ A«r K«lsteHm»g-g-ichicht- des Soff» terifs wird aus amtlicher Quelle geschrieben: „Aus ber Mittheilung eines Blatte«, wonach ber Zolltarifentwurf einer gänzlichen Umarbeitung unterzogen werben soll, könnte irrthümlicher Weise gefolgert werden, baß bie Fertigstellung der zollpolitischen Gesetzesvorlagen fich noch sehr in die Länge ziehen würde. Dem gegenüber kann aufs Bestimmteste verfichert werden, daß die RrichStegierung entschlossen ist, die gedachten Gesetzentwürfe dem Reichstage bei feinem
theilen, willst Du jetzt Dein Wort einlösen, mein Liebling?"
Sie trat einige Schritte von ihm zurück.
„Rudolf," sagte sie sanft, „ich beging einen große» Jrrthum an jenem Tage, da ich Dir mein Jawort gab. Kein Mädchen in bet ganzen Welt wäre weniger geeignet als ich. Deine Frau zu werden. Nein, nein, unterbrich mich nicht. Du mußt mich anhören. Beden'e, baß ich Alles, was ich sagen werbe, wohl überlegt habe, unb baß nichts, keine Bitten, keine Heber» rebung, mich von meinem Entschlüsse abbringen können."
Rudolf blickte sie wie mit banger Frage an unb fie fuhr fort:
„Als ich Dich kennen lernte, war ich baS unglücklichste, unzufriebenste Geschöpf in ber ganzen wetten Welt. In meinem Herzen lebten eitle Wünsche unb Hoffnungen, an beten Erfüllung ich nicht zu denken wagte — ich wat meines Lebens müde. Da kamst Du, Rudolf, und erzähltest mir von ber Welt meiner Träume. Deine Liebe schmeichelte meiner Ettelkett, Du versprachst mit Reichthum unb L»xaS, unb in meiner Unerfahrenheit, von bem Verlangen getrieben, meinem einsamen Dasein zu entrinnen, nahm ich Deine Werbung an."
„Und weil Du mich liebtest," unterbrach et fie, „o sprich es auS, Miriam!"
Mit eiserner Hand drängte sie die in ihrem Herzen aufwallenden Gefühle zurück
„Ich besitze keine große Fähigkeit zu lieben, Rudolf — Ehrgeiz ist die Leidenschaft, die mich beherrscht. Aber hätte fich meine Lage nicht so