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9nt xx» Verlag tn Axltae» XditalrnNHl peUragag« llr. t (*onunit).

JE 133.

JuLöa, Donnerstag, den 13. Juni 1901.

28. Jahrgang.

[] Der Getreideverkauf des Kleingrundbesitzers.

Die fade Bchauptung, daß der bäuerliche Grundbesitz i* Deutschland kein Interesse habe an guten Getreidepreisen, weil er kaum zum Ber- laufe von Getreide gelange, sonder» alles er­zeugte Getreide entweder selbst verbrauche, oder aber gar noch Getreide hinzukaufe, ist schon ost in zugkräftigster Weise widerlegt worde». Für den sachverständigen und redliche» Beurtheiler ist diese unrichtige Behauptung abgethan. Nichts­destoweniger gehen die Leute, die der Landwirth- schäft den nothwendiaen Zollschutz mißgönnen, weil er ihren eignen SpekulattonSintereffm nich förderlich ist, immer und immer wieder mit jener Fabel krebsen. Deswegen, und außerdem auch im allgemeinen Interesse, ist eine Abhandlung von Werth, die Dr. Da de, der Generalsekretär des deutschen Landwirthschaftsrathes, übet die Bedeutung deS Getreideverkaufes für den bäuer­lichen Grundbesitz veröffentlicht hat.

Aus den angestellten Berechnungen ergibt eS sich aufs Neue, daß unter gewöhnlichen Ver- hältniffen der Roggenverkauf schon bei Grund­stücken beginnt, die nur drei Hektar Betriebsfläche haben, der Weizenverkauf bet noch kleineren Be­sitzungen bis herunter zu zwei Hektare». Daher ist angenommen, daß für die AuSsaat 180 Kilo- gramm für daS Hektar, für den Haushalt zwölf Doppelzentner gebraucht «erden, und daß 3 v. H. der Ernte Hinterkorn bilden, ferner daß die Hälfte der Anbaufläche mit Brod- getreide bestellt wird, und daß der Roggenertrag durchschnütlich 14 Doppelzentner, der Weizener­trag durchschnittlich 18 Doppelzentner für daS Hektar beträgt. Daß diese angenommene Be­rechnungsgrundlage auf sehr gesundem Durch« schnitte beruht, muß jeder einigermaße» sachver­ständige Beurtheiler ohne Weiteres zugeben. ES ist gar nicht daran zu denken, daß diese angenommene Grundlage Verhältnissen entspreche, die ganz be­sonders den Anbau von Brodg-treide begünstigen oder bevorzugen.

Tritt dieser letztere Fall ein, daß also der Getreidebau unter ausgesprochen günstigen Brrhältniffen stattfiadet, so gestalten sich dte Verhältnisse noch ganz anders. Mmmt man nämlich an, daß der Ertrag auf 20 Doppel- Mtner für Rogaen und 28 Doppelzentner für das Hektar bei Weizen steigt, so muß der Ver­kauf von Roggen schon bei Betrieben von drei, und der Verkauf von Weizen bereits bei Be­triebe» von zwei Hektaren beginnen. Sogar dann, wenn nur ein Viertel der Anbaufläche mtt Brodgetreide bestellt, müffen bei einem sehr mäßigen Ertrage, nämlich von 14 Doppelzentnern bei Roggen und 18 Doppelzentern bei Weizen für das Hektar, die Verkäufe von Roggen schon bet Grundstücken von fünf und von Weizen bei Grundstücken von drei Hettaren beginnen.

Der Zweifler könnte nun noch etnwenden: Ja, das mag richttg sein; aber die Getreide- mengen, die unter den angegebenen Verhältnissen zum Verkaufe gelangen, sind so unbedeutend, daß sie in dem Ganze» des bäuerlichen Be­triebes keine beachtenswerthe Rolle spiele». Aber die Berechnungen des genannten VerfafferS widerlegen auch diese Bedenken.

Nimmt man beispielsweise an, man habe einen bäuerlichen Bettieb vor sich mit zehn Hektaren Grundfläche, bei dem nur ein Drittel mit Brodgetreide bestellt und der durchschnitt, liche Ernte-Ertrag kein besonders hoher ist, also wieder 14 Doppelzentner Roggen im Durchschnttte auf daS Hektar, so gelangt mau auf der Grundlage der angestellten Berechnungen zu dem Ergebniß, daß nicht weniger als drei Fünftel der Ernte zum Verkauf übrig bleiben. Das Verhältniß bleibt so ziemlich dasselbe bei allen Betrieben, von den kleinsten angefangen bis zu ungefähr fünfzig Hektaren. Bei den kleinsten Betrieben geht nur der Brodoerbrauch der Befitzerfamilie selbst als unverkäuflich von dem Gesammtertrage der Ernte ab. Wird der Besitz größer, dann müffen fremde Arbeitskräfte oder Gesinde gehalten werden, so daß alsdann der eigene Getreideverbrauch für Brod ent­sprechend größer wird.

Daß vollkommen lächerlich die andere Be­hauptung der Freihändler ist, daß Brod- getreide in Deutschland hauptsächlich nur von den großen Betrieben erzeugt würde, versteht sich von selbst. Jeder Dorfbube in Süddeutsch­land kann die Gelehrten, die solche After­weisheit verzapfen, beschämen. Wer sollte denn wohl auch, in ganz Süddeutschland, wo es nur sehr wenige große Betriebe gibt, Getreide ver­kaufen, wenn nicht der bäuerliche Besitz? Alle Erhebungen, die über diese Berhältniffe an­gestellt worden find, geben den Freihändlern unrecht; und solche Erhebungen find ganz gleichmäßig genau angestellt worden in Bayern, Württemberg, Baden, Elsaß-Lothringen und Preußen, so daß auch der dritte Einwand voll­kommen hinfällig wird, daß nämlich die vor­genannten Erhebungen nicht umfaffend genug seien.

Wer noch immer die gerechte Forderung be­kämpft, der Landwirthschaft denjenigen Zoll­schutz zu gewähre», den fie zu ihrem Bestehen unumgänglich nochwendig braucht, handelt wider befferrs Wissen und kann fich deswegen den Vorwurf nicht ersparen, daß er auch g'gen sein Gewissen handele.

• Wohnungsaujsicht in Württem­berg und anderwärts.

Das Königreich Württemberg ist bereits in manchen Stücken auf sozialpolitischem und au wirthschaftlichem Gebiete den anderen Bundes­staaten mit gutem Beispiele vorangegangen. Dasselbe Lob gebührt ihm sür die ganz neuer­dings eingeführte ortspolizeiliche Woh. nungsaufsicht, die einer genaueren Betrach­tung vollkommen werth ist.

Nach der ergangenen Verfügung unterliegen alle Gemeinden mit mehr als 3000 Einwohnern dieser besonderen ortSpolizet- lichen Wohnungsaussicht; und diese Letztere wiederum erstreckt sich auf alle Wohnungen mit drei oder weniger Wohnräumen, auf alle Wohnungen, in denen Schlafgänger gegen Ent­gelt ausgenommen werde», auf alle Räume, die zur gewerbsmäßigen Beherbergung von Fremden dienen, und viertens auf alle Schlafgelasse der im Hause des Arbeitgebers oder der Dienst.

Herrschaft wohnenden Arbeiter, Lehrlinge und Dienstboten. Alle die Wohnräume, dte unter die aufgeführten Rubriken fallen, müssen in regelmäßigen Wiederholungen von der Orts­polizeibehörde besichtigt werden, mindestens alle zwei Jahre einmal; und der Besichtigung?- beamte hat sein Augenmerk darauf zu richten, daß die Menschen in besagten Wohnräumen wobl aufgehoben seien in gesundheitticher und in sittlicher Beziehung.

Als Besichtigungsbeamten sollen eigene Wohnungsinspektoren angestellt werden. Wo das nicht der Fall sein wird, können Mitglieder der Ortsfeuerschau oder auch Schutzleute mit der Wohnung«befichtigu»g betraut werden. Diese Letzteren sollen aber, bevor man ihnen dieser wichtige Amt anvertraut, genau über ihre Aufgaben unter­richtet werden. Daß alle Wohnräume dem Be- sichtigungrbeamten gezeigt werden müffen, versteht sich von selbst. Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohnern bleibt es freigestellt, ob sie eine Wohnungsaufsicht nach der ergangenen Verfügung einrichten wollen oder nicht. Die württembergifche Regierung ist dabei von dem fehr richtigen Grund­sätze aurgegangen, daß das Wohnungselend haupt­sächlich in den Städten, weniger und gar nicht in ländlichen Verhältniffen aufzufinden ist. Nur für ländliche Jndustriebezirke könnte man eine ähnliche Aufsicht rote in den Städten wünschen.

Es steht zu erwarten, daß die anderen süd­deutschen und mehrere mitteldeutsche Re­gierungen dem württembergischen Beispiele bald folgen werden. Am meisten zurück bleibt wieder einmal der preußische Staat mit dem un­glückseligen Grundsätze, solche Sachen dem Belieben der kommunalen Selbstverwaltungen zu überlassen. Diese find zusammengesetzt aus solchen Leuten, in deren Interesse derartige soziale Maßnahmen zum Wohle der ärmeren Bevölkerungsschichten nicht liegen; und wenn man das Handeln diesen städtischen Körperschaften überläßt, dann bleibt das Handeln eben gewöhnlich ganz aus. Nur ganz wenige Städte in den westlichen preußischen Pro­vinzen haben schon so etwa» wie eine Wohnungs- aussicht eingeführt.

Wie gering in den Städten die Lust ist, au diesem Gebiete zu den außerordentlich noth wendigen Reformen zu schreiten, hat soeben erst wieder der harnoversche Städtetag in Celle bewiesen. Obwohl Oderbürgermäster Für bringet-Emden als Berichtetstatter ganz verständige Entschließungen votgeschlagen hatte in dem Sinne einer wirklichen Reform, wurden diese Leitsätze nicht angenommen. Der Städte­tag suchte sich vielmehr mit einer ganz kurzen und vollkommen verschwommenen Resolution „aus der Affäre zu ziehen". Sie lautet:

„Die Gemeinden können sich in Fällen wirklich „vorhandener WohnungSnoth der Aufgabe „nicht entziehen, zweckmäßige, auf Abhilfe „dieses NothstandeS gerichtete Bestrebungen „nach Maßgabe ihrer Finanzkräfte zu unter» »stützen."

Damit ist gar nichts gesagt, wohl aber von Neuem sehr deuttich bewiesen, daß eS für die preußische TtaatSregierung ebenfalls die allerhöchste Zeit geworden ist, selbst in die Regelung der Wohnungsfrage einzugreifen und thatkräftig dem städtischen WohnungSelend zu Leibe zu gehe».

Iwei Mnge.

Frei »ach dem Englischen von A. Michola.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

Eine leichte Berührung seines Arme« weckte wn auS seinem Sinnen und eine süße klare Stimme fragte:

„Erkennen Sie mich nicht, Rudolf? Ich ftene mich so, daß Sie glücklich zurückgekehrt sind."

Er wandte fich rasch um und erblickte «lara in ihren weißen, duftigen Gewände.», das goldblonde Haar von gelben Wafferltlien gekrout. Ihre blauen Augen strahlten ihm ®tn herzliches Willkommen entgegen, und er tonnte sich nicht mehr erthalten, einen Ver-

*M ^ehen zwischen dieser warmen Be- Müßung und der stolzen Kälte, mit der seine Braut chn empfangen.

"Miriam sagte mir, daß Sie hier seien,"

Kiara fort und blickte ihn wie fragend slni ®ie sehnte fich, zu erfahren, ob ihre SSSm 0ßtt0 0f0en ihn gewesen. Aber die St ^schlossen, nicht um die

aueiefn?1* Rudolf eine Klage gegen Miriam aurgeßproche» Doch Klara las tot Schmerz, netiE? x s^nen Zügen ausprägte, und dieser Weise Ä 0f ~U0‘ (m3n ihrer lieben, sanften Beuchte fie Miriams Vernachlässigung

& m“$en- ,®ie zeigte Interesse . nn*ei??t 9e Beschäftigung in Elverstone, - ' nach seinen künstlerischen Zukunftsplänen

und wunderte sich über die müden, geduldigen Antworten, die fie erhielt und die so wenig dem sonst so lebhaften, energischen Rudolf glichen.

14. Kapitel.

Frau Donovan saß in dem tüikischen Zelt an der Seite ihre« Bruders, und dieser erzählte ihr strahlend von Miriam'« Triumphen und wie Jedermann der Ansicht sei, daß fie an Lard Norton eine ernstliche Eroberung gemacht habe. Er konnte nicht begreifen, warum seine Schwester so bleich und bekümmert bei feinen Worten aussah. Frau Donovan dachte an Rudolf, an den Preis, der für Miriam'« glänzende Erfolge gezahlt wer­den mußte: da« treue, edle Herz eines Mannes und dessen Leben vielleicht dazu.

E« schien wie eine Antwort auf ihre Gedanken, al« ste^ plötzlich Rudolf an Klara'« Seite vor sich flehen sah. Während sie ibn aufs herzlichste be­grüßte, betrachtete Albert Nugent voll Bewunde­rung diese männlich kräftige Gestalt mit der vor­nehmen Haltung, diesen edlen Kopf mit den stolzen, melancholischen Zügen, den tiefen, träumerischen Augen, und eine dunkle, unbestimmte Erinnerung tauchte in ihm auf, als ob er diese« geistreiche Gesicht schon früher einmal gesehen hätte. Auch >ie klare, volle Stimme mit der leicht fremd- ändifchen Betonung klang ihm vertraut — es erging ihm rohe Helene, al« sie Rudolf Blanche zum ersten mal gesehen hatte.

In der nächsten Minute stellte seine Schwester hm den Fremden vor, al» einen Herrn, mit dem ie in Leadale befreundet geworden wäre.

„Ja Leadale?" fragte Albert etwas über­

rascht. „Ich glaubte, Ihr hättet gar keine» Verkehr dort gehabt. Ich freue mich sehr, Herr Blanche, in Ihnen eine» alten Freund meiner Schwester kennen zu lerne»."

Rudolf lächelte, und diese« Lächeln ging dem alten Herrn wie ein Stich durch'« Herz. An wen erinnerte es ihn nur? Er konnte sich über seine silrsamen Empfindungen gar nicht klar werden. Freundlich plauderte er mit Rudolf und sprach die Hoffnung aus, ihn häufig in Beixionhaus zu srh:». Später hörte er zu seinem großen Er- staunen von Lord Norton, daß dieser interessante junge Mann ein genialer Künstler fei, der ein herrliches Bild von feiner Richte Miriam gemalt habe. „Vielleicht haben Sie es noch nie ge­sehen?" fuhr Lord Norton fort. „DaS Bild ist in meinem Besitz, ich kaufte es an, ohne zu ahnen, wessen Bildniß eS fei. Ich willeS Ihnen zeigen."

Albert Nugent blickte staunens auf Rudolfs Meisterwerk; aber es kam ihm nicht in den Sinn, Haß die Liebe allein dieses schöne Antlitz so ge- treulich wüdergeben konnte. Es befremdete ihn nur, daß feine Schwester nie zu ihm von diesem Bilde gesprochen habe.

Als Rudolf am nächsten Morgen seinen Be­uch in Beixtonhaus machte, wurde er zuerst von Herrn Nugent allein empfangen, und die beiden Herrn fühlten fich bei dieser ersten Unterredung ebhast zu einander hing-zogrn, ahnungslos, was »araus erfolgen würde. Nugent erzählte von einem L den in Indien, er schilderte in glühen- >en Farben die Pracht der Tropen, und Rudolf« Künstlernatur fühlte fich ganz davon gefesselt.

Daß auch das Reich dazu befugt ist, weil die Wohnungsfrage in das Gesundheitsgebiet hinüber- spielt, versteht fich vo» selbst. Die süddeutschen Regierungen sollten im BundeSrathe ihren wohl- thättgen Einfluß in diesem Sinne zur Geltung bringen.

D«xisch«« Keich.

Berlin, den 12. Juni.

* Die .Germania hat dieser Tage darauf aufmerksam gemacht, daß zu der zurückbleibe»- den ostaftalisch«» Mrigade kein Geist­licher kommandirt ist, während vier evange­lische und drei katholische Militärpfarrer bisher das Expeditionskorps begleitet hatten. Dazu bemerkt die .Kreuzzeitung': „Wenn eS auch bisher Gepflogenheit war, daß nur den Divi­sionen Geistliche zugetheilt werden, so liegt es hier doch gewiß im vitalsten Interesse der Truppen, wenn die hier stationirten, abseits von jeder christlichen Kirchengemeinschaft liegenden Offiziere und Mannschaften einer geistlichen Pflege sich erfreuen könnten." Jedenfalls wäre das höchst wünschenSwerth, daß von jeder Konfession ein Geistlicher bei der Brigade in Ostasten bliebe.

• Staatliche Kohleuvergwerke? In den Bezirken Münster und Osnabrück läßt die preußische Regierung, wie schon kurz ge­meldet, durch private Bohrgesellschaften nach Kohle bohren. Der Erfolg ist natürlich voll­kommen zweifelhaft. Vo» dem Erwerbe staat­licher Kohlengrube» im Ruhr-Revier, vorbereitet durch den früheren Handelsminister Brefeld, ist es vollkommen still geworden. Der neue preu­ßische Handelsminister will anscheinend seine ehe­malige» Freunde vom Kohlensyndikat nicht in ihren gewiunreichen Machenschaften stören.

* Der sechste Kharitastag wird vom 15.—17. Juli in Aachen abgehalten. Nach dem Programm, daS in der nächsten Nummer der Zeitschrift .Charitas' veröffentlicht wird, verspricht diese Versammlung vo» Chari- tasfreunden glänzend zu werden. Aus allen Theilr» Deutschlands und unzweifel­haft auch aus Nachbarländern werden gewiß viele angesehene Gäste dorthin kommen, um ihre Th-ilnahme für bedeutungsvolle charitatioe Be­strebungen dieser Art zu bekunden und neue Anregungen von hier in chre Heimath mitzu­nehmen. Auch der Oberpräsident der Rhein- Provinz, Exzellenz Nasse, hat sich bereit ertlärt, dem Charitastag brtzuwohnen. Wichtige Frage» und Einrichtungen praktischer Nächstenliebe und sozialer Thätigkeit werden erörtert werden. Wie auf frühere» Chaiitastagen, ist eine be­sondere Nachmittagssttzung der „Frauenfraze" gewidmet, in der auch mehrere Damen Vor­träge halten sollen. Für den 16. und 17. Juli find sowohl berathende Vormittagssitzungen wie große Abendversammlungen i» Aussicht genommen. Der Charitastag soll seinen Ab­schluß in einem vom Männergesangverein „Kon­kordia" dargebotenen Festkonzert am Elisen^ brunnen finden.

+ Die deutsche Ilechtschreivnug soll, wie bekannt und mehrfach berichtet, zum Gegenstände von gemeinsamen Berathungen zwischen Ber-

„Eine Eigenthümlichkeit besitzt Indien," be­merkte Albert Nugent in rnelanchelischem Ton. „Ich glaube, eS liegt etwas in der Atmosphäre, das dte Herzen der Menschen verhärtet und ihnen übermäßige Liebe zum Selde einflößt."

„Empfanden Sie selbst diese Wirkung?" fragte Rudolf, gespannt in das ernste Antlitz seines Gegenübers blickend.

„Leider jo," war die schwermüthige Ent­gegnung. „Als ich in Ihrem Alter — vielleicht ein ober zwei Jahre jünger — war, legte ich keinen Werth auf G:ld, auf Rang und hohe Stellung. Ich war voll Hoffnung und Siebe, ich plante ein edleres, höheres Leben — von dem ich jetzt keinen Schimmer mehr sehe."

Urberrascht blickte Rudolf zu ihm auf. Wie kam eS, daß dieser ernste, verschlossene Mann fich so vertraulich zu ihm äußerte? Ihm selbst schien ilötzlich derselbe Gedanke zu kommen, denn er schaute wie fragend auf feinen jungen Besucher.

„Warum spreche ich in dieser Weise zu Ihnen?" agte er; „ich habe doch die modernste aller Wissenschaften gelernt: meine besten Gedanken zu verbergen und zu leben, wie Andere."

„Mit andern Worten, Sie thu» Ihr Mög- iches, um eine edle Naturanlage zu unterdrücke», aber zeitweise durchbricht diese alle Schranken und zeigt fich, wie fie ist."

Staunend blickte Albert Nugent auf den ungen Künstler — eine so offene Sprache hatte der viel umschmeichelte Krösus lange nicht gehört.

„Sie find sehr freimütig, Herr Blanche."

„Sie waren es ebenfalls, Hn Nugent. Bitte, verzeihen Sie, wenn ich unbef Reiben urteilte.