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mit Ilnterhaltuugs -Beilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung

28. Jahrgang.

Iuköa, Mittwoch, den 12. Juni 1901

dHt«nt»OTtU»: #fl* Me Xetaltlee J»L »<!■, iS» 3«UiaU 3. p«»zell<» in Suita.

Bnt *nö Verlag bei Fuldaer peterrgaüe ar. * (Barmuit).

ich jenes Gemälde auf der Ausstellung sah, be­schloß ich sogleich, daß es mein werden müsse. Auch der Künstler, der es malte, interessirt mich; ich halte ihn für einen außerordentlich begabten Menschen. Als ich ihn wegen des Originals be­fragte, nannte er keinen Namen, bemerkte aber. Sie seien ihm nahe befreundet."

„Sagte er so?" versetzte Miriam hochmüthig. „Derartige Leute sind stets so anmaßend. Wir wohnten in Leadale, das wegen seiner prachtvollen Waldungen berühmt ist, und er kam dahin, um zu skizziren, glaube ich. Mama war gütig gegen ihn und gestattete ihm, auch unser Hau» zu skizziren. Dann bat er um die Erlaubniß, mich zu malen."

„Und das ist Alles?" ftagte Lord Norton weiter. ' „Natürlich ist er auch Ihren Angehörigen bekannt?"

„Sie werden fich ohne Zweifel seiner erinnern, wir sahen so wenig Fremde in Leadale."

„Unser Künstler ist heute Abend hier," fuhr Lord Norton fort. „Er war «ährend des letzten Jahres in Elverstone mit meinen Gemälden be­schäftigt. Es würde ihn sicher sehr freuen, Sie zu sehen."

Miriam war eine vollendete Schauspielerin. Kein Zug ihres schönen Antlitzes verrieth die peinliche Ueberraschung, die seine Worte ihr be­reiteten.

„Ist er hier ?" fragte sie leichthin. „Brellercht wird er mich gern einmal sehen. Sie können ihn zu mir senden, weun fie wollen."

Sie wandte fich ab, um eine marmorene Flora in ihrer Nähe zu befichtigen, und Lord Norton stand eine Sekunde ganz bestürzt. Er

fanden die beiden Herren großen Gefallen an­einander, und Albert Nugent nahm gern für sich und seine Familie die Einladung zu einem Kostümfest an, das der junge Lord unter der Leitung der Herzogin von Roscommon demnächst in seinem Palais zu veranstalten gedachte. Er selbst wählte Miriam's Kostüm — Kleopatra, die egyptffche Königin — und ließ einige der kostbarsten Diamanten, die er aus Indien mit­gebracht, zu einem herrlichen Diadem verarbeiten, da- ihre königliche Stirn zu zieren bestimmt war; Klara mit ihrer sanften, blonden Schönheit sollte als Undine erscheinen.

Der ersehnte Abend brach an. Leidenschaft­liche Bewunderung sprach aus Lord Norton'« Blicken, als er die Königin seines Festes eintreten sah. Nachdem seine Gäste alle versammelt waren, bot er Miriam den Arm und geleitete sie durch mehrere Säle bis in da« Bibllothekzlmmer.

„Fräulein Donovan," sagte er bedeutungsvoll, „ich weiß jetzt, warum Ihr Antlitz mir gleich so vertraut erschien." Mit diesen Worten führte er fie vor Rudolf Blanche'« Meisterwerk, und Kleo­patra, mit Diamanten gekrönt, blickte auf das junge Mädchen mit dem Lilienstrauß in der Hand. „Ich hab» Recht," rief Lord Norton eiftig. „Fräu­lein Donovan, Sie find da« Original dieser „Un­gekrönten Königin."

Miriam war auf einen solchen Augenblick vor­bereitet, sie wußte, daß er früher oder später diese @Htbe<tung machen mußte. Ihre stolzen Lippen kräuselten fich ein wenig verächtlich, als fie gleich- gittig ftagte: „Haben Sie die« wirklich erst jetzt entdeckt, Ärd Norton?"

„Erst heute, Fräulein Donovan! Aber al«

[] Zur Handhabung des militärischen Strafprozesses.

Der Ulanenrittmeister von Krosigk war hinterrücks in der Reitbahn erschossen worden. DaS Geschoß entstammte aus dm Schießvor- räthen des Regimentes. Als Waffe war ein Dienstkarabiner benützt worden — mitten während des ReitunterrichteS, den der Rittmeister er- theilte! — ein recht unliebsamer Fall! Dieser Fall gestaltete fich um so unliebsamer, als man vergebens nach dem Mörder fahndete. Man verhaftete verschiedene Soldaten und Unteroffi­ziere; aber nach kurzer Untersuchung mußte man fie als unschuldig wieder aus der Untersuchungs­haft entlassen, und den Mörder fand man nicht.

Schließlich kam man auf den Sergeanten Hickel. Mancherlei sprach gegen den Mann, so daß er in der Untersuchungshaft behalten und die Verhandlung gegen ihn eröffnet wurde. Aber auch der Sergeant Hickel ist vom Kriegsgericht in Gumbinnen fteigesprochen worden, weil das Kriegsgericht ihm nichts nachweisen konnte. Das alles mag der Militärbehörde sehr unangenehm und peinlich sein. Die Umstände sprechen da­für, daß mehrere Soldaten an dem Morde be- ; Heiligt waren, denn man muß wohl etwa- wie eine planmäßige Verschwörung annehmen in einem solchen Falle, wo ein Rittmeister mitten im Reitunterricht in der Reitbahn seine- eigenen Regiments hinterrücks mit einem Dienstgewehr erschaffen wird, ohne daß man des Thäters Hab- Hast werden kann. Dieser Verdacht liegt um so näher, als der Rittmeister ein Offizier war, wie er nicht sein sollte. Er war ein Mann, der im hohen Grade dem Jähzorn unterlag. Im Jäh­zorn hat er sich einmal so vergessen, daß sein Bursche unter den Streichen erlag, die er diesem Letzteren verabfolgt«. Er war deswegen zu einer längeren Festungshaft verurtheilt, der größte Thäl der Sttafe war ihm aber in Folge hoher Fürsprache erlassen worden. Auch die wohl ver­diente Verabschiedung soll ihm nur in Folge einer solchen hohen Fürsprache erspart geblieben feto. Auch sonst war der Ermordete mehrfach wegen Mißhandlung von Soldaten gerügt und beskaft worden; kurz und gut, Rittmeister von Krosigk war ein bei seinen Soldaten durchaus verhaßter Offizier, der längst nicht mehr Offizier feto sollte.

Augenscheinlich fürchtete man, daß bei der Verhandlung vor dem Kriegsgerichte allerhand ans Tageslicht kommen würde, das man nicht zur allgemeinen Kenntniß gelangen lassen wollte. Deswegen ist es sichtlich geschehen, daß während eine- großen TheileS der Verhandlungen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde, so bei dem Plaid oyer des Anklägers und bei der Rede deS BertheidigerS, außerdem aber mehrfach dann, wenn int Verlaufe der Auseinandersetzungen eine Kennzeichnung des ermordeten Offiziers zu er­warten war. Das läßt sich nicht rechtfertigen. Die Militär-Skasprozeß-Ordnung enthält keine Bestimmungen, durch die ttn solches Verfahren fich rechtfertigen ließe; und sogar ältere Offiziere äußern sich in verschiedenen konservativen Blät­tern mißbilligend Über dieses Verfahren. „Haben

war nicht sein Wille gewesen, diese angenehme Unterhaltung so kurz abzubrechen; aber chr Wille war ihm Gesetz. Er entfernte fich, um Rudolf aufzusuchen.

„Wollen Sie in das Bibliothekzimmer gehen, Herr Blanche?" sagte er freundlich. „Es ist eine Dame dort, di- fie zu sehen wünscht."

Rudolfs Herz pochte säst hörbar; dies war der Moment auf den er den ganzen Abend gewartet hatte. Bei seinem Eintreten stand Miriam gerade totem Bilde gegenüber, und ein rascher vergleichender Blick auf Beide zeigte ihm, wie groß die Veränderung war, die in wenigen Monaten mit ihr vorgegangen. Er eilte auf fie zu.

„Miriam, mein Li-Kling," sagte er, ihr die Hand reichend, „mir schien, als ob dieser Augen­blick niemals kommen würde."

Sie blickte ruhig in seine erregten Züge, ihre juwelengeschmückte Hand ruhte eine halbe Sekunde in der fttoigen.

„Ich freue mich, Dich zu sehen," sagte fie kühl, „Mama und Klara find ebenfalls hier.

Rudolf schaute fie an — nicht der Schimmer eine« Willkomms lag in den stolzen, dunkeln Augen. Er strich mit der Hand Über die Stirne und ftagte fich, ob er träume oder von Sinnen fei.

„Ich kann eben an Niemand anders denken, als an Dich," rief er. „O Miriam, Miriam, meine geliebte Braut hast Du kein warmes Wort für mich?"

Der unendliche Schmerz, der aus 1 einer Stimme sprach, machte Miriam erbleichen; aber sie stählte fich innerlich für ihre Aufgabe.

Derrlsches Keich.

Berlin, den 11. Juni.

tt Aevifion de» Nörsengesetze» in dem Sinne der Erfüllung der Wünsche der Börsen- pekulanten wird jetzt auch in einem halbamtlichen Drgane in einer so lebhaften Tonart empfohlen, wie matt das bisher nicht gewohnt war. „Un­möglich," so ereifern fich beispielsweise die ,Berl. Polit. Nacht.', „könne man einen Zustand fort» dauern lassen, der schließlich dahin führen müsse, ein so wichtiges Gebiet unseres heimischen Er­werbslebens und unserer Nationalwirthschaft, wie daS Bank-und Geldwesen es ist, zu vernichten . . ." :D, o! Weil derjenige, der Glücksspiel an der Börse treiben will, in das Börsenregister einge­tragen fein soll, soll „daS Bank und Geldwesen vernichtet werden"? Eine schwächere Behauptung st wohl niemals aufgestellt worden. Aber wir cheinen es ja mit der Gefälligkeit gegelt die Zinanzen wieder einmal herrlich weit gebracht zu -aben. Verdanken wir das dem „neuen Herrn" m preußischen Handels- oder Finanzministerium? Um gelegentliche Antwort wird gebeten.

4- Der Doppeltarif. „Und wenn Bayern sich wirklich (in der Zollkonferenz) gegen den Doppeltarif ausgesprochen haben sollte, so dürfte das den Anschauungen des Herrn Reichs­kanzlers nur entsprochen haben und ihm lieb gewesen sein" — so liest man an einer Stellet von der man annehmen kann, daß sie unter amtlichem Einflüsse steht. Reichskanzler Graf Bülow hat wiederholt erklärt, daß er von Wohlwollen Ar die Landwirthfchast erfüllt fei und ihr durch den neuen Zolltarif allen angemessenen Schutz an­gedeihen lassen wolle. Wie soll die« geschehen ohne die Einführung eines Doppeltarifs für die land- wirthfchastlichen Erzeugniffe? Darauf, wie der Herr Reichskanzler dieses Räthsel zu lösen und fein gegebenes Versprechen gleichzeitig etnzulösen beabsichtigt, darf man außerordentlich gespannt sein. Zum Glück hat der Reichstag ein kräftige« Wort 'mitzureden bei der Gestaltung de« neuen Zolltarife« und der zukünftigen Handelsverträge!

4- Die Aage der Aandwirthfchaft soll der Gegenstand beschleunigter Erhebungen im ganzen Reichsgebiete sein. In Ausführung eines BundesrathsbefchluffeS vorn 19. Januar 1899 (!) soll zur Beschaffung einer zuverläsfigen Stund- läge für die Berechnung der Ernte-Erträge in diesem Monat für das ganze Reich die Ermitte­lung der Anbauflächen der hauptsächlichen Frucht­arten erfolgen. Außerdem sollen die Schäden festgestellt werden, die während dieses JahreS durch Hagelwetter und Hochwasser angerichtet werden. Man will durch unmittelbare Umfrage bei den einzelnen Grundbesitzern möglichst zuvrr- lässige Angaben über die einzelnen Punkte er­langen. Wenn man doch endlich einmal in dec Behandlung der Agrarfrage aus dem Zustande der „Erhebungen" in den andern Zustand der Thaten gelangen wollte; an Erhebungen ist schon außerordentlich viel geleistet worden, an Thaten nichts. Außerdem macht eS einen mehr als wunderlichen Eindruck, wenn man liest, daß jetzt, nach 2^2 Jahren, wirklich ein Beschluß ausgeführt werden soll, den der Bundesrach im Januar 1899 gefaßt hat. Aus der Verzögerung

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Iwei Mnge.

Frei nach dem Englischen von A. Michola.

17 ------ (Nachdruck verboten.)

Während fie klar und deutlich diesen Namen «luSsprach, warf sie einen warnenden Blick au ihre Mutier und Schwester, und diese verstanden wohl, daß sie ihnen damit Schweigen auferlegen wollte. In Frau Donovan's sanften Zügen -rückte sich schmerzliche Mißbilligung au8, in denen Klara’« schlecht verhehlte Entrüstung. Aber keine von den beiden wagte ein Wort zu «widern; fie fürchteten, die Sache noch schlimmer zu machen.

„Also die- war Lord Norton," sagte Herr Nugent lebhaft. „Ich habe schon viel von ihm gehört und einige seiner trefflichen Reden gelesen. Er gilt als einer der reichsten und gescheidresten jungen Männer Englands."

„Er wünscht Dich kennen zu lernen, Onkel," sagte Miriam. „Ich glaube, daß er Dir heute seine Aufwartung machen wird."

„Das freut mich; ich lege großen Werth darauf, daß Ihr solche Bekanntschaften pfleg — Männ« von Rang und hoher Stellung." Seine Augen begegneten denen Miriam's und sprachen deutlicher als Worte: „Heirathe Lord Norton, und ich werd« Dich zu meiner Erbin wachen." Und Miriam's feurige Blicke ant­worteten ebenso verständlich: „Dein Wunsch soll «füllt werden."

AIS Lord Norton einige Stunden später «neu längeren Befuch in BeixtonhanS abstattete.

der Ausführung kann man nur den einen Schluß z ehen, daß bei dem Bundesrathe recht knapper Interesse besteht für die Behandlung der land- witthschastlichen Fragen.

* Ingendkich- und weivttche Arveiler. Wie aus Rudolstadt gemeldet wird, hat die thü­ringische Fabrikinspektion bei den Regie­rungen die r eichsgesetzliche Einschränkung >er Verwendung von jugendlichen und weiblichen Arbeitern unter 20 Jahren in den Textil­betrieben beantragt.

X Die A«»M<mderm»- »ach Amerika ist noch niemals den Deutschen zu empfehlen ge­wesen; in neuerer Zeit ist fie aber ganz und gar nicht zu empfehlen. DaS geht wiederum recht deutlich hervor aus einem Berichte, den der deutsche Konsul in Cincinnati für das Jahr 1900 an daS Reichsamt deS Innern erstattet at. „In diesem Jahre fanden, dem Berichte ufolge, kräftige junge deutsche Handwerker und Arbeiter in den meisten Fällen ohne Schwierig­keit Beschäftigung, fie arbeiteten aber nicht feiten aus Unkenntniß der Verhältnisse für ehr niedrige Löhne, und es wurden ihnen häufig einheimische Handwerker und Arbeiter vorgezogen. Aeitere deutsche Einwanderer konnten, wenn Überhaupt, nur mit Mühe und nach langem Suchen ein Unterkommen finden... Für deutsche, Einwanderer, die den gebildeten Ständen angehörten und harte Arbeit nicht ver­richten konnten, gestaltete fich die Lage bald zu einer verzweifelten... Die Zeiten find vorüber, in denen die Einwand«er gute Aus­sicht hatten auf die Erreichung eines gewissen Wohlstandes. In Folge der Dichtigkeit der Bevölkerung sind alle Berufsarten Überfüllt, der Wettkampf ist äußerst scharf und die Eröffnung eines selbständigen Geschäftes erfordert große Geldmittel." Nichtsdestoweniger hat in der jüngsten Zeit die Auswanderung vom Deutschen Reiche nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika wieder zugenommen, so daß es die Pflicht aller derjenigen ist, die dazu berufen find und Gelegenheit dazu haben, dringend vor bet Ueberfiebelung nach der nordamerikanifchen Staatsunion zu warnen. Von hundert AuS- wandnern werden neunundneunzig aufs schmerz­lichste in ihren Hoffnungen getäuscht sein.

.* MerN«, 11. Juni. Der Kaiser besichtigte heute' Bormittag auf dem Tempelhofer Felde die beiden Garde-Dragoner-Regimenter. Darauf früh­stückte er beim OffizterkorpS be« 1. Sarde - Dragoner- Regiment« und dinirte beim Offizieikorps des 2. Sarde - Dragoner - Regiment«. Abend« gedachte der Kaiser nach Kiel abznreisen zum Stapellauf de« Linienschiffe« 8. - Der Großherzog und die Großherzogin von Baden find schon heute früh in Kiel eingetroffen. — Da« Gerücht von einer bevor­stehenden Verlobung de« GroßherzogS von Sachsen mit einer Tochter be« Herzog« von Cnmber- lanb wird von dem KabinetSsekretär be« GroßherzogS, Freiherrn von Egloffstein, in aller Form bementtrt. — Wie die ,Berl. Reuest. Rachr/ erfahren, läßt der preußische FiSkuS in den Bezirken Münster und Osnabrück durch private Bohrgesellschaften nach Kohle bohren. — Am nächsten Montag tritt die an« gekündigte Konferenz zur Herstellung einer ein­heitlichen Rechtschrerbung im RetchSamte deS Innern zusammen. Die meisten Bundesstaaten werden durch besondere Kommissare vertreten sein. Bayern entsendet bett Professor Dr. Brenner unb ben Lyceal- rektor Dr. von Ortetet. — Fürst Hohenlohe hat in diesen Tagen Berlin verlaffen und fich auf seine

etwa," so schreibt ein Offizier in der Berliner ,Post', „die Offiziere ein Interesse an der Ge­heimhaltung der Gerichtsverhandlungen? Viel­eicht der einjelre Angeschuldigte? Sein Name geht trotzdem durch die öffentlichen Blätter . . . Das deutsche Osfizierkorps steht . . . doch viel iiu hoch, als daß es das Licht d« breitesten Oeffentlichkeit nach irgend einer Seite zu scheuen 'irauchte. Je weit« die Okffentlichkeit in die Thättgkeit der Offiziere hineindringt, in desto laterer Beleuchtung wird die Gewiffeuhaftizkeit, sie Gerechtigkeit, das Wohlwollen und die Für- orge derselben für ihre Untergebenen gerückt werden. . . ."

Natürlich! Wo man aber Heimlichkeiten walten läßt, erweckt man unwillkürlich den Argwohn, daß „etwas faul fei im Staate Dänemark". Man that also gar nicht klug >atan, daß man' bei der Verhandlung gegen »en Sergeanten Hickel in Gumbinnen theilweise sie Oeffentlichkeit ausschloß, ganz abgesehen davon, daß das Verfahren sich durch die be­stehenden gesetzlichen Vorschriften nicht recht- fertigen läßt. Man handelte also nicht nut un- klug, sondern auch ungesetzlich, und unmöglich kann die Sache nun damit erledigt fein. Die in ihrem Rechtsgefühl gekränkte öffentliche Meinung verlangt gebieterisch Aufklärung und Genugthunng.

In Gumbinnen sind aber noch weitere Ver­stöße begangen worden. Der Sergeant Hickel wurde also fteigesprochen und danach hätte « doch natürlich freigelaffen werden müssen. Pa­ragraph 179 der Milität-Sttafgetichts-Ordnung sagt ausdrücklich: „Die Untersuchungshaft ist aufzuheben, wenn ein Grund zur Verhaftung nicht mehr besteht, oder wenn der Beschuldigte fteigesprochen oder außer Verfolgung gefetzt wird . . . Durch Einlegung eines Rechts­mittels darf die gteiloffung des Ange­klagten nicht verzögert werden ..." Aber trotz wied«holten und dringenden Widerspruches des VertheidigecS hat d« Generalleutnant von Alten erklärt, er könne den Hickel unmög­lich freilaffen. Noch mehr, Generalleutnant von Alten soll fich ganz offen zu der neuen Militär- Strafgerichts- O rdnung in Widerspruch gesetzt haben, indem er fagte, diese fei ein neue« und der Ver­besserung bedürftige« Gesetz, wie man in diesem Falle sehen könne. Der § 179 sei in ganz un­überlegter Weise au« der bürgerlichen Gesetzgebung in die militärische hinübergenommen worden. Er könne den Hickel nicht freilaffen, um nicht die ganze Beweisaufnahme zweiter Instanz zu gefährden usw. usw. Kurz und gut, der Generalleutnant von Alten will ganz einfach gegen das Gesetz sich auflehnen — vorausgesetzt natürlich, daß die ent­sprechenden Zeitungsberichte den Sachverhalt richtig gekennzeichnet haben.

Ein wenig Schneid liebt man am Offizier, und mit Recht. Aber die Schneid, die man in Gumbinnen anwendet, überschreitet sehr erheblich da« Maß des Erlaubten und bedarf dringend der Maßregelung von oben her. Hoffentttch läßt diese Letztere nicht auf sich warten!

Z Fuldaer

RaumlbPsL,««. Hamen bie Petit­zeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirb entsprechen». Rabatt gewähr«.