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j fit Jefcfot« 3. p-,zelle, tu Sulla. *’ mit Anterhattungs -Jeikage „Assustrirte Somtags-Zeiümgi'
Jul^öa, Dienstag, den 11. Juni 1901.
M 131.
28. Jahrgang.
S Das Gesetz über die Gewerbegerichte
soll nach den Beschlüge« des Reichstages in mehreren wichtige« Punkten verändert werden. Für die Orte mtt mehr als 20,000 Einwohnern soll bekanntlich die Verpflichtung zur Er» richtung eines Gewerbegerichte- eingeführt werden. Die Zusammensetzung der Grnverbe« S«richte als Einigungsämter soll auf andere lrt als bisher erfolgen: die streitenden Parteien sollen diese Zusammensetzung durch die Aufstellung von Vertrauensmännern selbst besorgen dürfen; die Zuständigkeit in der Rechtsprechun; soll erweitert werden und der Vorsitzende als Leiter deS Einigungsamtes soll weit mehr Vollmachten erhallen zur Heranziehung von Personen zur Vernehmung.
Wenn jemals ein Gesetzentwurf reiflti i im Reichstage erwogen worden ist, dann i dies mit dieser Novelle zum Gewerbegerichts- Gesetze geschehen. Ihre Entstehungsgeschichte ge- ört zwei verschiedenen Tagungen des Reichstages an. Zweimal hat eine besondere Kommission des Reichstages ganz ausführlich sic i damit beschäftigt, und nachher hat auch die Weite Lesung im Plenum in sehr ausführlicher Weise stattgefunden, ohne daß die Vertreter der Megierung irgendwelche wesentliche Einwände vorgebracht hätte«. Man sollte danach meinen, eS sei außerordentlich viel Zeit und Gelegenheit gegeben gewesen, vorhandene Opposition gegen diese Gesetzesänderung zum Ausdruck« zu bringen. Da das aber während der Verhandlungen de« Reichstages darüber nicht anders geschehen ist, als nur durch einige sehr schwache Darlegungen in vereinzelten Zeitungen, die dem groß- industriellen Unternehmerthum dienstbar find, konnte man nicht annehmen, daß dieses Letzter« ernstlichen Mderstand gegen die vorgeschlagenen und so äußerst ausführlich berochenen Neuerungs- Vorschläge versuchen wolle. Jetzt erst versucht eS diesen Widerstand in einem Ansturm gegen den BundeSrath. Eine umfassende Agitation ist ins Werk gesetzt worden und wird augenscheinlich von einem Mittelpunkte auS geleitet. Alle möglichen wirthschaftltche» Körperschaften und Bereinigungen werben mobil gemacht; sogar einzelne Handelskammern haben fich zu Kundgebungen gegen die GewerbegerichtS- Novelle hergegeben, in der Rheinprovinz und in Westfalen, im Königreich Sachsen, im Herzog- thum Sachsen-Koburg-Gotha, im Herzogthum Sachsen-Altenburg — überall wird wacker ge- wühlt, um dieses Gesetz i« BundeSrathe zu Fall zu bringe«.
Warum denn? Man kann eine Sache richtig immer erst dann beurthellen, wenn man ihre ErschetnungSgründe kennt. Der national- liberale Abgeordnete Hilbck, ein Bergwerks- Unternehmer auS dem westfälischen Industrie- bezirke, hat schon im Reichstage einige der Be- weggründe durchblicken lassen, die bei dem großindustriellen Unternehmerthum Widerspruch gegen die gesetzgeberischen Neuerungen erregen. Sie treffen alle in dem einen Punkte zusammen, daß die Unternehmer auch vor dem Gesetze etwa- voraus haben «olle« vor den Arbeiter«. Sie wollen nicht mit de« Letzteren als gleich.
berechtigter Thetl vor dem Gewerbegerichte als EinigungSamt erscheme«. Sie wollen die Arbeiter beherrschen, nicht mit den Arbeitern zugleich zum Schiedsgerichte erscheinen. Sie wollen bestimmen, die Arberter sollen fich ihrem Willen fügen. Die Arbeiter sollen aber nicht mit ihnen rechnen dürfen vor der Schranke des Gerichtes. Das ist des Pudett Kern. Herr Hilbck genicte sich tat Reichstage augenscheinlich doch ein wenig, daS ganz offen her- auSzusagen; und auch tn den Darlegungen, die jetzt nachträglich dem BundeSrathe und einzelnen Mstgliedern desselben zugestellt werden, hütet man fich ebenfalls wohlweislich davor, diesen Kern zu enthüllen. Man fischt mit allerhand Scheingründen; und unter diesen kehrt namentlich der Eine häufig wieder: Man sucht zu behaupten, die neue Novelle zum Gewerbegerichtsgesetze werde nur der Sozialdemokratie zu gute kommen und ans diese Weise mittelbar nicht den sozialen Frieden sördern, sondern ihn noch weiter unteraraben.
Mit diesem Geschoffe zielt man nach einer bestimmten, sehr hohen Stelle hin. Alle Erfahrungen aber, die man bisher mit der Thätigkrit der Gewerbegerichte alSEtaigungSämter gemacht hat, thun hinreichend dar, daß diese Behauptung vollkommen falsch ist. Gerade diese Thättgkeit der Gewerbegerichte hat sich bisher ausgezeichnet bewährt, und tat Interesse der Förderung des sozialen Friedens kann man gar nicht lebhaft genug wünschen, daß der BundeSrath fich nicht durch die einseitige Jntereffen-Agitationder Großindustriellen beeinflussen lassen, vielmehr den Beschlüssen des Reichstages seine Zustimmung ertheile« möge.
Es kann auch sein, daß der Persoyen- wechsel im preußischen Handelsministerium den großen Industrie-Unternehmern Muth zu der Agitation gemacht hat. Herr Möller gehört ihren Kreisen an, ist aus dem Crntral- Äerbande der deutschen Industriellen hervorge- gangen, und ein Blatt der Großindustrie hat ohne Weiteres behauptet, Minister Möller finde daS neue Gesetz sehr bedenklich und werde Aller auf- bieten, um seine Annahme durch den BundeSrath zu verhindern.
Der Herr Minister sollte fich diesen Wink zur Warnung dienen und durch die Thal beweisen, daß er nicht de« besonderen Interessen deS großen Unternehmerthum- dienstbar ist. Wenn er daS thut, so wird er nur der Ansicht deS Kaisers folgen, der schon mehr als einmal seine Meinung in dem Sinne abgegeben hat, daß der Arbeiter berechtigt und berufen ist, seine Interessen als selbständiger Bürger deS Staates selbst zu wahren und zu vertreten. Eine Ablehnung der Sewerbe- gerichts.Novelle durch den BundeSrath würde die Mehrheit desselben in unzweifelhaften Gegensatz bringen zu den bekannten Anschauungen deS Kaisers über diese Sache.
Derrtfche» Keich.
Berlin, bet 10. Juni.
X Da« preußisch- Slaalemiuisterium war während der letzten Tage mehrfach der Gegenstand von Betrachtungen in den Zeitungen. Das Drahtbureau der Regierung hatte folgende Mel-
Zwei Winge.
Frei nach dem Englischen von «. Michola.
16 ------ (Nachdruck verboten.)
Frau Donovan blickte beunruhigt auf, und ein Schreckensschrei entfuhr Klara'« bleichen Lippen. Allein Miriam achtete ihrer nicht.
„Ich entschuldige mich nicht", sprach sie weiter, „ich verheimliche meinen Beweggrund nickt. Onkel Albert hat heute Morgen sehr deutlich mit mir gesprochen. Wenn ich einen armen, fast unbekannten Künstler heirathen würde, so hätte ich mich gleichsam von ihm losgesagt — und der Reich- thum geht mir über Alle«."
„O Miriam!" rief Frau Donovan angstvoll, „bedenke, wa« Du thun willst."
„Ich habe bedacht, Mama, und mich entschieden."
„Ich heirathete ans Liebe", sagte ihre Mutter, „und ich kann Dir nicht beschreiben, wie glücklich ich war."
„Die Menschen find verschieden. Dein Glück, Mama, wäre unerträgliches Elend für mich. Ein kleine« Hänschen und dabei der Versuch, ohne genügende Mittel vornehm zu erscheinen, wären mir die größte Marler. Wa« der Taube gefällt, verdrießt den Adler. Um ganz deutlich zu sprechen: «in« muß ich opfern — meine« Onkels Reichthum oder Rudolf — ich wähle dar Letztere."
„Du denkst nur an Dich!" rief Klara entrüstet. „Du vergißt ihn und wa» er leiden wird!"
„Durchaus nicht", entgegnete Miriam kühl; «aber besser jetzt ein wenig Herzweh, als da«
lebenslange Elend, an eine widerwillige Frau gefesselt zu fein."
„Ein wenig Herzweh!" rief Klara. „Und so kannst Du sprechen, wenn Du im Begriffe bist, da» Lebensglück eine» Manne« mit Füßen zu treten!"
„Es wäre zwecklos für uns, zu streiten. Ich wußte im Voran«, daß Ihr Beide meinen Entschluß mißbilligen würdet, aber ich bereue denselben nicht. Wäre ich gut und sanft, wie Du, Klara, so würde ich mich vielleicht durch Worte umstimmen lassen; aber ich bin stolz und ehrgeizig, und die Macht, welche der Reichthum verleiht, schätze ich Über Alle«. Ihr müßt versuchen, mich trotz meiner Schwächen zu lieben, so viel Ihr könnt — mir zu predigen, wäre ganz vergeben«."
„Armer Rudolf", sagte Frau Donovan sanft, ,,e« wäre besser für ihn, wenn er Dich nie ge- ehen hätte. Gott gebe, Miriam, daß Deine Grau- amkett gegen ihn Dich nicht für'» Leben unglücklich macht."
„Davor ist mir nicht bange, Mama. E» thut mir ja leid um Rudolf, und ich schäme mich meine» Wortbruche-, aber — die Blumen verlangen nach Licht und Sonnenschein. Hört mich an: Ich werde nicht sogleich an Rudolf schreiben, erst wenn wir uns im Mai in London treffen, oll er Alles erfahren. Aber ich warne Euch: der Tag, an dem Ihr dem Onkel mein Geheimniß verrathet und mich feiner Gunst beraubt, wird der letzte meine« Lebens fein!"
„Miriam!" rief Frau Donovan enttüstet, „ver- indige Dich nicht! Ich mißbillige entschiede« Dein geplante« Verhalten gegen Rudolf", flchr sie
düng gebracht: der Ministerpräsident Graf von Bülow hat die Minister be» Innern, ber Finanzen und ber Landwtrthschaft ersucht, alsbald eine gemeinsame Bereisung ber gefährdeten Bezirke (nämlich durch den schlechten Saatenstand gefährdet) vorzunehmen. Und darauf hat ein norddeutsches Blatt eine verfassungsrechtliche Studie darüber angestellt, daß „Graf Bülow die Minister, seine Kollegen, öffentlich wie Vortragende Räthe behandele"; er sei doch nur ber Erste unter Gleichberechtigten unb habe diesen seinen Kollegen nichts zu befehlen usw. Der Einwurf hat einen Schein von Berechtigung, aber wirklich auch nur einen Schein; und auch dieser geht für die .Hamburger Nachrichten' — die« da» gemeinte Blatt! — Herwegen vollständig verloren, weil fie sich dabei au den ersten Reichskanzler berufen. Als ob jemals Reichskanzler Fürst Bismarck davor zurückgescheut hätte, einen preußischen Ministerkollegen um etwas zu ersuchen — —! Gerade dieser Hinweis au den „eisernen" Kanzler klingt unmittelbar heiter, auch wenn man nicht ganz genau wüßte, daß gerade Fürst Bismarck häufig über de« kollegialen Charakter des preußischen Staat-Ministeriums sich ganz offen beschwert hat. Hatte Fürst Bismarck einen Ministerkollegen um etwas „ersucht", dieser aber hätte dem „Ersuchen" keine Folge gegeben, dann wäre eS ihm sehr schnell ebenso gegangen, wie es jetzt Herrn Johannes von Miquel ergangen ist, nachdem er längere Zeit hindurch derlei versucht hatte. Wenn ein Staatsmann leiten soll, muß er auch di« Ministerkollegen „ersuchen" z können, die- oder jenes zu thun; sonst leitet er eben nicht. Mit der Leitung de- Fürsten Hohenlohe sah e? windig aus, deS- wegen rief die gesammte Presse ohne Unterschied der Parteistellung nach Abstellung des politischen Zickzacks unb «ach einheitlicher Regierungsweife.. Wen« Graf Bülow jetzt also wirklich „leiten" will, erfüllt er damit nur die Wünsche, die vorher ganz allgemein geäußert wurden. Die Kritik daran, daß er Minister um etwa- „ersucht" habe, ist also vollkommen verfehlt und unzeitgemäß ; unb eö ist ganz einfach albern, mit dieser Kritik fich in spitzfindiger Weise sich au den Ausdruck „ersuchen" zu versteifen. Die „er- suchten" preußischen Minister werden Übrigens die bewußte Reise noch im Laufe dieser Woche antreten,
* Die .Vosstsche Zeitung' warnt vor Heber« treibungen, die fie beim Empfange des heim- kehr enden chrafe« Matt-ese- zu befürchten scheint. Sie schreibt: „Ein wenig von der Nüchternheit, womit man heute auf die Erfolge de« Kriegszuges in China zurückblickt, wäre auch im vorigen Jahre nützlich gewesen. Sie wird besonder» bei der Heimkehr de» Grafen i&alberfee am Platze fein. So wenig seine Verdienste unterschätzt und verkleinert werden dürfen, es ist doch ein Unterschied zwischen einem Feldmarschall, der gegen seinen Willen zu einer überwiegend diplomatischen Thättgkeit verurteilt war und einem fiegreichen Feldherrn, der aus einem blutigen ruhmreichen Kriege mit einem Gegner, wie Frankreich heimkehrt. Ein Triumphzug vor dem Kampfe ist voreilig und zu einem Triumphzug liegt auch nach der Auflösung des Oberkommando» kein Anlaß vor, zumal da Deutschland sich bescheiden muß, nicht einmal seine baaren Auslagen für den
mit ungewohnter Energie fort. „Wenn Du wirklich entschlossen bist, Dein Wort zu brechen, so ist e» Deine Pflicht, ihm die» sogleich zu sagen."
„Ich halt« e» für unklug, Mama", versetzte Miriam kühl. „Er könnte sich dadurch bestimmen lassen, seine Arbeit anfzugeben, und Lord Norton'» Gunst zu verscherzen. E» ist auch besser, wenn ich persönlich mit ihm spreche; er sieht dann gleich, daß ich meine, wa» ich sage. Vergiß meine Warnung nicht, Mama."
Mit diesen Worten verließ fie da» Zimmer, Mutter und Schwester in größter Besorgntß zurücklassend. Frau Donooan machte keinen Versuch, Klara zu trösten, die, das Gesicht in beiden Händen verborgen, leidenschaftlich schluchzte.
„Ich fühle mich fast versucht, den Himmel zu fragen, was ich getan habe, um ein solches Kind zu verdienen," rief sie verzweiflungSooll, „ein Kind ohne Herz — ganz ohne Her,! Ich bin nachgiebig gegen sie gewesen; es hätte der strengen Leitung eines Mannes bedurft, um die stolze Natur zu zügeln."
Klara erwiderte nichts. Ihr Schmerz war zu tief für Worte. So lange sie Rudolf glücklich gewußt, war es ihr nicht schwer geworden, ihre eigene Liebe zu unterdrücken — aber all' dies war nun anders geworden. Sie wußte, daß namenlose- Weh ihm bevorstand, daß ihn ein Schlag treffen würde, der ihm alle Energie, alle Lebensfreude tauben mußte, und ihr Herz flutete vor unsäglichem Mitteid mit dem ge- äuschten Mann. Gleich ihrer Mutter mußte fie ick große Gewatt anthun, um Miriam'S Ge- heimniß nicht zu verrathe«. Sie ahnten beide
Kriegszug voll ersetzt zu erhalten. Es wäre daher wünschenswerth, wen« der sonst sogar bet wichtigen Gelegenheiten nur zu schweigsame offiziöse Draht einige Zurückhaltung übte bei Berichten über Paradefeste und Trinksprüche, die dem heimkehrenden Grafen Waldersee gelten. Der gerechten Würdigung feiner Verdienste würde dies« Taktik nicht abträglich, sondern nur förderlich fein.“
X Heber die in Hstasten veröleiveude« Tneppenktzeike macht die halbamtliche ,Berl. Kort.' folgende Mittheilungen: „Die in Ostafien zu Besatzungszwecken vorläufig zurückgelaffenen Theile be» Expeditionskorps werden in folgender Weife zusammengesetzt sein: 3 Infanterie-Regimenter zu 3 Bataillonen zu 3 Kompagnien mit je 110 Kombattanten, 1 Eskadron Jäger zu Pferde, 1 Feldartillerie-Abtheilung mit 3 Batterien, 1 Pionier-Kompagnie und 1 Train-Kompagnie. Die Gesammtstärke dieser Formationen an Kombattanten beläuft sich auf rund 3600 Mann, von denen etwa 800 Mann (2 Bataillone mit 1 Batterie) für Shanghai, der Rest für Petschili bestimmt find. In letzterer Provinz wird die Hauptmasse der Truppen in Tientfin zusammengehalten werde«, während kleinere Detachements von je 1 Bataillon Peking, Dan-tsun, Langfang und Shanhaikwan besetzt hatten. Zu den aufgezählten Truppentheilen treten natürlich noch die entsprechenden Verpflegung«-, Sanitäts- und sonstigen für die Versorgung der Truppe unentbehrlichen Organisationen, fodaß zu der oben angegebenen Zahl von Kombattanten noch einige hundert Mann Nichtkombattanten hinzukommen. In die zurückbleibenden Truppentheile sollen diejenigen Mannschasten versetzt werden, welche über Herbst 1901 hinaus zum Dienst in Ostafien verpflichtet find; auch von diesen Truppentheilen werden daher die im Herbst zur Entlassung kommenden Mannschasten der überwiegenden Mehrzahl nach den demnächstigen Rück- tranSportm nach der Heimath angeschlossen werden."
* IreirviMge für Aiantschorr. Die kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie sowie die der Marineartillerie machen bekannt, daß im Herbst 1901 eine größere Anzahl tropendienstfähiger Dreijährigfreiwilliger für die Besatzung Kiaulschsu zur Einstellung gelangen, Ausreise: Frühjahr 1902, Heimreise: Frühjahr 1904. Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider usw.) werden bei der Einstellung bevorzugt. Die Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung (Heimathslöhnung) und Verpflegung folgende Zulagen. a. Dienstpflichtige 0,50 Mk. TheuerungS- zulage täglich, b. Unteroffiziere als Nichtkapitulanten und Gemeine al» Kapitulanten 1,50 Mk. und c. andere Unteroffiziere, sowie Sergeanten nach Maßgabe der Dienstzeit im Schutzgebiet 2—3 Mk. Ortszulage täglich. Bewerber, von kräftigem mindestens 1,67 Meter großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1882 geboren find, haben ihr Einstellungsgesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautende« Meldeschein entweder: Dem 1. Seebataillon in Kiel: zum Diensteintritt in das 3. Seebataillon, ober dem 2. Seebataillon in Wilhelmshaven: zum Diensteintritt für das 3. Seebataillon und die Marinefeldbatterie, ober der 3. Matrosenartillerie- abtheilung in Lehe: zum Diensteintritt für das
nicht, daß dies« ihren Onkel ohne Skrupel belogen, seine offene Frage, ob ihr Herz noch frei sei, mit einem kühnen „Ja" beantwortet hatte, unb fühlten fich tief bedrückt, zu solcher Unaufrichtigkeit vernrtheilt zu fein. Aber die Angst, Miriam könnte ihre entsetzliche Drohung wahr machen, wenn fie ihre liebsten Pläne durchkreuzt sähe, legte ihnen gebieterisch Schweigen auf.
13. Kapitel.
Der Mai nahte heran, und Albert Nuget beschloß, jetzt seinen Wohnfitz in London aufzu- schlagen. Er wünschte, daß seine beiden schönen Nichten zuerst bei Hof vorgestellt würden, ehe er fie ta die große Welt einführte. Er ließ die Damen in Wernersdors zurück, begab sich allein nach London und wählte ein prächtiges Haus auS, da- mit größtem Luxus auSgestattet war.
Frau Donooan wünscht« dringend in Wernersdorf zu verbleiben. Sie fürchtete das vornehme Leben, unb fürchtete vor allem eine Begegnung mit Rubolf, ben ihre Tochter so schmäh- ich betrogen hatte. Aber chr Bruder wollte fie nicht rniffen, fie war ihm unentbehrlich geworden; er konnte fich fein Heim ohne die feine, sanfte Schwester nicht mehr denken.
Noch immer war die wichttge Entscheidung nicht getroffen. Miriam erwartete sie mit fieber« lafter Ungeduld, aber kein Wort, keine Hand- »ng ihre- Onkels deutete an, welche von den Nichten er zu feiner Erbin erkoren habe.
An einem schönen Maiabend traf die ganze Familie von WernerSdors ta BrixtonhauS, dem neuen Londoner Heim, eta, unb schon wenige