«rschedlt »glich, gi. Ausnahme der Emm» und Feier- tage. Biertellührl.
B»,g,,»r»t» queÄringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auS- tvürtSIM.bOPs.
KuIoaerMZeitung
rinspallige Petit» »eile oder deren Raum 15 Pfa.,Reklamen die Petit» zeile 2b Pfg.; bet Mederholungen wird entsprechende Rabatt gewähr
fflreateortli»: Jil die Xedaktis, Jef. »aaw, für Inserat« 3. Parzelle» in LLlda.
mit Zlnterhaktungs -Aeitage „Jllufirirte Sonnlags-Zeitung" PeteragaS« H*. 8 (BanaeaU).
M 130.
JuLöa, Montag, den 10. Juni 1901. .
28. Jahrgang.
• Zur Kanalftage in Bayern.
Wer den Ludwig-Kanal in Bayern kennt, der Main und Donau miteinander verbindet, und an die Art seines Betriebes denkt, kann sich eines Lächelns nicht erwehren. Ein Schiff auf dem -anal ruft bei der umwohnende» Bevölkerung und namentlich bei der lieben Jugend, ungefähr dasselbe Aufsehen hervor, wie ein Mann mit Kamelen und Affen; von allen Seiten kommen die Leute mit dem Ausrufe: „Ein Schiff, ein Schiff!" herbeigestürzt, um das ungewohnte Schauspiel zu sehen, wie ein Waffelfahrzeug schwerfällig von einem Gaule durch den Kanal hindurchgezogen wird. Im übrigen wird er nur stellenweise als Behälter kleiner Fische und im Winter als Eisbahn auSgenützt; kurz und gut, etwas Verfehlteres und Ueberflüsfigeres als der Ludwig-Kanal ist nicht zu denke», und deswegen ist im bayerischen Landtage schon mehrfach allen Ernstes der Antrag gestellt worden, den Donau« Main«Kanal eingehen zu laffen und auf Abbruch zu verkaufen, oder zur Anlage von örtlichen Bahnverbindungen zu benützen.
Der Erbauer deS Kanals, König Ludwig I. von Bayern, hatte dabei den Kanal in ganz entsprechender Weise angelegt. Aber Verkehr ist niemals darauf gewesen. Den Verkehr haben nur die Eisenbahnen gehabt, die in derselben Richtung laufen.
Auf der Donau hat ehemals ein ziemlich lebhafter Schifffahrtsverkehr geherrscht, so daß die Donau-DampfschifffahltS-Gesellschaft ansehn» liche Reineinnahmen hatte. Auch damit ist eine vollkommene Aenderung vor sich gegangen: die Gesellschaft könnte gar nicht mehr bestehen, wenn sie nicht vom Staate Oesterreich unterstützt würde. Namentlich auf der ungarischen Strecke der Donau hat der Frachtoerkehr der Gesellschaft fast gänzlich aufgehört, so daß sie nach ihrem letzten Abschluffe keinen Reingewinn mehr auS der Schifffahrt erzielt, sonder» die Dividende aus dem österreichischen Staatszuschuffe und aus dem Ertrage ihrer Kohlengruben künstlich zusammengesetzt hat. Man weiß auch ganz genau, worin das seinen Grund hat. Ganz kürzlich erst hat ein ungarisches Regierungsblatt, der ,P-ster Lloyds triumphirend auf die Thatsache hingewiesen, daß „die zielbewußte und geschickte Tarispolitik der ungarischen Staatseisenbahnen" den Verkehr auf die Eisenbahnen gelenkt habe, die an der Donau entlang laufen, und die Schifffahrtsgesellschaft als Verkehrsvermittler vollkommen verdrängt habe.
Nichtsdestoweniger betreibt der vor 9 Jahren in Nürnberg begründete „Verein zur Hebung der Flußschifffahrt in Bayern" eine lebhafte Agitation für einen Großschifffahrtsweg von Frankfurt am Main bis Nach Paffau an der Donau, möglichst in den Verhältnissen deS kanalifirten Mains auf der Strecke von Mainz bis Frankfurt, und zwar auf folgende Weise: Kanalisirung deS Mains bis hinauf nach Bamberg, Vergrößerung des alten Ludwigkanals auf seiner ganzen Strecke von Bamberg bis nach Kelheim und Regulirung der Donau von Kelheim bis Paffau. Das würde einen bayerischen Großschifffahrtsweg in einer Länge von 462
Zwei Hlinge.
!Frei nach dem Englischen von A. Michola.
15 ------ (Nachdruck verboten.)
12. Kapitel.
Albert Nugent verweilte noch einige Tage im Epheuhaus und überraschte vor seiner Ab- reise die Schwester mit einem Geschenk, das ihr Thränen der Dankbarkeit auSpreßte. Mit feinem Takt errathend, welchen Schmerz es ihr bereite, ihr stilles, trauliches Heim zu verlaffen, kaufte er ohne weiteres Besinnen das ganz» kleine Befitzthum an und schenkte eS ihr mit dem Bemerken, wenn sie einmal der Pracht und Größe von Wernershof überdrüssig werde, könne sie hier stets Ruhe und Erholung finden. Er bestimmte gleichzeitig, daß das Mädchen, welches ihr viele Jahre treu gedient, auch ferner im Epheuhaus wohne, um eS jederzeit zum Empfang seiner Herrin bereit zu halten.
Dies war Frau Donovans erste Lektion über den Werth des Retchthums.
Miriam hatte Rudolf in kurzen Worten von der Rückkehr ihres Onkels und der Veränderung ihrer Lage in Kenntniß gesetzt. Wenn ihre Worte kalt und gezwungen klangen, so wollte er eS nicht einsehen; nicht einmal sich selbst wollte er zugestehen, daß sie weniger vollkommen, weniger edel und hochfinnig sei, als er geglaubt hatte. Sie schrieb ihm, daß auf ihren ausdrücklichen Wunsch ihre Verlobung dem Onkel geheim gehalten worden sei, daß dieser einen eigenthümlichen Charakter habe und Pläne ent«
Kilometern bedeuten. Aber die Ausführung diese- großartig gedachten Planes würde allermindestens 250 Millionen Mark kosten. ES würden alsdann Schiffe bis zu tausend Tonnen Tragfähigkeit vom Rhein und Main her und auch die Donau hinauf bis nach dem Herzen Bayerns gelangen können; und ohne Zweifel würde die Industrie von Nürnberg und Fürth einige Vortheile von der Ausführung eines solchen Riesenplanes haben. DaS würde ver- muthlich aber auch alles sein, und in dieser richtigen Einficht hat die bayerische Abgeordnetenkammer von vorn herein es abgelehnt, stch mit diesem Projekte zu beschäftigen. Die Regierung verlangte die Bewilligung von 100 000 Mark für die Aufstellung entsprechender Pläne: aber die Kammer hat die Summe ohne weiteres gestrichen.
Der preußische Mittelland-Kanal besitzt noch orheblich mehr innerliche Berechtigung dazu, ausgeführt zu werden, als eine solche Wafferstraße vom Rhein durch de» Main nach der Donau. Er würde durch verkehrsreiche Gebiete führen und namentlich viel weniger technische Schwierigkeiten machen, deswegen auf dieselbe Strecke viel wohlfeiler auszuführen sein, als ein Donau- Main-Kanal in großem Stile. Und dennoch konnte auch der Mittelland-Kanal vor der eingehenden Kritik nicht bestehen, die im preußische» Abgeordnetenhause an ihm auSgeübt wurde; wie können die Befürworter eines Großschifffahrtsweges von Frankfurt über Bamberg nach Kelheim und Paffau hoffen, mit ihren phantasievollen Plänen Erfolg zu haben?
Oesterreich will jetzt zwei große Wasser- straßen bauen, die eine vo- der Donau nach der Oder, die andere von der Donau nach der Elbe. In Oesterreich find solche Pläne eher zu rechtfertigen. Erstens bieten fie weniger technische Schwierigkeiten dar, als der Donau-Main-Kanal. Zweitens ist mehr Aussicht auf Ertragsfähigkeit vorhanden. Drittens fehlt eS in Oesterreich noch an Verkehrswegen. Schon jetzt thut Oesterreich äußerst wenig für die Schifffahrt auf der Donaustrecke von Paffau bis Wien. In der ZUunst wird für diese Donaustrecke gar nichts mehr ge- than werden, aus Jntereffe für die neu gebauten Verbindungen von der Donau nach oer Oder und nach der Elbe. Dann würde alfo das ganze bayerische Großschifffahrtsprojekt in Paffau ein gewaltsames Ende finden — kurz und gut, die technischen Bedenken gegen das Projekt find so bedeutungsvoll und mannigfaltig, daß man diejenigen nicht recht begreifen kann, die es befürworten. Daß außerdem noch wirthschaftliche Bedenke» schwerster Art dem Ausbau dieser Wafferstraße entgegen stehen, ist bekannt genug. Sie sind in jüngster Zeit mehrfach in ausführlicher Weise in der Preffe erörtert worden. Trotz aller hoher Gönnerschaft wird also die bayerische Volksvertretung in absehbarer Zeit nicht für den Großschifffahrtsweg vom Main nach der Donau zu haben sein.
Deutsches Keich.
Berlin, den 8. Juni
+ KtaalsfeKrelär Graf Sofadowsüy wird von liberalen Blättern al« Nachfolger des
werfe, denen fie vorläufig nicht zu widersprechen wünsche. Der einzige Satz, der ihm grausam erschien, war jener, in welchem sie ihn bat, keinen Versuch zu machen, sie an Weihnachten zu sehen. Im nächsten Jahre würden ste in London, aber nur alS Freunde, nicht als Verlobte, einander treffen.
Rudolf seufzte tief auf, aber die Liebe macht -blind und seine Verblendung hinderte ihn, die Wahrheit, welche die Treulose noch zu verbergen strebte, zwischen den Zeilen zu lesen. Er legte den Brief zu den Übrigen und widmete sich seiner Arbeit mit verdoppeltem Eifer, um feine unvergleichliche Miriam desto eher sein eigen nennen zu können.
Endlich kam der Tag, an dem Frau Donooan und ihre beiden Töchter mit sehr gemischten Gefühlen ihr bescheidenes Heim in Leadale verließen. An einem warmen Juliabend trafen sie auf der kleinen Station Hilton ein und fanden eine prächtige Equipage mit zwei Lakaien ihrer wartend. Luxus jeglicher Art war nichts Neues für Helene Donooan, obschon sie schon lange ohne solchen gelebt, aber die Wirkung auf ihre beiden Töchter war eine merkwürdige. Klara erröthete und schien gedrückt und verlegen, MiriamS stolzes Gesicht wurde noch stolzer und kälter und fie näherte sich der Equipage mit dem Anstand einer Fürstin, die ihr ganzes Leben daran gewöhnt gewesen. - .
Dann kam die lange Fahrt durch eine liebliche Landschaft, durch einen Park, über den Natur und Kunst alle ihre Reize ausgegoffen, durch herrliche Anlagen, die einen Königspalast geziert haben würden, und jetzt wurde zum
Grafen Wilhelm Bismarck in dem Oberpräsidium der Provinz Ostpreußen empfohlen. Man fügt hinzu, der Staatssekretär sei durch da- Fallen- lafleu des Doppeltarifs in dem neuen Zollgesetz- entwürfe genöthigt, über kurz oder lang um den Abschied einzukommen — bekanntlich liegt aber noch lange kein Beschluß dieser Art vor. Diese Frage ist noch gar nicht spruchreif, und gerade jetzt wird der Reichskanzler diesen bewährten Mitarbeiter auf keinen Fall verlieren wollen. Wenn es auch im Reichsamte des Innern kriselte, dann würde ohne Zweifel Graf Posadowsky gleichzeitig mit dem Staatssekretär des Reichspostamtes aus dem Reichsdienste geschieden fein. Daß die Stute, die solche Nachrichten verbreiten, den Staatssekretär des Innern gern verabschiedet zu sehen wünschten, ist dagegen gern zu glauben. Er ist nicht nach liberalem Geschmacke; das aber ist ein besonders rühmliches Zeugniß für ihn.
X Seit einiger Zeit werden allerlei Gerüchte verbreitet darüber, daß wiederum eine Krhöhmtg der Iriedettspräsenzstärke seitens der Militärverwaltung beabsichtigt wird, obgleich das durch Gesetz vom 25. März 1899 festgelegte Quinquennat erst mit dem 31. März 1904 abläuft und die darin für das Jahr 1903 vorgesehene Frledenr- präsenzstärke von 495 500 Mann im Etat für 1901 noch um 1049 Mann nicht erreicht ist. Unlängst machte Abg. Bassermann in seiner Rede in Koburg verdächtig klingende Andeutungen von Absichten der Regierung, Präsenzerhöhungen nach Maßgabe der Zunahme der Bevölkerung vorzunehmen. Es find auch schon Trainwagen bemerkt worden, die die Aufschrift eines dritten Bataillons trugen bei Infanterie-Regimentern, die nur zwei Bataillone zählen. Nunmehr wird uns auch aus Holstein berichtet, daß in einem Fleischlieferungskontrakt mit einem dortigen Schlächtermeister für ein Infanterie-Regiment mit zwei Bataillonen die Klausel hinzugefügt worden ist, daß, wenn in dem Lieferungsjahr das Regiment noch ein drittes Bataillon erhalten sollte, auch für diese« die Fleischlieferung zu übernehmen sei. — Die Beschaffung von Trainwagen für ein drittes Bataillon mag sich, wie die ,Freis. Ztg/ bemerkt, daran« erklären, daß im Mobilmachung«- fall ein solches aufzustellen ist. Unklar aber ist, was es mit der Klausel in jenem Lieferungskontrakt für eine Bewandtniß hat. Das fehlte auch noch, daß bei der ungünstigen Finanzlage zu der außerordentlichen Verstärkung der Flotte noch wiederum eine Heererverstärkung ohne allen äußern Anlaß hinzukäme. Es würde eine parlamentarische Verwirrung sondergleichen werden, wenn in der nächsten Saison zu den Zolltarifkämpfen und den Kanalkämpfen auch noch heftige Militärkämpfe hinzukämeu.
tl Ein Meichs ■ Berggesetz ist seit langer Zeit der Gegenstand lebhafter Wünsche in allen arbeiterfreundlichen Kreisen. Nur von denjenigen, die in unverstandener Weise einseitig das Jntereffe der Unternehmer zu vertreten wähnen, ist dem Gedanken der Einführung eines solchen Gesetzes fortgesetzt grundsätzlich-r Widerstand entgegengesetzt worden. Jetzt hat eine der Verbündeten Regierungen im Bundesrathe den Antrag auf retchSgesetzliche Regelung der Bergwerks- Aufsicht und Erlaß eines Reichs-Berggesetzes ein
erstenmal Wernershof ihren staunenden Blicken sichtbar. Es war ein wunderschönes, schloß- ähnliches Gebäude mit hohen breiten Fenstern, die theilweise auf schattige, mit seltenen Blumen und Blattpflanzen gezierte Balkone sich öffneten. Die Zimmer waren alle hell, hoch und luftig, überall gab es hübsche, lauschige Eckchen und Winkel, die das Herz eines Künstlers entzückt haben würden.
Miriam stieß einen leisen Schrei des Entzückens aus.
„Mama," sagte fie athemlos, „es ist noch großartiger, als ich geglaubt!"
Jetzt hielt der Wagen an, die Thür flog auf und gewährte den Einblick in eine prächtige Halle und auf zwei Reihen von Livreebedienten, die zu beiden Seiten aufgestellt waren. Es schien Frau Donooan wie ein Traum, als ihr Bruder nach einer herzlichen Begrüßung ihr den Arm bot und sie der zahlreichen Dienerschaft als ihre Herrin vorstellte. Schweigend nahm fie deren Huldigung entgegen, es war ihr unmöglich, ein Wort über die Lippen zu bringen, aber Alle empfingen einen günstigen Eindruck von der neuen Gebieterin von Wernershof. Sie hatte allerdings keinen Titel, sie war einfach Frau Donooan, und die meisten unter ihnen hatten schon in Diensten der Gräfin Werner gestanden, aber mit dem ihrer Klaffe eigenen Instinkt bemerkten ste sofort, daß Herr» Nugents Schwester eine geborene Lady war. Sie hatte aber die ruhige, einfache Vornehmheit der Manieren, die stch bester fühlen als beschreiben läßt.
Miriam rauschte durch die herrlichen Räume des Hauses mit der stolze» Würde einer Königin
---
gebracht, nämlich die Regierung des Herzog. thumS Sachsen-Altenburg. Hoffentlich ver läuft nicht auch dieser Antrag ebenso im Sande- wie seine Vorgänger im Reichstage. BemerkenS- werth ist der Umstand, daß die Nachricht von dem Einbringen dieses Antrages im Bundesrathe von Altenburg aus an verschiedene Zeitungen gesandt worden ist. Fürchtet man etwa in Sachsen- Altenburg ein lautloses Begräbniß des Antrages durch eine Mehrheft des BundeSratheS, so daß man den nicht mehr unbekannten Weg der „Flucht in die Oeffentlichkeit" antritt?
* Den de«tfche« Ikottettverei«, der seit zwei Jahren mit mächtig geschwellten Segeln einherfuhr, seine Mitgliederzahl so im Handumdrehen auf Hunderttausende brachte und soviel Geld bekam, daß er in Verlegenheit war, was er damit anfangen solle, verfolgt neuerdings zunehmendes Pech. Das Malheur, daS ihn mtt der von seinem „Kanzler" eigenmächtig eingerichteten Chinanachrichten-Agentur, deren Erfolge zu den Kosten im umgekehrten Verhält- niß standen, sowie die dadurch im Vorstande hervorgerufenen Mißhelligkeiten traf, ist bekannt. DaS ganze „patriotische" Werk schien gefährdet zu sein. Es gelang aber schließlich, die Gefahr zu beschwören und diejenigen, die fie herbeigeführt hatten, auSzuschiffen, so daß das Fahrzeug wieder im Gleichgewicht zu fein schien. Nun aber kommen neue Hiobsposten: Die marinirte Begeisterung droht nachznlassen und gerade in den Kreisen, auf die man die größten Hoffnungen gesetzt hatte, bei der deutschen Jugend. Wie berichtet wird, hat der in Eisenach abgehaltene 20. außer- ordentliche Burschenschaftlertag einstimmig beschloffen, daß der Burschenschasten- verband alS solcher aus dem Flottenverein auszutreten habe, womit auch der jährliche Beitrag von 1000 Mark wegfällt. Die Betheiligung an den Bestrebungen deS Flottenvereins sei den einzelnen Burschenschaften anheimgegebe». Wehe, wehe! Wenn das schon an dem grünen Holze geschieht, wo soll denn da dem dürren die Begeisterung für die uns „bitter noththuenden" wettern Flottenvrrmehrungen her- kommen? Aber zu allem Glück ist doch Hilfe noch in Gicht: Das hessendarmstädtische Schulministerium läßt in den Gymnaste» und sonstigen Schulanstrlten Flottenagitation treiben und die Druckschriften des Flottenvereins unter den. Schülern kolportirrn. Den „Dank" dafür werden ihm die Sozialdemokraten nächstens in der zweiten hesfischen Kammer abstatten. I» dem Schicksal des Flottenvereins kann man ein Spiegelbild des Flottenrummels erblicken, wie er seit zwei Jahre« getrieben wird.
X Dom Germittyandek an der Mörse. Die Mitglieder des Börsenansschuffes find, wie bekannt, aufgefordert worden, am 11. Juni zu einer Berathung darüber zusammen zu treten, wie man den Wünschen der Börsenspekulanten nach einer erneuten Erweiterung derjenigen Kreise entgegenkommen könnte, die Termingeschäfte in rechtsverbindlicher Weise abschließen dürfen. Nach der Mittheilung eines Börsen- blattes ist den Mitgliedern deS Börsenansschuffes
— das war die Umgebung, in der sie sich wohl fühlte, der würdige Rahmen für ihre Majestätische Schönheit.
Ihr Onkel bewunderte sie, aber liebevoll ruhte fein Auge auf Klara, die mit staunenden Blicken di: fie umgebende Herrlichkeit betrachtete.
Einige Wochen waren vergangen, und die Bewohner von Wernershof hatten sich völlig in ihr neues Leben eingewöhnt. Sie waren jetzt auch bester im Stande, Albert Nugent'« eigenthümlichen Charakter zu verstehen. Sie sahen, daß ein beständiger Kampf zwischen zwei Naturen ihn quälte, die eine offen, gütig, großmülhig und warmherzig, die andere stolz, kalt, hart und ehrgeizig; sie sahen auch, wie alle seine Gedanken und Hoffnungen sich mit dem Plan beschäftigten, den er für die Zukunft seine« Hause« entworfen hatte. Selbst der schärfste Beobachter jrdoch hätte kein Zeichen von Bevorzugung für eine feiner Nichten in seinem Benehmen entdecken können. Er liebte es, sich mit Miriam zu unterhalten; er bewunderte ihren Geist, ihre Schlagfertigkeit. Aber zu Klara flüchtete er, wenn er Ruhe und Erholung suchte. Sie allein besaß auch die Macht, ihn der düstern Stimmung zu entreißen, die ihn manchmal gefangen nahm; ihr süße« Gesichtchen, ihre melodische Stimme, der ganze Zauber ihre« liebenswürdigen, unschuldsvollen Wesen» erinnerten ihn stet« so gewaltsam an die Eine, die er um dieser Eigenschaften willen vor langen Jahren geliebt hatte. E« gab Zetten, wo er sich sehnte, ihr zu sagen, wie sehr fie seiner verlorenen Ella gleiche, wo er sich sehnte, sie al« Erbin feiner stolzen Besitzung und seines fürstlichen Reichthums einzufetzen; aber dann trat die Vorsicht an ihren Platz und flüsterte ihm zu, daß