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mit Mnterhattungs -Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitungs

M 129.

• Ausgleich der Interessen.

Kürzlich tagte in der bayerischen Stadt Lwiesel die 37. Wanderversammlung bayerischer Lavdwirthe. Bei dieser Gelegenheit hat der bayerische Thronfolger, Prinz Ludwig, eine Rede über den Ausgleich der Interessen zwischen Landwirthschaft und Industrie gehalten, deren Grundsätzen jeder vernünftige Mann bei- Mchten muß. Prinz Ludwig sagte: „Ich wünsche, daß die Landwirthschaft . . . blühen und gedeihen möge. Ich wünsche aber auch, daß sie sich nicht in Gegensatz stellen möge zu anderen Erwerbszweigen. Nur durch das Zu­sammenwirken aller Erwerbszweige ist es mög. lich, daß ein Staat gedeiht. Und da ist eben Äie große Schwierigkeit, einen richtigen Aus- «gleich zu finden, daß sowohl die Landwirrhschaft als auch die Industrie gedeihe, die Landwirth­schaft im mittler» Besitz, wovon ich namentlich -e« bäuerlichen Besitz hervorhebe, und die Land- avirthschaft im Kleinbesitz."

Diese einzig richtigen Grundsätze werden aber von den modernen Freihändlern nicht anerkannt. Nach deren Ansicht mag die Landwirthschaft getrost zu Grunde gehen, wenn nur ihr Weizen blüht im freien und unbe­schränkten Handel. Das will natürlich Niemand zugeben. Ihr Ziel suchen diese modernen Frei­händler vielmehr auf Umwegen zu erreichen. Namentlich auf dem Umwege, daß sie sagen: Der arme Mann, der Arbeiter, würde durch eine Erhöhung der Getreidezölle zu stark belastet werden. Und um in diesem Sinne einen Scheinbeweis zu führen, werden allerhand Bei­spiele vorgrführt. Die neueste Leistung dieser Art in der Freihandelspreffe ist ein Rechen- exemprl von dem Brodverbrauche einer Arbiiter- samilie, die aus Mann, Frau und zwei Kindern Äesteht und von der Mehrbelastung, die auf eine solche Familie durch erhöhte Getreide- zö l l e entfallen würde.

Man rechnet so: Der Verbrauch an Brod körn soll im Jahresdurchschnitte unter großstädtischen Verhältnissen rund 200 kg für

Kopf betrage». Eine ArbeUerfamilie — «»genommen ist eine Arbeiterfamilie in der Textilindustrie l — soll gegenwärtig durch den Einfuhrzoll für fremdes Getreide mit 28 Mark jährlich belastet sein. Die Arbeiterbeoölkerung, die von der Textllindustrie lebt, habe nach der Berufszählung vom Jahre 1895 bereit» 1 900 000 Köpfe betragen; schon damals also habe diese Bevölkerung eine Last von mehr al» dreizehn Millionen an Getreidezoll, also für die Land­wirthschaft aufbringen müssen, jetzt betrage diese Last sicherlich 17 Millionen, da die fragliche Be­völkerung der Zahl nach erheblich sich vermehrt habe. Nun sollte der Getreidezoll auf 6 Mark erhöht werden. Dann würde die Jahresabgabe für die Arbeiterbevölkerung derjenigen Industrie, in der die größte Noth vorhanden sei, sogar auf 29 Millionen Mark jährlich erhöht werden.

Zwei Iiinge.

Frei nach dem Englischen von A. Michola.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

Miriam lauschte in athemloser Spannung, «n angstvoller Ausdruck trat in ihre Augen. Was konnte er nur zu sagen haben?

„Die Meisten werden denken," fuhr der Lnkel fort, „daß ich bei meinem Tode mein -vermögen unter meine beiden Nichten theilen würde, aber — versteht mich wohl, Kinder —

habe durchaus nicht diese Absicht. Die Tine wird eine reiche Mitgift erhalten, der Anderen werde ich Wernershof und mein ganzes Ver- wogen zuschreiben unter der Bedingung, daß sie ^ch meinem Wunsch sich verheirathet und mit y"”1 und Kindern den Namen Nugent an- Ich bin stolz auf meinen Namen, den »»„Heldentod meines Vaters schon berühmt ge- acht und ich wünsche, daß die „NugeutS von Wernershof" in der Geschichte fortleben."

««ne Pause trat ein und Miriam warf futter und Schwester einen Blick zu, der diesen fihvH gebot. „Ich brauche wohl nicht zu sprach der Onkel weiter, „daß mein oin? Eifersucht zwischen Euch erregen werde, apffie,r; 9hr seid Schwestern und neidische CFnlr an Euch fremd sein. Wenn eiSnS? ««willigt, hoffe ich Euch Alle in f'fo9« s"-^rnerShof zu sehen. Ihr Monats °eiöe gleich theuer, aber nach einigen n, wenn uh Euch beffer kennen gelernt.

Jutöa, Samstag, den 8. Juni 1901.

Das klingt in dieser Fassung nun wirklich bewahr so, wie eine Ungerechtigkeit. Aber es ist ein großer Trost, daß diese Fassung voll­kommen unhaltbar ist; und zwar aus fol­genden Gründen:

Erstens ist der Verbrauch an Brodkor» zu hoch angenommen. Auch die sozialdemo­kratischen Größen berechnen diesen durchschnitt­lichen Verbrauch nur auf 140 kg, und schon da­nach würde sich das ganze Rechenexempel ganz erheblich anoers stellen. Zweitens aber ist eS doch ganz einfach nicht wahr, daß die Ein­fuhrzölle für fremdes Getreide von den Bro dv erb räuchern im eigenen Lande getragen werden müßten. Sie leisten, wie längst nachgewiesen ist, nur einen kleinen Beitrag dazu. Die ganze Rechnung ist also grundfalsch.

Nun kommt ferner noch ei» anderer Punkt in Betracht; das eben ist der einzig richtige Grundfstz vom Ausgleiche der Interesse». Bestehen nicht etwa auch Schutzzölle für die Er­zeugnisse der Industrie? — für die Erzeugnisse der Gewebe-Industrie, ebenso wie für die an­deren? Solche Zölle bestehen genau ebenso, wie für das Getreide als Erzeugniß der Landwirth­schaft; und gerade die Erzeugnisse der Gewebe- Industrie find für alle Menschen ebenso noth- wendig, wie das tägliche Brot, auch für den allerärmsten Man» in derjenigen Bevölkerung, die von der Landwirthschaft lebt. Denn kleiden muß fich jedermann genau ebenso unumgänglich nothwendig, wie er essen muß. Dle Getreide- zölle aber find während der Zeit, während deren wir überhaupt nennenswerthe Schutzzölle haben, herabgesetzt worden, nämlich bei dem Ab­schlüsse der noch jetzt bestehenden Handelsver­träge; die Schutzzölle für die industriellen Er­zeugnisse aber nicht. Nun sollte einmal berechnet werden, wieviel die Einfuhrzölle für gewebte Stoffe aller Art im Durchschnitte nach dem Kopfe der Bevölkerung ausmachen, und ferner, welche Jahresabgabe dieser Art auf der landwirthschaft- lichen Bevölkerung des Reiches lastet. Daß da­bei mehr als 17 Millionen herauskommen würde, ist sicher. Die Industrie ist eben während der letzten Jahrzehnte auf jegliche Art vor der Land­wirthschaft bevorzugt worden. Soll nun der von dem Prinzen Ludwig von Bayern mit Recht empfohlene gerechte Ausgleich der Jntereffen vor sich gehen, dann muß diesmal auf die Land­wirthschaft besondere Rücksicht genommen werden, nachdem sie vorher so lange Zeit hindurch stief- mütterlich behandelt worden ist.

- Für die deutsche Industrie ist eS ja auch eine Lebensfrage, daß eS der deutschen Landwirthschaft gut gehe. WaS sollte wohl die Industrie anfangen, wenn die Land­wirthschaft nichts mehr von ihr kaufen könnte? WaS würde denn nachher z. B. auS dem Textil- arbeiter? Das wolle man auch nicht vergessen, wenn man diese Dinge beurtheilt. Man sollte es zwar kaum noch glauben, daß eine solche Ver­geßlichkeit möglich wäre. Aber daß es doch so ist, lehrt »ns die Erfahmng beinahe alle Tag;; deswegen muß auch daran stets von neuem erinnert werden.

werde ich meine Erbin wählen — Jene, welche mir am geeignetsten scheint, meine Pläne auS- zuführen. Wir verstehen einander nun voll­kommen, nicht wahr? Bist Du einverstanden, Helene?"

„Gewiß," war die nachdenkliche Erwiderung, „aber es wird eine große Veränderung für meine Kinder sei», Albert."

„Eine größere, als Du Dir vorstelle» kannst," sagte er lächelnd. „Die Fräulein Donovan von Wernershof müssen kostbare Toiletten- Juwelen, eigene Reitpferde und dergleichen haben. Die nächste Saison müssen sie in Loudon zubringen und bei Hof vorgestellt werden, ein ganz neues Leben wird für ste beginnen."

Es fing jetzt an kühl zu werden und voll Besorgniß für seine zarte Schwester schlug Albert vor, sich in daS HauS zurück zu begeben. Klara folgte bereitwillig, aber Miriam bat, noch eine kleine Weile im Freien bleiben zu dürfen. Die Worte ihres Onkels hatten ihr Blut in stürmische Wallung versetzt, sie mußte ungestört darüber nachdenken, ehe sie an einer anderen Unterhaltung theilzunehmen vermochte.

Der stolze Wunsch ihres Onkels war ihr sympathisch, sie konnte ihn verstehen, aber sie war fich auch vollkommen klar darüber, daß der Gatte seiner erwählten Erbin, der erste Nugent von Wernershof, ein Mann von hoher Geburt und tadelloser Abstammung sein müsse, — er hatte dies deutlich zu verstehen gegeben. War es nun glaublich, daß er zur Verbindung seiner Erbin mit einem vermögenslosen Maler seine Zustimmung geben würde?

Deutsche» Keich.

Berlin, den 7. Juni.

+ Legatiortsraitz Iriedrich v. Kehler t- Heute (Freitag) früh 6 Vs Uhr ist im HedwigS- kcankenhaufe zu Berlin der Legationsrath a. D., langjährige Centrumsabgeordnete und Führer der Berliner Katholiken, Friedrich von Kehler, sanft im Herrn entschlafen. Am letzten 1. Oktober hatte der Entschlafene seinen achtzigsten Geburts­tag in körperlicher und geistiger Frische begangen. In der zweiten Hälfte des letzten WinterS jrdsch zeigten sich Merkmale voy Altersschwäche, und als die Lenzsonne die anderen Menschen hinaus- lockte in Gottes schöne Natur, begab sich der Abgeschiedene in das genannte Krankenhaus mit dem bestimmten Vorgefühle, daß er dasselbe lebend nicht mehr verlassen würde. Friedrich vo» Kehler wurde am 1. Oktober 1820 als Kind protestantischer Eltern in Berlin geboren; schon im April 1849 legte er zu Köln in der St. SeoerinSkirche daS katholische GlaubenSbekennt- niß ab. Der diplomatischen Laufbahn blieb Friedrich von Kehler bis zum Jahre 1864 treu; dann nahm er als Legationsrath seinen Abschied. Dann aber begann er erst die eigentliche Thättg- kett seines Lebens: die Organisation der Berliner Katholiken. Das katholische Leben in Berlin, in neuerer Zeit in so erfreulicher Entwickelung begriffen, verdankt diese günstige Entwickelung unter allen Menschen am allermeisten dem soeben aus dem Leben geschiedenen Manne, der mit seltenen Gaben deS Geistes und Charakters eine herzgewinnende Liebenswürdigkeit und Freundlich­keit verband, wie sie nur sehr wenige Menschen eigen sind. Friedrich von Kehler hatte alle zu Freunden und Verehrern, die mit ihm in persönliche Be­rührung kamen; Feinde hatte er nicht. Aber sein Wirken reichte weit über Berlin hinaus, denn Friedrich von Kehler gehörte zu den Begründern der parlamentarischen Centrumspartei und somit zu den ältesten und verdientesten Veteranen der­selben. Im preußischen Abgeordnetenhause vertrat der Verstorbene erst den westpreußischen Wahlkreis Konitz-Tuchel. Von 1873 bis 1898 war er Ver­treter des Wahlkreises M.-Gladbach im Reichstage. Aber auch innerhalb der katholischen Presse hat Friedrich von Kehler hervorragende Verdienste sich erworben: er gehörte zu den Gründern der,Ger- mania' und stand sogar einmal vorübergehend an der Spitze der Redattion derselben. Mtt seinem Abschiede ist eine Lücke in die Phalanx der Ber­liner Katholiken gerissen, die unausfüllbar ist. Aufrichtiger und herzlicher al« bei ihm kann der Wunsch aller Katholiken nicht sein, wenn sie ihm in dankbarer Zuneigung nachrufen: Er ruhe in Frieden!

h KhinaDenümSnze. Der ,Reichsan­zeiger' bringt eine kaiserliche Verordnung über die Stiftung einer Denkmünze für die China- Krieger. Die Denkmünze auS Bronze erhalten Offiziere, Aerzte, Beamten und Mannschaften der nach Ostasien entsandten Streitkräfte und die An­gestellten der deutschen diplomatischen Aemter in Peking und Tientsin. Die Denkmünze auS Stahl ist für solche Angehörigen der Armee und Marine bestimmt, die in außergewöhnlicher Weise im In­teresse der nach Ostafien .entsandten Truppen thätig gewesen find. Die Denkmünze zeigt auf

Wer war Rudolf Blanche? Schon sein Name klang ftemd und eigenthümlich. Welch' seltsame Geschichte hatte er ihnen erzählt! Wel- ches waren die Umstände, die seine Mutter, die er al» eine gebildete Engländerin von guter Her- kunft bezeichnete, an die seifigen Küsten Spaniens getrieben hatten? Welches waren ihre Erlebniffe vorher? Wer war der unbekannte Vater, der vor der Geburt seines Kinder gestorben war?

Miriam stellte fich ihres OnkelS harte, kalte Züge vor, wenn er an fie diese Fragen richten würde, für welche fie keine Antwort hatte. Bei all diesen Erwägungen jedoch fühlte sie fast mtt Widerstreben, daß ihr Herz voll Liebe für Rudolf schlage Md sie überlegte, ob ste die de­finitive Entscheidung nicht hinausschieben könne, bis sie ibren Onkel näher kennen gelernt hätte. Einer jedoch stand fest bei ihr — die Thatsache ihrer Verlobung mußte streng geheim gehalten werden. In diesem Gedanken beruhigte fie fich etwas und verließ den Garten, um da« kleine Wohnzimmer aufzusuchen, wo Mutter und Schwester ihrer warteten. Der Onkel hatte fich zurückgezogen und die beiden Damen sprachen gerade von ihm; Miriam hörte ihnen mit un­gewohntem Interesse zu. .

„Findest Du Deinen Bruder, wie Du ihn zu finden erwartetest, Mama?" fragte Klara, „oder hat er sich sehr verändert?"

„So vollständig, wie ich eS nie für möglich gehalten," war die traurige Entgegnung. „Er hatte das beste, gütigste Herz — er hat es noch, aber ftüher zeigte er es. In seinen jungen Jahren wußte er nicht» von weltlichem Ehrgeiz,

28. Jahrgang.

der Vordersette einen Adler, der einen Drache» unter seinen Fänge» hält auf der Rückseite dm kaiserlichen Namenszug mit der Kaiserkrone dar­über und bei der Denkmünze auS Bronze die Inschrift: „Den siegreichen Streitern 1W0 China 1901" — bei der auS Stahl: „Verdienst um die Expedition inach China". Die Denkmünze soll auf der linken Brust an einem orangefarbenen, 36 mm breiten, weiß geränderten, mit rothen und schwarzen Stressen durchzogenen Bande getragen werden.

X „Avfoktte- Stillschweigen" haben sich nach einer halbamtlichen Notiz der,Nordd. Allg. Ztg/ die Theilnehmer an der Zollkonferenz ! Über Gang und Inhalt der Verhandlungen aufer- legt. Aber der Gang der Verhandlungen ist ja bereit« bekannt — ein wunderliche« Stillschweigen!

X Nie Aleichsünanzen find, wie ganz richtig oermuthet wurde, der zweite Gegenstand der vom Reichskanzler zusammenberufmen „Zoll­konferenz" gewesen. Die Berathung darüber hat Donnerstag Vormittag stattgefunden und mehrere Stunden gedauert. Die Finanzosfljiöse» geben sich indessen große Mühe, um den Arg­wohn zu zerstreuen, als seien dabei neue Reichs- steuern ins Auge gefaßt worden. So schreibe» beispielsweise die ,Berl. Poltt. Nachr.': „Wenn jetzt von einer RetchSfinanzrefsrrn die Rede ist, so handelt es fich zunächst lediglich um eine ander weite Abgrenzung der Finanzen deS Reiches und der Bundesstaaten. Erst wenn nach dieser Richtung hm ein Einverständniß zwischen den Verbündete» Regierungen erziett ist, wttd zu prüfen sein, ob eS zur Innehaltung der von ihnen in Aussicht genommenen finanziellen Grenze zwischen Reich und Bundesstaaten einer Ver­mehrung der Einnahmen des Reiches ... be­darf." Die halbamtliche Feder weist darauf hin, daß die Einnahmen auS den Zöllen und Verbrauchssteuern wieder zu steigen angt fangen haben und auf die Wahrscheinlichkeit, daß sie in der nächsten Zeit noch mehr steigen werde»; denn die Angaben über die Getreide-Ein­fuhr thun eine starke Zunahme dieser Einfuhr in der letzten Zeit dar und lassen in Verbindung mit den leider schlechten Aussichten für die nächste Getreide-Ernte mit Sicherheit erwarten, daß diese steigende Bewegung in den Zolleinnahmen anhält. Die offiziöse Ableugnung beweist na» tuend) gar nichts gegen die Annahme, daß Pläne über neue Reichssteuern vorhanden seien. Und auch ohne neue Steuern wird eS den Verbündeten Regierungen schwerlich gelingen, eine sogenannte ReichSfinanzresorm im Reichstage durchzubringen, wenn diese auf den alten Grundsätzen aufge­baut ist.

+ Das (Merpräsidinm »o« Hftprenhe» sollte bekanntlich nach den Meldungen verschiedener Blätter de«. Grafen von Dönhoff-Friedrichstein zufallen, nach anderen Gerüchten einer politischen, in einem höhern Amte befindlichen Persönlichkett al« Ruheposten Au« amtlicher Quelle geht der ,Nordd. Allg. Ztg/ im Gegensätze dazu die nach­folgende Mittheilung zu: „Die verschiedenen in .der Presse umlaufenden Gerüchte über die Wieder­besetzung be« Oberpräsidium» in Königsberg werden un» als falsch bezeichnet."

X Kreistnniger Mahkschwindek. Nach und nach erfährt man Genaueres über die M—

er war bescheiden und uneigennützig, wie Wenige Jetzt scheint eS mir, als ob er eine kalte, hart» Maske vorgenommen. Nur hier und da erinnert mich ein Zug an den weichherzigen, liebevollen Bruder, wie ich ihn ftüher gekannt."

„Ich möchte wrffen, welcher Art sein Kummer war," sagte Klara. „Hast Du eine Mnung davon, Mama?"

Frau Donovan wurde verlegen. „Gs darf Euch nicht kränken, Kinder," erwiderte fie, *menn ich über diesen Punkt Schweigen beobachte. Ja, ich kenne GureS Onkels Kummer, ohne daß er selbst eS ahnt. Er kann es nicht ertragen, daß man daran rühre, darum ist es besser, ihr bleibt im Unilaren darüber. Wir mfiffen suchen, fein Gemüth zu erheitern, Klara. In ihr tiefes Weh versenkt, sehen die Menschen oft deS Himmels Klarheit nicht, vielleicht gelingt eS unS, die schweren Wolken für ihn zu vertheilen."

„Ich möchte ihn nicht verändert sehen," rief Miriam, „mir gefällt er am besten, so wie er ist. Sei nicht böse, Mama, aber wenn alle Menschen wären, wie Du und Klara, dann wäre das Leben einfach unerträglich — e8 wäre nichts Frisches, nichts Kräftiges darin, Alles so zahm und so nüchtern!"

Frau Donovan erwiderte nichts auf dies« stolze Rede und Miriam fuhr fort:

„Höre mich an, Mama, bitte auch Du, Klara. Ich wünsche nicht, daß mein Onkel ein einziges Wort von meiner Verlobung mit Rudolf hört. Ich habe meine besondere» Gründe dazu und muß bitten, daß ihr dieselben refpektirt."