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mit Nnterßattungs-Beilage „Iüüstrirte Sonntags-Zeitung" "" p<t<reea$e Nr. s (earmonk).

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M 124.

Juköa, Samstag, den 1. Juni 1901.

28. Jahrgang.

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Für «unmehi.

feen Bischofsstuhl in Metz scheint die geeignete Persönlichkeit gefunden zu

Wochen-Wunöfchau.

(Nachdruck verboten.)

X Fulda, 1. Juni.

Auch die Politik der letzten Woche stand unter dem holden Einflüsse des Pfingstzaubers. Pfingsten, 'Pfingsten — da will man nur hören von Blüthen- pracht und Nachtigallenschlag, und auch die aller- ernstesten und allermächtigsten Staatsmänner lieben es, in dieser Zeit sich zu ergehen in Gottes herr­licher Natur, denn nur einmal blüht im Jahr der Mat! So war denn auch Reichskanzler Graf Bülow nicht aus Elsaß - Lothringen unmittelbar wieder nach Berlin und nach seinem ernsten Kanzler- Hause zurückgekehrt, sondern zunächst nach dem Schwarzwalde gereist, um diesen in seiner Frühlings- Herrlichkeit zu bewundern und kurze Erholung zu suchen von dem Staub der Städte. Es ist nicht unbemerkt geblieben, daß die Gelegenheit des .Kanzlerbesuches im Großherzogthum Baden von dem amtlichen Karlsruher Blatte dazu benützt wurde, um auf das äugt nehme Verhältniß zwischen der Berliner Regierung und den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten ein Loblied anzustimmen. Offiziöse Loblieder dieser Art sind zwar im Allgemeinen nicht viel werth. Aber derlei liest doch Jedermann im Reiche gern. Nächstens werden sich Minister von Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen mit einigen preußischen Ministern bei dem Kanzler einfinden, um gemeinsam über einige wichtige politische Fragen zu berathen. Die Berathung soll am 4. Juni vor sich gehen, am Tage nach der Ent­hüllung des Bismarckdenkmals vor dem Reichstage. Daß sie sich mit der Gestaltung des neuen Zolltarifs beschäftigen wird, versteht sich von selbst. Außerdem soll wohl auch wieder einmal von der sogenannten Reichsfinanzreform gesprochen werden. Die Finanz­minister der einzelnen Bundesstaaten haben von jeher Neigimg zu einer solchen sogenannten Reform in dem Sinne, daß sie sich mit ihrer Finanzpolitik gar nicht darum zu kümmern brauchen, wie es mit den Finanzen des Reiches bestellt fei, daß sie womöglich von der Reichskasse für ihre Landesfinanzen noch allerhand geschenkt bekommen. Erklärlich sind solche Finanzminister-Neigungen; aber ob sie zu billigen find, das ist die große Frage. Der Reichstag hat sich schon einmal im Jahre 1893 mit dieser Reichs­finanzreform beschäftigt, hat es aber mit bedeutender Mehrheit abgelehnt, sie gut zu heißen. Damals war me Kleinigkeit von hundert Millionen Mark neuer steuern damit verknüpft; und sollte die Reichs­regierung von Neuem mit solchen Plänen an den Reichstag herantreten, so würde sie bei diesem höchst wahrscheinlich denselben kritischen Mienen begegnen. Herr von Zeyer, der württembergische Finanz­minister, hat zwar in der württembergischen Zweiten Kammer versichert, die Verbündeten Regierungen seien „entschlossen" dazu, die sogenannte Reichsfinanz­reform durchzuführen. Aber es gehören Zwei dazu, um diesen Entschluß in die Thal umzusetzen, der Bundesrath uno auch der Reichstag; und wenn der Bundesrath zehnmal entschlossen ist dazu, seine Finanz­reform durchzuführen,, so hat das so lange wenig zu bedeuten, als der Reichstag dazu Nein sagt. Ueb- rigens hat Herr von Zeyer ausdrücklich dabei betont, von neuen Reichssteuern wisse er gar nichts. Man kann in großer Gelassenheit der Dinge harren, die da kommen sollen!

Ein gern gesehener Gast hat kürzlich in Berlin geeilt: Prinz Leopold von Bayern. Prinz Leopold ist bekanntlich Generalinspekteur Oer Werten Armee-Inspektion, und als solcher hat er Truppenbesichtiguikgen in Brandenburg a. d. Havel und in Fürstenwalde vorgenommen. Das Pfingstfest hat der Prinz an der Ostsee zugebracht und nach­her die Rückreise nach München angetreten.

Erwähnung verdient die Nachricht einer Ber- uner Zeitung, wonach der Bundesrath geneigt $etn soll, diesmal endlich in der Frage der Zahlung von Tagegeldern an die Mitglieder des Reichstages uachzugeben und dem dreizehnten Bcschluffe des Reichstages in diesem Schluffe die Bestätigung zu verleihen. Thatsache ist, daß der Bundesrath mit «er Sache sich beschäftigt und dieselbe zunächst seinem zuständigen Ausschüsse überwiesen hat. Was aber "eüer daraus werden wird, kann man nur in Ruhe und Geduld abwarten. Daß in sehr hohen Regio- Lenu^" ungünstiger Diälenwind weht, ist bekannt

Sehr verständig sind die Rathschläge und An- vronungen, die in einem Rundschreiben des Ministers es Innern über die zunehmende Arbeitslosig- " und ihre Bekämpfung enthalten sind. Der fortt ern will damit dazu beitragen, daß die unge- Arbeiter, die von der Industrie nicht mehr foh, ’9t werden können, nach dem Lande zurück- bor "ö um .auf diese Weise dem Arbeitermangrl in Mi»-s, fewirthschuft ein wenig abzuhelfen. Der ordnet organische.Verbindungen zwischen o» <cy**e.feetten Arbeitsnachweisen und außerdem b*e Beförderung solcher Arbeiter auf der «rtn „- Segen die Ausstellung gewisser Gutscheine, JnBauJ. Kredit, erfolgen kann. Erst später würden cei tt °sese Gutscheine durch bares Geld einzulösen L,' kann nur recht lebhaft wünschen, daß werde ta®tE9el ihre entsprechenden Folgen haben

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sein, die der Regierung ebenso angenehm sein würde wie dem Oberhaupte der Kirche. Man sagt, der Abt des Trappistenklosters in Oelenberg bei Mül­hausen im Elsaß, Herr Strunk, sei als Bischof von Metz ausersehen. Derselbe stammt aus West­falen, ist aber nach längerem Aufenthalte in Belgien bereits in den achtziger Jahren nach Oelenberg über­gesiedelt.

Nach dem Vorgänge einer ganzen Reihe von Landtagen hat der Landesausschuß für Elsaß- Lothringen eine Entschließung angenommen, in der „ein ausreichender Zollschutz für die Landwirth- schcfft" verlangt wird. Die Entschließung stammt nicht von agrarischen Urhebern, sondern von einem Arzte, dem Sanitätsrath Dr. Höffel, der Mitglied des Landesausschusses und auch des Reichstages ist. Der Staatssekretär von Puttkamer hat im Landesausschuß die Annahme der Entschließung be­fürwortet. Von Bedeutung ist auch die endgiltige Annahme der S t e u e r r e f o r m für Elsaß-Lothringen durch den Landesausschuß vor dessen Schließung.

Die Verhandlungen über das Trauerspiel in Mörch-ingen haben nunmehr ihren Abschluß ge­funden : der oberste Kriegshof, das Reichsmilitärgericht in Berlin, hat das Urtheil der zweiten Instanz be­stätigt, die dagegen eingelegte Revision verworfen. Danach ist und bleibt also der ehemalige Oberleutnant Rüger zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren und zur Ausstoßung aus dem Heere verurtheilt.

Der Schlosser Weiland in Bremen, der das Eisenstück gegen den Kaiser schleuderte und den Mo­narchen an der Wange verletzte, ist aus der Irren­anstalt, in der er auf seinen Geisteszustand beobachtet wurde, in das Untersuchungsgefängniß zurückgebracht worden. Man hat aber noch nichts Bestimmtes er­fahren über den Ausfall des abgegebenen ärztlichen Gutachtens.

DieSchwedenbekommen ihreHeeresreform. Der schwedische Reichstag hat beschlossen, die Wehr­pflicht für die Infanterie auf acht Monate, der Ma­rine auf zehn und für die Artillerie und Kavallerie auf zwölf Monate zu bemessen; und die Regierung hat bereits ihre Zustimmung dazu erklärt.

In Frankreich dagegen wird in der laufenden Parlamentstagung die Frage der zweijährigen D i e n st p f l i ch t nicht mehr zur Verhandlung gelangen. Ministerpräsident Waldeck - Rousseau hat in dem Heeresausschusse des Senats erklärt, daß die Kammer nicht mehr die hinreichende Zeit für die Erledigung einer so wichtigen Angelegenheit habe. Alsdann aber muffen in Frankreich Neuwahlen zur Abgeordneten­kammer stattfinden. Diese werden also vermuthlich unter dem Schlagworte von dieser Heeresreform vor sich gehen.

Kennzeichnend für Pariser Preßverhältnisse ist eine Umwälzung, die sich in diesen Tagen in der Redaktion des altbekannten Blattes .Figaro' voll­zogen hat. Mit dem .Figaro' ist es in neuerer Zeit arg zurückgegangen. Seine Haltung in dem Dreysus- Hanvel hat ihm viel geschadet: und neuerdings suchte man ihn in dem Sinne zu verleumden, daß er mit deutschem Gelbe bestochen sei und auch danach schreibe. Da ist nun ein Gewaltstreich vollführt und durch diesen die bisherige Schriftleitung beseitigt worden. Der neue Leiter des Blattes Pörivier, hat seinen Vorgänger De RodLy mit dem Revolver in der Faust aus seinem Bureau vertrieben, da De RodLy nicht freiwillig das Feld räumen wollte. Auch der sehr bekannte Leitartikelschreiber des ,Figaro', Herr Cornely, ist abgesetzt worden.

Nach langer Unterbrechung sind die diplom atischen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und der Republik von Mexiko wieder ausgenommen worden. An der Stelle, an der seiner Zeit der be- dauernswerthe Kaiser und vormalige Erzherzog Maxi­milian ermordet wurdet ist eine Versöhnungs­kapelle errichtet worden. Vom nächsten Juli ab wird wiederum ein diplomatischer Vertreter des österreichischen Kaiserstaates in Mexiko und ein mexikanischer Gesandter in der alten Kaiserstadt an der Donau seinen Wohnsitz aufschlagen.

Das österreichische Abgeordnetenhaus hat noch unmittelbar vor dem Feste einen wichtigen Beschluß gefaßt; es wurde eine Vorlage der Regierung ange­nommen, wonach im Kohlenbergbau eine neun­stündige Arbeitsschicht Angeführt wird. Bei uns in Deutschland gibt es im Kohlenbergbau be­kanntlich überwiegend achtstündige Schichten. Der Hauptartikel der großen Berkeh rsvorlage wurde ebenfalls angenommen, wonach die Ausgaben für die geplanten Verkehrsverbesserungen auf 487 Millionen Kronen festgesetzt werden.

Die Angelegenheit der serbischen Königin Draga ist in eine neue Entwickelungsstufe getreten. Höchst wahrscheinlich hat der junge König Alexander bei dem Schwindel von den erhofften Mutterfreuden seiner Gattin mitgeholfen. Er selbst hat dazu beige­tragen, diese irrthümliche Auffassung zu verbreiten, um die höchst unbeliebte und überall äußerst unerwünschte Heirath mit der Draga volksthüm- kicher zu machen. So wenig Begeisterung in Serbien auch für Herrn Alexander vorhanden ist, so ist den Serben ein Dynastiewechsel natürlich auch nicht angenehm, und ein Sohn Alexanders und der Draga wäre den Serben lieber, als die Sorge um ein ganz neues Monarchenhaus. Man kann nur schwer be­greifen, Wie das Königs paar so thöricht sein konnte, Hoffnung auf ein solches elendes Gaukelspiel zu setzen, das doch unmöglich lange Vorhalten konnte. Jetzt wird gesagt, Nachkommenschaft sei du.chaus nicht aus­geschlossen. Königin Draga begibt sich zum Kurge- braucke in ein ungarisches Bad.

Das deutsche Oberkommando in Ost- asien wird aufgelöst. Das deutsche Panzerge­schwader kehrt aus China zurück; die Zahl der deut­schen Truppen in China wird herabgesetzt — das ist

der willkommene Inhalt eines kaiserlichen Befehls, der am Samstag vor Pfingsten auf den Antrag des Reichskanzlers erlassen worden ist. Die amtliche Ver­lustliste der deutschen Truppen weist 68 Mann auf. Eine zweite angenehme Nachricht aus China ist die, daß der chinesische Hof wieder nach seiner alten Residenz Peking zurückkehren will. Der Kaiser hat einen Aufruf erlassen an die chinesischen Bevoll­mächtigten , den Friedcnsschluß zu beschleunigen. Hoffentlich wird die angenehme Nachricht nicht mehr vom Gegentheil abgelöst!

[] Einiges über die Aussichten im ärztlichen Berus.

Alle Berussarten wollen an dem materiellen Aufschwung theilnehmen, der mit geringen Unter­brechungen in den letzten Jahrzehnten in Deutsch­land eingetreten 'ist. Unter ihnen gibt es aber vom Vaterlande vernachlässigte Stief­kinder, die Klagen erheben, wohl mit dem meisten Rechte die Aerzte. Trotzdem ist ein Drängen nach diesem Volksamte, in Schauren strömt die junge Welt nach den Bänken, wo die medizinische Wiffenschaft gelehrt wird. Keines ist sich darüber klar, wir jäh nach den idealen Schön­heiten der Lernzeit der Sturz in den Abgrund des realen praktischen Lebens folgt.

Uibergeht man die Enttäuschungen, die der Kontrast zwischen der Vollkommenheit der ärzt­lichen Unter suchungs-Methoden und den oft mangel- haften Erfolgen am Krärikenbette zeitigt, vergegen­wärtigt man die Schilderung schlafloser Nächte, von der Sorge um die Patienten geschaffen, so gilt es einige Paukte hervorzuheben, weil sie bei der Werthschätzung eines gelehrten Berufes betont werden müssen, der nach Einführung des prakti­schen Jahres 12 Semester dauert und zur Zeit für den Lebenserwerb als der undankbarste gelten muß. Ueberproduktion an Arbeits­kräften ist allenthalben vorhanden, macht sich aber vorzüglich unter de« Aerzten bemerkbar. Augenblicklich zählt man in Deutschland fast 30 000 Aerzte, selbst in kleineren Ortschaften ver­sehen et« oder zwei Wächter der Gesundheit ihren Dienst. Jedes Jahr bringt neue Schaaren junger Anfänger, die alle uitergebrachr sein wollen. Das zahlungsfähige Publikum hängt an seinen alten Berathern, die ca. 13 Millionen Krankenkassen. Mitglieder mit ihrem Familien - Anhang bieten zwar reichlich Gelegenheit für die im wahrsten Sinne des Wortes aufreibende Thätigkeit, «las die relativ kurze Lebensdauer der Aerzte beweist, während der Erwerb sich in so viele Theile theil, daß durchschnittlich im Jahre 1500 Jk aus den Erträgnissen derKaffen-Praxis auf den einzelnen Arzt fallen.

Für den Vermögenslosen hebt eine schwere Prüsungszeit an, namentlich in großen Städten dauert es viele recht magere Jahre, bevor auch nur die Aussicht auf ehe gesicherte Existenz be­ginnt. Bei solchen Betrachtungen wundert man sich nicht, liest man, daß in Berlin an 50 Aerzte um Armenunterstützung ein­kamen, zu schweigen von den untergeordnete Stellungen suchenden Arztwittwen. Dringt man etwas tiefer in das Wesen der ZwangLkcanken- kaffen ein, so findet man, daß dieselben an und für sich nicht gut bezahlen, oft auch, weil sie nicht in der Lage sind, die Ausgaben für den Arzt zu erhöhen, danach streben, durch Helanziehung ein­zelner Kräfte die ärztliche Hilfe zu verbilligen. Bei dem großen Andrang nach Kaffenarztstellen, heutzutage fast die einzige Möglichkeit Praxis zu gewinnen, sind ihre Bemühungen selbstverständlich erfolgreich. Wozu aber die Abhängigkeit von ihnen führt, beweisen die unerhörten Vorgänge der jüngsten Zeitperiode, da der humanste Stand gegen Ausbeutung und übelangebrachte Macht­entfaltung seitens einiger Kaffenverwaltungen zum Strike schreiten mußte.

In diese wenig beneidenswerthe Lage mischt sich noch die entwürdigende Konkurrenz und der Kampf mit dem Kurpfuscherthum. Unsere Gesetzgebung gestattet jedermann, ob Mann ob Weib, ob in bürgerlichen Ehren oder nicht, sich mit der Behandlung von Kranke« zu be- fassen. Der Kautschuk dieser Gesetze ist so über- dehnbar, daß der Kurpfuscher auch dann «och der Bestrafung entgeht, beruht seine Behandlungs­weise aus Lug und Trug. Nur muß der Laien- merikaster an seine Weisheit glauben, was er vor Gericht selbstverständlich immer thut, auch wenn sein Glaube in dem größten Unsinn wurzelt. Der Kampf gegen die Kurpfuscherei ist so alt wie die Geschichte der Medizin. Er wird auch nicht ganz beendet sein, tritt das Gesetz, das den legi­timen Vertreter der Medizin bei jedem seiner Schritte mit dem Gefängniß bedroht, für die Aerzte ein. Nicht umsonst gibt man dem Wunder das schmückende Beiwort „das Holde".

Wie verbreitet das Paradoxon der Ausübung der Heilkunde ist, zeigen einzelne Bezake im Königreich Sachsen, die ihre sprichwörtlich ge- wordene Intelligenz dadurch bethätigen, haß sie

mehr Pfuschern als Aerzten Aufenthalt gewähren Nicht genug mit diesen Klagen. Dem Aerztc- stand, dem es wirklich zu gönnen wäre, daß bessere Zeiten für ihn anbrechen, droht ein neuer Maffenzudrang. Nicht lange wird es dauern, daß die Pforten der Realschulen sich öffnen, um die Hochfläche« der Ueberproduktion noch mäch­tiger anschwellen zu lassen, daß zarte Frauen, nicht mehr Hilfe und Zärtlichkeit suchend, son­dern mit dem Hörrohr bewaffnet sich an de Männerbrust werfen.

Unbeachtet sind die durchaus nicht immer egoistischen Proteste der gesammte« Aerztewelt gegen diese Neuerungen geblieben, durch die an einem Stande exprrimentirt wird, der in materieller Hinsicht der Erholung und Schonurg bedarf. Ein Ende der ärztlichen Noth ist vor­läufig nicht abzusehrn, im Gegentheil, man kann mit Recht annehmen, daß sie noch steigen wird. Eltern, die ihren Kindern ein zufriedenes Erden- wallen wünschen, sollten mahnend ihre Stimme erheben, hören sie den Wunsch ihrer Söhne od«r Töchter, ein Studium zu erwählen, daß zwar einen wunderbaren Ausblick auf ein Blumenmeer von Wissen und Können gewährt, das aber gerade jetzt von den Disteln und Dornen, der Enttäuschungen allzu reichlich bewachsen ist.

Römische Briefe.

XIX.

□ 9tom, 27. Mai 1901.

Der hl. Vater hat dieser Tage einen weiteren Schritt unternommtN, welcher nicht verfehlen wird, alle Freunde des altehrwürdigen gregoria­nischen Gesanges mit größter Freude zu erfülle«, umsomehr dadurch endlich eine Lösung der lang­jährigen Frage der „Choralbücher" bevorzustehen scheint. Leo XIII. hat nämlich ein Breve an den Abt Delattre der Benediktinerkongregatio« von Solesmes gerichtet, in welchem er genannten Benediktinern seine hohe Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen in Sachen der „Choralfragen" ausspricht. Bekanntlich wurde m Solesmes die Ausgabe der gregorianische« „unkorrigirten" Melodien herausgegeben, welche !o viel Aufsehen in der kirchenmustkalischen Welt machte.

In Folge der Ernennung der neuen Rar« dinäle sind nunmehr die Besitzergreifungen der Kirchentitel ober Diakonie« durch die neuen Kardinalpriester ober Kardinaldiakone erfolgt. Diese Ceremonie besteht darin, daß der neue Titular in der Vorhalle mit der sogenannten Cappa Magna, dem großen rothen Kardinals- mantel, bekleidet wird und 'alsdann seinen Ein­zug in die Kirche hält. Hier nimmt er auf einem Throne Platz, worauf der Dekan der apostolischen Pcotonolare die päpstliche Ver- leihungsbulle verliest. Der Obere der betreffenden Ki-che hält hierauf eine Ansprache an den Kar­dinal, welche dieser kurz erroißert Hieran schließt sich die Huldigung der KirchengeistUchkeit, worauf der Kardinal am Hochaltar das Tedmm anstimmt. Zum Schluß begibt sich alles in die Sakristei, wo der erwähnte apostolische Proto- norar ein Protokoll über die Handlung auf« nimmt. Auf solche Weise nahm gestern der Kardinal Cavagnis Besitz von seiner ihm ver- liehenen Kirche 8t. Maria ad Martyres, dem Puniheon, diffen Domherr er bereits früher war.

DieFürstin Milena von Montenegro, sowie deren Sohn, Prinz Mirko, welche seit einigen Tagen als Gäste deS Königs in Rom weilen, erregen viel Aufsehen durch ihre glän­zenden Nationaltrachten, in welchen sie sich fast immer zeigen. Der Wagen des Prinzen Mirko wird immer von zwei V lozipediste« begleitet.

Wie die heutigen Blätter melden, ist der Staatssekretär Kardinal Rampolla un­wohl und muß das B-tt hüten. Seit seiner Er­nennung zum Staatssekretär hat er noch niemals einen Urlaub genommen, selbst in den heißesten Sommer-Monaten bleibt er in Rom; seine ein­zige Erholung besteht in seinen täglichen Spazier­fahrten, die er gegen Sonnenuntergang in ge­schloffenem Wagen unternimmt. Abwechselnd fährt er dann zur Paule kirche und zu der vor der Porta Pia gelegenen Kirche der hl. Agnes, wo er gewöhnlich eine halbe Stunde im Gebete ver­weilt, um dann wieder seinen Wagen zu besteigen und in seine bekanntlich im Vatikan selbst gelegene Wohnung zurückzukehren. Diese regelmäßigen Aus­fahrten erleide« nur dann eine Aenderung, wen« der Kardinal einen Besuch zu erwidern hat, der ihm von Mitgliedern souveräner Häuser abgkstattet wurde.

Das Pfingstfest ist hier leider verregnet, wie wir uns denn überhaupt in eher sehr un­angenehmen, für de« Weinbau allerdings sehr günstigen Regenperiode befinden.

Aus dem deutschen Campo Santo neben der PeterSkirche sand gestern in der dortigen Kirche