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Iu0öa, Freitag, den 31. Mai 1901

28. Jahrgang.

: H»»a»t-ortllch: Für Me Xetattien 3of. Saxm, fgr Inserat« 3. Parzelle» tu Fulda.

mit Anterkallungs-Beilage „Issnstrirte Sonnlags-Zeitung" *"• ‘Sä“

G Unsere französischen Verbündeten.

Am letzten Mittwoch hat Berlin ein merk« würdiges Schauspiel gesehen. Von dem Tempel- Hofer Felde im Süden von Berlin, dem riesig großen Exerzierplätze und Paradefelde der Ber­liner Garnison, sind an diesem Tage zwei französische Offiziere an der Spitze des 2.Garde-Regimentes durch die Straßen von Berlin nach der Kaserne des genannten Regi­mentes marschirt: General Bonnal und sein Adjutant, der Oberstleutnant Galtet, in der Mitte zwischen beiden ein deutscher Stabsoffizier. Dann kamen die Fahnen der Katserbrigade, deren Exerziere» der Kaiser und die französischen Offi­ziere beigewohnt hatten, und hinter den Fahnen der Kaiser selbst, der das 2. Garde-Regiment ebenfalls nach seiner Kaserne begleitete, denn dort sollte im Offiziers-Kasino des Regimentes ein Frühstück eingenommen werden. In dicht ge­drängten Schaaren waren die Berliner hrrbei- geeilt, um Zeugen des wunderbaren Schauspieles zu sein; und die brausenden Zurufe, welche de» Kaiser und die fremden Offiziere auf dem ganze» Wege begleiteten, bewiesen deutlich, daß die ver­sammelte Menge die Bedeutung des Geschehenen vollauf zu würdigen verstand.

Von nicht geringem InteressewarendieTrink- sprüche, die bei der Frühstückstafrl ausgebracht wurden. Nachdem dec Kaiser dem Andenken seines Vaters, dem Kaiser Friedrich, ein stilles Glas geweiht hatte, weil an demselben Tage einstmals dieselbe zweiteGarde-Jnfanterie-Brigade vor dem Kaiser Füedrich exerzirt hatte, erhob er sich sofort aufs neue und gedachte des Kaisers von Rußland, der anwesenden beiden französischen -Offiziere und des gesammten französischen Heeres. Der Kaiser hat aus Anlaß der Ersig- niffe in China ein Telegramm vom Zaren er- halten, worin dieser „herzlichsten Dank" aus­spricht für „die Dienste in Chiea" und fort- fährt: „Graf Waldersee hat eine schwere, un- dankbare Sache mit Würde und Geschick geführt, ich bezeuge meine volle Sympathie." Dieses Te­legramm verlas der Kaiser und wandte sich dann -an die französischen Offiziere, die er „in der .Mitte der zweiten Brigade" willkommen hieß. .„Es ist dies das erste Mal — sagte der Kaiser wörtlich — ebenso wie deutsche und französische Truppen zum ersten Mal Schulter an Schulter gegen einen gemeinsamen Feind in guter Waffen­brüderschaft und treuer Kameradschaft gekämpft -haben. Die beiden Offiziere und ihre gefammte Armee Hurra — Hurra — Hurra!" General Bonnal erwiderte den Trinkfpruch d«S Kaiser« in ftanzöfischer Sprache, indem er „die deutsche Armee und ihren Soldatenkaiser" hoch leben Aeß. Der Kaiser verweilte drei, die französischen Offiziere blieven vier Stunden bei den Offizieren des zweiten Garderegimentes.

Trinksprüche find keine Staatsvrrträge; und es kommt wohl vor, daß die nüchterne Wirklich­keit so weit zurückbleibt hinter den in hellstem Rosa der Schönfärberei erstrahlenden Wort:» von Tcinksprüchen, daß diese Letzteren, genau genommen, eigentlich zu Unwahrhetten werde» im vollen Sinne des Wortes. Hier aber feiern die Trinksprüche ein wirklich bemrrkenSwertheS und unter allen Umständen bedeutungsvolles und sehr

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Zwei Winge.

Frei nach dem Englischen von A. Michola.

(Nachdruck verboten.)

„Weniger gebildete Mädchen auS weniger guten Familien wie wir, fahre» in eleganten Equipagen und erhöhen ihre Schönheit durch die Pracht ihrer Toilette, und wir müssen durch de» Wald gehen, weil wir zu schäbig gekleidet find, um uns sehen zu lassen. Warum diese Ungleich­heit, diese Ungerechtigkeit, Klara? WaS nützt mir Jugend und Schönheit, wen» ich meine Tage in dieser Einöde verbringen muß? Schließlich ist doch daS Grl) die große Macht der Welt, vor der alles Uebrige, Ti:el, Rang und Schön­heit zurückstehen muß!"

„O, Miriam!" rief Klara, „wie kannst Du in jungen Jahren schon so sprechen? Sich', die herrliche Natur, die u«s umgibt, beschämt fie mcht Deine Ansichten?"

Miriam kräuselte verächtlich die Lippen.

Die Schwestern verließen jetzt den blühenden Ltndenhain und traten in das kühlere Wäld- chen ein.

In den Wipfeln der Bäume jubilirten die Krogel h,e und da drang ein Sonnenstrahl durch das dichte Laubwerk und die wilden Blumen hauchte« süße Düfte aus. Der Wald von Lea- SL*“ öurd) sei"« pittoreske Schönheit be- ruymt geworden und häufig kamen Künfiler fltünen'srtth,^18 herrlichen Baumgrupp!n. die 6 ■ Schluchten mit ihren seltenen Farnen, auf

erfreuliches Ereigniß. Wer vor vier oder fünf Jahre» gesagt hätte, daß in absehbarer Zeit französtsche Offiziere an der Spitze eines Berliner Garderegimrnts in dessen Kaserne emziehen und daß dort beim festlichen, ungezwungen fröhlichen Mahle Trinksprüche ausgetauscht werden würden zwischen dem deutschen Kaiser und de» fran- zöfischen Offizieren auf daS franzöfische und das deutsche Heer, der hätte für Spott nicht zu sorgen brauchen; er wäre gründlich ausgelacht worden. Und jetzt ist Solcherlei wirklich ge­schehen. Auch dann, wenn man dieses Ge- schehniß mit der gebührenden Vorficht beurtheilt, muß man zugeben, daß die liebenswürdige Auf­merksamkeit des Kaisers für unsere Nachbarn jenseits der Vogesen vortreffliche Früchte trägt. Auf seiner Nordlandsrcise besuchte vor zwei Jahren Kaiser Wilhelm das französische Schul- schiff »Iphigenie" und verkehrte in freundlichster Weise mit den Offizieren dieses Schiffes. Noch in demselben Jahre wurden französische Kriegs­schiffe mit ihren Offizieren und Mannschaften ebenso freundlich von den deutschen Seebären in Wilhelmshaven ausgenommen. Der Kaiser wandte große Summen auf, um die Aufführung bedeutender französischer To»schöpfungen im Ber­liner Opernhause zu ermöglichen, auf die die Franzosen stolz sind; und daß der Kaiser alle Besucher der Pariser-Weltausstellung, namentlich aber die Franzosen silbst, durch di« Sendung der reichen Sammlung französischer Meister aus der Gemäldegallerie des Schlosses Sanssouci nach Paris in ebenso liebenswürdiger Aufmerksamkeit überraschte, ist noch in allgemeiner und frischer Erinnerung.

Die Politik des Kaisers, die man hier mit voller Berechtigung gerade als die Politik des Monarchen anerkennen und loben muß, ist auf Frieden und Versöhnung mit Frankreich gerichtet und hat in diesem Sinne Ecfolge zu verzeichnen, die auch von ganz kritisch veranlagten Leute» nicht hinwrggeleugnet werden können. Und gleichzeitig muß die Ausdauer anerkannt werden, mit der der Kaiser diese seine Versöhnungspolitik verfolgt. Sie ist freilich nöthig, wen« sie zu wirkliche» Erfolgen führen soll; denn nach wie vor beherrscht der Gedanke der „Revanche" noch weite Kreise des fran­zösischen Volkes, und große Umsicht, «eise Vor­sicht und eine unerschütterliche Geduld und Aus­dauer gehören dazu, um die volle und aufrichtige Versöhnung auch bei den Franzosen zur allge­meinen Volkssache zu machen. Bei den Deutschen ist sie längst vorhanden. Kleine Anfänge sind gemacht. Möge endlich auch der volle Erfolg nicht auSbleiben!

Deutsches Keich»

Berlin, den 30. Mai.

* Em Erlaß des Kaisers betreffend A«f kös««g de» ArmeeHver Kommandos i» Hst aste« und die Verminderung des deutschen Expr- ditionS - KorpS wird im amtlichen Therle des .Reichsanz/ vom Donnerstag veröffentlicht. Nach dem an den Reichskanzler gerichtete» Erlasse, der von Urville, den 17. Mai, datirt ist, bestimmt der Kaiser: 1) DaS Armee - Oberkommando in Ostasien wird nach der Heimath zurückgeführt und

der Leinwand zu verewigen. Et war deßhalb für die beiden jungen Mädchen keine besondere Ueberraschung, als sie schon nach wenigen Schritten einen zeichnenden Herrn bemerkten, an dessen Seite Pinsel, Papier und Farben in buntem Durcheinander lagen.

„Ein Maler!" bemerkte Miriam gleichgiltig; „ich möchte wissen, waS er an diesen grünen Bäumen Besonderes findet."

Aber Klara's zartes Antlitz zeigte lebhaftes Interesse. Der Fremde hatte ihre Annäherung nicht bemerkt, und als er jetzt zu den Bäumen aufblickle, sahen fie ei» Gesicht von solch »»ge­wöhn kicher Schönheit, daß Beide unwillkürlich stehen blieben. Es waren stolze aristokratische Züge, denen ein Anflug von Melancholie be- svndern Reiz verlieh; die großen, dunkeln Auge» zeigten einen lebhaften, genialen Ausdruck, das dunkle Haar war graziös von der hohen weißen Stirn zurückgestrichen, in der Kopfhaltung lag etwas Edles, fast Fürstliches.

Jetzt gewahrte der Maler plötzlich die beiden Schwestern und wie verzaubert ruhte fein Blick auf Miriam « königlicher Erscheinung.

„Ich fürchte, wir haben Sie gestört," begann diese mit einem Lächeln, das seine Verwirrung noch vollständig machte; „hoffentlich ist Ihre Ar­beit durch uns nicht verdorben."

Er blickte auf seine fast vollendete Skizze und reichte sie ihr mit einer tiefen Verneigung.

„Bäume und Blumen, blauer Himmel und grüne Zweige," sagte sie, „ich glaube, die Welt ist sich überall gleich."

Diese geringe Würdigung seiner vortrefflichen

aufgelöst. 2) Das ostasiatische Expeditions-Korps wird auf die Stärke einer gemischten Brigade vermindert; die übrigen Theile sind nach der Heimath zurückzuführen und aufzulösen. 3) Die vorstehend genannte gemischte Brigade (ostastatische BesatzungS-Brigade) verbleibt dis auf Weiteres zu Besatzungszwecken in China.

* Hraf Wilhelm Bismarck. der Ober- präsident der Provinz Ostpreußen, ist heute früh in Varzin nach kurzem Leiden gestorben. Graf Wilhelm Albrecht Otto v. Bismarck-Schön­hausen war der zweite Sohn des Reichskanzlers Bismarck. Geboren am 1. Auaust 1852 in Frankfurt a. M., besuchte er 1866—69 das Friedrich-Werder'sche Gymnasium in Berlin u«d studirte dann in Bonn Staatswissenschaften. Den Krieg von 1870/71 machte er als Ordonnanz- Offizier des Generals v. Manteuffel beim ersten Gardedragoner-Regiment mit. Nach dem Kriege setzte er feine Studien in Berlin fort und ar­beitete später auch einige Zeit beim Amtsgericht Wiesbaden. 1878 machte er fein Assessorexamen, 1879 wurde er Hilfsarbeiter in der Reichs­kanzlei und bald darauf wurde er dem Statt­halter von Elsaß-Lothringen, v. Manteuffel, bei­gegeben. Nach abermaliger mehrjähriger Thätig- keit in der Reichskanzlei und nach einer kurzen Thätigkeit als Vortragender Rath wurde Graf Bismarck Landrath des Kreises Hanau. 1889 ernannte mau ihn zum RegierungSpräst- denteu in Hannover und im März 1895 zum Oberpräsidenten von Ostpreußen. Auch parla­mentarisch ist Graf Wilhelm Bismarck im Reichs­tage und im Landtage thätig gewesen, in beiden Körperschaften jedoch nur für je eine einzige Legislaturperiode und zwar als Mitglied der freikonservativen Fraktion. Im Reichstage ver­trat er von 1878—1891 de« Wahlkreis Mühl­hausen in Thüringen, von 1882—1885 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses für Schl»we- Rummelsburg. Als der Reichskanzler am 20. März 1890 gestürzt wurde und wenige Tage darauf auch fein ältester Sohn, der j-tzige Fürst Herbert Bismarck, von seinem Amte als Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes zurücktral, blieb er ruhig in feinem Amte als Regierungspräst- bent von Hannover. Man kann ihm auch daS Zeugniß nicht vorenthalte»-, daß er sich nach dem Sturze seines Vaters mit gutem Takt eine ge« wisse Zurückhaltung auferlegt und öffentlich wenigstens sich nicht an der Fronde betheiligt hat, die vom Hause B smarck ausging. Im Aeußeren sah er seinem Vater etwa» ähnlich, wenn er auch nicht die gewaltige Gestalt deS- selben besaß. Noch viel weniger reichte sein Talent an das gewaltige Genie seines Vaters Heron. — Am 6. Juli 1885 vermählte er sich mit feiner Kousine Sibylle Malwine o. Arnim- Kröchlendoiff. AuS der Ehe mit derselben stammen 4 Kinder, drei Töchter und tu Sohn: Graf Wilhelm Nikolaus Otto Oskar von Bismarck.

+ Das Zteicks - We»fiche»««gs • Amt, also das AussichtS-Amt für Privat-Versicherung nach dem neuen Versicherungs-Gesetze, tritt bereits mit dem bevorstehenden 1 Juli in Thätigkeit; die Beamten, aus denen die neue Behörde zusammen- gesitzt werden soll, sind zum größten Theile schon ausgewählt. DaS Gesetz selbst soll bekanntlich

Zeichnung schien ihn nicht zu verletzen. Mit leuchtendem Blick erwiderte er:

„Nein, und tausendmal nein! Jedes Land hat seine Reize; Englands ruhige, waldige Schön­heit unterscheidet sich sehr von der glühenden Pracht des Südens."

Sein fremdländischer Accent erregte Miriam's Aufmerksamkeit.

„Sie sind kein Engländer?" fragte sie.

„Ich bin Engländer," entgegnete er mit einer gewiflen Traurigkeit, „aber den größten Theil meine» Lebens brachte ich int Ausland zu. Ich bin Maler von Profession und kam nach Leadale, weil man mir die hiesigen Waldungen al» so prächtig schilderte."

„Künstler von Beruf, der ruhige, stille Wälder liebt!" Alle» Interesse verschwand aus Miriam'» stolzen Zügen und gleichgiltig reichte sie die Zeich­nung der Schwester hin:

„Das ist ganz in Deinem Stil, Klara," sagte sie t'.nd eine leichte Geringschätzung klang au» ihrem Tone.

„Und Sie?" fragte der Künstler eifrig, „finden Sie keinen Gefallen daran?"

„Nein, ich ziehe lebhafte, feurige Farben vor — im Bilde wie im Leben liebe ich das Glänzende, Strahlende, ohne unerträgliche Mischung mit bleichem Grau!"

Der Fremde blickte Miriam staunend an, als diese leidenschaftlichen Worte von ihren stolzen Lippen fielen, sie aber wandte sich gleichgiltig ab. Mit einigen dankenden, bewundernden Worten gab Klara die Zeichnung zurück, und nochmal» wegen der Störung um Entschuldigung bittend, schritten die beiden Mädchen tiefer in den Wald hinein.

mit dem 1. Januar 1902 in Kraft treten, und dann wird auch erst das neue Amt seine volle Thätigkett entfalten können. I» der Zwischenzett wird eS aber auch nichts weniger als müßig sei» dürfe», denn naturgemäß wird es reichtich mit der Erledigung der viele» nothwendigen Vorarbeiten zu thu» habe». Vor allen Dingen wird es sich um die Ermittelung derjenigen Anstalten handel», die der Aussicht nach dem Gesetze unterworfen find. Das Reichs-Versicherungs-Amt untersteht, wie bekannt, dem Reichsamte deS Innern.

+ Die Krsatzmatzk zum Aeichstage i« chrerfswskd - chrimme«. Die Stichwahl im Reichstagswahlkreise Grimmen - Greifswald hat, wie berichtet, am letzten Mittwoch stattgefunden. Es war nach den Ergebnissen der Hauptwahl vorauszusehev, daß der freisinnige Kandidat Gothein über den konservativen Wahlbewerber Landrath von Behr siegen würde. Aber eine Ueberraschung hat die Stichwahl doch gebracht, nämlich in der Thatsache, daß die Zahl der konservative» Stimmen von der Hauptwahl zur Stichwahl abgenommen hat. Augenscheinlich haben viele konseroative Wähler die Sache ihres Kandidaten als ohne weiteres verloren angesehen und haben deswegen bei der Stichwahl gar nicht erst ihre Stimmen abgegeben. Man kann diese augenscheinliche TheilnahmelosiMt deswegen schwer begreifen, weil sie von der freihändlenschen Presse natürlich als ein weiteres Zeichen der Volktstimmung gegen die Schutzzollpolitik ausge­beutet werden wird. Daß das Trugschlüsse sind, versteht sich von selbst. Es ist indessen zu be­dauern, daß überhaupt erst Gelegenheit dazu ge­boten wurde: Im übrigen find wir ja nicht berufen dazu. Interessen der konservativen Partei zu verfechten.

X Mo« de» französtsche« Soziattste«ver- sam«k««g i« Lyo«. Die ausführlichen Be­richte über den Verlauf der Landesoersammlung der französtsche» Sozialdemokratie in Lyon bringen einen überraschend deutlichen Beweis für die argen Zwistigkeiten, die in dem Parteilager der französischen „Genossen" auSgebrochen find. Der Triumph, ben viele Sozialdemokraten empfanden, als Herr Milleranb Handelsminister in bem Ra» binet Waldcck-Rouffeau wurde, ist der Einigkett der franzöfischen Sozialdemokratie zum Verhäng- n.ffe geworden. Im Vorjahre faßte man eine Entschließung, die weder Fleisch, noch Fish war. Der eine Theil dieser Entschließung verurthellte die Theilnahrne von Sozialdemokraten an bürger­lichen Regierungen im allgemeinen; der andere Theil entschuldigte ben besonder« Fall des Han- delsministerS Milleranb, unb am Ende waren alle Theilnehmer der Versammlung im vergangene» Jahre damit zufrieden. Diesmal ist e* nicht mehr so gut gegangen. Mit 210 gegen 186 Stimmen ist ein von dem Abgeordneten Laporte eingebrachter Ar-trag abgelehnt worden, durch den die sBersammlung aussprechen sollte, daß der Handelsminister Millerand durch die Uebernahme em:S Ministeriums in einem bürgerlichen Kabinet außerhalb des Rahmens der sozialdemokratischen Partei sich gestellt habe. Die Minderheit Hal sich aber nicht bei diesem Beschlüsse beruhigt; der revolutionäre Theil der Anwesenden hat nach diesem Beschlüsse die Versammlung verlassen. Man spricht sogar bereits davon, daß ein Theil

Der Künstler suchte in seiner Arbeit fortzu- fahren, aber e» wollte ihm nicht mehr gelingen — Miriamls wundervolles Antlitz schwebte ihm immer vor Augen. Wer mochte sie nur fein, diese könig­liche Erscheinung mit der stolzen Redeweise, die so anziehend und doch wieder so verletzend klang? Er fühlte sich von einer fieberhaften Unruhe er­faßt; was war nur tn diesen kurzen Minuten mit ihm vorgegangen? Noch vor einer halben Stunde hatte er still und friedlich im Schatten der Bäume gesissen, entzückt von der ihn um­gebenden Naturschönheit und hochbefriedigt in der Ausübung seiner Kunst. Jetzt warf er plötzlich den Zeichenstift bei Seite, e» war ihm unmöglich, seine Skizze zu vollenden. Ein le denschaftliche» Verlangen erfaßte ihn. da» schöne Mädchen wieder­zusehen, eS konnte jt nicht schwer sein, sie in dem kleinen Leadale ausfindig zu machen. Tief in Gedanken kehrte er in das Städtchen zurück, wo feine Nachforschungen sehr bald von Erfolg begleitet waren. Seine Beschreibung paßte genau auf die älteste Tochter Frau Donooan'», die Be­wohnerin de» reizend gelegenen Epheuhauses, dar schon öfter» seine Bewunderung erregt hatte.

6. Kapitel.

@ines Morgen», als Frau Donooan allein zu Hause war, überbrachte ihr da» Mädchen eine Karte mit dem Namen „Rudolf Blanche, Maler" unb fügte bei, der Herr lasse höflich um eine kurze Unterredung bitten. Augenblicklich fuhr e« Helene durch den Sinn, die» werde wohl der Fremde sein, den ihre Töchter im Walde getroffen hatten, und sie ließ ihn freundlich zum Eintreten