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mit Anterhaktungs -Meitage „MuArirte Sonntags-Zeitung" •" peiere-age tu. i (banuuit).
JuLöa, Donnerstag, den 30. Mai 1901.
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Sk Allerhand Sozialdemokratisches.
Wenn die französische Sozialdemokratie Parteitage abhält, geht es dabei gewöhnlich noch erheblich lebhafter zu, als bei den entsprechenden Veranstaltungen in Deutschland. In Frankreich, so -kann man sägen, ist die Sozialdemokratie am weitesten in ihrer Entwickelung gekommen; in Frankreich ist auch der Zwiespalt innerhalb der Partei am stärksten. Als die französische Sozialdemokratie im letzten Jahre ihren allgemeinen Parteitag hielt, gab es die wüstesten Auftritte dabei mt gemeinen Schimpfworten und handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den „Genoffen". Jetzt sollte der Riß wenigstens äußerlich verkleistert werden durch eine in Lyon abgehaltene Versammlung; aber nicht einmal das ist gelungen. Erstens hat sich die Gruppe der Guesdisten — nach ihrem Vordermanns Guesde genannt — gar nicht an der Versammlung betheiligt. Im Vorjahre hatten sich diese Guesdisten mit der mehr zur Versöhnlichkeit geneigten Gruppe unter Jaurös und Genoffen derart überworfen, daß sie unter Protist den Wagram-Saal in Parts verließen, in dem die Versammlung des vorigen Jahres stattfand; sie haben sich trotz aller Bemühungen der ministeriellen Sozialdemokraten nicht bereit finden lassen, an dieser jüngsten Pfingstversammlung theilzunehmen. Zweitens aber sind auch die übrigen Gruppen der französischen Sozialdemokratie in Lyon nicht zur Einigung gelangt.
Und doch war die Wiederherstellung der Einigkeit gerade als der Zweck dieser letzten Versamm- .lung in Lyon bezeichnet worden! Herr Jauröz mit seinem Anhänge der ministeriellen Sozialisten auf der einen, Herr Vaillant mit den revolutionären Genoffen auf der andern Seite, und die beiden großen Gruppen in Fehde mit einander nicht nur wegen Fragen der innerpolitischen Taktik, sondern auch wegen solchen Fragen, die zur auswärtigen Politik gehören: das ist das Bild, das dieser letzte Kongreß der französischen Sozialdemokratie in Lyon bot.
Der Streit begann damit, daß Herr Vaillant in heftigster Weise gegen den sozialistischen Handelsminister Millerand loszog und gegen alle diejenigen, die überhaupt ein Ministeramt im bürgerlichen Staatswesen mit sozialistischen Grundsätzen für vereinbar halten; und klarer als je zuvor hat es sich diesmal gezeigt, daß die beiden Hauptrichtungen innerhalb der französischen Sozialdemokratie sich nicht mehr einigen können und einander gar nicht mehr verstehen über die Mittel, die zur Erreichung der sozialdemokratischen Endziele angewandt werden müßten. „Es lebe die Kommune" — riefen die Revolutionären unter Hüteschwenken und laut schreiend immer und immer wieder, wenn Herr Jamös und sein besonderer Anhang milde VersöhnungStöne anschlugen, und im ganzen genommen, endete diese Versammlung in Lyon mit einem vollkommenen Mißerfolge. Die Guesdisten fehlten vollkommen, und die Anderen bekämpften einander aufs heftigste wegen der Mittel, mit denen die Sozialdemokratie arbeiten soll; wenn dieser Ent- »ickelungSprozeß ungestört seinen Fortgang nimmt, wird damit immer näher die Wahrscheinlichkeit g«rüc$t, daß eines schönen Tages diese verschiedenen Richtungen auch eigene Orga-
Zwei Winge.
Frei nach dem Englischen von A. Michola.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
Sie sahen, wie entsetzlich der Sturm ge- wüthet haben mußte, denn der Himmel war noch immer dunkel bewölkt und die Wogen hoben und senkten sich mit gedämpftem Rauschen. Nur einige Stücke Holz waren an das Ufer gespült worden, denn die „Viktoria" war im tiefen Woffrr versunken und hatte den größten Theil ihrer Schätze mit hinunter genommen.
Die beiden Männer blickten über die unruhige Wasserfläche und entdeckten in der Ferne etwas, das wie ein schwimmender Balken aus- seh. Sie warteten, am Rande des Ufers Behend, bis derselbe näher und näher getrieben wurde und es schien ihnen, als ob langes, blondes Haar auf dem Wasser schwimme. Eine Minute später unterschieden sie deutlich £ein wdtenbleiches Gesicht und als eine mächtige Woge das Holz vor ihre Füße schleuderte, Men sie, daß eine weibliche Gestalt mit starken Stricken daran befestigt war. Fast ehrsurchts» voll lösten sie die fest geschlungenen Knoten und legten die Bewußtlose sanft am Ufer Nieder.
.. ®8 war eine zarte, junge Dame mit einem !lvEn, traurigen Gesichtchen, auf daS der Tod Mn feinen Stempel gedrückt zu haben schien.
Ki Hrrz schlug noch leise und so trugen i die Verunglückte vorsichtig in den sichern
nifationen für sich annehmen und damit zu mehreren Einzelparteien auseinander fallen.
Gleichzeitig hat sich die Lyoner Versammlung außerordentlich lächerlich gemacht durch die Verhandlungen über eine Adresse an die russischen Sozialisten. Es war beantragt, in diesem Anrufe der Genossen in Rußland diese und das russische Volk aufzufordern, den Kampf gegen den Zarismus unentwegt fortzusitzen, und dieser Theil ist einstimmig genehmigt worden, was ein recht billiges Vergnügen war. Aber der Blan- quist Soffitte und feine revolutionären Freunde fühlten auch hierbei daS dringende Bedürfniß, dem Genossen Millerand auf dem Ministersessel einen Tritt zu versetzen, und deswegen beantragte Herr Laffitte einen Zusatz zu dieser Adresse, in der der Kongreß von Lyon Widerspruch erheben sollte „gegen die Kniebeugungen des französischen Ministeriums vor dem selbstherrlichen Zarismus". Herr Lasfitte hatte von seinem Standpunkte aus vollkommen recht, und er hat auch in der Versammlung recht behalten, denn sein Zusatz ist durch einen Mehrheitsbeschluß angenommen worden. Aber die Ministeriellen waren sehr geängstigt dadurch, und der Bürgermeister von Lyon, der Genösse Angagneur, rieth dringend von der Annahme des Laffitte'schen Zusatzes ab. Die Herren Jam «s, Angagneur und ihre ministeriellen Freunde billigen es also, daß dem „selbstherrlichen Zaren" von dem amtlichen Frankreich Kniebeugungen dargebrachr werden — ein wundersames Schauspiel in einer sozialdemokratischen LondeSversammlung!
Immerhin darf man eines nicht vergessen. Die Guesdisten, die Blavquisten, die Ministeriellen, und wie sie alle sich nennen mögen, zanken sich untereinander und befehden sich wie richtige politische Gegner. Aber sobald von außen her Angriffe gegen die Sozialdemokratie als Ganzes erfolgen, .werden sie sofort zur Abwehr sich zusammenschließen und den häuslichen Zwist einstweilen vergessen. So groß ist der Riß noch nicht, daß daS Bewußtsein der gemeinsamen Ziele geschwunden wäre; und so lange dies nicht der Fall ist, bleibt auch die Sozialdemokratie die alte und gefährliche Umsturzpartei, trotz aller inneren Zankereien und aller angeblichen „Mauserungen".
Deutsches Deich.
Berlin, den 29. Mai.
+ Aas Kremer Attentat gegen den Kaiser bleibt ein Attentat, daran ist niemals etwas zu ändern. Aber die Person des Thäters läßt das Attentat in anderem Lichte erscheinen, als dies sonst bei solchen Verbrechen der Fall ist. Volle Zurechnungsfähigkeit tarnt man dem Schloffergesellen Weiland doch nun einmal nicht zuerkennen, und deswegen hat auch der Kaiser selbst eS vorgezogen, von dem „Unglücksfalle" in Bremen zu sprechen, anstatt von dem Attentate. Nichtsdestoweniger ist von verschiedenen Seiten wiederholt der Versuch gemacht worden, den Bremer Unfall zu dem Zwecke auSzuuützen, wieder ein Ausnahmegesetz gegen umstürzlerische Bestrebungen zu schaffen, tnbeffen augenscheinlich ohne Erfolg. Eine sehr scharf gehaltene Kund-
Schutz einer Höhle unter der überhängenden Klippe. Während der Eine bei ihr Wache hielt, eilte der Andere in daS Dorf zurück, um weitere Hilfe herbeizuholen.
Die einfachen Dörfler komm in Menge herbei, um die schöne, englische Dame zu sehen, die, ihrer Ansicht nach, nur durch ein Wunder dem Tode entgangen war. In einem einfachen Fuhrwerk brachte man die Gerettete in das HauS des Doktors und die Leute erzählten einander, wie sie auf. einmal ihre großen blauen Augen geöffnet und „Albert, Albert!" gerufen habe. Alle waren freundlich gegen die Fremde gesinnt. Denn Wind und Wogen hatten sie gerade in daS Herz ihrer Heimsth hineingeworfen.
Viele Wochen lag Ella bewußtlos, allein in dem fremden Lande, und als sie endlich wieder zu neuem Leben erwachte, konnte sie mit ihren treuen Pflegerinnen weder sprechen, noch deren Sprache verstehen. ES dauerte lange, ehe sie im Stande war, denselben zu sagen, daß sie mit ihrem Gatten sich auf dem Schiff befunden, welches an dem Felsen zerschellt sei und zu verstehen, was sie ihr mittheilten, daß nur ein Boot mit seinen Jnsaffen gerettet worden, aber alle an Bord der „Viktoria" befindlichen Personen untergegangen seien.
Seit dem Untergange der „Viktoria" waren 20Jahre verstrichen; nur bei Wenigen lebte noch die Stinnetung an daS entsetzliche Ereigniß, das so vielen Menschen daS Leben gekostet hatte.
Große Veränderungen hatten diese 20 Jahre hervorgebracht. Sir Hugo war tobt, Titel und Besitz waren an einen entfernten Verwandten
Hebung in der .Köln. Ztg.', die sichtlich anS Berlin stammt, legt dar, daß es der größte Unsinn, daß eS sogar ein schreiendes Unrecht fein würde, anS dem Ueberfalle in Bremen die Noch« wendigkeit für ein neues Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie herzuleiten. Sehr richtig — ein sehr großer Unsinn; denn dadurch würde man die Sozialdemokratie sicherlich wieder fest zusammenschmieden. Uebrigens hat wohl niemals die ernsthafte Annahme bestanden, daß es zu dem Entwürfe eines neuen solchen Ausnahmegesetzes kommen werde.
+ Goreranzantrag des Kentrums. Der Bericht über die Verhandlungen der Reichs« tagSkommifston für dieVorberathung des Toleranz« antrageS des Centrums liegt nunmehr gedruckt vor. ES ist eine sehr fleißige und gleichzeitig auch Übersichtliche Arbeit des Centrumsabg. Dr. Pichler, der ja auch bei der ersten Lesung des Antrages im Plenum des Reichstages eine Überraschende und gleichzeitig Überzeugende Fülle von Stoff beibrachte zur Begründung des Antrages „betreffend die Freiheit der Religionsübung". Der Bericht ist ein stattlicher Folioband mit einem Umfange von 293 Seiten, so daß sein Inhalt unmöglich in dem Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels abgethan werden tarnt, lieber den Gang der Verhandlungen der Kommission haben wir seinerzeit regelmäßig berichtet. Der Bericht des Abg. Dr. Pichler ist aber eine willkommene Ver- anlaffung, in diesen Tagen noch einmal kurz die Entwickelung und den Stand der Angelegenheit zu kennzeichnen.
* Der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Kaufmann Hermann Joseph Kender ist am Montag in Vallendar bei Neuwied gestorben. Derselbe war am 28. Februar 1835 geboren, besuchte das Gymnasium in Koblenz und das Jesuitenkolleg St. Servais in Lüttich und widmete sich sodann dem Kaufmannsstande. Seit 1875 war Bender Mitglied des Preußischen Abgrordnetenhanses, zunächst als Vertreter des Wahlkreises Altenkirchen-Neuwied und später für Neuß«Grp>enbroich-Krefrld (Land). Mitglied des Reichstages, in dem er den Wahlkreis Neuwied vertrat, war Bender seit 1878. Der Verstorbene hat sich als eifriges und treues Mitglied der CentrumSfraktion, besonders auch während der kirchenpolitischen Wirren, viele Verdienste erworben und die Fraktion betrauert in ihm eines ihrer pünktlichsten Mitglieder, der sozusagen immer zur Stelle »ar und in der letzten Zeit sich noch besonders al« Mitglied der Weinkommission die größte Mühe gegeben, einen wirksamen Schutz für den Rothweinban durch das neue Weingesetz herbeizuführe». Bei den Mitgliedern der CentrumSfraktion war Bender wegen seines geselligen Wesens, das dem Humor und Frohsinn nicht abgeneigt war, allgemein beliebt und geschätzt. R. I. P.
X Dom Doppeltarif im netten Zollgesetze schreiben dir.Berliner Politischen Nachrichten', die damit wohl aus amtlicher Quelle schöpfen, eS sei ja kein Geheimniß, daß eine Zeit lang „Strömungen vorhanden waren, die dem System des Maximal» und Minimaltarifs durchweg den Vorzug vor dem einfachen autonomen Tarif geben wollten". Das ist in der That kein Geheimniß mehr, wie eS leider auch
Übergegangen. Lady Elvira wohnte mit ihren Töchtern aus Sparsamkeitsgründen in Brüssel, denn eS war ihr unmöglich, noch ferner in den aristokratischen Kreisen Englands zu verkehren.
Helene Nuaent hatte s.Z. durch Frau ESmond in London erfahren, daß ibr Bruder sich mit seiner jungen Frau unter den Passagieren der „Viktoria" befunden habe, welche an der Nord- küste Spaniens gescheitert fei. Mit wahrer Herzensangst wartete sie Tag für Tag auf einen Brief von seiner Hand; aber als Wochen und Monate vergingen, ohne irgend eine Nachricht von ihm zu bringen, glaubte sie ihn unter den Ertrunkenen und betrauerte ihn als tobt. Sie zürnte ihm nicht, daß er ihr feine Vermählung mit Ella VillarS geheim gehalten, denn sie ahnte seine Gründe und wußte, daß er stets nur ihr Bestes im Auge gehabt hatte.
Auch Helene hatte sich gegen Sir Hugo'S Wünsche verheirathet, denn Frank Donovan, ihr Gatte, besaß nur ein sehr bescheidenes Einkommen. Sein Vater, ein reicher Kaufmann, kannte keinen höheren Ehrgeiz, als seinen einzigen Sohn zu einem Gentleman zu erziehen. Er schickte ihn nach Eton und Oxford und beabsichtigte, ihm eine herrliche Besitzung zu kaufen; sein Streben war, ihn dereinst im Parlament zu sehen.
Aber mit einem Schlage waren alle seine Pläne und Hoffnungen vernichtet. Er sah sich ruinirt durch eine verfehlte Spekulation, bei der er sein ganzes Vermögen aus'S Spiel gesetzt hatte. Diesen Verlust konnte er nie Überwinden, er fing an zu kränkeln und starb nach einigen Monaten in den Armen seine; Sohnes.
28. Jahrgang.
keines ist, daß die Gegner der Doppeltarifgrundsätze nach und nach an Einfluß gewannen' so daß, wie die,Berliner Politischen Nachrichten sich weiterhin ausdrücken, „der Gedanke bann fallen gelassen wurde und es hieß, eS solle im Allgemeinen bas bisherige, im Jahre 1879 festgesetzte Prinzip aufrecht erhalten und nur für einzelne Pofittonen, und zwar nicht allein für landwirtschaftliche, sondern auch für einzelne industrielle Produkte, der Doppeltarif ht Erwägung gezvgen werden." Daß bis jetzt noch nichts innerhalb der zuständigen Regierungsstellen darüber entschieden ist, weiß man ja auch. Gerade deswegen — neben anderen Veranlassungen — hat ja Reichskanzler Graf Bülow die Ministerberathung zum 4. Juni nach Berlin berufen. Damit hat der bezeichnete Offiziosus ganz recht, wenn er endlich noch sagt, daß eine öffentliche Bekanntgabe des Zollgesetzentwurfes vor der Fällung der endgiltigen Entscheidungen der Verbündeten Regierungen „nur eine unnötige Erschwerung des Fortganges der Arbeiten mit sich bringen würde." Im Wirtschaftlichen Ausschüsse und durch denselben hat die Regierung die Anschauungen der beteiligten wirtschaftlichen Kreise in vollkommen ausreichendem Maße kennen gelernt; ein Weiteres in diesem Sinne ist vollkommen Überflüssig.
h Zur Krkedigung des Krarmtweiu- Alothgefetze» ist unmittelbar nach der Vertagung des Reichstages die Abhaltung einer ganz kurzen außerordentlichen Tagung im Spätsommer empfohlen worden, denn das geltende Branntweinsteuergesetz erlischt, wie bekannt, mit dem letzten September dieses Jahres. Der nationalliberale Abgeordnete Bassermann hat nun in einer Versammlung in ßoburg die Abhaltung einer solchen außerordentlichen Tagung als etwas Selbstverständliches behandelt und den Monat September als den Zeitpunkt bezeichnet, der dafür in Aussicht genommen sei. DaS klingt ja gar nicht unwahrscheinlich. Irgendwelche amtliche ober halbamtliche Bestätigungen dieser Annahme liegen indessen noch nicht vor.
® Der Kericht der Schaumweiusteuer- Kommisfio« des Reichstages sollte angeblich „verloren gegangen fein", wie in einigen Zeitungen behauptet wurde. Der Bericht ist aber noch gar nicht i« der Kommission verlesen und festgestellt worden, amtlich also noch gar nicht vorhanden. Berichterstatter ist bekanntlich Abg. DaSbäch vom Centrum.
O Die Schutzfrist im Gesetze üver dar Krheverrecht für nachgelassene Werke verstorbener Schriftsteller und Tonkünstler ist, rote bekannt, entgegen dem Vorschläge der Verbündeten Regierungen nicht von 30 Jahren auf 50 erhöht worden. Von verschiedenen Seiten wurde nun die Ansicht aufgestellt, der Bundesrath werde diesen Beschluß des Reichstages, alles beim alten zu belassen. nicht bestätigen. Halbamtlich wird jetzt aber berichtet, an maßgebenden Stellen herrsche die Ansicht vor; daß jene Abänderung der Regierungsvorlage durch den Reichstag nicht so schweren Bedenken unterliege, um lediglich aus diesem Grunde dem Gesetzentwürfe die Zustimmung de» Bundes« rathes zu versagen.
Den angestrengten Bemühungen Frank'S gelang es, aus dem Schiffbruche noch eine Summe zu retten, die ihm ein bescheidenes Einkommen sicherte. Er miethete ein hübsches Hänichen in L^tdale und führte Helene Nugent als junge Hausfrau heim.
Im eigenen Heim, von der Liebe ihres Gatten umgeben, fühlte Helene sich namenlos glücklich. Zwei kleine Mädchen wurden im „Epheuhaus" geboren, aber ehe sie die Jahre der Vernunft erreicht, starb ihr Vater und ließ seine Wittwe mU ihren Töchtern in einer ziemlich bedrängten Lage zurück.
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In dem hübschen epheuumrankten Häuschen, das inmitten eines sonnigen Blumengarten» stand, waren an einem warmen Junitage alle Fenster weit geöffnet. Ein Blick in die freundlichen, blumengeschmückten Zimmer zeigte kein elegante« Mobiliar, aber eine hübsche, geschmackvolle Ausstattung, welche die Räume heimisch und au- mutig machte.
Der Garten war einem irdischen Paradiese gleich; an dem entferntesten Ende befand sich ein kleiner Hain von blühenden Linden, die einen köstlichen Wohlgeruch ausströmten, die Kastanienbäume standen in voller BlÜthe, ein sonniger Glanz war über das Ganze ausgegoffen.
Unter dem geöffneten Bogenfenster stand ein junges Mädchen von wahrhaft blendender Schönheit; die feinen Züge waren wunderbar regelmäßig, ein Diadem von glänzend schwarzem Haar krönte die hohe weiße Stirn, die großen dunkeln Augen blickten stolz und leidenschaftlich. Aber der Ausdruck des schönen Gesichts war kein glück»