Einzelbild herunterladen
 

Jnftraf*: Di» einspaltige Petit« »eile «der deren Raum 15 Pfa.,Re­klamen die Petit­zeile 25 Psg.; bei Wiederholungen wird en-sprechend. Rabatt gewührt.

«rschew täglich, «.Ausnahmeder ~ CWW A

Sonn-und Feier- «M LJh W

t-ge.Bierleljährl. MU O M W

-e,«,,»rrt,

ohne Bringerlohn I MA 3a

und Bestellgeld in «jMWff jMkKL JaL Fulda und aus- f 'KM, XT

»LrtriM-SVPs.

iü» Inserate 3. Parzelle» in Allda. **’ mit Zlnterhaktungs -Aeikage „JMstrirte Sonntags-Zeitung" ».Tä""""1

JE 120.

JuLöa, Dienstag, den 28. Mai 1901.

28. Jahrgang.

3#o Reichsfinanz-Resorm?

Am letzten Freitag hat Herr Finanzminister von Zeyer in der württembergischen Zweiten Kammer eine Aeußerung gethan. die nicht ge­ringes Aufsehen hervorgerufrn hat, ohne daß man indessen klar eivsiehk, was der Herr Minister eigentlich gemeint hat. Die Bericht­erstattung darüber ist augenscheinlich ungenügend ausgefallen. Man tat zunächst aus dieser Be­richterstattung nichts weiter erfahren, als daß Herr v. Zeyer dem Sinne nach Folgendes gesagt haben soll:

Innerhalb der Verbündeten Regierungen seien nunmehr die Hindernisse beseitigt, die bisher einer Reichsfinanz-Resorm entgegen­stand. Die Regierungen seien ent- schlossen, die Reform mit allen Mitteln zu betreiben, und sie hofften, daß auch der Reichstag den Reich! finanzen die nothwendige Ständigkeit und Sicherheit geben werde.

Nun wird gleichzeitig von den Berliner Finanzosfiz'ösen fortgesetzt versichert, daß man „von Plänen neuer Reichssteuern gar nichts wiffe“. Wie also soll man sich eine Reform der Reichsfinanzen, eine Selbständigkeit und Unab­hängigkeit derselben von den einzelnen Bundes­staaten vorstellen, wenn gleichzeitig versichert wird, daß man — angeblich! — an neue Reichs­steuern gar nicht d^nke? Dieses Räthsel mögen die Offiziösen lösen; dem gemeinen Unterthanen- verstande ist das unmöglich. Die Worte des württembergischen Finanzministers, wenn derselbe wirklich nichts anderes, als das Berichtete ge­sagt haben sollte, sind deswegen trotz des An­scheins der Klarheit nichts weniger als klar, fondern vollkommen unklar. Allermindtstens kann man sich aus ihnen allein nicht die ge­ringste Vorstellung machen über das Wie des angeblich vereinbarten Reformplanes der Ver­bündeten Regierungen.

Unter der Rrichrfinanzreform verstand man bisher den Plan, die Reichs finanzen unabhängig zu machen von den Finanzen der einzelnen Bundesstaaten und diese letzteren auch insofern von dem Zusammenhangs mit den Reichs finanzen zu befreien, als sie grundsätzlich niemals mehr einzuspringen haben würden für nothwendige Ftnanzbedürfniffe des Reiches. Im Reichstage war davon im Winter von 1893 zu 1894 die Rede. Auch damals waren die Verbündeten Regierungen schon vollkommen „entschlossen" zur Einführung der sogenannten Reform. Da aber diese soge­nannte Reform mit nicht weniger als hundert Millionen neuer Reichssteuern verknüpft war, dankte der Reichstag recht kräftig für das artige Steuerangebinde, um so mehr, als von diesen hundert Millionen neuer Reichsabgaben auch noch vierzig Millionen an die einzelnen Bundes­staaten abgegeben werden sollten. Solche Re­formen, durch die das Reich immer belastet sein würde, damit die Finanzminister der einzelnen Bundesstaaten ruhig die Hände in den Schoß legen und der reichen Gaben warten können, die vom Reiche kommen sollen, mögen den Finanz­ministern sicherlich als eine sehr angenehme Sache erscheinen. Aber daß der Reichstag solche Ein­richtungen unmöglich als Reformen oder Ver-

Zwei HUnge.

Frei nach dem Englischen von A. Michola.

5 ------ (Nachdruck verboten.)

Ein seltsam stiller Abend brach an; glühend- roth ging die Sonne unter und färbte die blei­farbenen Wogen mit feuriger Gluth. Da winkte der alte Seemann Albert geheimnißvoll an seine Seite.

„Sehen Sie dies?" fragte er, auf ein winziges weißes Wölkchen deutend, „dies bedeutet Sturm und mahnt uns, auf unserer Hut zu sein."

„Das kleine Ding flößt mir keine Furcht ein," versetzte Albert heiter, „es sieht wahrlich harmlos genug aus."

„Landratten verstehen nichts von der See," brummte der Matrose. „Auf dem freien, offenen Ocean ist's bester, als in diesem Meerbusen. Ich habe schon entsetzliche Stürme hier erlebt."

Die Nacht war so warm, daß Albert das Verdeck nicht verlaff-n mochte. Als Ella sich ermüdet fühlte, begleitete er sie bis zur Thür ihrer Kabine, küßte sie zärtlich und wünschte ihr einen süßen, erquickenden Schlaf. Bei seiner Rückkehr bemerkte er, daß die kleine Wolke größer geworden, sie war weiß, mit einem dunkeln Mittelpunkt, aber was ihm besonders auffiel, war das seltsam hohle Stöhnen des Windes, der sich «ährend der letzten Minuten erhoben hatte. Es waren seltsame Laute, wie er sie nie zuvor gehört, sie klangen ähnlich wie vas ersterbende Heulen eines starken Windes in

beffetungen anerkennen und annehmen kann, ver­steht sich eigentlich von selbst.

Aber auch sonst bestehen reichliche und kräftige Bedenken gegen diöse Aenderungspläne. Die Verbündeten Regierungen würden dadurch ihre Macht gegenüber dem Reichstage ganz er« heblich stärken; denn naturgemäß würde das Budgetrecht des Reichstages unter dem Einfluffe einer solchen „Reform" weniger zu bedeuten haben, als gegenwärtig. Und dann kommt die Hauptsache: ein Freund volkkthümlicher Finanz­politik, ein Volksfreund int wahren Sinne des Wortes darf auf keinen Fall zugeben, daß die ärmeren Volksschichten noch mehr durch indirekte Steuern zu Gunsten der Reichskaffe belastet werden, als dies ohnehin schon der Fall ist.

Es ist unbegreiflich, warum man nicht die Reichsfinanzen aufbauen will auf der Grund­lage der Finanzwirthschaft der einzelnen Bundes­staaten. Mit Recht ist der Einwand erhoben worden, daß mehrere der deutschen Bundes­staaten, .namentlich unter den kleinen mittel­deutschen'Staaten, gar nicht glänzend mit ihren Finanzen bestellt sind, daß es diese also schwer belasten würde, wenn man ihnen die Verpflich­tung auferlegen wollte, mit einzuspringen mit Zahlungen zu Gunsten der Reichskaffe, wenn diese einmal Noth leiden sollte. Aber mit ebenso gutem Rechte ist diesem Einwande bereits mit der Erwiderung begegnet worden, daß die Anträge der Einzelstaaten für die Reichskasfe nicht nach der Kopfzahl der einzelnen Bundes­staaten bemessen zu werden brauchen, sondern nach der finanziellen Leistungsfähigkeit derselben. Und unter dieser Voraussetzung würden alle gerechtfertigten Bedenken gegen den Vorschlag wegfallen, den Reichs finanzen als Grundlage und Bürgschaft die Finanzen der einzelnen Bundesstaaten unterzulegen.

Augenscheinlich wird sich die vom Reichs­kanzler zum 4. Juni nach Berlin einberufene Ministerberathung auch mit diesen Fragen be­schäftigen. Man muß abwarten, wie nachher die von Herrn von Zey-r bezeichnete „Ent- schlossercheit" der Verbündeten Regieru' gen sich in die That umsetzen wird.

Deutsches Keich.

Berlin, den 25. Mai.

X Der Diktatur. Paragraph bleibt be­stehen. Als der elsaß-lothringische LandeSauSschuß den erbetenen Kredit für die Wiederherstellung der Hehfönigsburg bewilligte, wurde von mehreren Mitgliedern desselben der Wunsch geäußert, es möchte nunmehr endlich der Diktatur-Paragraph beseitigt werden. Vom RegierungStische aus wurde damals diesen Wünschen nicht widersprochen. Nichtsdestoweniger werden sie auch jetzt nicht er­füllt werden, worauf die ,Fuld. Ztg.' schon vor mehreren Wochen hingewiesen hat, als bekannt wurde, daß der Kaiser einen Besuch in Elsaß- Lothringen machen wolle. Bei Gelegenheit dieses Besuches hat Herr Jaunez, ein Mitglied des LaudesausschuffeS, eine Audienz beim Kaiser ge- habt; im Verlaufe des Gespräches sollte der Kaiser gesagt haben, es würden sich Mittel und Wege finden, um den Wünschen der Bevölkerung wegen

den dichten Baumkronen des Waldes. Auch die Wogen rollten jetzt ungestüm und waren mit weißem Schaum bedeckt — kein Zweifel, das Wetter nahte heran. Noch eine kleine Weile und der Sturm brach los, plötzlich und mit furchtbarer Heftigkeit. Es war ein schreckliches Schauspiel, das auch das stärkste Herz erzittern machte: das gräßliche Heulen des Windes, das Rauschen und Brausen des Wassers, dazu die entsetzliche, undurchdringliche Finsterniß! An dem noch vor wenigen Stunden tiefblauen Himmel thürmten sich schwarze Wolken und die wiloen Wogen bäumten sich bergehoch auf.

„Ist Gefahr vorhanden?" fragte jetzt auch Albert und die Antwort lautete wenig beruhigend. Wenn der Wind sich drehte, konnte noch Alles gut werden, aber augenblicklich trieb er das Schiff mit »oller Wucht den schrecklichen Felsen zu, die an der Nordküste Spaniens sich erheben und seinen sicheren Untergang bedeuteten.

Albert begab sich in die Kabine feiner Frau und fand Ella vollständig angekleidet, ruhig und gefaßt. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und flüsterte: „Wir sind in Gefahr, Albert, ich weiß es sicher."

„Nicht so sehr mein Liebling." versuchte er zu trösten. „Wir haben einen sehr geschickten Kapitän und e-ne tapfere Mannschaft, wir müssen das Beste hoffen; solche Stürme im Busen von Bisciya sind nichts Seltenes, wie Du weißt."

„Darf ich auf das Verdeck mit Dir gehen", fragte sie.

„Ich gehe nicht mehr hinauf, Kind. Der

der Aufhebung des Diktatur-Paragraphen entgegen« zukommen. Halbamtlich wird nun leider auch diese Nachricht widerrufen und aufs Neue ver­sichert, daß Erwägungen solcher Art nicht statt­finden, und daß die Aufhebung des viel genannten Paragraphen zur Zeit nicht in Aussicht genom­men fei.

+ Jeldmarschalk IkoSerts und der Schwarze Adkerorde». Jetzt hat Lord Roberts, britischer Feldmarschall, den Schwarzen Adlerorden wirklich und in amtlich gütiger Weise; denn im amtlichen Theile des,Reichsanzeiger' fielt nunmehr die Verleihung verzeichnet. Nach preußischer Ueber- lieferung heißt das so viel, daß auch der leitende Minister fein Einverständniß zu der Ordens­verleihung erklärt hat; Reichskanzler oder Ministerpräsident Graf Bülow könnte, wenn er jetzt wiederum wegen dieser Ordensauszeich- rung befragt würde, im Reichstage danach nicht mehr antworten, daß diese Ordensverleihungen eine rein persönliche Angelegenheit des Monarchen seien. Möglicherweise "ist die entsprechende Be­kanntmachung durch den.Reichsanzeiger' solange verschoben worden, bis eine erneute Anfrage im Parlament nicht mehr möglich ist. Aber eine solche Taktik würde auf keinen Fall Zeuzniß ablegen für ein Gefühl der Stärke in der Ordensangelegenheit des britischen Feldmarschalls. Warum erfolgte die amtliche Verkündigung der Ordensverleihung denn nicht eher? Es ist doch mindestens nicht übl'ch, erfolgte Ordensaus­zeichnungen erst drei bis vier Monate später durch das amtliche Regierungsorgan anzuzeigen; und mindestens hat die öffentliche Meinung in Deutschland ein Anrecht darauf, zu erfahren, warum in diesem Falle die öffentliche An­kündigung so spät erfolgte. Daß die Verleihung von Orden an eine ganze Reihe anderer britischer Persönlichkeiten auch erst jetzt im ,Reick sanzeiger' verzeichnet werden, ist keine ausreichende Eik.'ä ung dafür.

+ Taktisch- Jehk-r der Kokett. Die Nadelstrch-Politik gegen die Pslen kann niemals gebilligt werden. Sie reizt das Nationalgefühl der Polen nur noch mehr auf, ohne irgendwelche andere Besserung dafür herbeizuführen. Aber die Polen begehen leider in neuerer Zeit auch recht viele taktische Fehler, die der preußischen <5toat8rrglening und den Hakatisten stets von neuem die Waffen selbst in die Hand drücken, mit denen sie bann gegen die Polen lo? gehen. Es gibt Leute, die eine nationale Agitation bei den Polen betreiben in deutschfeindlichem Sinne; darüber kann ein Zweifel nicht mehr bestehen. Der strittige Punkt ist nur der, bis zu welchem Umfange die Polen dieser Agitation zugänglich sind oder nicht. Die Polen nun, die innerhalb des Deutschen Reiches wohnen, sollten sich auf jeden Fall hüten davor, solchen Hetzern Ehrungen zu erweisen, da solche Ehrungen ganz unver- meiblid) den Anschein erwecken müssen, als seien die Polen im allgemeinen mit der von jenen Luten betriebenen Agitation einverstanden. So hat jetzt der „Polnische Sokolverband in Westfalen" dem Verleger der Zeitschrift ,Praca' in Posen, einem gewissen Biedermann, die Würde eines Ehrenmitgliedes des ge­nannten Vei bandeS verliehen und gleichzeitig den

Kapitän selbst wünscht, daß alle Passagiere sich in ihre Kabinen brzebsn. Wir können nicht Helsen, und es wäre zwecklos, unser Leben in Gefahr zu bringen."

Sie schmiegte sich noch fester an ihn.

„Albert," flüsterte sie, „versprich mir, wenn das Schlimmste eintritt, daß wir zusammen sterben."

„Ich verspreche e?," sagte er mit bebender Stimme.

„Dann saßen sie lange Stunden mit ver­schlungenen Händen. Mitternacht war vorüber, es ward ein Uhr, zwei Uhr, und der Sturm nahm noch immer an Heftigkeit zn.

Das prächtige Schiff war wie ein Kinder« sp!eheug dem Winde und be* Wogen preis» gegeben, dennoch bestand keine augenblickliche Gefahr, wenn es nicht auf einen Felsen auffuhr. Es waren entsetzliche Stunden. Daß Heulen des Sturmes dauerte noch immer fort, das Schreien geängstigter Frauen und dasWeinen kleiner Kinder virrnehrte noch daS Grausige der Scene.

Albert fühlte, wie ihn der Muth verließ; „Ella, mein Liebling," rief er fast schluchzend, „habe ich Dich selbst dem Tode in die Arme geführt?"

Ehe sie nur antworten konnte, ertönte ein gräßlicher Schrei von dem Deck — ein Schrei aus starken Männerkehlen, der verkündigte, daß alle Hoffnung vorüber sei; bann folgte ein dumpfer, knarrender Laut, ein entsetzlicher Stoß und Alle wußten, daß das Schlimmste einge­treten, daß das Schiff auf einen Felsen ausge- sahren war.

frühem Schriftleiter desselben Blatte?, Dr. von Rakowski in derselben Weise ausgezeichnet. Rakowski ist als Ausländer, der sich in Deutsch­land „lästig machte", ausgewiesen worden und lebt zur Zeit in Lemberg. Nun mögen die Berten Biedermann und von Rakowski in ihrer

erfon vortreffliche Charaktere sein; aber von ihnen kann man, wenn man der Wahrheit die Ehre geben will, wirklich nichts anderes sagen, als daß sie sich in der That als Feinde des Deutschthums gezeigt haben. Solche Herren hätte der westfälische Sokolverband nicht in der angeführten Weise anSzeichnen sollen; denn er bringt sich dadurch in den gewiß ungerechtfertigten Verdacht, daß er jene Herren gerade wegen ihrer äußerst anfechtbaren politischen Gesinnungen habe anSzeichnen wollen. ES wäre ein klares Gebot sehr einfacher Klugheit gewesen, einem folchen Verdachte sich nicht auszusetzen. Denn unver­meidlich werden solche Dinge waidlich und nicht ohne Erfolg auSgenützt von denjenigen, die die Polen deswegen ongreifen unb verfolgen, weil sie Polen sind.

h Keine Staalsgrnöen int Muhr- Jievier? Herr Brefeld, der frühere preußische Handelsminister, hatte Verhandlungen eingeleitet wegen des Erwerbes einiger Kohlenbergwerke für den Staat im Ruhrrevier. Der Staat sollte damit ein Gegengewicht werden gegen das jetzt allmächtige Kohlensyndikat. Jetzt auf ein­mal sollen diese Verhandlungen ins Stocken ge- rathen fein. Sollte Herr Möller wirklich ein Minister des „Central - Verbandes" werden wollen?

+ N«terwühktt«g des Aorseugefetzes? Nach der Meldung eines Berliner Börsenblattes hat der preußische Justizminister von den Gerichten Auskunft verlangt über die sogenannten Differenz-Prozesse, also diejenigen Prozesse, die daraus entstehen, daß jemand Forderungen einklagen will, die auS einem sogenannten Differenz­oder Termingeschäft entstanden sind. Wer nicht in daS Börsenregister eingetragen ist, Hit nicht die Verpflichtung, solche Spielschulden zu be­zahlen, denn um etwas Anderes als Spielschulden handelt es sich dabei nicht; und das gerade ist eine sehr heilsame Bestimmung, vom Reichstage mit ttefeng-oßer Mehrheit angenommen zu dem Zwecke, möglichst viele Leute von dem gefährlichen Differenzspiel an der Börse abzuhalten. Das Berliner Börsenblatt, daS die bezeichnete Nach­richt bringt, will daraus „mit Sicherheit" schließen, daß das Böcsengesetz eine Aenderung er­fahren werde, und zwar durch die Beseitigung des Börsenregisters, also in Folge dessen auch wieder das Differenzspiel weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden soll. Man ersteht daraus ron neuem sehr deutlich, was die Börsen­leute wünschen. Aber gleich den „sichern" Schluß zu ziehen, daß das Börsengesetz in dem Sinne dieser einseitigen Jnteressemvünsche umge« ändert werden solle, ist kühn. Die vom preußi­schen Justizminister veranstaltete Erhebung könnte ja durch ihre Ergebnisse auch bei der Regierung die Anschauung hervorbringen, daß es bei den geltenden Bestimmungen sein Bewenden haben müsse. Und sollte schließlich die Regierung an­ders denken, bann würde damit das Börsengesetz noch immer nicht umgeändert sein; denn auch der

Ein minutenlanges gräßliches Schweigen trat ein, als ob Wind und Wogen ihrer furcht­baren That sich schämten. Dann erklang klar und fest die Stimme des Kapitäns: „Laßt die Boote herab und bringt die Frauen und Kinder darin unter." Die Passagiere stürzten auf das Verdeck, herzzerreißende @eenen spielten sich ab. Die Dunkelheit war noch immer undurchdring­lich — nirgends auch nur ein schwacher Licht­schimmer. Kräftige Männer ließen jetzt die Boote in das Wasser hinab, denn selbst in diesem schrecklichen Augenblick herrschte die strengste Disziplin.

„Rasch! rasch!" ries der Kapitän, „eS kann keine zehn Minuten mehr dauern."

Eine nach der anderen wurden die hilflosen Frauen in die Boote hinunter gelassen, dann reichte man ihnen sorgsam die Kinder hinab.

„Albert," flüsterte Ella, als sie sah, daß die Boote beinahe gefüllt waren, „Du hast mir ver­sprochen, daß ich mit Dir sterben darf."

„Mein Liebling", rief tt mit unendlicher Be­trübnis-, „ich bitte Dich, gehe. Du hörst, was sie sagen, wir können vorn Lande nicht mehr weit entfernt sein — gehe in das Boot hinunter. Ich kann schwimmen, ich kann mich selbst retten."

Aber sie klammerte sich nun fester an ihn.

„Du versprachst es mir, Du mußt Dein Wort halten."

Er konnte sie nicht von sich stoßen, er hauchte einen Kuß auf ihr blondes Haar und Thronen entströmten seinen Augen.

„Sind alle Frauen hinunter?" rief jetzt der Kapitän. „Frau Nugenl", fügte er bei, als er