Zwei Minge.
Frei nach dem Englischen von A. Mich ola.
S ----— (Nachdruck verboten.)
Gemeinschaftlich betraten die beiden Geschwister den Salon und fanden Onkel und Tante in lebhafter Unterhaltung mit einer Dame, in welcher Albert instinktmäßig Fräulein Miller errieth. Er wußte nicht, sollte er lachen ober sich ärgern bei ihrem Anblick. Zum mindesten hatte er eine Lady in ihr zu finden erwartet und hier saß ein plumpes, gewöhnlich aussehendeS Frauenzimmer von wenigstens fünfunddreißig Jahren, aber in sehr jugendlicher Toilette und wahrhaft überladen mit kostbaren Schmuckstücken. Ihr Geficht war nicht gerade häßlich zu nennen, aber die Züge waren ordinär und um den breiten Mund spielte ein selbstgefälliges Lächeln. Sie erröthete ihatsächlich, als Sir Hugo in seiner würdevollen Weise ihr den Neffen vorstellte; und als Albert auf einen geheimen Wink seines Onkels sich ihr näherte, um sie zu Tisch zu führen, legte fis ganz ver- schämt ihre plumpen Finger auf seinen Arm.
Albert fühlte sich den ganzen Abend über sehr unglücklich. Fräulein Miller mißfiel ihm ans'S äußerste; ihr Mangel an Bildung, ihre Selbstgefälligkeit, ihre lächerlichen Koketterien ermüdeten ihn unbeschreiblich.
Wie konnte man zu denken wagen, daß er Mae Unabhängigkeit, seine Ehre um solche Ketten verkaufen würde!
Als fick die Damen nach dem Essen zurückgezogen hatten, froqte Sir Hugo gut gelaunt: „Nun, wie gefällt sie Dir, Albert? Eine sehr liebenswürdige Same, nicht wahr?"
„Ich glaube, diese Eigmschaft muß man allen Damen zugestehen, Dstel, aber ich bekenne offen, daß mir Fräulein Miller nicht besonders einnebmend erscheint."
„Sie gewinnt sehr bei näherer Bekanntschaft, mein Junge; ich habe mit Vergnügen bemerkt, daß Du einen vortrefflichen Eindruck auf sie gemacht hast. Schließlich geht doch nichts über das Geld, es ist der Hebel — die Lebens quelle der Welt."
„Vielleicht werde ich in späteren Jahren auch so denken. Aber sttzt — zürnen Sie mir nicht, Onkel — ich bin kein Junge, den man zu einem wichtigen Schritt zwingen kann, und wären auch nicht — wären auch keine anderen Gründe vorhanden, so würde mir der Gedanke gerade an diese Verbindung unerträglich sein."
„Du wirst Deine Ansicht noch ändern, Albert, Du wirst die Vortheile mit der Zeit einsehen lernen; die Sache hat keine Eile."
Mit diesen Worten erhob fich Sir Hugo. „Ich erwarte, daß Du Dich noch itn Salon einfindest, um Lady Elvira zu helfen, ihren Gast zu unterhalten."
„Ja, Onkel, aber nicht im Augenblick, ich komme später sicher nach."
Er verließ das Zimmer und eilte mit raschen Schritten in den Park hinaus.
„Gott sei gedankt für diese reine, gute Luft!" sagte er aufaihmend, „nach dieser überhitzten
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28. Jahrgang.
Jutta, Freitag, den 24. Mai 1901.
M H8.
Druck und Per lag btw Fuldaer Actieudruckeret Pelerszaffe Nr. 2 (BarmonttK.
T>SS;.XÄ“' mit Nnterhattungs -Beilage „Mnstrirte Sonntags-Zeitung"
O Die Zustände im Reichstage.
Der fortgesetzt mangelhafte Besuch des Reichstages und andere Dinge, die damit in Zusammenhang stehen, beschäftigen noch immer in lebhafter Weise die Preffe. Das ist ein erfreuliche? Zeichen dafür, daß in weiten Streifen des Volkes das Jntereffe für den Reichstag noch rege und in ausgeprägterem Maße vorhanden ist, als bei einem Theile der Reichstagsmitglieder selbst.
Liberale Zeitungen hatten das Centrum in dem Sinne zu verleumden versucht, als trüge namentlich dieses die Hauptschuld an dem schlechten Besuche der Sitzungen. Nun, das Eine ist wahr, daß durchschnittlich von allen Mitgliedern deS Reichstages gerade den Centrumsabgeordne- ten der regelmäßige Aufenthalt in Berlin am schwersten fällt; denn die allermeisten Mitglieder der Centrumsfraktion des Reichstages wohnen außerordentlich weit von Berlin entfernt, die Steife hin und her wird also gerade ihnen am allerschwersten. Das Andere aber ist nicht wahr, daß das Centrum im Reichstage am meisten schwänze. Der Beweis ist leicht zu erbringen. Umgekehrt aber glänzen in den Reihen der Liberalen viele Reichstagsabgeordnete durch häufige Abwesenheit in den Plenar- fihungen, sogar solche Herren, die in Berlin selbst ihren ständigen Wohnsitz haben; und diese verdienen dafür doch unbedingt Tadel in ganz anderem Maße, als solche Parlamentarier, die Eisenbahnentfernungen von fünfzehn und zwanzig Stunden und mehr von ihrer Heimath bis nach Berlin zurückzulegen haben. Die liberalen Zeitungen sollten also an das alte Sprüchlein denken von der Gefahr, in die der- jenige fich bringt, der mit Steinen wirft, obwohl er selbst im Glashause fitzt, und mit solchen Vorwürfen aufhören, die noch dazu unberechtigt sind.
Jntereffant ist die Thatsache, daß endlich auch bei den Offiziösen die Anschauung hervor- tritt, daß es so, wie bisher, im Reichstage nicht weiter gehen könne. Noch bis in die neueste Zeit hinein konnte man in der RegierungSpreffe immer und immer wieder die Redensart lesen: es gehe auch so; die nothweudige Gesetzarbeit »erde auch von dem mangelhaft besuchten Reichstage geleistet, deswegen sei die Bewilligung von Tagegeldern an die ReichStagS- abgeorbxeten vollkommen überflüssig und so »eiter und so weiter. Auf einmal beginnt die Tonart umzuschlagen. In den ,Berl. Polit. Nachr.' fleht zu lesen:
„Ein Parlament, das solche Form annimmt, „wie der deutsche Reichstag in diesem Winter, „in welchem verschwindende Minderheiten die „gesetzliche Anzahl der Mitglieder dis Par- „lamentS vertraten, ist eine um so bedenklichere Erscheinung, als sie durch versaffungs- „mäßige Unverantwortlichkeit gedeckt ist. Von „der Regierung zu verlangen, daß sie auf „den verschiedensten Gebieten die größten und „folgenreichsten Akttonen beginne und selbst „einer freiwillig übernommenen Verpflichtung „so wenig zu genügen, erscheint auf die Länge „als ein unüberbrückbarer Wider- Spruch."
Gleichzeitig wird mitgetheilt, daß die Reichsregierung bereit gewesen wäre, den Reichstag zum 4. Juni wieder zusammen zu berufen zur endgiltigen Beschlußfassung über die Branntweinsteuer. Die leitenden^ Führer seien aber ^ausnahmslos der Ansicht gewesen, daß im Laufe deS Sommers ein beschlußfähiger Reichstag nicht mehr zu versammeln sei". Damit hatten die „leitenden Führer", wie ber Dffi« ziosuS sich ausdrückt, ohne Zweifel vollkommen recht. Die ^Regierung hätte die Novelle zur Branntweinsteuer eher einbringen sollen; sie sollte sich endlich abgewöhnen, immer gegen Ende einer Berothungsperiode noch wichtige GesetzeS- Vorlagen zu machen, bann würde auch sie mit dazu beitragen, den „unüberbrückbaren Widersprach" zu lösen. Die Situation war noch so lange einigermaßen haltbar, wie das preußische Abgeordnetenhaus versammelt war. Die Mitglieder dieses Parlamentes beziehen Tagegelder, sie erhalten also eine Entschädigung für ihre persönlichen Auslagen in Berlin. AIS aber der preußische Landtag geschlossen war, wurde die Situation vollkommen unhaltbar. Was folgt daraus? Daß die Zahlung von Tagegeldern von großem Einflüsse ist auf den Besuch des Parlamentes, die Zahlung ber Tagegelder im preußischen Abgeordnetenhause sogar mittelbar auf den Besuch des Reichstages. Rur für den Blinden ober für denjenigen, der absichtlich sich blind stellt, kann biefe offenlunbige Thatsache, kann bieser Urfachenzusammenhang zwischen Tagegeldern und Parlamentsbesuch noch unklar fein. Wer mit offenen Augen und ohne Vor- urtheil die Dinge sich besieht, fo wie sie sind, kann über diesen wohlthätigen Einfluß ber Tagegelber auf den Parlamentsbesuch keinen Augenblick länger im Unklaren sein.
Die Tagegelder allein thun es freilich auch nicht. Ebenio nothwendig ist es, baß alle Mitglieder des Reichstages stets ihrer Pflicht eingedenk bleiben, an den Berathungen so viel wie nur irgend möglich thrilzunchme >. Und wer auch an so wichtigen Adstmimunien fich nicht betheiligen kan», wie diesmal am Sck ufse der Wintertagung des Reichstages, von dem schreibt der OffiziosuS mit Recht: „Wer in cer That verhindert ist, selbst bei so wichtigen Abstimmungen an den Verhandlungen deS Parlament» theilzunehmen, thäte bester, auf fein Mandat zu verzichten."
Deutfchrs Keich.
Berlin, den 23. Mai.
h Die Siebe« des Kaisers. Nach der Meldung eine» Berliner Berichterstatters sollen in Zukunft Vorkehrungen getroffen werden, damit die unkonirollirbare Wiedergabe der Kaiserreden vermieden werde. Der Monarch habe „schon öfter die Entdeckung machen müssen, daß die Berichterstatter nicht richtig gehört und dem Kaiser Worte in den Mund gelegt hatten, die er gar nicht gesprochen hatte . . ." Wenn die Meldung richtig ist, kann man die gemeldete Absicht nur mit Freuden begrüßen. Die Reden eines Monarchen können gar nicht sorgfältig genug behandelt werden!
• Strohhüte «ach englischem Master soll fortan die Mannschaft ber Kaiseryacht „Hohenzollern" tragen, sowohl das Personal auf Beck als auch an den Maschinen. Die Hüte sollen so weit im Nacken getragen werben, daß baS Stirnhaar sichtbar bleibt, lieber Geschmacksachen läßt fich nicht streiten. Aber sollte baS wirklich hübsch aussehen?
X S« Ministerwechsel im preußische« IiusuzministeriNM vollzieht fich gleichzeitig mit einem burchgreifenben Wechsel in ben äußeren Einrichtungen deS genannten Ministeriums. Bisher bestaub die Amtswohnung bes Ministers aus siebzehn Zimmern. Dem neuen Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben hat diese Zimmerzahl nicht genügt, so baß jetzt von ben Bureamäumen des Ministeriums noch weitere sieben Zimmer zu ber Ministerwohnung hinzu- genommen werden. Handwerker aller Arten bantiren bereits in der Ministerwohnung, in ber übrigens Herr von Miquel noch bis in die aller- jüngsten Tage gewohnt hat. Einige rückwärts gelegene Zimmerchen dienen dem verabschiedeten Minister zum Aufenhalt. Dieser Dekorationswechsel ist aber nicht billig für die Staatskasse. Die Bureauräume des Ministeriums waren ohnehin nicht gerade Überflüssig reichlich bemeffen sür die herrschenden Bedürfnisse; durch hie Vergrößerung ber Minifistwohnung sind sie voll- kommen "unzulänglich geworden, so daß für Bureauzwecke des Ministerium» ein Haus gemietet wurde, das etwa 30 000 Mark Jahresmiethe kostet. Freiherr von Rheinbaben aber hat für die Zeit der Umänderung ber Ministerwohnung eine vorläufige Wohnung in ber Bellern« straße in Berlin gemietet, bie etwa 20 000 Mark Miethe für ein halbes Jahr kosten soll. Auch angenommen, biefe 20000 Mark würden bie Miethe für ein ganzes Jahr bebeuten, so würbe bieser Ministerwechsel ber Staatskasse doch so theu-r zu stehen kommen, baß bem Steuer zahlenden Staatsbürger ein bedenkliches Kopfschütteln deswegen nicht zu verargen ist.
।»X A*LSsn«s des preußische« Av- -eord«ete«ßa«se» ? Als der preußische Landtag geschloffen wurde, tauchte das Gerücht auf, das Abgeordnetenhaus werde vermuthlich nach einiger Zeit aufgelöst werden. Diese Behauptung wurde alsdann als unrichtig bezeichnet, und nachher wurde alles still davon. Jetzt ist das Gerückt, die preußische StaatS- regierung wolle das Abgeordnetenhaus auflösen und Neuwahlen ausschreiben, von neuem aufgetaucht. Die Regierung muß roiffen, was sie zu thun und zu laffen hat. Namentlich daS Centn um braucht sich den Kopf ber Regierung ganz unb gar nicht zu zerbrechen wegen ben Kanal- schmerzen; denn bas Centrum würbe vollkommen unberührt bleiben von den Schicksalen einer Neuwahl, abgesehen natürlich von der nicht gerade angenehmen äußeren Belästigung durch dieselbe. Aber klug würde bie Regierung schwerlich daran thun, wenn sie wirklich das preußische Abge ordnetenhauS auflösen wollte. Die Neuwahlen müßten dann im Jntereffe ber Regierung gegen bicjenigen stattfinben, bie bie Kanalvorlage nicht in der vorgelegten Form anneymen wollten, und mit denjenigen, welche für dieselbe eintraten und
Atmosphäre und den süßlichen Parfüms ist sie eine wahre Wehlthat für Geist und Körper."
Sinnend schlenderte Albert eine Weile unter den alten Eichen einher, bemüht, die widerstreitenden Gefühle in seiner Brust jutn Schweigen zu bringen oder zu ordnen. Seiner ehrlichen Natur widerstrebte es, die Verwandten gleichsam in falsche Hoffnung, betr. seine Verheirathuna mit Fräulein Miller einzuwiegen, und doch durste er fern Ge- heimniß nicht preisgeben. Er wußte, welch'furchtbare Scene er durch die Ankündigung feiner Verlobung mit einem ganz vermögenslosen Mädchen heraufbeschwören würoe, und schon seiner Schwester wegen mußte er dies vermeiden. Wo war ein Ausweg aus diesem Labyrinth?
Er entwarf einen Plan nach dem andern, bi» er endlich den Entschluß faßte, den Onkel am nächsten Morgen um eine Unterredung unter vier Augen zu buten, und ihm ohne Umschweife zu gestehen, daß sein Herz nicht mehr frei fei, daß also an eine Verbindung mit Fräulein Miller nicht gedacht werden könne. Dann wollte er herzlich bitten, Helene seine Schuld nicht entgelten zu lassen und Ravensfell sofort verlassen, ohne der erzürnten Lady Elvira nochmals unter die Augen zu treten. Mochte die diplomatische Dame ihrem Besuch gegenüber plausible Gründe für seine Entfernung ausfindig machen.
Mit dem Gefühl der Beruhigung, welche ein bestimmter Entschluß fast immer verleiht, kehrte Albert in da» Hau» zurück, um sich den Abend über nach besten Kräften der Unterhaltung d«r Damen zu widmen.
Dann aber faß er nech bis tief in bie Nacht
noch eintreten. Das heißt also, wenn unter bem Schlachtrufe ber Kanalvorlage Neuwahlen zum preußischen Abgeorbnetenhause stattfinben und zu einem „Siege" der Regierung führen sollten, müßten mehr Nationalliberale unb Freisinnige gewählt werben, als Crntrum, Konservative unb Freikonservatioe zusammengenommen. Die Regierung müßte bei ber Wahl einen Freisinnigen ober wohl auch gar einen Sozialdemokraten gegen Konservative unb Centrumsmänner unterstützen, wie die .Deutsche Tagesztg.' richtig de- merkt; benn bie Freisinnigen unb Sozialdemokraten geben sich als Freunde ber Kanalvorlage, wahrend bie Anderen bereu Gegner sinb. Man sieht, zu welchem Unsinn man mit biefem „Ritte in’» romantische Laub" gelangt. Man kann barum nicht recht baran glauben, daß das neue Gerücht von der Auflösung bes preußischen Abgeorbnetenhause» wahrer sein sollte, als baS alte. Von großem Interesse ist, was ber konservative, aber nicht „agrarische" .Reichsbote' zu ber Sache zu bemerken hat, ber sich ehedem große Mühe gab, die Konservativen davon zu überzeugen, daß eine Einigung in Ranalbingen mit der Regierung das allerbeste sein würde. Der.Reichsbote' warnt eindringlich vor einer Auflösung des Abgeordnetenhauses. Er schreibt: „Eine Auflösung würde ber Regierung und ben gouüernementakn Nationalliberalen eine sehr empfindliche Niederlage bringen, denn bie Wahlen würden bann wahrscheinlich ganz radikal agrarisch ausfallen. Der Landtag hat zwar mit dem Zolltarif, welcher Sache des Reichstages ist, nichts zu thun. Aber die Dinge hängen zusammen. . . und wenn aus diesem Zusammenhänge die Auflösung erfolgt, fo werden in diesem Zusammenhänge auch die Neuwahlen erfolgen, und zwar in einer ®etfe, daß den Gouvernementalen bie Ohren gellen." Der .Reichsbote' bürste mit dieser Anschauungsweise recht haben.
* Auf bie Frage, ob sie selbst an die Möglichkeit des MitteKa«öüa«ak- N««es durch eine Aktiengesellschaft glaube, antwortet bie .Kreuzzeitung': Nein! Unser Privat- kapital ist viel zu klug, um sich für derartige unrentable Unternehmungen zu engagiren. Me Börse sowohl, wie bie rheinisch - wefisäMche Großindustrie weiß viel zu gut, daß der Ban des Mittellandkanals sehr kostspielig, seine Unterhaltung sehr theuer, die Einnahmen sehr unsicher und geringfügige sein würben um ihre Mittel dabei zu riskiren. DaS überlassen sie lieber dem Staate, und klagen dann die, welche für die Sicherung auch seiner finanziellen Lage einzutreten sich vervflichtet fühlen, an sie trieben „Jntereffenpolttik" und wären erfüllt voll „Neid gegen die Industrie"!
♦ Die Berechtigung Z«m Stndinm ber Medizin. Völl parlamentarischer Seite wird der .Vossischen Zeitung' geschrieben: Der Bunderratbs- auSschuß hat in seiner Sitzung vom 13. d. M. die Gleichstellung der Gymnasial- und Realgymnasialabiturienten hinsichtlich der Zulassung zum Studium der Medizin sass phraae beschlossen. Dahingegen werden die Oberreal- schulabiturienten sich einer Nachprüfung im Lateinischen zu unterziehen haben.
X Die «eivkiche IaörikarSeit spult naturgemäß in den Berichten^de^Gewerbe- hinein an seinem Schreibtisch. Zuerst verfaßte er einen liebevollen Abschiedsbrief an seine Schwester, worin er sie bat, sich über seine plötzliche Abreise nicht zu betrüben und ihm blindlings zu vertrauen, ganz bald werde sie wieder von ihm hören. War es doch sein Lieblingtplan. Helene zu sich r« nehme«, sobald er einen eigenen Herd gegründet und die geliebte Braut heimgeführt haben würde.
Der zweite Brief an Ella kostete ibn viel Ueberlegung, denn sie sollte nicht ahnen, wa« ihn von Ravensfell wegtrieb. Aber endlich war auch dieses schwierige Werk vollendet und ganz erleichtert begab fich Albert zur Ruhe, wohl zum letzten Mal in dem Heim, bas seine Jugend beschirmte.
3. Kapitel.
Ella Villar» hatte in London bei Frau Es- mond eine außerordentlich freundliche Aufnahme gefunden. Von Alberts Plänen und Hoffnungen in Kenntniß gesetzt, behandelte die gute Dame da» junge Mädchen mit fast mütterlicher Sorgfalt. 6» war für Ella wie ein Heimkommen nach langer Abwesenheit und, von Liebe umgeben, blühte unb lebte sie neu auf, wie eine Blume sich in der Sonne entfaltet. Sie empfand es als ein Glück, bei Frau Esmond von Albert sprechen zu können und diese wurde des Themas niemals müde, wat doch Albert der beste Freund ihres geliebten Sohnes gewesen.
Schon nach einigen Wochen hatte fich Ella’S Gesundheit bedeutend gekräftigt, und sie dachte mit Wehmuth baran, Frau Esmond's traulicher Heim nun bald verlassen zu müssen, als Albert'r
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