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KuldaerMZeitung

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tii» Inserate I. Parzelle» tu Sulda. mit Ilnterhaktungs-Aeitage „Zllustrirte Sonnlags-Zeitung" Peter»,ässe Nr. 2 tlbarmourei.

M 116.

Iuröa, Mittwoch, den 22. Mai 1901.

28. Jahrgang.

G Unterwühlung des Börsengesetzes.

Zum 11. Juni ist der Börsenausschuß zu einer Berathung einberufen worden. In erster Reihe soll er sich eingestandenermaßen mit den Bestimmungen des Börsengesetzes über die Termingeschäfte beschäftigen. Die Börsenkreise sind unzufrieden damit, daß das Börsengesetz diejenigen Leute ganz erheblich ein schränkt, die fich mit dem Glücksspiel der Termingeschäfte be­fassen oder doch rechtskräftig für die Verluste in Anspruch genommen werden können, die sie dabei erleiden. Ehedem war es doch so leicht ge­wesen, mit dieser Art von Börsengeschäften „Bauern zu sangen"; denn es liegt in der Natur derselben, daß der „Kunde" immer das Opfer eines „Vertrauensmannes" wird. Die gewerbs­mäßigen Spekulanten, mit den Kniffen und Schlichen dieser Geschäfte wohl erfahren, konnten ihre vertrauensseligen „Kunden" aus dem Volke in so eleganter Weise damit um beträchtliche Summen erleichtern, daß allgemach ungeheure Kapitalien auf diesem leider auch nicht mehr un­gewöhnlichen Wege aus dem Besitze der gewerbe- thätigen, aber börsenunkundigen Berufsstände in die Taschen der berufsmäßigen Spekulation stoffen; und zu keiner Zeit haben die Bö rsenleute jene für sie schöne Zeit vergessen können, in der es so leicht war, sich aus Kosten der Volksallge­meinheit zu bereichern. Die Versuche einer Rück- wärtsrevidirung des Börsengesetzes zu erreichen, Haden niemals aufgehört; es steht so aus, als hätte diese kleine, aber mächtige Börsenpartei nunmehr bei der Regierung es dahin gebracht, daß diese zum Entgegenkommen bereit sei.

Natürlich sagt man nicht, was man eigent­lich will. Man behauptet, die Erhebung des Differenzeinwandes wirke in unmoralischem Sinne auf die Geschäftswelt ein. Nach dem geltenden Börsengesetze sind abgeschlossene Termin­geschäfte nur rechtsverbindlich für solche Personen, die in daS Börsenregister eingetragen find. Durch diese Bestimmung sollen die Unberufenen von der Börse und von ihren Gefahren zurück­gehalten werden, andererseits sollen die Börsen­leute, wenn sie dennoch Spielgeschäfte mit solchen unberufenen Leuten machen, keinen rechtskräftigen Anspruch darauf haben, die erzielten Börsenspielgewinne einzuheimsen und dadurch davon abgehalten werden, mit solchen Leuten solche Spielergeschäfte abzuschließen. Man kann durchaus nicht einsehen, warum nun auf einmal die Erhebung des Differenzeinwandes unmoralisch sein soll, also die Berufung auf die Bestimmungen des Börsengesetzes über die Börsen- termingeschäfte und im Anschlüsse daran die Verweigerung der Zahlung der Differenz, also des von dem Gewinner im Börsenglücksspiele erzielten Usberschuffes. Unbequem ist diese Be­stimmung sür diejenige» Börsenleute, die durch das Differenzgeschäft Gewinne einheimsen wollen; aber nicht unmoralisch, sondern im Grunde ge­nommen durchaus moralisch find alle Maß-

Zwei Hlinge.

Frei nach dem Englischen von A. M i ch o l a.

------- (Nachdruck verboten.)

1. Kapitel.

Mitten in dem reicht n grünen Herzen der Landes, in der schönen und fruchtbaren Grafschaft Devon, liegt Ravensfell, eine der herrlichsten Be­sitzungen Englands. Ein wahrer Zauber der Natur ist darüber ausgegossen, schattige Wälder, breite Ströme, murmelnde Quellen, eine köstliche klare Luft, Alles ist hier vereinigt.

Da« malerische, alte Gebäude mit seinen alters­grauen Thürmen, den hohen Bogenfenstern und dem massiven gothischen Portale, steht inmitten eines weit ausgedehnten Parkes, dessen riesige alte Eichen eine Berühmtheit sind; herrliche Anlagen und Treibhäuser, in denen die seltensten Pflanzen und Früchte gedeihen, ein tiefer, prächtiger, mit Wasserlilien bedeckter See, der Gesang zahlloser ^ögel, die wunderbare Blumenpracht, welche überall das Auge entzückte — all dies hätte Ravensfell zu einem irdischen Paradies machen können, wären nicht seine Bewohner von so wenig engelhafter Natur gewesen.

Die MarchmoniS waren eine sehr alte Fa- wilie. Der Name nimmt keinen so hervorragenden Platz in der Geschichte des Lande« ein; keine großen Heloen, keine bedeutenden Staatsmänner entstammten dem Geschlecht; aber alle waren loyal und ehrenhaft und Jeder erfüllte seine Pflicht als $erwißen«6 sro$ctt Besitzthums und glänzenden

regeln, die der Ausbeutung börsenunkundiger Differenzspieler durch gewiffrnlose Börsenspeku­lanten Schranken ziehen. Unmoralisch ist nur das Beginnen solcher Spekulanten, die die geringere Börsenkrnntniß des großen Publikums ausnützen wollen zu dem Zwecke, sich selbst auf Kosten dieser Unkenntniß zu bereichern.

Nun wird in offiziösen Organen versichert, man denke gar nicht daran, das „im Großen und Ganzen so segensreich wirkende Reformwerk (des Börsengesetzes) anzutasten"; man wolle nur „bessernde Hand anlegen dort, wo sich Mängel gezeigt hätten."

Ja, wo .haben sich den« Mängel gezeigt? Nur in einem Punkte; nämlich darin, daß Uebrrtretungen des geltenden Börsengesetzes nicht unmittelbar mit Strafe bedroht werden, sondern nur der Gefahr ausgesetzt find, daß der beute­süchtige Gesetzesübertreter seiner Beute nicht habhaft werden kann. Im übrigen hat die übergroße Mehrheit des Reichstages, die das Börsengesetz beschlösse» hat, gerade diese Be­stimmungen über das börsenmäßige Termin­geschäft als eine der wichtigsten Grundlagen des Gesetzes angesehen. Denn das find zwei sehr wichtige Punkte, daß einmal unberufene und unkundige Leute von dem Börsenspiel abgchalten werden, und daß ferner die Einwirkung dieses Börsenspielgeschäftes auf die Bildung der Preise eingeschränkt werde. Gerade in der Möglichkeit und in jeglicher Erleichterung dieser Einwirkung liegt eine große Gefahr sür die Arbeit des Volkes; es kann ja kaum eine noch wichtigere Veranlassung als diese geben, wirksame Schranken um dieses gefährliche und höchst ver­derbliche Spielgeschäft zu ziehen. Wenn man darum sagt, man wolle den Kreis derjenigen Leute erweitern, die rechtsverbindlich solche Geschäfte eingehen können, und gleichzeitig be­hauptet, man wolle die Grundlagen des Börsen­gesetzes nicht antasten, so stellt man eine Be­hauptung auf, die einen schroffen Widerspruch in sich selbst enthält. Denn gerade die Be- schränkung dieses Kreises auf diejenigen allein, die in das Börsenregister eingetra^ n sind, gehört zu den allerwichtigsten (Stunt I gen des Gesetzes; und jede Erweiterung diese Kreises bedeutet unbedingt einen herben Verst.ß gegen diese Grundlagen.

Dem ganzen Sinn des Börsengesetzei läuft die Forderung zuwider, den Kreis der Leute zu erweitern, die mit Rechtskraft börsenmäßige Diffe­renzgeschäfte abschließen können. Sollte man an­nehmen, daß der Reichstag bereit sein werde, so gegen den ganzen Sinn eines Gesetzes vorzu- gehcn, das er g rnz kürzlich erst nach vielen Mühen und schwierigen Verhandlungen zu Stande gebracht hat? Man kann es sich kaum vorstellen. Aber sollte wirklich eine Mehrheit im Reichstage in diesem Sinne sich zusammenfinden, dann würde es höchst moralisch von der Minderheit, die an den Grundlagen des Börsengesetzes nicht rütteln taffen will, gehandelt sein, wenn sie zu dem Mittel der radikalen Linken, nämlich zur Obstruktion greifen und auch einmal ihrer­seits dieser Waffe fich bedienen würde, die neuer­dings so gern von der Linken geschwungen wird.

Der Name stand in hohem Ansehen, obschon die gegenwärtigen Besitzer nicht sehr beliebt waren.

Sir Hugo und seine Gemahlin kümmerten sich wenig darum, sie hielten die Würde'der Familie aufrecht und das Urtheil Anderer berührte sie kaum.

An diesem klaren, schönen Augustmorgen saßen sie allein in dem luxuriös ausgestattetm Früh- stückszimme''. Zu dem geöffneten Fenster drang die köstliche Morgenluft herein, durchweht von dem Duft der weißen Lilien und rothen Rosen, die in üpp'ger Fülle draußen erblühten.

Der Frühstückstisch war auf das kostbarste her­gerichtet, das feine chinesische Porzellan und das massive Silber glänzten in der Morgensonne.

Doch, um das Bild zu vervollständigen, hätte ein junges, holdes Wesen hier walten müssen, denn der würdevolle Baronet und seine Gemahlin waren in all dieser Sonnen- und Blumenpracht wenig am Platze.

Sie schienen offenbar in eine wichtige Be­sprechung vertieft; denn obschon sie ihr F-ühstück längst beendigt hatten, war noch kein Diener hier­von benachrichtigt worden.

„Es scheint wirklich wie eine Vorsehung", sagte Lady Elvira mit etwa« schwärmerischem Augenaufschlag; „denn einem Zufall darf ich diese Begegnung doch nicht zuschreiben."

„Es wäre eine vortreffliche Sache", sagte ihr Gatte. „Ich hoffe, Albert wird so vernünftig sein, alle Vorthetle einzusehen. Ich habe mich nie über die Ausgabe beklagt, aber trotzdem em­pfinde ich sie."

Lady Elvira erröthete wie im Aerger.

„Ein junger Mann in seiner Stellung wird

Eine solche Obstruktion würde auf jeden Fall durchaus moralisch sein. Aber noch darf man hoffen, daß es im Reichstage auch ohne solche Gewaltmittel gelingen werde, die wohlthätigen Bestimmungen des Börsengesetzes in ihrem ganzen Umfange zu erhalten.

Deutsches gteidj*

Berlin, den 21. Mai.

* Der Amrdesrattz hat am Freitag Sitzung gehalten. Auf der Tagesordnung derselben stand neben anderen Vorlagen auch der vom Reichstag mit erdrückender Mehrheit angenom­mene Diätenantrag des Centrums. In den Berichten nun, die über jene Sitzung veröffent­licht werden, sind alle die Vorlagen, denen der Bundesrath seine Zustimmung ertheilt hat, auf­geführt. Es fehlt darunter aber der Diäten- äntrag. Das läßt „tief blicken", würde weiland Sabor sagen. Sollte etwa der Bundesrath be­absichtigen, dem Diätenantrag gegenüber das­selbe Verhalten einzuschlagen, wie in Bezug auf den vom Reichstag nun schon vier Mal ange­nommenen Jesuiten an trag des Crntrums? Ihn einfach liegen zu lassen? Ein solches Ver­halten würde nach verschiedenen Seiten hin seine Wirkung haben. Vor Allem bezüglich des Ein- fluffes und dcs Könnens des Reichskanzlers, für den eine derartige Taktik nicht ohne Folgen bleiben könnte. Aber auch der hochpreisliche Bundesrath würde sich täuschen, wenn er etwa glauben sollte, durch diese „schlaue" Taktik der Rothwendigkeit, zu dem Diätenantrag Stellung zu nehmen, entgehen zu können. Dieser Antrag wird sich immer wieder bemerkbar machen wie „ein böser Kreuzer". Mit Befriedigung wird besonders in den interessirten Kreisen vernommen werden, daß der Bundesrath wenigstens dem Weingesetze zugestimmt hat.

+ Avg. Dr. v. Irege, Mitglied der ksnser- vativen Fraktion und erster Vizepräsident de« Reichstages, ist während der letzten Monate mehr­fach in den Blättern als mandatsmüve bezeichnet worden. In konservativen Kreisen ist, wie die ,Deutsche Tagesztg/ feststellt, von solchen Rück­trittsabsichten des Abg. v. Frege nichts bekannt. Der Genannte ist nach der Mandatsdauer eine« der ältesten Mitglieder des Reichstages.

X Die SchrntzaVstimmnng im Ileichs- tage. Am letzten Sitzungstage war der Reichs­tag, wie bekannt, zuerst beschlußfähig mit 205 ab­gegebenen Stimmen. Die zweite Abstimmung er­gab die Anwesenheit von nur 198 Abgeordneten und damit die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Der Unterschied von 7 Stimmen ist dadurch ent­standen, daß bei der zweiten Abstimmung 10 Mit­glieder des Hauses fehlten, die bei der ersten Ab­stimmung anwesend waren, und 3 hinzugekommen waren, die der ersten Abstimmung nicht beiwohn­ten. Von den 10 Abgeordneten, die sich aus dem Saale während dec Sitzung entfernt hatten, waren 8 Gegner der beantragten Aenderung des Brannt­weinsteuer-Gesetzes, nämlich die Sozialdemokraten Auer, Bebel, Wurm, die Freisinnigen Fischbeck, Müller - Sagau, Gaulke, die Nationalliberalen Horn-GoSlar und Schulze. Außerdem hatten sich

sich wahrlich nicht einem Plan widersetzen, der nur zu seinem eigenen Besten entworfen wurde," sagte sie hochmülhig. „Ich denke, Hugo, Du wirst mir erlauben, bei Deiner Unterredung mit Deinem Neffen anwesend zu fein."

Im hochmüthigen, pompösen Auftreten paßten die Sprechenden offenbar sehr gut zu einander. Beide hatten die gleiche, dünkelhafte Miene, die gleichen, kalten unnahbaren Manieren, Beide waren steif und förmlich.

„Wie sieht Fräulein Miller au«?" fragte Sir Hugo.

„Ihr Aussehen kommt hier gar nicht in Be­tracht," war d e ungeduldige Entgegnung, „denn Albert kann keinerlei Ansprüche machen. UebrigenS — sehr häßlich ist sie nicht."

„Ist sie jung? Du weißt, Albert ist kaum vierundzwaazig."

„Auch in diesem Punkte darf Albert nicht wählerisch fein," entgegnete sie ausweichend „Fräu­lein Miller hat wohl die dreißig zurückgklegt, glaube ich, aber ihr jährliches Einkommen beträgt zehn Taufend Pfund und wird nach dem Tooe ihres Onkels sich noch bedeutend vergrößern." •

„Eine prächtige Aussicht!" seufzte der Baronet; „der Plan macht Deiner Klugheit alle Ehre, Elvira."

Die Dame lächelte bescheiden: „Da Du doch einmal gesonnen bist, für Deinen Neffen zu sorgen, wird es in dieser Weise am besten geschehen können. Fräulein Miller trifft heute hier ein und wird vierzehn Tage bleiben. Albert wird also Zeit genug zu seiner Werbung haben."

„Er roiro am besten sein, wenn wir ihn gleich davon in Kenntniß setzen," meinte Sir Hugo. Er

noch die Abgeordneten v. Strombeck vom Centrum und Stöcker, beide Freunde der beantragten Aende­rung, entfernt. Wären nur diese beiden Herren die nothwendige kurze Zeit noch im Saale, ge­blieben, würde der Reichstag nicht beschlußunfähig, die beantragte Aenderung der Branntweinsteuer angenommen worden sein.

X Der nette Zolltarif soll augenscheinlich der Gegenstand einer Ministerbesprechung sein, die demnächst in Berlin stattfinden wird. Die ,Nordd. Allgem. Ztg/ meldet nämlich: „Der Retchskanzler hat die zuständigen Minister Preußens, Bayerns, Sachsens, Würt­tembergs, Badens und Hessens zu einer Besprechung zollpolitischer Angelegen­heiten auf den 4. Juni nach Berlin einge­laden."

X Der Wahlkreis Duisöurg-Wirlheim mit feiner Ersatzwahl zum Reichstage zieht das allgemeine Interesse auf fich; nicht nur des­wegen, weil dabei eine Kandidatur des Ministers a. D. von Miquel vorgeschlagen worden ist, sondern auch aus einem weiteren Grunde: Herr Naumann, der Führer der „Nationalsozialen", wird wahrscheinlich auch um den erledigten Sitz im Reichstage sich bewerben, und vor einer solchen Kandidatur scheint den Nationalliberalen bange zu sein. Die nationalliberalen Blätter gestehen diese Bangigkeit unumwunden zu. So schreibt u. a. die .Kölnische Zeitung": „War der Sieg des nationalen Kandidaten schon 1898 sehr schwer zu erringen, so haben sich die Aussichten für seinen Nachfolger durch gewaltigen Zuzug katholischer Arbeiter im Laufe der Jahre noch mehr verschlechtert. Thatsächlich ist es so, daß jede Zersplitterung der ultramontanen Partei zum Siege verhelfen muß." Das kann die „Ultramontanen" nur freuen. Aber um die Nationalliberalen muß es wirklich nicht mehr gut bestellt fein in dem Wahlkreise Duisburg- Mülheim, wenn sie sogar Angst bekommen vor Herrn Naumann. UebrigenS würde es gar kein Unglück sein, wenn Herr Naumann irgendwo einmal einen Sitz im Reichstage gewinnen würde; man würde dann sehen, was er auf politischem Felde überhaupt zu leisten vermag. Aber für's erste liegt derlei wohl noch weit im F-lde I

X Bitt’ Meichstagser satzwahk im Wahl­kreise HttweUer-St. Wendel, dem früheren Wahlkreise des Freiherrn von Stumm, schreibt das leitende Blatt des Bundes der Land­wirt he, die .Deutsche Tageszeitung': „Es kann den Vertrauensmännern deS Bundes der Land- wirthe von keiner Seite verargt werden, wenn sie vom nationalliberalen Kandidaten P ritze ausdrücklich verlangen, daß er sich zu den For­derungen deS Bundes der Landwirthe bekenne.... Sie mußten es um so mehr thu«, als die wirth- schaftspolitische Stellung des Herrn Pritze bisher nicht genügend und nicht allgemein bekannt war. Sollte Herr Pritze nicht befriebigenbe Erklärungen abzugeben geneigt oder in der Lage sein, so würde es den Bundes Mitgliedern anheimgestellt bleiven, sich für ihn ober für den Centrums­kandidaten Fuchs zu entscheiden, der in Mittel- standsfragen bisher eine uns recht sympathische Stellung eingenommen hat." Man sollte meinen.

klingelte, und ein Lakai, der sich sichtlich bemühte, da« pomphafte Wesen seines Gebieters nachzu­ahmen, erschien unter der Thür. „Nein, nicht den Tisch, Jakob," sagte Sir Hugo. „Bitten Sie Herrn Albert, hierher zu kommen, ich habe mit ihm zu sprechen "

Der Diener entfernte sich und eine peinliche Stille herrschte in dem Gemach. Weder der Baronet noch seine Gemahlin sprachen eine Silbe. Beide vermieden offenbar einander anzusehen. Beiden schien es plötzlich etwas unbehaglich zu Muth zu fein.

Endlich öffnete sich die Thür, und Albert Nugent trat ein. Er war ein schöner, junger Mann mit klaren, offenen Zügen, aber festen Linien um den ernsten Mund. Ein scharfer Beobachter hätte wohl gesehen, daß sein Charakter noch nicht vollkommen entwickelt war, ein Charakter, der den Keim zu Edlem in sich trug, aber durch die Um­stände und nicht durch eigene innere Kraft zur Reife gelangen sollte.

„Sie wünschten mich zu sprechen, Onkel?" fragte er, und eine gewisse nervöse Erregung in seiner Stimme verrieth, daß er, obschon von Natur tapfer und muthig, vor dem Herrn von Ravens­fell eine ängstliche Scheu empfinde.

„Ja", war die kurze Entgegnung, „Deine Tante und ich haben Dir etwas sehr Wichtige« zu sagen. Nimm Platz und höre uns ohne Unter­brechung an."

Albert setzte sich dem Onkel gegenüber, im Stillen verwundert Über die seltsame Befangen­heit, welche sich in dessen ganzem Wesen ausdrückte.

„Ich will heute sehr ernst mit Dir sprechen, Albert", begann der Baronet mit sichtlicher An-