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renck und Verlag bei Fuldaer AcUendruckeret peteregaäe Nr. 2 (Barmonu).

M 115

Iu0ö«^ Dienstag, den 21. Mai 1901.

28. Jahrgang.

72

dem

tiefe und oer»

Roman aus dem Wiener Leben. Bon L. v. Neid eg,.

------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

der fremden Postanstalten ein Zirkularteleiramm, in welchem er mittheilt, daß vom 19. Mai ab bis zur Beendigung der Beralhungm über Auf­hebung der fremden Postanstalten Postsendungen der fremden Postanstalten wie früher durch Beamte der türkischen Postverwaltung txpedirt werden.

O AervyorK, 20. Mai. In den Ver­einigten Staaten, Kanada und Mexiko hat mit dem heutigen Tage ein großer Ausstand von Maschinenarbeitern be­gonnen, der von den Arbeitern aller verwand­ten Berufsarten unterstützt wird. Die Zahl der Ausständigen wird auf 50,000 Mann geschätzt. Die Arbeiter verlangen neunstündigen Arbeits­tag aber mit den gleichen Bezügen, wie sie sie jetzt für zehnstündige Arbeit erhalten.

„Bei mit?“ wiederholte sie zaghaft, träu­merisch. Die frohe Botschaft schlug an ihr Ohr, das solchen Klang nicht gewohnt, wie abwesend ihn an sich vorübergleiten ließ.

„Bei Ihnen allein. Können Sie mir ver­zeihen ? Wollen Sie, wiewohl ich an Ihne« gesündigt, meine Frau werden?"

Sie sahen sich beide an, erröthend und er» bleichend in der Tiefe ihrer Empfindung, die blauen und die braunen Augen in dunkelem Feuer erglüht. Dann faßte Franz ihre eiskalt gewor­denen Hände und zog die Geliebte leise an sich.

Und plötzlich fühlte sie von seinen starken Armen sich umfaßt, ihr Kopf ruhte an feiner Schulter, abgebrochene Worte voll Liebe und Zärtlichkeit beschwichtlgten den Sturm in ihrem Innern.

Sie versuchte keinen Widerstand, ihre Zweifel waren gelöst; sie fühlte sich emporgehoben und getragen von einer Welle von Seligkeit dem Glücke entgegen, — das, vor wenigen Minuten noch unerreichbar, jetzt wie mit einem Zauber- chlag greifbar vor ihr lag.

„Endlich machte sie sich los: „Ich kann nur vom Theater weg zu Ihnen kommen, Franz," agte sie mit einem Lächeln, das nicht frei von Wehmuth war. „Schreckt Sie das nicht?"

„Ich weiß ... ich habe Alles gehört. Ich bin aber vernünftig geworden und ich liebe Dich."

„Ich bringe . . . keinen unbefleckten Namen." Die Stimme war zum Flüstern herabgesunken.

»Du bringst Dich felber und das ist mir genug."

»Franz! Franz!" rief sie freudig. „Sie hier! O wie kommen Sie hierher? Wo find Sie die Zeit über gewesen?"

„Ich Habs meine Mutter nach Hamburg be­gleiten müffen, wohin der Vater sie berufen. Krank und siech in Folge eines erlittenen Un­falles ist er aus Amerika zurückgekommen. Die Mutter pflegt ihn. Sie ist ihm unentbehrlich geworden und wird es bleiben die Spanne Zeit, die ihm noch beschieden ist. So wie die Eltern mich entbehren konnten, bin ich hierher geeilt . . . zu Ihnen Anna ... zu Ihnen. Mit Ihrer Großmutter habe ich mich vorhin ausge­sprochen . . . nicht wahr Frau Doktor? und wir hab n uns gut verstanden. Die Entschei­dung liegt nun bei Ihnen, Anna."

Kommandeur des VII. Armeekorps wurde Generalleutnant Freih. v. Bisfing, bisher Kom­mandeur der 29. Division ernannt. Sem Nach- I folger wurde Generalmajor v. Fallois. Die 16. , Division erhielt der Generalleutnant v Scheele, ; die 19. Division Generalmajor v. Rosenberg-

Trukczinski. 7 Generalmajors wurden zu Generalleutnants befördert. 15 türkische Leutnants a la suite der Armee wurden zu Oberleutnants befördert. (Die Veränderungen beim Feld- Artillerie - Regt. Nr. 47 sieh- unter Lokales. D. Red.)

* Ein wichtiger Fortschritt auf dem Gebiete der SicherHei1»vorrich1««ge« de» KisenSahu ßetrieve» scheint mit der neuen Siemens­bremse gemacht worden zu fein, mit welcher gegenwärtig auf Veranlassung der Staatsbahn. Verwaltung Probefahrten veranstaltet werden. Die jetzt im Gebrauch befindliche Westinghouse­bremse funktionirt im Allgemeinen tadellos, allein bei längeren Zügen machen sich die bei diesem System naturgemäß anhaftenden Mängel oft in bedenklichster Krise bemerkbar; da die unter den Wagen befindlichen Ventile einzeln nacheinander in Thätigkeit treten, so üben die nachfolgenden noch ungebremsten Wagen eine höchst unange­nehme Nachwirkung aus, durch welche die Fahr- gaste durcheinander gerättet, oft auch Kuppelungen zerrissen uns Puffer beschädigt werden. Die Siemens bremse Hilst diesen Uebelständen durch ein neues Funktionsventil mit elektrischer Steuerung ab; durch dasselbe werden selbst bei den längsten Zügen die sämmtlichen Brems­vorrichtungen gleichzeitig und sicher in Thätig­keit gesetzt, ein Problem, nach dessen Lösung man lange vergeblich gesucht hat. Wie die preußische, so wenden auch andere Staatsbahnverwaltungen der Neuerung ihre Aufmerksamkeit zu. So hat das österreichische Handels- und Eifenbahnmini- sterium eine aus vier Rächen bestehende Kom- Mission r ach Berlin entsandt, um den Brems­versuchen beizuwohnen. Unter Führung des MinifterialrathS von Bannowicz begaben sich die Herren am Samstag von Berlin nach dem! Militärbalmhofe, von welchem aus der Versuchs-1 »ug nach Zoffen und zurückfuhr. Die fremdm Gäste sprachen sich sehr anerkennend über die SiemenSbremse aus.

* Von einer Aexderrmg der neuen $e- richlsvolhieherordumtg will der Justiz, m»nister trotz der Klagen im Parlament und ta ber Presse, auS Anwalts- und Laienkreisen nÄ Sn-, Der Justizminister hat nach der 'Voss- Ztg.' in einem Schreiben au den Vor. fitzenden das Bedauern über die »ablreicken Mißgriffe und Verzögerungen" ausMchen" sich aber damit beruhigt, daß inzwischen „eine wesentluye Besserung der zuerst beklagten Miß. stände namentlich in Berlin eingetreten ist* Er sei zwar bestrebt, durch zweckmäßige Ausge- stcltung der neuen Einrichtungen begründeten Beschwerden abzuhelfen", doch könne er den von der Kommission des Anwaltvereins gemachten Vorschlägen eine Folge nicht geben. Denn „die Frage nach der Bsiduug eines GerichtSooll- zieheramts" sei noch nicht, genügend geklärt. Der Just-zmlnister gibt schließlich dem Anwall- ve;eiu den spitzen Rath, daß es förderlich sein würde, „wenn er sich eine Einwirkung auf

Sie schüttelte den Kopf: „Es geht nicht, Großmutter. Herr Carneri behauptet, er sei ohnehin zu Schaden gekommen dadurch, daß eine Andere schnell hat meine Rolle übernehmen müssen. Er hat mir den mit dem Vater abge­schlossenen Vertrag vorgelegt und verlangt, daß ich wieder auftrete."

Die alte Frau fuhr empor: „Und der Vater kaum unter der Erde! Infam! Ist da nichts zu thun?"

„Vor dem Gesetze nichts. Unter einer Be­dingung, auf die ich aber nicht eingehen kann, würde er den großen Schaden tragen, der ihm durch meinen Abgang erwüchse: ich müßte seine Frau werden. Das will ich nicht."

„Natürlich nicht. Kann mau ihn nicht abfindeu?"

„DaS können wir leider nicht, Großmutter. Sie haben ohnehin so viele Schulden deS armen Vaters zu zahlen übernommen und sagten selbst, )«ß eS Sie schwer ankäme."

„Das ist richtig," stimmte die alte Frau be­trübt bei. „Wenn ich Dich nur vom Theater weg haben könnte! Dich dort zu laffen will mir gar nicht in den Sinn."

„Brav bleiben kann man mit Gottes Beistand berall, Großmutter. Nach langem Hin- und Zerreden ist Carneri endlich darauf eingegangen, aß ich nur mehr ein halbes Jahr im Thalia-1

Theater zu fingen brauche. Wohnen werde ich >ei Tante Pepi. Später sehe ich mich um Klavier- und Singstunden um."

„Wenn Dir Gott nicht etwa einen braven Mann schickt."

Annas überreizte Nerven ließen ste im Stich, j

Ihre Stimme bebte, als sie erwiderte: „Groß­mutter bitte, reden Sie nie mehr von Liebe und Heirathen, damit ists vorbei. Was mir am wehesten thut, ist, daß Franz, an dem ich nie gezweifelt hätte, schlecht genug von mir dachte, um mir zuzutrauen, daß ich Carneri um seines Geldes willen heirathen könnte."

„Wer hat Dir daS gesagt, Anna?"

„Tante Pepi; gestern, er hat sie darum be- fragt . . ."

„Was immer er in seiner Thorheit gedacht hat, jetzt urtheilt er anders!" erklang eine Stimme, bei deren Ton Anna erbebte.

Anslimk

• London, 20. Mai. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Standerton vom 18. ds. Mts.: Die Buren haben zwischen Amers- ! so ort und Ermelo die Kolonne des Generals Bullock dreimal angegriffen. Sie ver­fügten über einen Zwölfpfüuder, 2 Pompom­geschütze und ein Maximgeschütz. Es wurde der Versuch gemacht, diese Geschütze wegzunehmen, allein dies gelang nicht. Schließlich wandten sich die Buren über Ermelo nach Carolina. I SouiS Botha verließ mit der Garnison und ! seinen Offizieren Ermelo am 15. Mai und wandte sich ostwärts. General Bullock trieb hierauf die Einwohner Ecmelos aus der Stadt. Kaum hatten die englischen Truppen die Stadt oerlaffen, so tauchten die Buren wieder auf und durchsuchten die Stadt nach Burghers, die sich etwa ergeben haben könnten. General Elliot hatte im Laufe der Woche 4000 Pferde und Vieh, wie auch viele Burenfamilien nach Stan­derton geschickt. — Wie die,TimeS' auS Caro- lina meldet, besetzten englische Truppen am 17. ds. Mts. Carolina zum fünftenmale.

* Madrid, 20. Mai. Nach den bisher be­kannten Resultaten der Wahlen für die Kammer der Abgeordneten wurden ge­wählt: 230 Libera'e, 70 Konservative, 15 Re­publikaner, 6 Karlisten, 10 Mitglieder der Nationalen Vereinigung. 4 Katalonier, 1 Sozial­demokrat, 21 Unabhängige und 10 Anhänger Romeros. In Madrid selbst wurden 6 Mi­nisterielle, 1 Konservativer und ein Mitglied der nationalen Vereinigung gewählt.

* Ao«sta»ti«opet, 20 Mai. Im Post­konflikt gibt die Pforte jetzt klein bei. Der Generaldirektor der tückischen Posten und Tele- graphen richtete am Sonntag an die Direktoren

Ein Freudenstrahi kam in ihre Augen erhellte daS betrübte Gesicht. Allen Groll geffend, war ihr zu Muthe, wie einem, vcm nach finsterer Nacht daS Licht des Tages sich wieder zeigt.

Das Gespräch dauerte lange; aufgeregt ver­ließ Carneri das Zimmer.

„Sie werden es bereuen, werden es bitter bereuen ; rief er, in der Thüre stehend, Anna zu. „Zwingen kann ich Sie nicht; davon können Sie aber überzeugt fein, daß Sie es nirgends fo gut gehabt hatten, wie mit mir."

Er war ein leichtsinniger alter Mann, den sie nicht achten konnte, dem sie nicht hätte angehören mögen, außer es hatte sich um die Rettung des Vaters gehandelt; aber er meinte es vielleicht wirklich gut mit ihr und sie konnte sich einer flüchtigen Mhrung nicht erwehren, als sie ihn, verletzt und betrübt, sich entfernen sah. Wie eiaen- thürntich war es doch im Leben! Sie dachte an ienen anderen, der sie verschmähte; ein weh- müthlger Ausdruck kam tn ihr Gesicht. Beschämt über die Schwache, die immer wieder sie über­mannte, fuhr ste sich mit der Hand über die Stirn richtete ihre Gestalt empor, und zwang sich zü lächeln, als in diesem Augenblick die Großmutter ins Zimmer trat.

„Nun mein Kind, was ist beschlossen s Kommst Du mit mit nach Mastng?" Anna wollte es bedünken, als sei der Schritt der Großmutter weniger müde, als blicke etwas von dem alten Feuer aus den glanzlosen Augen.

I diejenigen Vereinsmitglieder angelegen fein ließe, welche sei, es selbst, sei es durch ihr Bureau- prrsonal, den neuen Einrichtungen unnöthige Schwierigkeiten bereiten".

V Zierki«, 20. Mai. Der Kaiser ist gestern Llbend 11 Uhr von Potsdam nach (Sabinen und Pröckelwitz abgereist. — Die .Birmingham Post' be­hauptet, aus zuverlässtger Quelle die Mittheilung er« halten zu haben, daß der deutsche Kaiser an König Eduard einen Brief gerichtet habe, worin er ihm verspricht, England im Herbste diese? Jahres zu besuchen. Der Kaiser werde wahrscheinlich in der Yacht „Hohenzollern" nach Cowes kommen. Der Besuch soll lediglich privater Natur fein und keinerlei offiziellen Charakter tragen. — Der Kaiser wünscht nicht mehr so oft photographirt zu werden. Aus militärischen Kreisen wird der .Nattonalzeitung' die Mittheilung gemacht, daß üoer die Zulassung dienstlich nicht betheiltgter Personen zu Veranstal­tungen, an denen der Kaiser theilnimmt, eine schärfere Kontrolle geübt werden soll, und mit dem Hinzufügen bestätigt, daß bereits bestimmte Anordnungen für militärische Veranstaltungen, bei denen der Kaiser erscheint, ergangen sind. — Der Reichskanzler hat am Freitag gemeinsam mit dem Kriegsminister auf der Fahrt von Metz nach Urville Vortrag gehalten, wahr­scheinlich über die Zurückberufung der deutschen Truppen aus China. — Der Kolonialrath soll nach der ,Tägl. Rundschau' nicht vor Ende Juni einberufen werden. Es wird aber beabsichtigt, ihm zum ersten Mal schon die Etatsaufstellungen für daS nächste Jahr vorzulegen. — Zum Kommandeur der Schutz­trupp e in Kamerun an Stelle des Majors Kamptz wurde der Oberstleutnant Pavel vom Stabe des 116. Infanterie-Regiments ernannt.

Aus dem Jahresbericht der Handelskammer zu Hanau.

v.

Der Geschäftsgang für den Ko Ionia l- waaren-Großhandel war während des Be­richtsjahres im Allgemeinen zufriedenstellend. Die Kaffeepre.se verfolgten bis zum Herbste langsam steigende Tendenz, gingen aber in dm letzten Monaten in Folge der sich eröffnenden Aussicht auf eine große Ernte zurück und gelangten Ende Dezember auf den Preisstand vom Sommer 1899. Der Zuckerpreis erhielt durch daS Syndikat einen Aufschlag von 4 jK>. für 100 Kilogr.; das Ge­schäft wurde durch die scharfen Bestimmungen des Syndikates erheblich erschwert. Auch die Preise für sämmtlichrs Oel gingen im Laufe des Jahres bedeutend in die Höhe. Der Petroleumpreis war verschiedenen Schwankungen unterworfen und stand am Ende des Berichtsjahres auf der Höhe des Frühjahr preiseS.

Ueber die Geschäftslage der in Hünfeld be­triebenen Zucker-Industrie wird berichtet:

„Die deutsche Zucker-Industrie hat in der vorn 1. April 1900 bis zu Ende dieses Jahres unter dem Einflüsse des am 1. Juni 1900 perfekt ge­wordenen Zucker-Kartells gestanden. Das Kartell hat allerdings bisher seine volle Wirkung noch nicht zu erreichen vermocht, da sich vor dem In- k-asttreten des Kartells die zweite Hand so stark mit Vorräthen versehen hatte, daß der Verkauf zu den er höhten Kartellpreisen nur langsam von Statten gehen konnte. Erst wenn jene Vorräthe vollständig verkauft fein werden, dürfte es mög­lich fein, daß sich die an den Zusammenschluß geknüpften Hoffnungen erfüllen werden, was nicht allein im Jntereffe der schwer leidenden Industrie, sondern auch insbesondere in demjenigen der Rüben­bau betreibenden Landwirthschaft erwünscht sein dürfte. Was die Ärbeiteroerhättnisse anbetrifft, so haben wir in diesem Jahre zum ersten Male nicht unterArbcirermangel zu leiden gehabt. Wenn­gleich wir, wie in den Vorjahren, wieder einen Theil der Leute auS dem Eichsfelde kommen ließen, haben wir doch die Wahrnehmung gemacht, daß auch aus dem hiesigen Steile ein viel größeres Angebot vorhanden war. Dies dürfte auf den Rückgang des Verdienstes in Westfalen zurückzu­führen sein, während wir hier den Verhältnissen entsprechend durchschnittlich höhere Löhne anzulegen gezwungen waren."

Deutsches Keich.

Berlin, den 20. Mai.

* Finanzminister a. D. v. Miqnek als Reichstagskandidat? Die.Deutsche Tages­zeitung- weist darauf hin, daß die Aufstellung einer Kandidatur im Wahlkreise Mülheim- Duisburg den Nationalliberalen große Schwie­rigkeiten mache, und fügt hinzu:

Nun haben wir jüngst in der Prcffe und, wenn wir nicht irren, auch in Blättern der nationalliberalen Partei gelesen, daß eS gewiß recht zweckmäßig sei und auch den Wünschen deS bisherigen FinanzministerS Dr. v. Miquel entsprechen würde, wenn man ihn in einem geeigneten Kreise alS Reichstag?« geordneten aufstellen wollte. Ob der Duisburger Kreis besrnderS geeignet sei, möchten wir nicht entscheiden. Jedenfalls ist aber der Gedanke seiner Kandidatur dort erwägenswerth. Er würde nach menschlicher Voraussicht die bedeutendsten Aussichten auf einen Sieg haben und persönlich gewiß nicht abgeneigt sein, einen großen Theil seiner Kraft dem Mandate zu widmen.

Man darf gespannt darauf sein, ob Herr d. Miquel von den Nationalllberalen als Kan- didat aufgestellt wird und ob derselbe diese Kan­didatur anzunehmen gewillt ist.

* Die Jsteinnahme an IöK-« mtb »er- SrsnchHsteter« hat im Monate April 61,8 Millionen Mark oder 3,5 Mark weniger wie im April 1900 betragen. An dem Weniger ist hauptsächlich die Zuckersteuer und zwar mit 2,6 Millionen Mark beteiligt, aber auch die Zölle mit 0,9 Millionen, die Maischbottich- und Branntweinmrterialstcuer mit 0,4 Millionen. Die Branntweinverbrauchsabgsbe hat ein Mehr von 0,4 Millionen ergeben, die Tabak- und die Brausteuer kleinere Mehrbeträge. 77 den übrigen Einnahmen haben öie Reichtstempelaogaben einen Ertrag von Mark abgeworfen, wovon 2,8 Millionen Mark auf die Börsensteuer unb 1,8 Millionen auf die Loosesteuer ent- fallen.

Bezug auf die Aiersteirer winken die m rlrAfl? udermals ab. Es seien noch gar keine Beschlüsse über neue Steuern, insbesondere die »«rfteuer, gefaßt; man müsse vor Allem auch den nächsten Reichsetat abwarten; vielleicht steigen die Zoll-innahmen, namentlich aus den Getreide- zöllen, noch usw. Daß die Wintersesfion außer mit der Zolltarifoorlage noch mit der Bier- und anderen Steuervorlagen bepackt werden sollte, ist allerdings unwahrscheinlich. Aber daß überhaupt an solche Steuern nicht gedacht werde, ist noch unwahrscheinlicher.

* Die Shrättbermtfctt i« be« Höchste« ««> Höheren Kommando stelle« der Armee, welche der Kaiser am 18. Mai in Metz ange­ordnet hat, sind die umfaffendsten, welche seit längerer Zeit erfolgt find. Es waren ein Armee­kommando (VII) und mehrere Divisionen (1. Garde-Kavallerie-Divifion usw.) frei. Jetzt erhielten dazu noch n cht weniger als 14 General­majore und 6 Regimentskommandeure unter dem 18. Mai in Metz ihren erbetenen Abschied, resp. wurden zur Disposition gestellt; diese frei ge­wordenen Stellen wurden sofort wieder besetzt, so daß also eine außerordentlich große Anzahl von Beförderungen, Neubesetzungen, Verschie­bungen in den Stellen der Divisionäre und Brigadekommandeure nothwendig war. Zum