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mit Anterhaktungs-Anlage „Mußrirte Sonntags-Zeitung"

Druck und Verlag der S-ldaer Rctiendruckeret petersgaAe Ur. i (Larwomcl.

M 114.

JuLöa, Montag, den 20. Mai 1901.

28. Jahrgang.

«r Em Rückblick

auf die Reichs­

tagstagung.

Als der Reichstag zu der laufenden Tagung -eröffnet wurde, sah es aus, als sollte der soeben beschlossene Abschnitt dieser Tagung recht lebhaft werden. Die Leute von der Linken und äußersten Linken sollten Sturm laufen; die sogenannte 120 00 Mark-Affäre und der Feldzug in 'China sollten die Vorwände dazu abgeben. Am Willen, der Regierung, Schwierigkeiten zu machen, hat es freilich auch nicht gefehlt; aber an der Thätigkeit dazu. Die Angelegenheit mit den 12000 Mark, die ein Beamter de- Reichsamtes des Innern von dem Centralverbande der Industriellen angenommen hatte, um damit für die sogenannte .Zuchthausvorlage zu agitiren, erwies sich als eine untaugliche Angriffswaffe; und die Fehler, die vorher bei der Betreibung des Zuges nach China gemacht worden waren, glich der neue Reichs­kanzler Graf Bülow aus durch eine sehr ge­schickte Taktik. Ohne weiteres verstand er sich dazu, Indemnität nachzusuchen, und besänftigte da­durch die ebenfalls recht kritisch veranlagten Mittel- Parteien; im übrigen aber schlug er die Angriffe der radikalen und sozialdemokratischen Opposition mit Leichtigkeit zurück. Reichskanzler Graf Bülow erntete damals, bei feinem ersten Austreten als Kanzler im Reichstage, einen vollen Erfolg, was man nicht mit derselben Sicherheit behaupten kann von der Stellung, die er bei der Besprechung der Thatsache beobachtete, daß der Transvaalpräsident Krüger in Berlin nicht empfangen worden war. Der Staatssekretär Graf Posadowsky aber, gegen den der 12000 Mark-Ansturm ganz be­sonders gerichtet war, sitzt nach beendetem Tagungs­abschnitte des Reichstages genau so fest im Sattel, wie beim Anfänge desselben.

Der Reichstag, so weit <r nämlich in Berlin anwesend war, hat während seiner sechs Sitzungs- monate ohne Zweifel recht fleißig gearbeitet. Wenn man darüber urthrilen will, darf man niemals außer acht lassen, daß die Arbeiten des Reichstages nur unter sehr erschwerenden Um­ständen vor sich g»hin konnten. Nicht weniger als zwölf lange SitzungStage ist bei d-r zweiten Etaisberathung über das Gehalt des Staats­sekretärs geredet worden; und diejenigen, die dieses endlose Reden mißbilligten, konnten ihm dennoch kein Z.el setzen. Bei den Anträgen auf Schluß der Debatte, ist die Auszählung des Hauses unvermeidlich, wenn eine Minderheit des­selben weiter reden und sich dieses zweifelhaften Vergnügens nicht berauben will; da nun der Reichstag während der letzten sechs Monate eigentlich niemals beschlußfähig war, konnte gegen -en W'llen der Sozialdemokraten mit ihrer end­losen Rrdewuth der ersehnte Schluß eben nicht herbeigeführt werde«. Außerdem wird die Ar- be tslast der einzelnen Mitglieder des Reichstages desto größer, je. geringer die Anzahl derjenigen Abgeordneten ist, die sich im Reichstage einfinden. DaS ist selbstoerfiäMtch. Je schwächer also der Reichstag besucht ist, desto kleiner ist das Maß der Arbeit, die geleistet werden tann; und die neuerdings von den Gegnern der Gewährung von Reichstagsdiäten mchrfach ausgestellte Behaup- tung, es „ginge auch so — die nothwendige Ar­

beit werde vom schwach besuchten Reichstage auch geleistet", läßt sich nicht halten. Man denke nur daran, was diesmal alles nicht verabschiedet werden konnte: die Gesetze Über die Besteuerung des Schaumwein« und der künstliche Süßstoffe, die Seemannsordnung, der Toleranzantrag des Centrums und manches andere mehr. Es ist un­möglich für die einzelnen Mitglieder eines fort­dauernd schwach besetzten Reichstages, das Ueber- maß von Arbeit zu leisten, das auf sie entfällt, wenn von den vierhundert deutschen Volksver­tretern beständig dreihundert oder noch mehr ihre Mitarbeit verweigern. Diesen Arbeits-Par- lamentarrern aber gebührt unser Dank im vollen Maße. Die gesetzgeberische Arbeit, die sie geleistet haben, bedeutet einen guten Fortschritt.

Es war der Reichshaushalts-Etat durch- zuberathen, die China-Vorlagen, die Novelle zum Weingesehe, die Gesetze über das Urheber- und Verlagsrecht, das Versicherungsgesetz, die ver- bksserte Fürsorge für die Kiiegsinvaliden und Kriegshinterbliebenen, abgesehen von einer Reihe kleinerer Vorlagen; und wenn man auch sagen muß, daß Manches in diesen Gesetzen noch besser hätte auLfallen sollen, als es ausgefallen ist, daß nicht alle berechtigten Wünsche befriedigt worden sind, so ist das ein Fehler, der der parlamentarischen Gesetzgebung in den meisten Fällen anhaftet. Die einzelnen Gruppen und Parteien müssen von ihren Wünschen dies oder jenes opfern, um den anderen entgegenzukommen und Überhaupt nur etwas zu Stande zu bringen; es gibt kaum ein Gesetz, das nicht auf dem alt- berühmten Wege der gegenseitigen „Kompromiffe" zu Stande gekommen wäre. Und ohne Zweifel ist es immer besser, etwas zu bekommen von dem, was man sich wünscht, als nichts.

Einige Zeitungen jammern laut, daß die OstafrikaPsche Zentralbahn wiederum unter den Tisch des Hauses gefallen ist. Der Jammer ist thöricht. Erstens sind doch die Ansichten über den Nutzen dieser Bahn sehr gethetlt. Zweitens ist anzunehmen, daß im Laufe des nächsten Winters eine Einigung darüber im Reichstage zu Stande kommen werde. Was liegt an der Verzögerung von acht oder neun Monaten?

Das Centrum kann mit voller Be­fried i g u n g auf die letzten sechs Monate Reichs- tagsarbeit zurückblicken. Mit starken Mehrheiten hat der Reichstag die Anträge des Centrums angenommen auf Bewilligung von Tage­geldern an die Mitglieder des Reichstages und auf Abänderung des Gewerbegerichts- Gesetzes, beide Anträge gegen die Stimmen der Rechten, was besonders verzeichnet zu wer- den verdient. Und der Abänderung des Ge- werbegerichtS-Gesetzes werden auch die Verbündeten Regierungen ohne Zweifel zustimmen. Der Toleranz-Antrag des Centrums aber hat in der Kommission, aus der er noch nicht heraus- g«kommen ist, eine sehr starke Mehrheit gefunden und wird ganz sicher im nächsten Winter auch vom Plenum angenommen werden.

Im nächsten Winter wird der Reichstag vor allen Dingen die hoch wichtige Zolltarif-Vorlage zu erledigen haben, die. wie sattsam bekannt, durch die Schuld der Regierung so stark ver­

zögert worden ist. Dann wird es sich zeigen, ob ein schlecht besuchter Reichstag den Aufgaben gewachsen ist, die die parlamentarische Vertretung des deutschen Volkes zu leisten hat.

Deutsches Reich.

Berlin, den 18. Mai.

X Die PerSefferung d-r Motz««ugs- DerHältnifle ist eines der brennenden Themata der Zeit; denn der Wohnungswucher in den größeren Städten und in den In­dustriegebieten macht Fortschritte, anstatt durch die bisher getroffenen Einrichtungen und Maßregeln dagegen zurückgedrängt zu werden. Die begonnenen Maßnahmen sind in ihrem Um­fange viel zu gering, als daß sie einen ernst­haften Einfluß daaegen ausüben könnten. Des­wegen ist eine Verordnung zn begrüßen, durch die der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten die Aufmerksamkeit der staatlichen Bau­beamten auf die gemeinnützigen Bestrebungen zur Besserung der Wohnungsverhältnisse hinlenkt. Die Beamten werden durch die Ver­ordnung des Ministers angewiesen, den gemein­nützigen Bestrebungen in diesem Sinne durch Rath und Auskunft förderlich zu sein, namentlich durch Mithilfe bei der Aufstellung von Bau­entwürfen und bet den Berechnungen der Kosten und der ErtragLfähigkeit solcher Unternehmungen. Das thätige Interesse der Regierungen an diesen Bestrebungen ist in erfreulichem Wachs- thum begriffen. Leider kann man nicht sagen, daß dos Gleiche der Fall sei bei dem privaten Unternehmerthum. Erst.der jüngste, soeben erschienene Jahresbericht der badischen Fabrik- Inspektoren klagt darüber, daß der Bau von Arbeiterwohnuugen durch Arbeitgeber — Mann­heim ausgenommen — während des vergangenen Jahres wieder nachgelassen habe. Diese unan­genehme Erfahrung spricht im Verein mit an­deren Beobachtungen durchaus dafür, daß man die Förderung des Baues von geeigneten Ar- beiterwohnungen nicht ohne weiteres dem Privat- nriternehmerthum überlaffen, sondern auch vom Staats wegen fortgesetzt und planmäßig sich darum kümmern sollte. Der Industriearbeiter hat dasselbe Recht auf menschenwürdige und nicht zu theuere Wohnungen, wie der Arbeiter im Staatsdienste und tm Staatsbetriebe

* Die Arnfnugsordnuug fär Aerzte, welche dem Bundesrath vorliegt, war — wie wir seiner Zeit mitgetdeilt haben — den Aus­schüssen für Handel und Verkehr und für Justizwesen überwiesen worden. Die Aus- schüffe haben die vsrgeschlagenen Bestimmungen im Wesentlichen unverändert gelassen und bean­tragen deren Annahme, darunter die Ein­führung des „praktischen Jahres" vor Ecrheilung der Approbation. Außerdem wird beantragt, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Durchsicht der Vereinbarungen, betreffend die gegenseitige Anerkennung der von den Gym­nasien und Realgymnasien ausgestellten R-tfe- zeugniffe, aus den Jahren 1874 und 1889, bei den Verbündeten Regierungen anzuregen.

+ Der Aerkehr auf de« Ki se»vah«e« ist nach wie vor gut zu nennen. Nach amtlicher

Don Kluft zu Stuft.

Roman aus dem Wiener Leben.

Bon L. v. Neid eg g.

71 ------- (Nachdruck verboten.)

Nachdem Stephanie erfahren, daß die Unter- suchung niedergeschlagen, für sie a'so nichts mehr zu fürchten sei, hatte sie, mit Fragen in die Enge getrieben, Frau Gruber mitgetheilt, auf rvelche Weise di? Obligationen beseitigt worden waren. Frau P.pi hatte entrüstet aufgehorcht und Stephanie sich habet an ihrem Zorne ge­weidet. Nun wußten sie es, daß sie gänzlich mittellos war, trotz der Selbsthilfe, zu welcher sie geschritten.

Als ihre Schwiegermutter diesen Sachverhalt erfuhr, trug sie Stephanie alsbald an, sie mit den Kindern zu sich nehmen zu wollen, so schreck­lich ihr auch der Gedanke war, mit diesem Werbe unter einem Dache zu leben. ES wäre eine Art Buße gewesen, und zu jeder Art von Sühne und Selbstverdemüthigung wäre sie bereit, jetzt, wo Schmerz und Reue ihr altes Herz zer­malmten. Dennoch konnte sie nicht umhin, er­leichtert aufzuathmen, ais die Schwiegertochter, — 6eT , b. ^^stcht auf das Zusammenleben noch ungleich schrecklicher war, al» ihr selbst — ihren Entschluß kundgab, zum Theater zurückzu- kehre«, und zwar zu Netzers Bühne, der ihr glänzende Bedingungen gewähre. Ihr Mann habe so gut für sie gesorgt, daß sie daran denken müffe, selbst rh"n Lebensunterhalt zu verdiene«, setzte sie hämisch hinzu Die Kinder wolle sie gern der Großmutter Überlaffen.

Diese Worte von dem Werbe, welches des Sohnes Untergang zu verantworten hatte! Die alte Frau richtete sich auf, die müden Augen sandten Blitze, — aber sie gedachte der Enkelinnen, Eduards Töchter, die sie ja schirmen und schützen durste, und hielt an sich. Sollte sie es verscherzen, sie bei sich Haden zu dürfe«? Durch Heftigkeit und Härte hatte sie viel ge- chadet; sich zu bezwingen, mußte ihr Bestreben ein, die kurze Spanne Zeit, die ihr noch be- chieden war.

„Es ist gut," erwiderte sie blos, in ihre rühere gebeugte Haltung zurücksinkend, und Stephanie behielt das angenehme Gefühl, die böse, alte Schwiegermutter endlich einmal recht gründlich gedemüthigt zu haben.

Ein paar Wochen waren vergangm. Frau .Weingärtner befand fick noch immer in Wien, wohnte jedoch mit der Enkelin bei Pepi Gruber, da sie sowohl wie Anna Stephanies Anblick nur schwer hätten ertragen können. Die alte Fan hatte die Thatkraft und die Geschäfts- ürnntniß der jüngere« Tage wieder gefunden; rastlos mühte sie sich ab, die verwickelten Ver- iältniffe ihres Sohnes zu ordnen — mit feinen Gläubigern zu unterhandeln. So entschloffen ie dabei auftrat, im Verkehr mit ihrer Enkelin war eine große Wandlung vorgegangen. Wenn sie dieselbe auch aufmerksam beobachtete, und es an scharfen Bemerkungen keineswegs fehlen ließ, im nächsten Augenblick nahm sie die verletzende Aeußerung aber zurück, um sie durch ein freund- iches Wort zu ersetzen. N-e Halle Anna sich o fihr zur Großmutter ymgezogen gefühlt, nie olcheS Zutrauen zu ihr faffen können, wie

jetzt, wo das Unglück, das über fie hinwea- gesahreu, sie geläutert und gemildert zurück- gelaffen hatte; wo sie fortwährend nach ent­schuldigenden Worten für den Verstorbenen iuchte, — wo die Sorge um seine Seele, um die Rettung seines guten Namens sie ausschließ- lick beschäftigte und die Erinnerung an seine Fehler in den Hintergrund drängte.

Anna hatte denn auch den Muth gefunden, ihr rückhaltlos über die Erlebniffr der letzten Jahre zu berichten, ihr von ihrer Verlobung mit Franz Urbach, und dem jähen Ende zu er­zählen. Welche Schätze von Hrrzrnswärrne waren doch in der anscheinend so rauhen Frau verborgen, daß fie geduldig und mit wahrer Theilnahrne, die alte ewig neue Geschichte von Liebesfreude und LiebeSlrid anhörte. Sie dachte an die eigene Jugend zurück, und begriff, daß Anna die Erinnerung an» ihren kurzen Traum von Glück fesihielt, daß er iyr etwas Strahlen­des bedeutete, das für einen Augenblick ihr Leben erhellt. Zugleich lobte fie aber bie Enk-lin wegen der Entschiedenheit, mit der sie erklärte: Sie wolle nicht trauern und jammern, sondern muthig ihren neue« Lebensplan ent­werfen. Auch darin war die Großmutter eines Sinnes mit ihr, daß sie meinte: Diese Episode müsse als abgeschloffen betrachtet werden, nach­dem Franzen's Benehmen auf gänzliche Aende- rung seiner Gesinnung schließen ließ.

Er hatte sich nicht mehr sehen laffen; unter den wenigen Leidtragenden, die den Hofrath zur letzten Ruhestätte begleiteten, hatte er gefehlt. So mußte Anna sich denn sagen, daß die Worte, die er bei Frau Gruber zu ihr gesprochen, |

Feststellung hat der Verkehr auf den Linien der preußischen Staatsbahn im letzten Monat April gegen denselben Monat des Vorjahres im ganzen genommen um 1.2 v. H. zuge - nommen, was eine Mehreinnahme von 1,298,000 Mark innerhalb des bezeichneten Zeitraums be­deutet. Die Verkehrszunahme ist nicht so be­deutend, wie diejenige vom April 1899 zu dem­selben Monat des Jahres 1900 war. Immer­hin bedeutet sie eine gesunde Fortentwicklung de8 Verkehrs und widerlegt die Anschauungen, als befänden wir uns ia einer Zeit hoffnungslosen wirthschaftlichen Niederganges. Die Krise ist natürlich nicht zu leugnen. Aber sie ist nicht weniger als hoffnungslos. Tie Befferung hat schon begonnen.

X Der DeeSsud katholisch - kauf «Säuischer Dereiuignnge«, der wegen seiner Fürsorge für das religiös-sittliche Leben, tüchtige Fachbildung, sowie die Zukunft seiner Mitglieder durch feine Kafsenemrichtungen besondere Be­achtung verdient, besitzt auch sonst manche nütz­liche Einrichtungen. Die einzelnen katholischen kaufmännischen Vereinigungen stehen nämlich in Folge ihrer Zusammengehörigkeit in innigem Verkehr miteinander; sie sind daher in der Lage, sich gegenfeitiq in Geschäftsangelegenheiten wichtige und intime Auskünfte zu erlheilen, die für das Gefchäftsleben bekanntlich von der größten Be­deutung fein können. Der Verband selbst besitzt eine Art Rechtsschutz, wodurch er den Mit- gliedern in allen kaufmännischen Rechtsfällen auf Anfragen Rath und Auskunft vermittelt. Weiter weist der Verband eine gut funktionirende Stellen­vermittelung auf, die für die Mitglieder ebenfalls unstreitig von großem Werths ist. Dieselbe soll den stellesuchenden Kaufleuten möglichst bald und leicht zu einer entsprechenden Anstellung verhelfen und den Prinzipalen geeignete Hilfskräfte Nach­weisen. Für alle auch nicht zum Verbände ge­hörenden Prinzipale ist die Stellenvermittelung kostenfrei, ebenso für stellesuchende Verbandsmit­glieder. Nichtverbandsmitglieder müssen, falls fie durch diese Einrichtung sich Stellen verschaffen wollen, eine nicht zu hohe Gebühr zahlen. Die Einrichtung der Stellenvermittelung hat in alle« Vereinigungen Vertrauenspersonen und steht unter Leitung einer Centralstelle, Adresse: „Verband karhoiiich - kaufmännischer Vereinigungen Deutsch» lanss" (Lbtheilung Stellenvermittelung), Effen, Vereinsstraße 15. Es sollte den katholischen Prinzipalen auch an solchen Orten, wo keine Verbandsoereinigunz besteht, eine Ehrenpflicht sein, besonders diese Stellenvermittelung zu be­nutzen und durch dieselbe nach Möglichkeit sich die erforderlichen Hilfskräfte zu verschaffen. Sie nützen dadurch nicht nur dem Verband, der ihre Beachtung und Sympathie verdient, sondern eS liegt dies auch in ihrem eigenen wohlverstande­nen Jntereffe. Denn in der Zugehörigkeit zu diesen Verbandsvereinigungen, die auf ihre Mitglieder in religiöser und sittlicher Beziehung den wohlthätigsten Einfluß ausüben und deren Fachbildung in jeder Weise zu fördern bestrebt sind, liegt schon an sich eine gewisse Garantie, daß die Prinzipale uns Geschäftsinhaber fachlich gut ausgebildete Angestellte als Gehilfen und Mitarbeiter erhalte«.

hm wohl nur in einer Anwandluag von Mit­eid entschlüpft waren; vielleicht war er nun m Herzen floh, nicht erhört worden und für mmer von derjenigen befreit zu fein, dec er a nie vollkommenes Vertrauen geschenkt — auf >eren Namen jetzt obendrein ein dunkler Flecken ruhte. Sie hatte sich geiäuscht, als sie auS einer Stimme, aus dem Aurdrucke feiner Augen u entnehmen glaubte, er habe mehr von ihr uroaitet, als dasjenige was feine Worte ans« prachen. Ihr tbörichreS Herz, das sie doch vollständig zur Ruhe gesprochen zu haben meinte, hatte fich geregt und sie ine geführt; re belächelte wehmüihig den eigenen Unoer- tand. Jedenfalls konnte sie fortan, — unbe» rrt durch die Rücksicht auf Franz — ganz ihre eigenen Wege geben.

* * *

Schon ein paarmal hatte Carneri Anna um eine Unterredung bitten lassen; immer hatte sie — zu Tante Grubers Befriedigung — einen Vor- vano gefunden, dieselbe abzulehnen. Endlich chrieb er, daß er auf einer solchen bestehen müffe; es handle sich darum, Verbindlichkeiten zu be» prechen, die ihr Vater für sie eingegangen; e» ei sein Recht, das er damit fordere. Reckt, das war !in Wort, vor dem Großmutter wie Enkelin fich »engten. Die alte Frau zeigte sich ganz einver- anben damit, daß Anna Carneri die gewünschte Interredung gewähre; sie schrieb ihr nicht vor, was fie ihm zu sagen habe, — fie verlangte nicht einmal, Zeuge des Gespräches zu sein; Anna und nur Anna allein sollte über ihr künftiges Geschick entscheiden. Daß man ihr vertrauen konnte, hatte die Großmutter gelernt-. (Schluß folgt.)1