Fuldaer
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mit Anterhaltungs -Anlage „Zssustrirte Sonntags-Zeitung"
Dr«k und Verlag der Fuldaer XettentnUkM Peteregaäe Ur. i fbarmoaU).
Juwa, Samstag, den 18. Mai 1901.
M 113.
W
[] Zur Lehrerinnenfrage.
Ein kultusministerieller Erlaß über "die praktische Vorbildung und Prüfung der Schulamtsbewerberinnen vom 15. Jan. 1901 (Centralbl.f. d. ges. Unterrichtsverwaltung in Pr. 1901, S. 204 ff.) hat in der kath. Preffe nicht die Beachtung gefunden, welche er wegen seiner Tragweite verdient. Es wird darin betont, die Wahrnehmung, daß die Mehrzahl der :Lehrerinnenbildungsanstalten im Unterschiebe von der Praxis der Lehrerseminare den Uebumgs- schuletnrichtungen nicht denjenigen Raum gewährten, die sie bei der Vorbereitung für den Lehrberuf beanspruchen müffen, habe zum Erlaß der Bestimmungen vom 2. Januar 1893 geführt, wonach die Aufsichtsbehörden darauf zu achten haben, daß mit allen Lehrerinnenbildungsanstalten, öffentlichen wie privaten, geordnete Uebungs- schul inrichtungen verbunden werden. Während diese Anordnung wohl bei den meisten größeren Lehrerinnenseminaren allmählich zur Durchführung gelangt sei, bleibe die Art und Weise der praktischen pädagogischen Schulung bei kleinere» Anstalten, besonders aber bei privater Einzelbildung häufig so unstcher und unzureichend, daß eine Kontrolle der technischen Vorbildung für den Lehrberuf unabweisbar werde. Es wird daher bestimmt, daß vom 1. Oktober d. IS. ab in jeder Meldung zur Lehrerinnenprüfung genau anzugeben ist, wo und von wem die betr. Bewerberin für den Lehrberuf vorbereitet ist, namentlich in welcher Weise und in welchem Umfange ihre praktisch-pädagogische Vorbildung erfolgt ist, und auf welcher Stufe sie einzelne Versuchslrktionen sowie fortlaufenden Klaffenunterricht ertheilt und von wem ihre Lehrarbrit gel-itet und kontrollirt wurde. Vom 1. April 1903 ab ist die Zu- laffuvg zur Prüfung jeder Bewerberin zu versagen, welche nicht nachzuweisen vermag, daß sie während ihrer AusbildungS- zeit genügende Anleitung und Urbung im Klassen.Unterrichte erhalten hat. Es ist zu fordern, daß während deS dritten Seminar-JahreS di« Bewerberin unter Aufsicht eines UebungSleh- rerS oder einer UrbungSlehrerin zufammenhängrn- de» Unterricht in den wichtigsten Lehrgegenstäu- den, br sonders Religion, Deutsch und Rechnen artheilt hat. Bewerberinnen, die keine geordnete Seminarbildunggenosien haben, müffen bei der Meldung diejenige Klaffe bezw. Schule bezeichnen, an welcher sie ihre Unterrichts-Uebun- gen gehalten haben. Dir PrüfvnzS-Behörde wird in jedem Falle zu entscheiden haben, ob demnach die Bewerberin zuzulaffen ist oder nicht. — Wenn eS auch in dem obigen, inhaltlich mitgetheilten Erloffe nirgends ausgesprochen oder angedeutet ist, so kann es doch keinem Zweifel unterliege», daß er die wohl nicht unbeabsichtigte Folge haben wird, die Vorbildung von Lehramts-Brwerberinnen durch katholische Lehrorden oder klösterliche Kongregationen stark zu erschweren und deren Zöglinge, welche sich zur Lehrerinnen- Prüfung melden, noch mehr als bisher dem persönlichen Ermesse» der staatlichen Prüfungs- Behörde auszuliefern, welche es vom 1. April 1903 ab vollkommen in der Hand hat, unter Hinweis auf die ministeriellen Bestimmungen über die praktische Vorbildung jeder solchen Kandidatin die Zulassung von vor» herein zu verweigern, da sie allein darüber befindet, was alS hinreichende Uebungtschule angesehen werden soll. Die Möglichkeit einer außerseminarischen Borbildung zum Lehrerinnen-Examen wird dadurch so gut wie illusorisch gemacht. — Diese Ministerialverfügung muthet recht eigenthümlich an, wenn man den offenkundigen Mangel an staatlichen Lehrerinnenseminarten in Betracht zieht. Für katholische Lehrerinnen gibt es in ganz Preußen nur 4 S«ni- uarien. Bei dieser Sachlage sollte man erwarten, die Regierung würde es dankbar empfinden, wenn klösterliche Genossenschaften fie in der Ausbildung von Lehrerinnen unterstützten; statt deffen sehen wir, wie sie dieselben so ziem- lich ganz unterbindet. Was soll also geschehen? Gedenkt die Regierung neue katholische staatliche Lehrerinnenseminare zu gründen, um dem in Folge der besprochenen Ministerialverfügung nur noch schlimmer werdenden Mangel abzuhelfen? Oder soll der Beruf zur Lehrerin bei de» Katholiken erstickt werden, indem so viele» der Zugang zu drefim Berufe unmöglich gemacht wird ? Wahrend der Herr Kultusminister sonst den Bestrebungen, den Frauen neue Berufszweige zugänglich zu machen, entgegenkommt, würde bier gerade der katholischen Frauenwelt «in BerusSfeld eingeschränkt, welches den
weiblichen Fähigkeiten und Neigungen in besonderer Weise entspricht. Nicht weniger wäre im Jntereffe der Erziehung unserer Mädchen eine Abnahme der katholischen Lehrerinnen zu beklagen. Auch an den Unterricht der Mädchen trete» neuerdings Aufgaben heran, die nur von Lehrerinnen gelöst werden können, wie z. B. der Haut Haltungsunterricht. Auch auf protestantischer Selle erkennt man den Nutzen der Mädchenerziehung durch Lehrerinnen, was sich daran zeigt, daß die Zahl protestantischer Lehrerinnen in den letzten Jahren sehr gewachsen ist. Und uns Katholiken erschwert man die Entfaltung unserer Kräfte auf diesem Gebiete! Mögen jetzt die Katholiken um so nachdrücklicher an den Herrn Minister heran- treten mit der Forderung um Vermehrung der katholischen Lehrerinnenseminare!
Römische Briese.
XVII.
m Rom, 13. Mai 1901.
Am 11. ds. Mts. feierte die Leibwache des Papstes, die sogenannte Nobelgarde, ihr 100. jähriges Bestehe». Vor hundert Iahen von Papst PiuS VII. errichtet, ging sie aus verschiedenen Truppenkörpern hervor, welche theil- weise veraltet waren, so daß 62 Edelleute auS Rom sich dem Papste zu einer neuen Leibwache anboten. Kriegerische Verdienste hat diese Truppe selbstverständlich nicht aufzuweisen, welche nur zu Paradezwecken und seit 1870 nur noch als Salonstaffage oder zur Ueberbringung der rothen Kardinalskäppcheu in's Ausland verwendet wird. Die Kommandanten gehören in dec Regel solche» Familien an, aus welchen Päpste hervorgegangen sind und habe» den Raeg von Generalleutnants. Gegenwärtiger Kommandant ist Fürst Rospigliosi. Die Leutnants haben Rang als Generalmajors, die Gefreiten als Oberst, die Kadetten alS Ober- leutnantS und die Gemeinen als Majors oder Hauptleute. Vorgestern sanden sich die Mitglieder dieser Truppe zunächst in der Sixtinischen Kapelle ein, wo ein vom päpstlichen Ge- beimen Almosenier cslebrirtes Hochamt und Tedeum stattfand, worauf ein Frühstück in einem der Säle des Vatikans eingenommen wurde. Um IO1/» Uhr ertheilte Papst Leo XIII. int Thronsaale seinen Leibgardisten seinen Segen und begab sich mit denselben in die Sala Regia, den KönigSsaal, wo sich inzwischen die Familienmitglieder der Gardisten sowie ein« Anzahl Eingeladener eingefunden hatten. Auch die Kardinäle Rampolla, Mocenni, Aloifi, Casalt, Maccht und Satolli waren anwesend. Unter der Leitung deS päpstlichen Kapellmeister Prrosi wurden einige Musikstücke aufgeführt und poetische Ansprachen vorgetragen, der hl. Vater betorirte jeden Einzelnen der Garde mit einer eigens zu diesem Zwecke gestifteten silbernen Medaille. Darauf wurde im Standquartier der Truppe eine Marmor- tafel enthüllt und dieselbe der Obhut des au- wesenden Palastpräfekien, Kardinals Mocenni übergeben. Von einem anfangs beabsichtigten Bankett wurde vorläufig auf den Rath des Kardinals Rampolla hin Abstand genommen.
König Viktor Emanuel hat sich alle Geschenke gelegentlich der bevorstehenden Niederkunft der Königin verbeten. Damit haben den» die peinlichen Streitigkeiten aufgebört, welche sich innerhalb unserer patriotischen Kreise wegen deS Vorranges der beiden Wiegen herauSgebildet hatten, welche dem künftigen KönigSkinde verehrt werden sollten und bereits in Arbeit gegeben sind. Die etwa noch Übriggebliebenen Summen, welche man bereits gesammelt halte, sollen dem Wunsche deS Königs gemäß für wohlthätige Zwecke verwendet werden. UebrigenS wird die Mutter der Königin dieser eine silberne Filigran-Wiege aus Montenegro mübringen.
Die gesammte „deutsche" Kolonie RomS, d. h. die Reichsdeutschen, die Oesterreicher und Schweizer katholischen BekenntniffrS, war gestern Abend 5 Uhr in der in eine Aula umgewandelte und harmonisch mit Draperien und Blattpflanzen und Blumenarrangements betorirte« Kirche deS Campo Santo der Deutschen versammelt, wo ein FestaktuS zu Ehre» des 50jährige» PriesterjubiläurnSdeSKardinals Stein- Hub er stattfand. Der Jubilar, umgeben von fast allen hier anwesenden Prälaten und Geistlichen deutscher Abstammung, »ahm auf einem vergoldeten Sessel Platz, während neben ihm der österr.-ungar. Botschafter Reoertera, Erzbischof Zardetti, Rotadekan de Monte!, Kollegienrekloren rc. saßen. Vor der von Kaiser Wilhelm II. dem Campo Santo geschenkten Ocgel war eine Rednerbühne aufgeschlagen. Die Feier wurde mit dem Gesänge „Gott grüß Dich" von Wiet- berger eröffnet, worauf der Rektor Dr. A. de Waal einen Vortrag über die bayerischen Kardinäle hielt. Der Sängerchor (Mitglieder der hiesigen Gesellschaft deS göttlichen Heiland des
P. Jordan) fang „Meeresstern" von Aiblinger und Dr. EhseS, Direktor de« römischen Institut» der Sörresgesellschaft, sprach über die Bedeutung deS Kollegiums Germanikum in Vergangenheit und Gegenwart. Der Chorgesang „Lobet den Herrn" von P. Grießbacher bildete den Uebergang zu einem von einem Kaplan der Kirche gehaltenen Vortrag Über alte Abbildungen des hl. Andrea«, sowie zu einer poetischen Anrede an den Jubilar durch den hier studirenden Dr. Baumstark. Der Gesang „Gebet" von Aiblinger schloß diese Feier, worauf der Kardinal und die Anwesenden sich in das auf dem Fried- Hofe gelegene Oratorium begaben, wo der greife Jubilar die Vertheilung von Almosen an die Pflegebefohlenen der St. Vincenzkonferenz und deS St. Elisabeth-FraurnvereinS vornehmen sollte und zu welchem Zwecke von den Nationalstiftungen und Vereinen die Summe von 500 Lire aufgebracht war. Der Vorsitzende hielt an den Kardinal inmitten feiner Landsleute eine Ansprache, worauf die Vertheilung der Almosen vor sich ging.
Dir Ittti Anin fand).
Am Tage des Besuches des Kaisers und des Kronprinzen in der Bemdiktiner-Abtti Maria Laach war durch das liebenswürdige Entgegenkommen deS Abtes Benzler und unter Führung eines Paters einigen wenigen Herren Gelegenheit gegeben worden, die seit einiger Zeit ollem Besuche, auch männlicherseits, streng verschlossenen Räume deS Klosters bi sichtigen zu dürfen. Die Abtei ist, so schreibt über diesen Besuch die .Köln. Vztg/, eine ganze Welt für sich; neben der hehren Kunst und den hohen Wiffenschaften finden die handwerksmäßigen Betriebe deS bürgerlichen Lebens, ebenso Ackerbau, Viehzucht, Fischzucht und Gärtnerei, die gleiche sorgfältige Pflege. Der Grundsatz, alles, waS zum Leben bet Klausur nöthig ist, auch innerhalb der Klausur und nur von Mitgliedern und Bediensteten des Ordens, die zur Klausur gehören, Herstellen zu lassen, wird in bewundernswerther Weise streng und erfolgreich durchgeführt.
In den Berichten über die Besuche der Kaisers am 18. Juni 1897 und vorn 25. April er. ist so viel über die künstlerische Thätigkeit der Benediktiner geschrieben worden, daß auch einmal die anderen Berufsthätigkeiteu in der Abtei in den Vordergrund geschoben werden dürften. Auf der Fahrt zur Abtei fallen schon die sorgsam gepflegten Obstbaumgärten und die mit kräftigem, reinem Gras bewachsenen Wiesen rings um den Laacher See auf. Hier walten Klosterbrüder und Knechte als Obstbaumzüchter, Wiesenbaumeister und Mäher. An die Hochwaldungen, mit denen die Höhen um den See bestanden sind und deren mannigfaches Grün im Sommer dieser Landschaft den eigenartigen Reiz verleiht, schließen sich die Aecker für Getreide-, Kartoffel- und Futterbau.
Dieser Theil der Lanbwirthschast wird in großem und ganz modernem Stiel betriebe». Das wird man deutlich gewahr, wenn man aus dem eigentlichen Kloster, in dem Wissenschaft, Kunst und Frömmigkeit das Szepter führen, i» jenen Theil der Abtei tritt, in Sem die Sorge um das „tägliche Brod" maltet. Sin stattliches Hühnervolk flattert und gackert zwischen den einzelnen langgestreckte» Bauten. Hier ruhe« in sauberer Stallung an zwei Dutzend Ochsen, im nächsten Stalle Sehen 16 schwere, glattgestriegelte, gut gefütterte Pferde, an Zahl genug, um den Pflug durch das Ackerland und die TranSport- wagen durch das Feld und Über die Straßen zu ziehen.
Eine Musteranstalt ist die Schweizerei. Hier stehen a» 70 schwarz- und weiß-gefleckte Milchkühe, eine Augenweide für jeden echte» Bauers« man», ob er Rittergutsbesitzer oder Oekonom sich nennt. Diese Stallung ist von zementirten Wegen mit Geleisen für die Futterwagen durchzogen, die Freßtröge, die ebenfalls z-mentirt sind, werden mit kleinen Hydranten, die allenthalben angebracht sind, gespült, und diese Vorrichtung versorgt auch die glänzenden, gesundheitstrotzenden Thiere stets mit reinem, frischem Wasser. Die Bullen dieser Abtheilung sind Prachtexemplare ihrer Russe; einer von ihnen ist ein böser Geselle, jüngst wußte er sich frei zu mache» und stattete sonst geheiligten Räumen einen unerwarteten Besuch ab. Als ob er seine Brodherren in ihrer Ueberlastung mit künstlerischen Arbeiten ärgern wollte, versetzte er mit seinen Hörnern verschiedene Gegenstände in einen Urzustand; nur mit Mühe konnte er in die für ihn bestimmte Klausur zurückgebracht werden.
Ein ganz neues Gebiet in allen diesen Thatig- keite» und Berufen ist die Fischzucht. Der Laacher See. auf dem die Abtei die Gerechtsame der F scherei besitzt, ist sehr fischreich, aber die zahlreichen Hechte, die in ihm Hausen, lassen das Einsetzen von Bruten, besonders neuer Fischarten, gefährlich erscheinen. Ganz gewaltige Exemplare
28. Jahrgang.
von Hechten, diesen verheerenden Fischräubem, scheinen im Laacher See ihr Unwesen zu treiben. Im vorigen Jahre fingen fischende Brüder einen Hecht von 18 Pfund Gewicht; er hatte im Magen sogar einen Wetzstein, dessen helle, fischförmige Erscheinung er einmal zweifellos für einen feinen Leckerbissen angesehen hatte. Um neue Bruten zu schaffen, vor allem um eine Forellenzucht im Laacher See einzuführen, wurde ei» Ordens- Mitglied, das Kenntnisse auf diesem Gebiete schon besaß, ausgewählt und zwei Jahre zu Lehrkursen in Fischzucht entsandt. Jetzt ist hinter den Oekonomie-Gebäuben eine umfangreiche Fischbrutanstalt, besonders für Forellen eingerichtet. Sind die Bruten flußfertig, dann kommen sie zunächst in große Vorteiche; haben sie hier entsprechendes Wachsthum erlangt, bann werden fie erst in den See eingesetzt.
Auch die Gärtnerei steht in der Abtei in hoher Blüthe. Nicht nur für dm eigenen Bedarf werden Zuchtfamen und Zuchtpflanzen gezogen, an bestimmten Stunden des TageS kann Jedermann in einem Raum vor dem Kloster sich seinen Bedarf an Samen und Pflänzchen laufen. Unter den Theologen am Laacher See gibt es auch gewiegte Botaniker, die selbst auf diesem Eifelplateau der Mutter Erde selten reizende Kinder der Pflanzenwelt entlocken. Scheunen und Futterkammern haben auch schon einen Hauch der Neuzeit verspürt. Bei Dresch- maschine« und anderen maschinellen Einrichtungen des landwirthschaftlichen Betriebes ist die menschliche Kraft durch Motore ersetzt.
Die modernen Kräfteerzeuger schaffen gleichzeitig die elektrische Kraft zur Erleuchtung der ganzen Abtei; Kirche, Kloster, Oekonomie, alles hat elektrisches Licht; dieses schuf auch da» „flammende Kreuz" am Tage des Besuches bei Kaisers. Wo man hinblickt, überall Strebsam- leit unb Forschen, Arbeiten und Erfinben, Be- fehlen unb Gehorchen, unb alles t» wunber« barster Harmonie, bie noch verklärt wird durch die stets gleich frohe Zufriedenheit, die von allen Persönlichkeiten des Gemeinwesens auSstrahlt. Hatte man erst das Kloster durchschritten und mit den fein gebildeten, weltmännisch geschliffe- nen PaireS geplaudert und dann die nüchterne, rein irdische Oekonomie durchwandert und deren Eczeugmffe gesehen, bann fand man daS Sprichwort von den umfangreichste» Kartoffeln und dem Rückschluß auf die Geistesanlagen ihrer Erzeuger gründlich widerlegt.
Vor der musterhaften, ertragsreichen Oekonomie stehen als Schöpfer unb Leiter bewährte Männer der Wiffenschaft und Kunst, unb diese sind auch die Gründer und Förderer deS Hand- werks und Kunsthandwerks, Schmiede, Schreinerei und Schlofferei sind in einer solchen An- statt vielbeschäftigt und könne« Tüchtiges leisten.
Aber auch daS Kunsthandwerk hat hier eine Stätte. Im Kloster finden sich eichene Stühle mit kunstsinnig entworfenen unb meisterhaft durchgeführten Beschlägen, bie neuen Chorstühle find Meisterwerke der Holzschnitzerkunst. DaS Alles schaffen nur Angehörige der Abtei; ebenso entsteht unter ihren Händen bet neue stilgerechte Schmuck der Kirche, seien eS die Pfeiler oder Wände, die Mosaikarbeiten der Apsiden oder die Marmorwerke des Chors. DaS Refektorium hat an Stelle der alten glatten Decke ein stil- volles Gewölbe erhalten, der Kapitelsaal mit seinem eichenen Holzgestühl und Marmorgeplätte ist einer bet schönsten aller Benediktiner-Abteie» geworden, die neue AbtSkapelle ist auS Marmor, Cement und Holz zu einem künstlerischen Schmuckkästchen geschaffen - all daS habe» bie Benebiktiner in wenigen Jahre« geschaffen. Sie Heben dabei nicht an der Scholle, fie haben weiten Blick und vielseitige Erfahrung. Die meisten PatreS am Laacher See haben schon viel vo» der kunstfrohen Welt gesehen; fast alle haben daS sonnige Italien durchquert und seine Kunstdenkmäler geschaut. Wer mit ihnen plaudert, muß staunen, welche Welikenntmß sie besitzen. Alle bildenden Künste sind bei ihnen zu Hause, in der Laacher Abtei fehlt aber eine, die Malerei, und daS hat der Laacher See mit feiner farbenfreffenden Lust getha». 1
Diese Seeluft zerstört alle Farbenwerke, des- halb ist jetzt auch die Abtei dazu übergegangen, a» Stelle der Farben Mosaik ober Thonplatte» zu verwenden, wo sonst Farbengebilde angebracht worden wären, so in den Apsiden der Kirche und in den Gängen, Sälen und Kapellen deS Klosters. Im Garte« deS Klosters steht ein« kleine Kapelle, die von Künstler« mit Farbe» auSge- fchmückt worden war. Die Seeluft hat die Farben so zerfressen, als wäre diese Arbeit Jahrtausende alt. Dem Kaiser wurde diese Kapelle gezeigt alS Beweis, daß die Malerei in Maris Laach ausgeschlossen ist
Und bei den Wissenschaften, die i« der Abtei gepflegt werden, scheint die GotteSgelahrtheit keine Vorrechte zu haben, wen« man bie B.blis«