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mit Unterhaltungs -Aeikage „IMstrirte Sonntags-Zeitung"
Lrmk nnd Verlag der Fuldaer RctiendeuSeret peterrgaüe Ur. 2 (Bavmonto.
JK Hl.
Jutta, Mittwoch, den 15. Mai 1901.
28. Jahrgang.
Wegen des Feiertags Christi Himmel- iahrt wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Freitag ausgegeben.
[J Die Räumungssrage in China.
Es ist hohe Zeit, daß unsere Chinaexpedition zum Abschluß kommt. Die heiße, ungesunde Jahreszeit beginnt in der Provinz Petschili. Wir misten schon aus Gesundheitsberichten aus Kiaut- schou in den Vorjahren, was dies in den dortigen Gegenden bedeutet. Wer einigermaßen freie Wahl hat im Aufenthalt, flüchtet dort in die Grbirgsorte. Die meisten Gesandten gehen zum Sommeraufenthalt schon in der nächsten Woche in daS westliche Gebirge und nehmen Militärwachen zu ihrem Schutze mit. Auch Graf Waldersee ist auf die Erhaltung seiner Gesundheit bedacht und nimmt mit Rücksicht aus die im Lande herrschende Temperatur auf dem Lazareth- schiff „Gera" Wohnung, um, wie verlautet, Mitte Juni in die Heimath zurückzukehren.
Als Graf Waldersee, der Weltmarschall, im vorigen Sommer auszog, war er kein Jüngling mehr, sonst könnte man den Spruch Schillers anwenden:
In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling, Still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis.
Er hat mit den „Vorschußlorbeeren", die bei dem Auszug dem Weltmarschall gespendet wurden, vorlieb nehmen müssen. Die Treibjagden auf Boxer, die Graf Waldersee registrirt und rovportirt, sind der deutschen Bevölkerung wenig sympathisch. Man wundert sich vielfach, daß hierzu fast ausschließlich nur deutsche Truppen verwandt werden und bedauert diejenigen unserer Soldaten, welche bei solchen Gelegenheiten im Polizeidienst für China ihr Leben lasten müssen.
Ob dieser Kleinkrieg den Friedensschluß fördert, kann sehr zweifelhaft erscheinen. Nach der Londoner ,Mor»ingpost' sollen die Diplomaten in Peking erklärt habe«: Wenn wir nur die Soldaten los werden könnten, wie glatt würde dann alles von Statten gehen.
Die Heimsendung der deutschen Truppen aus China, so telegraphirt der Berliner Bülow-Offi- ziöse der Münchener.Allgem.Ztg/, darf als ziemlich nahe bevorstehend angesehen werden. Das scheint uns zutreffend. Denn andernfalls würden die deutschen Truppen bald isolirt sein, weil die Kontingente der anderen Mächte schon im Abmärsche begriffen sind. Eben wird vom Dienstag aus Peking gemeldet, daß die letzten russischen Truppen nach Port Arthur abgegangen sind. Die Franzosen wollen binnen 14 Tagen 3000 Mann und den Rest binnen weitere» 6 Wochen zurück- ziehen; sie wollen mit Rücksicht auf das Klima nur Kolonial-Truppen als Garnison zurücklaffen. Ueberhaupt scheinen die Befehlshaber der anderen Kontingente sich um die Ansichten deS deutschen Oberbefehlshaber wenig oder gar nicht mehr zu bekümmern. In der Post' äußert ein Offiziöser, die Zurückziehung der Truppen könne selbstver-
Mn Stufe zu Stufe.
Roman aus dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i d e g g.
68 ------ (Nachdruck verboten.)
Das war ein Hoffnungsstrahl: „Ja, ich will sogleich zu ihr."
„Sie sind so angegriffen, Anna; ich begleite Sie."
„Nein; e» ist bester ich gehe allein"; erwiderte sie, vor Carneri'S Blick zurückweichend.
Aber er hatte sich theilnehmend gezeigt, hatte auf Mittel gesonnen, dem Vater zu Helsen, — dankbar griff sie nach seiner Hand: „Daß Sie dem Vater beistehen wollen, vergeffe ich Ihnen nicht, Herr Direktor."
„Anna! liebe Anna!" rief er außer sich vor Freude über dos Entgegenkommen, und suchte die Hand festzuhalten: „Was thäte ich nicht Alles um Ihretwillen I Wahrhaftig, das ganze Geld wollte ich der alten Gruber ersetzen, wenn Sie fich entschlössen, meine Frau zu werden!"
Hastig zog sie ihre Hand zurück. Gab es denn kein uneigennütziges Mitleid auf dieser Welt? . . Aber so sehr des Mannes unzartes Benehmen sie jedoch verletzte; sie durfte um des Vaters willen sich ihn nicht zum Feinde machen.
„Retten Sie den Vater vor Schmach und Schande;" bat sie und duldete, daß Carneri ihre Hand von neuem ergriff und an seine Lippen fühtte;" daS ist der einzige Wunsch, der einzige Cedanke, den ich jetzt kenne."
ständlich nicht auf einmal oder nach Gutdünken der einzelnen Führer vor sich gehen, da vor Allem auf die Einschiffungs- und Transportgelegenheit Rücksicht genommen werde» müsse. Diese Fragen seien nun fo weit geregelt, daß die Truppen staffelweise zurückgezogen werden könne», sobald die D'plomatie die Situation für hinlänglich geklärt ansieht, d. h. sobald die noch schwebenden Fragen endgiltig gelöst sind, was zur Zeit noch nicht der Fall fei.
Die Legionen sollen also nur in dem Maße zurückgefordert werden, wie die Millionen der chinesischen Entschädigung sicher gestellt werden. Die Gesandten haben in einer gemeinsamen Note an China den Geiammtbetrag der Entschädigungs- forderung auf 450 Millionen Taels, also auf 1350 Millionen Mark, festgesetzt. In dieser Weise treten die Mächte China gegenüber mit einer Gesammtforoerung auf und behalten sich deren Vertheilung unter einander vor. Deutschland hat als seine Forderung bekanntlich die mäßige Summe von 240 Millionen Mark für das Distributions- verfahren angemeldet.
Die Mächte haben zugleich China um Mittheilung ersuchr, in welcher Weise es die Zahlung zu bestreiten gedenkt. Die Antwort darauf wird den Chinesen sehr schwer fallen, zumal die Mächte unter sich nicht einig sind, was sie in dieser Richtung rathen sollen. Schließlich wird es wohl hinauskommen auf jährliche Amortisationsrenten, deren Deckung aus Zöllen aber auch nicht leicht zu bewerkstelligen ist, zumal die Ansichten der Mächte in Betreff der zulässigen Zollerhöhung je nach dem Umfang des Interesses an dem Verkehr mit China auseinander gehen.
Die vier deutschen Linienschiffs sollen, wie offiziös gemeldet wird, in Ostasien bleiben, um den Chinesen den Ernst der Lage immer vor Augen zu halten und fir zu veranlaffen, den Entschädigungsvereinbarungen nachzukommen. Ob gerade Linienschiffe dazu geeignet find, kann bezweifelt werden. Immerhin ist der Gesundheit«, zustand der Mannschaften auf den Schiffen nicht so gefährdet wie auf dem Festlande der Provinz Petschili.
Die Phantastereien über de» Segen der „Weltpolitik" haben durch den Verlauf der Dinge in China eine Douche erfahren, wie man fie nicht kräftiger wünschen konnte. Wenn auch die Entschädigungsfrage geregelt und damit der Friedensschluß zu Stande gekommen ist, so ist damit doch keinesfalls dauernd Ruhe und Ordnung in China gesichert. Im Gegentheil, alles deutet darauf hin, daß eS alsbald wieder an diesem und jenem Ende deS großen himmlischen Reiches loSgehen wird, an Stellen, die schwerer erreichbar find für andere Mächte, als Peking und Schanghai.
Die ,Nat.-Ztg/ ermahnt die Mächte, die Chinesen in der Zukunft weniger als bisher zu reizen. Es komme darauf an, daß die diplomatischen Vertreter, die Kaufleute und die Missionare der zivilisirten Nationen im Verkehr mit den Chinesen eine früher öfter vermißte Klugheit und Mäßigung obwalten lassen. Der Chinese dürfe nach der Wiederherstellung des Friedens nicht mehr brüsk herausfordernd und mit sogenannter Schneidigkeit behandelt werden. Man sollte auch nicht vergeffen, daß die zu ex»
Sie befahl dem Dienstmädchen, — falls der Vater zurückkäme — wie wenig glaubte sie doch selbst an diese Möglichkeit! — ihm zu sagen, sie sei zu Frau Gruber gegangen, dann eilte sie fort.
Die Trambahn hatte sie bald nach der Gumpen- dorfer Straße gebracht; dort aber harrte ihrer eine Enttäuschung. Sie erfuhr, die Tante sei ausgegangen, und werde so bald nicht nach Hause kommen.
Es blieb nichts anderes übrig, als deren Rückkehr abzuwarten, die Minuten bis zu derselben zählend, ging Anna im Zimmer rastlos auf und ab. Sie konnte nicht still sitzen; möglichst große körperliche Anstrengung allein konnte die innere Unruhe, die sie verzehrte, einigermaßen niederhalten. Im Geiste vergegenwärtigte sie sich den Vater im Gefängniß; wie er sich der Verzweiflung überließ. An seine Schuld wollte fie nicht glauben, das aber fürchtete sie: daß Stephanie schlecht genug gewesen, ihn listig in ihre Machenschaften zu verstricken. In seiner Natur lag eS aber nicht, die Folgen seiner Schwäche ruhig hinzu- nehmen, vielmehr blieb eine Art der Verzweiflung zu befürchten. Es war eine ttostlose Gedanken- kette, die sie immer wieder von vorne aufnahw, immer wieder zu Ende dachte, bis jedes Glied derselben fich wie glühendes Eisen in ihre Seele eingebrannt hatte.
Eine lange, ihr endlos dünkeude Zeit setzte sie ihr Auf- und Abwandern fort. Endlich hörte fie die Klingel, hörte der Tante erstaunte Stimme, dann stand diese vor ihr.
„Du hier Kind! Und so aufgeregt! Das kommt von dem dummen Theaterspiel."
wartende starke Vermehrung der „offenen Thüren" in Ostasten unvermeidlich die Waffentüchtigkeit der Chinesen steigern werde. Man sollte auch in der Erlangung von Pachtungen, Bergwerken, Eisenbahnkonzesstonen und dergleichen minder gewaltsam und stürmisch als in der Vergangenheit vorgehen. — Ganz unsere Meinung.
Deutsches Keich.
Berlin, den 14. Mai.
+ Die diesjährige Konferenz der preußische« Kisch äse iv Intda findet, wie der ,Wests. Merkur' meldet, am 20. August statt.
0 König Kdnard VII. von Kngkand wird, wie nunmehr feststeht, Ende dieses Monats zu einem mehrwöchigen Kuraufenthalt in Homburg v. b. Höhe eintreffen und während feiner Anwesenheit daselbst tm königlichen Schlosse Wohnung nehmen. Bei dieser Gelegenheit wird der König als häufiger Gast bei seiner Schwesier, der Kaiserin Friedrich, auf Schloß Friedrichshof weilen; auch ist es nicht ausgeschlossen, daß zwischen dem Kaiser und König Eouard eine abermalige Begegnung dort stattfindet.
+ Der neue Kandekominister Möller hat. wie der .Reichrbote' aus bester Quelle erfährt, in feiner Jugend das Buchbinder-Handwerk erlernt. In Gemeinschaft mit dem jetzigen Präsidenten der Handelskammer zu Bielefeld, Bertelsmann, kam der junge Möller damals bei dem Buchbindermeister Gundlach daselbst in die Lehre und bestand die Gehilfenprüfung mit Auszeichnung. Als dann später die Firma Gundlach in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, erwarb auch Exzellenz Möller al« dankbarer Lehrling eine größere Anzahl Aktien und gehört noch heute dem AusfichtSraihe der Gesellschaft an.
* In der Nr. 96 der .Fuldaer Zeitung' wurde über Anfwendnngen des Jiskns für Kirchenvanlen unter Bezugnahme auf den dem Kaiser erstatteten Bericht über „die Ver- waltung bet öffentlichen Arbeiten" in Preußen von 1890 bis 1900 behauptet, daß für den Bau evangelischer Kirchen 20,378,100 Mark, für den Bau katholischer Kirchen aber nur 1,044,900 Mark aus Staatsmitteln aufgewendet seien. Dazu schreibt die,Nordd. Allgemeine Zeitung': Diese Nachricht ist unzutreffend. Der genannte Bericht gibt nur die Höhe der Anschlags« und AuSführungs- kosieu an. Die letztere« find aber abgesehen von den Kosten deS neuen Domes in Berlin, nut zum verhältnißmäßig geringen Theile auS Staatsfonds aufgebracht worden. Die Aufbringung deS größeren TheileS der Baukosten ist durch Beiträge der betheiligten Gemeinden erfolgt. Außerdem sind dabei (für die Willibrordi-Kirche in Wefel) die Erträge von Prämienkollekten beteiligt, wie sie feiner Zeit auch für de« Kölner Dom veranstaltet wutoen und für den Dom zu Huckarde (149,700 Mark) und zu Wormditt (104,000 Mart), die thatfäch- lich katholische Kirchen find." Warum gibt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' keine vollständigen Zahlen an, aus denen man ersehen kann, ob die Beschwerde wirklich unbegründet ist?
Anna konnte ihre Ungeduld nicht bemeistern: „Ach Gott, Tante lasten Sie das; um das handelt sichs hier nicht .... Sagen Sie mir lieber schnell, was aus der Liste geworden ist, die ich Ihnen gegeben habe?"
Frau Gruber zögerte mit der Antwort. Sie hatte sich bisher nicht klar gemacht, vielleicht auch nicht klar machen wollen, daß eS unmöglich fei, Stephanie zur Verantwortung zu ziehen, ohne zugleich die ganze Famllie zu treffen. Freilich, daß Anna das Werkzeug geworden, Strafe über die Eltern zu bringen, war eine grausame Fügung, deren Härte sie tief empfand. Aber, wie hätte fie er den» ansangen sollen, um zu ihrem Rechte zu kommen, nachdem das schlechte Weib fich güt- kichern Zureden unzugänglich gezeigt? Obwohl fie sich wiederholte, wie sie nicht anders hätte handeln könne», fühlte fie sich doch sehr beklommen und wußte gar nicht, war sie dem armen Geschöpf antworten sollte.
„Ich will Antwort haben, Tante!" erklärte Anna kurz, befehlend.
„Mein Gott Kind, was hätte ich denn anderes thun sollen als mich an die Gerichte wenden?" entschuldigte sich die eingeschüchterte alte Frau. „Ich wußte kein anderes Mittel, zu meinem Eigenthum zu gelangen."
„O Tante! Tante!" schrie Anna auf und schlug sich beide Hände vor's Gesicht. „Sie haben mich für Zeitlebens unglücklich gemacht!"
„Dich?"
„Ja mich. Den» das ganze Unglück habe ich zu verantworten."
„Welches Unglück den» ?"
* Die MerläugerNttg des Kandels- proviforinm» mit England wurde bekanntlich am Samstag ohne eigentliche Debatte be« schloffen. Jetzt veröffentlicht der Abgeordnete Dr. Roes icke, der Mitvorfitzende des Bundes der Landwirthe, einen langen Artikel in der ,Deutschen Tageszeitung' worin er lebhafte Bedenken gegen dis Verlängerung erhebt und über nicht ausreichende Wahrung der deutschen Jntereffen durch die Regierung klagt. Da die Parteien am SamStag im Reichstage dahin übereingekommen waren, daß man den Antrag ohne Debatte annehmen wollte, fei es ihm durch den Schluß der Debatte unmöglich gemacht worden, die Gründe gegen die Annahme selbst darzuleqen. Aber eS bleibt ihm ja noch die dritte Lesung.
* An den deutschen Universitäten betrug im vergangenen Winterhalbjahr die Iahk der Stttdireude» 34363 gegen 34389 im vorausgegangenen Sommer und 33 353 im Winterhalbjahr 1899/1900. Von den einzelnen Uni- vexfitäten haben die meisten Studenten: Berlin 6671 (1899-1900 6478). München 4184 (4049) und Leipzig 3580 (3481), die wenigsten Greifswald mit 726 (759), Jena mit 681 (655) und Rostock mit 512 (464). An sechs Universitäten, insbesondere in Würzburg, hat die Zahl der Studirenden abgenommen. Auf die einzelnen Fakultäten vertheilen fich die Studirenden folgendermaßen: Evangelische Theologen 2327 (1899-1900 2413), katholische Theologen 1584 (1548), Juristen und Staatswifsenschaftler 10511 (9970), Mediziner 7113 (7543). Inder philosophischen Fakultät findet man 5200 (4028) Philologen und Historiker, 4712 (4352) Mathematiker und Naturwissenschaftler, 1157 (1121) Pharmazeuten, 883 (886) Studirende der Land- wirthschaft, 629 (555) Studirende der Forst- wirthschaft; ferner sind noch 448 (422) Studirende der Zahnheilkunde und in Gießen 128 (82) Studirende der Thierbeilkunde eingetragen. Die Zahl der evangelischen Theologe» und der Mediziner ist also im Abnehmer, begriffen, wogegen die übrigen Fakultäten eine Zunahme zu verzeichnen haben, die am beträchtlichsten ist bei den Juristen mit 541. In 10 Jahren hat fich die Zahl der Juristen um 47 vom Hundert erhöht.
* AechtsverHättniffe der Drognisten. Dem Reichötanzler liegt der Entwurf einer neuen Verordnung vor, durch welche die kaiserliche Verordnung vom 27. Januar 1890 über die dem ausschließliche» Vertrieb in den Apotheke» vorbehaltene» Arzneizubereitungen, Droguen und chemischen Präparate abgeändert und ergänzt werden soll. Es handelt sich dabei um eine Neuregelung der Rechtsverhältnisse der Droguisten, insbesondere um die Freigrbe von unschädliche» Heilmitteln für den Droauenkleinhandel. Der Entwurf ist im Jahre 1899 auf Grund des Ergebnisses von Sachverständigenberathungen, die zuvor unter Therlnahme von Vertretern de- Apotheker- und Drogistenstandes im kaiserlichen Gesundheitsamt stattgefunden hatten, auSgearbeftet und dann später auf Grund mannichfacher Ab- änderungS- und Ergänzungsvorschläge seitens der Einzelregierungen und auch der Interessentenkreise, namentlich der Fachpresse, erheblich umgearbeitet worden.
Schluchzend erzählte Anna der Tante, was fie durch Carneri erfahren hatte, und wie erst der Vater, bann die Mutter in Hast genommen worden fei.
Frau Gruber war tief erschüttert. Stephanie hätte fie zeitliche wie ewige Sttafen gewünscht mit einer Inbrunst, die durchaus nichts Geistliches hatte; auch Buschmann gönnte fie einen Theil derselben; dieses unschuldige Kind aber hätte verschont bleiben sollen. Daß <8 Sohn und Enkelin ihrer eigenen Schwägern, waren, die mittragen mußten an Stephanies Schande, fiel ihr auch erst jetzt auf's Herz, und fie bereute bitter, nicht noch emen Versuch gemacht zu haben, der Diebin in Güte den Raub zu entlocken. Von Mitleid ergriffen, zog fie die weinende Anna an sich, schloß sie in ihre Arme und fuhr liebkosend über deren Haar. Die raube Stimme dämpfend, sagte sie ihr freundliche, theiluehmende Worte, erzählte, wie fie Stephanie gebeten, daS Fehlende zu ersetze», und erst alS diese verstockt geblieben unb ihr die THÜre gewiesen, fie habe daran gedacht, zn diesem äußersten Mittel zu greifen. Nu», fürchte fie, gebe eS keine Hilfe mehr.
„O doch; es gibt noch Hilfe!" rief Anna. „Carneri sagt's."
Die Tante zuckte zusammen; der bloße Name deS Mannes war ihr verhaßt.
„Nehmen Sie die Klage zurück. Damit wäre die Sache niedergeschlagen, behauptet er."
„Die Klage zurücknehmen? Kind, liebes Kind, ich weiß gar nicht, ob ich das darf. Das Gelb ist nicht mein, und dem Eigenthümer kann ich e« aus meinem nicht ersetzen, da ich nur Nutznießerin des Vermögens bin." ($. f)