28. Jahrgang.
IrrL-a, Diensülg, den 14. Mai 1901.
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mit Zlnterhaktungs Meikage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung"
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n Karl I. von Rumänien und sein Land.
(Nachdruck verbeten.)
Das laufende Jahr ist für Rumänien außerordentlich reich an Gedenktagen. Heute, den 14. Mai, vor 35 Jahren, wurde Karl von Hohenzollern Fürst von Rumänien. Am 30. August 1856 brachte der Pariser Frieden die Grundlage für die Entstehung Rumäniens, indem er das russtsche Protektorat über die damaligen beiden Fürstenthümer Moldau und Walachei aufhob und be. stimmte, daß die Bevölkerung über die zukünftige Gestaltung der Dinge gefragt werden sollte. DaS Volk entschied durch seine Abgesandten für die Bildung eines konstitutionellen Fürstenthums unter der Herrschaft eines Fürsten aus einer europäischen Dynastie. Zur Ausführung kam dieser Beschluß in Folge der Unflaten Haltung der europäischen Großmächte nicht sofort, doch wählten die Volksvertretungen der Moldau und der Walachei den Obersten Alexander Cusa zum Fürsten beider Staaten. Cusa bestieg denn auch 1858 den Thron als Alexander Johann I. In keiner Weise zum Herrscher berufen, vor allem absolut nicht befähigt, die Lasten der Regierung zweier Staaten zu tragen, that Cusa in richtiger Erkeuntmß dessen, was für seine Untertdanen das Beste war, Alles, um eine definitive Vereinigung beider Länder bet dem Volke selbst und dann bei der türkischen Regierung durchzusrtzrn. Diese Bestrebungen hatten im Jahre 1861 einen definitiven Erfolg, sodaß der rumänische Staat in diesem Jahre die Feier seines 40jährigen Bestehen- begehen kann. Bukarest wurde zur Hauptstadt des neuen Fürstenthums gemacht und bereits im Januar 1862 trat das neue Parlament zusammen, um mit aller Energie die Grundlage für geordnete politische und wirthschaftliche Ver- hältniffe zu schaffen.
Fürst Cusa zeigte dabei wirklich guten Willen, stieß aber mit verschiedenen von ihm estegesührten Gesetzesbestimmungen allzusehr an. Besonders seine Aufhebung der Leibeigenschaft der Bauern schuf ihm sehr viele Feinde und die Anordnung des Tabakmonopols führte 1865 zu einem Aufstande, der für Cusa den Anfang vom Ende seiner RegierungSchätigkeit war. Sein in moralischer Beziehung wenig einwandfreies Leben, dazu der ungeheuere Einfluß, den ein seiner Dienerschaft angehörender Kellner Namens Lieb recht aus Ostende auf ihn ausübte, dann die durch die kostspielige Ausführung seiner zum Thril übereilten Gesetze ruinirten Finanzen deS Landes tief eine Verschwörung gegen ihn inS Leben, die seiner Regierung ein Ende bereitete. In der Nacht vom 22. Februar 1866 wurde er in seinem Schlafzimmer von den Verschwörern überfallen und zur Abdankung gezwungen. Eine provisorische Regierung, zusammengesetzt aus Angehörigen aller Parteien, übernahm die Regierung und bereitete die Wahl eines neuen Fürsten vor. Nachdem der Graf von Flandern, ein jüngerer Bruder des belgischen Königs, die ihry von beiden Parlamenten des Fürstenthums angebotene Krone ausgeschlagen, wurde Prinz Karl von Hohenzollern zum Fürsten ge-
Mn Stufe zu Stufe.
Roman auS dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i d e g g.
67 ------ (Nachdruck verboten.)
In ihrem Ofen brannte ein lustiges Feuer. Eines der Pspiere nach dem anderen warf fie hinein. Mtt Wuth im Herzen sah fie, wie fie aufloderten und rut mehr ein Hausen Asche übrig blieb. Nun mochte man kommen und Haussuchung halten. Derjenige, welcher das Vorhandensein der Papiere nachwieS, mußte eine feine Spürnase besitzen. Noch ein paar Klötze warf fie in ten Ofen, bann ging sie, wusch sich die Hände, und machte mit großer Sorgfalt ihre Toilette, wobei fir Bedacht nahm, ein besonders kleidsames Gewand auszuwählen. An ihrer Schönheit besaß fie eine bewährte Waffe, vielleicht konnte sie deren am heutigen Tage bedürfen. Als dies Alles geschehen, setzte sie sich hin, und überlegte, war zu thun sei.
Vor Allem den Kopf nicht verlieren, und — kam es zu einem Verhör — ableugnen, daß sie dir Papiere je besessen, bis auf das eine, das sie verkauft. Im übrigen war man jetzt nicht viel schlimmer daran wie vorher. Anna's Stimme blieb ja, ebenso der Halt, den man durch Anna au Carneri hatte; damit ließ sich manche- erreiche». Auch blieb ihr eigenes schauspielerisches Talent. Netzer halte Recht: Auf den Brettern war für sie der richtige Platz. Sie sah
wählt. Karl nahm die Wahl an und hat den heute vor 35 Jahren angetretenen Posten mit einem solchen Glücke und Geschicke verwaltet, daß Rumänien heute unter den Balkanstaaten unbestritten die erste Stelle einnimmt.
DaS Volk, das chm bei seinem Einzüge in Bukarest entgegenjubelte, war freilich seiner bisherigen Fürsten würdig. Politisch unreif, in wirthschaftlicher Hinsicht ohne jede Spur von Erfahrung mit den rückständigsten Ansichten über die einzelnen Fortschritte deS modernen Erwerbslebens ausgestattet, forderte daS rumänische Volk von seinem Erzieher, seinem Fürsten, nicht bloß eine gute Veranlagung, sondern auch eine heldenmüthige Geduld. Besonders wurde diese auf die Probe gestellt wahrend des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, in welchem die Rumänen der beffeten Klaffen, die in der Regel ihre Kinder in Frankreich erziehen ließen und zum großen Theil selbst mit Frankreich Beziehungen unterhielten, scharf auf Seiten Fran krei chs standen. Diese Stellung der Rumänen führte im Herbst 1871 zu verschiedenen Vorfällen, die Karl zwangen, seine Abdankung in Aussicht zu stellen. Dadurch erhielten diejenigen Kreise, die auf die Erstattung friedlicher Verhältnisse bedacht waren, wieder Oberwasser und setzten ein Ministerium durch, das mit aller Entschiedenheit auf der Seite des Fürsten stand. Diesem Ministerium folgte zwar 1876 wieder ein liberales, aber die Erfolge, die die politischen Maßnahmen Karls gehabt hatten, hatten auch diesem die Ueberzeugung aufgezwungen, daß man auf dem rechten Wege war und damit gab man sich zufrieden.
Die erste Genugthuung wurde Karl zu theil im russisch-türkischen Kriege von 1877. Nachdem die Russen infolge ihres Hochmnthes in eine nicht zu unterschätzende Bedrängniß gerathen waren, konnte er mit seinen nach deutschem Muster herangezogenen Soldaten mit großem Erfolge zu Gunsten der Russen in den Gang der Dinge eingreifen und die Türken verschiedentlich aufs Haupt schlagen. Die indirekte Folge diese? Krieges »ar im Jahre 1879 die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens durch die europäischen Mächte und die am 26. März 1881 erfolgte Proklamation Rumäniens zum Königreich. Am 10. Mai desselben Jahre«, vor nunmehr 20 I ihren, wurde Karl I. in Bukarest feierlich zum Könige gekrönt, und ihm in seinem Reffen, dem Prinzen Ferdinand von Hohenzollern, ein Nachfolger gegeben, nachdem seine Heirath mit der Prinzessin Elisabeth von Wied, der unter dem Namen Carmen Sylta in Deutschland wohlbekannten Dichterin, kinderlos geblieben war.
Vom Kriege blieb das Land trotz der vielen Verwickelungen unter den Balkanstaaten, in der Folgezeit verschont. Zwar setzte e« 1888 politische Aufstände in einzelnen Bauernbezirken ab, aber im Allgemeinen war die Entwickelung ruhig und ermöglichte ein energisches Arbeiten an der kulturellen Lage de« Lauder und feiner Bewohner. Heute kann auch der rückständigste Rumäne zu den ctvilisirten Menschen gezählt werden und die ständig fortschreitende Verbesserung der Finanzen des Landes trotz der ungeheueren Aufwendungen für da« Heer und die Landesbefestigung, für das Schul-
fich in den Spiegel und sagte sich mit Genugthuung, daß sie ganz wohl noch Triumphe feiern könne. Aladar N-tzers Freie Bühne mußte ihr Ersatz bieten für dasjenige, was sie verlor. Was auch ihr Waschlappen von Mann einwenden mochte, dahin wollte sie sich wenden. Mit seiner Karriere — unwillkürlich gab es ihr doch einen Stich, als fie das bedachte — war es ohnehin vorbei.
35. Kapitel.
Anna hatte die Schwestern nach dem Institut gebracht; sinnend mit müdem Schritte kehrte fie von ihrem Gang zurück. Die Aufregung des gestrigen Abends wirkte in ihr nach, und versetzte fie in jene eigentbüinliche Stimmung, in welcher die Überreizten Nerven allen, auch geringfügigen Vorkommnissen besondere Bedeutung beilegen, in welcher Vorahnungen durch die Seele ziehen und man erstaunt ist, wenn bas Leben ereignißlos seinen Gang weiter geht.
Ein sonderbares Gefühl ergriff Anna, als fie das Haus betrat; drückende Atmosphäre schien sie zu umwehen. Warum blickte die freundliche alte Gerichtsräthin, welche die Parterre-Wohnung inne hatte, fie so mitleidig an, als fie ihr im Hausgang begegnete? Warum standen die Dienstboten der Partie $h ersten Stock eifrig redend an der offenen Vorzimmer- thürr, und fuhren bet ihrem Anblick schuldbewußt auseinander? Beklommenen Herzens stieg sie eine Tr,ppe höher. Auch in der elterlichen Wohnung stand die Eingangsthüre offen. Kirnen, sehr erhitzt, unterhielt sich im Flur mit
wesen und für die Verkehrranlagen zeigen, daß die 35 Jahre, die Karl heute in Rumänien verbracht hat, dem Lande zum Segen gereicht haben.
Deutsches Keich.
Berlin, den 13. Mai.
+ D-r Aücktritt des Ministers von Miqnek beschäftigt noch immer die Preffe. Nach einer neuerdings in die Zeitungen gebrachten halbamtlichen Notiz soll Herr von Miquel sofort nach der vertraulichen Ministerbefprechung am 2. Mai im Hause de« Reichskanzler« erklärt haben, daß nunmehr der Augenblick für feinen Rücktritt gekommen sei, und zwar wegen der Schließung der laufenden Tagung be« preußischen Landtage«. Die am andern Tage erfolgte Entsendung de« GeheimratheS von Wilmowski zu Herrn v. Miquel durch den Grafen Bülow soll „lediglich den Zw ck gehabt haben, festzustellen, ob Herr v. Miquel auf seinem Vorsatze beharre". Die Antwort darauf sei alsdann bejahend ausgefallen. So weit der Osfiziofus. Aber ganz genau so haben sich die Dinge wohl doch nicht abgespielt. Herr v. Miquel wollte gerade jetzt nicht selbst gehen, ist vielmehr „gegangen worden", und wenn tausend Mal das Vorgehen gegen ihn einen so sanften Austritt wie möglich erhalten hat. An der Thatsache selbst wird dadurch gar nicht« geändert; es schadet ja doch auch gar nichts, wenn die Welt den wahren Sachverhalt erfährt! Daß Herr v. Miquel durch die Botschaft des Herrn v. Wilmowski bis zu Thränen gerührt worden fei, wie mehrere Zeitungen versichern wollten, glaubt ohnehin Niemand!
-V Die Nah« vo« Dar es-Salaam «ach Wrogoro wird allem Anscheine nach vom Reichstage in der Weise genehmigt werden, wie die Verbündeten Regirrungen ihren Bau vorgeschlagen haben. Es handelt sich dabei, wie bekannt, um eine Zinsbürgschaft des Reiches für diese Bahn; nur die von der Budget-Kommission eingesetzte Unterkomrnisfion bat vorgeschlagen, das Baukapital auf 22 Millionen zu bemessen, anstatt nach dem Vorschläge der Regierung auf 24 Millionen. Der Centrums-Abgecrdnete Müller-Fulda machte am Montag in d-r Budget-Kommission des Reichstages darauf aufm-rksam, daß es weit beffer sein würde, sich nicht schon jetzt angesichts der verschlechterten Finanzlage des Reiches und der geplanten neuen Steuern zu binden, namentlich auch deswegen, weil die Regierung nicht für die uoth- wendigen Bahnen im Staate Preußen sorge. Der CentrumS-Abgeordnete Prinz Arenberg befürwortete dagegen den Vorschlag der Unterkommisfion, der schließlich auch angenommen wurde. Die Vorlage wird vermuthlich also im nächsten Herbste in derselben Form angenommen werden, wie am Montag von der Budget-Kommission des Reichstages.
* Merkt«, 13. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin sind, wie aus Metz gemeldet wird, heute Mittag 1 Uhr dort eingetroffen und auf dem Bahnhofe Tournebride von dem kommandirenden General des XVI. Armeekorps, Grafen v. HSseler und dem preußischen Minister des Innern, Freiherrn von Hammerstein, empfangen. Nach kurzem Aufenthalte bestiegen Ihre Majestäten die Pferde und ritten zur Truppenbestchtisung nach dem Uebungsplatze bet Fres- caly. — Zur Bezirkspräsidenten in Metz, an Stelle deS neuen Ministers des Innern, Frhrn. von
den Dienstmädchen; die eine in Thränen aufgelöst mit wehmüthigrrn Tonfall, antwortete leise auf hie an fir gestellten Fragen; die andere versicherte keck und trotzig: Sie sei schon in manchem Dienst gewesen, solches sei ihr aber noch nicht vorgekommen.
Anna's erschrockene Augen wandten sich von einem der Märchen zu dem anderen. M.t Mühe brachten ihre bebenden Sippen die Frage hervor: „Was eS denn gegeben hätte?"
„Die Frau Hofräthin ist von der Polizei abgehott worden, und bet H rr Hofrath. . . ."
„Still!" donnerte Crrneri.
Die lodtendleiche Anna stützend, führte er sie in das Wohnzimmer. Er fühlte aufrichtiges Mitleid mit dem Mädchen, bas am gestrigen Abend im Glanze ihrer Schönheit feine Leidenschaft aufs Neue entflammt hatte. In diesem Augenblick war es ihm aber nicht bloß Mittel zum Zw ck, sich ihr hilfsbereit zu z»igev, es war ihm ein wahres BedÜrfniß, sich schirmend zwischen sie und rohe Berührung von außen zu stellen. E hieß fie nieoerfltzen, holte ihr ein Glas Wasser und unterrichtete fie in schonenden Worten von dem, was oorgefallen.
Den ungefähren Sachoerhalt vermochte er sich recht wohl zu reimen; Stephanies halbes Gkständniß, als sie ihm das Papier zum Verkauf anbot, — noch mchr Netzer's Mittheilungen, ließ-n ihn denselben ahnen. Als dieser ihn ver- laffen, war er sogleich nach des Hofrath's Wohnung geeilt, uit selbst sich umz »hören. Dort hatte er große Bestürzung gesunde»: Bor wenigen Manien sei die Hofräthin im.
Hammerstein, ist nach dem Wolfffschen Telegraphenbureau der bisherige Vorsteher deS Bureaus de« Statthalters von Elsaß-Lothringen, Geh. RegierungSrath v. Zeppelin, ernannt worden. — Die Leitung der ersten «btheilun, im ReichSpostamt, deren Direktor der jetzige Staatssekretär Kraetke war, ist dem Geh. Oberpostrath Gies ecke übertragen worden. — Zum JnformattonskursuS bei der Feldartillerteschieß. schule Jüterbog sind eine Anzahl Generale hier ein- getroffen. — Veränderungen in den hohe» militärischen Kommandostellen stehe» voraus- sichtlich schon nach der FrühjahrSparade bevor. Wae in militärischen Kreisen verlautet, wird der Kommandeur deS Garde-KorpS, v. Bock und Pollack den Chef des großen Generalstabes Grafen von Sch liess en in dieser Stellung ersetzen. Das Kommando deS Garde-Korps wird dann auf den General- Leutnant v. Kessel, Führer der 2. Garde-Infanterie« Dioiston,übergehen. — Die Land eskunstkommisston tritt am 22. Mai, wie alljährlich, im Kultusministerium zusammen. Die Kommission hat den Ankauf von Gemälden und Kunstwerken für die staatlichen Galerie» und Museen vorzuschlagen und zu begutachten. Für ihre Berathungen sind drei Tage in Aussicht genommen.
* Hs«avrück, 13. Mai. Nach Gutheißung bes Bischofs von Osnabrück steht nunmehr fest, baß bie diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Osnabrück in der Zeit vom 25. bis 29. August tagen wird.
*- StratzV«»« i. K., 13 Mai. Der Kaiser wohnte gestern Vormittag dem Gottesdienste in der hiesigen evangelischen Garnisonkirche bet Nach demselben nahm der Kaiser eine Parade der Garnison und sodann vom Balkon des Kaiserpalastes aus den Vorbeimarsch der Fahnenkom- pagnie ab. Später sand beim kommandirenden General des 15. Armeekorps, Generalleutnant Herwarth v. Bittenfeld Frühstückstafel statt. Um 1 Uhr 40 Minuten fuhr der Kaiser unter Hochrufen des Publikums nach dem Bahnhofe, um sich nach Schlettstadt und der Hohkönigsbürg zu begeben, wo der Monarch gegen 3 Uhr eintraf. _________
Ans dem Reichstage.
95. Sitzung vom 13. Mai.
Ohne Debatte wird von dem Reichstage der Beitritt des Deutschen Reiches zu der Konvention zum Schutze des gewerblichen EigenthumS genehmigt. Ferner wird in dritter Lesung ohne Debatte angenommen die Forderung für daS neue B er siche - rungsamt, ebenso die neuen Bestimmungen über da» Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe. Sodann folgt die zweite Lesung der
Novelle zum Nranntweinstencrgesehe. Die Kommission hat folgende Vorschläge gemacht:
1) Herabsetzung des Kontingents für neue Brennereien von 800 auf 500 Hektoliter, und 2) Verlängerung der Giltigkeit deS gegenwärtigen Gesetzes mit einer Erhöhung der Brennsteuer um 50 v. H.
Der freikons. Abg. Hamp berichtet über die Ber- Handlungen der Kommission und macht darauf aufmerksam, daß Kleinbetriebe durch die Herabsetzung de» Kontingems gar nicht getroffen werden. Der freisinnige
Abg. IifchSeck meint, im Seniorenkonvent sei man dahin übereingekommen, daS bestehende Gesetz einfach zu verlängern. Warum treffe man solche Verabredungen, wenn man fie hinterher nicht halte?
Abg. Irhr. von HSangenheim (kons.): Wallte man den neuen Brennereien gleich von Anfang an ebenfalls 800 Liter Kontingent geben, würde das eine unverantwortliche Bevorzugung derselben und eine schwere wirthschaftliche Benachtheiltgung der alte« Brennereien sein. Im Seniorenkonoent war der größere Theil der Herren nicht klar über die Tragweite be» Beschlusses, daS bestehende Gesetz einfach auf ein Jahr zu verlängern Die Linke des Hauses hat fich auch schon oft über die Abmachungen des Seniorenkonventes hinweggesetzt. (Stufe rechts: lex Heintze!) Hier kommfeS
Wagen zum Gericht abgeholt worden, ben Hofroth habe man gleich in Haft behalten, berichtete fchreienb baS kecke Dienstmädchen, und fügte hinzu: ES brächte ein ehrliches Mädchen um die Reputation, bei solchen Leuten zu bienen. Darauf hatte er beschlossen, Anna'S Rückkehr abzuwarten.
„Weffen klagt man meinen Vater an?* fragte Anna beinahe feindselig; sie hatte Carneri« verworrene Elklärunqen nur halb verstanden. „Der Vater kann nichts Unehrenhaftes begangen haben .. sie aber . . sie!' Unwillkürlich krampften ihre Hände fich in einander.
Carneri erläuterte ihr, daß, soweit er die Sache übersehen könne, es fich um Papiere handele, welche ber Frau Gruber abhanden gekommen. Er habe schon länger von der Sache munkeln hören; jetzt scheine sich eine Liste vorgefunden zu haben, durch welche die Polizei einen Anhaltspunkt gewonnen . . .
Anna fuhr auf. An allen Gliedern zitternd, stand sie vor dem erschrockenen Manne. Sie erinnerte sich der Liste, welche sie der alten Tante gegeben . . . Sollte sie damit Waffen geschmiedet haben, deren man fich jetzt gegen ihren Vater bediente, der gewiß unschuldig war, während Andere . . .
„Die Liste . . . die Liste ..." wiederholte sie wie geistesabwesend. „Ja ich selbst habe eine Liste gesehen, aber sie ... sie da« schlechte Weib hat sie in mein Zimmer gebracht!"
„Aber . . . wie mir Netzer sagt: Ihr Vater hat bar Papier vei kauft," warf Carneri ein.
Mit flammenden Augen wandte sich Anna