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-KÄSSJa!" mit Anterhattungs-Anlage „Zllustrirte Sonntags-Zeitungs

28. Jahrgmg.

IukSa, Montag, den 13. Mai 1901.

JU109.

O Die Getreidezölle und Süd- dentschland.

Von mehreren Seiten find während der letzten Wochen verschiedene Versuche unternommen worden, den Anschein zu erwecken, als habe der gebaute, der Landwirthschast den ihr durchaus nothwendigen Zollschutz zu gewähren, in Süd- deutschland verhältnißmäßig wenig Freunde. Man hat fi4 auch Mühe gegeben, die Vor­stellung zu erzeugen, als wollten die süddeutschen Regierungen von einer solchen Zollerhöhung nichts wissen, als ständen sie ihr mindestens mit starkem Mißtrauen gegenüber. Man erinnert sich ja noch an die Meldung, die bayerische Re­gierung habe in Berlin wissen lasten, daß sie erst mit Sachverständigen die ganze Frage noch einmal durchsprechen müffe und vor dem Monat Dezember schwerlich in die Lage kommen werde, im Bundesrathe ihre Anschauungen darüber kundzuthun. Diese Meldung ist sehr bald von der bayerischen Regierung selbst als falsch be- zeichnet worden, und in entsprechender Weise kann man getrost annehmen, daß auch die Ge­rüchte von der ablehnenden Haltung veränderen süddeutschen Regierungen, namentlich der ba­dischen, grundlos sind. Daß die süddeutschen Regierungen, ebenso wie diejenigen aller Bundes­staaten überhaupt, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, eine selbständige Prüfung solcher wichtigen wirthschaftlichen Angelegenheiten vorzunehmen, ist selbstverständlich; man kann nur verlangen, daß das möglich bald geschehe, und man muß es tadeln, daß anscheinend die noth »endige Beschleunigung dieser Prüfung nicht beliebt worden ist. DaS eigensinnige Festhalten der Gegner der Getreidezölle, ohne die es nun einmal nicht geht, an der vollkommen thörichten Darstellungsweise, als betrieben nur die nord­deutschen und osielbtschen Junker und Agrarier eine Erhöhung der Getreidezölle im Interesse ihres eigenen Geldbeutels zum Schaden der ge- sammteu übrigen ReichSbevölkerunz, ist nur ein Beweis mehr für die außerordentliche Armuth und Schwäche der Beweisgründe der Händler- preffe gegen diese wirthschaftliche Nothwendigkeit.

Eine kurze Betrachtung der vorliegenden That- sachen liefert den unanfechtbaren Beweis für die Unrichtigkeit solcher Darstellungen.

In der württembergischen zweiten Kam- mer hatte das Centrum eine Entschließung zu Gunsten der Nothwendigkeit einer angemessenen Zollerhöhung beantragt. Die Entschließung wurde mit starker Mehrheit angenommen, und zu dieser Mehrheit gehörten u. A. auch nicht weniger als 6 Mitglieder der demokratischen Partei. Diese Thatsache erregte damals nicht geringes Aufsehen, und man begreift eigentlich nicht, wie Jemand versuchen kann, sie so schnell wieder der Vergessen­heit zu überliefern.

Im Großherzogthum Baden hat kürzlich die demokratische Partei ihre Landesversammlung in Offenbach abgehalten; da? war am 21. April.

Don Stufe zu Stufe.

Roman aus dem Wiener Leben. Bon L. v. Neideg g.

66 ------ (Nachdruck verboten.)

Als er lange fortgeredet, machte ihn der Untersuchungsrichter aufmerksam, daß das von ihm verkarste Papier auf einer von Gruber eigenhändig geschriebener Liste ausgezeichnet sei, weiche die Ueberschrist trage: Meiner Frau gehörig. Buschmann verfärbte sich; er stammelte einige unzusammenhängende Worte; endlich sprach er von einer Sinnesänderung, die sich am besten dadurch bekunde, daß der alte Mann die Papiere aus seinem Kassenschrank genommen und nach Hütteldorf gebracht hab', eine Erklärung, die der Untersuchungsrichter mit gar sonderbarer Miene anhörte. Er beendete das Verhör durch die bedauernde Bemerkung, daß das Mißverständniß keineswegs aufgeklärt, der Herr Hofrath also in Haft zu behalten fei. Leider müsse auch zur Vernehmung der Frau Hofräthin geschritten werden.

Buschmann erwiderte nichts. Die Nebel, welche Selbsttäuschung und Morpbiumgeuuß um sein Gehirn gelegt, vertheilten sich für einen Augenblick, und die Grkenntniß, daß das Spiel verloren sei, dämmerte in ihm auf. Wohin er blickte, vor und hinter sich, sah er Verwüstung und Trostlosigkeit, fehlgeschlagene Hoffnungen, ein zerstörtes Leben. Es war ein unnennbares Gefühl, mit dem er da- Fläschchen in seiner

Dabei find durchaus nicht zollfeindliche Reden ge­halten oder gar Entschließungen in diesem Sinne angenommen worden. Genau das Gegentheil da­von trat ein: zwei Parteihäupter der badischen Demokraten, Professor Heimburger und Rechts­anwalt Schneider, sind ganz offenkundig und entschieden für den Schutz der deutschen Land­wirthschast eingetreten. Und das widerspricht nicht den Anschauungen der demokratischen Mehrheit in Baden, was daraus zu ersehen ist, Haß Herr Heimburger ohne Widerspruch zum Vorsitzenden der Partei wiedergewählt wurde. Aus demselben Standpunkte stehen die badischen Nationallibe­ralen. Der nationalliberale engere Ausschuß hat vereint mit den Landtags-Abgeordneten der Partei eine Ansprache an die nationalliberalen Bezirks­vereine gerichtet, in der ebenfalls die Nothwen- digkeit einer Erhöhung der Getreidezölle dargethan wird.

Die Mehrheit der Landesausschuffes von Elsaß-Lothringe« steht auf demselben Standpunkte; im Großherzogthum Hessen sieht es genau ebenso aus, und daß in Bayern die Einsicht fehlte für die Erforder­nisse der Zeit auf dem Gebiete der Zollpolitik, ist noch niemals und von Niemand bemerkt worden. Daß in der Stadt München die wenigen Nationalliberalen, die eS dort gibt, zu­sammen mit den Freisinnigen und Demokcaten Versammlungen abstatten, in denen daS ver­kehrte Schlagwort vom „Brotwucher" den Ton angibt, will gar nichts bedeuten für die Stimmung der ganz überwiegenden.Mehrheit der Bevölkerung. Die Münchener National­liberalen stehen mit diesen ihren Anschauungen allein da unter ihren bayerischen Parteigenossen; die rordbayerischen Nationalliberalen treten sogar sehr nachdrücklich und lebhaft für einen erhöhten Zollschutz der Landwirthschast ein und arbeiten in diesem Sinne öffentlich mit dem „Bunde der Landwirthe" zusammen. In Bayern beschränkt sich die offene und erklärte Gegnerschaft erhöhter Getreidezölle so ziemlich auf einen Theil der Münchener Bevölkerung und auf die Ausfuhrindastrie in dem Nürn­berger Bezirke; im übrigen hat gerade in Bayern der Gedanke, daß die Landwirthschast zu ihrem Bestehen und deswegen -mch im Jntereffr der Allgemeinheit eines erhöh en Zoll­schutzes durchaus bedarf.

Alle diese Thatsache» stehen unleugbar fest. Sie sind auch so bekannt, daß es nur der kurzen Erinnerung und Zusammenstellung be­darf, um die Versuche, die entgegengesetzte Vorstellung zu erwecken, wirkungslos zu machen.

Derrtfches gteirij»

Berlin, den II. Mai.

+ Zur Dertagimg be» Ileichstages. Im ersten Augenblicke sah die Vertagung des Reichstages rote eine Ueberraschung aus, die den deutschen Volksvertretern von oben her bereitet worden wäre. Das kam davon her, daß ganz kurz vorher der Seniorenkonvent zu der Verab­redung gelangt war, nach Pfingsten noch weiter zu arbeiten. Die Stimmung int Reichstage schlug bann aber sehr schnell um. Die Meinung der-

Westentasche berührte, als er, Verzwetselung im Herzen, fick nach sein-r Zelle abführen ließ.

34. Kapitel.

Das Stubenmädchen hatte seinen Auftrag aus­gerichtet, und Stephanie hatte beim ersten Wort verstanden, um was es sich handele. Tödtlich er­schrocken behielt sie dennoch thre Geistesgegenwart, und besann sich sofort, daß sie bei Netzer sich am besten Rath erholen könne. Mittels Telephon wurde er herbeigerufen und nach kurzer Zeit fand er sich bei ihr ein.

Al« sehr vorsichtige, verschlagene Frau hatte sie, wie sie gegen ihren Mann erwähnt, unter dem Vorwande, Netzer für eine dritte Person zu Rathe zu ziehen, die eigene Angelegenheit mehrfach, wenn auch niemals wahrheitsgetreu, mit ihm besprochen. Auch diesmal hielt sie an dem Vorgeben fest für eine Freundin zu fragen und er ging darauf ein, wiewohl er ihr Spiel recht gut durchschaute. Er hatte viel zu viel von Gruber's Vermächtniß und von Frau Pepl's verleumderischen Beschuldigungen gehört, um nicht den wahrscheinlichen Zusammen­hang zu errathen. So hatte Frau Gruber also doch gegründete Ursache zu ihren Anklagen! dachte er bei sich, stand aber weit mehr auf Seite der Angeklagten, als der Anklägerin. Seiner Ansicht nach hätte Gruber, der alte Schippel, nicht­klügeres thun können, als der schönen Frau sein Geld zu hinterlassen, und wenn man ihr eine Ent­schädigung freiwillig nicht gewährte, was war da so Großes dabei, wenn sie dasjenige sesthielt, was der Verstorbene wiederholt als ihr künftiges Eigen- thum bezeichnet hatte? Allerdings blieb es ver-

jenigen bekam Oberwasser, die die Anschauung vertraten, es sei bei weitem besser, jetzt die Be- rathungen zu beenden und den Reichstag bis zum Spätherbste zu vertagen; von diesem Umschwünge drang nichts an die Oeffentlichkeit, weil die Er­eignisse sehr schnell auf einander folgten. That­sache ist, daß der ReichstagSpräsident Graf von Ballestrem auf Wünsche auS dem Hanse heraus dem Reichskanzler die Maßregel einer baldige» Vertagung empfahl, und daß die Regierung diesen Wünschen bereitwillig und schnell ent­sprochen hat. Daß es sich so verhält, wird jetzt auch ausdrücklich von einem Offiziösen der Re- gierung anerkannt.

* Kavdelrminifler Molker wird auS der Handelsgesellschaft, der er angehört, auSscheiden und seine Aemter als Auffichtsrathsmitglted nieder­legen; das letztere hat er in diesem Augenblicke wohl schon gethan, und Mittwoch Abend ist er nach Brackwede abgereist, um die übrigen ge­schäftlichen Angelegenheiten zu regeln. Im Gegen­sätze zu England, wo Minister auch während ihrer Zugehörigkeit zu einem Kabinet Mitglieder von Handelsfirmen bleiben können (es ist darüber erst vor wenigen Wochen im Unterlaufe zu längeren Debatten gekommen), gilt es bei uns als ganz selbstverständlich, daß ein aktiver Minister nicht irgend welche Handelsgeschäfte betreibt oder bei Handelsgesellschaften thätig ist. Auch Herr von Podbielski schied nach seiner Ernennung zum Staatssekretär aus der Handelsgesellschaft von Tippelskirch u. Ko., als deren Gesellschafter er eingetragen war, aus und ebenso aus den Auf- stchtSräthen einiger Gesellschaften, denen er an­gehörte.

+ Do« Kerrrr von Miquel erscheinen gegenwärtig Nachrichten in der Presse, die recht wundersam berühren. Herr von Miquel soll, so behauptet (wie, schon milgetheikt) der Eine, in Thränen anSgebrochen sein, als Geheimrath von Wilmowski ihm die Botschaft deS Reichs­kanzlers überbrachte, daß dieser ein Abschiedsgesuch beim Kaiser befürworten wolle. Einer anderen Meldung zufolge ;oll es Herrn von Miquel kaum möglich geworden sein, feine innerliche Erschütte­rung z» ve.berge», als er seinen Nachfolger, den Freiherr» von Rvk-lnbaben, im Finanzministerium einführte. Dem Charakter des Herrn von Miquel entspricht diese außerordentliche Gemüthsweichheit gar nicht; man weiß eigentlich nicht, warum und mit welchem Rechte diese Rührseligkeit iym nach- gesagt wird. Noch niemals hat man gehört, daß Herr Johannes von Miquel das Auftreten einer höher» Tochter hatte. Außerdem muß er doch schon vorher auf seinen Rücktritt vorbereitet ge­wesen sei»; sonst hätte er daS Haus in Frankfurt nicht gemiethet!

* Die Zahl der preußische« Wt«tffer a. J». hat durch de» jüngsten Ministerwechsel eine wesentliche Bereicherung erfahren. An der Spitze der inaktiven Rätde der Krone steht der gewesene Reichskanzler Fürst Hohenlohe, zu­gleich der Senior der Schaar. Seine Kollegen a. D. find vier Minister bezw. Staatssekretäre des Innern, und zwar der ehemalige Vizeprä- fident des Staatsministeriums v. Bötticher jetzt Oberpräsident der Provinz Sachsen, Graf Botho Eulenburg, der gegenwärtige Over- Präsident von Schleswig-Holstein o. Köller

dächtig, daß sie ein geheimnißvolles Dunkel walten ließ über die Weise, wie diese „Schenkung" stott- gefunden. Es gab da Widersprüche, Unwahrhaftig­keiten, kleine Lücken. Schade, daß die Sache, je Näheres er darüber zu erfahren suchte, um so weniger reinlich sich ausnahm.

Als schließlich Stephanie stockend erwähnte: eines der Papiere habe verkauft werden müssen, und bas schiene Anlaß zu Unannehmlichkeiten zu geben, da die Gerichte sich einmischten, schnellte Netzer empor. Die Augen, die er bisher gesenkt gehalten, mit durchdringendem Blick auf Stephanie richtend, sagte er: „Oho! das klingt recht bedenk­lich; da muß was Besonderes dahinter stecken."

„Was kann man in diesem Falle thun?" fragte Stephanie beklommen.

„Was? Das ist schwer zu sagen. Sie sprachen von einer Liste, die sich gesunden. Sollte die Eine die Liste haben, die andere die Papiere, so wird Erstere behaupten . . ."

„Ich weiß, ich weiß", unterbrach Stephanie, erröthend trotz ihrer ehernen Stiine. „Wäre es nicht das beste, man vertraute die Papiere einem sicheren Freunde an? . . ."

„Das ließe sich vielleicht hören, indessen .. ."

Rasch war sie aufgesprungen: „Die beklagens- werthe Frau, von der ich sprach, hat in ihrer Noth sich an mich gewendet. Die Papiere sind hier. Darf ich sie Ihnen anvertrauen?"

„Um Alles in der Welt nicht!" rief er mit beiden Händen abwehrend. „Was sollte ich damit beginnen? Mich an den Galgen bringen?"

„Jst's so schlimm?" fragte sie weinerlich. „Wenn die Papiere doch geschenkt sind?"

und Freiherr v. d. Recke. 2 frühere Staats­sekretäre deS Auswärtige» Amtes Fürst Herbert B i S m a r ck und der Botschafter in Konstantinopel Freiherr Marschall v. Bieberstein. Ferner 3 Kultusminister Dr. v. Goßler, Oberpräfident von Weflpreußen, Graf von Z ed l i tz-T r ü tz! H ter, Oberpräsident von Hessen und Dr. Bosse. Drei verflossene Handelsminister v. Hofmann, Freiherr v. Berlepsch und Brefeldrdrei ge­wesene Landwirthsschastsminlster, v. Lucins- Ballhansen, v. Heyden und v. Hämmer­st ein-Loxten. Außerdem als einzige Vertreter ihres Amtes der Staatsminister a. D. Delbrück, Minister ohne Portefeuille in den Jahren 1868 bis 1876, der ehemalige Justizminister v. Schel- ling, Finanzminister a. D. Scholz und als Letzter der ^-Finanzminlster v. Miquel.

♦ Der Kaiser hat eine neue NeKkei- drmgsordrmrrg genehmigt, deren erster The l die Vorschriften für die Bekleidungswirthschast der Truppen im Frieden und im Kriege enthaltend, soeben an die Truppentheile veraus­gabt und für den Verkauf im Buchhandel frei­gegeben wurde. Aus dem Inhalte dieser Vor­schrift geht hervor, daß an eine durchgreifende Umänderung der Uniformirung des HeereS in absehbarer Zeit nicht zu denken ist und die in jüngster Zett angeordneten Veränderungen sich ausschließlich auf die Truppen deS ost- asiatischen Expeditionskorps bezogen haben. Die neue Bekleidungsordnung, die als Neudruck 1901 bezeichnet wird, enthält auch den gefammten Wirthschaftsbetrieb der Truppen im Frieden wie während der Dauer der mobilen Verhältnisse und zwar hierfür sowohl bei den Feldtruppen, als auch bei deren Ersatztruppe» und sonstigen Kriegsformationen. Ebenso gelangt auch daS Bekleidungswesen vom Eintritt der Demobtl- machung biS zum Wiederbeginn der Friedens- wirthschaft zur Behandlung und in zahlreichen Beilage» find die Etatspreise, Friedens- und Kriegstragezeiten der BekleidungS- und ^Aus­rüstungsstücke usw. angegeben. (Die längste Tragezeit hat ein Haarbufch, der freilich nur für den Frieden bestimmt ist, dafür aber auch 40 Jahre halten muß; ein Paar Steigbügel brauchen im Frieden dagegen nur 35 Jahre auS- zuhalten und im Kriege nur 10 Jahre ) Der 8 »eite Theil der Bekleidungsordnung, der die Vorschriften für die Beschassevheit und Unter­scheidungszeichen der Bekleidung und Ausrüstung der Mannschaften enthält, wird auch bald einem Neudruck unterzogen werde» müssen, da m dieser Beziehung wesentliche Aenderungen gegen srüher eingetreten und ganz neue Uniformen, wie für Meldereiter, Maschinengewehrsoldaten usw., zur Einführung gelangt find.

X Kiserröahusrage«. Nun hat auch der württembergische Verkehrsminister Freiherr von Soden in der württembergischen Zweiten Kammer über die schwebenden Eisenbahnfragen sich aus­gesprochen. Das ist in der Weise geschehen, daß man daraus ersieht, wie vollkommen unberechtigt die kürzlich ausgesprochenen Gerüchte sind von an­geblich bestehenden Absichten, einen Anschluß Württemberg» an die preußisch-hessische Eisenbahn­gemeinschaft herbeizuführen. Herr Frhr. von ©oben hat es unmittelbar al» ausgeschlossen bezeichnet, daß Württemberg einen solchen Anschluß suche.

„Heber so war müßte man schriftliche Be­stätigung haben. Nein, das wäre ein zu gefähr­liches Gut." Er trat an sie heran, sah ihr in die Augen, faßte ihre Hand und küßte dieselbe. „Aller thäte ich für Sie, Alles, nur nicht mich einsperren lassen."

„Für mich? Ich bin'» ja nicht."

„Schon recht; die Freundin. Für die erst recht nicht."

„Was thun also?"

„Die Papiere zurückstellen an die Eigen- thümerin ... an diejenige, die sie beansprucht. Oder... sie verschwinden lassen . . . beide» bald, möglichst bald. Wo ist denn der Herr Hofrath?"

„Er ist ... er ist . . ." Sie zögerte mit der Antwort.

„Aha! . . . Nur keine Zeit verlieren. Ich gehe. In Allem rechnen Sie auf mich, nur in diesem Falle nicht."

„Benachrichtigen Sie Carneri, daß Anna heute nicht singen kann!" rief sie Ihm nach. ,

Er nickte, und war verschwunden. Stephame, allein geblieben, ging rasch zu ihren Kindern. Sie befahl Anna, anstatt des Stubenmädchens die Schwestern nach dem Institut zu bringen, das sie als Externe besuchten, und benachrichtigte sie zu­gleich, daß die heutige Wiederholung der Sylvana abgesagt sei. Darauf ging sie nach ihrem Zimmer zurück, verschloß die Thüre, und riß hastig die Schublade auf, in welcher sie die Papiere ver­wahrte. Da lagen sie, für welche sie Ehre und guten Namen gewagt, — und nun waren sie ihr nicht mehr werth, als eben so viele dürre Blätter.