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"ÄSSSTÄ"' mit Zlnierhattungs -Beilage „Muflrirte Sonntags-Zeitung"
Druck und Verlag der Suldacr Actieudruckerei peterrgaye llr. 2 (Larmoniet.
MuLöa, Samstag, den 1L Mai 1901.
M 108.
28. Jahrgang.
D^Arveites g&M-.....— ________________-______________
Wochen-Wunöfchau.
(Nachdruck verboten.)
X Fulda, 11. Mai.
„Nur keine inneren Krisen" — sollte Graf Bülow gesagt haben, als er Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident wurde. Das Wort klang eigentlich sonderbar; denn auch der allerstärkste und allergewandteste Minister ist nicht für alle Fälle gewappnet gegen aufsteigende Krisen und schädlichen Krisen muß er zu Leibe gehen, mag es nun kommen, wie es wolle. Nun wird durch eine halbamtliche Feder der Welt verkündet, daß Graf Bülow dieses Wort nie gesprochen habe; freilich gerade jetzt mag es ihm unbequem gewesen sein, als der Urheber desselben angesehen zu werden, denn jetzt trat eben wieder ein solcher Fall ein, in dem sich die innere Krise durchaus nicht vermeiden ließ. Und neben den preußischen Ministern Brefeld und Frei herrn von Hamm er stein ist kein Geringerer als Herr Johannes von Miquel, der ebenfalls aus seinem Ministerpalais in Berlin scheidet. Herr von Miquel hat das nicht freiwillig gethan. Bor einem Jahre hatte er den Kaiser gebeten, ihn aus dem Amte zu entlassen. Aber damals hatte der Kaiser ihn mit schmeichelhaften Worten darum ersucht, zu bleiben. Jetzt war die Sache umgekehrt. Der Geheime Rath von Wil- monski, der Leiter der Reichskanzlei, ist bei Herrn von Miquel erschienen und hat ihn in liebenswürdigen Ausdrücken davon unterrichtet, daß der Reichskanzler nun nicht mehr abgeneigt sein würde, ein von ihm eingereichtes Entlassungsgesuch zu befürworten. In einem Ministerrathe, der kurz vorher stattgefunden hatte, war mit keinem Worte von einem Wechsel in den leitenden Persönlichkeiten die Rede gewesen. Herr von Miquel ist also ganz augenscheinlich gründlichst durch die Botschaft des GeheimrathS von Wilmonski überrascht worden. Es soll eine Zeit gegeben haben, in der er gern einem Andern ein Bein gestellt hätte und selbst Reichskanzler geworden wäre. Nunmehr kann er über die alte Wahrheit des Sprüchleins nachdenken: Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Daß die Regierung ein Ende machen wollte mit der Kanal Vorlage im preußischen Landtage, war eingeweihten Leuten schon seit mehreren Tagen bekannt. Aber die Art, in der diese Absicht ausgeführt wurde, hat im Allgemeinen doch sehr überrascht. An einen so plötzlichen Schluß der Tagung des Landtages hat man nicht gedacht, eher daran, daß die Regierung die Kanalvorlage mit irgend einer kräftigen Kundgebung zurückziehen würde. Die ganze Förmlichkeit der Schließung des Landtages dauerte keine Viertelstunde. Begründet wurde sie durch den Grafen Bülow mit dem Hinweise darauf, daß unter den obwaltenden Umständen an eine ersprießliche Behandlung der Kanalvorlage nicht zu denken sei. Und dennoch kann man nicht sagen, daß die Kanal- kommission des Abgeordnetenhauses die Berathung der Kanalvorlage verschleppt habe. Bei anderen, viel weniger wichtiger und kostspieligen Vorlagen haben die zur Vorberathung eingesetzten parlamentarischen Kommissionen viel mehr Sitzungen abgehalten. Aber daran war ja freilich nicht zu denken, daß die Kanalvorlage auch nur annähernd in der von der Regierung cingebrachten Form Annahme finden konnte. Die Regierung that also nur klug daran, die aussichtslose Vorlage zu beseitigen — vermuth- lich auf recht lange Zeit!
Es würde indessen ein Jrrthum sein, wenn man annehmen wollte, daß die drei preußischen Minister ihr Ende allein durch den Kanal gefunden hätten. Graf Bülow hat, als er seine hohen Aemter übernahm, verküadet, er wolle auf jeden Fall Einheit und feste Geschlossenheit innerhalb der Berliner Regierung herbeiführen; und die Ausführung dieser Absicht ist haupisächliche Triebfeder für sein Vorgehen und für die Entlassung der drei Minister gewesen. Die Kanalwirren gaben dabei die nicht unpassende Staffage ab, eine» Hintergrund von dem die Welt annehmen konnte, daß er eigentlich der Vordergrund sei.
Herr v. Miquel ist im preußischen Finanzministerium durch Freiherrn von Rheinbaden ersetzt worden, bisher Minister des Innern, dessen Fähigkeiten damit auf eine starke Probe gestellt werden. Aber freilich ist ihm durch Herrn von Miquel großartig vorgearbeitet worden; denn man mag von ihm sagen, was man wolle — ein Finanzminster ist er gewesen der seines Gleichen sucht. Freiherr v,n Rheinbaben hat zum Nachfolger den Frei- herrn von Hammerstein bekommen, der bisher Bezirkspräsident in Metz war. Diese Ernennung erregt insofern einiges Aussehen, als, Freiherr von Hammerstein, ein Hannoveraner von Geburt, nur Dier Jahre als ganz junger Beamter in preußischen Diensten stand und seit 1871 in der Verwaltung von Älsaß-Lothringen ihätig war. Man sagt, daß er persönlich dem Kaiser und dem Reichskanzler nahe stehe. Der andere Freiherr von Hammerstein, der bisher preußischer Landwirthschaftsminister war und ne» aus dem Amte scheidet, macht Herr» von Pod- bielski Platz, dem bisherigen Staatssekretär des Reichspostamtes, und an die Stelle des Herrn Brefeld tritt als preußischer Handelsminister der Geheime Kommerzienrath Möller, als national- liberaler Parlamentarier und Vertreter des Wahlkreises Duisburg. Herr Möller hat niemals das
Hauptgewicht gelegt auf das Wörtchen „liberal" in der Bezeichnung der politischen Partei, der er bisher angehörte. Im übrigen müssen wir abwarten, was die neuen Männer als Minister thun werden, und sie erst danach beurtheilen.
Das Reichspostamt hat als neues Oberhaupt den Geheimen Rath K r a e t k e erhalten, bisher Direktor der ersten Abtheilung des Reichspostamtes, einen tüchtigen und welterfahrenen Fachmann, zu dem man das Reichspostamt beglückwünschen kann.
Das wichtigste Ereigniß dieser Woche im R e i ch s- tage ist die Annahme des Centrumsantrages auf Gewährung von Tagegeldern an die Reichstagsmitglieder mit der stattlichen Mehrheit von 185 gegen 40 Stimmen. Nur die Konservativen und ein Theil der Freikonservativen stimmten gegen den Antrag; und eine Minderheit der Konservativen würde auch sehr gern dafür gestimmt haben, wenn es der Parteileitung nicht darauf angekommen wäre, eine geschlossene Ablehnung des Antrages durch die Konservativen herbeizuführen. Einige äußere Gründe von nebensächlicher Bedeutung dienten als Vorwand. Man ersieht daraus von neuem, daß der Gedanke der Zahlung von Diäten immer mehr Freunde gewinnt. Wer hätte früher gedacht, daß so bald die Zeit kommen werde, in der auch die konservative Partei nur noch künstlich zusammen gehalten werden kann in der Ablehnung dieser Diätenzahlung.
Im übrigen macht jetzt der Reichstag schnelle Arbeit. Hervorzuheben ist namentlich die endgiltige Annahme der Novelle zum W e i n g e s e tz e, die allerdings wieder einmal nur auf dem Wege des Kompromisses zu Stande kam, nach derberem Ausdrucke: des „Kuhhandels". Die Winzer betrachten das Weingesetz in dieser Form nur als eine Abschlagszahlung, worauf sowohl mehrere Centrumsredner als auch.der Abg. Dr. Roesike-Kaisers- lautern vom Bunde der Landwirthe sehr nachdrücklich hinwiesen. Am 14. Mai wird der Reichstag bis zum 26. November vertagt.
Eine wichtige Verordnung hat der Kaiser genehmigt, nämlich eine Verordnung über die Ehrengerichte der Militärärzte im preußischen Heere. Diese Verordnung soll mit dem bevorstehenden 1. Juli in Kraft treten, so daß die Wahlen zum Ehrenrath und Ehrengericht im Monat Juni stattfinden müssen. Die Verordnung selbst wird noch geheim gehalten und hängt ohne Zweifel mit dem traurigen Falle in Mörchingen zusammen. Die Verordnung mag gut gemeint sein; ab>r leider ist ja nicht zu erwarten, daß sie sich auf den einzig richtigen und einzig christlichen Standpunkt der grundsätzlichen Ver- urtheilung des Zweikampfes stellen werde. Im Gegensätze zu diesen Anschauungen bei der bewaffneten Macht gewinnt immer mehr an Bedeutung eine jüngst entstandene Bewegung gegen die Duelle, die diese letzteren grundsätzlich als einen Verstoß gegen göttliche und menschliche Gebote verwirft. Die Bewegung ist international und wird hoffentlich gute Früchte tragen.
Leider macht auch die kirchenfeindlicheBe- wegung starke Fortschritte. In Spanien wird gegenwärtig wenig davon gesprochen; aber daraus ist durchaus nicht der Schluß zu ziehen, daß die Bewegung im Einschlafen begriffen sei. In Spanien bringt Die Regierung, die gerade am Ruder ist, fast immer eine ihr gefällige Mehrheit in der Kammer. Auch dem neuen liberalen Ministeriuin des Herrn Sagasta wird sie nicht fehlen; und wenn das spanische Parlament seine Berathungen wieder aufgenommen haben wird, wird men wohl nur zu bald sehen, was Sagasta thun wird, um sich gute Freunde in dem Leger der Kirchenfeinde zu machen. In Frankreich wird in diesen Tagen der Senat mit der Berathung des Gesetzes gegen die Orden und Kongregationen sich zu beschäftigen haben. Sogar auf den Phtlippinen-Jnseln gibt es Streit um Krrchengüter. Die Vereinigten Staaten von Amerika, seit der Gefangennahme Aguinaldo's wirklich Herren der Insel, wollen alle Besitzungen der Klöster ohne weiteres einziehen, wogegen der Vatikan natürlich Verwahrung einlegt. Die Auseinandersetzungen darüber find noch nicht beendet.
Bon nihilistischen Umtrieben ist wieder einmal in Rußland die Rede. Man erzählt von der Beschlagnahme gefährlicher Kisten, die oben Apfelsinen enthalten, unten aber Sprengmittel und Revolver bergen, von der Auffindung umfassender Waffenlager, von revolutionären Gruppen, die von ausländischen Städten, namentlich von Paris und London her Verschwörungen im Zarenreiche anzetteln. Die politische Polizei und die Gendarmerie erhalten angeblich nur noch mündliche Unterweisungen, damit nicht etwa schriftliche Anordnungen in unrechte Hände gelangen und ein Hilfsmittel werden für gefährliche Anschläge — kurz und gut, wenn nur ein Theil wahr ist von den Berichten, die von Rußland her in ausländische Blätter gelangen, dann müßte es im Zaren- rriche wieder einmal höchst ungemüthlich aussehen.
In diesem Jahre will das Zarenpaar größere Reisen unternehmen, und zwar soll in Aussicht genommen sein eine Reise von Rußland über Dänemark »ach Wien und höchst wahrscheinlich auch nach England. Schon damals, als Kaiser Wilhelm in England weilte nach dem Tode der Königin Viktoria, verlautete gerüchtweise, es sei ein gemeinschaftlicher Besuch des Kaisers und des Zaren in England für den Spätsommer oder Frühherbst verabredet worden.
Der Ausstand der französischen Bergarbeiter im Bezirk von Montreau-les-Mines ist nunmehr als vollkommen beendet anzusehen. Ans dem Generalstreik wird natürlich erst recht nichts, aber innerhalb der französischen Sozialdemokratie ist ein geradezu wüster Streik entbrannt. Namentlich die sozialdemokratischen Abgeordneten Basly und La
me» d in müssen die gemeinsten Beschimpfungen über sich ergehen lassen, weil sie hauptsächlich es waren, die bei dem Grubenarbeitertage in Ens den Beschluß der Veranstaltung eines allgemeinen Ausstandes Hintertrieben.
Nichts Neues von Bedeutung aus Südafrika und Ostasien!
G Liberale Mißerfolge in Spanien.
Als noch die Konservativen zuerst mit Sil- mla und dann mit dem Ministerpräsidenten Azcarraga in Spanien am Ruder waren, riesen die Liberalen Ach und Weh über die Maßregeln, die die konservative Regierung traf. Namentlich die m hrfach verfügte Aufhebung der ver- faffungsmäßigen Freiheiten wurde von den L beraten und ihren JÖrganen scharf getadelt. Jetzt aber thut das liberale Robinet des Herrn Sagasta ganz genau dasselbe, was ehedem an den konservativen Regierungen verurtheilt wurde.
Am nächsten Sonntag sollen in ganz Spanien die Neuwahlen zum Parlament stattfiuden. In Spanien verfügt die Regierung über einen Wahlapparat, der bisher noch niemals versagt hat; und es ist ganz gleich, ob die Regierung konservativ oder liberal sich nennt, der Apparat wird in Bewegung gesetzt. Die Liberalen vergewaltigen die freie Entwickelung der Wahlen ganz genau ebenso wie die Konservativen und pflegen dabei noch erheblich rücksichtsloser und herrschsüchtiger vorzugehen. Aber in dem ewig unruhigen Barcelona will man von den Liberalen in Madrid ebenso wenig wissen wie von den Konservativen und dort verfängt die Wahlpolitik der Regierung nicht. Die Republikaner und Separatisten, also die Leute, die aus Katalonien einen eigenen Staat für sich machen möchten, so etwa wie die radikalen Tschechen in Böhmen, haben alle Aussicht darauf, bei den Wahlen zu siege», und ein solches Fehlschlagen ihrer Wahlbeeivflaffuugen können auch die spanischen Liberalen nicht vertragen. Da der Gouverneur telegraphrrte, er sei den Volksbewegungen gegenüber ohnmächtig, verfügte nunmehr auch der Ministerpräsident Sagasta von neuem die Aufhebung der ver- faffungSmäßigen Freihesten; und der KriegS- minister hat kurz und bündig die Erklärung abgegeben, die Rufe „Nieder mit Kastilien" würden von der bewaffneten Macht mit dem Schwerte in der Hand beantwortet werden.
Es sieht freilich schlimm aus in Barcelona. Die Bewegung begann mit einem Ausstande der Straßenbahnangestellten. Man weiß nicht, ob die politische Bewegung eine selbständig entstandene Lohnbewegung benutzte, oder ob diese letztere erst von den Gegnern einer spanische» Centralregierung hervorgerufen wurde. Jedenfalls singen dte erneuten Unuuhrn mit diesem StraßenbahnerauSstande an, und allmählich haben sie einen höchst gefährlichen Charakter angenommen. In den Straßen der fatalem» schen Hauptstadt Barcelona kämpfen Soldat:n und Bürger; Frauen helfen den Männer» in ihrem Widerstande gegen die bewaffnete Macht und nach den letzten Nachrichten darüber hat es den Anschein, als wollte die ganze Provinz Katalonien an der Aufstandsbewegn»g sich be- thrüigen. Niemand kann wissen, ob nicht die Republikaner in ganz Spanien mit ihren katatonischen Gesinnungsgenossen unversehens gemeinsame Sache machen werden, und auf jeden Fall steht eS unter dem liberalen Ministerium Sagasta in Katalonien »och erheblich schlimmer auS, als unter den letzten konservativen Kabinetten Silvela und Azcarraga. Man braucht fich nicht wundern, wenn Herr Sagasta mit seiner Politik recht bald wieder abzewirth- schäftet haben würde.
Nermifchte»»
(*) Kleine Htachrichte«. Meide rich. Auf dem Erzlaßer der hiesigen rheinischen Stahlwerke find zwei jnnge Leute verun glückt. Dem einen wurde ein Vein abgefahren, der andere gerieth zwischen zwei Wagen und wurde so schwer verletzt, daß er gestern Mittag gestorben ist. — Lüdenscheid. In einer vom Bürgermeister $t; Jockusch einberufeneu Bürger- versammlnng wurde der Bau einer städtischen Badeanstalt beschlossen. Ein Bürger unserer Stadt hat für diesen Zweck 30000 Mark geschenkt; weitere erhebliche Unterstützungen stehen noch in Aussicht. — Leipzig Das Reich S gericht verwarf die Revision des Bankiers Cahu-Deffau, der vom Schwurgericht am I. Mai zu 7 Jahren Zuchthaus wegen Bankerott und Depotunterschlagung verurtbeitt worden war. — toten Bom Kreisgerichte in Ried wurde, wie daS .Vaterland' berichtet, der 24jährige Symnastatschüler Hugo Lindenthal, der bei der Kommunion dte Hostie nicht geschluckt, sondern in sein Schnupftuch gespuckt und sie später einigen Kameraden gezeigt hatte, zu sechs Monaten Kerker verurtherlt. Er er klärte in der Brrhandlung, er habe keinen Glauben und sei mit den Dogmen der Kirche nicht einverstanden. Der Tragweite feiner Handlung jei er sich voll bewußt gewesen. Eine Frucht der in Oesterreich daruieder- liegenden religiösen Erziehung. — Ein hier hoch
gelassener Militär-Ballon landete nach einer überaus stürmischen Fahrt beim Dorfe Teschen unweit Troppau unter großen Schwierigkeiten. Der Ballon warf mehrere Kamine um und beschädigte Dächer und Bäume, biS der Korb.in einer Telegraphenleitung hängen blieb, worauf sich die Offiziere retten konnten. Die Leutnants Zeller und Pronay erlitten schwere Berletzungen. — Aus der Schweiz. BonderJung- fraubahn sind nunmehr noch 800 Meter Tunnel bis zur Station Grindelwaldblick zu bohren. Diese Strecke soll innerhalb Jahresfrist vollendet werden. — Antwerpen. Der deutsche Dampfer „Sevilla" mit einer Ladung von 7000 Tonnen Elsen ist beim Verlassen des hiesigen Hafens gescheitert. ES wird befürchtet, daß das Schiff in zwei Theile zerbrochen ist. — Wien Der Domkapellmeister von St. Stephan, der Komponist Gottfried Preyer, ist, 94 Jahre alt, gestorben.
* Ki« satirischer Windstoß DaS .Magasin Pittoresque' erzählt eine hübsche Geschichte aus der Zeit, da Napoleon III. noch Präsident war. Auf der Reife nach dem südlichen Frankreich, die er 1852 unternahm, um die Bevölkerung für das Kaiser- thum zu gewinnen, kam er auch nach Bordeaux. Dort waren große Vorbereitungen für seinen Empfang getroffen worden. Der Präfekt hatte unter Anderem auch eine Triumphpforte errichten lassen, aus deren Höhe ein Genius mit einem Lorbeerkranz stand, der die Aufschrift trug: „Er verdient ihn". Der Lorbeerkran, sollte sich in dem Momente senken, in welchem Napoleon den Triumphbogen passirte. Nau erhob sich wenige Augenblicke, bevor Napoleon eintraf, ent heftiger Wind und riß de» Lorbeerkrauz herab, so daß, als Napoleon kam, nur der Strick, mit welchem der Kranz befestigt war, übrig blieb und daneben dte Aufschrift: „Er verdient ihn." , .
* Klinik gegen Kleptomanie. Man muß seine Zeit verstehen, sagte sich ein Pariser Arzt und gründete eine Klinik zur Heilung der Kleptomanie. In den üppigen Kaufläden und riesigen Waarenhäusern können Frauen oft der Versuchung nicht widerstehen, kleinere Gegenstände, die ihnen in die Augen stechen, zu stehlen. Die Geschäftsinhaber suchen Aussehen zu vermeiden, legen den erwischten Damen eine Geldbuße auf und lassen sie eine Erklärung abgeben. Den Familien aber ist es um ihren Ruf zu thun, sie wollen deshalb die Stehlsucht als Krankheit behandelt und gehellt wissen. Die jetzt herrschende Schule, welche durch sogenannte sympathische Mittel zu heilen sucht, fand hier ein besonderes Feld ihrer Thätigkejt. , Daher die Fachärzte für Kleptomanie. Bei dem Besitzer der gedachten Klinik trat vor kurzem ein Herr mit Frau und Tochter ein, um dem Arzt im Vertrauen die Heilung seiner Tochter anzuempfehlen, indem er sofort den Preis, 500 Frcs., erlegte. Die Tochter kam am folgende» Morgen mit ihrer Kammerfrau und wurde nach der Untersuchung vom Arzt in ein Zimmer gebracht, das sie vor vollständiger Heilung nicht verlassen sollte. Zwei Tage darauf kam der Arzt nach mehrstündigem Ausgang Abends zurück, fand aber die junge Dame nicht mehr. In seinem Arbeitszimmer war das P»lt erbrochen und seines Inhaltes, 23000 Frcs. beraubt. Der Arzt eilte zu dem elterlichen Hause der jungen Dame und wurde auch sofort von dem Marquis empfangen. Aber derselbe hatte nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Herrn, der ihm seine heilbe- dürftige Tochter anvertraut hatte. Der Gauner hatte den Namen des Marquis mißbraucht, um eine gut abgerichtete Diebin in das Haus des Arztes zu bringen.
• Kein« (Seef*r. Der < etunbaner Karl Möller kommt in der Lateinstunde bei Ordinarius, dir bett Vormittag beginnt, zu spät „Entschuldigen Sie, Herr Professor", sagte der Sekundaner. „Ich habe heute stütz ein kleines Brüderchen bekommen." — Der Ordinarit^ sieht ihn über die Brille an und nickt: „Ja, ja, ich wußte es, daß Sie nicht genügten!"
Gottesdienstordnung in Fulda.
Sonntag, 12. ,Mai. Kam. 5, « und 7 Uhr hl. Messen */«7 Uhr heil. Messe und Kommunion der christenlehrpslichtigen Jungfrauen in der Martenkapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt. ' >10 Uhr hl. Messe und nach derselben Predigt des Hochwürdigste» Herrn Bischofs und Firmung. 12 Uhr hl.- Messe, 4 Uhr Prozession aus den Frauenberg, 7 Uhr Predigt und Herz Maria-Btuderschast in der Marienkapelle. — zstadtpforrkirchr. 6 Uhr hl. Messe und Predigt, « und 7 Uyr hl. Messen, 8 Uhr hl. Messe und Predige, 9l/> Uhr Amt und Predigt, 11 Uhr Eqriitentehre, l1/« Uhr Prozession auf den Frauenberg, 8 Uhr Abends Maiandacht. — Pfarrkirche flun hUSetste. 8 Uhr Hochamt mit Predigt, 5 Uhr Andacht mit Seg- n. — Frauenberg. 6 Uhr hl. Messe mit Maiandacht, '/-« und */>7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Rosenkranzmefie, 9 Uhr Hochamt, Z Uhr Andacht für die Bittprozession der Stadtpfarrei, 1/>B Uhr Andacht für die Bittprozeffion der Dom- psarrei.
Hoangekischer Hotteodienst. Bonn. 8 Uhr: Herr Pfarrer EhringhauS. Bonn. »*,> Uhr: Herr Pfarrer Hattendorf.
3teflei»8n» mrd A«reigeutheU.
Spazierstöcke, stets Nevhtilen.
Casieler Lchirmfckbrik,
Fulda, Butter markt 14.
Landeahut(SchL) Berlin
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