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*" für liiCT«k 3. Pa-L-tt" tu Sutda. mit UnterHaltungs-Anlage „ILluArirte Sonntags-Zeitung"

108. JuLöa, Samstag, den 11. Mai 1901. 28. Jahrgang.

* Der Toleranzantrag des Centrums ist gestern von der Kommission des Reichs­tags in seiner ersten Hälfte, welche die Religionsfreiheit der einzelnen Reichs­angehörigen betrifft, in zweiter Lesung mit allen gegen drei Stimmen in folgender Fassung angenommen worden:

§ 1. Jedem ReichSangehörigen steht innerhalb deS Reichsgebiets volle Freiheit deS religiösen Bekenntnisses, der Bereinigung gu Religions­gemeinschaften, sowie der gemeinsamen häuslichen und öffentlichen Religionsübung gu.

Den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten darf durch die Ausübung der Religionsfreiheit kein Ab­bruch geschehen.

§ 2. Für die Bestimmung deS religiösen Be­kenntnisses, in welchem ein Kind erzogen wer­den soll, ist die Vereinbarung der Eltern maß­gebend, welche jederzeit vor oder nach Eingehung der Ehe getroffen werden kann. Die Vereinbarung ist auch nach dem Tode des einen oder beider Elterntheile zu befolgen.

§ 2a. In Ermangelung einer Verein­barung derEltern gelten für dir Bestimmung deS religiösen Bekenntnisses, soweit nicht nach­folgend ein anderes vorgeschriebe» ist, die V o r s ch r i f t e n des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Sorge für die Person deS Kindes.

Steht dem Vater oder der Mutter das Recht und die Pflicht, für die Person des KindeS zu sorgen, neben einem dem Kinde bestellten Vormund ober Pfleger zu, so geht bet einer Meinungsverschiedenheit über die Bestimmung deS religiösen BekenntnifleS, in w lchem daS Kind zu erziehen ist, die Meinung des BaterS ober der Mutter vor.

Das religiöse Bckenntniß bes KindeS kann weder von dem Vormund, noch von dem Pfleger geändert werden.

§ 2 b. Gegen den Willen der Erziehungsbe­rechtigten darf ein Kind nicht zur Theilnahme an dem Religionsunterricht oder Gottes­dienst einer anderen Religionsgemeinschaft angehalten werden, alS eS den in § 2 und 2 a getroffenen Bestimmungen entspricht.

§ 2c. Nach beendetem vierzehnten Lebens­jahre steht dem Kinde die Entscheidung über sein religiöses Bekenntniß zu.

§ 3. Der Austritt auS einer Religions­gemeinschaft mit bürgerlicher Wirkung erfolgt durch ausdrückliche Erklärung deS AuStretenden gegenüber der Religionsgemeinschaft.

Die Erklärung ist an das Amtsgericht deS Wohn. ortS abzugeben; daS Amtsgericht hat die zuständige Behörde der Religionsgemeinschaft hiervon inLenntniß zu setzen. Die Erklärung kann schriftlich in beglaubigter Form abgegeben werden.

lieber bett Empfang der Erklärung ist eine Be­scheinigung zu ertheilen.

Das Verfahren ist kosten- und stempelfrei. '

§ 4. Die Abgabe der AuStrittSerklärung bewirkt, daß die Ausgetretenen gu Leistungen, welche auf der Zugehörigkeit der Religionsgemeinschaft beruhen, nicht mehr verpflichtet werden.

Leiltungen, welche kraft besonderen RechtStitelS auf bestimmten Grundstücken haften ober doch von allen Grundstücken einer gewiffrn Klaffe in dem Bezirk ohne Unterschied deS Besitzes zu entrichten sind, werden durch AuStrittSerklärung nicht berührt.

§ 4a . Niemand kann zu Leistungen an eine Religionsg emeinschaft, der er nicht angehört, herangezogen werden, wenn n,cht ein gemeinschaftlicher Genuß ober ein besonderer Rechtsvertrag besteht.

Mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Reichstags habe» die CentrumSmitglieder der Kommission bekanntlich auf die Berathung des «SSS^MSSSSSSSSS»SSSSSMSS»»S«

Roman aus dem Wiener Leben.

Von L. v. N e i d e g g.

------ (Nachdruck verboten.)

„Gestohlen?" beendete sie gelassen. „Nein. -Gmber'S Testament setzte uns in Besitz des ganzen Vermögens; rechtlich war ja unser, waS lein gehörte. Ich griff nur nach einem Ersatz, den Pepi, besäße sie einen Funken von Gerechtig­keit, unS fteiwtllig hätte anbieten müffen. Wäre Ich in den letzten Stunden zum Kranken gelaffen worden, er hätte mein Recht darauf anerkannt. Bei ihr finde ich er freilich nicht."

„Wohl bei niemand. O, was hast Du ge- thanl wys hast Du gethan!" rief Buschmann verzwriflungsooll. Gib die Papiere her uno so­gleich. Ich bringe sie Pepi zurück.

Mit beiden Armen schob sie ihn fort: „Um keinen Preis! Damit eS hieße. Du habest fie gestohlen und dann reuig das Geraubte erstattet. Es wäre Dein Untergang, Du kämest um Ehr' und Reputation uno wir um daS Geld. Die Papiere bleiben hier liegen, bis die Geschichte vergessen ist; dann reise ich in's Ausland und verkaufe fir dort. Das ist das sicherste. Netzer, der «in kluger Geschäftsmann ist, hat mir das angegeben, als ich andeutungsweise, indem ich mich stellte, als handele es sich um Wildfremde, die Sache erwähnte."

„Laß daS Geschwätz und gib mir die Papiere." „Nem!"

zweiten Theiles des Toleranzantrags vorläufig verzichten müffen.

Mit der Abfaffung des schriftlichen Kommissionsberichts ist der Abgeordnete Dr. Pichler betraut worden, der diese Auf­gabe mit größtem Eifer und thunlichster Schnellig­keit erledigt hat. Der 65 Seiten umfassende Bericht konnte schon gestern der Kommission vorgelegt werden; die endgiltige Feststellung des Be­richts soll in einer heute stattfindenden Kom- missionSfltzung festgestellt werden. Der national­liberale Abgeordnete Dr. Hieber hat ferner an­geregt, daß die umfangreichen Materialien, die der Kommission zum Toleranzantrage unter­breitet worden sind, dem Kommissionsbericht bei­gegeben und so allen'ReichstagSabgeord- neten und überhaupt weiteren, insbesondere auch gelehrten Kreisen zugänglich gemacht werden. Wir können uns mit dieser Anregung durchaus einverstanden erklären und möchten dieselbe unserer­seits noch dahin ergänzen, daß von berufener Seite — wir haben dabei in erster Linie den Abg. Dr. Pichler im Auge — eine Broschüre verfaßt werde, welche den Toleranzantrag und die Kommissionsverhandlungen über denselben in einer übersichtlichen Darlegung den weitesten Bolkskreisen vermittelt. Hat doch sogar ein freisinniges Kom- misfionsmitglied, oer Abg. Dr. Schrader, gelegent­lich der Verhandlungen über den Toleranzantrag sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß diese sehr lehrreichen Verhandlungen nur vor dem kleinen Kreise von Kommisfionsmitgliedern statt­fänden.

Deutsches Deich»

Berlin, den 10. Mai.

X Am 13. d. M. begeht der Chefredak­teur der ,Germania' Aermsnn le« AriuK sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als katho­lischer Redakteur und Journalist. Der Jubilar ge­hört zu jenen begeisterten und hervorragend ver­anlagten katholischen Männern, welche beim Be­ginn des „Kulturkampfes" in den Dienst der katholischen Sache traten und mit unermüdlicher Thatkraft und großem Erfolge für die bedrohten Rechte des katholischen Volkes in der Presse eintraten. Herr ten Brink ist 1851 zu Epe in Westfalen geboren, absolvirte das Gymnasium in Münster und widmete sich alsdann in Berlin juristischen Studien. Nachdem er als Referendar und Assessor längere Zeit im Oberlandsgerichts­bezirk Hamm und Berlin thätig gewesen, trat er unter dem Einflüsse Nienkämpers und Ma- junkes, welche die außerordentlich gewandte Feder des jungen Juristen kennen und schätzen gelernt hatte», in den Dienst der CentrumSp reffe. Unter der Leitung des verstorbenen Stahl hatte ten Brink Gelegenheit, sich zu einem der hervor­ragendsten katholischen Journalisten auSzubilden. Ec gilt als einer der besten parlamentarischen Berichterstatter, seine WochemRundschau und Leitartikel, in klassisch-schönem Deutsch geschrieben, geben Zeugniß von einer seltenen historisch-philo­sophischen Durchbildung und einen sicheren poli­tischen Weitblick. I» eingeweihten Kreisen ist es kein Geh-imniß, daß in kritischen Zeitläuften, wie früher Stahl, jetzt ten Brink von den Führern

„Dann nehme ich fie mit Gewalt."

„Ja, nimm fie nur und stelle Dich blos; ich schiebe dann Alles auf Dich. Jawohl, steh' mich nur grimmig an, ich thue es. WeShalb Dich schonen? Hast Du mich etwa geschont? Als Du mich hetrathetest, faseltest Du von der glän­zenden Zukunst, die mich erwarte; nichts hast Du über mich gebracht, als Sorge und Angst .... Angst vor Gerichtsboten .... Angst vor Pfändung..."

„Angst vor dem Galgen fühlst Du aber nicht!"

Ihre Augen erglühten in dämonischen Lichte: „Bis jetzt brauchst nur Du solche zu empfinden. Du hast das Papier verkauft, nicht ich . . . ."

Mit geballter Faust ging er auf sie zu: „Niederträchtiges Weib! Absichtlich hast Du mich vorgeschoben!"

Erschrocken wich fie zurück: „Um SotteS- willen, bring' mich nicht um, Eduard . . .! Nein nein! Gewiß, ich hatte keine böse Absicht; eS traf sich zufällig so und nun . . . nun sind wir miteinander in der Sache verwickelt."

Seine erhobene Hand sank herab; die er« schlaffte Natur war zu kraftlos, um im Zorn zu verharren. „Und sind beide verloren," jammerte er. „Was nun beginnen?"

„Was? Die Dinge ihren Lauf gehen lassen. Anno, Deine Anno, hat einen Triumph erl-bt, den wollen wir ausnützen. Später, wenn alle Gefahr vorüber scheint, gehen wir ins Ausland, und heben dort den uns vor Gruber bestimmten Schatz."

Er fand nicht mehr den Muth, zu wider­sprechen, um so mehr, als ihre Behauptung, sich

der Centrumsfraktion zu Rathe gezogen und wegen seines praktischen Sinnes sehr hoch geschätzt wird. Seit 10 Jahren ist der Jubilar, der früher die parlamentarische Korrespondenz der CrntrumSpartei leitete, in der Redaktion der .Germania' thätig, die letzten 6 Jahre als Chef- Redakteur. Was er in die; er Stellung unter so schwierigen Berhältniffen geleistet hat, ist allge­mein bekannt und wird ebenso allgemein aner­kannt. Möge er der katholischen Sache, in deren Dienste er schon so viel geleistet hat, noch recht lange Jahre erhalten bleiben.

* Im preußische« Staaismiuisterium ist der Minister der öffentlichen Arbeiten v. Thielen da» bei weitem älteste Mitglied, was das Dienst­alter als Minister betrifft Herr v. Thielen ist am 22. Juni 1891 Minister geworden, gehört also dem Staatsministerium im nächsten Monat zehn Jahre an. Dann folgt der Justizminister Dr. Schönstedt, der seit dem 13. November 1894 Minister ist. Der Kriegsminister von Goßler ist bereits in die dritte Stelle aufgerückt; er bekleidet den Ministerposte» seit 14. August 1896. Als­dann folgt der Staatssekretär Graf v. Posadowsky- Wehner, der am 1. Juli 1897 Minister ge­worden jst. Hinter ihm steht der jetzige Präsident de« Staatsministeriums Graf v. Bülow, der am 28. Oktober 1897 als Staatssekretär für das Auswärtige zugleich preußischer Minister wurde. Der Staatssekretär der Marine v. Tirpitz, der seit 15. Juni 1897 dem Reichs-Marineamt vor­steht, ist am 28. März 1898 zum Mitglied des preußischen Staatsministeriums ernannt worden. Am 4. September 1899 find Minister geworden der Kultusminister Dr. Studt und der bisherige Minister des Innern, jetzige Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben Zuletzt kommen die drei neuer­nannten Minister v. Podbielski, Frhr. v. Hammer­stein und Möller. Dem Lebensalter nach stehen ebenfalls die Minister v. Thielen uud Dr. Schön­stedt, von denen der erste 68, der letztere 67 Jahre alt ist, obenan. Dann folgt Dr. Studt, der etwa 62 Jahre alt ist. Der neue Handels­minister Möller ist 60, der Kriegsminister v. Goßler 59 Jahre alt. Die neuen Minister v. Podbielski und Frhr. v. Hammerstein stehen im 58. Lebens­jahre. Graf v. Pofadowsky ist 55, Graf v. Bülow 52, Herr e. Tirpitz ebenfalls 52 Jahre alt. Bei weitem am jüngsten ist Frhr. v. Rheinbaben, der erst im 46. Lebensjahre steht.

* Der bisherige Finanzminister Dr. vo» Wiquek hat heute Vormittag die Geschäfte des Finanzministeriums an seinen Nachfolger Frhrn. von Rheinbaben übergeben und von den Beamten deS Ministeriums Abschied genommen. In seiner Abschiedsrede sagte Miquel u. A.: In der langen Zett gemeinsamer Arbeit sei unter vielen Schwierigkeiten Manches gelungen. Dies Gelingen sei aber nicht allein Verdienst deS Ministers, er verdanke eS vor allem der patriotische», aufopferungsvollen Thätigkeit seiner Mitarbeiter. Staatsminister Dr. von Miquel erinnerte an die elf Jahre gemeinsamer Arbeit. Er habe sich stets bemüht, nicht von oben zu regieren oder eigenwillig sich durchzusetzen; sein Bestreben sei vielmehr gewesen, bessern Gründen gegenüber zugänglich zu sein, oder seine Räthe von der Richtigkeit seiner Ansicht zu über- zeugen. So habe sich ein harmonisches Zusammen-

vor Pepi Gruber anklagen, würde den Unter­gang bedeuten, ihm begründet erschien. Sollte denn auch wirklich etwas so ganz Verwerfliches darin liegen, sich einen Theil — nur einen kleine» Theil — von dem anzueignen, waS der Verstorbene ihnen freiwillig zugedacht? Die innere Unwahrhastigkeit deS Morphiumsüchtigen, dessen Mangel an sittlichem Bewußtsein gesellte sich zu seiner natürlichen Haltlosigkeit und vereint schwemmten sie hinweg, was a» Be­denken in ihm sich regte.

Schweigend ging er hinaus. Jetzt war er zum Verbrecher geworden.

Im Flur meldete ihm eines der Dienst, mäöchen: zwei Herren seien da, die den Herrn Hofrath zu sprechen wünschten; fie weigerten sich aber, ihre Namen zu nennen.

Durch die offene Thür zum Eßzimmer sah er zwei Herren in demselben stehen, bei deren Anblick — er wußte selbst nicht, warum — es ihn kalt überlief. Sie käme» heraus, nahmen ihn gewissermaßen in die Mitte, führten ihn in das Eßzimmer zurück und setzten ihm dort aus­einander, sie seien gekommen, um ihn zum Unter­suchungsrichter zu begleiten. Es handele sich darum, ein Mißverständniß — gewiß nur ein Mißverständniß — oufzuklären; in Kurzem werde er wieder zu Hause sein.

Den letzten Rest von Selbstbeherrschung zu- sammenraffend, zwäng er sich, zu lächeln, und erwiderte, die Sache sei höchst sonderbar, oder vielmehr komisch. Er wolle nur schnell seine Frau unterrichten.

Die Herren wechselten einen Blick. Nein,

wirken in dem arbeitsreichen Ressort der Finanzen ergeben, das doppelt schwierig und oft auch un» dankbar sei, weil nicht alle Wünsche bestiedigt werden könnten. Neben den kollegialen, ja oft freundschaftlichen Verhältnissen zu feinen Rächen rühmte der scheidende Minister, daß niemals ein Mißklang sein Vrrhältniß zu den übrigen Be­amten des RessoUs getrübt habe. Urberall fei er stets treuer Pflichterfüllung begegnet. Ein Staat, der solche Beamte besitze, könne ruhig in seine Zukunft blicken. Ohne diese treue Mitarbeit der Beamten hier wie in den Provinzen wäre« auch die Reformen nicht durchführbar gewesen, auf Grund deren wir mit einer gewisse» Ruhe auf die Zukunft unserer Finanzen blicken dürften, denn ihre Grundlage sei gesund und sicher. Dann wandte sich Herr y. Miquel an seinen Nachfolger, in dem er einen hochverehrten Freund und alten Mitarbeiter herzlich begrüßte. Auch die Beamten würden sich freuen, einen Chff zu bekommen, der mit den Arbeiten des Finanzmini­steriums vertraut fei. Er sehe in dem Eintritt des Freiherrn v. Rheinbaben die Gewähr dafür, daß im Finanzministerium an einer gewissen Tradition, die auf dem Gebiete der Finanzen unentbehrlich sei, festgehalten werden würde, wenn auch naiurgemäß bei der steten Veränderung der Verhältnisse jeder neue Chef in manchen Punkten von seinem Vorgänger werde abweichen müffen. Dr. v. Miquel schloß mit dem Wunsche, daß man ihm ein gutes Andenken trotz unserer schnelllebigen Zeit bewahren möge, wie er stets gern und mit hoher Befriedigung auf die gemeinsame Arbest zurückblicken werde. — Hierauf ergriff Freiherr v. Rheinbaben das Wort, um die Verdienste Miquel's um die preußischen Finanzen zu schil- dern, und endlich dankte Upterstaatssekretär Leh­nert für die seitens des bisherigen Chefs dm Beamten ausgesprochene Anerkennung.

* Die erste Werfügu», des neue« Staatssekretär» de» Aeichs - Postamts, Araelke beschäftigt sich mit den Ansichts­karten; sie lautet wie folgt:

Vom 1. Juli ab ftnb im htreren brutschen Post­verkehr Ansichtskarten mit Verzierungen rc. au« Mineralstaub, S aesplitterchen, Glaskügelchen, Saud, Metalltheilchen u bergt, wegen der Rachtheilr, welche burch abfallenbe Mineraltheilchen rc. für bte Gesund­heit b?r Beamten und den Postbetrieb entstehen, von der offenen Versendung auSgeschloffen. Das Gleiche gilt für den Verkehr mit der Schweiz, im übrigen WeltpostvereinSverkehre waren solche Karten schon seit­her unstatthaft.

V Attki«. 10. Mai. Der Kaiser ist, wie aus Straßburg gemeldet wird, heute Mittag 12 Uhr b»rt eingetroffen und am Bahnhose von dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe« Langenburg und dem komman- direnden General Freiherr von Meerscheidt-Hüllessem empfangen worden. Nach dem Abschreiten der auf dem Bahnhöfe aufgestellten Ehrenkvmpaguie fuhr Seine Ma­jestät in Begleitung des Statthalters nach dem kaiser­lichen Palast, wo das Frühstück eingenommen wurde. — Für eine strenge Bestrafung aller Duell­vergehen hat sich der Kaiser auS Anlaß des Mör- chinger Vorfalls einer Korrespondenz zufolge in letzter Zeit mehrfach ausgesprochen mit dem Wunsche, daß die zuständigen Persönlichkeiten hzdacht fein möchten, da« Duellverbvt zu Ansehen zu bringen. DaS wird wirk­sam geschehen, wenn bei Bestrafungen wegen Duellver­gehen tene Begnadigung erfolgt. Die Ordens­verleihung für Lord Roberts ist in Deutschland bisher amtlich noch nicht publizirt worden. Aber er­folgt ist die Verleihung, denn der ,StaatSanzeigrr' in London veröffentlicht die vrlaubniß des Königs Eduard für Roberts, die Insignien deS Schwarzen AdlerordenS

erklärten sie beide, das sei unnöthig, da er ja nach seiner Rückkehr ihr alles mittheilen könne. Er solle fie nur ohne weiteres begleiten, der Wagen warte unten.

So wolle er nur Cigarren auS seinem Zimmer holen, wandte er ein. Das wurde ihm gestatt, t, nur begleiteten ihn die Herren. Den­noch ihnen ein paar S hritte vorauseilend, fand er Gelegenheit, dem Dienstmädchen zuzuflüstern: sie möge ausrichten, er sei zu Gericht. I» seinem Zimmer steckte er einige Cigarren zu sich, und schob — ungesehen von den Begleitern — ein winziges Fläschchen, das daneben lag, in feine Westentasche. DrS blieb der Helfer in der Noth, einerlei, was auch immer später sich er­eignen mochte.

Eine schwere Prüfung harrte seiner. Auf der Treppe begegnete er Anna; es war die Stunde, um welche sie täglich aus der Kirche zurückkehrte. Sie sah gar lieblich und andächtig aus, auf ihrer Stirne glaubte er noch ba8 Tröpfchen Weih wasser glä' zm zu sehen, womit fie dieselbe benetzt: Mastr.g, die Mutter, seine Kinderzeit — mit Blitzesschnelle zog die Erinnerung an das Alles an seiner Seele vorüber und brennender Schmerz durchzuckte ihn.

Anna sah oei wundert zu des Vaters Be­gleitern auf, die taklvoll zur Seite standen, als fie ihm die Hand küßte. „Geschäftliche Be­sprechung" ; flüsterte er ihr zu, als Antwort auf ihren fragenden Bl ck.

Sie schmiegte sich räher an den Vater: „Ich hab' Dich gestern Abend nicht mehr r- sehe», Papa. Warst Du zufrieden mit nu. ?"