28. Jahrgang.
Iuwa, Freitag, den 10. Mai 1901
JK 107.
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Daß diese ungeheuere Belastung auf die Entwickelung des ganzen Reiches in den kommenden jetzt verflossenen Jahrzehnten den allergrößten Einfluß ausüben mußte, liegt klar auf der Hand und heute, nach 30 Jahren, steht Frankreich mit einer Schuldenlast von 25Vs Millarden Mark an der Spitze der Staaten der ganzen Welt und übertrifft, was die Höhe der Schulden angeht, die vier in Bezug auf die Größe ihrer Schulden zuerst folgenden Staaten: Rußland mit 133/io Milliarden, England mit 13 Milliarden, Deutschland und deffen Einzelstaaten mit annähernd 13 Milliarden, Oesterreich-Ungarn mit annähernd 12 Milliarden ungefähr um das Doppelte. Dabei fällt noch erschwerend ins Gewicht, daß diese Staaten sämmt- lich größer als Frankreich sind. In Rußland entfällt auf jeden Staatsangehörigen eine Schuldenlast von 100 Mk., in Deutschland eine solche von 230 Mk., in Oesterreich-Ungarn eine solche von 260 Mk., in Frankreich aber eine solche von 450 Mk. Daß das Land eine solch' ungeheuere Last, die alljährlich mehr als 1 Milliarde Francs als Zins verlangt, tragen kann, ist ein Beweis für die Größe des natürlichen Reichthums, der Frankreich auszeichnet. Andere Staaten würden eine solche Last kaum jemals zu tragen vermögen. So hat Griechenland, in welchem auf den Kopf der Bevölkerung eine Schuld von „nur“ 255 Mk. entfällt, sich ze tweilig unfähig erwiesen, dieselbe zu tragen und mit welchen Schwierigkeiten Portugal mit 510 Mk. Schulden auf den Kopf der Bevölkerung und Argentinien mit 420 Mk. stets zu kämpfen haben, ist ja bekannt.
Eine umgekehrte Wirkung übte der Friedens- fchluß in Deutschland aus. Der Geldstrom, der ins Land strömte, in Verbindung mit ter durch den Krieg herbeigeführten Einigung des ganzen deutschen Reiches und unterstützt durch eine der Entwickelung günstigen Gesetzgebung brachte Deutschland bald in industrieller Hinsicht auf eine Höhe, von der man vorher niemals geträumt hatte. Zwar hat das unvernünftige Wirthfchaften weiter Kreise in den ersten Jahren des „Segens“ Manchen bitter mitgenommen, aber im Allgemeinen hat das Geld, da e« durch unzählige Kanäle ins Volk gebracht wurde, den w rthschaft- lichen Aufschwung außerordentlich gesörd- t. Ein Theil der fünf Milliarden, etwas über zwei Milliarden, wurde zwar den Einzelstaaten überwiesen und 120 Millionen wurden dem Reichr- krtegsschatz zugeführt, aber die andere Hälfte wurde zu Unterstützungen der invaliden Krieger, Landwehrleute und Flüchtlinge, ferner an Dotationen an Heerführer, ferner für Eisatzbauten, für den Ausbau der Eisenbahnen Deutschlands und für den Neubau des Reichstagsgebäudes verwandt und förderte so das ganze Wirthfchaftsleben Deutschlands, das auf diese Weise zu einer Bedeutung gelangt ist, hinter der die des früher so mächtig auch heute noch so reichen Frankreichs roe't zurücksteht. _______________________________
Dienstherrschaft und Gesinde für den Bezirk deS Gewerbegerichtes oder für einen Theil des Bezirkes dem Borsitzenden des Gewerbegerichtes übertragen werden. Hier werden also nach dem Vorschläge der Kommission Vertrauensmänner von den streitenden Theilen nicht aufgestellt; e« würde ohne Zweifel auch zu Mißhelligkeiten allgemeinerer Art führen, wenn dies auch hier der Fall sein sollte. In Rechtskraft soll sodann die Entscheidung des Vorsitzenden zwischen Dienstherrschaft und Gesinde alsdann übertreten, wenn nicht binnen einer Nothftist von zehn Tagen von einer der Parteien Klage bei dem ordentlichen Gerichte erhoben wird.
Ueber die Behandlung dieser Vorschläge der Kommission des Reichstages gibt der Bericht über die Sitzung des Plenums Auskunft.
Roman auS dem Wiener Leben.
Bon L. v. N e i d e g >.
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Der Friedensschluss im deutsch-sranzösischen Kriege.
(Nachdruck verboten.)
Heute vor 30 Jahren, den 10. Mai 1871, murde in Frankfurt a. M. im „Gasthof zum Kchwau" einem Kriege ein Ende gemacht, in weWm zwei mit der ganzen Stärke der modernen Kriegsbewaffnung ausgerüstete Völker sich unter Aufwendung der aller nur irgendwie verfügbaren Hilfsmittel ein halbes Jahr bekämpft hatten. 384,000 Mann hatte Preußen-Deutschland auf die am 19. Juli 1870 erfolgte französische Kriegserklärung hin den 250,000 französischen Soldaten entgegengeschickt und diese wider Erwarten der Franzosen wie auch der Deutschen kleine französische Armee während der folgenden 190 Tage in 15 großen Schlachten, ca. 115 Gefechten geschlagen. 720,000 Franzosen, sowohl von der zuerst in den Krieg gesandten Hauptarmee als auch von den später ins Feld geschickten Zuaven aus Algier und den Volksheeren, waren von den Deutschen gefangen genommen worden; 12,000 französische Offiziere und 370,000 französische Soldaten waren während dieser Zelt als Gefangene nach Deutschland abgeführt worden. 7400 französische Geschütze und 107 französische Fahnen waren den Deutschen in die Hände gefallen. 80,000 Franzosen hatten ihr Leben auf dem Schlachtfelde und in den Lazaretten lasten mästen, während auf deutscher Seite unter den 6247 verwundeten f ■ Offizieren und Aerzten sowie 123,453 verwundeten Soldaten 40,080 Tobte fich befanden. Jnsge- sammt hatten auf deutscher Seite, die im Laufe des Krieges mitherangezogenen Reserven mttge- rechnet, 44,420 Offiziere und 1,451,944 Mann « unter Waffen gestanden.
Reben den ungeheueren Wunden, die der Krieg der Wehrkraft beider Völker, besonders aber der Frankreich», geschlagen hatte, steht der materielle Schaden, den der Krieg den beiden Parteien zu- fügen mußte. Die Abtretung der Provinz Elsaß- Lothrtngen, zu der fich die Franzosen schließlich wohl oder Übel verstehen mußten, bildete mit ihrer Verringerung der Steuerkraft des Lande« nur einen kleinen Theil des materiellen Verlustes, den da« besiegte Volk erlitten hat. 14 Milliarden Franc« verschlang der Krieg an Kriegskosten, ungezählte Milliarden mußten die von dem Kriege betroffenen Landstriche für den Unterhalt der eigenen und der deutschen Truppen aufbringen, 260 Millionen Franc« waren von Städten und Gemeinden al« Kriegsentschädigung gezahlt worden und endlich brachte der Frankfurter Frieden noch die Verpflichtung der Zahlung einer Kriegsentschädigung an Deutschland in Höhe von 5 Milliarden Franc«. Diese ungeheure Summe, volle vier Tausend Millionen Mark, nebst ca. V* * Millionen Mark Zinsen für die Stundung der Zahlung de» Geldes hat das so • furchtbar geschlagene Land innerhalb der beispiello» kurzen Frist von nur 3 Jahren aufgebracht und ausgezahlt.
O Die Gewerbegerichtsanträge nennt man kurzweg die Anträge, die von dem Centrumsabgeordneten Trimborn einerseits und von den Sozialdemokraten anderseits (Albrecht und Genoffen) zu dem bestehenden Gesetze über die Gewerbegerichte eingebracht
der Mutter ergrauenden Scheitel: „Mutter, Du ist ein Engel, an Dich reicht niemand hinan."
*
ES war Tags daraus. Franz stand mit seiner Mutter bei den Arbeitern, welche die Fundamente zum Schulhause gruben. Beide freuten sich der rasch vorscdreitenden Arbeit und besprachen aufs neue dir ZukunstSpläne, welche sich an diesen bescheidenen Anfang knüpften. Neben der Schule sollte eine Kapelle erstehen, die fich dereinst vielleicht zur Kirche erweitern konnte, wenn erst ein Pfarrhaus gebaut, eine Pfarrstelle gestiftet war.. Um diesen weitaus- sehenden Plänen gerecht werden zu können, hatte man einen freien Platz zur Anlage der Schule auSgewählt. Unbehindert übersah man von demselben au8 das weite Thal bis zum Walde; ein welliges, gut bebautes Gelände, Feld an Feld, dazwischen große Obstgärten. Vom Waldessaum glänzte silbern ein schmaler Streif herüber, ein großer Teich, beinahe ein See.
Obwohl das GraS noch welk und die Bäume, — an denen die Knospen zu schwellen anfingen — noch ohne Blätter waren, bot die Landschaft doch ein hübsches Bild, das die alte Dame wit stets erneutem Vergnügen betrachtete.
Plötzlich wurde der stille Frieden gestört, Schreien und Jammern, Heulen und Wimmern: Laute, wie fie in Augenblicken höchster Erregung auSgestoßen werden, zitterten durch die Lust. Auf der holperigen steinigen Straße, die vom Walde herüberführte, zeigte sich bald ein Menschen- hausen. Die Arbeiter sahen auf; einige legten die Werkzeuge nieder und eilten den Leuten ent»
worden find. Der Reichstag hat am 11. und am 16. Januar über diese Anträge in erster Lesung verhandelt und sie an eine besondere Kommission von vierzehn Mitgliedern verwiesen. Die Kommission hat elf Sitzungen abgehalten unter dem Vorsitze des konservativen Ab- geordneten Freiherr von Richthofen. Die Reichsregierung war bei den Verhandlungen in der Kommission vertreten durch drei Herren.
Am bekanntesten von den Beschlüffen der Kommission ist derjenige, wonach für Gemeinden, die nach der letzten Volkszählung mehr als 20,000 Einwohner haben, ein Gewerbegericht errichtet werden muß. Die Landeszentralbehörde soll erforderlichen Falles die Errichtung eines Gewerbegerichtes anordnen, ohne daß es eines Antrages betheiligter Arbeitgeber oder Arbeiter bedarf. Diese Bestimmung stammt aus dem Anträge deS Centrumsabgeord- neten Trimborn; diese Bestimmung ebenso wie die meisten der Neuerungen, die die Kommission dem Reichstage zu beschließen empfiehlt. Die sozialdemokratischen Anträge erwiesen fich zum größten Theile als unausführbar, wie man das ja bei den meisten sozialpolitischen Anträgen der Sozialdemokraten schon gewöhnt ist.
Nicht unerhebliche Aenderungen hat die Kommission des Reichstages ferner vorgeschlagen über die Zuständigkeit der'Gewerbegerichte; diese Aendei ungen bedeuten gleichzeitig eine nicht unbedeutende Erweiterung. Von großer Bedeutung ist ferner der § 63 in der neu vor- geschlagenen Fassung: dieser Paragraph bestimmt die Zusammensetzung des Gewerbegerichtes, da« als Einigungsamt thätig sein soll. Danach besteht das Gewerbegericht als EinigungSamt neben dem Vorsitzenden aus Vertrauensmännern der Arbeitgeber und der Arbeiter in gleicher Zahl. Nach dem bestehenden Gesetze soll das Gewerbegericht als Einigungsamt bestehen aus dem Vorsitzenden und vier Beisitzern, welche letztere durch den Vorsitzenden hinzugezogen werden. Nach dem Anträge der Reichs- tagSkommisfion sind die Vertrauensmänner, die zusammen mit dem Vorsitzenden daS EinigungS- amt ausmachen, von den Betheiligten zu bezeichnen. Est bann sollen Vertrauensmänner vom Vorsitzenden ernannt werden, wenn dies durch die Betheiligten nicht geschieht. Dieses Veichältniß soll also umgekehrt werden in dem fthr wohlthätigen Sinne der Erhöhung des Einflusses der Betheiligten. Die Betheiligten, namentlich Arbeiter, werden ganz erheblich mehr Zukauen zu dem Gewerbegerichte als EinigungSamt gewinnen, wenn fie wiffen, daß fie selbst die Vertrauensmänner aufzustellen haben. Nach den Vorschlägen der Reichstagskommisfion ist der Vorsitzende nur befugt, eine ober zwei unbeteiligte Personen als Beisitzer mit berathender Stimme zuzuziehen, unb vor bet Zuziehung find die beiden streitenden Theile auch erst darüber zu hören.
Endlich ist noch hervorzuheben ein von der Kommission des Reichstage« neu beantragter Paragraph 79 a. Dieser Paragraph bezieht auch daS Gesinde in den Wirkungskreis des Gewerbegerichtes als Einigungsamt ein. Durch OrtSstatnt — so wird vorgeschlagen — kann die vorläufige Entscheidung von Streitigkeiten zwischen gegen, Franz folgte ihnen. Seine Mutter blieb zurück, von bangen Ahnungen erfüllt, zitternd vor etwa« Entsetzlichem, dessen Herannahen fie fühlte.
Das Geschrei wuchs an. Man konnte ein. jelne Gestalten in dem Zuge unterscheiden, Männer wurden fichtbar, die eine Bahre trugen. Eilig kam Franz zurück, todtenbleich, mit verzerrten Zügen; er nahm die Mutter beim Arm, sie einige Schritte abseits zu führen.
„Das ist kein Anblick für Dich, gute Mutter,“ sagte er mit bewegter Stimme. „Bitte tritt zur Seite.“
„Was istS?“ fragte fie, an allen Gliedern zitternd.
„Die arme Halka .... fie ist tobt . . . hat fich ertränkt. Man bringt fie zu ihrem Vater... ich will bie Tobte hin begleiten unb bann nach Jagar sehen .... er soll wie von Sinnen sein.“
Die Mutter sah bem Sohne fest in die Augen: „O mein Sohn! mein Sohn! Gott bewahre uns Alle vor Selbstgerechtigkett unb Härte!“ sagte fie sehr ernst.
Süll zog fich die alte Frau etwas zurück. Der LanbeSsprache nicht kunbtg, hätte fie keine Trostesworte spenben, hätte nicht beschwichttgenb eingreifen können. Traurig, mit gesenktem Haupte, staub fie am Wege unb betete für bie Seele der Unglücklichen, welche auf der Bahre vorüber getragen wurde; wirr hing da« reiche schwarze Haar um daS im Tode erbleichte Gesicht. Kalt und starr brachte man fie nach jener Hütte zurück, die fie vor kurzen Stunden in voller Lebenskraft und Schönheit verlassen.
Deutsches Deich.
Berlin, den 9. Mai.
* Ankauf von Kohlengrusen durch den Staat. Minister Brefeld hat, wie schon gemeldet, als eine seiner letzten Amtshandlungen! sür Rechnung des Staates Kohlengruben angetauft. Wie jetzt bekannt wird, hat er den im Ruhr- bezirk gelegenen Grubenbefitz bet Zeche „Minister Achenbach", der Gewerkschaft Waltrop sowie umfangreiche Berggerechtsame des verstorbenen Kommerzienrath Vohwinkel erworben. Es handelt fich hierbei um sehr umfangreiche, zusammenhängende und gut abgerundete Berg- Berechtigungen, die einer großen aussichtsreichen Entwickelung fähig find und in 4 bis 5 Jahren im Stande fein werden, den ganzen Kohlenbedarf der Eisenbahnen im rheinisch-westfälischen Bezirk zu decken. Als Kaufpreis für diese Berggerechtsame wird die Gesarnmt- summe von 25 Millionen genannt. Der ,Boch. Anz/ erfährt zu diesen ©Werbungen des Bergfis kuS noch, daß eS fich um ausgedehnte sehr günstig gelegene Srubenf elder handelt, die vom Dortmund-ErnS-Kanal sowie von den Flüssen Lippe und Stroer durchstossen und von 2 Eisenbahnlinien berührt werden, sodaß der Versand sowohl per Eisenbahn als auf dem Wasserwege erfolgen kann. Der Ankauf sei so grheimnißvoll betrieben worden, daß selbst die Besitzer der Srubenselder nicht erfuhren, wer der Käufer sei. Die bisherigen Bohrungen zeitigten sehr günstige Resultate. Der preußische S'aat, der mit dieser Erwerbung einen guten Gr ff gethan hat, wird den Privat- gruben deS Ruinbezirks dereinst zweifellos eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz machen.
X D-rtagnug d-s A-ichatag--. Der Geschäftsplan des Reichstages hat von neuem eine durchgreifende Aenderung erfahren. Heute (Donnerstag) Nachmittag» 3 Uhr hat der Seniorenkonvent des Reichstages eine kurze Sitzung abgehalten, um über eine Verordnung zu be- rathen, wonach der Reichstag vom 14. Mai an bis zum 2 6. November ds. I«. vertagt wird. Es wird demgemäß verfahren werden: unerwartet früh wird also der Reichstag bereits am nächsten Dienstag seine Psorten schließen und erst am 26. November wieder seine Berathungen fort- setzen. Dadurch, daß der Reichstag nur vertagt.
Es dauerte lange, ehe Franz zurückkam; er ßsh bleich und erschöpft auS. Er hatte fich schweren Aufgaben gegenüber befunden. Den alten Zeptü, Halka's Vater, hatte er aufrichten. Jagar fthStzen müssen, gegen den drohende Fäuste fich erhoben, — keine aber fo drohend wie feine eigene, der Franz mit Noch bas Messer (entwunden, welches der Verzwriselte gegen die eigene Brust gezückt. Es war ihm nur schwer gelungen, die Gemüther zu besänftigen, Alle zum Frieden zu bestimmen an des unalücklichen Mädchens Leiche. Er hatte Jagar Muth^ugesprochen und ihn dessen Angehörigen zur Bewachung Übergeben. Was Nächstenliebe nur fordern kann, hatte er geleistet; dennoch wollte die Unruhe feine« Semüthes fich nicht legen. Jahre seines Leben« hätte er hingegeben, um jene Worte zurückzunehmen, die er Tag« zuvor zu Jagar gesprochen, deren Nachhall ihn verfolgen würde bis zum Srabe. . _ ,
Die Mutter erriech etwa« von dem Kampfe, der in ihm tobte; fie hütete fich einzugreifen, denn bei einem Manne von seiner Sinnesart mußte er mit dem Siege feine» bessern Selbst enden. Sie betete unb schwieg.
Am nächsten Morgen, zu ungewohnter Stunde, trat Franz bei ihr ein. Sie sah ihn an und erkannte, daß eine Veränderung mit ihm vorge- gangen war. Die seelische Erschütterung, die er erlitten, hatte da« Gebäude von Sophismen und Trugschlüssen niedergeworfen, welches ihm bisher das eigene Thun verhüllte; er sah fich, wie er war, nicht wie er zu fein geglaubt unb verurteilte sich scharf. Mit der Selbsterkenntniß war
„Christenpflicht hätte erfordert, ihn an denjenigen zu erinnern, der besohlen hat, siebenmal fiebzigmal zu verzeihen.“
„Verzeihen kann er ja, vergessen nicht. Wo auch nur der Schatten eine« Zweifels sich regt, ist eine Heirath unmöglich.“
„Meinst Du? I» dagegen halte es für heilige Pflicht, rückhaltlos zu'verzeihen und da« geknickte Rohr nicht noch zu zertreten, zumal hier, wo es fich doch wohl nur um Spivnen- dienste gehandelt hat. Wer anders räth, kann nach meinem DafÜ> halten große« Unrecht, schwere Verantwortung auf fich laden.“
Franz blieb einige Sekunden stumm; dann halblaut, el« trage er Scheu davor, der Mutter Herzenswunden zu berühr«n, sagte er: „Du traust der menschlichen Natur zu. Alle« zu verzeihen. Könntest Du eS denn?“
„Ich hoffe ja mit Sötte« Hilfe."
Seine Stimme sank zum Flüstern herab: „Könntest . . . könntest Da Dich entschließen, einmal zum Vater zurückzukehren?“
Hoheit lag auf ihrer Stirne, in ihren Augen, als fie erwiderte: „Auaenblicklich ... ich bete unablässig, daß diese Rückkehr möglich werde. Ich kämpse um seine Seele, vergiß das nicht.“
Ehrfurchtsvoll beugte sich Franz unb küßte
mit NnterSattnngs -Beilage „Illullrirte Sonntags-Zeitung"