MU Anterhattungs -Anlage „Zllustrirte Sonntags-Zeitung
JVi 106.
Juköc», Donnerstag, den 9. Mai 1901
28. Jahrgang.
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maetoovtlMfr: 31» die Redaktion 3of. Sau», für Inseeat« 2. Parzelle» tu Fulda.
»»ulk und Verlag de» Fuldaer AeilendruSe»»« petersgajle Nr. 2 (Larmouie).
Roman auS dem Wiener Leben. Bon L. v. Neideg,.
------ (Nachdruck verboten.)
blnna gab die Rolle der Sylvans, der Königin eines der Fabel angehörendsn wilden Volkes, die sich vermittelst ihrer Zauberkünste Jahrhunderte laug Jugend uud Schönheit, sowie unumschränkte Herrschaft über crvilisationSuM- higeu Wilden zu sichern versteht. Ja einem an d» Küste verichlagenen Europäer erkennt Syl- wana das Ebenbild, zugleich de« Nachkommen ihres ermordeten Geliebten; sie will ihn zu sich «heben und ihm zu ihren Kenntnissen verhelfen. Da verliebt sich Mario in eine von Gylvana's Begleiterinnen, und Sylvana greift, aageekelt vy« seinem Leichtsinn und von der hoffnungslosen Verkommenheit ihres Volkes, in die Speichen de» vorüberrolleuden feurigen Rades der Z-it und sinkt entseelt zu Boden.
Um Sylvana's Rolle wirksam durchzuführen, bedurfte eS großen schausplelerischen Talentes. Mnna entbehrte dessen nicht, nur hatte es noch nicht genügend auSzebildet werden können in den kurzen Monaten, die verflossen waren. Voll Befangenheit trat sie vor das Publikum, und in den ersten Ecenen rettete ihre Erscheinung weit mehr als die vor Aufregung bebende Stimme sie vor einem gänzlichen Mißerfolge. Nach und nach erwärmte sie sich aber, ihr Spiel belebte sich, Ausdruck kam in dis süße Stimme, sie fand Töne von hinreißender Schönheit; — die Wir-
ltcher Aufmerksamkeit studirte aber Frau von Urbach der Sohnes Mienen und Worte. Zuweilen wollte es ihr dünken, als blicke nicht länger der gleiche Starrsinn aus seinen Augen, als deuteten einzelne Aeußerungen darauf hin, daß seine Unversöhnlichkeit zu schwinden anfange; — im nächsten Augenblicke brach sie aber ungemildert hervor. Dennoch verlor die Mutter weder Muth noch Hoffnung. Sie wußte, wie schwer die Umkehr olcher wird, die selbstgefällig <6 dahin gebracht, ihre schlimmen Neigungen mit dem Scheine von guten Eigenschaften zu umkleiden; sie sagte sich aber zugleich, daß, wo Gottesfurcht vorhanden, >ie bessere Natur — wenn auch vielleicht erst nach äugen harten Kämpfen — schließlich doch den Sieg davon tragen müsse. Sie täuschte sich nichst n ihrer Hoffnung; unvermerkt wirkte das Beispiel hrer Sanftmuth, ihrer Güte auf den Sohn. Nicht umsonst hatte ihm die Mutter bisher als die Verkörperung aller Vortrefflichkett gegolten. Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Anschauungen, die >en ihren so schroff entgegenstanden, regten sich eise in ihm; das Gebäude seiner Eelbstgerechtig- ■elt gerieth in« Wanken, eine Stunde ernstlicher remüthiger Einkehr, und e« mußte zusammenbrechen.
Eine« Tage« kam Franz sehr aufgeregt nach Hause. Im Bereich de« Sokolovicer Meierhofes sielte sich ein Drama ab, dessen Ausgang sich och nicht übersehen ließ. Putzsucht und Koketterie satten einen Konflikt herbeigeführt, den glühende Eifersucht unversöhnlich zu machen drohte. Jagor Kostic, der Schafmeister, eine von Franzen'S Vertrauenspersonen, hatte sich vor kurzem mit Halka Zeptic verlobt, einer sehr schönen, etwas gefall-
kung auf das Publ.kum blieb nicht aus, und Carnerr'S Clique sorgte dafür, daß der Beifall überaus kräftig wurde. Zum Schluffe feierte sie sogar einen großartigen Triumph.
Auf einer Anhöhe stehend, sieht die Königin in das Thal, in dem ihr Volk sich zu den von ihr verpönten wilden Tänzen versammelt hat. Mario mit der schönen Ulika sind die Anführer der tollen Bande. Sylvana singt ein Lied voll entsagenden Schmerzes, worauf sie den Tod sucht. In den Proben war es bei dieser letzten Szene noch ziemlich ruhig hergegangen, alle Reizmittel waren noch nicht entfaltet worden. Bei der Aufführung galt eS aber, alles Dage- weseve zu Übertrumpfen, immer tobender und ausgelassener wurden die Tänze im Thal. Anna, als sie in das Bschanal hinuntersah, erfaßte «rauen. War das etwa das Bild ihres künftigen Lebens? Den Anblick solcher Vorgänge zu ertragen — in die Tiefe zu blicken, bi» der Abgrund sie hinabzog? Er- schütternd klang das Lied der Königin, dar sie |U singen anhob; das Ringen und Kämpfen, daS Sichsträuben und hoffnungslose Unterliegen eines gequälten Menschenherzens sprach sich in mmer leidenschaftlicherer Klage darin auS, bis :e endlich mit einem Aufschrei gewaltigsten Seelenschmerzes zu Boden sank.
Donnernder Beifall durchbrauste das HauS; )er Erfolg des Stückes war gesichert.
32, Kapitel.
In Sokolooic hatten unterdessen Mutter und Sohn still neben einander fortgelebt. Anna'« Name wurde zwischen ihnen nicht genannt; mit ängst-
amtlichen Mittheilung der ,Nordd. Allgem. Zeitung' ist diese Nachricht falsch.
* Der .R-ichsanzriger' theilt heute mit, daß der Kaiser den Staatssekretär des Reichspostamts,
Deutsches gteidf»
Berlin, den 8. Mai.
G Der Kaiser «ud die AeichslagsdiSte«. Nach einer Meldung des ,Schwäb. Merkurs' soll der Kaiser angeblich bei seiner letzten Anwesenheit auf der Wartburg geäußert haben: er werde der Bewilligung von Diäten an die Mitglieder des Reichstages nicht eher zustimmen, als bis eine entsprechende Aenderung des Wahlrechtes vorge- »ommen sei. Natürlich fehlt jegliche Kontrolle darüber, ob etwas Wahres an dieser Meldung ist.
4- Die MeichslagsDiäten. Recht leer sah es am heutigen Mittwoch im Reichstage aus, al« dieser einige Minuten nach 1 Uhr seine Sitzung aufnahm, um zunächst die dritte Lesung der Novelle zum Werngesetze vorzunehmen. Das Haus füllte sich indessen allgemach in erfreulicher Weise, sodaß <8 nach der Annahme der Weingesetznovelle sogar beschlußfähig wurde, wie die namentliche Abstimmung über den Antrag des Centrums bewies, den Mitgliedern des Reichstages Tagegelder zu bewilligen. Dieser Antrag ist mit der großen Mehrheit von 185 gegen 40 Stimmen angenommen worden; nur die Konservativen und die Mehrheit der Freikonseroativen stimmten dagegen. Ein Theil der Konservativen steht aber, wie der Abg. Dr. Oertel erklärte, grundsätzlich auch auf dem Boden des Centrums- antrages. Diese konservative Minderheit stimmte «ur deswegen dagegen, weil ihr einige Aeußerlrch- keiten an den Beschlüssen der Kommission nicht gefallen. In Wahrheit sollte wohl diesmal noch Eine äußerliche Geschlossenheit in der Haltung der konservativen Partei bewahrt werden. — Die Gewährung von Tagegeldern an die Mitglieder des Reichstages wurde in glänzender Weise von dem Centrumsabgeordneten Groeber befürwortet, der »och einmal alle die vielen Gründe zusammenfaßte, die für diese Gewährung sprechen. Er fand während der ganzen heutigen Sitzung nur einen einzigen Gegner, den konservativen Abgeord- üelen Dr. v. Levetzow und allenfalls auch noch den freikonseroativen Abgeordn. Grafen v. Ar «im. Es erregte aber starke Entrüstung im Hause, daß Herr v. Lsvetzow sagte, die Zahlung von Tagegeldern werde de» Reichstag auf eine so niedrige Stufe herabdrücken, auf die er den Reichs- lag niemals gebracht wissen wollte. Eine ganze Reihe bon Redner» bewies Herrn v. Levetzow, daß er mit seinen Anschauungen außerordentlich rückständig ist, und namentlich auch der national- liberale Abgeordnete Büfin g verwählte sich und seine Partei sehr entschieden gegen den Verdacht irgend welcher GesianungS-Gemeinschast mit Herrn v. Levetzow. Von der Regierung sprach Niemand gegen und Niemand für den Antrag. Staatssekretär Graf Po sadowSky bedauerte nut, daß eS immer mehr einreiße, höchste Personen in die Debatte hineinzuziehrn, maS sich auf den sozial- demokratische» Abgeordneten Singer bezog, der auSries: der Reichstag möge heute zeigen, daß er nicht aus „Kerlen* zusammengesetzt sei, die pch ei-schüchtern ließen.
G N-eterkanlvsekrelär Iritsch im Reichspostamte sollte angeblich um die Entlassung au« dem Amte eingekommen sein. Nach einer halb-
Insrrater Btt einspaltig« Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., Reklamen die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
Wirklichen Geheimen Rath Keaetsie mit der Stellvertretung deS Reichskanzlers im Bereich des Reichepostamts nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. Marz 1878 (R-ichsgesetzblatt S. 7) be- beauftragt habe. — Bei dieser Gelegenheit geben wir das Bild dks neuen Leiters der Reichspost. Herr Kraelkr ist im Iahte 1845 geboren und nicht verheirrthet.
© Die Watzs des ASg. Aottz. der im Reichstage den Wahlkreis Saarbrücken vertritt, ist von der Wahlprüfungskommission des Reichstages nach wiederholter Prüfung für gilttg erklärt worden.
• Die Wirüfirr der thüringische»» Stcwttt» werden nicht, wie von mehreren Zeitungen übereinstimmend berichtet wurde, am 15. Mai in Weimar zusammenkommen, um über Finanzfragen sich zu besprechen — so stellt die amtliche ,Weimarer Zeitung' richtig. Auch gut!
X Di- »uth-risch-th-ok-gifche Iaknttat Im Straßöurg. Vor einigen Tagen brachten mehrere Blätter die Nachricht, daß der Cen- trumsabgeordnete Freiherr von Hertling beim Vatikan in Rom jetzt eine günstige Stimmung vorgefunden habe für die Errichtung einer katholisch-theologischen Fakultät an der Straßburger Universität. Die Nachricht sah recht zuverlässig aus; aber auch sie muß sich nun wieder eine Berichtigung gefallen lassen. Die diplo- matisch-ossiziöse »Polit. Korrespondenz' stellt nach einer Meldung, die ihr auS Rom zugeht, fest, daß Professor v. Hertling „bisher auf den gleichen Widerstand stoße, wie früher".
+ Drr Go!e-auzs«trag des Keutrum» ist heute (Mttwoch) von der zuständigen Kommission drS Reichstages weiter derathen und die erste Lesung des Antrages beendet worden. Mehrere Paragraphen sind von den Antragstellern zurückgezogen worden. Den Bericht an daS Plenum wird der Ernttumsabg. Dr. Pich le r erstatten. Heute ist der vierte Paragraph in folgender Fassung angenommen worden:
schäft anzv gliedern; aber dieser Antrag ist am letzten Dienstag in der genannten Kommission mit neun gegen fünf Stimmen abgelehnt wordeü. Das Centrum und die Volksparteiler stimmten dagegen. Im Gegensätze dazu wurde mit derselben Stimmenmehrheit ein Antrag des Centrums angenommen, der sich auS wirthschaftlichen, politischen und konstitutionellen Gründen gegen ein Aufgeber» der württem- bergischen Eisenbahn-Selbständigkeit ausspricht. Anders verhält es sich mit den Anschauungen über eine allgemeine süddeutsche Tarifgemeinschaft; im Sommer 1899 hat dieselbe Finanzkommisfion zu Gunsten einer solchen Gemeinschaft einstimmig eine Erklärung angenommen. Bei dieser Gelegenheit sei eine Nachricht erwähnt, die die ,Franks. Zeitung' aus dem Elsaß sich schreiben läßt. Danach soll angeblich in Elsaß- Lothringen „aus Ersparnißgründen" die Einführung einer Betriebsgemeinschaft der Reichseisendahnen mit den preußischen Staatsbahnrn geplant sein. Wirklich? Man muß ab warten, ob diese Nachricht sich bewahrheiten wird.
V 3$ertin, 8. Mai. Der Kaiser wird di« Freitag in Donaueschingen als Gast des Fürsten Fürstender- bleiben und am Freitag Mittag in Straßburg eintteffen und im Kaiserpalaste Wohnung nehmen. Für Sonnabend Nachmittag ist ein Besuch der H o h - königsburg angesetzt werden. Der Kaiser wird sich dorthin von Schlettstadt aus in eigenem Gefährt begeben. Der Sonnabend Bormittag bleibt für militärische Zwecke Vorbehalten. Weiter werden zwe, grobe DinerS stattfinden: das eine im Kaiserpalast für die Spitzen der Militär- und Civilbehörden, daZ zweite, mehr intimere, beim Fürsten-Stailhalter. Am Sonntag wirb der Kaiser beim kommandirenden General das Frühstück einnehmen. Am Sonntag Nachmtttag sodann erfolgt die Abreise nach Urvtlle in Lothringen. — Das Staatsministerinm trat heute Mittag unter dem Bor sitze des Grafen Bülow im Reichskanzler- Palais zu einer Sitzung zusammen, in we cher die Einführung der neuen Minister erfolgte. — Der Unter- ftaatSsekrelär im Finanzministerium, Lehnert, hatte auS Gesundheitsrückfichten seinen Abschied erbitten wollen. Er hat jedoch auf dringenden Wunsch de« Ministers Frhrn. v. Rheinbaben davon Abstand genommen. — Nach dea Beschlüssen deS Seniorenkonvent- des Reichstages sollen vor Pfingsten noch die Anträge betteffend die Gewerbegerichte, der Tolera«»- antrag und das Weingesetz erledigt werden. Daß Süßstoffgesetz kann vor Pfingsten nicht mehr zur zweiten Lesung an das Plenum gelangen, da frühestens der Bericht in der Kommtsston Dienstag, den 14. Mai, znr Bsrüsung kommt. — Der Reichslagsabgeordnete für den 1. Wahlkreis des Regierungsbezirks Königsberg (Memel, Hrpdekrug), Smalakys, ist heute in Tilsit gestorben.
* Aamverg, 8. Mai. Die Gemahlin des Prinzen Rupprecht von Bayern, bei zukünftigen Thronfolgers wurde heute Morgen von einem Sohne entbunden. Das bay rische Königshaus blickt also gegenwärtig auf vier Generationen: Den Prinzreg-nteu Luitpold, geboren an, 12. März 1821, feinen Sohn der Thronfolger Prinz Ludwig, geboren 7. Jrnuar 1845, dessen ä'testen Sohn Prinz Rupprecht, geboren 18. Mai 1869 und den neugeborenen Prinzen.
7.^
Arrs dem Reichstage.
-SS» 91. Gttzrm« vom 8. Mai
Tagesordnung: Dritte Lesung der Aavetk« zum Weingesetze. Bei der Generaldebatte erklärt
Abg. Schmitt-Mainz (Centr.), er werde heute trotz einer Bedenken gegen die Kellerkontrolle für das Gesetz sichtigen Häuslerstochter. Die Hochzeit sollte in wenigen Wochen, sowie Ostern vorüber, stattfinden. Da wurde er aufmerksam gemacht, daß seine Braut heimliche Zusammenkünfte mit Herr» Martens habe, und bald da, bald dort, im Gespräch mit diesem gesehen worden sei.
Marten«, dieser Ehrenmann, hatte sich, seitdem er GutSnachbar von Sokolovic geworden, für Franz in jeder Weise ol« ein Pfahl in dessen Fleische erwiesen: durch Verhetzung der Arbeiter und Nachbarn, durch unzählige Keine Chikane» war er bemüht, an Franz seine Rache au«zuübe». Sittenstrenge war de« Manne« starke Seite nie gewesen; man erzählte sich viel von seinen Abenteuern. Daß er der schönen Halka nachstelle, klang also durchaus nicht unglaubwürdig; — ebenso schien es weit wahrscheinlicher, daß die Ohrgehänge und der bunte Halsschmuck, in dem da» Mädchen feit kurzem prangte, von Marten« herrührten, al« daß — wie sie vorgab — die Pathin ihr dieselben zum Geschenke gemacht habe.
Jagar hatte auf sie Denunziation hin seiner Braut aufgelauert; thatsächlich erspähte er sie auch an einer WaldeSecke in einer Unterhaltung mit Martens; er mußte sogar sehen, wie dieser sie an sich zog und küßte. Ehr er aber hinzu - eüen konnte, hatte der Herzenseroberer fein an einem Baume festgemachtes Pferd bestiegen uni war daoongeritten. Halka blieb zurück und mußte den Grimm des erzürnten Liebhabers erfahren. Sie gestand, der gnädige Herr habe sie ost angesprochen und sei sehr freundlich zu ihr gewesen; sie gestand auch, daß er sie immer über die Sokolooicer Verhältnisse ausgefi-^ c uud ihr Geschenke gemacht habe, so oft si unt
grschemr täglich, «.Ausnahme der «»nn-und Stier» i tage.Biertelrährl.
D„«,»pret, »hneBnngerlohn «nd Bestellgeld in «ulda und auS- LärtSlM.S0Pf.
„Die Abgabe der Austrittserklärung (aus einer Religionsgemeinschaft) bewirkt, daß der Ausgetretene zu Leistungen, welche auf der persönlichen Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft beruhen, nicht mehr verpflichtet wird. Leistungen, die nicht auf der persönlichen Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft beruhen, insbesondere Leistungen, welche kraft besondern Rechtstitels auf bestimmten Grundstücken haften oder von allen Grundstücken des Bezirkes oder doch von allen Grundstücken einer gewissen Klaffe in dem Bezirke ohne Unterschied des Besitzers zu enrrichten find, werden durch die Austrittserklärung nicht berührt."
Auf den Antrag des Centrumsabg. Groeb er wurde fobann folgender Paragraph 4a beschlossen :
„Niemand ist verpflichtet, zur Befriedigung der Bedü'.fniffe einet Religionsgemeinschaft, zu der er nicht gehört, mittels Umlagen beizutragen, wenn nicht ein gemeinschaftlicher Genuß oder ein besonderes Rechtsverhältniß besteht."
Die Paragraphen von 5 bis 10 des Centrumsantrages bilden einen besondern Abschnitt desselben und behandeln die Religionsfreiheit der Religionsgemeinschaften. Diese Paragraphen sind eS, die von den Antragstellern für die laufende Tagung des Reichstages zurückgezogen wurden. Die zweiteLesung de« Antrages soll an diesem Donnerstag stattstuden. In derselben Sitzung soll der von dem Abg. Pichler verfaßte Bericht verlesen werden.
+ Das Gesetz Wer die Schaumwein- steuer wird gegenwärtig von der Weinkommisston des Reichstages in zweiter Lesung derathen. Nach einem heute (Mittwoch) gefaßten Beschluffe soll die Schaumweinsteuer betragen: a) sür Schaumwein, der aus Fruchtwein ohne Zusatz von Traubenwein hergestellt ist, zehn Pfennige für jede Flasche — b) für andere Schaumweine und schaumweinähnliche Getränke sechzig Pfennig für jede Flasche. — In der ersten Lesung hatte man die Steuer unter b auf fünfzig Pfennige festgesetzt. Gestrichen wurde heute eine in der ersten Lesung dem ersten Paragraphen eingefügte Bestimmung, die folgenden Wortlaut hatte: „®ie Verwendung von Kunstwein bei der Herstellung von Schaumwein ist verboten. Die Verwendung von Alkohol, Bouquktstoffen und geringen Mmgen von Säure ist bei der Herstellung von Schaumwein gestattet." Die Berathung wird an diesem Donnerstag fortgesetzt.
X Eine KisenvaH« chemeinfchaft zwischen HSSrttemSer, nn* Z»re«tze« bildet fett einiger Zett eines der stets wiederk-hrtzndrn Schemata in den deusschen Zeitungen. Man fugte auch Sereits der württembergischen Regierung »ach, daß sie dem Abschlüsse einer solchen Eisenbahn - Gemeinschaft gar nicht abgeneigt fei. Die Handelskammer von Stuttgart ist schon einmal vor zwei Jahren dafür eingetreten, aber sie ist unter den Wirth- schastlichen Körperschaften von Württemberg damit fast ganz allein geblieben. Im württembergischen Volke hat der Gedanke einer solchen Gemeinschaft sehr wenige Freunde; daS ist wiederum aus dem Schicksale eines Antrages klar geworben, den die deutsche Partei (also die Nationalliberalen) in der Finanz.Kommission der zweiten Kammer eingebracht hatte. Die Rr- gierung sollte nach diesem Anträge um Ermittelungen darüber ersucht werden, ob es angehe und sich empfehle, die württembergische StaatSeifin- bahn an die preußisch-hssstscheEisenbahn-Gemein-