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Juröa, Mittwoch, den 8. Mai 1901.

JE 105.

28. Jahrgang.

Der Verband katholisch -kausmänn. Bereinigungen Deutschlands erstrebt neben der Förderung der idealen und sozialen Jntereffen seiner Mitglieder durch reli- giös-fittliche Einwirkung, Sorge für gute Fach­bildung, Vertretung der Standes - Jntereffen, namentlich auch die Sicherstellung derselben in den Wechselfällen des Lebens. Letzteren mehr mate­riellen Zweck sucht er durch ein nach den ver­schiedensten Richtungen hin ausgebildetes Unter- stützungs- und Kasienwesen zu erreichen.

Zunächst ist im Verbände eine Unter­stützungs-Kasse, eine Art Stellenlosen­unterstützung, vorhanden. Ihr Zweck besteht nämlich besonders darin, in Fällen unverschuldeter Stellenlosigkeit, dann aber auch überhaupt bei Bedürftigkeit den Verbands-Mitgliedern eine Bei­hilfe zu gewähren. Die Kaffe besitzt eine beson­dere Organisation und har ihren ständigen Sitz in Hannover. Anträge auf Unterstützung vermit­telt der Vorstand der Vereinigung, dem das be­dürftige Mitglied angehört, in der diskretesten Weise. Unterstützungsberechtigt im Allgemeinen ist jedes Verbands - Mitglied, wenn es während der letzten 12 Monate seinen Vereins-Beitrag ge­zahlt hat. Als Unterstützung wird bis zu 50 <M>. nach einjähriger Mitgliedschaft, bis zu 100 M. nach dreijähriger und bis zu 200 Jk nach fünf­jähriger Mitgliedschaft zur Kasse gewahrt.

Ferner besitzt der Verband eine Kranken­kasse, deren Leistungen im Verhältniß zu den Beiträgen hoch sind. Sie hat ebenfalls ihren Sitz in Hannover und ist als „eingeschriebene Hilfs­kasse" staatlich anerkannt, so daß die Mitglieder von der Pflicht, sich einer Ortskrankenkaffe anzu­schließen, frei sind. Die Kaffe ist in zwei Ab- theilungen mit je 3 Kaffen gegliedert. Die eine Abtheilung gewährt gegen einen mäßigen Mehr- beitrag auch ein Sterbegeld. Das Eintrittsgeld beträgt für alle Abtheilungen und Klaffen 2 JtL, dagegen das Krankengeld in beiden Abtheilungen 1 Jt. 50 $ bezw. 2 Jk. bezw. 2 Ä 50 für den Tag, entsprechend der verschiedenen Beitrags- Höhe in den 3 Klaffen. Der Beitrag ist außer nach den Klassen noch verschieden nach dem Bei- trttts-Alter rormirt. Die Kasse gewährt bei Er­werbsunfähigkeit das Krankengeld vom dritten Tage der Erkrankung ab, wenn der Versicherte 5 Jahre ihr angehörte, für 360 Tage, sonst für 180 Tage das volle und für we tere 180 Tage das halbe Krankengeld. Ferner erhält das er­krankte Mitglied vom Beginne der Krankheit ab für 360 Tage freie ärztliche Behandlung, Arzneien und andere vorgeschriebenen Heil- und Hilfsmittel. Die Wahl des Arztes ist völlig freigestellt. End­lich gewährt für nothwendige Kuren die Kasse noch den Genesenden eine Beihilfe bis zu 100 J6. Nach einem Berichte des Verbandes über die Kchsenbewegung im Jahre 1897 betrugen die Ein­nahmen der Kranken- und Begräbniß - Kaffe 52,823 Jb. 80 H, denen an Ausgaben 47,018 Ä 73 H gegenüberstanden.

l Berhältnißmäßig vielleicht noch vortheilhafter sind die Leistungen der Sterbekasse des Ver­bandes, die gleichfalls ihren Sitz in Hannover hat. Sie nimmt Mitglieder bis jum 50. Lebens­jahre auf, auch deren Ehefrauen. Das Eintritts­geld richtet sich nach dem Eintrittsalter. Die Beiträge beruhen auf dem Umlageverfahren und werden nach den statistischen Berechnungen 17 Mark pro Jahr nie überschreiten. That- sächlich wurden in den 7 Jahren ihres Bestehens jährlich aber nicht mehr als 5—7 Mark von den Mitgliedern eingezogen. Mit dem 70. Lebens­jahre hört die Beitragspflicht auf. Die Kaffe zahlt als Sterbegeld nach dreijähriger Zugehörig, leit 1000 Mark, nach einjähriger Mitgliedschaft ein Drittel, nach zweijähriger zwei Drittel dieses Betrages.

Endlich ist im Verbände feit einigen Jahren nocheine „St. Marie n Pension s-Wittw en- und Mais en lasse" ins Leben gerufen worden mit dem Sitze in Trier. Dieser Unter« stützungskaffe können Mitglieder unter 45 Jahren beitreten, welche neben 5 Mark Eintrittsgeld einen jährlichen Beitrag zahlen, der ebenfalls nach dem Beitrittsalter verschieden normirt ist. Die Pen­sion beträgt nach 5jähriger Mitgliedschaft im Ganzen für Wittwe und Kinder 240 Mark. Doppelversicherung ist statthaft. Alleinstehende Mitglieder ohne Frau und Kinder brauchen nur bis zum 60. Jahre b-izutragen und erhalten dann die Hälfte der Pension als Rente. Volle un­verschuldete Invalidität berechtigt ebenfalls zum Bezüge der Pension. Stirbt der Versicherte, be­vor er 5 Jahre Mitglied war, so erhalten die Nachkommen 8/s der Beiträge zurück. Diese PenstonLkaffe ist schon deshalb so leistungsfähig

und wird es voraussichtlich bleiben, weil ihr von den Vereinen und von Wohltätern große Zu­wendungen für den Reservefonds gemacht werden, die sich bis jetzt schon auf beinahe 12 000 Mark belaufen. Besondere Vortheile werden den Mit- gliedern des Verbandes noch dadurch gewährt, daß derselbe mit verschiedenen Leb enS - und Un­fallversicherungsgesellschaften äußerst günstige Verträge abgeschlossen hat.

Diese Kaffen- und Wohlfahrtseinrichtungen geben dem Verbände eine nicht geringe An- zichungskraft. Wären sie und überhaupt der Verband mit seinen idealen und materiellen Bestrebungen noch mehr bekannt, gewiß würden sie noch in größerem Maße Mitglieder für sich gewinnen. Auch die Beamten schließen sich gern den katholisch-kaufmännischen Vereinigungen an, weil ja auch sie wie alle Mitglieder an allen Vortheilen des Verbandes theilnehmen. An manchen Orten, wo die Zahl der eigent- lichen Kaufleute nicht groß genug ist, eine lebenskräftige Vereinigung zu gründen und zu erhalten, ist die Heranziehung von Beamten, Lehrern und anderen sogar nothwendig.

Vielfach ist man noch der Meinung, der Verband katholisch-kaufmännischer Vereinigungen sowie seine Wohlfahrtseinrichtungen seien wesentlich nur für die jüngeren, unverheiratheten kaufmännischen Angestellten von Nutzen. Aller­dings bilden in größeren Städten die letzteren die Mehrzahl der Mitglieder in den Bereini­gungen. Wir halten es aber mit Rücksicht auf die Fürsorge für die Zukunft der Familienangehörigen nicht minder für die verheirotheten kaufmännischen Angestellten für eine unbedingte Pflicht, sich den kaufmännischen Vereinigungen und deren Kassen anzuschließrn. Wie leicht kommt.es vor, daß durch den Tod der Familie der Ernährer etil- rissen wird, ohne daß zur richtigen Zeit für die Hinterbliebenen gesorgt ist. Elend und Noth treten dann rur zu leicht ein. Dem können und müssen jedoch auch die kaufmännischen Angestellten von vornherein Vorbeugen, indem sie durch den Anschluß an die Kaffen des Ver­bandes der katholisch-kaufmännischen Bereim- gungen die Zukunft ihrer Familien sichern.

Jr mehr sich also auch die verheiratheteu Kaufleute dem Verbände anschließen, um so lristungSfäh'ger und damit werthvoller machen sie denselben. Zudem ist ihre Mitgliedschaft aber auch deshalb besonders zu begrüßen, weil sie durch ihre längere kaufmännische Erfahrung sowie ihr Beispiel viel zur Belebung und Htbung der Vereinsthätigkeit beitragen können.

* Em Besuch in einer Opiumhöhle.

In einem französischen Blatte schildert Lulia» Deschamps mit grauenerregender Deutlichkeit einen Besuch in einer „unter französischem Protektorat" stehenden Opiumhöhle in Cochinchina.

„In Saigon," schreibt er, „bringt das Opium- Monopol dem Staate verhältnißmäßig bedeutende Einnahmen, und es ist mindestens sonderbar, daß eine Regierung, die in Frankreich das Opium­rauchen mit äußerster Strenge verbietet, es in Kolonien offen und ohne Gewiffensbiffe gestattet. Im Jahre 1884 waren nur in Saigon acht Opiumhöhlen bekannt; dafür konnte man aber in der g'oßen Vorstadt Cholon, wo es von Chinesen wimmelt, die Opiumhöhlen überhaupt nicht zählen, ebenso wenig, wie die schmutzigen Löcher, wo in großem Maßstabe das berühmte Spiel der „36 Thiere" gespielt wird, das mehr als einem hohen Kolonialbeamten lieb und theuer ist. Dieses Spiel und dieses Rauchen sind die Hauptleidenschaften der Chinesen und Annamiten, und leider auch vieler Europäer, der sich durch „tägliche Uebung" so daran gewöhnen, daß sie dort unten nicht nur ihr letztes Verstandesparttkel- chen, sondern meist auch ihr Leben laffen müffen. Ohne jede romanhafte Verbrämung will ich yier die Eindrücke schiwern, die ich bei meinem einzig gebliebenen Besuche in den beiden Hauptopium­höhlen von Saigon empfing.

Mein Freund Guy d'Ancerville, Chefredakteur des Blattes „Le Trompete", war mein Führer bei der ersten nächtlichen Exkursion. Ich sage: nächtlichen, denn die Europäer, die derartige Etabliffements besuchen, wagen sich nut mit äußerster Vorsicht hinein, da sie eine gewisse Scham empfinden, ihre Schwäche sehen zu laffen. Das Haus, in welches wir uns begaben, hat äußerlich nichts Originelles oder Eigenthümliches. Es ist ein langer Backsteinbau, der nur ein Erd­geschoß mit mehreren Fenstern und drei Thüren hat, alles hermetisch verschlossen, so daß kein Lichtstrahl eindringen kann. Von dem Ziegel- dache ragen zahlreiche Lüftungs-Schornsteine in >ie Luft, die hier von unstreitigem Nutzen sind. d'Ancerville, der den Ort genau kennt, klopft in einer eigenartigen Weise. Nicht als ob das Haus heimlich seinen Zwecken diente, sondern weil die

Raucher der niederen Klaffe nicht zugelaffen werden. Der kleine Laden eines GuckfensterchenS wird leise aus der Rille geschoben. Zwei Augen sehen uns an. Nachdem der Besitzer dieser Augen konstatirt hat, daß wir Europäer sind, öffnet er die Thür, und wir haben fielen Eintritt. Wir kommen in eine sehr schlecht beleuchtete Vorhalle, die mit Holzbänken und mit Tabourets versehen ist. Fünf oder sechs chinesische Diener erheben sich bei unserem Eintritt und öffnen, ohne ein Wort zu sprechen, einen großen Schrank, aus welchem Sie zwei lange Roben, zwei weite Bein­kleider aus Seide und zwei Paar Sandalen her­ausnehmen. Mein Begleiter hatte Schuhe und Kleidungsstücke bereits abgelegt. Ich machte es ebenso, und wir waren in einem Nu Chinesen, es fehlte uns der lange Zopf, der die schönste Zierde der Söhne des Himmels bildet.

Bevor wir den langen Schlafsaal der Raucher betraten, mußten wir das „Laboratorium" durch­schreiten, eine Art Küche, wo zahlreiche Einge­borene, die mit nacktem Oberkörper vor einem wahren Schmiedefeuer stehen, den heiligen Rauch­stoff bereiten. Man sieht in diesem Raume nur Tiegel, Holzkübel und große Behälter aus Thon oder aus Kupfer, die Waffer und verschiedene mir gänzlich unbekannte Substanzen enthalten. An den Wänden befinden sich zahllose Pfeifen von verschiedenen Formen, die mit den in Europa Üblichen Pfeifen auch nicht die geringste Aehn« lichkeit haben. d'Ancerville zeigte mit dem Finger auf die Pfeifen, die er gewöhnlich nahm. Unsere zwei Diener holten sich herunter und führten uns dann in den Rauchfaal der Träume. Man denke sich einen Krankenhausfaal, wo die Betten so aufgestellt wären, daß kein Patient den andern sehen könnte. Diese Betten sind hier nichts weiter als ein plumper, viereckiger Backsteinbau, der sich etwa 1 Meter hoch vom Boden erhebt. Inder Mitte sind einige Stufen angebracht. Auf der glatten Fläche angekommen, braucht der Besucher sich nur auszustrecken: fein Körper ruht auf den ewigen Bambusmatten und fein Kopf auf einer Art Quer kiffen. Der Diener bringt ihm dann seine Pfeife. Vor einem dieser Bett-Sarkophage, die genau den großen Offen in den russischen Bauernwohnungen gleichen, blieb ich auf einen Wink meines Begleiters stehen. Vor un8 liegt auf dem Rücken, die ausgebrannte Pfeife daneben, ein leben­diger Leichnam leider ein Europäer. Er ist nur 32 Jahre alt, sieht aber aus wie ein Siebenzig- jähriger. Sein abgemagerter Körper und feine Gefichtszüge sind von geradezu erschütternder Wirkung. Die großgeöffneten Augen sind unbe­weglich nach der Decke gerichtet. Die aschgrauen Ringe, die sie umgeben und bis zu den Wangen hinuntergehen, scheinen durch eine starke Schicht Bleierz hervorgcbracht zu sein. Auf dem halb- gefchloffenen Munde liegt ein Lächeln von uner­hörter Intensität, das so auSfieht, als wenn eS nie verschwinden könnte. Es ist, ich schwöre es, ein entsetzenerregendes Schauspiel, das den stärksten Mann vor Grauen erzittern läßt.

Nach den Mittheilungen, die uns unser chine­sischer Begleiter machte, dauerte die beinahe kataleptische Extase des Unglücklichen durchschnitt­lich zwei bis drei Stunden, dann braucht er zwei Tage, um die völlige Kraft zur Erneuerung dieses Zustandes zu finden. Fünf Jahre waren feit feiner Ankunft in Cochinchina verflossen, wo er als Regierungsbearntrr beschäftigt wurde. Vom ersten Tage an hatte er ttotz aller Warnungen die Opiumshöhlen besucht, und zwei Jahre später wurde er, da seine geistigen Kräfte vollständig schwanden, aus dem Dienste entlasten. Seine Kollegen veranstalteten eine Sammlung, löste» eine Uebersahrtskarte und begleiteten ihn bis zu )em Schiffe, das ihn nach Frankreich zurück- bringen sollte. „Er ist gerettet!" dachten die guten Menschen. Sie rechneten nicht mit der furchtbaren demoralistrenden Kraft, die ihr Opfer mit ehernen Griffen festhält und es nie wieder osläßt. Drei Monate später war der Sklave >rs Opiums wieder zurück, und zu der Zeit, von der ich spreche, wird sein durchsichtiges Skelett von den letzten Stößen des Lebens geschüttelt, ein ausgedörrteS Gehirn sieht den letzten Glanz einer übermenschlichen Träume, die ihn aus lebelhaften Sphären brutal in das dunkle Nichts lürzen. Einige Tage nach unserem Besuche war et tobt.

Während unseres nächtlichen Aufenthalts in >er Opiumhöhle widmeten wir uns hauptsächlich Beobachtungen und einer genauen Besichtigung der verschiedenen Rauchertypen, von denen die mestten mir persönlich eine .heilsame Abstinenz- Lektion gaben. Ich rauchte zwei oder drei Pfeifen. Der Rauchstoff besteht jn einer kleinen Kugel von der Größe einer großen Erbse; acht bis zehn Züge genügen, um ihn vollständig auf« jubraudjen. Ich müßte lügen, wenn ich behaupten wollte, daß ich auch nur im geringsten in Träu­merei verfiel. Das einzige Ergebniß dieses ersten Veffuchs war ein heftiger Kopfschmerz, der erst

nach 24 Stunden vollständig geschwunden war. Die Opiumsraucher behaupten zwar, daß man erst nach mehreren Versuchen von der Wirklich­keit in den Traumzustand versetzt werde, ich muß aber gestehen, daß die Beispiele, die ich im Laufe meiner beiden Versuche beobachten durste, mich durchaus nicht ermuthigten, dem ersten Äersuch einen zweiten folgen zu lasten.

Kermischlss»

• Wie Dewet Heerführer der Auren geworden ist, war bisher nicht bekannt. Der Generatpostmeister von TranSvasl, von Alphen, hat daS einem Wiener Journalisten erzählt: Im Kaffernkriege stand er al- einfacher Kämpfer in den Reihen der Buren; als der Krieg vorüber war, wurde er Mitglied deS VollSraad» in Pretoria. Aber dieses ruhige Arbeiten sagte ihm nicht zu, und oft bemerkte er, dies fei rin „altes Weiber­leben". Dewet verließ auch später Pretoria und ging nach dem Freistaat. Dort wurde er gleichfalls in die Volksvertretung gewählt, und nebenbei betrieb er seinen Biehhandel, der ihn im Laufe der Jahre zum wohl­habenden, wenn nicht reiche» Manne gemacht hatte. Als der Krieg auSbrach, stellte er sich sofort in die Reihen der Kämpfer. Nach einigen Wochen wurde er Feldkornet und lag als solcher bei JakobSdal. Den Oberbefehl über die dort versammelten Buren führte zu jener Zeit General Fereira, dem auch Dewet unter­stand. Eines Abends machte Fereira die Rund« um daS Lager, um die Wachen zu infpiziren. Einer der Wachtposten war, ;das Gewehr zwischen den Füßen, eingeschlafen. Als ihn Fereira wecken wollte, stieß er mit dem Fuße an das Gewehr deS Schlafenden, der Schuß ging los und die Kugel drang dem General in den Kopf. Die Präsidenten Krüger und Stejn beriefen die Generäle in einer Konferenz, um darüber schlüssig zu werden, wer zum Nachfolger deS verstorbenen Ge­nerals zu ernennen sei. Depeschen wurden zwischen dem Freistaat und Transvaal gewechselt. Jeder wollte einen andern Nachfolger auf FereiraS Platz sehen, biS ein alter Aussetzer sagte: „Macht Dewet zum Kom­mandanten!" Der Rath wurde befolgt; Dewet hatte sich durch kleine Handstreiche gegen den Feind hervor- gethan, er besaß das Vertrauen der Leute, die erklärten, sich ihm unterordnen zu wollen. Das war im Februar, fünf Monate nach dem AuSbruche des Krieges, und heute ist DewetS Name als erfolgreicher Anführff der Buren der ganzen Welt bekannt.

* Das Vaterunser auf einer Thonscherbe, lieber eine Thonscherbe mit dem griechischen Texte des Vaterunser macht Rudolf Knopf-Marburg im neuesten Heft des „Kais, deutsch, archäol. Instituts" (Athen. Abth.) eine interessante Mittheilung. Die Scherbe ist, da wir ein inschriftlich überliefertes Vaterunser noch nicht besitzen, ein Unikum und ferner deswegen werth­voll, weil sie als Textzeuge neben die besten Codices tritt und aus einer Gegend stammt, über deren Ver­hältniß zur neuen Religion man für jene Zeit nur wenig weiß. Ihr Fundort ist nämlich Megara. DaS Stück ist ein Fragment von rothbrauner Farbe, oben und links gebrochen. Die Schrift ist so hergestellt, daß die Buchstaben mit dem Griffel in den noch wffchen Thon, wie in eine Wachstafel, eingegraben und dann durch Brennen des Thons fixirt wurden. Die Tafel war also von vornherein für den Zweck, Träger des Textes zu sein, bestimmt. Sie entbot auf acht Zeilen Theile des Vaterunser nach dem Matthäustexte. Die Tafel stammt aus dem vierten Jahrhundert, worauf besonders das Monogramm Christi am Ende der Tafel, das in der Form der sogen. Crux monogrammatica auftritt, hinweist. Dieses Zeichen läßt sich von der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts an nach­weisen und trat zu Anfang des fünften fast ganz zurück.

* Nach dem Examen. Papa: „Also zwei Prä­mien hast Du bekommen?" — Else: „Ja, Papa." - Papa: „Wofür?" - Else: „Diese habe ich für mein gutes Gedächtniß." — Papa: „Und die andere?" — Else: „Ach Gott, Papa, darauf kann ich mich nicht besinnen."

* Kindliche Drohung. Karlchen: „Mann und Frau wollen wir spielen? Meinetwegen, aber Dein Mann will ich nicht sein." Trudchen: „So, nicht mein- Mann? Na warte, dann werde ich Deine Schwieger­mutter."

Literarisches. ,

Kleines Nreoier zn Khre« des hl. Aerzens Aesn.

Tagzeiten für jeden Tag der Woche nebst den nothwendigsten Gebeten. Autortstrte Uebersetzunz aus dem Französischen von Clara Britz. 14. Auf« läge. 192 Setten. Preis geb. 60 Pfg., mit Gold­schnitt 80 Pfg., Mk. 1.20 u. Mk. 1.60. Verla, der Bonifacius-Druckerei in Paderborn.

Das hübsch ausgestattete Büchlein enthält die Tag« Sten des hl. Herzens Jesu. Die 14. Auflage deS önen, fromm und sinnig geschriebenen Büchleins, daS sich zur Anschaffung für den herannahenden Herz Jefu- Monat ganz besonders empfiehlt, ist ein Beweis, daß dasselbe sich schon viele Freunde erworben hat. Möge ihre Zahl wachsen zur größeren Ehre deS heiligsten Herzens Jesu!

Das Aach des AeSens oder die Verehrung des gött­lichen Herzens Jesu von P. I. Waldner, S. J.

Nach der 7. Auflage der Textausgabe vom Jahre 1788 bearbeitet und heraus gegeben von I. I. Hansen, Pfarrer. Mit Nrchlicher DruckerlauKiß 224 S. 12». Verlag der Bonifaciusdruckerei in Paderborn.

Nach einer kurzen Belehrung über den Ursprung, das Endziel und die Bortresflichkeit der Herz-Jesu-An- dacht folgen tägliche, wöchentliche, monatliche und jähr­liche Andachten, kleine Tagzeiten zu Ehren deS hhl. Herzens Jesu, Ablaßgebete und Betrachtungen über das hhl. Herz Jesu re Allen Seelen, welche im göttlichen Herzen unseres Erlösers ihr Vorbild suchen zur Gr- langung seiner Tugenden, wird dies gediegene Gebet­büchlein sehr willkommen sein. Wir wünschen ihm daher die weiteste Verbreitung.